Merkposten: US-Firma erhält wesentlichen Anteil an NATO-Pipeline in Deutschland
Fürs Archiv: Die US-Firma Sunoco LP, die nach Medienberichten einem Unterstützer von US-Präsident Donald Trump gehört, hat ein deutsches Unternehmen für Tanklager und Pipeline-Betrieb übernommen – und damit wesentlichen Anteil (und Einfluss) auf das Pipelinesystem der NATO in Deutschland, über das vor allem Flugplätze mit Treibstoff versorgt werden.
Die Übernahme hatte die Firma TanQuid mit Sitz in Duisburg bereits vor einigen Tagen öffentlich bekanntgegeben: Am 16. Januar 2026 hat Sunoco LP die Übernahme von TanQuid erfolgreich abgeschlossen. Wahrgenommen wurde das in Deutschland allerdings erst am (heutigen) Freitag nach Berichten zunächst des Spiegels und dann weiterer Medien, zum Beispiel des ZDF.
TanQuid hebt unter der Überschrift Nahezu unbemerkt in die Ferne die Bedeutung seiner Pipelines hervor:
Neben allen traditionellen Verkehrsträgern in der Logistikkette sind einige Standorte bei uns auch per Pipeline angebunden. Dazu zählen sowohl die RMR Pipeline der Rhein Main Rohrleitungstransportgesellschaft als auch die CEPS Pipeline (Central Europe Pipeline System) der Nato. So können gerade über unsere Großtanklager große Partien von Produkten bewegt werden.
Das Netzwerk war erst 2008 endgültig komplettiert worden und soll bereits im Friedensbetrieb, aber erst recht in Krisenzeiten die Versorgung der Flugplätze mit Kraftstoff vom Straßentransport unabhängiger machen. Im vergangenen Jahr waren Pläne für eine Verlängerung der Pipeline nach Polen und Tschechien bekanntgeworden.
Nach den Berichten von Spiegel und ZDF kontrolliert mit der Übernahme die Firma Sunoco des US-Milliardärs Kelcy Warren fast die Hälfte der Anteile am NATO-Pipelinesystem in Deutschland und hat damit weitgehenden Einblick, aber auch Kontrollmöglichkeiten bei der Nutzung des Leitungssystems. Beide Medien zitieren Jacopo Maria Pepe von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), der vor Risiken für Deutschland warnt: Durch den Kauf erhielten die USA Informationen über Kapazitäten und Schwachstellen im System. Sollten Reparaturen etwa aufgrund von Verschleiß oder Sabotage anfallen, können die USA diese blockieren.
Der Verkauf war zuvor vom Bundeswirtschaftsministerium freigegeben worden. Das Haus von Ministerin Katherina Reiche (CDU) habe zuvor im Rahmen eines Investitionsprüfverfahrens mögliche Auswirkungen auf die Sicherheit Deutschlands oder anderer EU-Länder untersucht, berichtete das ZDF unter Berufung auf eine Ministeriumssprecherin. Die Übernahme sei am 9. Januar unter Auflagen genehmigt worden.
Nachtrag: Die Aussagen dazu in der Bundespressekonferenz am Freitag, von der Sprecherin des Wirtschaftsministeriums, Susanne Ungrad:
Frage: Zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit eine Frage an das Wirtschaftsministerium: Wenn Deutschland auch von den USA wirtschaftlich unabhängiger werden soll, warum wurden dann 20 Prozent der deutschen Tanklagerkapazitäten für Rohöl Mitte Januar an ein US-Unternehmen verkauft, das einem Milliardär aus dem Umfeld Trumps gehört?
Ungrad: Das war eine Investitionsprüfung, die unter Beteiligung der betroffenen Ressorts durchgeführt worden ist. Die Geschäftstätigkeit des Konzerns besteht in dem unabhängigen Betrieb von Tanklagern in Deutschland und Polen und hauptsächlich der Belieferung der Mineralölindustrie.
Mit Sunoco wird der Konzern durch ein führendes, erfahrenes, international agierendes Unternehmen im Bereich Infrastruktur und Kraftstoffvertrieb übernommen. Wir haben bei dieser Freigabe strenge Auflagen mit auf den Weg gegeben, zum Beispiel die durchgängige Versorgung mit Tanklagerkapazitäten. Sie betreffen zudem die Fernleitungs Betriebsgesellschaft mbH. Die Auflagen, die wir bei der Investitionsprüfung mit aufgegeben haben, sind sehr streng. Insofern sehe ich da keinen Widerspruch.
Zusatzfrage: Nichtsdestotrotz ist das, was jetzt übergeben wurde oder von den Amerikanern gekauft wurde, Teil der kritischen Infrastruktur. Das ist jetzt einfach in US-amerikanischem Besitz. Zunehmende Teile der Energieversorgung sind in fremde Hände gegeben. Wie verträgt sich das mit dem Anspruch auf wachsende Unabhängigkeit?
Ungrad: Wie gesagt, wir haben hier strenge Auflagen, die die Versorgung auf jeden Fall sichern. Dafür ist gesorgt. (…)
Frage: Ich habe eine Nachfrage ans Wirtschaftsministerium zu dem Sunoco-Deal. Sie haben von Sicherheitsauflagen gesprochen. Welche wären das in diesem Fall?
„DER Spiegel“ hat ja diese Recherchen begonnen. Können Sie das, was dazu im „Spiegel“ steht, so bestätigen, was auch die Hintergründe und die Daten angeht?
Ungrad: Den „Spiegel“ kann ich nicht kommentieren.
Zu den Sicherheiten – ich habe das gerade angedeutet -: Es geht um alle Belange, die die Versorgung mit den Tanklagerkapazitäten sicherstellen, außerdem die Fernleitungs-Betriebsgesellschaft mbH, an der TanQuid einen Anteil hält.
Mehr Details kann ich leider aus Sicherheitsgründen sowie aufgrund von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen jetzt hier „unter eins“ nicht sagen.
Zusatzfrage: Eine kurze Nachfrage nur: Warum ist dieser Deal als Erstes von Sunoco veröffentlicht worden, und das Wirtschaftsministerium kleckerte dann erst hinterher?
Ungrad: Das kann ich nicht kommentieren.
Bei mir in der Nähe verläuft die NATO-Pipeline u.a. unter Äckern. An einer Stelle ( bei Mainz ) wurde die vor ca. zwei Jahren erneuert. Hatte ich mir damals angesehen, ca. 1,20 m tief damit schwere Pflüge ( bis 60 cm ) keinen Schaden anrichten. Den Besitzer des Feldes kenn ich, die bekommen eine Nutzungsgebühr.
Läuft von dieser Stelle u.a. nach Gustavsburg, da ist ein Riesen-Tanklager das vor allem zivil genutzt wird und zum Flughafen Frankfurt. Lt. Wikipedia teils 90% zivile Nutzung, vor allem wenn der Rhein wegen Niedrigwasser nur eingeschränkt schiffbar ist.
Die Leitung ist zwar militärisch, betrifft aber massiv den zivilen Sektor. U.a. kann auch Heizöl transportiert werdren.
Vor über 40 Jahren gab es den wohl bekantesten Angriff auf die Pipeline: Im Rahmen der Startbahn-West-Demos. Riesensauerei…
Es gibt so Neuigkeiten, da sitzt man sprachlos vor dem Bildschirm.
Das sind keine ungelernten Leiharbeiter, die solche Entscheidungen vorbereiten, sondern Leute aus dem höheren Dienst mit Studium usw.
Werden alle, die irgendwas mit Pipelines zu tun haben, nebenbei vom Ausland bezahlt?
Da schallt es aus allen Mündern: Wir müssen unabhängiger werden von den usa und dann sowas!?
Wieder so eine Beschwichtigungsmaßnahme für diesen einmaligen, aber kriminellen (verurteilten) Präsidenten?
So wird das nichts!
Es gibt ja noch die FBG, die Pipelines für Kerosin und Treibstoffe betreibt, auch für Bundeswehr und NATO. Dass ein US-Konzern davon 49 % hält, ist sicher kein Problem. Einfluss beginnt schließlich erst bei 50 %. Alles wird gut.“
Nachdem das mit der russischen Pipeline so gut geklappt hat, machen wir es gleich nochmal mit der amerikanischen … Gut, diesmal droht ja keiner zu frieren, wenn an der Pipe-Leine gezogen wird. Dann müssen die Topguns hat umsatteln und auf der grünen Wiese elektrische Drohnen am Windrad laden.
Achtung Sarksamus:
„Die Übernahme sei am 9. Januar unter Auflagen genehmigt worden.“
Na dann ist ja alles gut.
Dann muss sich halt der Vertragspartner auch daran halten. Und für Vertragstreue ist die Trump-Administration ja schließlich weithin bekannt.
Zumindest ist eine Sprengung unwahrscheinlicher geworden.
SCNR
Erinnern wir uns noch? Im Winter 2022 – zufällig vor der russischen Invasion der Ukraine- waren die russisch mitverwalteten deutschen Gasspeicher ziemlich leer.
Sicher kann man auch Energieinfrastruktur, die sich in amerikanischem Eigentum befindet im Notfall verstaatlichen. Die Geschichte mit den Gasspeichern zeigt jedoch, dass der zweifelhafte amerikanische Eigentümer bereits vorher enorme Schäden anrichten könnte. Wartung und Instandhaltung vernachlässigen etc.
Man fasst sich bei solchen Entscheidungen an den Kopf! Zeitenwende? So blöd oder weltfremd können die im Wirtschaftsministerium doch gar nicht sein. Was ist das? Fehlende Führung, Chaos oder Vorsatz?
@Pham Nuwen
NS 1 und NS 2 sollten ja auch an ein amerikanisches Unternehmen gehen:
https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Nord-Stream-1-und-2-Totgesagte-leben-laenger,nordstream996.html
Nichts gelernt aus dem Verkauf unserer Gasspeicher an Russland. Putin hat versucht uns deutschen im Ukraine-Krieg die Gasversorgung abzudrehen(auch bei anderen Ländern willkürlich auch die Lieferung en eingestellt), aber die Putin Versteher in Deutschland ignorieren dies ja bis heute. Hätte Habeck nicht so viel Gas, in anderen Ländern rechtzeitig eingekauft, wären bei uns die Gasheizungen massenweise ausgegangen bzw viele Betriebe hätten die Produktion einstellen müssen. Doch statt Dankschreiben an Habeck, wird dieser weiterhin verteufelt und Putin angebetet bzw. man will unbedingt wieder russisches Gas kaufen, was jederzeit wieder als Waffe abgestellt werden könnte. Stockholmsyndrom??
Und jetzt wird dieser riesige Fehler wiederholt!. Wir wissen, Trump ist gegen die Nato, diese ist seit Kriegsdrohungen gegen Grönland, Kanada usw längst Hirntod! Aber unser Kanzler belügt das dt. Volk lieber oder kann nicht zugeben, daß er sich bei Trump geirrt hat, und meint man könne Kritische Infrastruktur an die USA verkaufen, sogar an einen Freund von Trump. Wir müssen damit rechnen, daß der Käufer im Auftrag von Trump, bei einem russischen Überfalls auf die Nato das Pipeline System absichtlich sabotieren lässt, um seinem Freund Putin zu helfen. Trump handelt die ganze Amtszeit wie eine russischer Agent! Das US Militär würde seine Nato Verpflichtungen erfüllen und Europa verteidigen, wenn es darf. Aber ich fürchte, Trump oder sein Kriegsminister werden dem US Militär eine effektive Hilfe verbieten! Denn Putin wird sicher nette Ausreden für einen Überfall auf die Nato erfinden. Wie z.B. die Regierung in Litauen sei linksradikal, Finnland gehöre rechtmäßig zu Russland oder die bösen Esten unterdrücken die Russen in Estland, so daß die Rote Armee diese retten müsse usw.. Und bei Trump muss man besorgen, daß dieser die lächerlichsten Ausreden glaubt oder von Putin erpresst wird!
Und man kann nicht sagen, der hat nur 49 % und kann damit nichts anrichten, weil dies nicht die Mehrheit sei. Heuschreckenunternehmen bekommen es hin, ganzen Konzernen, an denen sie zur ca 5 % der Aktien halten, ihren Willen aufzuzwingen. Außerdem muss man damit rechnen, daß MAGA Unternehmer die Russen mit Informationen versorgen. Entweder direkt oder weil die Trump Administration undicht ist, wie die Ukrainer gerade nachgewiesen haben, daß (falsche ) Geheimdienstinfos der Ukraine, die der USA gesteckt wurden, bei den Russen gelandet sind.
Deshalb darf es keinen Verkauf von kritischer Infrastruktur mehr an Ausländer oder zweifelhafte Unternehmen geben und der Bundeskanzler muss endlich den wahren schlechten Zustand Nato gegenüber der Bevölkerung einräumen und an einem Ersatzbündnis für die Nato arbeiten, sei dies die Wiedererrichtung der WEU(Westeuropäischen Union) oder doch noch die Gründung einer EVG(Europäischer Verteidigungsgemeinschaft). Und wir sollten mit Frankreich und GB über eine Beteiligung an deren Atomstreitkräften bzw. einer Verstärkung dieser Kräfte verhandeln, da der Atomschirm der USA bestenfalls von der Morgenlaune von Trump abhängt und damit löchrig wie ein Schweizer Käse ist.
Und nun passen Aussagen, Erklärungen und Ankündigungen der Bundesregierung mit der Wirkung und Bedeutung ihres Handelns und ihrer Entscheidungen nicht mehr in den selben Raum.
Mit Verlaub – es wurden „strenge Auflagen“ gegeben! „STRENGE“!
Also warum machen Sie sich Sorgen?
Deutschland ist und bleibt dadurch unabhängig und jederzeit Handlungsfähig.
Das ist übrigens unser Vorteil gegenüber allen anderen Nationen der Welt: Wir brauchen eigentlich gar keine Armee, sondern müssen nur unseren Bürokratismus weiter ausbauen – übrigens die Armee ist dadurch doch auch Schlagkräftiger und an den richtigen Stellen ordentlich aufgebläht.
Das schützt auch unsere Demokratie da die gewählten Vertreter hier ganz gezielt zeigen, wie…
Ach ich hör ich auf, wird nicht lustig sondern letztlich nur traurig und hilflos…
@Closius, 24.01.2026, 10:36 Uhr
Also Ihre Schlußfolgerung, dass Europa sich ertüchtigen und selbstbewußter im Bündnis auftreten muss ist -glaube ich- allgemein unstrittig, aber Sie machen einige Aussagen, die nach Kommentaren schreien.
1) „…Hätte Habeck nicht so viel Gas, in anderen Ländern rechtzeitig eingekauft, wären bei uns die Gasheizungen massenweise ausgegangen bzw viele Betriebe hätten die Produktion einstellen müssen. Doch statt Dankschreiben an Habeck, wird dieser weiterhin verteufelt…“
Ihre Pro-Habeck-Meinung respektierend, ist dazu zu sagen, dass es seine Aufgabe als Wirtschaftsminister war, für Energiesicherheit zu sorgen. Andersherum gesagt: Hätte er es nicht getan, dann hätte man ihn mit Schimpf und Schande aus dem Amt jagen müssen (unter Entfall sämtlicher Bezüge versteht sich). Wie das deutsche Volk reagiert, hat er -behaupte ich- gemerkt, als er den unsinnigen Vorstoß machte, zu erklären, wie man beim Duschen durch Nutzung eines Waschlappens Wasser spart. Der „Shitstorm“ hatte sich „gewaschen“. Ich gehe davon aus, dass Sie auch keine Dankschreiben Ihres Chefs bekommen, weil Sie pünktlich zur Arbeit erscheinen.
2)“…Wir wissen, Trump ist gegen die Nato,“
Ist er das wirklich? Oder ist er „nur“ gegen die NATO in der jetzigen Form, insbesondere mit den USA als „Premiumzahler“, die deutlich über 50% der Kosten/Belastungen tragen? Lange Zeit haben sich die anderen NATO Partner mehr oder weniger unter dem Schutzmantel der USA ausgeruht. Vergessen wir nicht, die ersten zaghaften Ansätze eines 2% BIP Ziels gab es bereits 2002. 2014 wurde dies zum ersten mal so richtig fixiert. Da war von einem Präsidenten Trump weit und breit nichts zu sehen. Das ist also nicht seine „Erfindung“
3)“…Aber unser Kanzler belügt das dt. Volk lieber oder kann nicht zugeben, daß er sich bei Trump geirrt hat…“
Also ich fand die Aussagen des deutschen Kanzlers in Davos schon sehr bemerkenswert. Und wenn Sie sich über lügende Politiker beschweren, dann empfehle ich Ihnen als Habeck-Freund mal die Aussagen zum „Aus“ der E-Auto Prämie.
4)“…Trump handelt die ganze Amtszeit wie eine russischer Agent!…“
Soso, russische Agenten würden also auch den venzolanischen Machthaber entführen und vor Gericht stellen. Hmm, interessant. Oder russische Agenten würden eine Flugzeugträger-Kampfgruppe in Richtung Iran schicken, mit der klaren Ansage, die revolutionären Kräfte zu unterstützen. Ganz zu schweigen von den russischen Agenten, die mit bunkerbrechenden Bomben die unterirdischen iranischen Atomlabore zerstört oder zumindest schwer beschädigt haben.
@T.W. Ich hoffe, das war nicht zuviel OT.
Wundert diese Entscheidung von Frau Reiche’s Resort jemanden bei ihrer privaten Situation?
Mich nicht.
Mich wundert eher, dass unser Kanzler nicht langsam durchgreift und sie ersetzt.
Bevor hier weiter gewütet wird:
Das Zentraleuropäische NATO Pipeline System (es gibt auch noch andere!) „gehört“ der NSPO NATo Support Organization.
Es gibt das multinational besetzte „Programme Board“ und als Arbeitsebene das CEPS (Central European Pipline System) Programme Office in Versailles.
Das Netz auch für zivile Kunden zu öffnen und Betrieb möglichst kostengünstig zu gestalten war eine gemeinsame Entscheidung der beteiligten NATO Staaten.
Im Zweifel hängen an den Liefermöglichkeiten des Systems nicht nur große Ziviflughäfen in mehreren Ländern, sondern das Jetfuel für Rammstein kommt auch nicht als Manna aus der Transzendenz.
Man kann natürlich überlegen ob man im Sinne von Autarkie, Robustheit und Redundanz alles militärisch betreiben lässt. Dann wird aber die „tail to teeth ratio“ nicht besser, sondern schlechter.
Insofern würde ich diese Privatisierung an eine Firma für den Betrieb nicht überbewerten.
[Es geht ja nicht um die Privatisierung, die gab’s auch vorher schon. Sondern um die Frage, wer jetzt die Anteile hält und damit einen Teil der Kontrolle hat und ob dieser neue Teil-Eigner vertrauenswürdig ist. Deshalb bitte keine Nebelkerzen. T.W.]
Von der derzeitigen Hausleitung des Bundeswirtschaftsministeriums kann man angesichts einer langen Vergangenheit mit einem guten Netzwerk im Energiesektor auch nichts anderes erwarten. Unabhängigkeit von den USA heißt, diese auch konsequent aus allen Projekten fernzuhalten bzw. raus zu kicken sobald machbar.
Herr Wiegold, bitte etwas mehr Präzision:
Hält die Firma Anteile am CEPS?
Das heißt, das Eigentum ist übergegangen
Oder hat die Firma einen Geschäftsbesorgungsvertrag? D.h. die NATO ist immer noch Eigentümer, aber der Betrieb (einschließlich der Verfügung über die im System befindlichen Treibstoffe für den Verkauf) wird durch die Firma durchgeführt.
Soweit die offizielle Web-Seite der NATO verlässlich ist scheint die zweite Alternative zuzutreffen:
https://www.nato.int/en/what-we-do/deterrence-and-defence/nato-pipeline-system
Kann natürlich sein dass die der Realität deutlich hinterher hinken.
Als Pensionär kann ich das leider nicht mehr im System checken wie ich das noch im BMVg zu aktiven Zeiten konnte….
Also soweit ich das öffentlichen Quellen entnehmen konnte wurde eine deutsche Firma als Betreiber verkauft, zu deren Firmen Aktiva ein 49 % Anteil der FBG (Fernleitungsbetriebsgesellschaft) gehört. Die anderen 51 % sind noch immer im Bundesbesitz. Käufer ist eine US Firma. Allerdings wird das Zentraleuropäische Pipline Netz der NATO über eine NATO Agentur gemanagt, dazu gibt es eine Suborganisation. Die hat ein Board in dem alle relevanten NATO Staaten vertreten sind. Dazu gibt es eine Steuerungseinrichtung in Versailles, in der ebenfalls diverse NATO Staaten vertreten sind. Wesentliche Kennzahlen aus dem Betrieb werden denen vorgelegt. Was durch den Firmenübergang jetzt neu unseren US Freunden zur Kenntnis kommt, das die vorher noch nicht kannten, erschließt sich mir nicht so recht. Für die Fragen wer für Instandhaltung und Sicherheitstechnik am Netz zuständig ist müsste man in die Verträge schauen. Vermutlich ist aber nicht das Netz als solches übergegangen, sondern der Betrieb. Daher würde ich das doch etwas „Niedriger hängen“ um mit dem alten Fritz zu sprechen.
@Der Realist: Eine typische Aufgabe investigativer Journalisten da die Netzwerke/Bezüge transparent zu machen. Auch der Kanzler hätte dem Kanzleramtscheff zugewiesene Behörden die das könnten.
Man darf für einen Betrieb CEPS in Spannungs- und Verteidigungsfall nicht vergessen, dass mit den Leistungssicherstellungsgesetzen und den (hoffentlich im Wiederaufbau befindlichen) Pipelinepioniereinheiten zwei Instrumente im Raume stehen, bei denen am Ende die Eigentumsverhältnisse nachrangig sein werden. Und: Wer CEPS abschaltet oder verlottern lässt, würde auch die Versorgung amerikanischer Flugplätze gefährden.
Mir fehlt ein bischen ein Hinweis darauf, dass die Tanquid sowieso kein „deutsches Unternehmen“ war.
Das Unternehmen war seit 2005 im Besitz der Macquarie Group, einer britischen (heute: australischen) Investmentgruppe, die weltweit ähnliche Beteiligungen in Billionenhöhe hält.
Max Meister sagt:
24.01.2026 um 20:50 Uhr
So lese ich die öffentlich zugänglichen Infos auch – beim Netz ist und bleibt der Bund Eigentümer, „nur“ der Betrieb ist an die FBG beauftragt und Tanquid hält daran eben nun 49% des Kapitals, Es sieht zwar gerade nicht in die politische Lage passend aus, aber was daran reel problematisch sein soll kann ich nicht erkennen. Mit dem §17 Energiesicherheitsgesetz hat der Bund weitgehende Eingriffsmöglichkeiten wenn der Betreiber unzuverlässig wäre – bei der FBG, die ja weiter mit 51% im Bundesbesitz und selbst operativ tätig ist, fällt mir dazu kein realistisches Szenario ein.
Sicherheitsrisiken haben wir viele andere.
Solange sich der amerikanische Partner an seine Abmachungen und Pflichten hält, passiert ja nichts. Das Problem geht dann los, wenn es Spitz auf Knopf kommt und der Treibstoff für die NATO benötigt wird. Dann sollte der Knopf, mit dem die Ventile auf- und zugehen, keinen ausschließlichen Draht nach USA haben, sondern eher auch einen nach Brüssel. Und Idealerweise auch ein Handrad vor Ort.
Wem das große Ganze letztlich rechtlich zu wie viel % gehört, ist zunächst Wurscht. Entscheidend ist, ob man im Ernstfall den vereinbarten Zugriff erhält, und wie? Aber seit 1973 ist dieses Problem durchaus bekannt und auch dieser konkrete Fall ist prinzipiell in § 17 Abs.1 EnSiG geregelt.
Mich wundert inzwischen gar nichts mehr.
Hier wird mit ganzer Kraft auf eine Demontage der Souveränität hingearbeitet.
Lobbyismus auf allen Fronten. Von der Wirtschaftsministerin war das klar zu erwarten.
Und wer vergessen hat, dass unser Bundeskanzler für Blackrock gearbeitet hat – friendly reminder.
@Olaf Brackmann:
Genau wie „demontiert“ das jetzt irgendwas? Lobbyismus funktioniert selbstverständlich in alle Richtungen. Auch für die Bundeswehr. Zum Beispiel über den Deutschen Bundeswehrverband. Der ist auch ’ne Lobbyorganisation, gelle? Aber mir fehlt irgendwo die konkrete gefährdende Folge.
Aber mal frei heraus: Was wäre denn Ihre Lösung? Alles verstaatlichen? Mit welchem Steuergeld? Wir geben doch ohnehin in jedem Jahr aufgrund der Nettoneuverschuldung schon die Steuereinnahmen der absehbaren Zukunft aus.
Oder wollten Sie nur mal dem inneren Stammtisch Luft machen?
Ich sehe da auch eine Ecke entspannter als die meisten hier.
Die eigentliche Infrastruktur bleibt in Bundeshand, der Betrieb geht zum Teil an Freunde des Trump-Clans.
Ich glaube die wettern ein dickes Geschäft in Zukunft und weniger die sicherheitstechnische Unterwanderung, zu einen Langfristig geplanten Angriff auf die EU.
Ganz im Gegenteil zu Gasprom damals.
Sollte es sich doch mal soweit entwickeln, ist das fehlende Kerosin für die entsprechenden Flugplätze über die Pipeline eher ein nachgeordnetes Problem.
Andererseits möchte ich aber nicht das Bundeseigentum und Dienstleistungen zur Aufrechterhaltung der Regierungsarbeit bzw. Öffentlichen Ordnung in privater Hand liegen.
Finden sich aber genug Beispiele in anderen Bereichen wo das auch so ist….
Generell tragen privatwirtschaftliche Akteure zur effizienten Allokation der Ressourcen bei. Somit ist es wünschenswert. Man darf sich aber auch fragen wo die Interessen des Militärischen höher zu bewerten sind als die des Ökonomischen und welche Folgen dies hat. Z.B dass der Kreis der privatwirtschaftlichen Akteure begrenzt wir auf ??
Nachbrenner/Archiv;
Bundesregierung will militärisch relevante Pipelines kaufen
Tanklager und Pipelines gehören zur kritischen Infrastruktur in Deutschland. Darum muss ein Trump-naher Unternehmer Teile eines gerade übernommenen deutschen Unternehmens nach SPIEGEL-Informationen an den Bund abtreten.
https://www.spiegel.de/wissenschaft/bundesregierung-verstaatlichung-militaerisch-relevanter-pipelines-geplant-a-53026759-34c9-4944-9061-ec6915cca5d1
Federico Merzuro wagt also die „Revolución Bolivariana de Alemania“? Das gibt bestimmt wieder Zölle! *scnr
Anscheinend sind die Auflagen dann wohl doch nicht streng genug gewesen, dass man nicht öffentlich darüber reden kann. Wären sie hart und wirklich „streng“ könnte man doch offen sagen, was die Auflagen exakt sind, um allen Beteiligten klarzumachen, dass das System wirklich sicher ist.
Aber das trauen Sie sich anscheinend nicht, weil es doch wieder zerpflückt wird oder man Angst hat, dass diese Auflagen im Krisenfall nicht durchhaltefähig sind.
Wäre es opportun zu behaupten, mit diesem Schritt wird sich am Stationierungsabkommen, zumindest im großen Massstab, nichts ändern?
Zumindest für mich dann beruhigend zu wissen, die US Streitkräfte sind und bleiben vor Ort. Alliierte, Freunde!