Merkposten: US-Firma erhält wesentlichen Anteil an NATO-Pipeline in Deutschland

Fürs Archiv: Die US-Firma Sunoco LP, die nach Medienberichten einem Unterstützer von US-Präsident Donald Trump gehört, hat ein deutsches Unternehmen für Tanklager und Pipeline-Betrieb übernommen – und damit wesentlichen Anteil (und Einfluss) auf das Pipelinesystem der NATO in Deutschland, über das vor allem Flugplätze mit Treibstoff versorgt werden.

Die Übernahme hatte die Firma TanQuid mit Sitz in Duisburg bereits vor einigen Tagen öffentlich bekanntgegeben: Am 16. Januar 2026 hat Sunoco LP die Übernahme von TanQuid erfolgreich abgeschlossen. Wahrgenommen wurde das in Deutschland allerdings erst am (heutigen) Freitag nach Berichten zunächst des Spiegels und dann weiterer Medien, zum Beispiel des ZDF.

TanQuid hebt unter der Überschrift Nahezu unbemerkt in die Ferne die Bedeutung seiner Pipelines hervor:

Neben allen traditionellen Verkehrsträgern in der Logistikkette sind einige Standorte bei uns auch per Pipeline angebunden. Dazu zählen sowohl die RMR Pipeline der Rhein Main Rohrleitungstransportgesellschaft als auch die CEPS Pipeline (Central Europe Pipeline System) der Nato. So können gerade über unsere Großtanklager große Partien von Produkten bewegt werden.

Das Netzwerk war erst 2008 endgültig komplettiert worden und soll bereits im Friedensbetrieb, aber erst recht in Krisenzeiten die Versorgung der Flugplätze mit Kraftstoff vom Straßentransport unabhängiger machen. Im vergangenen Jahr waren Pläne für eine Verlängerung der Pipeline nach Polen und Tschechien bekanntgeworden.

Nach den Berichten von Spiegel und ZDF kontrolliert mit der Übernahme die Firma Sunoco des US-Milliardärs Kelcy Warren fast die Hälfte der Anteile am NATO-Pipelinesystem in Deutschland und hat damit weitgehenden Einblick, aber auch Kontrollmöglichkeiten bei der Nutzung des Leitungssystems. Beide Medien zitieren Jacopo Maria Pepe von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), der vor Risiken für Deutschland warnt:  Durch den Kauf erhielten die USA Informationen über Kapazitäten und Schwachstellen im System. Sollten Reparaturen etwa aufgrund von Verschleiß oder Sabotage anfallen, können die USA diese blockieren.

Der Verkauf war zuvor vom Bundeswirtschaftsministerium freigegeben worden. Das Haus von Ministerin Katherina Reiche (CDU) habe zuvor im Rahmen eines Investitionsprüfverfahrens mögliche Auswirkungen auf die Sicherheit Deutschlands oder anderer EU-Länder untersucht, berichtete das ZDF unter Berufung auf eine Ministeriumssprecherin. Die Übernahme sei am 9. Januar unter Auflagen genehmigt worden.

Nachtrag: Die Aussagen dazu in der Bundespressekonferenz am Freitag, von der Sprecherin des Wirtschaftsministeriums, Susanne Ungrad:

Frage: Zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit eine Frage an das Wirtschaftsministerium: Wenn Deutschland auch von den USA wirtschaftlich unabhängiger werden soll, warum wurden dann 20 Prozent der deutschen Tanklagerkapazitäten für Rohöl Mitte Januar an ein US-Unternehmen verkauft, das einem Milliardär aus dem Umfeld Trumps gehört?

Ungrad: Das war eine Investitionsprüfung, die unter Beteiligung der betroffenen Ressorts durchgeführt worden ist. Die Geschäftstätigkeit des Konzerns besteht in dem unabhängigen Betrieb von Tanklagern in Deutschland und Polen und hauptsächlich der Belieferung der Mineralölindustrie.
Mit Sunoco wird der Konzern durch ein führendes, erfahrenes, international agierendes Unternehmen im Bereich Infrastruktur und Kraftstoffvertrieb übernommen. Wir haben bei dieser Freigabe strenge Auflagen mit auf den Weg gegeben, zum Beispiel die durchgängige Versorgung mit Tanklagerkapazitäten. Sie betreffen zudem die Fernleitungs Betriebsgesellschaft mbH. Die Auflagen, die wir bei der Investitionsprüfung mit aufgegeben haben, sind sehr streng. Insofern sehe ich da keinen Widerspruch.

Zusatzfrage: Nichtsdestotrotz ist das, was jetzt übergeben wurde oder von den Amerikanern gekauft wurde, Teil der kritischen Infrastruktur. Das ist jetzt einfach in US-amerikanischem Besitz. Zunehmende Teile der Energieversorgung sind in fremde Hände gegeben. Wie verträgt sich das mit dem Anspruch auf wachsende Unabhängigkeit?

Ungrad: Wie gesagt, wir haben hier strenge Auflagen, die die Versorgung auf jeden Fall sichern. Dafür ist gesorgt. (…)

Frage: Ich habe eine Nachfrage ans Wirtschaftsministerium zu dem Sunoco-Deal. Sie haben von Sicherheitsauflagen gesprochen. Welche wären das in diesem Fall?
„DER Spiegel“ hat ja diese Recherchen begonnen. Können Sie das, was dazu im „Spiegel“ steht, so bestätigen, was auch die Hintergründe und die Daten angeht?

Ungrad: Den „Spiegel“ kann ich nicht kommentieren.
Zu den Sicherheiten – ich habe das gerade angedeutet -: Es geht um alle Belange, die die Versorgung mit den Tanklagerkapazitäten sicherstellen, außerdem die Fernleitungs-Betriebsgesellschaft mbH, an der TanQuid einen Anteil hält.
Mehr Details kann ich leider aus Sicherheitsgründen sowie aufgrund von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen jetzt hier „unter eins“ nicht sagen.

Zusatzfrage: Eine kurze Nachfrage nur: Warum ist dieser Deal als Erstes von Sunoco veröffentlicht worden, und das Wirtschaftsministerium kleckerte dann erst hinterher?

Ungrad: Das kann ich nicht kommentieren.