Neues Sturmgewehr in der Truppe angekommen – Jetzt (zunächst) 250.000 G95 geplant (Nachtrag: Optik-Probleme)
Der schwäbische Waffenhersteller Heckler&Koch hat die ersten Exemplare der neuen Standardwaffe der Bundeswehr an die Truppe übergeben. Das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach erhielt, wie angekündigt, auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr die ersten 300 Sturmgewehre des Typs G95. Angesichts des geplanten Aufwuchses der Bundeswehr sollen zudem viel mehr Gewehre bestellt werden als bislang geplant – zunächst wird der Rahmenvertrag auf 250.000 Stück ausgeweitet.
Aus der Mitteilung von Heckler&Koch*, mit dem Datum vom (gestrigen) Donnerstag am (heutigen) Freitag übersandt:
Heckler & Koch hat heute die ersten 300 Sturmgewehre G95KA1 (HK416A8) an die Bundeswehr übergeben. Die offizielle Übergabe erfolgte auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr durch Generalleutnant Heico Hübner, Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres sowie durch Vizeadmiral Carsten Stawitzki (Nationaler Rüstungsdirektor) und markiert
den Beginn der Erstausstattung des Panzergrenadierbataillons 122, das als erster Verband des Heeres mit dem neuen Standardsturmgewehr ausgerüstet wird. (…)
Das G95A1 basiert auf dem HK416 A8 und wurde in enger Abstimmung mit der Bundeswehr weiterentwickelt. Die Standardversion verfügt über einen 16-Zoll-Lauf (406 mm), die Kurzversion KA1 über 14,5 Zoll (368 mm).
Der Hinweis auf die zehnjährige Geschichte dieses Projekts hier ohne weitere Details, das lässt sich alles anderswo auf Augen geradeaus! nachlesen. Für die Zukunft interessanter ist eine andere Aussage von Heckler&Koch:
Mit Beschluss vom 03. Dezember hat der Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestags den Rahmenvertrag von 118.718 auf 250.000 G95A1/KA1 ausgeweitet.
Dankenswerterweise wird damit das Rüstungsunternehmen transparenter als das Verteidigungsministerium, das hatte nämlich in seiner Mitteilung zu den Beschlüssen von Verteidigungs- und dann auch Haushaltsausschus nur lapidar erklärt: Der neue Beschluss ermöglicht nun den Kauf weiterer Exemplare, um die gesamte Truppe schnellstmöglich mit dem neuen Sturmgewehr auszurüsten. Angaben zur Zahl hatte das Ministerium ausdrücklich abgelehnt.
Allerdings ist längst klar, dass die Erhöhung der geplanten Sturmgewehre für die Truppe auf mehr als das Doppelte nur der erste Schritt. Langfristig soll für alle aktiven Soldat*innen und eben auch für alle Reservist*innen diese Waffe zur Verfügung stehen: Nach der derzeitigen Planung bedeutet das 460.000 Stück.
Nachtrag: Auch die Bundeswehr hat inzwischen Fotos von der Übergabe veröffentlicht. Für die Kenner hier eine Nahaufnahme mit ein paar mehr erkennbaren Details:
Nachtrag 2: Mit den Optiken für die neue Waffe läuft es nicht rund, wie die Kollegen von hartpunkt.de berichten (vielleicht ist das ja auch der Grund, dass das Verteidigungsministerium nur so schmallippig über den Umgang mit Steuergeldern Auskunft geben mag):
Nachdem der Bundestag Haushaltsmittel für die Beschaffung von neuen Sturmgewehren und Laser-Licht-Modulen freigegeben hat, sollen nun Beratungen über den Kauf neuer Hauptkampfvisiere folgen. Wie es aus Kreisen des Bundestages heißt, werden die Optiken jedoch mehr als doppelt so teuer als ursprünglich vorgesehen. Ein Hauptgrund dafür sind offenbar im Rahmen der taktischen Einsatzprüfung festgestellte Mängel des Hauptkampfvisieres, die nun durch die Adaption einer zusätzlichen Optik geheilt werden sollen.
Die Aussage darin, die einen außenstehenden Beobachter perplex macht: Insgesamt wird das geprüfte Hauptkampfvisier als „nicht geeignet“ bewertet. Na denn.
*Fürs Archiv die komplette Pressemitteilung von Heckler&Koch:
20251202_Heckler_Koch_Uebergabe_G95
(Foto oben: Übergabe des G95 an das Panzergrenadierbataillon 122 in Grafenwöhr. In der Bildmitte (ohne Gewehr) v.l. Generalleutnant Heico Hübner, stv. Heeresinspekteur, Oberstleutnant Rayk Engel, Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 122, und Vizeadmiral Carsten Stawitzki, Nationaler Rüstungsdirektor – Foto Heckler&Koch; Foto unten: Mario Bähr/Bundeswehr)

Sollen wirklich für *alle* Soldat*innen eine Waffe zur Verfügung stehen ?
Vollausstattung heißt im Zweifel eine Waffe für jeden, der eine braucht.
Das sind aber weit weniger als alle 180.000 heute (laut Schätzungen out there hat die BW ca. 80.000 G36 im Bestand) und werden auch weit weniger als alle potentiell 460.000 sein. Das fängt ja schon beim MG-Schützen an und geht bei Fahrzeugbesatzungen weiter.
Zum Vergleich: Frankreicht hat für den Wechsel von FAMAS zu HK 416 bei einer Gesamtstärke v0n 260.000 (aktiv)+40.000 (Reserve) 117.000 HK-416 (und damit ähnlich viele wie die BW ursprünglich beschaffen wollte) beschafft.
@Osintduck sagt: 05.12.2025 um 10:35 Uhr
„Zum Vergleich: Frankreicht hat für den Wechsel von FAMAS zu HK 416 bei einer Gesamtstärke v0n 260.000 (aktiv)+40.000 (Reserve) 117.000 HK-416 (und damit ähnlich viele wie die BW ursprünglich beschaffen wollte) beschafft.“
Man muss ja nicht alle Fehler, die andere Nationen begehen, kopieren und wiederholen. Die geplante Reserve der Bw braucht auch Waffen und Material. Und das muss im Fall des Falles einfach da sein, nicht nur auf dem Papier, inkl. Umlaufreserve.
Die französische Armee hat noch größere Personalprobleme wie wir. Das finde ich auch nicht erstrebenswert. Die benchmark sollte bei Nationen liegen, die besser aufgestellt sind wie wir, z.B. Finnland.
Positiv finde ich, dass die vorhandenen G36 als Reserve erhalten bleiben und nicht „entsorgt“ oder „verschenkt“ werden.
Auf der offiziellen Seite der Bw finden sich noch mehr Details zum G95, z. B. dass die Masse der Waffen als Kurzversion (KA1) beschafft und ausgegeben werden sollen. Da hat jemand mal mitgedacht, endlich.
@Pio-Fritz sagt: 05.12.2025 um 11:07 Uhr „Man muss ja nicht alle Fehler, die andere Nationen begehen, kopieren und wiederholen. Die geplante Reserve der Bw braucht auch Waffen und Material. Und das muss im Fall des Falles einfach da sein, nicht nur auf dem Papier, inkl. Umlaufreserve.“
Ja, stelle ich nicht in Abrede.
Ich sehe nur nicht, dass Vollausstattung selbst mit Umlaufreserve heißen muss, für jeden Soldaten ein Gewehr vorzuhalten…
Ich glaube mit den 250.000 kommen wir die nächsten Jahre gut aus. Zumal Handwaffen im Zweifel auch relativ schnell geliefert werden könne.
Anderes Beispiel: Norwegen hat für 30.000 aktive+ 20.000 Reserve + 40.000 Heimwehr insgesamt 53.000 HK-416 beschafft.
Mal eine Frage in die Runde, ich finde die Farbgebung der Kunststoff Teile etwas auffällig.
was ist der Grund dafür? Warum dieser Sandfarbige Farbton?
@ TN: „Positiv finde ich, dass die vorhandenen G36 als Reserve erhalten bleiben und nicht „entsorgt“ oder „verschenkt“ werden.“
Ist das so? Das wäre ein bedeutender Lernschritt bei den Verantwortlichen.
Ein paar hundert gelagerte Gepard, Marder oder Leo aus den Kaltekriegs-Beständen – neben den vielen anderen Materialien, die es so braucht – hätten uns und der Ukraine in den letzten Jahren entscheidend geholfen.
Älteres Material sollte gelagert und für alle Fälle verfügbar sein. Für Amerikaner und Russen ist das teilweise Normalität.
Zitat T.N.:
„Positiv finde ich, dass die vorhandenen G36 als Reserve erhalten bleiben und nicht „entsorgt“ oder „verschenkt“ werden.“
Zumal daran ja viele der Reservisten ausgebildet worden sind. Es macht doch Sinn für die Reserve Waffen vorzuhalten, die sie kennen.
Gemeinplatz: MLOK mit langem Handschutz statt Hkey.
Das ist mir neu: Hensoldt statt ELCAN und ein RSA aufgesetzt. Weiß da jemand mehr und darf das auch kommentieren? Dann hat vermutlich doch der Preis eine Rolle gespielt, wenn so viele Gewehre bestellt werden.
Zumindest im Artikel der BW-Webpräsenz steht aber noch das ELCAN in der Beschreibung.
Dem Text nach enstand das Bild während der Übergabe. Trotzdem zur Klärung: Ist das untere Bild älter oder aktuell?
Zur Zahl: 250k klingt nach einer Menge, andererseits scheint man in der Politik hinsichtlich der BW zunehmend auch groß zu planen.
@Andreas
Wahrscheinlich liegt das am Fertigungsprozess und an den verwendeten Materialien. Hab mir aber auch sagen lassen, dass die Farbgebung mit dem Ziel einer reduzierten IR-Signatur gewählt wurde.
Liebe Grüße
Patrick Hoffmann
[Das untere Bild, die Nahaufnahme, entstand nach Angaben der Bundeswehr und nach den Metadaten der Bilddatei am gestrigen 4. Dezember, scheint also den aktuellen Stand zu zeigen. T.W.]
Hartpunkt schreibt, dass das ELCAN Specter DR 1-4x im Vorfeld im Zuge eines Wettbewerbs als Hauptkampfvisier für das künftige Sturmgewehr der Bundeswehr ausgewählt wurde – merken.
Dann wurde eine 25 Mio Vorlage für eben jenes Visier genehmigt. Jetzt wurde eine Kleinserie von ~ 300 Stk. an die Truppe zwecks Nachweisführung ausgeliefert. Einhellige Meinung aller Beteiligten, das Ding kann nicht was es soll. Antwort des Herstellers, das tut uns sehr leid, aber wir haben nix anderes/können nix besseres. Lösungsansatz: Wir nehmen den Ramsch ab und kaufen einfach nochmal für deutlich mehr Geld von jemand anderem etwas was auch funktioniert…
A: Hab ich das richtig verstanden oder steh ich auf dem Schlauch?
B: Wer hat diesen „Wettbewerb“ ausgelobt der ja faktisch die Funktion einer Ausschreibung erfüllt und sich für dieses Modell entschieden?
C: Hat wer/wer hat die Mittel für Leonardo (Auftragnehmer) trotz nicht- /Untererfüllung freigegeben?
Zum Nachtrag 2 und aus dem Artikel bei hartpunkt zitiert:
Wenn die Truppe jetzt also feststellt, dass eine „ […] [d]ie Optik nicht nachtkampffähig und eingeschränkt tagkampffähig [ist]“ und eine Kombioptik sogar schlechter als bereits eingeführte Produkten ist, dann frage ich mich ernsthaft, wer 2017 nach welchen Kriterien eine Auswahlentscheidung traf. Hat man beim BAINBw (war man dort überhaupt verantwortlich?) über die Nutzer hinweg entschieden und gehofft, es möge schon irgendwie gutgehen, oder wie darf man sich das vorstellen? Warum hat man nicht im Vorfeld bereits die Nutzer beteiligt? Oder auf Neudeutsch: „Wtf?!“
Zum Glück hat die Waffe ja ein Notvisier! Wird da jetzt irgendjemand mal zur Verantwortung gezogen? Es ist einfach unfassbar! Wie lange hat es gedauert? Was ist in der Zeit passiert? Wer hat das erprobt?
Wenigstens einen Vorteil hat das G95 jetzt schon gegenüber dem G36, der in allen Diskusionen bisher keine Rolle gespielt hat, die Kompalibität der Magazine, zu denen der AR Reihe und der meisten anderen einegführten Sturmgewehre.6,
Die ist beim G36 ja nicht gegebn, so dass man immer darauf achten sollte, kein Magzin zu verlieren oder unrauchbar zu beschädigen.
Zur Beschaffungsumfang: Wenn man, wie bei anderem Gerät jetzt auf 100% des SOLLS + 40% geht, dann sind die Zahlen plausibel.
@T.W.
Vielen Dank für Ihre Antwort! Dann passt nachfolgende Meldung ja durchaus ins Bild (höhö).
Hartpunkt berichtet im heute erschienenen Artikel „Sturmgewehroptiken werden mehr als doppelt so teuer wie geplant“ von durchaus beträchtlichen Problemen mit besagtem ELCAN Spectre DR. Ich kenne das Visier und hatte das als durchaus brauchbar in Erinnerung. Klar war jedoch von Anfang an, dass das Teil nicht mit den in der BW verwendeten Nachtsichtbrillen kompatibel ist.
Im Artikel klingt es so, als ob das Teil, sry, kompletter Schmutz sei. Das ist einigermaßen wild, vor allem zu diesem Zeitpunkt. Naja, das kann ja noch richtig spannend werden.
Liebe Grüße
Patrick Hoffmann
[Ja, den Hinweis auf diesen Bericht habe ich doch oben nachgetragen? T.W.]
@T.W.
Den Nachtrag haben Sie mglw. eingefügt, während ich meinen Kommentar geschrieben hatte.
Habe ich richtig verstanden: ELCAN komm trotz festgestellter Mängel und als Notlösung wird ein Aimpoint draufgebastelt? Ja moin…
Liebe Grüße
Patrick Hoffmann
Wird das G36 eingelagert? Wenn man es ernst meint mit der Aufwuchsfähigkeit und der Reserve, sollte das doch nötig sein.
G36 ist relativ leicht auszubilden und macht Puff.
Also ich glaube ja, die Farbgebung des neuen Sturmgewehrs wurde zu Zeiten des Afganistan-Einsatzes in dem Forderungskatalog zur Beschaffung eines G36-Nachfolgers festgelegt. Wie schön sich das „leuchtende“ Sandbeige des G95 in die ausgezeichnete Mitteleuropa-Tarnung der Heerestruppe integriert, ist den Verantwortlichen Beschaffern vermutlich erst nach Veröffentlichung der aktuellen „Übergabe“-Bilder in den Medien aufgefallen. Peinlich !
So können künftig Manöverunfälle im Gelände vermieden werden, wenn die Soldaten aufgrund ihrer unübersehbaren Sturmgewehre immer sichtbar bleiben. Ein wenig Sarkassmus sei mir bitte erlaubt
@Wolfgang
Schön finde ich die Farbe auch nicht, aber raten Sie mal, welche Farbe es in der Natur gar nicht gibt. ;-)
Beige ist es nämlich nicht.
Die Waffen sind auch hier besser getarnt als ein schwarzes Gewehr
Ich vermute, dass man „sehr schnell“ erkennen wird wie unpassend die Farbwahl für dieses ansich sicher hervorragende Sturmgewehr in der Anwendung „Landes- und Bündnisverteidigung“ geraten ist. Nach wenigen Zigtausend Exemplaren wird man das ändern. Erfreulicherweise stechen nur Schulterstütze und Magazin derart auffällig aus der Tarnung hervor, sodass ja eine kostengünstige Nachbesserung möglich sein sollte. Darauf kommts jetzt wohl auch nicht mehr an…
Wie sieht dies eigentlich vergaberechtlich mit der Optik aus? Es kann nicht mehr von einem fairen Wettbewerb gesprochen werden, wenn das ausgewählte Produkt die Einsatzprüfung nicht besteht und dann um ein vielfaches teurer wird (und immer noch ungeeignet ist).
Dort müssten doch die unterlegenen Anbieter eine Vergaberüge anstrengen. Oder mal der Bundestag seiner Pflicht nachkommen wirtschaftlich zu handeln und die Vorgabe so ablehnen.
Zumal ein deutscher Anbieter wie auf der diesjährigen EnforceTac gesehen mit einem passenden Produkt bereitsteht. Oder man könnte mehr die EGB’ler Kombination aus EoTech und Magnifier kaufen.
Die Farbfrage erscheint sinnlos, da wir auch das bereits seit 2017 (oder länger, @T.W.?) durchgekaut haben. Schwarz ist keine natürliche Farbe, Farbspray hilft nur bedingt und der IR-Tarnwert scheint erwiesen unterirdisch zu sein. Obige Farben beziehen sich zudem nicht auf den AFG-Einsatz, sondern scheinen den besten Kompromiss darzustellen. Und so ausgezeichnet ist die Tarnung wohl auch nicht mehr, wenn man offiziell auf das neue, hellere Tarnmuster umstellen will ( https://augengeradeaus.net/2025/07/neue-optik-fuer-die-truppe-mittelfristig-multitarn-statt-flecktarn-fuer-alle/ )… Jaja, climate change is a bitch
Warum kriegen nicht alle die kürzere Version?
Weil der etwas längere Lauf zu einer höheren Mündungsgeschwindigkeit führt und somit auf größere Distanz eine bessere Treffergenauigkeit ermöglicht. Auch nicht unwichtig. Das ist schon Sinnvoll so….
@ Y-998201
Ich habe es so verstanden, dass grundsätzlich die kürzere Variante mit dem 14 Zoll-Lauf ausgegeben wird. Das begrüße ich sehr.
Siehe meinen Beitrag vom 05.12. – 11:25 Uhr: Auf der offiziellen Seite der Bw zum G95 wird ausgeführt, dass die Masse der Waffen in der Version KA1 ausgegeben werden sollen, also die kürzere Variante.
@Wolfgang: Nicht jeder Langwaffenträger braucht diese Genauigkeit, sondern abseits der Infanterie ist querschnittlich eine kompakte(re) Waffe für das jeweilige Aufgabengebiet oftmals zielführender. Endlich hat man das erkannt!
@ Wolfgang Das mit der Präzison ist mir bekannt. Nur, warum sollten ausgerechnet Kampfunterstützer die präzisere Waffe bekommen, während die Kampftruppe die Kurzversion bekommt? Für zwei Versionen muß es ja einen triftigen Grund geben. Sonst könnten ja alle die Kurzversion kriegen. Oder wird gemischt?
@Wolfgang: Die Unterschiede zwischen einem 14,5 Zoll und einem 16 Zoll messenden Lauf im Kaliber 5,56x45mm NATO / .223 Remington liegen für ein 4 g (62 gr) schweres Geschoss nach diesem Blogbeitrag eines Waffenverkäufers bei durchschnittlich ±10 m/s Mündungsgeschwindigkeit und etwa 40 J an Geschossenergie. Die Mündungsgeschwindigkeit lag dort bei ~890 m/s aus einem 14,5-Zoll-Lauf und bei ~900 m/s aus einem 16-Zoll-Lauf (zum Vergleich: der Hersteller Metallwerk Elisenhütte GmbH gibt als durchschnittliche V10 für seine NATO BALL / Doppelkern-DM11 A1 925 m/s an, mit einer Schwankungsbreite von ±15 m/s, die Lauflänge wird dabei allerdings nicht angegeben).
Bei einer ohnehin schon rasanten Patrone wie der 5.56x45mm ist bei empfohlener Drallsteigung von 1:12 die ballistische Wundwirkung bei (ungeschützten) Körpertreffern schon aufgrund der schnellen Rotation beim Auftreffen fragmentierenden Mantel gegeben. Für eine wirksame Fragmentation wird eine Geschossgeschwindigkeit von mindestens 820 m/s im Ziel vorausgesetzt. Letztlich reden wir hinsichtlich der Kampfentfernung also über nur einige zehn Meter Unterschied aufgrund der Lauflänge und ein Lauf von 20 Zoll Länge bietet bei einer angenommenen akzeptablen Geschwindigkeit von mehr als ~760 m/s im Ziel gerade demnach mal 65m mehr an effektiver Kampfentfernung gegenüber einem 14,5-Zoll langen Lauf (Quelle wie oben).
Und dann haben wir uns noch gar nicht über Körperschutz unterhalten…
Im Endeffekt glaube ich nicht, dass der Vorteil der größeren Führigkeit sowie die Gewichtsersparnis eines kürzeren Laufs durch die etwas geringere Kampfentfernung ausgehebelt wird. Der Ukrainekrieg zeigt, dass Infanteriekämpfe auf kurze und kürzeste Distanzen die Regel sind. Auf längere Entfernung wird hauptsächlich zum Niederhalten geschossen. Alles andere ist eher etwas für Scharfschützen oder Soldaten mit Designated Marksman Rifles in größerem Kaliber.
Gibts Erfahrungswerte oder Schätzungen, wie lange es (realistisch) dauern wird, bis das auch die Reserve bzw. den Heimatschutz erreicht?
@Metallkopf
Das Geschoß zerlegt sich beim Auftreffen ? Was sagt die HLKO dazu, das ist doch „eigentlich“ verboten, oder ?
Schön zu sehen das diese Beschaffung mal wieder politisch korrekt nicht nach Suhl gegangen ist, trotz der nun schon wieder vor der richtigen Einführung , wir warten mal eins zwei Jahre in der Praxis, aufkommenden Probleme. Aber nun ist es wie bei den Fallschirmen der BW (Rundkappen) Realität und die Truppe muss damit auskommen. Optisch, nun mal nicht von einer einsatzbereiten Optik abgeleitet macht dieses typisch deutsche Gewehr wieder viel her, Im Realen Einsatz kam dann bisher immer die Ernüchterung in der Truppe! Und ja die Länge des Laufes ist wohl zu vernachlässigen. Die meisten Soldaten werden die Genauigkeit des Laufes aufgrund der dafür erforderlichen Übung nie erreichen. Ist wie bei vielen Sportschützen , die haben Waffen die sie selten ausreiten, rüsten immer höher und höher , aber kennen nicht mal eine solide Atemtechnik und Körperhaltung. Aber Warten wir es ab, das Ding muss ja besser sein kommt ja schließlich von HK. Grins
Und die anderen sind alle viel besser, oder was? Was sagen denn die Nationen, die die Waffe auch nutzen? Afghanistan ist nicht am G36 und der persönlichen Ausrüstung gescheitert.
Ich bin etwas irritiert. In den Pressebildern der Bw sieht man deutlich eine ganz andere Optik, als das angesprochene Elcan Spectre DR 1-4x – das auch hartpunkt.de in ihren Bildern zeigt. Wurde die erste „Tranche“ also mit einer anderen Optik ausgeliefert, oder ist die noch aus dem Bestand der Bw vom G36K“X“?
Wenn diese Optik neu ist, warum wurde diese beschafft, wenn Leonardo das Elcan liefern soll? Sehr verwirrend.
Warum das Spectre nicht Dämmerungstauglich sein soll, ist mir auch nicht ganz klar, aber das werden die erprobenden Soldaten genauer wissen. Gemessen am HKV des G36A1 dürfte da deutlich mehr Licht einfallen.
Sollte sich die Untauglichkeit für den Nachtkampf für die Kombination LUCIE mit dem Spectre herausstellen, frage ich mich, warum man stattdessen laut hartpunkt.de fast 600 Millionen € mehr in die Hand nimmt, um diese Fähigkeit bei allen 250k G95 zu gewährleisten.
Natürlich wird ein Teil davon das erhöhte Ordervolumen sein, schließlich hätten 128 Millionen € ~109k Optiken gekauft. Aber das macht nach Dreisatz ~325 Millionen € für 250k Optiken, nicht 720 Millionen – oder sind in dem Budget auch mehr LLM geplant?
Hätte man für das Geld nicht schon eine neue „Off the shelf“-Nachtsichtlösung einkaufen können, die mit dem Spectre kompatibel gewesen wäre? Die Lucies hätte man dann für G36-„Reservisten“ auf Halde legen können. Damit wäre das Gewehr auch(minimal) leichter geworden, denn die 6kg laut Bw finde ich für ein 5.56-Sturmgewehr erstaunlich schwer. Wobei das Spectre DR da seinen Teil dran haben wird, das Ding ist ziemlich klobig.
Vor allen Dingen aber stellt sich doch die Frage, wieviele Nachtsichtgeräte die Bundeswehr überhaupt ausgibt – warum brauchen die Soldaten eine Waffe, die mit einem Gerät funktioniert, das sie im Zweifelsfall eh nicht zur Verfügung haben?
Schlussendlich prognostiziere ich noch: wenn die Bw das LLM am Handschutz montiert, dann haben wir bald wieder eine Diskussion über wandernde Haltepunkte der LLMs, je nachdem, ob der Soldat das Gewehr irgendwo abstützt oder frei stehend schießt – oder das Gewicht des Gewehrs kommt durch einen absurd stabilen Handschutz zustande, den HK quasi aus Wolfram gefräst hat, damit genau diese Diskussion nicht aufkommen kann. /s
Liefert wurde was bestellt wurde! Die Optik wurde Jahrelang getestet und auf Wunsch der BW wurden Änderungen eingearbeitet.
Warum andere Länder mit der Optik klarkommen ist auch erstaunlich. Aber das kennt man ja vom G36 .
Mittlerweile wird ja auch am Kaliber Kritik geäußert. Mal sehen was als nächstes kommt..
Der ukrainische Soldat und Youtuber Valgear, der bekannt dafür ist, Waffen im Ukrainekrieg zu präsentieren und zu reviewen findet das Gewehr „fast perfekt“. Er kritisiert jedoch, dass man die Gaseinstellung nicht vollständig mit einer Patrone vornehmen könne, dass man zum Warten den Handschutz/die Schiene entfernen müsse, was bei einem sich festgefressenen Schalldämpfer nicht ohne Weiteres möglich sei, und den Winkel, in dem Kimme und Korn angebracht sind. Zudem habe er wenig Vertrauen in den Nachladehebel, weil beim Haenel ein ähnlicher verbaut sei, dessen Plastiküberzug zerbrochen sei.
Letztendlich habe ein französischer Kamerad aus der Fremdenlegion, die mit dem Gewehr vertraut sei, sofort mit einem Kabelbinder den Mag-Release linksseitig arretiert, damit dieser nicht unbeabsichtigt betätigt werde. https://www.youtube.com/watch?v=kHsYpCsXwh4