Bundestagspräsidentin warnt junge Rekruten: Der Verteidigungsfall kann tatsächlich eintreten

Beim feierlichen Gelöbnis am Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli hat Bundestagspräsidentin Bärbel Bas die neuen Soldatinnen und Soldaten daran erinnert, dass ihr Eintreten in die Streitkräfte in der aktuellen weltpolitischen Lage eine neue Bedeutung habe. Wenn Sie heute Ihre Gelöbnisformel sprechen, wissen Sie: In diesem Moment verteidigen in der Ukraine Soldatinnen und Soldaten ihre Heimat und setzen dafür ihr Leben ein. Und Sie wissen, dass der Verteidigungsfall auch für Deutschland tatsächlich eintreten kann.

Die SPD-Politikerin hielt am (heutigen) Mittwoch als Ehrengast die traditionelle Rede bei dem Gelöbnis vor dem Bendlerblock, dem Berliner Sitz des Verteidigungsministeriums. Der russische Krieg gegen die Ukraine macht uns wieder bewusst, wofür wir die Bundeswehr brauchen. Nach den Jahres des Sparens, der Aussetzung der Wehrpflicht und der Standortschließungen, sagte Bas.

Die Bundestagspräsidentin erinnerte zugleich daran, dass der am 20. Juli 1944 gescheiterte Attentäter Claus Graf Schenk von Stauffenberg zwar alles andere als ein Verfechter der parlamentarischen Demokratie gewesen sei. Doch der gescheiterte Putsch erinnert uns daran, dass wir Verantwortung für unsere Demokratie tragen. Befehle eines verbrecherischen Regimes nicht auszuführen, sei ausdrücklich im Grundgesetzt verankert – und der Blick auf die russischen Kriegsverbrechen in Butscha, Irpin oder Mariupol macht deutlich, warum wir dieses Selbstverständnis pflegen müssen.

Bas rief in ihrer Rede auch dazu auf, mit der von Bundeskanzler Olaf Scholz ausgerufenen Zeitenwende in der Sicherheitspolitik und dem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Ausstattung der Bundeswehr jetzt aus der Not des Krieges mehr und mehr eine Tugend der Wertschätzung für die Bundeswehr zu machen. Nur wenn die Streitkräfte in der Gesellschaft Anerkennung und Respekt erführen, würden sich auch in Zukunft junge Menschen finden, für die der Dienst bei der Bundeswehr ein attraktiver Beruf ist.

Bei dem traditionellen Appell zum 20. Juli legten in diesem Jahr rund 400 Rekrut*innen ihr Gelöbnis ab. Die Soldatinnen und Soldaten kommen aus dem Wachbataillon, dem Logistikbataillon 171 aus Burg, dem Logistikbataillon 172 aus Beelitz, dem Versorgungsbataillon 142 aus Hagenow sowie der Marineunteroffizierschule aus Plön, der Marinetechnikschule aus Parow, der Unteroffizierschule der Luftwaffe aus Appen und dem Sanitätsregiment 2 aus Rennerod.

Der vorab veröffentlichte Redetext der Bundestagspräsidentin zum Nachlesen:
20220720_Bundestagspraesidentin_Rede_Geloebnis

Nachtrag: Die Rede von Verteidigungsministerin Christine Lambrecht wurde vom Ministerium nicht als Text, aber als Audiodatei veröffentlicht:

20220720_Lambrecht_Rede_Geloebnis