Mit der Hafenfähre in den Krieg
Der Ausbau der Drehscheibe Deutschland für einen Truppenaufmarsch an der NATO-Ostflanke läuft auf Hochtouren. Hamburg übte vergangene Woche, bereits zum dritten Mal, wie sich ein absehbarer Konflikt auf die Hansestadt auswirken könnte: An Red Storm Charlie sind inzwischen weniger Soldaten als Zivilisten beteiligt. In Bremen will Verteidigungsmininister Boris Pistorius kommenden Dienstag für den Bund 1,35 Milliarden Euro für die auch militärisch nutzbare Hafen-Infrastruktur zusagen. Und alles das unter den rechtlichen Bedingungen des tiefsten Friedens.
Vor mehr als zehn Jahren – nach Annexion der Krim durch Russland, aber lange vor der russischen Voll-Invasion der Ukraine – hatten sich die Planer im Verteidigungsministerium schon Gedanken über die Drehscheibe Deutschland gemacht: Auch wenn ein Konflikt zuallererst an der Ostflanke der NATO beginnen würde, käme Deutschland als Transitland für die Truppen der Verbündeten von vorherein eine wichtige Rolle zu.
Wenn es aber darum geht, dass die Allianz an ihrer Ostflanke mit einem Truppenaufmarsch Stärke und Abschreckung demonstriert, müsste dieser Transit sehr wahrscheinlich unter (deutschen) Friedensbedingungen abgewickelt werden – ohne NATO-Bündnisfall und erst recht ohne den Spannungs- oder gar Verteidigungsfall. Denn die deutschen Bestimmungen sind an einen drohenden Angriff auf das Bundesgebiet gebunden, nicht an die Entwicklungen in Litauen oder Polen.
Das ist der Grund, warum die Bundeswehr für ihre ins dritte Jahr gehende Übungsserie Red Storm in der Hansestadt ein Szenario nach Artikel 4 des NATO-Vertrags annimmt – und eben nicht nach Artikel 5, der kollektiven Verteidigung im Bündnisfall. Deutschland ist dabei nicht im Krieg:
Die Bundeswehr trainiert gemeinsam mit Organisationen wie der Feuerwehr Hamburg, dem Technischen Hilfswerk, der Bundespolizei und der Polizei Hamburg sowie mit Hamburger Behörden und zivilen Unternehmen die Zusammenarbeit in einem fiktiven Szenario im Bündnisrahmen nach NATO Art. 4, ein Spannungs- oder Verteidigungsfall ist nicht festgestellt.
Simuliert wird der Transport von Munition, Material und Verpflegung, während mit hybriden Angriffen im Informationsraum, aber auch mit Attacken auf kritische Infrastruktur wie Straßen, Schienen und Energieanlagen in Deutschland zu rechnen ist. (…) Die Übungen basieren auf einem fiktiven Szenario, in denen eine vorsorgliche Verlegung militärischer Kräfte in Richtung des östlichen Bündnisgebiets erforderlich wird.
Das bedeutet nicht zuletzt: Die Bundeswehr hat keine besonderen Rechte in dieser Situation, schon gar keine polizeilichen Befugnisse. Sie kann und darf ihre Soldaten und ihr Gerät sichern. Aber schon wenn es darum geht, eine möglicherweise gefährliche Drohne über dem Hafengebiet abzufangen, ist die Hamburger Polizei am Zug. Nachdem die Landesbeamten mit ihrer Netzwerfer-Drohne das eingedrungene Fluggerät gestoppt und zu Boden gebracht hatten, war dann zwar kurzzeitig die Bundeswehr mit ihrem HP47-Störsender in der Verantwortung für die Neutralisierung – bis dann recht schnell die Polizei wieder übernahm:
Das Ganze übrigens. s. oben, interessiert beobachtet von zwei Busladungen voller Gäste aus Wirtschaft und Politik: im dritten Jahr ist Red Storm (das Charlie steht für C als dritten Buchstaben des Alphabets, die vorangegangenen Übungen hießen entsprechend Alfa und Bravo) fast schon weniger Übung als Werbung für einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz der Krisenvorsorge. Nicht nur, dass die Bundeswehr von den inzwischen 1.700 Teilnehmenden mit rund 500 Soldaten und Soldatinnen lediglich ein knappes Drittel stellt: Die Zahl der beteiligten Institutionen und Unternehmen ist auf 60 emporgeschnellt.
Fast schien es da, der Auslöser des Übungsgeschehens, die Verlegung von Truppen und Gerät anderer NATO-Länder über den Hamburger Hafen, war vor allem gut für schöne Bilder. Zum Beispiel wenn die eingeflogenen Soldaten vom Airbus-Landefeld in Finkenwerder per Elbfähre vorbei an der nächtlichen Elbphilharmonie zu ihren Fahrzeugen im Hafen verlegen.
Der Schwerpunkt lag dann allerdings ein bisschen anders: Ziel der Übung ist es, die Zusammenarbeit mit zivilen Institutionen im Bundesland schon vor einem Spannungs- oder Verteidigungsfall noch besser zu koordinieren, gab die Bundeswehr vor Beginn von Red Storm Charlie vor.
Und das ist auch bei der Wirtschaft angekommen. Die Übersicht der Mitspieler, die die Bundeswehr selbst veröffentlichte, ist nicht etwa eine Sponsorenwand:
Neben Behörden und Blaulichtorganisationen agierten Firmen als Teil der Übung – zum Teil mit dem Interesse, in einer Krise ihre Tätigkeit fortsetzen zu können, auch bei Stromausfällen nach hybriden Angriffen zum Beispiel. Aber auch mit der Überlegung, teil des Mechanismus zur Krisenbewältigung zu werden: So will die Schwarz-Gruppe, Mutterkonzern unter anderem von Lidl und Kaufland, ihre Logistik auch zur Versorgung der Bevölkerung in die Krisenplanung einbringen.
Von Philips wurden mobile Ultraschallgeräte für ein Notkrankenhaus bereitgestellt, das das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg zusammen mit dem Technischen Hilfswerk und dem Deutschen Roten Kreuz in einer Tiefgarage aufbaute.
Mit anderen Worten: Weit über die militärische Bedeutung hinaus sollte die Übung für staatliche Institutionen, ehrenamtliche Helfer und die Wirtschaft die Vorbereitung auf mögliche Krisenfälle erleichtern – vor allem im denkbaren Fall eines Konflikts der NATO mit Russland, aber auch bei den bisweilen in den Hintergrund tretenden alltäglichen Katastrophen. Dass die Handelskette Edeka pünktlich zu Red Storm Charlie einen Notfallrucksack mit zahlreichen Ausrüstungsgegenständen für einen Notfall auf den Markt brachte (in Hamburger Filialen zum Vorzugspreis), ist natürlich geschäftstüchtig. Aber eben auch ein Teil der gesellschaftlichen Krisenvorsorge.
Die sich der Bund auch Geld kosten lässt – zumindest für den militärischen Teil. Wenn am (kommenden) Dienstag der Verteidigungsminister im Bremer Rathaus gemeinsam mit dem Bürgermeister der Hansestadt, Andreas Bovenschulte, und dem Vorstandschef der Bremer Logistik-Gruppe BLG, Matthias Magnor, die Absichtserklärung über den Deployment Hub Bremerhaven 2031 unterzeichnet, geht es um mehr als eine Milliarde Euro. Mit dem Geld soll die zivil-militärische Infrastruktur der Überseehäfen und deren Hinterlandanbindung für den Truppentransport ausgebaut werden:
Der Hafenstandort Bremerhaven verfügt über zivil-militärisch flexibel nutzbare Hafenanlagen sowie eine hochspezialisierte Hafen- und Logistikwirtschaft mit einer auf allen Stufen und in allen Segmenten qualifizierten Mitarbeiterschaft. Neben dem reinen Hafenbereich sind auch alle vor- und nachgelagerten Infrastrukturen wie die Bundeswasserstraße Weser, die Bundesautobahn 27, die Brücken über die Weser, Eisenbahnverbindungen und insbesondere der Flughafen Bremen von
gleichrangiger strategischer Bedeutung. (…)
Im November 2025 hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages 1,35 Mrd. € für den Ausbau des Überseehafens in Bremerhaven zu einem Deployment Hub für die Jahre 2026 bis 2031 (DHB 31) bereitgestellt.
heißt es in einem Beschluss des Bremer Senats vom 8. September.
(Das ganze Dokument zum Nachlesen hier und als Sicherungskopie:
20260908_Bremen_Deployment_Hub)
Eigentlich fehlt da nur noch die Umsetzung der nötigen Schritte für den Zivilschutz. Dafür ist aber das Bundesinnenministerium zuständig.
(Alle Fotos v. Verf., außer dem Ultraschallgerät im Notkrankenhaus: Norbert Schramm/Stoertebeker Fotografie/Bundeswehr)




Die Funktionsfähigkeit der „Drehscheibe Deutschland“ orientiert sich auch an der Verfügbarkeit weiter westlich gelegener Häfen, nicht zuletzt Rotterdam/Eemshaven (NLD) und Antwerpen (BEL).
Was dort nicht entladen werden kann, wird seinen Weg an die Ostflanke nicht nehmen können. Unter Einbeziehung dieser Häfen, sogar auch der FRA Häfen am Kanal, muss von einer strategischen Herausforderung für NATO-Europa gesprochen werden, die eine deutsche Planung im Blick hat.
Im KK fanden britische Anlandungen sogar noch an nordfriesischer Nordseeküste statt, namentlich in Husum, das über tideunabhängige Kajen verfügt. Damals wurden dort britische Verstärkungen angelandet, was bei WINTEX regelmäßig beübt wurde. Allerdings, Annahme, wird die Stadt derzeit kapazitätsbedingt keine Rolle mehr innehaben können.
In Emden will die Marine sich zusätzlich aufstellen? Dann auch im Sinne der Drehscheibe Deutschland mit zivilem Infrastrukturausbau?
Sehr gut … das klingt zumindest vielversprechend.
Da scheint bei diesen zivilen playern langsam das richtige Gespür zu erwachsen … anders als beim größten Teil der Bevölkerung, einschließlich dem grundsätzlich geneigten und „nur“ freundliches Desinteresse zeigenden.
Als Zöllner bin ich doch leicht überrascht, dass der Zoll offenbar (als gefühlt einzige BOS) nicht in die Übung eingebunden war. Man vergisst es schnell, aber ja, den Zoll gibt es noch und Militärtransporte aus Übersee müssen zollamtlich abgefertigt werden.
Es ist aber wirklich nur eine leichte Überraschung, denn dass
1.) der Zoll zu schnarchig ist um an sowas mitzuwirken, und
2.) alle anderen Player diese Behörde schnell vergessen
… ist man als Zöllner auch gewohnt. Dennoch, Sinn gemacht hätte es meiner Meinung nach. Auch für die meisten Zöllner ist Truppenzoll ein ungewohntes Thema, das geübt werden sollte. Und die mit der Verzollung einhergehenden Verzögerungen müssen eben mit bedacht werden. Und nein, den kann man nicht im Notfall halt einfach mal überspringen. Selbst im zweiten Weltkrieg wurde Kriegsmaterial zollrechtlich abgefertigt.
[Nicht als inhaltliche Antwort, nur als Hinweis: Ich meine, bei der Übung auch Leute vom Zoll gesehen zu haben. T.W.]
@KPK: zum Thema, dass Bremerhaven und Emden in Zukunft eine größere Rolle spielen wollen, gab es im DLF kürzlich einen Hintergrundbeitrag:
https://www.deutschlandfunk.de/deutsche-marine-konkurrenz-um-neuen-standort-an-der-nordsee-100.html
Ansonsten vielen Dank an T.W. für diesen ausführlichen Artikel, der, wie ich finde, das ganze Unterfangen sehr plastisch vor Augen führt. Die Komplexität kann man in einer komplexen Gesellschaft wie der unsrigen gar nicht überschätzen. Gut, dass es geübt wird.
[Habe den Link mal durch den etwas, äh, offensichtlicheren ersetzt. T.W.]
Wo endet eigentlich im Verteidigungsfall die Zuständigkeit des Sanitätsdienstes der Bundeswehr wenn es um den Transport von Verwundeten in Krankenhäuser in Deutschland geht? Das man jetzt das Zusammenspiel mit dem zivilen Rettungsdienst unter Friedensbedingungen übt ist schön und richtig. Nur gerade in Hamburg ist die Feuerwehr im Rettungsdienst ein ganz großer Player, die aber keine anerkannte haben Hilfsgesellschaft nach Genfer Konvention ist. Und damit ggf rausfällt für Transport und Koordination wenn der A400 voller Verletzter in Hamburg landet.
@Flo:
Wir in diesem Szenario ja eben nicht im V-Fall sind, sondern in einer Stufe darunter.
Und die Frage nach Völkerrechtlichem Schutz muss man trennen:
Solange wir uns nicht im militärischen Operationsgebiet befinden, sondern im rückwärtigen Raum gilt:
Die Feuerwehr ist (ebenso wie das THW oder ggf. andere Regieeinheiten) eine anerkannte Zivilschutzorganisition und als solche völkerrechtlich geschützt,
ziemlich unabhängig davon ob sie zivile oder militärische Verwundete versorgt.
Die Frage nach dem Schutzstatus stellt sich bei, wenn es um aktives militärisches Operationsgebiet geht (das wollen wir wirklich nicht)
Die ist komplizierter, ich glaube (aber bitte nicht drauf festnageln) dass auch eine Feuerwehr grds nach Art 26 des 1. Genfer Abkommens 1949 als geschützte Hilfsorganisation anerkannt werden *könnte*, wenn sie die Vorraussetzungen dafür erfüllt und als solche (dem Sanitätsdienst der Bw unterstellt, unbewaffnet und mit Schutzzeichen) anerkannt und eingesetzt werden.
Dann wären sie Nichtkombattanten.
Zumindest wäre das mein Read aber meine Auffrischung zu dem Thema liegt ne Weile zurück.
Flo sagt:28.09.2026 um 11:25 Uhr
Wenn ich so auf den Ukraine-Krieg schaue, wer interessiert sich noch für die Genfer Konvention? Da gibt es lohnende Ziele, viel mehr wird bei der Auswahl nicht beachtet. Wer sich an Regeln hält, der ist am Ende der Dumme.
Dieser Ausbau des Zivilhafens in Bremerhaven kommt möglicherweise 10 Jahre zu spät! Denn niemand weiss , bei der Unberechenbarkeit von Trump, ob im Falle eines russischen Angriffsgskrieg, ob überhaupt US Truppen nach Europa als Verstärkung geschickt werden. Der zivile Ausbau soll ja wohl auch nur ein Trostpflaster für Bremerhaven sein, denn beim Bau 2. Marinehafen in Nordsee, soll dieseine bereits für Emden und gegen Bremerhaven entschieden haben.
@Zivilschutzente, schon klar das die Übungen bewusst unterhalb des Spannungs- oder Verteidigungsfalls gehalten werden und damit andere Regeln gelten.
Und wo endet das militärische Operationsgebiet im Zeiten von Drohnen?
@Closius, warum kommt der Hafen zu spät? Ja Trump ist unberechenbar, aber seine Amtszeit endet 2029 und damit bevor der Hafen fertig wird.
@Zivilschutzente
Ihre Hoffnungen zum Schutz von BlaulichtOrg in allen Ehren, so wurden wir alle einst im Vertrauen auf die Wirksamkeit der Genfer Abkommen ausgebildet.
Die Kriegswirklichkeit im #RUSUKRWAR ist aber eine entgegengesetzte: Kfz mit Rotem Kreuz sind vielfach „lohnende Ziele“ für russische Richtschützen. Sie werden das wahrgenommen haben. Kombattant/Nicht-Kombattant ist dort nur eine theoretische Größe. Ihre Feuerwehr „genießt“ den Schutz der Abkommen, in der Theorie.
Was verstehen Sie unter „aktives militärisches Operationsgebiet“? Eine militärisch definierte Kategorie ist das nicht, obwohl ich glaube Ihre Annahmen zu erkennen: „Dort wo es knallt“?
Um Ihnen Illusionen zu nehmen, in Ukraïne besteht über die Drohnenbedrohung eine „Todeszone“ in der Tiefe von ca 50 km beiderseits der unmittelbaren Kampflinie, die mit 5 km hüben wie drüben verstanden werden muss. Insgesamt geht’s also um ca 100 km Tiefe dieser Todeszone.
Gibt es außerhalb dieser Räume Sicherheit vor „aktiven militärischen Operationen“? Nein, das ist nicht so. Auch hier sollte Sie die Betrachtung der Wirklichkeit in der Ukraïne ernüchtern. Zwischen Charkiw – Cherson – Lwiw (Lemberg) besteht nirgends Sicherheit, da alle Räume mit ballistischen Raketen getroffen werden.
(Konstruiert) Bezogen auf eine Lage in Deutschland unter Art 5 Bedingungen: Schlägt in Berlin-Mitte eine Iskander ein, besteht das „Operationsgebiet“ von Flensburg – Berchtesgaden -Aachen – Görlitz schlicht überall. Ihr „aktiv“ ist dabei eine zivil einzuordnende Künstlichkeit ohne Auswirkung, lieber vergessen.
Tipp: Sie und Ihre Feuerwehrkameraden bereiten sich besser darauf vor, für einen russischen Gegner sind Sie Feind.
@T.W.‘
„…in einem fiktiven Szenario im Bündnisrahmen nach NATO Art. 4, ein Spannungs- oder Verteidigungsfall ist nicht festgestellt…“
Ich bin etwas verwirrt. Hätte man einen solchen Fall ( Artikel 4, nicht 5 ) auch im kalten Krieg ( mit den damaligen Grenzen ) irgendwie auch konstruieren können, oder war das abwegig ?
@Klaus-Peter Kaikowsky (KPK) „Tipp: Sie und Ihre Feuerwehrkameraden bereiten sich besser darauf vor, für einen russischen Gegner sind Sie Feind.“
Danke für den zutreffenden Hinweis! Im OP Deutschland erwartet man aber die Unterstützung durch die FREIWILLIGEN Feuerwehren die 85 % des Feuerwehrwesens in der BR Deutschland ausmachen. Laut Aussage meines Landrates sollen die FFWs Versorgungspunkte für die BW/ NATO Kräfte unterhalten und im Ernstfall „Warmestuben“ unterhalten…dafür gab es sogar Geld vom Bund und es wurden neue Stellen im „Zivilschutz“ geschaffen….nur….die Freiwilligen werden im Ernstfall entweder eingezogen (da es keine Regelung mehr dazu gibt…sprich: Wehrersatzdienst) oder kümmern sich lieber um ihre Familien….Als Gemeindewehrführer von vier Ortswehren stelle ich heute fest, dass niemand „bock“ hat beim OP Deutschland mitzuwirken….also kann ich eigentlich nur zur Mäßigung aufrufen…wir haben ja nicht mal mehr genug LKW-Fahrer für die Fahrzeuge, da der Bund (Bundeswehr), wie früher üblich, keine mehr ausreichen ausbildet…Das THW hat bereits mehrere Ortsgruppen zusammlegen müssen um die Technik überhaupt zum Einsatz zu bringen…nicht auszudenken, es würde bundesweit was passieren….das Ahrtal lässt grüßen…
@Kieki, mit Reaktivierung der Wehrpflicht werden auch die entsprechenden Zivil- und Ersatzdienste wieder aufleben und darüberhinaus wird es auch die Möglichkeit geben jemanden der in der FF ist für unabkömmlich zu erklären im Verteidigungsfall und damit nicht zum Wehrdienst muss.
@Apollo 11, unter der Annahme hätte man sicher auch im kalten Krieg üben können. Aber, damals dürfte das Thema Verlegung von Truppen deutlich präsenter gewesen sein bei allen und als Frontstaat dürften die politischen Hürden den Spannungsfall auszurufen deutlich niedriger gewesen sein.
Zumal es ja mit REFORGER regelmäßig entsprechende Übungen gab. Unter welchem Rechtsrahmen fanden die statt?
@Kieki sagt: 28.09.2026 um 21:55 Uhr
„…wir haben ja nicht mal mehr genug LKW-Fahrer für die Fahrzeuge, da der Bund (Bundeswehr), wie früher üblich, keine mehr ausreichen ausbildet…Das THW hat bereits mehrere Ortsgruppen zusammlegen müssen um die Technik überhaupt zum Einsatz zu bringen…nicht auszudenken, es würde bundesweit was passieren….das Ahrtal lässt grüßen…“
Das ist die falsche Attitüde. Die Bundeswehr hat für den eigenen Bedarf ausgebildet und wer pfiffig genug war, hat sich den CE-Führerschein zivil umschreiben lassen. Die Bundeswehr bildet heutzutage immer noch aus, nur eben Zeit- und Berufssoldaten, und das sind viel weniger als zu Zeiten der Wehrpflicht.
Dafür gibt es ja mittlerweile den „kleinen“ Führerschein C, damit die Feuerwehrfahrzeuge bewegt werden können. Da sind eben die Gemeinden und Landkreise gefordert, die Leute zur Ausbildung zu schicken. Wehrpflicht ist in unserer Gesellschaft nicht erwünscht, da fehlt dann eben der nette Nebeneffekt mit den Führerscheinen (und den Fahrlehrern).
Und was heißt „kein Bock auf OP-Plan Deutschland“, das ist pures Desinteresse und Realitätsverweigerung. Solange, bis die erste Drohne in einem der von Ihnen betreuten Orte explodiert. Dann bitte nicht rumjaulen. Jetzt ist die Möglichkeit, das zu üben.
@Kieki Wenn LKW-Fahrer fehlen, dann sollten THW und die Feuerwehren mal bei ihren jeweiligen Dienstherren vorstellig werden. Für alles mögliche werfen wir Geld zum Fenster raus, aber dafür fehlt es? Bei uns werden Feuerwehren zusammengelegt, weil es allgemein an Personal fehlt.
@KPK:
Die Frage war ja erstmal auf einer juristischen Ebene gestellt, deshalb ist die Antwort da geblieben.
Es besteht kein juristisches Problem darin.
Die Abgrenzung von O
Zum Praktischen:
Dass Schutzzeichen im aktuellen Krieg in der Ukraine keine große Schutzwirkung entfalten oder gar als Ziele gesehen werden ist mir bewusst.
@Flo, @Apollo 11
Ja, hätte man auch können, musste man aber nicht:
Im Kalten Krieg ging man immer von einer Lage aus, in der ein bewaffneter Konflikt zwangsläufig die territoriale Integrität des Bundesgebiets verletzen würde. Damit ist man beim Spannungs- und Verteidigungsfall nach Art. 80a, 115a GG. Ein Szenario in dem das nicht der Fall war, erschien damals abwegig.
Man kann jetzt eine juristische Debatte über die Frage führen, ob ein Konflikt im Osten Europas unter Beteiligung deutscher Truppen im NATO Rahmen die Definition des Spannungsfalls erfüllt und man ihn ausrufen kann/ darf, das ist mE nach vor allem eine politische Frage (in der aktuellen Situation hätte ich da meine Zweifel, man braucht im Bundestag dafür eine 2/3 Mehrheit und das ist… nunja schwierig)
(Ebenso kann man eine theoretisch-juristische Debatte darüber führen, ob bloßer Beschuss des Bundesgebiets einen „Angriff mit Waffengewalt“ nach Art. 115a IV GG darstellt, der eine tatsächliches Eintreten des Verteidigungsfalls auslöst.)
Kritik im Kalten Krieg war aber häufig, dass man in Übungen immer davon ausging, dass die regulatorischen Voraussetzungen glatt umgesetzt werden
Das ist nun anders: Man übt ohne diese Instrumente, sollten sie dennoch zur Verfügung stehen, schadet das ja erstmal nicht, die Prozesse werden dann nur einfacher umzusetzen.
@Y-998201 sagt: 29.09.2026 um 10:12 Uhr
„Bei uns werden Feuerwehren zusammengelegt, weil es allgemein an Personal fehlt.“
Das ist ja rechtlich geregelt, dafür gibt es die Möglichkeit, dass die Kommunen die Bürger im Alter von 18 bis 60 Jahren zum Dienst in der Feuerwehr verpflichten, wenn der Brandschutz nicht mehr sichergestellt ist. Das ist auch schon vorgekommen.
Und bei uns in der Samtgemeinde gibt es Feuerwehrleute, die den Führerschein C eben aufgrund dieser Tätigkeit von der Kommune bezahlt bekommen haben.
Von daher macht mich die Bemerkung mit „keinen Bock haben“ von Kieki auch etwas fassungslos. Nicht jammern- machen. Oder im Bundeswehrsprech „klagt nicht – kämpft!“.
Pistorius heute in Bremerhaven.
Mit rund 800 Millionen Euro fließt der Großteil der 1,35 Mrd € in die Bremerhavener Überseehäfen. Der Bremer Airport soll mit 160 Millionen Euro nach militärischen Erfordernissen ausgebaut werden. Mit dem Geld sollen Rollbahnen erneuert und ein weiterer Hangar sowie eine Betankungsanlage gebaut werden.
Die 16 zu ersetzenden A400M werden international auf dem freien Markt angeboten werden.
(Buten un Binnen)
@Kieki: bei uns im Regionalbereich schickt so ziemlich jeder OV (es heißt Ortsverband, nicht Ortsgruppe) jedes Jahr durchschnittlich 2 Helfer/innen zum CE-Führerschein. Es kommt auf die vorhandenen Selbsbewirtschaftungsmittel, aber auch auf geeignete Kandidaten an.
Und was meinten Sie mit „Zusammenlegung von OV`s, um die Technik in Einsatz“ zu bringen? insbesondere im Zusammenhang mit dem Ahrtal?
@Pio-Fritz
„Von daher macht mich die Bemerkung mit „keinen Bock haben“ von Kieki auch etwas fassungslos.“
Meine Aussage ist ist nicht böse gemeint, aber die Kameraden:innen die heute neu hinzu kommen, wollen „Feuerwehrdienst“ in der Gemeinde machen und haben vom „Zivilschutz“ bzw. „militärischen Strukturen“ kaum was gehört…anders mag die Einstellung der Angehörigen der Katastrophenschutzeinheiten (DRK-Versorgungszüge, Sanitätszüge etc.)sein.
@Y-99820
Da „Feuerwehr“ eine Pflichtaufgabe der Gemeinde ist kostet sie „Gemeindegeld“, belastet also den i.d.R. knappen Haushalt der Gemeinde. Diese ist „nur“ für den eigenen Wirkungskreis zuständig, muss also per Gesetz keine Kräfte für das Land (Katastrophenschutz) bzw. den Bund (THW = BUND; Zivilschutz) vorhalten und auch nicht deren Maßnahmen (mit)finanzieren. Wir haben die großen LKW-Führerscheine bereits angeboten (Ausbildungskosten ca. 8000 Euro) aber das Interesse ist gelinde gesagt kaum vorhanden. Auch der „kleine Führerschein“ für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen findet nur mäßig Anklang da man mit diesem Schein ebend nur „Feuerwehrfahrzeuge“ fahren darf…also nicht für private Zwecke nutzbar…
Und auch an den „Freiwilligen Feuerwehren“ geht der demografische Wandel nicht spurlos vorbei…laut Statistischem Bundesamt ist jede zweite Person in Deutschland heute älter als 45 Jahre, jede fünfte Person über 66 Jahre…ich bin da mit 61 schon im oberen Feld :-) habe aber daher ebend noch die „alten Strukturen“ kennengelernt und denke, dass es Jahre dauern wird annähernd ähnliche Strukturen zu bekommen….aber die ersten Schritte sind ja gemacht…unser Notstromgerät vom Bund ist da allerdings feht noch (seit fast 2 Jahren) der Hausanschluss
In diesem Sinne… „klagt nicht – kämpft!“.
@Zivilschutzente:
„…die Definition des Spannungsfalls erfüllt und man ihn ausrufen kann…. … man braucht im Bundestag dafür eine 2/3 Mehrheit und das ist… nunja schwierig…“
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Wenn ich das richtig sehe braucht es sowohl für den Spannungs-, wie auch den Verteidigungs-Fall eine 2/3 – Mehrheit im Bundestag.
Bei der neuesten Wahlumfrage ( INSA von heute, dem 29.09.2026 ) wäre das dann aktuell nur mit der AfD ( 29,5% ) umsetzbar.
Da fragt man sich schon wie da eine knüppelharte „Brandmauer-Diskussion“, die ja geführt wird, ins Bild passt…
Und ob die AfD überhaupt zustimmt wenn weit oben im Norden eine baltische Stadt überfallen wird ?
Die politische Destabilisierung wird quasi mitgeliefert im Falle eines Angriffs.
Genau dies ist für eine Abschreckungswirkung verheerend, gerade da Deutschland ja immer als Drehscheibe in einem solchen Fall bezeichnet wird.
Irgendwie logisch das man in Zukunft immer unter zivilen Regeln üben muss… soll ja realistisch sein…
Emden.
@clemens_speer
🇩🇪 „Nun berichtet auch die Nachrichtenagentur dpa, dass der zweite Nordsee-Stützpunkt der Marine in Emden entstehen soll — mit Platz für sieben Fregatten, zehn Minensucher und zehn Schlepper“.
Pistorius wurde heute in B’haven direkt dazu befragt und hielt sich bedeckt.
Miersch neben ihm begann zu schmunzeln.
Von wo könnten genannte Einheiten verlegt werden, komplett alles Neubau zusätzlich ist es sicher nicht. Minensucher sind 10 im Bestand?
Was ich hier teilweise über Mangel im Zivilschutz und bei der Feuerwehr lese, kommt mir teilweise wie aus einem anderen Land vor… In meiner Region gibt es eine Warteliste für die THW – Jugend, zwei in den letzten Jahren neu gegründete Bambini-Feuerwehren und die Freiwilligen Feuerwehren haben grundsätzlich genügend Personal. Einzige Sorge ist die Verfügbarkeit bei Alarm tagsüber, wenn sehr viele Männer und Frauen auspendeln zur Arbeit. Es gibt eine sehr intensive Öffentlichkeitsarbeit der Kommunen für die Blaulichtorgansisationen, bei jedem Anlass sind Politiker vor Ort dabei und setzen ihre Reichweite ein, sogar die Kirchen und Unternehmen machen mit, indem es immer wieder mal größere Übungen an markanten Kirchengebäuden oder Firmensitzen gibt. Schattenseite dieses lebendigen Lebens: Landeskommando und Kreisverbindungskommando kommen/kamen kaum hinterher, für die vielen Einladungen und Termine und Übungen mit angemessener Präsenz dabei zu sein… In manchen „Großkampfjahren“ hatte das zuständige KVK rund 70 Termine im Jahr ….. inzwischen deutlich weniger, weil nahezu alle denkbaren Projekte des Landes im letzten Jahrzehnt durchgelaufen sind und jetzt mal andere Kommunen dran sind ;-)
@Windlicht sagt: 29.09.2026 um 22:07 Uhr
Wie immer hängt es von den Entscheidern ab und deren Engagement und Kenntnisse. Viele Kommunen wissen es entweder nicht oder schaffen es nicht, z.B. zusätzliche Fahrzeuge aus dem Zivil- und Katastrophenschutzpool des Bundes zu ziehen.
Und dann ist da noch der dünn besiedelte ländliche Raum, bei dem die Blaulichtorganisation prozentual gesehen auf die Gesamtbevölkerung gut dastehen, aber in Köpfen gemessen zu knapp besetzt sind. Und das trotz Heraufsetzens der Altersgrenze.
@Pio-Fritz, was heißt nicht schaffen Fahrzeuge aus dem Zivilschutz des Bundes ziehen.
Die Autos wollen angemessen untergebracht werden, d.h. es wird ein entsprechender Stellplatz benötigt und afaik dürfen die Autos auch nur begrenzt auf den Brandschutzbedarf angerechnet werden weil theoretisch ja das Auto inkl Personal anderweitig im Einsatz ist. Ich brauche also auch entsprechend mehr Personal.
@THW-94154
Ich bin überzeugt, dass das THW durchaus eine schlagkräftige Truppe ist. Ich selber habe Kompenenten bereits bei Großfeuern im Einsatz gehabt und schätze die Einsatzbereitschaft sehr ! Die Klärung der Kostenübernahme zwischen Bund und Land ist ja , wenn auch erst seit Kurzem mittlerweile geklärt und erleichtert uns als FFW die Anforderung des THW natürlich sehr,
Das Ahrtal hat uns aber auch gezeigt wie lang Behördenwege heutzutage sind…Kräfte aus meinem Bundesland MV sind dort auch zum Einsatz gekommen. Meine Einschätzung ist jedoch, das derartige Lagen nicht gehäuft auftreten dürfen, da wir als BOS dann schon an unsere Grenzen stossen. Die Elbhochwasser zum Beispiel sind immer schon eine Herausforderung und dort reden wir um berechenbare, planbare Lagen….ich warne, als Verbandführer und Mitglied einer TEL, einfach nur vor zuviel Erwartungshaltung die z.Bsp. beim OP Deutschland an die BOS gestellt werden.