Gebremste NATO-Eingreiftruppe: Flaschenhals Deutschland

NobleJump_371_Verladung

Orange markiert, liegt Deutschland auf einer Übersichtskarte der Abteilung Strategie und Einsatz des Berliner Verteidigungsministeriums mitten in Europa. Orange markiert bedeutet: 20 Tage Genehmigungsdauer, Genehmigungen erforderlich. So wie Deutschland verfahren bei der Genehmigung für die Ein- und Durchreise von Streitkräften unter den europäischen NATO-Ländern noch Italien, die Türkei und Lettland, noch restriktiver sind lediglich Bulgarien, Griechenland und Litauen. Aber diese Länder sind nicht wie die Bundesrepublik das wichtigste Transitland in Europa. Die Karte zeigt: Die deutschen Bestimmungen sind ein nicht zu unterschätzender Flaschenhals für die Beweglichkeit der neuen superschnellen Eingreiftruppe der NATO, der so genannten Speerspitze.

Dass diese Very High Readiness Joint Task Force (VJTF), die im September vergangenen Jahres auf dem NATO-Gipfel in Wales unter dem Eindruck der Ukraine-Krise beschlossen wurde, mit den bürokratischen Problemen des hoch regulierten Europa fertig werden muss, ist keine ganz neue Erkenntnis – auch ich hatte im Zusammenhang mit dem VJTF-Manöver Noble Jump im Juni einen Teil des Problems schon mal beschrieben: Der erste Gegner der NATO ist die eigene Bürokratie. Kleine Kostprobe: Die 14 Marder-Schützenpanzer der Bundeswehr wurden bei der Ausfuhr zum Manöver auf den nahegelegenen polnischen Übungsplatz Zagan ordnungsgemäß beim Zoll angemeldet – und bei der Rückkehr nach Deutschland ebenso.

Doch die Auflistung der Ministeriums-Abteilung Strategie und Einsatz belegt, ebenso wie ein Bericht des Ministeriums an den Verteidigungsausschuss vom Mai, über den zuerst tagesschau.de berichtete: Ein Großteil der Probleme ist in Deutschland hausgemacht. Zwar kämpfen die Streitkräfte in allen europäischen Staaten mit den besonderen Regelungen für den grenzüberschreitenden Transport von Waffen, Munition und Ausrüstung. Aber innerhalb der Bundesrepublik kommen ausgefeilte Transportregelungen für Gefahrgut und Schwertransporte hinzu, die die schnelle Verlegefähigkeit der VJTF ausbremsen.

Das Ministerium machte das schematisch in einer Grafik deutlich. Was passiert, wenn verbündete Streitkräfte sich melden, um mit ihren Soldaten, deren Waffen und Munition nach Deutschland einzureisen oder auch nur deutsches Gebiet zu durchqueren? Um das Gefahrgut kümmert sich das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr. Die Waffen welten, von der Bundeswehr, beim Zoll, der Bundespolizei und des Landespolizeien angemeldet. Um die Bestimmungen des Zwei-plus-Vier-Vertrages über die deutsche Einheit zu erfüllen, wird auch die zuständige Abteilung des Auswärtigen Amtes informiert.

Das alles sind noch bundeswehrinternet Vorgänge – und eine Beschleunigung liegt oder läge in der Hand der Streitkräfte. Doch dann kommen die Schwertransporte hinzu, möglicherweise mit Fahrzeugen mit Übermaß oder -Gewicht, für die ein bestimmter Fahrweg festgelegt werden muss. Da sind dann die Bundesländer zuständig, deren Behörden die Transporte prüfen und genehmigen müssen. Und das, klagt das Ministerium, kann je nach Bundesland acht bis zehn Arbeitstage dauern – also zwei Wochen oder mehr. Eine beschleunigte Bearbeitung der militärischen Anträge, gegenüber den zeitgleich eingehenden Anträgen ziviler Speditionen, ist im Friedensbetrieb nicht vorgesehen.

Denn fürs Militär gibt es in Deutschland nur zwei rechtliche Zustände – den Verteidigungs- und Spannungsfall oder eben den Friedens- und Routinebetrieb. Den Unterschied erläuterte das Ministerium in seinem Bericht an die Abgeordneten:

Bei Feststellung des Spannungs-/Verteidigungsfalls würden Verordnungen auf Grundlage des §1 Verkehrssicherstellungsgesetz in kraft treten, die bei Eintritt der Voraussetzungen des Art. 80a Grundgesetz sehr weitgehende Eingriffe in die Verkehrsorganisation erlauben. Im Kern beinhaltet dies den Vorrang militärischer Transporte (Straße/Bahn) vor dem zivilen Verkehr, was auch Reduzierungen in den Vorlaufzeiten impliziert.
One Feststellung des Spannungs- oder Verteidigungsalles sind Verlegungen von Fahrzeugen und Material in Deutschland bzw. aus Deutschland in mögliche Einsatzgebiete und zurücl unter den Bedingungen des Betriebs Inland zu planen und durchzuführen.
Die sich daraus ergebenden Vorlaufzeiten für Genehmigungsverfahren aufgrund gesetzlicher Vorgaben in Deutschland stellen eine deutliche Herausforderung dar.
Zudem müssen für die erforderlichen Transitgenehmigungen bei grenzüberschreitenden Verlegungen derzeit bis zu 30 Tage veranschlagt werden.

Das verträgt sich nun gar nicht mit den ehrgeizigen Zeitplänen für die NATO-Speerspitze, deren erste Teile innerhalb von zwei Tagen abmarschbereit sein sollen, weitere Teile nach fünf Tagen, bis innerhalb von zwei Wochen alles vom Kasernenhof rollt und in einem Einsatzgebiet ankommen soll.

Die Bundeswehr hofft deshalb darauf, mit den Bundesländern zu Vereinbarungen über Dauergenehmigungen zu kommen und Ausnahmemöglichkeiten nach dem Verkehrssicherstellungsgesetz zu bekommen. Da ist eine Menge Papier zu bewegen: Es geht unter anderem um die Bestimmungen der Gefahrgutverordnung Straße, der Lenk- und Ruhezeiten, des grundsätzlichen Sonntagsfahrverbots, der Genehmigungspflicht von Märschen mit mehr als 30 Fahrzeugen oder mit Fahrzeugen, deren Abmessungen, Achslasten oder Gesamtgewichte die gesetzlich allgemein zugelassenen Grenzen überschreiten.

Gesetzlich vorgesehen sind solche Ausnahmeregelungen schon. Denn §35 der Straßenverkehrsordnung sieht vor, dass die Bundeswehr von den StVO-Vorschriften befreit ist, wenn das zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben dringend geboten ist. Doch selbst dann gelten die Einschränkungen für Märsche mit mehr als 30 Fahrzeugen oder Schwertransporte. Es sei denn, dafür wurden besondere Vereinbarungen getroffen. Und darauf hoffen die Bundeswehr-Planer: Die Bundesländer müssen mit ins Boot geholt werden.

Während das eine Aufgabe für Juristen und möglicherweise für Politiker wird, müssen sich über andere Probleme die Logistiker selbst den Kopf zerbrechen. Zum Beispiel über Eisenbahnflachwagen für den Transport von schwerem Gerät und Fahrzeugen auf der Schiene. Da hat die Truppe selber einiges im Bestand, kommt damit aber noch nicht mal durch alle Länder der Europäischen Union:

In Europa gibt es keine einheitlichen Gleisspurbreiten. Im Großteil der europäischen Staaten wird die Regelspur von 1.435 mm verwendet. In Staaten wie Finnland, Estland, Lettland und Litauen wird die 1.520-mm-Breitspur verwendet. Je nach Zielort und Fahrtstrecke ist bei Verlegung auf der Schiene mindestens das Umspuren der Eisenbahnwagen erforderlich. Bei Nutzung der eigenen Eisenbahnflachwagen der Bundeswehr ist sorgar ein Umladen erforderlich, da diese nicht umgespurt werden können.

Immerhin, von den Flachwagen der Deutschen Bahn stehen viele in der Landschaft rum. Zum Beispiel in Brandenburg. Da lassen sich bestimmt wieder welche fit machen.

(Foto oben: Archivbild Juni 2015: Marder-Schützenpanzer des Panzergrenadierbataillons 371 beim Abladen in Karliki/Polen für die Übung ‚Noble Jump‘ – Foto Deutsch-Niederländisches Korps)

44 Kommentare zu „Gebremste NATO-Eingreiftruppe: Flaschenhals Deutschland“

  • b   |   24. August 2015 - 17:00

    Ein bischen bremsen der „Speerspitze“ finde ich gut.

    Die loszuschicken bedeutet Eskalation und schnelle Eskalation ist aus gesundheitlichen Gründen abzulehnen.

    Wenn es wirklich brennt dann soll man bitteschön den V-Fall ausrufen. Dann gibt es zumindest ein wenig demokratische Diskussion darüber ob die Eskalationsmaßnahme „Sperrspitze senden“ angemessen ist.

    Das irgendein General Strangelove oder nicht informierte und erpressbare Politiker das heimlich im Hinterzimmer beschließen wäre mir so gar nicht recht.

  • Thomas Melber   |   24. August 2015 - 17:13

    Ich kann mir kein Szenario vorstellen, in dem die Speerspitze zeitkritisch innerhalb von 48h verlegen müßte. Und: ja, wir sind in Deutschland im Friedensbetrieb.

  • Arian   |   24. August 2015 - 18:30

    @b

    „Wenn es wirklich brennt dann soll man bitteschön den V-Fall ausrufen. Dann gibt es zumindest ein wenig demokratische Diskussion darüber ob die Eskalationsmaßnahme „Sperrspitze senden“ angemessen ist.“

    Ich finde es etwas inkonsistent sich darüber zu beschweren dass die VJTF eskalierend wirken würde, man aber im nächsten Satz gleich darum bittet doch eher den V-Fall auszurufen, weil das ‚angemessener‘ wäre.

    Abschreckungsmittel brauchen Eskalationspotential. Beschränkt man sich darauf den größten Hammer im Arsenal zu halten, dann hat man entweder die Möglichkeit daraufzuhauen, oder nichts zu tun, die eigene Abschreckung wird folglich unglaubwürdig, weil auch der andere Weiß dass wir uns das nicht in jedem Fall leisten können. Aus dem selben Grund hat man sich ja im kalten Krieg eben nicht nur auf Kernwaffen verlassen, sondern auch auf ‚ niedrigschwelligere‘ Mittel, wie bspw konventionelle Kräfte.

    „Das irgendein General Strangelove oder nicht informierte und erpressbare Politiker das heimlich im Hinterzimmer beschließen wäre mir so gar nicht recht.“

    Aber diese „nicht informierten und erpressbaren Politiker“ sollen dann den V-Fall ausrufen? mal ganz davon abgesehen dass, soweit ich informiert bin, doch auch die Verlegung der VJTF ein Mandat verlangt. Oder habe ich da was verpasst?

    Und sich dieser niedrigschwelligeren Mittel selbst zu berauben ist doch im Grunde auch Erpressung, schließlich zwingt man dazu Handlungsoptionen frühzeitig aufzugeben, zu Gunsten einer „Entweder V-Fall oder gar nichts“-Politik.

    Gruß

  • Christian   |   24. August 2015 - 18:47

    Falls der Russe kommt, wird er sein blaues Wunder erleben, wenn er seine ganzen schönen Panzer an der Grenze mangels Genehmigungen stehen lassen muss.

  • Ungedienter   |   24. August 2015 - 19:06

    Bei weitem nicht jeder Flachwagen ist geeignet schweres Gerät zu transportieren. Meines Wissens nach sin die wenigsten Flachwagen von DB Schenker Rail dafür geeignet.

  • Buche   |   24. August 2015 - 19:20

    Das eigentliche Problem an diesem „Flaschenhals“ ist nicht die Verzögerung der VJTF. Sondern das generelle Problem der europäischen Staaten im bezug auf die Verlegefähgkeit ihrer Streitkräfte.
    Unvorhergesehene Änderungen bei Übungen, Werksinstandsetzungen oder gegenseitigen Truppenbesuche kommen immer vor. Und dann noch aufgrund der langen Vorlaufzeiten den Auftrag ordentlich umsetzen?
    Mit diesen selbstauferlegten bürokratischen Hindernissen wird die Arbeit erheblich beschwert.
    Beispiel: Ich soll mit den KFZ A, B, C, D auf eine Übung nach Belgien. Jetzt geht mir, warum auch immer KFZ C eine Woche vor der Übung kaputt. Ich bin in der Lage mir als Ersatz KFZ E zu besorgen, kann es aber nicht mitnehmen, da ich innerhalb einer Woche die nowendigen Formulare und Genehmigungen für E nicht bekomme.
    Dabei hat sich grundlegend nichts geändert, aus C ist nur E geworden. Die Anzahl ist gleich.
    Wenn jetzt noch einer die Antwort gibt, das ich einfach das Kennzeichen von C und E tausche. HAHA

    Und es geht nur um Papier und nichts anderes……
    Und das ist der eigentliche Skandal an dieser Geschichte

  • KlausK   |   24. August 2015 - 19:33

    Jetzt mal ketzerisch:
    100 000 e Flüchtlinge können unsere Grenzen passieren —- aber unsere eigenen Truppen nicht?????
    Was ist die Steigerung von Schilda – EU -Bürokratie?

  • T.Wiegold   |   24. August 2015 - 19:44

    @Klaus K

    Nein. Auch nicht ketzerisch. Danke.

  • Georg   |   24. August 2015 - 19:48

    @ Buche

    Zitat: „Und es geht nur um Papier und nichts anderes……
    Und das ist der eigentliche Skandal an dieser Geschichte“

    Carl Zuckmayer, der das Theaterstück „Der Hauptmann von Köpenick“ schrieb, hat uns Deutsche schon gut analysiert !

  • Closius   |   24. August 2015 - 19:56

    Ich vermisse jetzt ein Bild von der Karte, wo wir Orange markiert sind oder liegt diese nicht vor im Original???

  • T.Wiegold   |   24. August 2015 - 20:10

    Soll ich etwa Verschlusssachen hier im Original einstellen und mir dann eine Klage wg. Verletzung des Urheberrechts ins Haus holen? Wäre ja nicht das erste Mal.

  • Bang50   |   24. August 2015 - 20:23

    *hust* Harmonisierung *hust* besonderer Rechtsstatus *hust* europäische Ebene *hust* Ordnungspolitik?! *hust*

  • CRM-Moderator   |   24. August 2015 - 20:40

    *hust*EU-Armee*hust*

  • Voodoo   |   24. August 2015 - 20:50

    Wohl eher „EU-Armee *würg*“ Wenn es schon an so etwas scheitert… Aber hier wird mal wieder deutlich, was passieren kann, wenn Politiker „richtig einen raushauen“ wollen, ohne vorher mal ihre Mitarbeiter gefragt zu haben; alle o.a. Bestimmungen gibt es nicht erst seit gestern.

    Zu neudeutsch: *facepalm*

  • Thomas Melber   |   24. August 2015 - 20:52

    Bzgl. Flachwagen: Polen nutzt auch die Normalspur, so daß man zumindest im Eisenbahntransport bis zum Baltikum kommt. Der Rest geht dann eben im Landmarsch.

    Wichtiger wäre, genügen Waggonkapazität und Verladebahnhöfe in Standortnähe zu haben. Für den Straßentransport fehlen ohnehin die Tieflader, oder sie müßten zivil angemietet werden.

  • Zimdarsen   |   24. August 2015 - 21:18

    @Voodoo

    Das sind Probleme welche die EU und NATO sich selbst bereitet haben und beweisen wie wichtig eine zukünftige Abstimmung/Harmonisierung ist.

  • Zimdarsen   |   24. August 2015 - 21:26

    Das Weltklasse Heer ist es eben nicht gewohnt weite Strecken an Land zurückzulegen:-)

  • Frank Nagel   |   24. August 2015 - 21:30

    Ich verstehe die Aufregung hier nicht. Das hat doch alles seinen Sinn! Schließlich müssen gerade wir Deutschen, als82Mio starke „EU-Beispiel-Truppe“ vorangehen und darauf drängen, erlassene Regelungen auch durchzusetzen – wo kämen wir denn sonst hin ?

    Meine These ist: „Bringt die deutsche Bürokratie in Krisenländer, dann haben sich sämtliche Streitereien schnell erledigt“ – Man stelle sich Taliban mit TÜV-Kontrollen, ISIS mit Kriegswaffenkontrollen und manch´ afrikanisches/arabisches Krisenland mit „Einsatz-Controlling“ vor. Da ginge dann genauso wenig, wie bei uns – oh holder Weltfriede.

    Am deutschen „Verwaltungs-„Wesen kann die Welt genesen !

  • Zimdarsen   |   24. August 2015 - 21:33

    USA organisiert -Swift Response- evtl klappt ja diese Übung schneller!

  • Voodoo   |   24. August 2015 - 21:53

    @ Zimtdarsen

    „Not sure if serious, or troll….“ Was haben EU oder NATO mit innerdeutschem Kompetenzgerangel zu tun?

    Ich zielte auf die Bereitschaft von Frau vdL ab, mal eben so die VJTF-Erprobung mitzunehmen – ohne vorab mal in ihrem Hause eine Prüfung zu fahren. So etwas wie Schienennetz, Zollrecht, Marschanmeldung etc etc. hätte man ihr sofort ins Buch husten können, aber nein: Noch vor Ort posaunt man am 05. Februar gut gelaunt und lächelnd in die Kamera, man mache jetzt das mit den Fähnchen (im Osten).

  • KlausK   |   24. August 2015 - 21:59

    @TW
    Das Wort „ketzerisch“ bitte nicht in den falschen Hals bekommen – nochmal über die Ironie ohne Smiley nachdenken!

  • Zimdarsen   |   24. August 2015 - 22:21

    @Voodoo

    „Was haben EU oder NATO mit innerdeutschem Kompetenzgerangel zu tun?“

    Ganz einfach, wir haben Frieden und unsere Nachbarn auch!
    Nicht nur wir haben Genehmigungsprobleme sondern auch unsere Partner.
    Nur weil wir über unsere hier schreiben bedeutet dies nicht, dass die anderen keine haben.
    Zudem hat man alle neuen NATO Partner nicht komplett eingebunden in die STANAGs und wir haben sie in vielen Bereichen missachtet.

  • Memoria   |   24. August 2015 - 22:34

    Die VJTF ist eben der Berliner Flughafen unter den Gefechtsverbänden.

    Bundesrepublikanische Selbstblockade auf höchstem Niveau.
    Mangel an Führung auf mehreren Ebenen.

  • Bang50   |   24. August 2015 - 23:52

    @ Memoria – Eben. Man scheitert schon an sich selbst – stolpert direkt über den ersten mini Kieselstein und schafft es gleichzeitig nicht auf supranationaler Ebene die notwendigen Schritte einzuleiten. Dafür träumen Regierungsfraktionen und Utopisten doch so schön vom Mount Everest aka. EU-Armee, im BMVg wird weiter Dynamik simuliert und die Kanzlerin ist glücklich weiterhin keine relevante Entscheidung in der Legislaturperiode treffen zu müssen.

    Diese bundesrepublikanische Selbstblockade ist leider der evolutionäre Endzustand der Politik. Das System dreht sich nur noch um sich selbst aber generiert keine Wirkleistung mehr. Die Ähnlichkeit zum System BW ist dabei nicht zufällig, sondern die logische Folge.

  • Zimdarsen   |   25. August 2015 - 0:21

    @Bang50

    So ist es und die Neuausrichtung ist die Kernschmelze.

  • Thomas Melber   |   25. August 2015 - 5:14

    Amerikanisches Material soll ja „forward deployed“, zumindest bereits in DEU eingelagert werden.

    Anderes Material kann, statt in Bremerhaven, direkt in Polen oder im Baltikum angelandet werden.

    Und für die von DEU aus zu verlegenden Einheiten muß dann eben ein Marschplan vorbereitet werden. Zumindest bei den amerikanischen Einheiten ist ja der Standort bekannt.

  • SvenS   |   25. August 2015 - 8:21

    1998 hatten wir eine defekte HF-Kabine in Bosnien, die Meldung kam Donnerstags, Sonntags sind wir abmarschiert. Mit dem 1017 auf dem Landweg nach Bosnien. Ich weiß das noch so gut, weil ich an dem Montag Geburtstag hatte und den im Fahrerhaus des LKW mit zwei Kameraden feiern konnte.

    Ist die Bürokratie wirklich seit damals so viel schlimmer geworden oder geht trotz Bürokratie mehr als man denkt?

  • Zimdarsen   |   25. August 2015 - 9:28

    @SvenS

    HF Kabine ist halt keine Waffe.
    Die in vielen Ländern das Militä/Militärpolizei vieles im Inland selber regelt haben es manche Saaten einfacher. Die BRD ist eben mit Belgien nicht vergleichbar. Es ist nicht die Bürokratie, es ist die Politik und das BMVg welche diese Situation zu verantworten hat.

    Die bodengebundene Logistik benötigt eine Ausnahmegesetz vergleichbar §30 LuftVG, doch leider erkennt man gerade daran wie schnell das Militär solche Möglichkeiten oft zum Schaden der Bürger ausnutzt.

  • Jan Hoffmann   |   25. August 2015 - 12:10

    Tjaja, das heißt also „vernetzte Sicherheit“. Nicht einmal national kann deutsche Politik diesen Anspruch einlösen. Aber es war ja schon immer deutlich, daß „vernetzt“ eigentlich den weitestmöglichen Ausschluß des Militärs bedeutete.

  • Thomas Melber   |   25. August 2015 - 12:41

    Wieviele Bundesländer muß man denn queren, um in die Verfügungsräume (hoffentlich schon festgelegt) zu kommen? Wohl max. drei, eher zwei, oft aber auch nur ein Bundesland (Stationierungsort im Grundbetrieb). Also: ein Sturm im Wasserglas.

    Und: die Genehmigungsverfahren haben auch ihre Berechtigung – oder weiß der S3 wo nächste Woche die Straße wegen Bauarbeiten gesperrt oder aus anderen Gründen nicht passierbar sein wird?

  • Ungedienter   |   25. August 2015 - 12:42

    Ergänzung zu meinem gestrigen Post:
    Die bei DB Schenker Rail vorhandenen Wagen der Gattung RImms sind Bauart 651 und haben damit im Vergleich zu den RImms der Bundeswehr (Bauart 650) keine Überfahrbleche und Stützböcke. das heißt Beladung ist nur per Kran möglich. Ein Auffahren (seitwärts, genauso wie über den Kopf) ist nicht möglich. Der letzte Wagen Bauart 650 wurde 2006 bei Schenker Rail zur Bauart 651 umgebaut.
    Auch die Flachwagen der Bauart Sxxx haben alle keine Verladefähigkeit für Fahrzeuge dieser Gewichtsklasse. Also allenfalls für den Wolf & Co wären sie geeignet. Bei anderen EVU (Eisenbahnverkehrsunternehmen) sind – soweit prüfbar – keine RImms(650) vorhanden.

  • Voodoo   |   25. August 2015 - 12:51

    @ Bang50

    Sehr schön geschrieben und präzisiert!

  • Jan Hoffmann   |   25. August 2015 - 14:03

    @t. Melber:
    Ja, das sind stets die Rechtfertigungen für die stets zu verbessernden Abstimmungen. Aber darum geht es nicht. Es geht um die Zeit, die dafür gebraucht wird und um Prioritätensetzung.
    Und wie sieht das so mit der spanischen Brigade aus, die ggf. in Deutschland entlädt oder ….

  • Stefan Büttner   |   25. August 2015 - 15:16

    Zum Thema Eisenbahn eine TAZ-Meldung vom Juni 2014: https://bw2.link/5i0bN

    Das könnte langfristig die Umspurproblematik lösen. Fehlen noch entsprechende Abzweige zu notwendigen Verladerampen und natürlich ein fähiger und verfügbarer Wagenpark für militärische Eisenbahntransporte.

    Für https://de.wikipedia.org/wiki/SUW_2000 fehlt der entsprechende Wagenpark sowie ertüchtigte Grenzbahnhöfe.

    So wie aussieht gab es im Kalten Krieg zwischen Polen und der Litauischen Sowjetrepublik keine vergleichbaren umfangreichen Infrastrukturen wie zwischen Polen und dem Kaliningrader Verwaltungsgebiet oder zwischen Polen und den Ukrainischen sowie Belorussischen Sowjetrepubliken.

    Langfristig sollte man vielleicht im Baltikum über eine Umstellung auf 1435 mm nachdenken…

  • Auchmal   |   25. August 2015 - 15:50

    Man hat doch auch das Schengener Abkommen … man könnte doch auch für militärische Zwecke ein solches Abkommen schaffen. Wär doch auch schön, wenn deutsche Panzer die polnische Grenze überqueren mit dem Schild versehen „Nothing to declare“ …

  • Ungedienter   |   25. August 2015 - 16:29

    @ Stefan Büttner
    doch es gab eine leistungsfähige Breitspurstrecke (nur für Militärtransporte) von Weißrussland an die Oder, die wurde von den Polen Anfang der Neunziger ganz schnell zurück gebaut. Die seit Jahren im Bau befindliche Strecke von Warschau nach Litauen wird Normalspur 1435 mm sein.

  • Stefan Büttner   |   26. August 2015 - 8:32

    Es geht ja hier um eine Strecke von Polen nach Litauen. Nicht Belarus. Zwischen Kaliningrad und Polen gab es auch umfangreiche Infrastrukturen. Aber wohl nicht zwischen Litauen und Polen.

  • Zimdarsen   |   26. August 2015 - 8:42

    Zum Glück verliert der Schienentransport im Einsatz an Bedeutung :-)

    …..auch nach Königsberg.

  • Ulane   |   26. August 2015 - 13:01

    Ich beobachte hier Diskussionen auf zwei Ebenen: Der pragmatischen und der grundsätzlichen.

    Aber selbst 90% der auf das Pragmatische bezogene Beiträge besitzen eine zweite Ebene, die grundsätzliche, inkludiert, die selten deutlich formuliert wird:

    1. Wo sitzen a) Freund und b) Feind? Vereinfacht ergeben sich folgende Möglichkeiten:
    a) West und b) Ost oder
    a) Ost und b) West oder
    a) Ost und West und b) niemand oder
    a) niemand und b) Ost und West.

    2. Diese Frage könnte man auch anders stellen: Wer ist das Subjekt, also „das Wir“?
    a) Die NATO /“der Westen“?
    b) Eurasien?
    c) Deutschland
    d) Europa / EU
    e) Die Menschheit?
    f) Abstrakte Prinzipien: Demokratie, Grundgesetz, Rechtsstaat, Menschenrechte und so weiter?

    3. Und sollte man unter 2. zu Ergebnis b) gelangen, so stellt sich die Frage, ob Deutschland eher als
    a) Nation gedacht ist, dh. der Staat folgt der Nation, organisch-historisches Staatsverständnis, oder
    b) als Gesellschaftsvertrag gedacht ist, Nation folgt Staat folgt Verfassung, philosophisches Staatsverständnis?

    Jeder hat seine Präferenz. Und darunter leidet eine pragmatisch geführte Diskussion. Weil zu den pragmatischen Feinzielen das grundsätzliche Grobziel nicht bestimmt ist. Das Grobziel ist aber das alleinige Maß der Zweckmäßigkeitsbewertung für pragmatische Feinziele!
    Deswegen laufen die meisten Beiträge ins Leere. Oder – man wertet sie – als verschleierte Beiträge zur Grundsatzdiskussion.

    Ja. Die Weltlage hat sich seit 1990 grundlegend geändert. Und diese Grundsatzdiskussion ist zu führen. Es ist eine politische, die nicht befohlen werden kann.

  • LTC007   |   26. August 2015 - 15:01

    an die spurbreite wird das baltikum wohl nicht rangehen. die strassen-infrastruktur zwischen pol und lit wird jedes jahr besser. es braucht auch keiner angst zu haben, dass es in litauen bürokratieprobleme gibt im fall des falles. bei deutschland bin ich mir da aber absolut sicher.

  • Stimme der Vernunft   |   26. August 2015 - 17:43

    @Buche:

    Diese Art der Darstellung halte ich für ziemlich theoretisch und wenig zielführend.

    Wenn ich weiß, dass ich nur einen unterdurchschnittlichen Klarstand beim zu verlegenden Großgerät habe, dann sollte der zuständige Verband bzw. Großverband zunächst einmal einfach bei der Transportanmeldung schon auf mögliche Reserve-Fahrzeuge hingeweisen.

    Darüber hinaus kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgend jemand militärische Transporte – egal ob zu Land oder per Schiene – innerhalb von NATO-Staaten beim Grenzübergang stehen lässt, weil da irgendwelche KFZ-Kennzeichen nicht stimmen. Da gibt es zwischenstaatliche Verträge, die auch von Grenzbeamten oder Bahnbeschäftigten nicht einfach links liegen gelassen werden. Und falls doch, dann sollte der Transportführer einfach den jeweiligen MilAtt in der zuständigen Botschaft kontaktieren; der ohnehin über die jeweiligen länderübergreifenden Truppenbewegungen informiert wird. Innerhalb kurzer Zeit wird es dann die Weiterfahrt geben.

    Es gibt immer mehrere Möglichkeiten zur Auftragsumsetzung. Zudem werden viele Menschen dafür bezahlt, sich nicht mit der Bürokratie rumzuschlagen, sondern pragmatische Lösungen zu erzielen.

    So und jetzt noch einige Gedanken zur grundsätzlichen Verlegung der VJTF – also der neuen NATO-Speerspitze. Wenn diese aus strategischen Gründen verlegt wird, dann sind die möglichen Einsatzräume dafür der NATO schon Monate vorher klar. Und damit auch die möglichen Transportrouten – und davon gibt es dann aufgrund des Transportgutes – gar nicht mehr so viele. Und wenn in dieser Zeit irgendetwas schief läuft, dann machen die zuständigen Stellen einfach keinen guten Job. Das sollte dann entsprechend thematisiert werden – aber bitte nicht auf der Ebene der Generalstabschefs der NATO.

  • TBC   |   26. August 2015 - 21:30

    Zu unterschiedlichen Spurweiten der Bahn empfehle ich mal das Buch „DDR-Reichsbahn und ‚Vorbereitung’“, um nachzulesen, wie man das Problem gelöst hatte. Zugegeben, der Plan damals bestand eigentlich darin, in DIE ANDERE RICHTUNG zu fahren – aber die Umladebahnhöfe sind immer noch vorhanden.
    Hier mal gleich vier Stück im Wald südlich Braniewo/Braunsberg 54°15’11.37″N 19°47’29.05″E, bei Fraczkowo oder in Suwałki/Suwalken 54° 6’18.29″N 22°56’53.12″E.

  • Stefan Büttner   |   27. August 2015 - 12:41

    Von der Aufzählung führt aber nur eine Strecke nach Litauen. Dieser „Umladebahnhof“ (umladen oder umspuren?) hat aber zu geringe Kapazitäten. Es geht um umzuspurende Militäreisenbahntransporte, beginnend in Westeuropa und über Polen nach Litauen hineinführend. Kaliningrad, Belarus und die Ukraine sind da ohne Relevanz.

  • TBC   |   29. August 2015 - 23:56

    “ Ukraine ohne Relevanz“ … … hüstel…
    Die Aussage ist eine andere. Die Lösung kann eben nicht das Umspuren, sondern das Umladen sein. Eine Rampe, eine Seite Normal-, andere Seite Breitspur.