Fürs Protokoll: Gemeinsame Warnung vor Russland von Großbritannien und Deutschland
Die obersten Soldaten Deutschlands und Großbritanniens, Bundeswehr-Generainspekteur Carsten Breuer und der britische Generalstabschef Air Chief Marshal Sir Richard Knighton, haben in einem gemeinsamen offenen Brief vor einer zunehmenden russischen Bedrohung gewarnt und zu mehr Verteidigungsanstrengungen aufgerufen. Stärke schreckt Aggressionen ab. Schwäche lädt dazu ein, heißt es in dem Schreiben, das zeitgleich in Deutschland und Großbritannien veröffentlicht wurde.
Die deutsche Fassung des Gastbeitrags am (heutigen) Sonntag steht in der Welt, allerdings hinter einer Paywall. Die englische Fassung ist beim Guardian offen zugänglich*:
Wir schreiben heute nicht nur als militärische Führer zweier Länder mit den höchsten Militärausgaben in Europa, sondern als Stimmen für ein Europa, das sich nun mit unbequemen Wahrheiten über seine Sicherheit auseinandersetzen muss. In den ersten Jahren unserer Karriere trat Europa aus dem Schatten des Kalten Krieges heraus. Regierungen aller politischen Couleur entschieden sich dafür, die sogenannten „Friedensdividenden“ zu nutzen – sie investierten in öffentliche Dienstleistungen und reduzierten die Verteidigungsausgaben. Das war damals eine verständliche Entscheidung. Heute ist klar, dass die Bedrohungen, denen wir ausgesetzt sind, eine grundlegende Veränderung unserer Verteidigung und Sicherheit erfordern. (…)
Die militärische Aufrüstung Moskaus in Verbindung mit seiner Bereitschaft, Krieg auf unserem Kontinent zu führen, wie es in der Ukraine schmerzlich deutlich geworden ist, stellt ein erhöhtes Risiko dar, das unsere gemeinsame Aufmerksamkeit erfordert.
heißt es in dem Brief. Vor diesem Hintergrund sei Aufrüstung (…) kein Kriegstreiben, sondern das verantwortungsvolle Handeln von Nationen, die entschlossen sind, ihre Bevölkerung zu schützen und den Frieden zu bewahren. Stärke schreckt Aggressionen ab. Schwäche lädt dazu ein.
(*Der Text wurde mit Hilfe von deepl.com aus der englischen Fassung des Guardian ins Deutsche übersetzt.)
Hinweis: ein gemeinsames Foto von Breuer und Knighton habe ich bislang nicht gefunden; und da hier die meisten ohnehin wissen, wie Breuer aussieht, habe ich ein Foto von Knighton nachgetragen.
(Foto 14 Nov 2025: Air Chief Marshal Sir Richard Knighton, Chief of the Defence Staff, on the Bridge Wing of HMS Prince of Wales – LPhot Helayna Birkett/UK Ministry of Defence/CROWN COPYRIGHT, 2025/MoD News/Editorial License)
Gibt es auch Vorschläge wie das deutsche Ziel 260+200 „in absehbarer Zeit“ zu erreichen wäre, natürlich mit entsprechendem Wehrmaterial unterlegt ? Ist geplant die Vollausstattung der Reserve deutlich zu beschleunigen (derzeitiger Planungshorizont: 2035) ? Nicht vergessen: spätestens 2029 klopft der Russe an unsere Tür.
Wie sieht das mit dem durch den ehemaligen InspH GL Mais angemeldeten Personalbedarf aus – „Das deutsche Heer benötigt für die neuen Nato-Ziele rund 100.000 zusätzliche aktive Soldaten.“ (n-tv vom 11.09.2025). Davon 45k bis 2029, 45k bis 2035.
Eine mögliche – sehr ambitionierte – Zielstruktur / Gliederung findet sich in einer LOYAL:
„Wie das Heer aufwachsen möchte
loyal liegt die Zielvorstellung der Landstreitkräfte für das Feldheer bis 2035 vor. Die hat es in sich. Allein die mechanisierten Kräfte sollen von 1.000 auf 3.000 Kampf- und Schützenpanzer anwachsen.“
„Stärke schreckt Aggressionen ab. Schwäche lädt dazu ein.“
Auch wenn das unglaublich banal ist, so scheint es doch noch nicht bei allen angekommen zu sein. Daher danke an die beiden Herren für die klaren Worte.
Nur, klare Worte hatten wir über die letzten Jahre viele. Es wird immer die geben die es nicht verstehen können oder wollen. Wir werden demnach nicht jeden überzeugen können und vielleicht sollten wir uns endlich auf unsere Hinterläufe setzen und wirklich Geschwindigkeit aufbauen.
Denn nach wie vor habe ich den Eindruck, dass Vieles dem Kleinklein des politischen Tagesgeschäfts zum Opfer fällt.
Unabhängig von der inhaltlichen Bewertung – wann melden sich die 100 Lungenfachärzte?
Die fast täglich anmutenden Verlautbarungen wirken eher wie ein kakophones Euro-Memory, denn einer kohärenten, einigen Strategie … Erst gibt es das Europa der „zwei Geschwindigkeiten“ mit einem halben dutzend Länder, die schneller aufrüsten wollen, dann gibt es genau fünf Länder, die in der Vergiftung Nawalnys übereinstimmen, jetzt gibt es wieder zwei oberste Soldaten, die irgendwas sagen dürfen … (alles nur aus den letzten Tagen/Wochen) Und Putin bereitet schonmal grinsend die Jahresboni für Orban und Fico vor – mission accomplished, Spaltung erfolgreich initiiert. UvdL und Kallas werden gefühlt am langen Arm verhungern gelassen.
Um dann doch noch inhaltlich zu werden:
Warum können dann nicht alle europäischen Ländern mitzeichnen?
@ Pham Nuwen 16.02.2026 um 10:08 Uhr:
Je mehr an einem Dokument arbeiten desto verwaschener wird es.
Daher lieber zu zweit erstellen und anderen die Möglichkeiten geben zu sagen: Ja, ich unterstütze die Aussage.
Bei der vorhandenen Flachheit sollte es ein nobrainer sein, da fix alles bis auf die 2-3 üblichen Verdächtigen zusammenzutrommeln. Es beginnt ja schon bei Adam und Eva – die Friedensdividende war spätestens im Februar 2022 Thema und obsolet. Wenn man meint so ein besonders einfaches Erklärstück zu brauchen, sollte es vielleicht noch mit ein paar einfachen, bunten Animationen begleitet werden.
Keiner wird jetzt mit Spannung darauf warten, ob es 10points aus Spain, 10 points from Romania und 4.5 from Hungary dafür gibt … Wer genau soll überhaupt Zielgruppe dieses halbgaren „letter of intent“ sein? Zu wenig Wumms für die allgemeine Bevölkerung (Namen zu unbekannt, zu wenige Länder dabei), viel zu seicht für die Sicherheitsinteressierten wie z.B. hier.
@ausssenstehender
Deutschland hat bekanntlich kein Erkenntnisproblem sondern ein Umsetzungsproblem, was leider nicht nur auf den militärischen Bereich beschränkt ist.
Da der GI militärischer Berater (Fachexpertise) der politischen Führung ist interessiert mich, welche Vorschläge er denn zum zeitnahen und erfolgreichen Abarbeiten der erkannten Herausforderungen macht.
@Thomas Melber, ich würde das etwas umformulieren.
Nicht welche Vorschläge er macht sondern welche Vorschläge er machen darf.
Die nötigen Vorschläge hat er hoffentlich in der Schublade liegen. Frage wird sein was davon darf nach außen kommen ohne das er in den Ruhestand geschickt wird.
Wenn man aktuell Wahlplakate liest, in denen falsche Dichotomien aufgestellt werden, nach dem Motto „Kitas statt Kasernen!“, dann hat Deutschland in Teilen auch ein Erkenntnisproblem zu seinem der Umsetzung.
Das eine tun, bedeutet ja nicht, das andere zu lassen. Zumal im (bayrischen und hessischen) Kommunal- und im (baden-württembergischen und rheinland-pfälzischen) Landtagswahlkampf ja ohnehin keine der zur Wahl stehenden politischen Körperschaften überhaupt auch nur irgendeine eigene Entscheidungskompetenz hat, was Invesitionen in Verteidigung angeht.
Aber so isse halt, die Politik. Im Wahlkampf auf Bundesebene wird regelmäßig ja auch mit dem baulichen Zustand der Schulen (die liegt aber in Kreisträgerschaft!) Stimmung gemacht, obwohl der Bund daran wenig unmittelbar ändern kann.
Unmittelbar damit zusammenhängen dürfte ja die Indienststellung der Litauenbrigade.
Aus einem Artikel der Zeit von heute ( 16.02.2025 ):
„Der Bundeswehrbrigade in Litauen mangelt es einem Bericht zufolge an Personal. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses schließt einen verbindlichen Dienst nicht aus.“
Da darf man gespannt sein auf wen genau sich dieser „verbindliche Dienst“ denn bezehen soll ?
– Auch Personen des „neuen Wehrdienstes“
– Panzerfachleute mit junger Familie die schon seit über 10 Jahren an ihrem „Heimat“-Standort stationiert sind
– Soldaten mit Verwaltungsfunktion ( die eine solche Aufgabe wahrscheinlich gar nicht erwarten können ;-)
???
Mich würde mal die ( Fehl- ) Anzahl der Posten interessieren…
Und die Auswirkungen auf die Rekrutierungszahlen bei in der Presse breitgetretenen „Härtefällen“…
@Thomas Melber: Ich empfinde dieses Rumdreschen auf dem „Umsetzungsproblem“ inzwischen für übertrieben. Gerade in den letzten beiden Jahren ist viel Hardware bestellt worden, die zunehmen in den Zulauf kommt. Der politische Betrieb hat in erheblichen Maße Gelder freigegeben und die Mehrzahl an Beschaffungsvorlagen bestätigt. Nicht alle, aber das waren im Einzelfall fachliche und begründete Einwände.
Auch auf der Personalebene ist mit dem Beginn der Musterung der erste, wesentliche Schritt gemacht worden, um perspektivisch hier wieder einen Griff reinzubekommen. Ganz bestimmt ist nicht alles Gold was glänzt, aber so zu tun, als ob nichts geschehen würde, kann man auch nicht machen. Deutschland mit 84 Millionen Einwohnern und einen Föderalstaat mit 16 Bundesländern benötigt für solche Strukturänderungen halt durch die Abstimmungsprozesse (erheblich) länger als Länder wie Dänemark und die baltischen Staaten, denen de facto mindestens eine administrative Ebene in vielen Bereichen fehlt.
Auch eine NATO-Übung zusammen mit der Ukraine und den daraus gewonnenen Erkenntnissen sowie die inzwischen NATO-weit wieder laufenden Großübungen sind Schritte in die richtige Richtung.
Das noch viel gemacht werden muss, ist sicherlich unbestritten. Ob immer alles in die richtige Richtung läuft: auch diskussionsfähig. Aber: es passiert viel, und nicht alles findet sich auch immer in den Medien wieder (was auch gut so ist – Stichwort STRATSEC/OPSEC).
Was ist die Intention? Das Vorbereiten der Bevölkerung auf eine russ. Aggression oder ein Signal, dass Bazooka, Doppelwumms, Sondervermögen und co. nicht ausreichend sind, weil sich Nachfrage-getrieben die Preise erhöht haben?
@Apollo 11 sagt:
16.02.2026 um 13:24 Uhr
„Unmittelbar damit zusammenhängen dürfte ja die Indienststellung der Litauenbrigade.
Aus einem Artikel der Zeit von heute ( 16.02.2025 ):
„Der Bundeswehrbrigade in Litauen mangelt es einem Bericht zufolge an Personal. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses schließt einen verbindlichen Dienst nicht aus.“[….]“
Die Artikel habe ich auch gesehen und verstehe sie nicht mal ansatzweise. Ja, es wurde nach Freiwilligen für die PzBrig 45 gesucht. Davon fanden sich zu wenige. Gut, also gibt es Befehle. Mich wundert dieser Eiertanz nach wie vor.
Ja, das Dingen heißt „Bundeswehr“, aber am Ende ist es eine Armee. Da kann man Dinge befehlen. Zum Beispiel wo sich OG Dosenkohl künftig aufhält. Letzterer muss das nicht schön finden, er darf sogar darüber entrüstet und sauer sein. Sogar fest mit dem Füßchen aufstampfen.
Aber dafür sind dann irgendwo Befehle da.
„…haben in einem gemeinsamen offenen Brief vor einer zunehmenden russischen Bedrohung gewarnt und zu mehr Verteidigungsanstrengungen aufgerufen…“
Ein Problem hier ist die neue Ausrichtung von konventionellen „Konflikten“. In der Ukraine sieht man gut in welche Richtung sich das entwickelt.
Ein fieses Beispiel wäre die aktuelle (!) Berichterstattung zur NATO-Übung Hedgehog 2025 ( Hedgehog = Igel ) vom vergangenen Sommer. Da wurden ganze Batallione von 10 ukrainischen Drohnenpiloten ausgeschaltet ( Man google nur mal “ Wir sind am A*sch, NATO “ ).
Es ging um ein Gefechtsfeld von 10 Quadratkilometern und 30 Drohnen. D.h. ca. 600 x 600 Meter pro Drohne. In der Ukraine sind das aktuell eher 400 x 400 Meter oder auch dtl. weniger…
Im Gegensatz zu früher ist noch nicht einmal extrem ausgefuchste und sehr entwicklungsintensive Steuerelektronik vonnöten ( das ist heute aber noch bei Luft-Luft-Raketen der Fall ). Alles geht über den Steuerungscompter Mensch mit modifizierten Baumarktdrohnen. Ab ca. 3 kg Nutzlast ist auch ein Leopard 2 A8 nicht mehr sicher.
Und genau da liegt ein Finanzproblem. Ein neuer Leo 2 kostet heute schon in Richtung 30 Millionen und kann sich auch getarnt nicht vor Infrarot-Sensoren verstecken.
China exportiert bspw. neue Kampfpanzer für etwa 5 Millionen. Die Dinger sind natürlich dtl. schlechter. Aber sind bei Drohnenbedrohung sechs Chinapanzer nicht besser als ein Leo 2 ?
( Ich will jetzt hier gar nicht ausrechnen mit welch geringem Aufwand sich die teuren Fahrzeuge der Litauenbrigade bei guter Planung ausschalten ließen, gerade bei den aktuell auch so tollen Drohnenabwehr-Mitteln der BW .., )
Anmerken muss man aber das die Strategie der NATO ja eher ein konventioneller High-Tech-Abwehr-Schlag ist. Schnell – Präzise – Massiv. Luftwaffe / Heer / Marine.
Könnte klappen.
Aber wenn nicht, oder wenn die andere Seite im Vorfeld der Meinung ist diese High-Tech-Phase zu überleben, dann fängt der Krieg eben trotzdem an. Deshalb wohl auch verstärkt diese europäische Bomben-Diskussion…
Und nach der High-Tech-Phase kommt die „Ukraine-Phase“. Wer hat da wohl die besseren Karten…?
Damit kommen wir zum oben zitierten Satz zurück: „…und zu mehr Verteidigungsanstrengungen aufgerufen…“
Genau was beschafft werden sollte, das ist hier die Frage…
@Flying-Tiger: Stimme im großen und ganzen zu, bei der Personalebene bin ich völlig anderer Meinung.
Nach meinem Eindruck (und beileibe nicht nur meinem) sind wir von der Armee als repräsentativem Bevölkerungsquerschnitt (der Begriff Elite wäre vermessen) leider weit weg gedriftet. Wenn ich mir die Berichte eines befreundeten Truppenarztes anhöre, sind bei viel zu vielen Mannschaftern und Unteroffizieren die physischen und intellektuellen Voraussetzungen unter jeder Kritik. Entscheidungsfreude und unbedingter Wille zur Übernahme von Verantwortung sind beim Offizierskorps zu großen Teilen dem ausschließlichen Interesse am eigenen Fortkommen gewichen, übrigens möglicherweise wie bei vorgenannter Problematik eine Folge der ausgesetzten Wehrpflicht (dass das auf die Rechnung meiner CDU geht, tröstet mich in keiner Weise).
Ich sehe die Situation so: Politik und Industrie ziehen kräftig nach, was die materielle Ausstattung betrifft, der personelle Rahmen (ich sage nur: 3000 gut qualifizierte Panzersoldaten und Panzergrenadiere für Leo und Schakal) ist weit davon entfernt. Das ist die eigentliche Katastrophe, dass Quantität und Qualität des Personals mit den mittlerweile angebotenen Waffen nicht Schritt halten. Es nützt dann halt nicht, wenn Hensoldt Spitzentechnologie anbietet und auch andere wie MTU und Rheinmetall aufbohren.
Es scheint mir auch eine gewisse trügerische Hoffnung um sich zu greifen, dass die meisten Soldaten in Zukunft am Terminal sitzen und KI-unterstützt die Drohnen fliegen lassen. Glaube ich nicht, spätestens mit dem Erfolg der Lasertechnologie dürfte der Drohnen-Hype vorbei sein, da sind wir bei den Sensoren längst up to date, es hat ja nur der Effektor zu vertretbaren Kosten gefehlt.
Klingt pessimistisch, aber ich habe mit dieser Armee nunmehr seit über 45 Jahren mehr oder weniger intensiven Kontakt und mache mir große Sorgen.
Ich bin ein großer Fan deutsch-britischer Kooperation, auch wenn ich die britischen Kameraden seinerzeit (also vor über 30 Jahren) immer als recht zugeknöpft erlebt habe.
Offener Brief, der aber in Deutschland hinter einer paywall steht. Ich will gar nicht groß darüber sprechen, dass Journalismus auch etwas kosten darf, aber wenn man tatsächlich die Bevölkerung ansprechen will, scheint mir das doch paradox zu sein. Da hätte es vermutlich doch auch bessere Wege gegeben.
[Es ist kein Geheimnis, dass ich diese Auffassung teile… Deshalb ja auch der Verweis auf den Guardian und die offene Publikation. T.W.]
@OFA d.Res
Bzgl. Drohnenabwehr verweise ich einmal auf das System BULLFROG, was sicher noch ausbaufähig ist:
https://www.allencontrolsystems.com/products/bullfrog-m240
https://www.youtube.com/watch?v=W18JC1-Okj4
Offener Brief, der aber in Deutschland hinter einer paywall steht.
@TW Danke für den Guardian-Link und für Ihre Arbeit!
@Sakrileg Danke dass Sie die Paywall in diesem Zusammenhang thematisieren und kritisieren. Paywalls sind geeignet, Content an eine selektive Leserschaft auszuspielen. Es ist soziologisch gut untersucht, für welche Bevölkerungsgruppen eine Bezahlschranke eine Hürde darstellen, wer also eher erreicht wird, und wer nicht.
Dieses Instrument wird gelegentlich auch dazu eingesetzt, kritische Inhalte hinter der Paywall für die breite Leserschaft verschwinden zu lassen. Ich traue dem GI vollumfänglich zu, dass er sich dessen völlig im Klaren gewesen ist, als er den „Herausgeber“ für seinen „offenen Brief“ gewählt hat. Möglicherweise wollte er gar nicht, dass der „offene Brief“ allzu offen lesbar ist, und der Herausgeber die Herausgabe zum überwiegenden Teil eben nicht herausgibt.
@OFA d.Res :
„…Glaube ich nicht, spätestens mit dem Erfolg der Lasertechnologie dürfte der Drohnen-Hype vorbei sein, da sind wir bei den Sensoren längst up to date, es hat ja nur der Effektor zu vertretbaren Kosten gefehlt…“
Das kann man auch komplett anders sehen.
Lasersysteme in ausreicher Strahlstärke sind sehr teuer ( auch wenn der einzelne „Schuss“ billig sein mag ) und auch nicht klein. Und mit riesiger Infrarot-Signatur. D.h. nur ein erneutes gut sichtbares Hochwertziel. Und bis zur echten Einsatzreife dauert es noch lange, zudem bei Regen oder durch Wolken nicht einsetzbar. Da können Drohnen aber durchaus fliegen…
Alle Länder haben hier das gleiche Problem:
Drohnen sind billig, klein, massenhaft verfügbar und vor allem:
Die fliegen absolut überall, wie tief auch immer und von wo auch immer extrem zielsicher ins Hochwertziel durch Echtzeit-(HD)-Video. Und wenn eine nicht reicht, nimm zehn. ( Sagte schon meine Oma bei den Weihnachtsplätzchen ;-)
Nachdem das Frequenzjamming u.a. durch Glasfaserkabel ad absurdum geführt wurde bleibt auch im High-Tech-Bereich nur eine nicht wirklich flächendeckende Abwehrwaffe.
Die steht immer irgendwo, hat so einen begrenzten Wirkungsbereich und ist, gerade im Tiefflug mit Multi-Richtungs-Schwarm, exzellent vernichtbar.
Früher war das alles viel symetrischer. Sehr teures High-Tech-Material ( Bsp. Panzer ) gegen immer noch teure Fire-and-Forget-Waffen ( Bsp. Gelenkte Panzerabwehrrakete ). Die musste zudem vorhanden sein UND die Position des Ziels ungefähr bekannt UND dann auch im Blickfeld. Da war nicht einmal die Trefferquote das Problem sondern eher wann-seh-ich-endlich-den-bösen-Feind-im-Panzer…
Komplett verkehrte Welt jetzt. Ist eher search-and-destroy von überall. Die Kill-Zone in der Ukraine ging von 5 über 10 bis 20 zu heute über 30 km hoch.
Die Intension kann nur sein ein solches festgefahrenes Drohnen-Szenario irgendwie zu vermeiden.
Und schon wieder ist sie da, die schwierige Entscheidung: Was entwickeln, forschen, kaufen ?
Die Optionen gehen von Schrotflinten über Netzdrohnen bis zur Bombe…
„Stärke schreckt Aggressionen ab. Schwäche lädt dazu ein.“ Exakt so schaut es aus! Glaubhaft abschrecken kann ich nur, wenn ich auch die entsprechende militärische Stärke im Hintergrund habe. Und das hat überhaupt nichts mit Kriegstreiberei oder sonst einer schwachsinnigen Propaganda zu tun, das sind einfach die harten Fakten. Wichtig ist jetzt in allen Bereichen Geschwindigkeit reinzukriegen, und es darf meiner Ansicht nach auch keine Denkverbote bezüglich dem Besitz von Nuklearwaffen geben. Ich kann mich @GolfEcho83 vollumfänglich anschließen!
Wie lange will man noch darüber reden anstatt zu handeln? Zur Erinnerung: Bald gehen die Ukrainer ins fünfte Kriegsjahr. Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Münchner Sicherheitskonferenz war zu lesen, dass Europa bei der Effizienz der Rüstungsproduktion nicht vorankomme. „Wir haben uns nicht in Richtung einer skalierbaren industriellen Produktion bewegt. Deutschland ist ein Land mit einem der größten Industrie-Cluster in Europa, es kann 15.000 Autos pro Tag produzieren – und wir schaffen es nicht, mehr als zehn Luftverteidigungssysteme im Jahr herzustellen.“ (IfW-Kiel-Chef Moritz Schularick) Die Lücke zwischen finanziellem Input und militärischem Output sei zu groß. Hinzu kommen die nach wie vor gepflegten Egoismen in puncto heimischer Rüstungsindustrie. FCAS ist anscheinend kurz vor dem Ende, GCAP liegt laut Guardian vorläufig wegen fehlenden Haushaltsmitteln auf Eis. In Deutschland wird mittlerweile eine Zusammenarbeit mit Saab diskutiert, die Schweden entwickeln nämlich ebenfalls einen Kampfjet. Drei Entwicklungslinien parallel, das ist doch militärischer und ökonomischer Irrsinn! Und wer profitiert von dieser Inkompetenz? Russland und die Trump-Regierung! Kanzlerreden auf der Sicherheitskonferenz und Papiere der höchsten Militärs sind nutzlos, wenn sich am Handeln nichts grundlegend ändert.
@ Apollo11: „Früher war das alles viel symetrischer. Sehr teures High-Tech-Material ( Bsp. Panzer ) gegen immer noch teure Fire-and-Forget-Waffen ( Bsp. Gelenkte Panzerabwehrrakete ).“
Wenn man es größer betrachtet un die Erfahrungen von Hedgehog 2025 mit einbezieht, kann es durchaus sein, dass wir – wie schon einmal 1914-18 – in eine Phase der Kriegsgeschichte eingetreten sind, in der die Verteidigung die Oberhand hat. Statt MG nun die Drohnen.
Umso befremdlicher ist die bisher bestellte Anzahl an Skyrangern durch das BMVg: 19 Stück bis 2028-29? Absolut lächerlich, wie die Bundeswehr damit bis 2029 in der Lage sein soll, an der Kontaktlinie zu überleben, geschweige denn ein bewegliches Gefecht zu führen.
@StMarc, auch hier wieder die Frage, woher die Gewissheit das auch in einem beweglichen Gefecht Drohnen die gleiche Rolle spielen werden? Mit 20 km Glasfaser in der Hand bewegt man sich nicht wirklich im Gelände.
@Apollo 11
„…Und schon wieder ist sie da, die schwierige Entscheidung: Was entwickeln, forschen, kaufen ?
Die Optionen gehen von Schrotflinten über Netzdrohnen bis zur Bombe…“
Plus Erdbeobachtung! Ne FPV Drohne die aufgeklärt wurde ist nur noch halb so gefährlich.
@Thomas Melber
Zitat:“Nicht vergessen: spätestens 2029 klopft der Russe an unsere Tür.“
Die „Russen“, hört man sich unsere „Experten“ so an, werden mit der Ukraine doch noch gar nicht fertig sein. Angesichts der, von unseren Medien geschätzten Millionen von russischen Soldaten, die in diesem Krieg schon gefallen sind, werden den Russen, neben dem Sichern des eroberten Gebiets, keine Soldaten für einen Angriff auf andere Staaten übrig haben.
Immerhin soll die Bundeswehr jetzt ukrainische Berater bekommen, die die Ausbildung unserer Soldaten an die Bedürfnisse des 21. Jahrhundert anpassen sollen.
@Schlammstapfer, mag sein das die Russen erst einmal keine Kräfte mehr haben werden für einen zweiten Krieg.
Nur schätze ich das so ein, wenn die keinen zweiten Krieg befürchten müssen werden wieder die grünen Männchen losgeschickt.
@Flo
Die KGM kommen sowieso bzw. sind ggf. / vielleicht bereits hier, z.B.
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/putins-rocker-russische-nachtwoelfe-in-bw-100.html
https://www.landtag-bw.de/resource/blob/266930/8da30306fb41bbff20b8a45d09d3c999/17_6993_D.pdf
sowie bei t-online
„Berüchtigte Rocker
Putins „Nachtwölfe“ tricksen deutsche Behörden aus“ … „Dass es den „Nachtwölfen“ offenbar nicht so sehr um das Weltkriegsgedenken geht als vielmehr um die Verbreitung russlandfreundlicher Propaganda, hat der Verfassungsschutz Niedersachsen bereits 2023 festgestellt. „Aufgrund der Nähe zum russischen Präsidenten Putin liegt die Vermutung nahe, dass die ‚Night Wolves‘ politische Ziele Putins unterstützen und in seinem Auftrag handeln.“
Sie sind auch an anderen Orten in Deutschland aktiv. Ich persönlich sehe auch eine Gefahr durch Verbindungen zur OK und anderen Gruppen, die sich sicher gegen ausreichend Handgeld auch mobilisieren ließen.
Das Problem ist nicht die Vulnerabilität eigener Verbände durch Drohnen. Die ist selbstredend gegeben. Es wird ja auch nicht gefordert, dass eigene Soldaten immun gegen Beschuss mit Kleinwaffen sein müssen. Soldat ist bekanntlich auch kein Beruf mit Sicherheits- und Wohlfühlgarantie.
Das Problem muss sein, in der genannten Technologie selbst schnell handlungsfähig zu werden, damit der Vorsprung des vermutlichen Gegners schrumpft. Mit Drohnen kann man zwar sehr gut Räume überwachen und auf Ziele wirken und damit dem Gegner die Nutzung verwehren, aber man kann keine Räume nehmen. Dafür braucht auch Russland Soldaten und Einheiten, die ihrerseits verwundbar für Drohnen und loitering munitions sind.
Dazu muss der Verteidigungsansatz auch dahingehend lauten, nicht so lange zu warten, bis einen der Gegner mit Drohnen zusch(m)eißt und die Infrastruktur und ganze Städte über Wochen zentimeterweise dem Erdboden angleicht, sondern, ihm diese Fähigkeit mittels eigener Drohnen möglichst umgehend zu nehmen und den Kampf dann zu ihm zu tragen.
Und nein, das ist dann kein „Angriffskrieg“. Man muss sich als angegriffene Kriegspartei gerade nicht auf eine bloße Abwehr beschränken und hoffen, dass der Feind von allein mit seinen Attacken aufhört! Es ist schlimm genug, dass dieses Narrativ im Rahmen des Ukrainekriegs von westlichen talking heads und Medien immer wieder falsch transportiert und hinterlegt wurde, weil damit der Aggressor vor jeglichen unangenehmen Konsequenzen seines Handelns geschützt und in seinem Handeln bestärkt wurde.
Die kategorische Weigerung des Westens einen Einsatz westlicher Rüstungshilfen auch auf Ziele im russischen Hinterland freizugeben, hat diesen Konflikt für die Ukraine erheblich erschwert. Erst seit die Ukraine eigene Fähigkeiten besitzt, mittels weit reichender Mittel (Flamingo, etc.) tief in russisches Hinterland und auf kriegswichtige Infrastruktur, Truppenkonzentrationen, Kommandoeinrichtungen und Nachschubdepots zu wirken, konnte sie den Druck partiell von ihrer Front und in Teilen vorübergehend auch der Zivilbevölkerung nehmen.
In der westlichen Gesellschaft wird ja der von Beginn an offenkundig auf die ukrainische Bevölkerung gerichtete Beschuss von Kraftwerken und Wohngebieten usw. durch Russland weitgehend von denjenigen, die am lautesten gegen Krieg sein wollen, weitestgehend ignoriert.
Welche Antwort man auch immer darauf sicherheitspolitisch haben mag, es dürfte klar sein, dass bei einem möglichen künftigen Konflikt zwischen Russland und der NATO eine derartige militärische Zurückhaltung auf Kosten der Bevölkerungen in Finnland, Polen und den baltischen Staaten politisch und auch strategisch kaum tragbar sein dürfte.