IISS-Studie: Russische (Spionage)Drohnen über Europa
Aus Zeitgründen das nur als Lesetipp: Das International Institute for Strategic Studies (IISS) hat am (heutigen) Donnerstag eine Studie veröffentlicht, die die Sichtungen – vermuteter oder belegter – russischer Spionagedrohnen über Europa in den vergangenen Jahren zusammenstellt. Wenig überraschend, eigentlich schon bekannt: Deutschland war eines der wesentlichen Ziele, vom U-Boot-Heimathafen Eckernförde bis zur US-Airbase Ramstein.
Die Studie hier zum Herunterladen und Nachlesen, als Zusammenfassung (Executive Summary) oder Volltext:
Russia’s UAV Campaign Over Europe
Aus der Zusammenfassung die aus meiner Sicht entscheidenden Aussagen zum mutmaßlichen massenhaften russischen Drohnen-Einsatz, weitgehend mit Schiffen der russischen Schattenflotte als Startbasis:
The campaign likely had a number of aims, including:
• probing the response times and decision-making thresholds of
allied air defence and civil-military command structures;
• mapping vulnerabilities around critical infrastructure, including
dual-use civilian hubs, military logistics nodes supporting
Ukraine, and facilities associated with allied nuclear deterrence;
• imposing economic and psychological costs on European
societies through the disruption of civilian aviation and public
confidence in airspace security; and
• normalising low-level airspace violations below the threshold of
a direct allied military response.
Ein Kommentar hierzu:
Als eifriger Flugmodell-Nutzer früher ( in den 1980 er’n ) kann ich sagen: Das höchste der Gefühle damals waren schweineteure, schweinelaute und schwer zu steuernde Modell-Hubschrauber mit teurer und schwerer Videokamera natürlich ohne Live-Übertragung.
Der mögliche militärische Nutzen ging gegen Null…
Das hat sich aber komplett geändert !!
Selbst billigste Baumarktdrohnen sind heute mit Live-HV-Video, mit geringem Mehrpreis Infrarot und gesteigerter Funkreichweite. Kann jeder steuern.
Stürzt so ein Teil ab alles mit China-Komponenten, Nutzer nicht nachvollziehbar…
Die Aufklärungsmöglichkeiten selbst von Baumarkt-Modellen sind sensationell geworden. Egal ob über Ostseehäfen oder Ramstein.
Da braucht es noch nicht mal speziell konstruierte Drohnen…
Das ist in der Tat ein Riesenproblem für jedwede militärische Liegenschaft.
Das wird noch ein Thema für viele, viele Jahre werden…
Neu ist doch auch hier nur die neue Technik Drohne…
Das gerade DE seit kalten Krieg Zeiten ein Ziel russischer (sowjetischer) Spionage ist… ist doch nichts Neues.
Wer geglaubt hat, dass sich daran nach Ende des Kalten Krieges etwas geändert hat, hat das System
der realen Welt nicht verstanden. Spionage ist nun einmal eines der ältesten Geschäfte der Welt.
Deshalb erwarte ich ja auch vom BND das dieser alle (!) seiner Möglichkeit ausnutzt um für uns Informationen in Russland zu gewinnen!
Der Bericht zeigt m.E. auch, dass eine viel engmaschigere Luftraumüberwachung auch in geringen Höhen und auf See erforderlich sein dürfte, um künftig solchen Kampagnen effektiv begegnen zu können.
Ein Schiff, welches – auch in internationalen Gewässern – Drohnen aufsteigen lässt, die dann den NATO-Luftraum verletzen, flughafennahe Lufträume stören und militärische Liegenschaften ausspähen, sollte zuverlässig erfasst und nötigenfalls dann auch mit entsprechender Informationsverdichtung aufgebracht oder die Drohnen zeitnah bekämpft werden können.
Aber vermutlich fungieren die Schiffe weitgehend als Relais und die eigentlichen Operateure sitzen ganz woanders. Auch die Rückkehr von Drohnen auf das Schiff halte ich aus Gründen mutmaßlicher OpSec-Vorgaben für unwahrscheinlich. Es dürfte also entscheidend auf Nachweise ankommen, die einem rauchenden Colt in der Hand gleichkommen.
Ansonsten gelten klassische Grundsätze der Maskirowka. Deny, Deflect, Deceive, Derail.
Eine engmaschigere Luftraumüberwachung kann hier keine wirkliche Lösung sein. Da würden wir von flächendeckender Überwachung, die jede Taube im Flug erfasst, reden.
Rechtlich hochproblematisch und im benötigten Maßstab nicht umsetzbar. Somit bleibt nur die Option, andere Teile des Netzwerkes aus dem Spiel zu nehmen. Hier dann primär die Schattenflotte. Da müsste dann aber zuerst der politische Wille her, dies auch umzusetzen.
Wer sagt eigentlich, dass Drohnen von Schiffen aus gestartet und gesteuert werden?
Viel zu groß und auffällig.
Ein 7,5 t mit Aufbau, der oben ein Rolltor als Dach hat kommt überall bis auf 3 km ran, erledigt seinen Job von einem einsamen Parkplatz aus, fängt das Teil irgendwo wieder ein und schwimmt im Verkehr nach Hause.
Ich halte es auch für eine Räuberpistole, dass Drohnen von Schiffen in der Ostsee gestartet sind und an der Westküste Schleswig-Holsteins spioniert haben sollen. Es müsste dann irgendetwas über diese Drohnen bekannt sein, die größere Strecken zurücklegen und von einem Schiff aus starten können.
@kvogeler
Da nehme ich einen Camper mit Hochdach – den kann man sogar als mobiles HQ nutzen. Da würde auch eine Sat-Antenne nicht groß auffallen.