Fürs Protokoll: Deutsche Patriot-Stationierung in der Türkei begonnen
Die Luftwaffe hat planmäßig eine Patriot-Feuereinheit zur Verstärkung der NATO-Raketen- und Flugabwehr in der Türkei stationiert. Das Luftverteidigungssystem mit rund 150 deutschen Soldaten nahm am vergangenen Mittwoch seine Arbeit auf, wie das türkische Verteidigungsministerium mitteilte. Der Einsatz ist derzeit bis September vorgesehen.
Die deutsche Patriot-Einheit löst eine US-Einheit mit dem gleichen Waffensystem auf der NATO-Radarstellung in Kürecik ab (s. Karte oben). Aus dem Bericht der türkischen Agentur TRT über das Briefing des türkischen Verteidigungsministeriums am (gestrigen) Donnerstag:
Separately, the ministry announced that a German Patriot air defence system has been deployed at Kurecik in the eastern province of Malatya under NATO’s Standing Defence Plan to strengthen the alliance’s air defence posture.
The German system assumed the mission from a US Patriot battery stationed in the same area on 24 June.
Den Einsatz hatte das Verteidigungsministerium im Mai angekündigt.
Die Radarstellung in Kürecik wurde von der NATO als Teil des Frühwarnsystems gegen ballistische Raketen eingerichtet. Sie liegt auf rund 2.000 Metern Höhe und nordöstlich der türkischen Großstadt Kahramanmaraş, wo 2013 bereits eine Patriot-Einheit der Bundeswehr eingesetzt war. Im Unterschied zum damaligen Einsatz, der vom Bundestag mandatiert wurde, ist diesmal nach Ansicht der Bundesregierung kein Bundestagsbeschluss erforderlich: Für die aktuell geplante Stationierung deutscher Kräfte in der Türkei für den Schutz des NATO-Luftraums wird eine Einbeziehung in bewaffneten Unternehmungen im Sinne § 2 Absatz 1 Parlamentsbeteiligungsgesetz nicht erwartet.
(Karte: OpenStreetMap)
Letztes Mal lief es in der Türkei ja nicht so gut für die Bundeswehr und ihre Patriot-Batterien:
https://www.spiegel.de/politik/ausland/patriot-einsatz-tuerken-bedraengen-deutsche-soldaten-a-879127.html
https://www.sueddeutsche.de/politik/engagement-an-tuerkisch-syrischer-grenze-deutsche-soldaten-bei-patriot-einsatz-angepoebelt-und-bedraengt-1.1580708
Am besten schickt man mal die Feldjäger mit dieses Mal und tritt robuster auf
Bisweilen bin ich über die Besatzer-Mentalität mancher Kommentatoren doch recht erstaunt. Wüsste gerne, wie die das fänden, wenn bei einer Mission türkischer Soldaten in einem anderen NATO-Land die türkische Militärpolizei gegenüber der Bevölkerung „robuster auftreten“ würde…
T.Wiegold sagt:
26.06.2026 um 13:48 Uhr
„Bisweilen bin ich über die Besatzer-Mentalität mancher Kommentatoren doch recht erstaunt. Wüsste gerne, wie die das fänden, wenn bei einer Mission türkischer Soldaten in einem anderen NATO-Land die türkische Militärpolizei gegenüber der Bevölkerung „robuster auftreten“ würde…“
Ich hätte damit kein Problem. Warum? Weil sie nur eingreifen würden, wenn man sie angreift … und die Kräfte, die zu MEINEM Schutz vor Ort sind auf Einladung MEINER Regierung, greife ich nicht an sondern bin dankbar für deren Dienst. Im Übrigen sehe ich da keine „Besatzer-Mentalität“.
Ich verstehe dennoch die Sorge von @DrSponge, wie soll man einem NATO-Partner jemals vertrauen, wenn er sich so verhält? Ich habe selbst nur positive Erfahrungen in Litauen und mit den Niederländern in Mali gemacht, was NATO-Kooperation angeht, aber wie soll man damit umgehen, wenn man offensichtlich nicht gewollt ist und angegangen wird? Wir selbst wehren uns bei sowas ja nicht, und sind sehr professionell und passiv. Aber dass kann doch nicht ernsthaft akzeptabel sein.
@ Ferngärtner Die NATO ist laut deutscher Definition eine Wertegemeinschaft. Meine Werte sind deutlich andere als die von Herrn Erdogan und Co. In der Türkei herrschen teilweise schlimmere Zustände als in der DDR. Aber es sind unsere Schw…hunde. Realpolitik halt.
War nicht bei einer früheren Patriot-Verlegung von türkischer Seite das Hissen der deutschen Flagge vor Ort untersagt worden?
Werter DrSponge, ich denke, wir wären gut beraten, bei diesem Einsatz die Feldjäger entweder zu Hause oder im Camp Kürecik zu belassen – wenn das für unser Kontingent als „zumutbare Einsatzunterkunft“ betrachtet wird. Da würde das m.E. Sinn machen. Außerhalb hat die DEU MP ohnehin nix zu melden, insbesondere dann nicht wenn unsere Soldaten sich in ihrer Freizeit irgendwo im Supermarkt tummeln.
Guten Tag,
Ich habe eine andere Frage zu dem Thema.
Meines Wissens geht das schon mehrere Jahre so, dass Flugabwehrgerät aus NATO Staaten dort startioniert ist.
Für mich gelebte Bündnisverteidigung, trotz kleinerer Probleme. Vor Ort.
Außerdem ist die Rüstungsindustrie in der Türkei schwer aktiv, also Panzer, Drohnen und gar Flugzeuge.
Hat die Türkei kein eigenes Program für Flugabwehr?
Oder gibt es Bestrebungen welche zu kaufen?
P.S. Gab es es noch damals Ärger bei der Beschaffung der F35, weil die Türkei russische Systeme gekauft hat?
Was ist daraus geworden?
Sehr geehrter Herr Wiegold,
mit der Bezeichnung „Besatzermentalität“ überdrehen sie hier völlig !
Tatsache ist das ein Dienst von deutschen Soldat*innen in der Türkei nicht unbedingt angenehm ist. Ich erinnere mich noch recht gut an die Zeit 2013 -2017. Im Falle der deutschen Soldaten war hier allenfalls Naivität das Problem gegenüber einer türkischen Mentalität, die alles andere als legere ist. Ich selbst habe das als junger Wehrpflichtiger in den Niederlanden erfahren müssen. Damals habe ich lange gebraucht um wieder in die Niederlande zufahren . Offiziell gab es nie Probleme . Heute sehe ich die damalige Situation jedoch aus einem anderen Blickwinkel und das Wort Besatzer hatte seine geschichtliche Berechtigung.
Im Falle der Türkei wäre eine grundsätzliche Aufklärung der Soldaten über Mentalität , Selbstverständnis ,Politik und Geschichte dringend angebracht.
Und nochmal, der kritisierte Begriff unterstellt völlig grundlos ein dunkles Vorurteil im Bezug zur Türkeistationierung
Sorry Herr Wiegold ,dass hat mich angefixt !
[Sie überdrehen völlig. T.W.]
Zwar schon etliche Jahre her, aber vielleicht ein Beitrag: Im Vorfeld einer politischen Informationsreise in die Türkei habe ich damals beruflich intensiv zum Thema NATO – Truppen in der Türkei recherchiert und eine Vorbereitungsmappe erstellt. Ein Thema: Über Jahrzehnte eine Vielzahl von kleineren Vorfällen, bei denen als roter Faden die „Ehre der Türkei“ oder eines höheren Offiziers als Auslöser sichtbar waren. Seien es die verbotene Hissung von Flaggen, die Missachtung legaler Verkehrsleitung von NATO-Kolonnen durch türkische Kräfte, seien es vertraglich geregelte Absicherungsmaßnahmen / Eigensicherungen durch ausländische Truppen, sei es ein ausländischer Offizier mit armenischem Namen und solchen Wurzeln, seien es Situationen, in denen ausländische Offiziere Augenzeugen türkischer Fehler wurden… Einer meiner Vorgesetzten war in den 1980ern in der Türkei in einer längeren Verwendung. Beim Thema Menschenführung kamen immer wieder Beispiele aus der türkischen Armee, wo er harte Körperstrafen gesehen hatte, wenn bei NATO – Manövern einfache türkische Soldaten unter den Augen der „Ausländer“ Fehler machten. Und dann durchaus die NATO-Offiziere recht schroff „weggebeten“ wurden. Das sind sicherlich keine flächendeckenden Zustände, aber doch vorhandene Muster….die man bei Stationierungen auf dem Schirm haben sollte…
Wenn ich mich richtig erinnere, dann war damals das Verhältnis zum türkischen Militär nicht ganz spannungsfrei. Das ist aber auch knapp zehn Jahre her. Vielleicht sieht das heute ja anders aus.
Die verlinkten Zeitungsartikel beschreiben allerdings Übergriffe organisierter Radikaler und gerade nicht staatliches Fehlverhalten. Das kann man nicht per se dem NATO-Partner Türkei anlasten, zumal die Sicherheitskräfte ja eingeschritten sind.
Was die Problematik der NATO-Wertegemeinschaft anbelangt: Willkommen in der Realität! Ich glaube nicht, dass wir in Deutschland ein Problem damit hätten, wenn türkische Truppen die NATO-Ostflanke verstärken. Auch mit den USA ist das in Sachen Wertegemeinschaft aktuell so eine Sache, Auch hier macht Europa gute Miene zum bösen Spiel. Insofern ist es schon konsequent. Wer NATO-Schutz haben möchte, muss auch selbst liefern.
Die Befugnisse der Streitkräfte im Inneren sind in Deutschland (zurecht) begrenzt.
Es besteht zwar eine Befugnis zum Selbstschutz (wie sie jedermann in Notwehr zusteht), und nach dem UZwGBw ist auch die Anwendung von unmittelbarem Zwang im Zusammenhang mit militärischen (Sicherheits)Bereichen grundsätzlich unter den gesetzlichen Voraussetzungen zulässig.
Übertragen wir das mal in die Türkei: Dort gilt zunächst mal türkisches Strafrecht und das deutsche UZwGBw ist in seiner Anwendung auf militärische Bereiche „in der Bundesrepublik“ limitiert (§2 Abs. 1 UZwGBw). Wer auch immer sich also auf deutsches Recht berufen will, ist hinsichtlich der Haftbarkeit innerhalb der Türkei schon auf dünnem Eis. Eine Strafbarkeit in Deutschland mag man anders betrachten, da das deutsche Strafrecht auch auf Taten von Deutschen im Ausland Geltung beansprucht…
Auch wenn die Befugnisse in der Türkei seitens der türkischen Streitkräfte gegenüber der eigenen Bevölkerung robuster sein könnten, wäre es dennoch verfehlt, sich diese einfach anzueignen, weil man ja auch Streitkraft ist, und auf Einladung der türkischen Regierung hier. Man tut also gut daran, sich speziell gegenüber der Zivilbevölkerung sehr zurückhaltend aufzuführen, zunächst die türkischen Partner um entsprechende Hilfe zu bitten und auch ansonsten eine ggf. akut notwendig werdende Gegenwehr auf das absolute Minimum zu beschränken.
Das hat auch weniger etwas mit der Geschichte Deutschlands zu tun, als mit gesundem Menschenverstand und Deeskalation gegenüber Zivilisten. Man muss gewiss nicht hinnehmen, dass Soldaten von aufgebrachten Mengen gesteinigt werden, aber man wird sicherlich tunlichst vermeiden wollen, dass deutsche Soldaten im NATO-Ausland bei Konfrontationen den Finger locker am Abzug haben, oder Situationen bewusst eskalieren.
@ Windlicht Ich kenne ein Sprichwort aus der Türkei: „Wer sagt, er wäre als Soldat nicht geschlagen worden, ist ein Lügner!“ Die armen Schweine von der Sowjetarmee wurden nicht anders behandelt und die Russen machen es immer noch. So viel zum Thema Wertegemeinschaft. Mit der EU fangen wir da besser mal nicht an.
meine Kommentare werden hier leider aggressiv vom Moderator zensiert, dahier kann ich zu dem Thema scheinbar nichts mehr schreiben
[Ich habe Ihren einen (!) Kommentar nicht freigeschaltet
T.Wiegold:
Besatzer, also dann Colonizer?
Werden Auslandseinsätze jetzt durch die post-koloniale Linse gewertet?
Die Türkei ist ja bekanntlich eine lupenreine Demokratie und findet Deutschland total gut. Wir sind die pösen pösen Teutschen.
Ein bisschen mehr hätte ich schon erwartet ehrlich gesagt. Ich finde es erschreckend
Dass ich Trollen dieser Art nicht freischalte, mögen Sie „aggressiv zensiert“ nennen. Machen Sie sich bitte schlau, was Sie eigentlich hier behaupten. Diese Debatte werden wir nicht fortsetzen. T.W.]
Die türkische nationale Denke läßt sich auch an folgendem „fun fact“ ablesen (ist heute aber ggf. anders):
Beim Eurokorps wird von allen Soldaten einheitlich das blaue Barett mit EC-Emblem getragen außer von den türkischen Kameraden. Darauf angesprochen wurde mir gesagt man könne doch die nationale Uniform nicht einfach abwandeln und bestand auf das Tragen der türkischen Feldmütze (diese stabilere base cap).
Wie gesagt, das war vor zehn Jahren, ob das heute auch noch so ist ?
Die Rechte DEU Soldaten regelt man im Ausland gemeinhin per Status of Forces Agreement inkl NATO Truppenstatut, wo es denn gilt. Danach richtet sich dann alles, wenn ich kein UN Mandat habe, wo ich natürlich keinen Vertrag mehr mit dem Gegner brauche.
Unmittelbarer Zwang hat im Übrigen auch in DEU nur bedingt etwas mit militärischen Bereichen zu tun. Gerade nach der letzten Änderung UZwGBw. Straftaten gegen die Bw konnte ich schon immer und überall in DEU mit Gewalt (verhältnismäßig) beende/verhindern.
Feldjäger sind im Feldjägerdienst natürlich auch außerhalb der Camps zuständig (3 VorgV) gegen eigene Soldaten, Stichworte: mil Verkehrs-/Ordnungsdienst. Im Übrigen brauche ich gegen eigene Soldaten auch kein UZwGBw, gegen den normalen Ungehorsam kann ich körperliche Gewalt auch aus dem Soldatengestz direkt herleiten (bspw. abführen).
Bitte hier nicht falsche Bilder stellen.
@ newbie0815 zum Beitrag 29.06.2026 um 23:26 Uhr
Ich denke, es geht bei dem hier im Faden angesprochenen Einsatz von Feldjägern nicht um die Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der soldatischen Ordnung. Die stand ja m.W. nicht zur Debatte.
Ohne die laufenden Befindlichkeits-Diskussionen auf diesem Kanal zu sehr stören zu wollen, würde mich doch einmal rein fachlich interessieren, inwieweit die Verlegung von deutschen Patriots in die Türkei die Restfähigkeiten der Luftwaffe zur Verteidigung des Luftraums über Deutschland weiter schwächt. Was lässt sich in Deutschland noch schützen und wie sieht das Verhältnis zwischen deutschen Abwehr-Raketen und dem entsprechenden Angriffs-Potenzial Russlands aus?
Könnte es sein, dass die Zukunft der Luftverteidigung in absehbarer Zeit – auch unter ökonomischen/logistischen Aspekten – von ganz anderen Wirkmitteln wie Laser- und Mikrowellen-Waffen zumindest wesentlich mitbestimmt wird? Ich beziehe mich dabei auf Berichte u.a. von MSN über kürzliche Tests auf einer Range in New
@cato
Die Herausforderung dabei: an Luftverteidigung hängt ein Preisschild, die muß nämlich 24/7/365 besetzt und aktiv sein. Bei ein paar Operateuren am Radar oder in Uedem mag das nicht ins Gewicht fallen, bei der Besatzung der IRON DOME Stellungen und ggf. PATRIOT Staffeln u.a. dann schon.
Werter Cato,
in DEU haben wir noch acht Staffeln (materiell) stehen. Patriot (nur davon reden wir im Moment) spielt in der Heimatluftverteidigung keine Rolle. Die bildet eine andere Baustelle.
Werter @Hans Schommer, Ich habe inzwischen etwas recherchiert und komme zu dem Ergebnis, dass PATRIOT in Deutschland für den Punkt- und Raumschutz gegen hoch entwickelte Kampfflugzeuge, Marschflugkörper und taktisch-ballistische Raketen mittlerer Reichweite eingesetzt werden. In dieser Rolle werden sie auch in den anderen Europäischen Nutzerstaaten verwendet. .
In Deutschland nehmen die Schutzmöglichkeiten aufgrund der Dislozierung der verbleibenden Staffeln von Norden nach Süden ab. So ist z.B. im Ballungsraum Rhein-Main mit der Auflösung des Standorts Schöneck diese Fähigkeit nicht mehr vorhanden.. Vergleichbares gilt für das Ruhrgebiet und die Ballungszentren im Süden. Eine Stärkung der PATRIOT Fähigkeiten wird mit der Produktionsaufnahme von PATRIOT Systemen durch das MBDA/Raytheon Joint Venture in Bayern erwartet,
Bei meiner Recherche ist deutlich geworden, dass – unabhängig vom konkreten, im ESSI-Portfolio eingebundenen Systemtyp – der Engpass im Kern im Bereich des Personals liegen wird,, das jeweils lange Zeiten in Anspruch nimmt.
Als gelernter Kaufmann schaue ich auf die Kostenseite und den „Attraktivitäts-Wettkampf“ zwischen Angriffs- und Abwehr-Optionen in diesem Spielfeld. Und während andere hier auf die Langstrecken-Fähigkeiten von Drohnen schauen, verliere ich die „arme Leute“ Spielart dieses Geschäfts nicht aus den Augen, der Verbringung von Drohnen in zivilen Containern während dieser Zeiten der hybriden Bedrohungen, Hier im Land „freigelassen“ und sich selbst entlang von Stromtrassen zu „Hochwert-Zielen“ steuernd, könnten wir auf eine Weise von der Spielart „Terror“ betroffen werden, die wir nicht auf dem Schirm haben, Sie zielt als eines von mehreren Instrumenten auf die „Moral“ der Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund schaue ich auch auf die Entwicklungen in der Nah- und Nächstbereich-Abwehr im Laser- und Mikrowellen-Bereich. Aus Gesprächen mit der Wirtschaft lerne ich, dass dies nicht zuletzt Unternehmen sehr bewusst ist, die derzeit beginnen auch zu dieser neuen Bedrohung dass Gespräch mit ihren Sicherheitsdienstleistern zu suchen.
Zum Beitrag von cato am 04.07.2026 um 14:09 Uhr:
Über nahezu bedeckungsfreien und erhebungsarmen Geländeformen wie Steppen, Wüsten oder der Arktis decken drei DEU PATRIOT-Staffeln (die braucht man, um 360° zusammen zu bekommen) bei der Abwehr von TBM bestenfalls 2.000 km2 mit Waffenwirkung (Total Destruction/ Effective Deflection) ab. Nur rein rechnerisch bei neun Staffeln in der Summe also 6.000 km2. Dem gegenüber stehen etwa 80 Großstädte mit ebenfalls 6.000 km2 Siedlungsfläche – hört sich erst mal gut an, wenn man die beiden Flächensummen vergleicht. Ist es aber nicht, weil eine solche Rechnung nur von Wehramateuren aufgestellt würde. Da die besagte Siedlungsfläche bezüglich Struktur und Ausdehnung keinem unzerteilten Pfannkuchen ähnelt, also weder mit Steppen, Wüsten oder der Arktis vergleichbar ist, kann man getrost mal drei bis fünf Staffeln für eine Großstadt rechnen. Oder anders ausgedrückt: Alles, was wir in DEU an PATRIOT in Stellung bringen können, reicht für einen einzigen Ballungsraum. So sieht es aus. Das wäre aber derzeit nur in Betracht zu ziehen, wenn man auf den weiträumigen Schutz unserer beiden mechanisierten Divisionen in Operationen gänzlich verzichten würde. Dieser Ansatz ist gänzlich zu verwerfen.
Aus den vorgenannten Gründen brauchen wir zwingend ARROW 3. Das System spielt in einer weit höheren Liga – offene Einzelheiten kann auch der militärische Laie über die Brille nachlesen. Für den ARROW gibt es (im „analogen Layer“) tatsächlich nur zwei Gefahren – denen man aber was entgegensetzen kann: Übersättigung und physische Zerstörung des Feuerleitsystems.
Nur mal so.