Merkposten: Strom aus der mobilen Steckdose, deutsche Bodenroboter mit Panzerabwehrlenkwaffe
Die Meldungen der Verteidigungsindustrie in diesen Tagen kennen vor allem ein Thema: Drohnen, Drohnen, Drohnen und das drumrum. Das hat natürlich sehr viel mit den Erfahrungen aus dem Kriegsgeschehen in der Ukraine zu tun, und ich kann und will hier nicht alles aufgreifen. Zwei Dinge aber als Merkposten: Die Stromversorgung ist eine Herausforderung. Und: der erste deutsche Bodenroboter (die Bodendrohne?) mit Lenkwaffe.
Das Deutsche Heer hatte in den vergangenen Wochen seine Vision von der Gefechtsführung der Zukunft auf dem Truppenübungsplatz Munster gleich mehrfach vorgeführt – und da drängt sich (nicht nur aus meiner Sicht) bei immer mehr Drohnen in der Luft und zu Lande die Frage auf: Wo kommt die Energie für all das her?
Denn der aktuelle Standard für die Stromerzeugung der Landstreitkräfte (nicht nur in Deutschland) ist der Dieselgenerator. Mit der Folge, dass ein steigender Strombedarf – jede Drohne will volle Akkus! – zu mehr Bedarf an Generatoren und vor allem auch an Diesel führt. Der wiederum transportiert werden muss, unter Kriegsbedingungen, in unübersichtliche Frontabschnitte.
Das ist natürlich auch den Streitkräften bewusst. Ein Ansatz dafür, die Mitteillung kam am (heutigen) Mittwoch passend vom Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE), ist ein EU-Projekt:
Das kürzlich gestartete Projekt SENTINEL zielt darauf ab, die bislang hohe Abhängigkeit des Militärs von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und stattdessen nachhaltige und widerstandsfähige Energieversorgungskonzepte für militärische Einsätze zu etablieren. …
In enger Zusammenarbeit mit den Streitkräften werden 17 zentrale Energielösungen entwickelt, erprobt und weiterentwickelt. Dazu zählen neue Energietechnologien, digitale Lösungen für das Energiemanagement, verbesserte Mobilitätsansätze sowie die Einbindung intelligenter Stromnetze.
SENTINEL, natürlich ein Akronym für Sustainable Energy Capabilities for Enhanced Military Camps and Operations, wird als auf vier Jahre angelegtes Projekt im Rahmen des Europäischen Verteidigungsfonds gefördert und verfügt über ein Gesamtvolumen von rund 57 Millionen Euro.
Die Ukraine setzt schon heute auf Alternativen zum Dieselgenerator, und ein deutsches Unternehmen liefert dafür Brennstoffzellen für den militärischen Einsatz – gefördert von der Bundesregierung. Dafür hat die SFC Energy AG einen Auftrag über rund 42,7 Millionen Euro erhalten:
Der Auftrag erfolgt im Rahmen einer Ertüchtigungsinitiative der Bundesregierung und umfasst netzunabhängige, einsatzerprobte („combat proven“) Energieversorgungssysteme für militärische und zivile Einsatzszenarien. Die hochmobilen und schnell verlegbaren Hybrid- Energielösungen gewährleisten eine resiliente und dezentrale Energieversorgung von Einsatzkräften sowie kritischen elektronischen Systemen, darunter Kommunikations-, Navigations- und Aufklärungstechnik. Je nach Einsatzprofil dienen sie zudem der Batterieladung unbemannter Systeme, beispielsweise Drohnen.
Die Brennstoffzellen, das hebt das Unternehmen hervor, haben eine geringe thermische und akustische Signatur, sind also nicht so leicht aufzuklären. Und vor allem ist die Logistik weniger aufwändig als Generatoren oder, auch das wäre ja eine denkbare Alternative, Batteriespeicher bzw. zusätzliche Akku-Installationen.
Solche neuen Energie-Möglichkeiten kommen dann Systemen zugute wie dem Unmanned Ground Vehicle (UGV) Ziesel (wer denkt sich solche Namen aus?). Dieser Bodenroboter wurde erstmals für den scharfen Schuss des Panzerabwehrlenkflugkörpers eingesetzt, des israelischen Systems Spike LR, wie das Unternehmen Diehl Defence mitteilte:
Mit dieser Schussreihe ist das Diehl Defence UGV (Unmanned Ground Vehicle) Ziesel das erste System, von dem ein moderner Lenkflugkörper erfolgreich verschossen wurde. (…)
Insgesamt wurden 17 Lenkflugkörper erfolgreich verschossen. Die Plattform zeigte dabei eine beeindruckende Leistungsfähigkeit und hielt den Belastungen des Einsatzes stand.
Diese Waffe gibt es als Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörpersystem (MELLS) bereits in der Bundeswehr. Die Bewaffnung eines unbemannten Bodenroboters wäre da nur der nächste Schritt. Denn auf solche UGV mit Bewaffnung stellt sich das Heer natürlich ein – und führte das auch dem Kanzler in Munster vor.
(Foto oben: Diehl Defence UGV Ziesel mit SPIKE-LR-Aufbau in Stellung. Undatiertes Foto, veröffentlicht 13.05.2026 – Diehl Defence; Foto unten: Bewaffneter Bodenroboter bei der Vorführung des Deutschen Heeres in Munster am 04.05.2026)

Ziesel mit Spike sieht aus wie Wall-E
Das wäre doch mal ein zweckmäßiger Anwendungsbereich für gebundenen H² als Energieträger. Die Technologie wird seit seit einigen Jahren demonstriert aber konnte sich bisher nicht durchsetzen. Die Vorteile in der Logistik könnten hier aber einen Ausschlag geben. Wenn man das Brennstoffzellensystem für die Energieumwandlung (im Waffensystemen) zur Reife bringen kann, entfällt die Notwendigkeit für Batteriespeicher, Generatoren und Treibstofftanks (außerhalb des Waffensystems). Man bräuchte dann nur noch Logistik für Paste und Wasser. Die Energiedichte ist natürlich viel geringer als die von Diesel und es würde industrielle Produktionsanlagen für die Wasserelektrolyse erfordern die sehr verwundbar wären (aber auch nicht sehr viel mehr als die Ölraffinerien die wir jetzt haben).
Dieser Aufbau einer H²-Infrastruktur (aber erstmal ohne die Probleme von gasförmigen H²) könnte jedoch nützliche Impulse für den zivilen Einsatz von Wasserstoff geben und wäre nur eine logische Fortführung unserer Anstrengungen im Bereich Energiesouveränität.
Hier der Verweis zu der „Powerpaste“ vom Fraunhofer-Institut.: https://www.ifam.fraunhofer.de/de/Ueberuns/Standorte/Dresden/Wasserstofftechnologie/powerpaste.html