Los geht’s: Die neue Weltordnung

Ein bisschen rapide haben die Ereignisse der vergangenen Tage die Neujahrsruhe beendet. (Ich gebe zu, ich habe mir dennoch Zeit gelassen). Aber die Ausblicke auf das, was die jängsten Aktionen der US-Regierung unter Donald Trump international sicherheitspolitisch bedeuten können, legen dringend einen Sammler nahe – für die Europäer nicht zuletzt mit der immer wieder aufgeworfenen Frage: Folgt auf die militärische Intervention in Venezuela eine in Grönland und damit gegen das NATO-Mitglied Dänemark?

Die Überlegung kommt ja nicht aus dem Nichts; ausgelöst hat das der US-Präsident selbst. Aus dem Überblick von AP:

A day after the audacious U.S. military operation in Venezuela, President Donald Trump on Sunday renewed his calls for an American takeover of the Danish territory of Greenland for the sake of U.S. security interests and threatened military action on Colombia for facilitating the global sale of cocaine, while his top diplomat declared the communist government in Cuba is “in a lot of trouble.”

Auslöser für die Befürchtung einer Weiterung Richtung Europa war ein Telefoninterview mit dem US-Magazin The Atlantic, veröffentlicht am vergangenen Samstag, in dem Trump unverblümt erneut den Anspruch auf die zum Königreich Dänemark gehörende Insel anmeldete:

During our call, Trump, who had just arrived at his golf club in West Palm Beach, was in evident good spirits, and reaffirmed to me that Venezuela may not be the last country subject to American intervention. “We do need Greenland, absolutely,” he said, describing the island—a part of Denmark, a NATO ally—as “surrounded by Russian and Chinese ships.”

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen reagierte darauf am (gestrigen) Sonntag:

„Ich muss es den USA ganz direkt sagen:
Es macht absolut keinen Sinn, davon zu sprechen, dass es für die USA notwendig sein könnte, Grönland zu übernehmen. Die USA haben kein Recht, eines der drei Länder des Königreichs zu annektieren.
Das Königreich Dänemark – und damit auch Grönland – ist Teil der NATO und fällt somit unter die Sicherheitsgarantie des Bündnisses. Wir haben bereits heute ein Verteidigungsabkommen zwischen dem Königreich und den USA, das den USA weitreichenden Zugang zu Grönland gewährt. Und wir haben seitens des Königreichs erheblich in die Sicherheit in der Arktis investiert.
Ich möchte daher nachdrücklich dazu auffordern, dass die USA ihre Drohungen gegen einen historisch engen Verbündeten und gegen ein anderes Land und ein anderes Volk, die ganz klar gesagt haben, dass sie nicht zu verkaufen sind, einstellen.

Schnelle Rückendeckung gab es von ihrem schwedischen Kolelgen Ulf Kristersson:

Nur Dänemark und Grönland haben das Recht, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen.Schweden steht voll und ganz hinter unserem Nachbarland. 
(Übersetzt mit deeepl.com)

… und vom norwegischen Kollegen Jonas Gahr Støre

… und als viertes nordeuropäisches NATO-Land meldete sich Finnland zu Wort; sein Präsident Alexander Stubb:

Das ist die Lage zu Wochenbeginn. Ergänzungen sind wohl wahrscheinlich.

Nachgetragen, hatte ich erst vergessen: Bereits am vergangenen Freitag hatte Katie Miller, die Ehefrau von Trumps Vize-Stabschef Stephen Miller, mit einem Post auf X die Debatte angeheizt. Die Optik oben als Aufmacherfoto.