ISAF: Ende 2014 ‚ist Dienstschluss‘

Da jetzt auch im Koalitionsvertrag für das geplante Bündnis von Union und SPD Abzug aus Afghanistan steht, darf man das ja auch sagen (und muss nicht immer von Rückverlegung reden). Wie der Abzug gemanagt wird, haben am (heutigen) Mittwoch der zuständige (deutsche) NATO-General und der Inspekteur der Streitkräftebasis (SKB) der Bundeswehr erläutert.

General Hans-Lothar Domröse, als Chef des Joint Forces Command Brunssum der NATO mit den Planungen befasst, zeigte sich zwar weiterhin hoffnungsvoll für eine Nachfolgemission für die Afghanistan-Schutztruppe ISAF, machte aber auch klar: Für ISAF sei Ende 2014 Dienstschluss – was auch immer danach komme. Und die derzeitige Unklarheit, wann ein Sicherheitsabkommen von USA und Afghanistan in Kraft trete, Voraussetzung für weitere Anwesenheit von US-Soldaten wie dann auch anderen Nationen (auch Deutschland) am Hindukusch, trage eben immer noch nicht die Unterschrift von Afghanistans Präsident Hamid Karzai: Der Präsident unterschreibt immer nächsten Montag. weiterlesen

Rolling‘ home: Fernsehtipp zum Abzug aus Afghanistan

Rückkehr aus dem Krieg

Der Rückzug Abzug die Rückverlegung der Bundeswehr aus Afghanistan läuft: Stück für Stück wird großes und kleines Gerät zurück nach Deutschland gebracht. Ein ARD-Team mit den Kollegen Sabine Rau, Christian Thiels und Jürgen Osterhage (und etlichen Kameramännern, die ja außer im Abspann nie genannt werden…) hat das über mehrere Monate beobachtet – nicht nur die logistische Arbeit der Bundeswehr, sondern auch die Erwartungen oder Befürchtungen der Afghanen nach einem weitgehenden Abzug der ISAF-Truppen bis Ende 2014. Von den Taliban bis zum kleinen Ladeninhaber.

Auch wenn – wie derzeit geplant, aber noch nicht entschieden – nach 2014 vor allem Ausbilder aus den ISAF-Ländern am Hindukusch bleiben, bedeutet das ein Einschnitt für mehr als elf Jahre Krieg der Bundeswehr in Afghanistan. Die Bilder dazu gibt’s am kommenden Montag (8. Juli) um 22.45 in der ARD: Rückkehr aus dem Krieg. weiterlesen

Afghanistan-Abzug über Trabzon angelaufen (neu: Fotos)

Der Abzug, oder wie es offiziell heißt, die Rückverlegung von Bundeswehrmaterial aus Afghanistan über den türkischen Schwarzmeerhafen Trabzon hat am (heutigen) Donnerstag begonnen. Auf dem Flughafen von Trabzon landete eine Frachtmaschine vom Typ Antonov AN124 mit sechs geschützten Fahrzeugen vom Typ Eagle IV und einem Bergepanzer, wie Bundeswehrsprecher Hans Didi telefonisch mitteilte. Die Fahrzeuge, deren Waffen und Waffenstationen zuvor demontiert wurden, sollen nun auf dem Seeweg zurück nach Deutschland geschafft werden. Die Verladung in Trabzon verringert die Flugzeit aus Afghanistan und damit die Transportkosten deutlich. weiterlesen

RC N Watch: Abzug aus Afghanistan – der Zoll ist dabei

Ob man es Abzug oder Rückverlegung nennt – bei allen ISAF-Nationen sind die Planungen für die Verringerung der Truppen in Afghanistan und damit für den Abtransport des Materials vom Hindukusch in vollem Gang.

Interessant ist ein Bericht des Wall Street Journal dazu, in dem ich zwei Dinge bemerkenswert finde: Zum einen der Hinweis auf das gigantische Materialdepot der US-Streitkräfte, das in Masar-i-Scharif entsteht, im deutsch befehligten ISAF-Regionalkommando Nord. Und zum anderen ein Detail, das mir bislang so noch nicht bewusst war:

Under an agreement between Kabul and Washington, the U.S. military can bring equipment in and out of Afghanistan without being subject to taxes or customs duties. But Afghanistan’s Customs and Revenue Department still has to review each shipment of U.S. military cargo for export, said U.S. Army Col. Tom Collins, a coalition spokesman.
The Afghan government had issued directives to customs officers to help speed the process, said Mohammad Zaher Ansari, deputy director of the Afghan customs office in Hairaton, the crossing into Uzbekistan.
But Mr. Ansari said the U.S.-led coalition sometimes lacked documentation for items brought previously into the country. „It’s fine that you are going to move your equipment out of the country,“ he said. „But you have to take it through our regulations—our customs law. You should present us with the customs documents you received when you imported them to Afghanistan.“

Das gilt offensichtlich für alle ISAF-Nationen. Hoffentlich hat die Bundeswehr die Einfuhr allen Geräts bei den afghanischen Behörden angemeldet. Viel Spaß mit dem Zoll.

(Foto: Archivbild eines anderen Abzugs: Ein geschütztes Fahrzeug der U.S. Army, ein MRAP (Mine resistant ambush protected) wird nach dem Abtransport aus Irak in Kuwait gereinigt – U.S. Army Photo via Flickr unter CC-BY-Lizenz)

Mehr Abzug durch die Luft

Wenn Laien oder Politiker von einem Abzug aus Afghanistan reden, zucken Militärs zusammen. Muss es doch aus militärischer Sicht korrekt Rückverlegung heißen. Doch die Terminologie ist derzeit das geringste Problem für die Planer der Bundeswehr, die einen – noch nicht genauer definierten – politischen Auftrag werden umsetzen müssen, bis Ende 2014 möglichst viel Personal und Material vom Hindukusch zurückzuholen.

Bislang nämlich ist der Versuch dieser Planung für die Bundeswehr eine Aufgabe mit zu vielen Unbekannten, wie Vizeadmiral Manfred Nielson, Inspekteur der Streitkräftebasis und damit auch Chef der Logistiker, bei einem Gespräch mit Journalisten einräumte. Das fängt schon mit der Frage an, wie viel Gerät und Ausrüstung die Truppe über die vergangenen zehn Jahre in den Einsatz geschafft hat: Wir sind in der Phase, erst mal eine Bestandsaufnahme zu machenb, was in Afghanistan ist, sagt der Admiral. Bislang gebe es nur eine grobe Abschätzung – aber das gehe anderen Nationen genau so. Immerhin ist die Größenordnung bekannt: Rund 1.700 Fahrzeuge, etwa 6.000 Container. Für eine Rückführung in einem solchen Umfang haben wir keine Blaupause, gibt Nielson zu.

Archivfoto vom August 2009: Ein noch relativ leeres Camp Marmal – inzwischen stehen dort viel mehr Container …

Viel gravierender ist allerdings, dass die (politischen) Rahmenbedingungen noch nicht feststehen. Wie wird der Auftrag einer ISAF-Nachfolgetruppe am Hindukusch aussehen, mit wie vielen Soldaten in welcher Zusammensetzung ist die Bundeswehr beteiligt?

Und: wie viel und welches Material wird möglicherweise an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben? Die haben in den vergangenen Jahren schon mehrfach begehrlich den Finger gehoben – gerade bei Gefechtsfahrzeugen wie dem Schützenpanzer Marder, den sie allerdings kaum bekommen dürften.Bei manchem Gerät, manchem Container wird sich zudem die Frage stellen, ob der Rücktransport nach Deutschland noch lohnt oder ob die Transportkosten höher wären als der Restwert.

Absehbar ist nach Nielsons Worten allerdings jetzt schon eines: Viel mehr Material als zunächst geplant wird auf dem Luftweg Afghanistan verlassen – die Bundeswehr rechnet inzwischen, ähnlich wie die anderen ISAF-Nationen, mit einem Anteil von 50 bis 60 Prozent. Bei den US-Truppen war der ursprüngliche Ansatz von fünf Prozent Lufttransport auf ebenfalls mehr als 50 Prozent erhöht worden, nachdem die Landroute über Pakistan aus politischen Gründen praktisch nicht mehr infrage kommt. weiterlesen

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