Das erste Freiwilligen-Gelöbnis

Vor dem Berliner Reichstag, dem Sitz des Bundestages (ich finde, das sollte man dazusagen…) haben heute erstmals im feierlichen Rahmen ausschließlich freiwillige Soldaten das Gelöbnis abgelegt. Unter den Freiwillig Wehrdienstleistenden waren auch zwei Frauen, die allerdings in der Masse der Männer untergingen. Bei den Berichten über dieses feierliche Gelöbnis am 20. Juli wird bislang immer ein Absatz aus der Rede von Bundespräsident Christian Wulff zitiert:

Der Geist der Bundeswehr wird sich mit Aussetzung der Wehrpflicht nicht verändern. (…) Was sich aber auch nicht ändern darf, ist der Geist, in dem wir als Bürger der Bundeswehr gegenübertreten. Sie gehört in unsere Mitte, in unsere Schulen und Hochschulen, auf öffentliche Plätze. Ihre Freiwilligkeit darf nicht zu Gleichgültigkeit der Gesellschaft führen. Hier mache ich mir durchaus Sorgen, die hoffentlich unberechtigt sind.

Ich bin gespannt. Und ich vermute, dass Politiiker diese Sätze künftig gern immer wieder zitieren werden. Ich finde ja, dann sollten sie auch einen weiteren Absatz aus der Rede des Präsidenten immer wieder laut sagen:

Unsere Soldatinnen und Soldaten kennen aus eigener, manchmal auch bitterer Erfahrung die Grenzen militärischer Einsätze. Daher ist es so wichtig, dass die Politik auf ihren Rat besonders hört, bevor ein Einsatzbefehl ergeht. Allein militärisch ist nicht zu gewinnen – weder der Frieden, noch kann man damit stabile Demokratien schaffen. Im Zusammenwirken von Politik, zivilem Engagement, Entwicklungszusammenarbeit und dem Dialog der Kulturen liegt der Erfolg.

Ob die Politik dem folgt? Werden wir ja sehen.

64 Gedanken zu „Das erste Freiwilligen-Gelöbnis

  1. Eine kraftlose, uninspirierte Redes des Bundespräsidenten.
    Warum nicht stattdessen zum 20. Juli das Original zitieren?

    „Wir glauben an die Zukunft der Deutschen.

    Wir wissen im Deutschen die Kräfte, die ihn berufen, die Gemeinschaft der abendländischen Völker zu schönerem Leben zu führen.

    Wir bekennen uns im Geist und in der Tat zu den großen Überlieferungen unseres Volkes, das durch die Verschmelzung hellenischer und christlicher Ursprünge in germanischem Wesen das abendländische Menschentum schuf.

    Wir wollen eine Neue Ordnung, die alle Deutschen zu Trägern des Staates macht und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgt, verachten aber die Gleichheitslüge und fordern die Anerkennung der naturgegebenen Ränge.

    Wir wollen ein Volk, das in der Erde der Heimat verwurzelt den natürlichen Mächten nahebleibt, das im Wirken in den gegebenen Lebenskreisen sein Glück und sein Genüge findet und in freiem Stolze die niederen Triebe des Neides und der Mißgunst überwindet.

    Wir wollen Führende, die aus allen Schichten des Volkes wachsend, verbunden den göttlichen Mächten, durch großen Sinn, Zucht und Opfer den anderen vorangehen.

    Wir verbinden uns zu einer untrennbaren Gemeinschaft, die durch Haltung und Tat der Neuen Ordnung dient und den künftigen Führern die Kämpfer bildet, derer sie bedürfen.

    Wir geloben:
    untadelig zu leben –
    gewissenhaft zu dienen –
    unverbrüchlich zu schweigen –
    und füreinander einzustehen.“

    http://www.stauffenberg1944.de/schwur.html

  2. @20.Juli

    (solche Pseudonyme sind ja bisschen simpel…)

    Vielleicht weil es eben die Rede des Bundespräsidenten ist und nicht der Versuch ansteht, Hitler zu töten?

  3. Habe ich mich verhört oder hat der Minister einen Rekruten der Abordnung gefragt, ob er „Wiedereinsteller“ ist. Nach meinem Verständnis konnte vorm Reichstag kein Wiedereinsteller dabei sein, oder irre ich?

    Einen weiteren Rekruten vom LogBtl 172 (rotes Barett), hat er gefragt ob es ihm im WachBtl gefällt.

    Kennt der Minister seinen „Laden“ noch nicht so gut, oder interessiert so etwas einen Minister einfach nicht?

  4. @Eckmann

    Sie haben TV geguckt, also waren Sie näher dran als ich, der auf der Pressetribüne saß ;-)

  5. „Warum nicht stattdessen zum 20. Juli das Original zitieren?“

    Spätestens bei „verachten aber die Gleichheitslüge und fordern die Anerkennung der naturgegebenen Ränge.“ wäre es dann vorbei…

  6. Ich glaube übrigens, dass Zeit ein ganz wichtiger Faktor ist. Die Umstellungen bei der BW sind so weitreichend, dass man der ganzen Geschichte einfach Zeit geben muss, sich einzuspielen. Sicher kann und soll man – auch und gerade heute – konstruktive Kritik üben, aber ein bisschen Gelassenheit den kleinen und mittleren Pannen gegenüber schadet auch nicht.
    Die BW muss noch viel lernen. Sicher ist, um mal an die Meldungen von Dienstquittierern anzuknüpfen, es eine neue Situation vor die man in der AGA steht, wenn der Rekrut jeden Tag einfach kündigen und gehen kann. Auch da wird die BW lernen müssen, dass der (zumindest im Einsatz absolut notwendige) Komisston auch langsam heraufgefahren werden kann und nicht von 0 auf 100 starten muss, zum Beispiel. Gleiches Gilt auch für das deutsche Volk. Auch wir müssen lernen mit den neuen Gegebenheiten umzugehen. Einer Armee im Dauereinsatz. Einer Armee in der nicht mehr „alle ran müssen“. Eine Armee die – gerade in den Köpfen – nicht mehr auf den Russen wartet, sondern in alle Welt fliegt.
    All das sind Veränderungen die Zeit brauchen. Das vergessen wir Interessierte manchmal in unseren Betrachtungen.

  7. Beim Schwur der Verschwörer (man beachte den gemeinsamen Wortstamm) des 20. Juli läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter.

    Dieses Gefühl will sich bei der Rede des Bundespräsidenten nicht so recht einstellen. Es wäre interessant zu erfahren, wie die jungen Soldaten das sehen.

  8. @Nico
    „Spätestens bei “verachten aber die Gleichheitslüge und fordern die Anerkennung der naturgegebenen Ränge.” wäre es dann vorbei…“

    Dann sollte die Bundeswehr so konsequent sein und die Tradition des 20. Juli nicht mehr für sich beanspruchen. Man kann sich eine Tradition wie die des 20. Juli nicht nur äußerlich aneigenen, ohne sie zur Maskerade herabzuwürdigen.

    Die Gedanken derer, die sich am 20. Juli 1944 für Deutschland opferten, sind zwangsläufig kontrovers und polarisierend, weil nette Konsensworte nicht genug Kraft haben können, um Menschen zu solchen Opfern zu bewegen.

    Die Bundeswehr muss heutzutage glücklicherweise keinen Hitler töten, aber die Aufgabe des Lebens ist immer noch etwas, was vom Soldaten gefordert werden kann. Sind die Worte des Bundespräsidenten kraftvoll und glaubwürdig genug, um den Rekruten das Gefühl zu geben, dass dieses Land es wert wäre, ihr Leben dafür zu geben? Der zitierte Schwur hatte diese Kraft, und nur weil es Männer gab die an ihn glaubten und für ihn starben, gibt es diesen Staat überhaupt. Wenn der höchste Repräsentant dieses Staates jenes Bekenntnis daher ausgerechnet anlässlich eines Gelöbnisses zum 20. Juli durch belanglose Nettigkeiten ersetzt, ist das m.E. ein falsches Signal.

  9. @“chickenhawk | 20. Juli 2011 – 23:35″: Weshalb der eiskalte Schauer?

    @D. Ermes | 20. Juli 2011 – 23:25: Man könnte auch den Standpunkt vertreten, dass Leute, die nicht in der Lage sind, sich schnell genug anzupassen, für eine Armee auch nicht geeignet sind ;-)
    Klar ist gerade in der Infanterie der Ton ein bisschen rau, aber allgemein ist die Bundeswehr eher harmlos. Und wer nach der Schule eine Lehre anfängt, kann auch damit rechnen, das ein oder andere Mal vom Meister und den Gesellen geföhnt zu werden.

  10. Als Detail ist anzumerken, was in den Kommentaren schon durch kam: Im TV – bspw. Phoenix – konnte man dank zugelassener Mikrofone hören, was Bundespräsident und der BMVg die Rekruten gefragt haben. Eine neue, kommunikative Offenheitsoffensive der Bundeswehr? Im Übrigen war die Rede des Herrn Bundespräsidenten beileibe kein Meisterstück, es war aber eine gute, dem Anlass gerechte Rede.

    @T. Wiegold: Von wem ist das Foto? Von Ihnen?

  11. @Frederic

    Hier im Blog sind alle Bilder, die keinen eigenen Urhebervermerk tragen, von mir.

  12. @Nico: man dar aber eben nicht vergessen, dass in ein paar kleineren Zusammenhängen auch nach innen die „Werbetrommel“ weiter gerührt werden muss. Zumindest, bis das ‚Commitment‘ der jungen Soldaten gefestigt ist. Personalwerbung hört nicht beim Anmustern auf!

  13. @ 20. Juli

    „Wir wissen im Deutschen die Kräfte, die ihn berufen, die Gemeinschaft der abendländischen Völker zu schönerem Leben zu führen.

    Wir bekennen uns im Geist und in der Tat zu den großen Überlieferungen unseres Volkes, das durch die Verschmelzung hellenischer und christlicher Ursprünge in germanischem Wesen das abendländische Menschentum schuf.“

    Vielleicht hat der Bundespräsident ja auch andere Worte gewählt um nicht des nationalistischen Größenwahns überführt zu werden. Oder um nicht als Verfechter einer verdrehten völkisch-esoterischen Gesinnung enttarnt zu werden. Wer weiß das schon?

  14. Zitat:“Der Geist der Bundeswehr wird sich mit Aussetzung der Wehrpflicht nicht verändern.“

    Der Geist der BW hat sich an dem Tag verändert, an dem ein deutscher Infanterist das G36 erstmals in Anschlag auf eine feindliche Stellung brachte und einen Feuerstoß aus seiner Waffe sprechen ließ. Seit diesem Tag ist ein Prozess im Gange, den weder Politk oder Gesellschaft umkehren können, auch wenn sie noch tausendmal den „Staatsbürger in Uniform“ propagieren. Der BW Soldat ist zum Kämpfer geworden….dieser Realität sollte Regierung und Gesellschaft ins Auge sehen und schauen wie sie den Kämpfer in ihre Gesellschaft integriert, anstatt weiter daran zu glauben er sei nur irgendein „Bürger in Uniform.“

  15. @Bang50

    Die Intention hinter der Schaffung eines „Bürgers in Uniform“ war ja gerade, dass dieser nicht „irgendein[er]“ sein solle sondern eben Kämpfer UND Bürger. Ich sehe ein, dass es sich mittlerweile vielleicht nur noch um eine Plattitüde handeln mag, das ändert aber nichts am guten Gedanken dieses Begriffs.

  16. @Bang50
    Sie sollten fairerweise aber auch erwähnen, das dieser „Feuerstoss“ zu einer enormen Verunsicherung im inneren Gefüge der Bundeswehr geführt hat, das bis heute anhält. Es ist eben nicht auf einmal jeder Soldat der Bundeswehr zum Kämpfer geworden. Der Geist des „Bürgers in Uniform“ ist mir immer noch genauso symphatisch wie der „Schutzmann an der Ecke“ … Bürgernähe; das wollen wir doch?!

  17. @Bang50
    „Der Geist der BW hat sich an dem Tag verändert, an dem ein deutscher Infanterist das G36 erstmals in Anschlag auf eine feindliche Stellung brachte und einen Feuerstoß aus seiner Waffe sprechen ließ. Seit diesem Tag ist ein Prozess im Gange, den weder Politk oder Gesellschaft umkehren können, auch wenn sie noch tausendmal den “Staatsbürger in Uniform” propagieren. “

    Ich habe den Eindruck, dass in der Bundeswehr in dieser Hinsicht die inneren Spannungen zunehmen. Während die Bürokraten in Berlin sich das angebliche Selbstverständnis der Bundeswehr scheinbar von Unternehmensberatern diktieren lassen, so dass es z.B. von dem beliebiger Unternehmen kaum noch zu unterscheiden ist (
    http://bendler-blog.de/__oneclick_uploads/2011/07/wirdienendeutschland_barrierefrei_final_juni-2011_neu.pdf), suchen viele Soldaten nach der Einsatzerfahrung nach soldatischer Tradition, an die sie anknüpfen können. Da man sie damit völlig alleine lässt, ist das Ergebnis zwar nicht immer stilsicher, aber stets authentischer als jede Corporate-Communications-Hochglanzbroschüre.

    Es wurde ja schon gemeldet, dass im Einsatz manche Tradition in Eigeninitiative und im direkten Verstoß gegen entsprechende Weisungen (Traditionserlass etc.) neu geweckt wurde. Die Bundeswehr hat Angst davor und bekämpft jeden Ansatz dazu, was zur wachsenden Entfremdung zwischen offizieller Linie und Teilen der Kampftruppe führt. Eine Folge ist sinkende Bereitschaft, BS zu werden, immer tiefer sinkende Motivation und auch sinkende Attraktivität der Bundeswehr für Bewerber, die in erster Linie Soldaten sein wollen.

  18. Die Bundeswehr hat schon immer Freiwillige eingestellt. Auch freiwillig länger dienende Wehrdienstleistende gibt es seit geraumer Zeit. In der öffentlichen Wahrnehmung aber, wird so getan, als ob es sich bei denen jetzt Gelobenden um eine besondere Spezies handelt. Da hilft es offensichtlich auch nicht, wenn ein paar Enthusiasten, wie hier im Blog, es besser wissen.
    Mir zeigt es allerdings auch, dass die Bundeswehr, als Institution, nicht in der Mitte der Gesellschafft verankert ist. Während die Soldaten hingegen, im Gegensatz zu den Anfängen, überhaupt nicht mehr in den Kasernen leben, sondern ganz normale Nachbarn im Umfeld von Sport- oder Schützenverein oder Feuerwehr und Kirche sind.
    Zum 20. Juli. Seit über 20 jahren sind wir in Einsätzen, davon seit über 10 Jahren im Afghanistan Krieg. Sind da heraus noch keine Vorbilder erwachsen? Das Problem ist offensichtlich, dass von Stauffenberg noch Held sein darf, Bundeswehrsoldaten auf keinen Fall.

  19. @BausC

    „Das Problem ist offensichtlich, dass von Stauffenberg noch Held sein darf, Bundeswehrsoldaten auf keinen Fall.“

    Sehr schön auf den Punkt gebracht.

  20. „Was sich aber auch nicht ändern darf, ist der Geist, in dem wir als Bürger der Bundeswehr gegenübertreten. Sie gehört in unsere Mitte, in unsere Schulen und Hochschulen, auf öffentliche Plätze. Ihre Freiwilligkeit darf nicht zu Gleichgültigkeit der Gesellschaft führen.“

    Ich kann diese hohle Phrasendrescherei nicht mehr hören.

    Was passiert wenn Soldaten in „unsere Mitte“ gestellt werden kann man sicherlich besonders an Berliner Schulen und Hochschulen wunderbar beobachten.

    Wieviel Polizisten haben eigentlich dieses Gelöbnis weiträumig abgesperrt ?

    Ich wage die Behauptung, dass weiten Teilen unserer nachhaltig friedensliebenden Gesellschaft die BW sch****egal ist. Wulff&Co wollen bzw. dürfen das nur nicht erkennen.

    Wenn man von der BW in den Medien hört, dann nur wegen Gefallenen oder Skandalen. Dann muss man sich auch nicht wundern, warum das „branding“ (Vorsicht Neusprech!) nicht gut ist. Aber halt: es gibt ja noch positives: die Militärkapelle die die Hymne beim Pokalfinale spielt und die tollen Dokus auf N24.

  21. @ BausC
    Das Problem ist offensichtlich, dass von Stauffenberg noch Held sein darf, Bundeswehrsoldaten auf keinen Fall.

    Damit machen sie es sich aber ziemlich einfach.

    Was Stauffenberg zum „Held“ macht ist einfach auf den Punkt zu bringen: Ein hehres Ziel („Das Monster Hitler“ ausschalten) und Selbstlosigkeit (hohes persönliches Risiko, kein persönlicher Gewinn).
    Das kann selbst jeder Pazifist nachvollziehen (auch wenn er womöglich nicht zustimmt), und die gesamtgesellschaftliche Tragweite dieser Entscheidung streitet glaub auch niemand ab. Dass es dabei ein einzelnes, konkretes Ereignis handelt ist dabei sicherlich auch förderlich.

    Da können die Bundeswehr-Einsätze der letzten 20 Jahre nicht mithalten. Das geht schon mit deren Hintergrund los: Failed oder Failing States mit ethnischen Konflikten, organisiertem Verbrechen und ohne klaren Gegner sind jetzt nicht gerade die ideale Grundlage für hochglanzpoliertes „Heldentum“. Schnelle Lösungen gibt es da auch keine, bestenfalls jahrelange Aufbauarbeit. (Und wenn man sich da die Bilanz anschaut, dann sind die „Erfolge“ der Bundeswehr ziemlich durchwachsen.)

    Da hilft es dann auch nicht, dass sich Bundeswehrführung und Regierung anscheined besonders um Einsätze bemühen, in denen man etwas vor sich hin wursteln kann, aber nach Möglichkeit nicht entscheidend gefordert wird. Randschauplätze ohne konfliktentscheidende Bedeutung.

    Dass da die „großen“ Erfolge ausbleiben ist bei solchen Rahmenbedingungen wenig überraschend. Ein Bundeswehreinsatz ist ein „Erfolg“, wenn die Bundeswehr teilgenommen hat und eine Katastrophe ausgeblieben ist.

    Und im „Kleinen“ geht das doch weiter: Wenn der ganze Einsatz so ausgelegt ist, dass er möglichst wenig relevant ist, dann macht das heldenhafte Erfolge eher unwahrscheinlich.

    Dazu kommt dann noch die Informationspolitik der Bundeswehr. Gerade wenn ein Einzel-Ereignis besonders heraussticht bedeutet das meist, dass vorher einiges schiefgelaufen ist. (Siehe Tanklaster-Bombardement oder Karfreitags-Gefecht.) Entsprechend abwehrend fällt dann auch meist die Kommunikation aus.

    Auch mit der „Selbstlosigkeit“ ist das so eine Sache. Die Diskussionen zur Söldner-Mentalität hatte es hier ja wiederholt. Wer glaubt wirklich, dass der Glaube an die Mission ausschlaggebender ist als der Auslandszuschlag?

    Was bleibt also an „Heldentum“ noch übrig?

    Zum einen selbstloses Handeln im Gefecht. Für Einsatzsoldaten sicherlich wichtig, für Deutschland als ganzes wohl eher nicht.

    Zum anderen die Erfolge auf lokaler Ebene, was dann meist auf „Bundeswehr als Entwicklungshelfer“ hinausläuft. Das tun (N)GOs auch (und meist effizienter). Mehr als ein wohlwollendes Nicken kriegen die von der deutschen Bevölkerung aber auch nicht.

    Aber vielleicht irre ich mich ja auch:
    Welche heldenhaften Leistungen hat die Bundeswehr denn die letzten 20 Jahre vollbracht?
    Welche Helden aus den Reihen der Bundeswehr sollten mehr Anerkennung erfahren?

  22. @J.R.
    Wenn sie es so auslegen, werden wir in der Geschichte sicherlich Ereignisse finden, mit denen von Stauffenberg nicht mithalten kann. Und nun?
    Jeden Tag fahren junge Menschen, Milchgesichter, von AVZ träumend auf Streife um ihr Leben zu riskieren? Während wir hier drüber schwafeln, ob das was sie tun nun heldenhaft ist oder nicht? Wann ist uns das letzte mal der Arsch auf Grundeis gegangen? Es sind Menschen wie „Du und Ich“, die aus der heutigen Zeit mit all ihren Annehmlichkeiten entsprungen sind.
    Was sagen Sie den Eltern und Angehörigen der gefallenen Kameraden? Leider ist ihr Sohn beim AVZ-kassieren zu Tode gekommen?
    Bevor ich mich noch mehr in Schweiß schreibe, beschließe ich das ganze mit dem Eid dem unsere Soldaten verpflichtet sind, nicht aber von Stauffenberg:

    „Ich schwöre der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen
    und das Recht und die Freiheit
    des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen,
    so wahr mir Gott helfe.“

  23. @ Kusa
    „Ich wage die Behauptung, dass weiten Teilen unserer nachhaltig friedensliebenden Gesellschaft die BW sch****egal ist. Wulff&Co wollen bzw. dürfen das nur nicht erkennen.“

    Das greift meines Erachtens zu kurz wie auch die These vom „Freundlichen Desinteresse“ der Gesellschaft.

    Dem widerspricht auch eine aktuelle Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr (abrufbar auf deren Homepage http://www.sowi.bundeswehr.de):
    SOWI.Thema Heft 2/2011, Heiko Biehl / Rüdiger Fiebig , „Zum Rückhalt der Bundeswehr in der Bevölkerung – Empirische Hinweise zu einer emotional geführten Debatte“ vom 05. Mai 2011.

    Hier die wesentlichen Aussagen der Studie:

    „Eigentlich besteht für die Streitkräfte kein Grund zur Klage. Ihre Umfragewerte sind gut bis sehr gut. Die aktuelle Erhebung des SOWI weist einen Zuspruch für die Bundeswehr von 86 Prozent aus (Bulmahn 2010: 24). (…) Die aktuellen Umfragen, in denen über 80 Prozent der Befragten ihre positive Haltung zu den Streitkräften kund tun, stellen mithin eine im historischen Vergleich nie erreichte Höchstmarke dar.“

    (…)

    „…empirischen Befunde relativieren das Bild einer gegenüber der Bundeswehr indifferenten deutschen Öffentlichkeit. Unter den berichteten Aktivitäten überwiegt die Unterstützung für die Bundeswehr deutlich gegenüber kritischen Handlungen, wobei rein verbale Kommunikationsformen häufiger genutzt werden als aktivere Formen. Kritische Handlungen werden von einem kleineren Teil der Bevölkerung vorgenommen und treten dabei aber in keinem Fall häufiger auf als bundeswehrfreundliche Aktionen. Die Befunde stellen die Vorstellung einer desinteressierten deutschen Bevölkerung in Frage. Fast 30 Prozent der Befragten waren innerhalb von zwölf Monaten mindestens einmal unterstützend aktiv. Dem steht ein Zehntel der Befragten entgegen, das sich ablehnend gegenüber der Bundeswehr positioniert. Die Unterstützung ist zudem in der gesamten Bevölkerung verankert. Unterstützende Aktivitäten überwiegen in allen betrachteten sozialen Untergruppen, d. h. bei alten wie jungen Bürgerinnen und Bürgern, bei Frauen und Männern, bei Befragten aus verschiedenen Regionen, mit unterschiedlichem Bildungsniveau und Einkommen sowie in den Anhängerschaften aller Parteien. Die Analyse zeichnet somit das Bild einer mehrheitlich bundeswehrfreundlichen Bevölkerung, deren Unterstützung sich in Wort und Tat konkretisiert. Das Bild vom „freundlichen Desinteresse“ muss damit revidiert werden.“

    (…)

    „Dennoch bleibt die Frage, warum seitens der Soldatinnen und Soldaten und in der politischgesellschaftlichen Diskussion immer wieder über eine angeblich fehlende Unterstützung geklagt wird. Zum Teil erklärt sich dies aus der (finanz-) politischen Unterfütterung der Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Die seit Jahren betriebene Verkleinerung der Bundeswehr und die stagnierende Ressourcenausstattung gehen dabei Hand in Hand mit der finanzpolitischen Prioritätensetzung der deutschen Bevölkerung. Wie eine Studie des SOWI, die auf der Bevölkerungsumfrage des Jahres 2008 basiert, zeigt, spricht sich zwar nur ein Fünftel der Befragten unmittelbar für eine Senkung des Verteidigungsetats aus. Fragt man jedoch nach den Präferenzen bei unvorhergesehenen Steuerminder- bzw. Steuermehreinnahmen, dann gilt dieser als erster Kandidat für Sparmaßnahmen, während nur wenige Befragte sich der Verwendung zusätzlicher Einnahmen für die Streitkräfte das Wort reden (vgl. Wieninger 2009: 147ff.). Die geringe Bereitschaft, der Bundeswehr Mittel zuzuweisen, erklärt damit teilweise die Wahrnehmung fehlender öffentlicher Unterstützung bei den Soldaten und Soldatinnen. (…) Bekundungen von Dank für und Stolz auf die Armee sind in Großbritannien und insbesondere den USA weiter verbreitet als in Deutschland, aber auch als in Frankreich. Während die Streitkräfte hierzulande zwar mehrheitlich als selbstverständlicher Bestandteil der sicherheitspolitischen Architektur des Landes und als nützlich für die nationale Sicherheit gesehen werden, sind die affektiven Neigungen gegenüber den Streitkräften in den anderen untersuchten Ländern ausgeprägter (Jonas 2008: 167ff.). Die Bürgerinnen und Bürger anderer Staaten tun sich mithin leichter, ihrer Identifikation mit den Streitkräften und Soldaten auch auf einer emotionalen Ebene Ausdruck zu verleihen, als dies in Deutschland der Fall ist. Dies führt bei vielen Soldaten wie Beobachtern offenkundig zu dem Schluss, dass es im Vergleich hierzulande an öffentlichem Rückhalt für die Streitkräfte fehle.“

    (…)

    „Trotz vorhandenen Vertrauens in die Bundeswehr und der aktiven Unterstützung durch die Bürgerinnen und Bürger soll an dieser Stelle kein einseitig rosiges Bild der zivil-militärischen Beziehungen gezeichnet werden. Selbstverständlich gibt es in der öffentlichen Haltung zu den Streitkräften auch kritische Aspekte und Themen. Dabei stehen allerdings weniger die Soldaten und Streitkräfte als solche im Fokus, sondern zumeist ihre Missionen und Einsätze. (…) Es gilt deshalb festzuhalten: Die Bürgerinnen und Bürger vertrauen der Bundeswehr, bringen den Soldaten Unterstützung und Respekt entgegen, was nicht ausschließt, dass einzelne Einsätze distanziert bis kritisch bewertet werden. Wenn aber die Teilnahme der Bundeswehr an einem Einsatz – der von der politischen Elite gewollt ist, bei den Wählern jedoch auf zunehmende Skepsis trifft – zur Diskussion steht, dann besteht ein politischer Dissens. Es sollte nicht versucht werden, hiervon durch die Behauptung eines fehlenden Rückhalts für die Bundeswehr in der Bevölkerung abzulenken.“

  24. Die einzigen, die Wulff überhaupt noch zuhören dürften. Es fällt schon schwer, diese dürftigen Floskeln nur zu überfliegen…

    Das Problem: die Bundeswehr ist (nach der NVA) die unbeliebteste deutsche Armee
    aller Zeiten. Kein Offizier wagt sich in Uniform freiwillig auf die Straße. Warum wohl?
    Dazu noch der unpopulärste deutsche Kriegseinsatz aller Zeiten – in Afghanistan.

    Die Bundeswehr hat ein gewaltiges Imageproblem!

  25. @ BausC
    Wenn sie es so auslegen, werden wir in der Geschichte sicherlich Ereignisse finden, mit denen von Stauffenberg nicht mithalten kann.

    Klar. Die Bundesrepublik hat Wassili Alexandrowitsch Archipow oder Stanislav Petrov sicherlich mehr zu verdanken als Stauffenberg.

    Aber da zeigt sich auch gut das Dilemma des „Heldentums“: Helden braucht es, wenn die sonstigen Strukturen versagt haben. Das macht Helden der Gegenwart meistens auch so politisch unbequem.

    Und gerade deshalb sind die Hitler-Attentäter ja als Vorzeige-Helden mittlerweile so beliebt: Weil man sie zum „Gewissen der Nation“ umgedeutet hat. Sie sind keine Erinnerung an das gesellschaftlichen Versagens mehr. Stattdessen unterstreichen sie, dass damals ja nicht alles schlecht war.

    Nochmal zum patrouillefahrenden Soldaten:

    Worin unterscheidet der sich jetzt wirklich vom deutschen Zivilisten, der im gleichen Gebiet unterwegs ist? Gerade Soldaten scheinen ja zu meinen, dass solche Zivilisten das größere Risiko eingehen. Sind die also heldenhafter?
    Oder sind weniger selbstlos, weil sie ja angeblich „freiwillig“/“wegen des Geldes“ da unten sind? Ist es der Eid – wer kein deutscher Beamter ist kann kein deutscher Held sein?

    Die Reaktion auf den Tod von Entwicklungshelfers sind ja gerade aus der Militär-Ecke immer wieder ein „Mist. Aber selbst schuld.“ Verwundert es da wirklich, wenn die landläufige Reaktion bei Soldaten nicht anders ist?

  26. @J.R.
    Verzeihen sie bitte, aber sie verwurschteln, für mich, Dinge miteinander die es gar nicht nötig haben, gegenseitig zu konkurieren. Man muss den Einsatz eines Zivilisten und den eines Soldaten nicht auf einer Skala von 1 – 10 bewerten, um dann zu dem Schluss zu gelangen, dass es einer von beiden nicht verdient hat ein Held zu sein. Beide haben ihre Berechtigung. Wieso muss man sie gegeneinander ausspielen?
    Natürlich werden auf beiden Seiten auch Fehler gemacht. Aus eigener Erfahrung gibt es aber noch einen himmelweiten Unterschied, dass ist, was im fernen Deutschland öffentlich palavert wird und wie Entwicklungshelfer und Militär vor Ort miteinander reden.

  27. @FF

    „Die unbeliebteste deutsche Armee aller Zeiten“ nach der NVA? Hm, die Beliebtheitswerte der Wehrmacht waren glaube ich auch nicht so berauschend.

  28. @J.R.
    „Helden braucht es, wenn die sonstigen Strukturen versagt haben.“

    Da widerspreche ich: Streitkräfte sollten grundsätzlich vom Ernstfall her denken, und der ist nun einmal davon gekennzeichnet, dass das Extrem zur Norm wird. Schon im verglichen mit den Bedingungen eines Krieges zur Landesvereidigung eher im unteren Spektrum anzusiedelnden Einsatz in Nordafghanistan kann die normale Lage von Soldaten erfordern, ihr Leben zu riskieren, ohne dass „Strukturen versagt haben“. Bereits dieser Einsatz hat also das Potential, Heldentum zu erfordern, d.h. die Aufgabe des eigenen Lebens im Rahmen der Pflicht.

    Der Grad des Heldentums misst sich allerdings an der Bedeutung der Aufgabe. Wenn Menschen ihr Leben bei geringen Erfolgsaussichten und völlig auf sich gestellt opfern, damit Deutschland vor dem totalen Zusammenbruch gerettet wird (Stauffenberg und 20. Juli), dann findet deren Heldentum in einer höheren Dimension statt als z.B. das deshalb nicht herabzuwürdigende Opfer eines Soldaten im ISAF-Einsatz, bei dem es für Deutschland um sehr wenig geht.

    Passiv weggesprengt zu werden ist übrigens nicht Heldentum, da dieses eine Entscheidung zur Tat voraussetzt. Eine gefährliche Straße entlangzufahren kann tapfer sein, aber Heldentum kann erst entstehen, wenn z.B. ein Soldat nach einem Hinterhalt Verwundete unter feindlichem Feuer birgt oder sich zum Gegenangriff auf dessen MG-Stellung entscheidet und diese Entscheidung bis zum Tod oder zu schwerer Verwundung durchzieht.

    Auch Zivilisten können natürlich Helden sein. Es gibt genügend Beispiele für Zivilisten, die ihre Pflicht unter Aufgabe ihres Lebens taten, z.B. Feuerwehrleute. Eine ernstzunehmende Armee müsste ihre Soldaten aber zum Heldentum erziehen, während man dies von zivilen Institutionen nicht erwarten kann.

    Eine Bundeswehr, die von sich oft behauptet, dass sie keine Helden will, trägt bereits zivilistische Züge, d.h. sie überträgt auf unangemessene Weise zivile Maßstäbe auf das Militär. Umgekehrt würde es ja auch richtigerweise als militaristisch kritisisiert werden, wenn man soldatische Tapferkeits- und Heldentumsmaßstäbe an banale Ziviltätigkeiten anlegte.

  29. Ich finde hier wird auch viel schlechtgeredet. Ich war selbst schon sehr häufig in Uniform unterwegs. Unter anderem in Berlins feiner Innenstadt. Auf dem Weg vom Werderschen Markt Richtung Spree bin ich an zahllosen Zivilisten vorbeigelaufen und habe nicht einen skeptischen oder unfreundlichen Blick bemerkt (und ich beobachte mein Umfeld). Ich machte Rast in einem Studentencafe der Humbolduni und verbrachte beinahe zwei Stunden inmitten der Schar von zivilen Studenten und Dozenten. Die ältere Dozentengeneration bedachte mich durchaus mit unfreundlichen Blicken, aber alle Jüngeren schauten entweder interessiert oder neutral. Dreimal kam jemand zu mir an den Tisch und holte sich Feuer ab, fragte im selben Atemzuge was ich denn hier tun würde. Dies alles höflich und interessiert. In einem großen Bahnhof nicken mir Polizisten freundlich zu und Penner salutieren freundlich.

    Was will ich damit sagen? Klagt nicht, kämpft! Statt ständig herumzulamentieren und die eigene Ungeliebtheit vorzubeten oder diffuse Gefahren von der linken Gewalt zu formulieren sollten wir rausgehen und Normalität leben.

  30. @ FF
    Es gibt Offiziere die sich in Uniform auf dir Str. trauen. Und glauben sie mir, das geht auch in sogenannten Problem Bezirken der Hauptstadt.

    Das Problem ist meiner Meinung nach auch keins des „sich trauen“. Das Problem beginnt aus meiner Sicht eher bei den Auswahlkriterien der OPZ, zieht sich durch die Offz Schulen und hat dann sicher auch etwas was mit dem Ansehen der Bw in D zu tun. Und hier muss ich Herrn Wiegold widersprechen. Seiner Zeit war die Wehrmacht mit Sicherheit beliebter, als die Bw heute.

  31. @Eckmann

    Mal abgesehen davon, dass ich Wiegold heiße…. vielleicht sollten wir „seinerzeit“ mal genauer definieren.

  32. @JoHoMe:

    Danke für den Hinweis auf die Studie, auch wenn ich ob der Herkunft weiterhin skeptisch bleibe.

    „Es gilt deshalb festzuhalten: Die Bürgerinnen und Bürger vertrauen der Bundeswehr, bringen den Soldaten Unterstützung und Respekt entgegen, was nicht ausschließt, dass einzelne Einsätze distanziert bis kritisch bewertet werden. Wenn aber die Teilnahme der Bundeswehr an einem Einsatz – der von der politischen Elite gewollt ist, bei den Wählern jedoch auf zunehmende Skepsis trifft – zur Diskussion steht, dann besteht ein politischer Dissens. Es sollte nicht versucht werden, hiervon durch die Behauptung eines fehlenden Rückhalts für die Bundeswehr in der Bevölkerung abzulenken.”

    Das trifft nicht ganz meinen Punkt. Ich versuche es mit einer Analogie:

    Ich vertraue meinem Bankberater auch, zwangsläufig. Er hat von Sachen Ahnung mit denen ich mich nicht beschäftigen will. Deshalb respektiere ich den Mann fachlich auch und unterstütze ihn mit meinem Geld.
    Trotzdem mag ich ihn nicht und reduziere die „Zusammenarbeit“ auf das Notwendige Minimum, weil ich irgendwie immer das Gefühl habe betrogen zu werden.

    Ferner würde ich gerne Wissen was das Institut mit „Unterstützung“ meint. Klingt alles etwas schwammig.

    „Während die Streitkräfte hierzulande zwar mehrheitlich als selbstverständlicher Bestandteil der sicherheitspolitischen Architektur des Landes und als nützlich für die nationale Sicherheit gesehen werden, sind die affektiven Neigungen gegenüber den Streitkräften in den anderen untersuchten Ländern ausgeprägter“

    Und genau da liegt mmN der Hase im Pfeffer. Was nutzen 85% „Unterstützung“ der Bevölkerung, wenn subjektiv bei den Soldaten wenig ankommt? Wenn diese „Unterstützung“ nicht ehrfahrbar wird, dann bleibt sie hohl…eben „freundliches Desinteresse“.

    Man kann von dem Pathos der USA oder GB halten was man will, aber die dort Streitkräfte tun wenigstens vieles, um ein positives Bild von Soldaten in der Öffentlichkeit zu fördern, die Streitkräfte soldatisch und heldenhaft, ja vielleicht sogar „cool“ erscheinen zu lassen. Das geht der BW leider total ab. Und ich bleibe dabei, solange das Bild der BW in den Massenmedien von Skandalen und Gefallenen bestimmt bleibt (und ich verfolge nicht nur TAZ & sueddeutsche) brauch mir keiner mit „breiter Unterstützung für die Bw“ kommen.

    Zurück zum Eingangszitat oben. Das Institut sieht: „Die Bürgerinnen und Bürger vertrauen der Bundeswehr, bringen den Soldaten Unterstützung und Respekt entgegen, was nicht ausschließt, dass einzelne Einsätze distanziert bis kritisch bewertet werden. “

    Meine persönliche Erfahrung sagt mir: „Die Bürgerinnen und Bürger“ (vulgo: das Volk)will Brunnenbauer und Sandsackschlepper, keine Soldaten.

  33. „85% “Unterstützung” der Bevölkerung“

    Wofür und unter welchen Vorbehalten wird diese Unterstützung gewährt? Als die Bundeswehr zuletzt in den 80ern im Rahmen der Landesverteidigung gefordert war, war der Rückhalt wesentlich geringer. Ich meine auch in der SoWi-Umfrage gelesen zu haben, dass die Befragten u.a. Umweltschutz für eine Hauptaufgabe der Bundeswehr halten. Ich würde mich daher nicht darauf verlassen, dass die Bundeswehr mit so starker Unterstützung rechnen kann wie die Studie vermutet, wenn sie tatsächlich kämpfen muss.

  34. @all
    Der Minderheitenschutz in Deutschland so krankhaft ausgeprägt, dass die Mehrheit ihre Macht verloren hat bzw. sich ihrer nicht mehr bewußt ist.
    Jedes Land hat ihre Idioten. Wir haben eben Mitbürger, die auf ihre eigene Flagge urinieren und mit Sekt auf den Tod eines Soldaten anstossen. [@BausC: Hier habe ich einen Satz gelöscht. So was überschreitet die Grenze zum Justiziablen und ist nicht mehr einfach nur eine Meinungsäußerung. T.W.]
    Ich würde gerne mal von einem akademisch gebildeten Mitblogger die Frage beantwortet bekommen:

    Wer schützt in Deutschland die Mehrheit?

  35. @BausC

    „Jedes Land hat ihre Idioten. Wir haben eben Mitbürger, die auf ihre eigene Flagge urinieren und mit Sekt auf den Tod eines Soldaten anstossen.“ [Auch hier gilt das Gleiche wie im Ursprungskommentar: Ich habe einen Satz gelöscht, weil er die Grenze zum Justiziablen überschreitet. T.W.]

    Also das ist nun wirklich hanebücherner Unsinn. Die Flucht in die Opferrolle mag bequem sein, helfen tut sie nicht.

  36. @Chris
    Dann lesen sie was sie lesen wollen und nicht was ich geschrieben habe. Tut mir leid. Und er Link der zu diesen Kreisen führt erspare ich mir. Wurde hier im Blog auch schon diskutiert.

  37. @ Kusa
    Den Ergebnissen des SOWI-Institutes können Sie durchaus vertrauen. Sie entsprechen wissenschaftlichen Standards. Nicht umsonst werden die veröffentlichten Studien immer wieder gerne von Medien aufgenommen und gegen die Bundeswehr in’s Feld geführt, wenn dort kritische Dinge analysiert werden. SOWI-Studien sind durchaus auch Mängelstudien, ansonsten bräuchte man den teuren Apparat in Strausberg nicht.

    @Kusa und Orontes
    Wenn ich die 16seitige SOWI-Studie richtig verstanden habe, will man sich in Folgeuntersuchungen genau mit diesem Spannungbogen Fremdwahrnehmung – Eigenwahrnehmung Bundeswehr und deren Hintergründe und Ursachen intensiver befassen.

  38. „Unterstützung“ wird in der angesprochenen Studie über die Frage erhoben: „Wie ist Ihre persönliche Einstellung zur Bundeswehr?“ 85% der Befragten haben eine der folgenden Antworten gegeben: Sie sei „sehr positiv“, positiv“, „eher positiv“.

    Es wird also lediglich eine allgemeine affektive Neigung abgefragt und dann eine sehr breite Kategorisierung vorgenommen.

    So haben beispielsweise nur 11% der Befragten angegeben, ihre Einstellung sei „sehr positiv“.

    Nachzulesen auf Seite 67 des Forschungsberichts 94 des SOWI.

  39. @Kusa
    „Ferner würde ich gerne Wissen was das Institut mit “Unterstützung” meint. Klingt alles etwas schwammig.“

    Das „Schwammige“ beruht auf meiner ausschnittweisen Zitierweise. Wie Unterstützung definiert wird, welche Aktivitäten damit gemeint sind, steht in der oben von mir zitierten Studie genau beschrieben.

    Diese Studie zitiert die von thias angesprochene Bevölkerungsumfrage im Forschungsbericht 94, ist aber nicht dieselbe.

    Pfad zum Auffinden der Studie: Startseite http://www.sowi.bundeswehr.de > Aktuelles > SOWI.Thema

  40. @BausC

    Ja, der Link zu war hier wirklich schon ein ums andere Mal zu lesen. Es geht um diesen einen Flyer der zu Gewalt gegen Soldaten aufruft, als nächstes kommt dann die widerliche BAMM und danach die Antifas. Und weil auf jedem Aufruf zur Störung von Gelöbnissen mal das Signum irgendeines Linksjugenortsverbandes zu sehen ist schlussfolgern Sie gleich die geeinte Front gegen die Bundeswehr. Das es gerade in Parteien unterschiedlichste Strömungen gibt und dass die Jugend immer radikaler ist als die Realos in der Führung wird dabei ganz gern vergessen.

    Wenn sie dann ein singuläres Ereignis wie die Fahnenschändung durch ein paar halbwüchsige Grüne gleich auf die Abgeordneten derselben Partei im BT beziehen, die sich übrigens sofort von der ganzen Geschichte distanziert haben dann ist das wirklich bemerkenswert und zeugt von ganz gewaltigen Scheuklappen bezüglich der Pluralität in diesem Land.

  41. @JoHoMe:

    Die ominösen 85% Unterstützung, über die Krusa und Orontes sich gewundert haben, wurden operationalisiert wie von mir geschildert.

    Die Autoren der von Ihnen angesprochenen Studie gehen tatsächlich über diese simple Messung hinaus, weisen dann aber – wenig erstaunlich – auch weniger beeindruckende Zahlen vor.

  42. @JoHoMe: Danke erneut, ich schaue mal genauer hin und warte auf die Folgestudien.

    Allerdings: auch wenn man weiß, woran es hakt, ändert sich durch solche Papiere meist nicht viel.

  43. @Chris
    „Und weil auf jedem Aufruf zur Störung von Gelöbnissen mal das Signum irgendeines Linksjugenortsverbandes zu sehen ist…“

    Die Unterstützung für militante Gelöbnisstörer geht leider noch etwas weiter. War Wowereit eigentlich diesmal beim Gelöbnis in Berlin dabei? Früheren Gelöbnissen blieb er ja demonstrativ fern.

  44. @Chris
    „…und war übrigens vor Ort “

    Umso wichtiger war es, dass seine früheren Aktionen (wohl auch parteiintern) kritisiert wurden. Ohne diesen Druck hätte er sein Verhalten vermutlich nicht geändert. Die akzeptable Zahl der Fälle von Unterstützung von Anti-Bundeswehrkampagnen durch die Parteien und ihre Repräsentanten beträgt exakt Null. Die vielen „Einzelfälle“ (v.a. bei den Grünen und der Linkspartei) sind als solche schon problematisch genug, zumal auch vor Kontakt zu militanten Linksextremisten nicht mehr zurückgeschreckt wird. Verzicht auf Kritik hat dazu beigetragen, dass hier der alte antitotalitäre Konsens aufgekündigt wurde.

  45. @ Chris | 21. Juli 2011 – 13:06

    Zitat: „Was will ich damit sagen? Klagt nicht, kämpft! Statt ständig herumzulamentieren und die eigene Ungeliebtheit vorzubeten oder diffuse Gefahren von der linken Gewalt zu formulieren sollten wir rausgehen und Normalität leben.“
    ==========

    Vollkommen richtig. Die Bundeswehr muss wieder selbstbewusst und professionell werden. Stattdessen lassen sich viele von abstrusen ideologisierten Aktivisten am Nasenring durch die mediale Arena schleifen.

    Aber auch hier stinkt der Fisch vom Kopfe her. Schaut man sich z. B. die letzten beiden Vorfälle an („Neonazis“ in der BW-Uni; „faschistisches“ Schießen beim Tag der offenen Tür in Bad Reichenhall), bei denen die Bundeswehr medial angegriffen wurde, dann haben wir es hier durchaus mit Versagen in der Führung zu tun. Bei der BW- Uni ist eine Uni-Präsidentin ein paar linksradikalen Aktivisten auf den Leim gegangen und nun führt sich die Professorenschaft incl. Präsidentin öffentlich wie einer zerstrittener Hühnerhaufen auf. Bei so viel Unprofessionalität haben es Anti- BW Aktivisten verdammt leicht. Bei Bad Reichenhall hat es dann auch vollkommen an einer Krisen-PR gefehlt, mit der man so was stoppen kann. Offenbar wissen die zuständigen Stellen in der BW nicht einmal, wen sie denn bei so was in welchen Redaktionen anrufen müssen …

    Diese „Bundeswehr von Rechtsradikalen unterwandert“- Kampagne müsste auch wesentlich offensiver angegangen werden. Warum geht man das nicht offensiv wie folgt an: „Radikale, die außerhalb des Grundgesetzes stehen und sich nicht an ihren Eid halten, fliegen aus der Bundeswehr unverzüglich raus. Bringen Sie also Fakten, damit wir tätig werden können. Ansonsten empfehlen wir den zu Unrecht beschuldigten von § 186 StGB unverzüglich Gebrauch zu machen, Anwaltskosten zahlt selbstverständlich der Dienstherr …“

    Zudem frage ich mich, warum die BW bei ihrer Pressearbeit nicht etwas knackiger vorgeht. Reporter, die offensichtlich vorsätzlich Sachverhalte falsch darstellen, muss man scharf angehen. Gegenwärtig kann sich doch jeder Schreiberling zwecks Auflagensteigerung eine zweifelhafte Story aus den Fingern saugen, denn man weiß: Der Bundeswehr kann man ruhig ans Bein pinkeln, die tritt dann nicht zu …

  46. @Sun Tzu

    Hoppla….

    „Zudem frage ich mich, warum die BW bei ihrer Pressearbeit nicht etwas knackiger vorgeht. Reporter, die offensichtlich vorsätzlich Sachverhalte falsch darstellen, muss man scharf angehen. Gegenwärtig kann sich doch jeder Schreiberling zwecks Auflagensteigerung eine zweifelhafte Story aus den Fingern saugen, denn man weiß: Der Bundeswehr kann man ruhig ans Bein pinkeln, die tritt dann nicht zu …“

    Genau, diese Pressbengels!

    Gibt übrigens einen Unterschied zwischen einer Bewertung, die man vielleicht nicht teilt, und „offensichtlich vorsätzlich Sachverhalte falsch darstellen“…

  47. http://www.hna.de/nachrichten/politik/bundeswehr-erstmals-legen-freiwillige-geloebnis-1330432.html
    „Ein Sprecher der Deutschen Friedensgesellschaft kritisierte das Gelöbnis für die neuen Bundeswehr-Rekruten. Diese Soldaten würden “zum Morden in aller Welt vereidigt“. Der zeremonielle Akt sei ein “Zwangsgelöbnis“, auch wenn es sich erstmals in diesem Jahr um Freiwillige handele, die zum Dienst anträten.“

    @T. Wiegold
    „Gibt übrigens einen Unterschied zwischen einer Bewertung, die man vielleicht nicht teilt, und “offensichtlich vorsätzlich Sachverhalte falsch darstellen”…“

    Ist die Bewertung bei gutem Journalismus nicht eher Sache des Lesers oder ansonsten als Kommentar klar gekennzeichnet?

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