Sicherheitshalber der Podcast #104: Vier Jahre russischer Krieg gegen die Ukraine | NATO: Was denn jetzt? Tot oder stärker denn je?
Sicherheitshalber ist der Podcast zur sicherheitspolitischen Lage in Deutschland, Europa und der Welt. In Folge 104 diskutieren Ulrike Franke, Frank Sauer, Carlo Masala und ich mit Rebecca Barth die Lage in der Ukraine nach vier Jahren russischem Angriffskrieg. Es geht um die militärische Situation, die ukrainische Innenpolitik, die grausame Unterdrückung in den russische besetzten Gebieten und am Ende auch kurz um den Zustand der medialen Berichterstattung.
Im zweiten Teil sprechen wir dann über die NATO. Das wird kleinteilig und nerdig. Die Details sind aber wichtig, um die Diskrepanz besser zu verstehen, die sich zwischen dem Vertrauensverlust auf politischer Ebene und dem Tagesgeschäft auf der Arbeitsebene auftut.
Abschließend dann wie immer der Sicherheitshinweis, der kurze Fingerzeig auf aktuelle, sicherheitspolitisch einschlägige Themen und Entwicklungen – diesmal mit der US-Militärpräsenz vor dem Iran, dem Pentagon Pizza Index, dem Ende von FCAS und Loitering Munition für die Bundeswehr.
Ukraine: 00:01:40
NATO: 01:07:22
Fazit: 01:35:28
Sicherheitshinweise: 01:37:00
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Finom
Thema 1: Ukraine
Unser Gast: Rebecca Barth, ARD- Studio Kyjiw
Michael Kofman, Ukraine’s War of Endurance, Foreign Affairs, 16.02.2026
François Heisbourg, Bruno Tertrais, Twenty-one strategic lessons of the Ukraine war, 16.02.2026
Wikipedia: Frage an Radio Eriwan
Von Rebecca Barth und Tobias Dammers, Russlands Krieg gegen die Ukraine: Kindheit nahe der Front | tagesschau.de, 30.06.25
Basil Gavalas, Greg Mills, Four Years On – Ten Lessons from Russia’s War in Ukraine | Royal United Services Institute, 15.01.26
Rebecca Barth Ukrainische Kinder unter russischer Besatzung: Umerzogen und militarisiert | tagesschau.de, 17.02.26
Rebecca Barth, Ausnahmezustand in der Ukraine: „Wir haben keine Kraft mehr“ | tagesschau.de, 23.01.2026
Thema 2: NATO
NATO, European Allies to take on new leadership roles in NATO’s Command Structure, 10.02.2026
Augen geradeaus! Änderungen in der NATO-Kommandostruktur: USA geben Verantwortung ab, behalten Kontrolle (Update) – Augen geradeaus, 09.02.26
Augen geradeaus!, Breuer als künftiger Vorsitzender des NATO-Militärausschusses nominiert, 12.02.2026
Ulrike Franke, Through the Looking Glass in Munich | WPR, 19.02.26
Victor Jack, US presses NATO for major reset, ending mission in Iraq – POLITICO, 19.02.26
Sicherheitshinweise:
Carlo: USA: Ready or not?
Rike: Pentagon Pizza Index
Frank: FCAS ist tot. Es lebe FCAS?
Thomas: Bundeswehr soll Loitering Munition bekommen – trotz Kritik im Detail:
https://augengeradeaus.net/2026/02/entscheidung-ueber-kamikaze-drohnen-pistorius-teilt-bedenken-zu-investor/
&
https://augengeradeaus.net/2026/02/bedenken-wg-us-investor-thiel-die-frage-ist-etwas-zu-schwurbelig/
BlueSky:
Sicherheitspod: @sicherheitspod.de
Rike: @rikefranke.bsky.social
Frank: @drfranksauer.bsky.social
Carlo: @carlomasala1.bsky.social
Thomas: @wiegold.de
Das Gespräch mit Rebecca Barth war großartig offen und informativ. Danke! Insbesondere ihre Einschätzung der medialen Verzerrung ist bemerkenswert. Und das von einer ARD-Korrespondentin!
Zum Thema NATO-Struktur:
Finde die Rolle von LANDCOM wird von Prof. Masala komplett überschätzt.
Gerade die Regional Plans erfordern JFC in der Führung (MDO).
Über LANDCOM haben die USA Einblick in die Einsatzbereitschaft der Verbündeten und kann seine nationale Struktur verkleinern.
Hier noch zu den Aufgaben des LANDCOM:
https://lc.nato.int/about-us/mission
Zu Thema 1 ( Ukraine ):
Exzellente Interviewpartnerin mit Beschreibung der Zustände im freien und besetzten Teil des Landes.
Im Übrigen kam vor kurzem der Film “ 2000 meter bis andriivka “ im ZDF der die Kampfsituation an der Front 2023 beschreibt . Ab 18 Jahren aus gutem Grund.
Thema 2 ( NATO ):
In den Diskussionen wird in der Tat häufig übersehen das die Befehle an die US-Generäle & Admiräle in den Stäben eben im Endeffekt von einer nicht wirklich sicher
verlässlichen US-Regierung kommen. Da kann auf Arbeitsebene eine noch so gute Atmosphäre herrschen.
Ein entscheidender Punkt wurde auch noch erwähnt: Der mögliche Ausstieg aus einem gewissen Vertrag um auch beim Bombebau zu den „big dogs“ zu gehören.
Das ist absolut nicht empfehlenswert, kann aber durchaus klappen ( Beispiel Nordkorea ).
Man will und kann sich da nicht selber die Finger schmutzig machen. Beides aus guten Gründen.
Das in den veröffentlichten Diskussionen der Regierung die Meinung vertreten wird alles wäre im grünen Bereich, na ja, welche Alternative hat man denn ohne die Abschreckungswirkung zu schwächen…
Bleibt nur noch ;
FCAS ist tot ( zumindest der Flieger ), Kamikaze-Drohnen werden nun als „loitering munition“ bezeichnet, kommen aber endlich und die Pizzabestellungen des Pentagon sollte man im Auge behalten…
( Für Krimi-Fans nix Neues, die Killer im Stakeout fliegen da auch immer durch Fast-Food-Lieferungen in der Nähe auf ;-)
Hier drei Bemerkungen in der Sache des Gesprächs mit der ARD-Korrespondentin:
(1) Schade, dass die angeschnittene Frage, was der Sinn des Kampfes um „Mini-Brückenköpfe“ sei, nicht wirklich geklärt wurde. Wünsche ich mir für das nächste Mal.
(2) Frau Barth war sehr klar darin zu betonen, dass das eigentliche Problem das der relativen Ressourcen sei. Sie fragte: Wann ist der breaking Punkt erreicht? Dass es die kleinere Ukraine eher trifft, sei der logische Schluss. Doch dann weicht sie aus, denkt die Frage nicht zu Ende – und die Runde nimmt diesen zentralen Gedankengang nicht auf. Schade.
(3) Hier noch zum Recruiting von Männern, die aus den besetzten Gebieten unter hohem Risiko geflohen sind. Wenn die dann auf der Seite ihres Ziels, des legitimen ukrainischen Staates, umgehend an die Front geschickt werden, so frage ich mich nach den Konsequenzen.
a) das könnte abschrecken, mit der Folge, dass das Ziel der aus den besetzten Gebieten Fliehenden, deren Weg durch Belarus geht, weniger häufig die Ukraine und in der Regel Polen und Europa ist.
b) Ist der Abschreckungseffekt seitens des ukrainischen Staates vielleicht intendiert?
Mir ist klar, dass Frau Barth bei ihrem Recherche-Ansatz die Frage a) nicht beantworten kann. Dennoch wäre die Antwort spannend. Und aus polnischen Quellen müsste sie verfügbar sein.
Lieber Thomas Wiegold,
im Prinzip haben Sie ja den Spätgeborenen versprochen, in den Shownotes zu erklären, was „Radio Erivan“ bedeutet, aber da findet man nichts.
[Frage an Radio Eriwan: Hat Thomas vergessen, in den Shownotes aufzugreifen, was es mit Radio Eriwan auf sich hat?
Antwort: Im Prinzip ja. Aber er hat es nicht vergessen, sondern sich nur mit einem Trick beholfen und auf Wikipedia verwiesen, was viele übersehen. Und er hat es nicht im Prinzip versprochen, sondern recht konkret. Und für die Shownotes ist im Wesentlichen nicht Thomas, sondern Frank zuständig. Aber sonst stimmt alles.
Also: Frage an Radio Eriwan
Ganz nebenbei: Radio Andernach ist jemand anderes, vielleicht kein so glücklicher Nick.
T.W.
Frage an Radio Andernach:
Wird die Bundeswehr wie geplant personell und materiell im vorgesehenen zeitlichen Rahmen ihre Zielstruktur einnehmen und dabei auch die PzBrig 45 aufstellen ?
Antwort von Radio Andernach:
Im Prinzip ja. Aber …
😎😇
Moin Leute,
Radio Andernach ist der Betreuungssender der Bundeswehr. Wir senden für Soldaten und deren Angehörige und sind mittlerweile auch in Deutschland über unsere Radio Andernach App zu hören.
Der Forumsteilnehmer mit dem Nicknamen Radio Andernach gehört nicht zu unserem Team und wir distanzieren uns von dessen Inhalten.
[Ich habe verifiziert, dass der Kommentator wirklich von Radio Andernach ist. Und bei dem fraglichen Kommentar mit dem Nick „Radio Andernach“ hatte ich ja schon darauf hingewiesen, dass da was nicht sauber ist. T.W.]
(google) „Armenisches Radio“ war ein fester Bestandteil sowjetischer Witze, insbesondere in den 1960er und 1970er Jahren. Diese Witze begannen typischerweise mit den Worten „Eine Frage an Armenisches Radio…“ oder „Sie fragen Armenisches Radio…“, gefolgt von einer eher banalen Frage und einer paradoxen, ja sogar absurden Antwort, gewürzt mit einer gehörigen Portion Satire auf die „Realitäten des sowjetischen Lebens“. Jahrzehnte sind vergangen, wir sind in verschiedene Länder und Kontinente gezogen, Enkelkinder wurden geboren, aber dieses Meme lebt immer noch… (Smiley)
[Ja, das ist genau das gleiche, was in Deutschland als „Radio Eriwan“ bekannt war. T.W.]
Ich habe mal eine Frage zum Thema Ukraine:
Die aktuelle Regierung hatte ja beschlossen, dass die Ukraine-Unterstützungsleistungen nicht mehr öffentlich gemeldet werden.
Das ist erstmal zweckmäßig, da man dem Aggressor ja nicht direkt auf die Nase binden muss, auf was er sich einstellen muss.
Andererseits eröffnet es der Politik auch die Möglichkeit wenig zu liefern und dafür keine öffentliche Kritik einzustecken (Scholtz wurde ja massiv unter Druck gesetzt).
Frage: kann man irgendwie nachvollziehen ob wir mehr, genauso viel oder weniger Unterstützung leisten als 2025, 2024, usw.?
@Sicherheitspod104
Gedankenaustausch in angenehmer Atmosphäre zu einer Lage, welche bitter ernst und wahrscheinlich so gefährlich wie nie seit dem Ende WWII ist.
Kompliment an die R. Barth für die Schilderung der Lage in der UA und den auch sehr fordernden extremen Zustand des Lebens in der UA unter anhaltenden Dauerbeschuss. Und Respekt vor ihrer gefährlichen Arbeit an der Front.
Ich wünschte mir, dass dies in unseren Gesellschaften in der Europäischen Union auch so und verstärkt wahrgenommen werden würde. Nach den vier Jahren des Krieges in der UA stumpfen viele einfach ab. Das ist nicht schön. Aber leider auch die Wahrheit. Deutschland ist und bleibt einer der aktiven Unterstützer der UA.
Wie sehen die UA selber ihre Zukunft? Militärhistoriker Oberst Markus Reisner (Bundesheer Österreich) spricht von 3 wahrscheinlichen Varianten im Zusammenhang mit einer Beendigung des UA Krieges. Irgendeine Vorstellung oder Erwartung müssten die Ukrainer ja auch artikulieren wollen und können.
Gerne habe ich einen kritischen Reflex in dem Diskussionsforum zum Dauerlutscher im deutschen Rundfunk und TV (insbesondere die Show – Formate) : „Ja, warum redet dein keiner mit Putin? Ja, man muss doch mal mit ihm reden.“ Dieser Show – Dauerlutscher läuft jetzt seit 4 Jahren. Auch ich kann das nicht mehr hören.
Dann noch zum Themen-Komplex NATO: nichts neues im Westen.
Der Charakter der NATO als Bollwerk gegen Aggressive Staaten und Aggressoren funktioniert in seiner Komplexität mit dem militärischen und nicht-militärischen Arm nur als Kollegialorgan. Ein solches komplexes als Kollegialorgan führen zu können bedarf besonders befähigter und integrer Persönlichkeiten. Der ehemalige Oberbefehlhaber Europa und General Eisenhower war beispielsweise eine solche Persönlichkeit gewesen.
Was wir jetzt in Washington haben, bedarf keiner weiteren Erörterung im negativen Sinne mehr. Die unterste Schublade dürfte geöffnet worden sein. Schlimmer geht’s nimmer.
So haben wir die volle Bandbreite von „Alles okay“ bis „NATO faktisch am Ende.“ Mag sich jeder seine eigene Meinung bilden und Position nach eigenen Vorstellungen beziehen.
Nur bitte nichts mehr von Abschreckung erzählen, das wäre nun wirklich neben der Sache und jenseits aller Realitäten. Was bitte ist den tagesaktuell NATO?
Für mich ist die NATO in einer Grauzone. Mangels anderer Alternativen und vor allem in Europa leider selbst eingeredeter „Alternativlosigkeit“ bleibt die NATO gelähmt.
Dann ist es müßig über die „Strukturen der NATO“ zu philosophieren, zumal die Debatte keine Woche überlebt und Bestand hat. Aktuell bestimmt Mister Trump den Rückschritt in eine NATO 1.0, wenn ich das richtig mitbekommen habe.
Meinen Dank an Frau Barth!
Komentar zu Fr. Barth (13:00):
Ich finde, dass die Formulierung, dass es für Russland nicht „gut laufen“ würde, irreführend.
Frau Barth sagt selbst, das dies ja ein Abnutzungskrieg ist und das hier ein vergleichsweise kleines, mit geringen Mitteln ausgestattetes Land gegen ein größeres, mit viel größeren Mitteln ausgestattetes Land kämpft.
Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Ukrainer selbst sagen, dass ohne stärkere Unterstützung für die Ukrainer in diesem Sommer Schuss ist.
Für die Russen ist dieser Krieg dagegen kein Krieg. Weil zu einem Krieg auch eine allgemeine Mobilmachung gehört.
Eine allgemeine Mobilmachung könnte die russische Regierung immer noch und zu jeder Zeit anordnen. Warum sie das bisher nicht getan hat, dazu habe ich die verschiedensten Erklärungen gehört (von denen einige plausibeler als andere erscheinen). Aber entscheidend bleibt, dass sie das bisher nicht getan hat und so lange sich das nicht ändert läuft es, zumindest für die russische Regierung, offenbar gut genug. Die Rekrutierung von rund 30000 neuen Soldaten (eine von verschiedenen Experten wiederholt genannte Zahl) pro Monat, scheint der russischen Armee zu reichen. Die Ukraine dagegen verschleppt Menschen von der offnen Straße und heuert Söldner im Ausland an.
Es wäre auch schön, wenn Herr Sauer und Frau Barth ihre Aussagen, dass die Menschen in Russland die Auswirkungen auf die Wirtschaft spüren würden, mal mit Fakten unterlegen würden. Das wird sie aber nicht können, wenn sie nicht auch mal selbst nach Russland reisen.
[Meine Güte, wenn Sie Ihre Meinung nicht immer mit Kreml-Propaganda aufzupeppen versuchen, vielleicht würde Sie jemand ernstnehmen. So ist das bisschen dummdreist. T.W.]
Ich fand die Beschreibung der Zustände in den „grauen Zonen“ bemerkenswert. Wenn in diesen Zonen nur vergleichsweise kleine Zahlen an Soldaten zu finden sind, die dort von Seiten der Ukrainer Widerstand leisten, bzw. von Seiten der Russen Infiltration betreiben, dann frage ich mich, wie es in diesem Krieg zu den angeblich so hohen Verlusten kommen kann?
Natürlich, wenn wie Fall von Mirnograd die ukrainische Führung einen Widerstand bis zur letzten Patrone fordert und in der Folge Truppen eingekesselt werden, oder wenn Truppen gezwungen sind, sich unter Feuer zurück zu ziehen, dann werden hohe Verlustzahlen plausibel.
Interessante Frage von T.W.: Welchen Sinn macht das ganze dann noch?
ich glaube nicht, dass dafür eine Anfrage an den Kreml nötig ist. Solange wie dieser Krieg läuft, ohne das es zu einem Friedesschluss im Sinne der Russen kommt, solange wird die Ukraine nicht Teil der NATO und auch nicht Teil der EU. Solange dieser Krieg läuft, schwächen sich die Partner der Ukraine mit Materiallieferungen und finanzieller Unterstützung an die Ukraine wirtschaftlich und militärisch selbst und können nicht zu einer Bedrohung für Russland werden.
Die Erklärung stammt von einem Ex Offizier der US Streitkräfte und sie ist sehr plausibel.
Die Schilderungen von Frau Barth über die Vorgehensweise der Russen in den besetzten Gebieten ist bedrückend, kommt aber nicht überraschend. John Mearsheimer erwartet, dass die Vorgehensweise noch verschärft wird, wenn die russische Armee Gebiete erobert, die jetzt überwiegend von ukrainisch stämmigen Ukrainern bewohnt werden. Mearsheimer erwartet dann, das wir direkt ethnische Säuberungen erleben werden. Wenn er damit Recht behält, dann werden wir entsprechende Flüchtlingswellen erleben.
Man kann mir in meiner Einschätzung natürlich widersprechen, aber ich sehe keinen Weg, die Russen an ihrem Treiben zu hindern. Egal welche Verbrechen von den russischen Behörden auch bislang begangen wurden und noch begangen werden.
War es Frank Sauer, der darauf hin gewiesen hat, das die Russen im letzten Jahr ja nur 0,9 % des ukrainischen Territoriums erobert haben? Das klingt wenig aber das waren real über 2000 qkm. Das war mehr, als das was die Russen im Jahr davor erobert hatten. Da ich nicht erwarte, dass die Unterstützung der Ukraine, wie verlangt wird, zunehmen wird, dann ist nicht ausgeschlossen, dass die Russen in diesem Jahr eine noch größere Fläche erobern könnten. Frau Barth hat die Städte aufgezählt in denen aktuell gekämpft wird bzw. bei denen die Russen kurz vor einem Einmarsch stehen. Angesichts des Terrors der Russen gegenüber den Einwohnern ist nicht zu erwarten, das die Einwohner dort bleiben werden.
@T.W.
Wenn ich eine Vorstellung hätte, welche der von mir aufgezählten Punkte ihrer Ansicht nach „Kreml-Propaganda“ sind, würde ich sie einfach mit Quellen unterlegen, die die Kreml-ferne belegen. Aber dann laufe ich wieder Gefahr, dass meine Kommentare zu lang werden.
Ehrlich gesagt, als ich gelesen hatte, wen Sie zu diesem Gespräch eingeladen hatten, waren meine Erwartungen nicht sehr hoch. Frau Barth war aber überraschend ehrlich, was ihre Einschätzungen der Situation der Ukraine anbetreffen.
Gerade was die Beschreibung der Zustände in der „Grauzone“ anbetrifft, passt diese ziemlich gut zu der Entwicklung des Kriegsgeschehens, wie dieses aus den Karten der diversen Mapper abgeleitet werden kann.
Die „Offensive“ der ukrainischen Armee im Saporischia Oblast ist erfolgreich, weil auch die russischen Truppen entlang der rund 1200 km langen Frontlinie dünn aufgestellt sind. Um erfolgreich zu sein musste die ukrainische Armeeführung Truppen von anderen Frontabschnitten (vor allem im Norden) abziehen. Das war zwar erfolgreich, dafür sehen wir aber nun neue Angriffe der Russen in der Sumi Oblast, die zu neuen Brückenköpfen auf ukrainischem Territorium und zur Ausweitung bereits bestehender Brückenköpfe führen. Egal was die Ukrainer auch anstellen, es mag anfangs gut aussehen, ist aber nicht nachhaltig. Deprimierend, nicht wahr?
@Schlammstapfer
Sie haben jetzt recht hübsch demonstriert, wie das Propaganda-Prinzip „Flood the zone with shit“ funktioniert. Incl des koketten „dann sagen Sie mir doch, wo ich Propaganda mache“, in den xxx Kommentaren, die ja nur deshalb aufgeteilt werden, damit sie nicht so lang werden..
Wir beenden das jetzt.
@Schlammstapfer:
Den Link zum Tagesspiegel-Artikel vom 19. Februar kann ich leider aus bekannten Gründen nicht posten, aber googlen Sie doch mal „Russische Verluste übersteigen Rekrutierung: Plötzlich könnte ein Mangel an Soldaten zum Problem für Putin werden“.
Als hätte der Ihre Kommentare gelesen… 80% der russischen Verluste basieren auf ukrainischen Drohnen. Hinzu kommen die immer wieder auftretenden Verluste durch eigene Kräfte, sei es durch Exekution von Soldaten, die sich weigern, anzugreifen, oder die Eliminierung von Offizieren durch die Soldaten der eigenen Einheit, wenn der Bogen überspannt ist. Die Ukraine hat solche Probleme mit der Moral nicht, bzw. nicht in so großem Stil.
Russland ist nach diesem Krieg wirtschaftlich und militärisch am Ende, mit einer völlig traumatisierten und verrohten Soldatenschaft, einer unterdrückten Bevölkerung und einem noch korrupteren und paranoiden Regime als noch vor vier Jahren.
Der aktuelle Angriff auf den Iran bindet selbstredend auch viel mediale Aufmerksamkeit, sodass derzeit die Situation in der Ukraine kaum jemanden beschäftigt, aber es steht viel schlechter um Russland, als Sie und andere Fans es offenbar wahrhaben wollen.
@Metallkopf
„Die Ukraine hat solche Probleme mit der Moral nicht, bzw. nicht in so großem Stil.“
Das bezweifle ich doch sehr, die Desertionsrate (AWOL) in der UKR ist sehr hoch:
https://kyivindependent.com/inside-ukraines-awol-and-desertion-crisis/
Unrühmliches Beispiel ist die 155 (UKR) MechBrig „Anne of Kiev“, verschärft durch fehlerhafte Organisation der AFU.
Bisher arbeitet RUS noch mit (mehr oder weniger) Freiwilligen, die UKR muß zu Zwangsrekrutierungen greifen, berüchtigt ist ja die Busifikazia („forced draft“):
https://responsiblestatecraft.org/ukraine-recruitment-army/
@Metallkopf
Die Annahme, dass Verweise auf Stärken der Gegenseite nur auf propagandistische Absichten zurückgehen und immer unwahr sein müssen, ist politisch und militärisch gefährlich, weil sie zu schlechter Lagebeurteilung führt. Das ist nicht die Haltung, die man als Offizier lernt. Das gilt m.E. für Ihre Darstellung, dass Russland „militärisch am Ende“ sei,. Das Land hat noch einiges an Reserven, eine Rüstungsproduktion die die seiner Gegner weit übertrifft und jetzt mehr Kriegserfahrung als die meisten NATO-Staaten. Wenn Russland tatsächlich „am Ende“ wäre, könnte man sich jetzt ja im Westen zurücklehnen, was fatal wäre.
Wachsamkeit gegenüber gegnerischer Propaganda ist richtig, aber Darstellung, die nicht den Narrativen der eigenen Seite entspricht, grundsätzlich als Propaganda abzutun, führt nicht zu belastbaren Bewertungen. Von einer Fachdiskussion muss man erwarten, dass sie Komplexitäten und Differenzierungen aushält, die man der breiten Öffentlichkeit nicht zumuten möchte.
@Schlammstapfer:
Ich bin ja jemand, der eine aufgeklärte Debatte vielen „Redeverboten“ und „partikularineressenorientierten Framings“ vorzieht. Aber sie hätten sich einfach diesen entlarvenden Vergleich/Frame sparen können:
„Die Rekrutierung von rund 30000 neuen Soldaten (eine von verschiedenen Experten wiederholt genannte Zahl) pro Monat, scheint der russischen Armee zu reichen. Die Ukraine dagegen verschleppt Menschen von der offnen Straße und heuert Söldner im Ausland an.“
Wir erinnern uns mal daran wie Russland in ländlichen Regionen und unter ethnischen Minderheiten junge Männer zusammentrieb, um Quoten zu erfüllen.
Und dann legen sie auch noch nach. Mannmannmann!
@Thomas Melber:
Allerdings erschießt die Ukraine wohl keine eigenen Soldaten.
@Bravo November:
Da haben Sie sicherlich recht. Allerdings bereitet Putin nun offenbar auch Zwangsrekrutierungen vor. Jedenfalls hatten wir das Narrativ, dass Russland aufgrund seiner übergroßen personellen und wirtschaftlichen Ressourcen den Sieg bald in der Tasche haben müsste, ja schon vor vier Jahren so im Wesentlichen gehört. Und alle, die solches verkündeten, wurden immer wieder eines Besseren belehrt.
Man verzeihe mir daher, dass ich dem wenig Bedeutung beimesse, wenn immer die Gleichen hier immer wieder versuchen, dieses Garn zu spinnen.