Neue Optik für die Truppe: „Mittelfristig“ Multitarn statt Flecktarn für alle
Die Bundeswehr soll in den nächsten Jahren vollständig mit Feldanzügen im Tarnmuster Multitarn ausgerüstet werden, das das seit Anfang der 1990er Jahre eingeführte Flecktarn-Muster ablösen wird. Bislang wurden nur die Spezialkräfte damit ausgestattet. Das Verteidigungsministerium bestätigte, dass eine mittelfristige Umstellung auf den Multitarn-Druck geplant sei. Damit entfällt auch die bislang für unterschiedliche Klimazonen vorgesehene Ausstattung mit Fünffarb- oder Dreifarb-Flecktarn.
Über die geplante Ausrüstung aller Soldaten und Soldatinnen mit Einsatz- und Kampfbekleidung im Multitarn-Muster hatte am (gestrigen) Mittwoch zuerst das Fachportal hartpunkt.de berichtet. Auf Nachfrage von Augen geradeaus! erklärte das Verteidigungsministerium dazu am (heutigen) Donnerstag in feinster Bürokraten-Prosa:
Das BMVg plant derzeit auf der Grundlage des neu festgelegten Gesamtumfangs der Streitkräfte auf 460.000 die bedarfsgerechte Ausstattung der Soldatinnen und Soldaten mit entsprechender Kampfbekleidung aus. Dazu werden wir die kurzfristige Beschaffung zur signifikanten Erhöhung der Kampfbekleidungsbestände einleiten. Außerdem werden wir die langfristige Versorgung und Regeneration dieser Artikel einschließlich einer damit verbundenen mittelfristigen Umstellung auf den Multitarndruck vertraglich absichern. Belastbare Zeitlinien und Angaben zu Kosten können aufgrund des laufenden Prozesses noch nicht mitgeteilt werden.
Die wesentliche Aussage darin ist, dass mittelfristig Multitarn das neue Standard-Tarnmuster der Truppe wird. Dieses Muster war vor einem Jahrzehnt vom Bundeswehr-eigenen Wehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) entwickelt worden. Der große Vorteil: Multitarn soll für verschiedene Vegetations- und Klimazonen genutzt werden können. Die gesonderte Beschaffung von Uniformen, Taschen und Zubehör in zwei verschiedenen Mustern ist damit nicht mehr nötig.
Wie das Muster Beispiel im – damals noch laufenden – Afghanistan-Einsatz wirkte, hatte das WIWeB im vergangenen Jahrzehnt auch praktisch erprobt (ganz rechts Multitarn, ganz links der Feldanzug im Dreifarb-Flecktarn):
Die bisherige Ausstattung nur der Spezialkräfte mit Multitarn-Uniformen hatte aus der Truppe, auch aus den Spezialkräften selbst, Kritik laut werden lassen. So wurde befürchtet, dass Soldaten vom Kommando Spezialkräfte oder den Kampfschwimmern der Marine in einer Gruppe schnell zu identifizieren seien, weil sich ihre Uniform von der anderer deutscher Soldaten unterscheidet.
Das Verteidigungsministerium hatte dagegen bis vor kurzem an den beiden bisherigen Flecktarn-Mustern festgehalten – und in dem Zusammenhang ist interessant, welche Antwort die gedrechselte Antwort der Abteilung Rüstung sorgsam vermeidet: Meine Frage, was zu einer anderen Haltung im Ministerium geführt habe, wurde gar nicht erst ignoriert.
Das mag damit zu tun haben, dass aus dem Wehrressort kolportiert wird, der größte Gegner des Multitarn für alle sei bisher Vizeadmiral Karsten Stawitzki, Leiter der Rüstungsabteilung. Von ihm ist die Aussage überliefert, es habe schließlich auch gute Gründe, warum es für Autos Sommer- und Winterreifen gebe und nicht alle Ganzjahresreifen führen. Der Bereich Rüstund und Innovation soll künftig neu einem Staatssekretär unterstellt werden.
Der Abschied vom bisherigen Flecktarn hat für die Bundeswehr auch noch einen weiteren Vorteil: Die Eigenentwicklung bedeutet auch, dass der Bund die Urheberrechte an diesem Tarnmuster hat. Kopien werden damit zwar nicht völlig ausgeschlossen – aber das Ministerium kann rechtlich dagegen vorgehen.
Dazu passt auch, dass die Technischen Lieferbedingungen für den Multitarn-Druck, also die Vorgaben für Herstellerfirmen, brandneu aktualisiert am 28. Juli, nicht öffentlich sind. Für die Nerds gibt es aber hier die – 2023 ausgelaufene – alte TL-Version:
TL-8305-0345-Multitarndruck
(Archivbild: Ein 2019 in der Ausbildungsmission in Niger eingesetztzer Kampfschwimmer der Bundeswehr im Multitarn-Kampfanzug, aufgenommen beim Besuch der damaligen Verteidigungsministerin Annette Kramp-Karrenbauer in Westafrika)

Wahnsinn. Was auch immer mittelfristig bedeutet, aber Fakt ist das die Truppe aktuell flächendeckend mit nagelneuen Flecktarn KBS ausgerüstet wird…
[Hm ja. Weil vor kurzem bestellt wurde, so wie ich das verstehe. T.W.]
Das heißt jetzt nicht, dass sofort alle Uniformen etc. getauscht werden, sondern nur, dass ab Tag X Multitarn ausgegeben wird. Die Umrüstung von steingrau-oliv auf 5-FT hat sich seinerzeit auch Jahre gezogen. Insofern sind die neuen Sätze KBS sogar gut, weil sie bestehende Lücken schließen, bis sie ihrerseits dann irgendwann mal ausgetauscht werden.
Mit dem vorhandenen Fünffarb-Flecktarn hat man doch eine auf europäische Bedingungen und damit auf das für mindestens ein Jahrzehnt wahrscheinlichste Szenario optimierte Lösung. Welches militärische Argument spricht denn dafür, diese durch eine für Mittel- und Osteuropa weniger optimale Lösung zu ersetzen?
„Meine Frage, was zu einer anderen Haltung im Ministerium geführt habe, wurde gar nicht erst ignoriert.“ (TW)
„Wurde gar nicht erst beantwortet“ oder „wurde ignoriert“….
Ist eins von beidem gemeint?
[Beides :-) T.W.]
Die Einführung des Multitarndrucks durch das BMVg wirkt vor dem Hintergrund der von der Bundeswehr bewährten Flecktarnmuster als fragwürdiger und teurer Schritt. Die bisherigen Muster erfüllen die Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung seit Jahrzehnten zuverlässig und sind perfekt auf die mitteleuropäischen Gelände- und Vegetationsverhältnisse abgestimmt. Eine großflächige Umstellung auf ein neues Tarnmuster, dessen taktischer Nutzen nicht überzeugend nachgewiesen ist, bremst darüber hinaus die pragmatische und ressourcenschonende Ausrüstung der Streitkräfte.
Die Umstellung bindet erhebliche Mittel aus dem Sondervermögen, die angesichts anderer dringender Beschaffungen und Modernisierungsbedarfe besser und effizienter eingesetzt werden könnten. Dieses Vorgehen lässt den Eindruck entstehen, dass finanzielle Mittel ohne klare Priorisierung und realistische Bedarfsanalyse ausgegeben werden – verbunden mit einer überhöhten Selbstwahrnehmung des BMVg und einem Mangel an pragmatischem Kostenbewusstsein.
Zwar bringt der neue Multitarndruck durch die Eigenentwicklung urheberrechtlichen Schutz, der vor Nachahmungen schützt, doch dieser Vorteil ist kein Ersatz für die entscheidende militärische Wirksamkeit der Tarnung. Studien zeigen, dass der Multitarndruck in vielen Umgebungen keinen eindeutigen Vorteil gegenüber der bewährten Flecktarn-Tarnung bietet. Zudem gehen mit der Umstellung organisatorische Komplexität sowie potenzielle Akzeptanzprobleme unter den Soldaten einher.
Insgesamt wirkt das Vorhaben, das vor allem vom BMVg vorangetrieben wird, zu schnell und ohne ausreichende pragmatische Abwägung. Statt auf kostspielige Komplettumstellungen zu setzen, sollte die Bundeswehr bewährte Systeme modernisieren und gezielt weiterentwickeln. Eine realistischere Einschätzung der Bedarfe und eine sparsamere Verwendung der verfügbaren Mittel würden der Truppe nachhaltig mehr Nutzen bringen als das derzeitige Vorgehen.
[Ihre Aussage „Studien zeigen, dass der Multitarndruck in vielen Umgebungen keinen eindeutigen Vorteil gegenüber der bewährten Flecktarn-Tarnung bietet“, lässt mich aufhorchen. Ich kenne die nicht, etliche andere vielleicht auch nicht, bitte Quellen angeben. Außerdem bitte erläutern, inwiefern die mittelfristige Umstellung „erhebliche Mittel aus dem Sondervermögen“ bindet, das ja 2027 aufgebraucht sein dürfte. Danke. T.W.]
Wo ist das Problem, die KSKler zusätzlich mit Flecktarn auszurüsten? Stechen die nicht schon durch Auftreten, Bewaffnung und Ausrüstung hervor?
Das neue Tarnmuster ist für semi-aride Gegenden gut geeignet – weniger jedoch für Nord- und Mitteleuropa. Das ist viel zu hell.
Warum gehen die Entscheider im BMVg immer den unklugsten Weg?
Eigentlich doch wieder ein dramatisches Zeichen dafür das die Bundeswehr nicht verantwortlich mit Steuerzahlergeld umgehen kann.
Als vor einigen Jahren die Vollausstattung an Persönlicher Ausrüstung beschlossen wurde und für knapp 2,5 Milliarden Euro neue KBS bestellt wurden… da war genau diese Diskussion offen ob man die gesamte Bundeswehr nicht im Multitarn der Spezialkräfte bei dieser Gelegenheit einkleiden sollte. Hat man sich dagegen entschieden und das alte 3 und 5 Farben Flecktarn bestellt.
Das sind jetzt 2,5 Milliarden Euro die man als Kiloware bei der Vebeg verkloppen kann.
Ich will gut ausgerüstete Soldaten und die sollen auch das beste bekommen aber trotzdem können die Verantwortlichen sich ab und an darüber bewusst sein das sie Geld ausgeben das die Bürger schwer erschuftet haben.
Soll die Opposition mal einen U-Ausschuss einberufen und aufdecken wie viel Steuergeld da jetzt verbrannt wurde. Nur weil die Bundeswehr nächstes Jahr 108 Milliarden Euro bekommt muss man die Kerzen auf’m Weihnachtsbaum nicht mit 100€ Scheinen anzünden.
Wer weiss, wer diese staatstragende Debatte geführt hat. Es wirkt wie die „Kritik“ am G36, die auch von überall her kam aber nicht von denen, die es nutzen. Wer auch immer etwas am bisherigen, durchaus identitätsstiftenden Tarnmuster auszusetzen hatte, sodass dieses nun gegen eines ausgetauscht wird, das eigenem Bekunden nach nirgends besonders gut ist.
Und wenn es maßgeblich um die Befindlichkeiten der speziellen Spezialkräfte ging, dann erscheint es zumindest mengenmäßig und fiskalisch merkwürdig, dass sich künftig so bummelig 458.000 Soldaten an vielleicht 2.000 Soldaten und deren Tarnmuster auszurichten haben.
Unterm Strich sind wir wieder mal 20 Jahren zu spät. Wer z.B. schon das neue Tarnmuster der NLD-Streitkräfte gesehen hat weiss, wieso.
Es hieß doch immer, dass das Ministerium die startegische Ebene wäre, also langfristig die Weichen stellen würde.
Als also vor ca. zwei bis drei Jahren die Entscheidung fiel, dass alle Uniformierten mit KBS ausgestattet werden, hatte das BMVg noch keine Ahnung, dass 2025 die Entscheidung fallen würde, zukünftig alles in Multitarn zu beschaffen.
Unter langfristigem Planungshorizont verstehe ich etwas anderes. Aber es paßt ins Gesamtbild.
man sieht im aktuellen Ukraine Konflikt, dass die Tarnung der Uniformen mittlerweile so gut sind, dass man sich wieder mit unterschiedlich Farblichen Panzertape beklebt um sich noch unterscheiden zu können.
Wird sicher in einem Zukünftigen großrahmigen Konflikt nicht anders werden
Nebenkriegsschauplatz.
Anti-Drohnen-Schutz wärst doch, oder ?
Eine sehr fragwürdige Umstellung der BW-Tarnung, ein Zeichen für schlechte Planung und Ressourcenverschwendung! Hat die BW nun schon zu viel Geld? Neigt man zur Verschwendung?
Die Entscheidung, ein bewährtes und praxiserprobtes Tarnmuster durch ein Ersatzmuster zu ersetzen, das sich für zentrale Einsatzgebiete als weniger geeignet erweist, wirft ernsthafte Fragen auf. Es wirkt, als folge diese Maßnahme vor allem den Präferenzen einer zahlenmäßig sehr kleinen Eliteeinheit, während die Mehrzahl der Soldaten mit anderen Szenarien konfrontiert wird.
Aus finanzieller Sicht erscheint es wenig nachvollziehbar, dass ein Mammutprojekt mit Ausgaben in Milliardenhöhe eine so grundlegende Änderung erfährt, deren Nutzen für das Gros der Truppe höchst zweifelhaft ist. Das parallele Festhalten an umfangreichen Investitionen in persönliche Ausrüstung, ohne dass frühzeitig klar war, ob eine solche Umstellung gewollt ist, deutet auf eine mangelhafte strategische Planung hin.
Die vorliegenden Tarnmuster sind an die spezifischen klimatischen und geografischen Bedingungen in Europa angepasst und gewährleisten damit einen hohen Grad an Funktionalität für die Allgemeinheit. Ein Wechsel zu einer weniger optimalen Lösung bedeutet nicht nur eine Vergeudung knapper Mittel, sondern sendet auch ein schlechtes Signal hinsichtlich der Verantwortlichkeit gegenüber dem Steuerzahler.
Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, den gesamten Beschaffungsprozess kritisch zu hinterfragen und aufzuklären, welche Entscheidungen mit welchen Kosten verbunden sind. Gerade angesichts des großen Budgets, das der BW zukünftig zur Verfügung steht, ist Besonnenheit und eine vorausschauende Ressourcenplanung unerlässlich.
Die BW sollten in der Folge nicht nur technologisch. personell und materiell gut aufgestellt sein, sondern auch verantwortungsvoll mit öffentlichen, also unseren Geldern umgehen. Es ist unser aller Steuergeld, die Zeiten werden für uns alle hart, wenn man so wirtschaftet.
Die jetzigen Uniformen sind für den Alltagsdienst in der Kaserne ok. Aber für den Gefechtsdienst längst nicht mehr auf dem Stand der Zeit. Allein die tollen schwarzen Druckknöpfe…
Die neue Farbgebung finde ich gut. Auch Schnitt, Taschen, usw. sind wesentlich zweckmäßiger. Für die Nörgler: Schon mal was von tarnen gehört? So natürliches Material aus der Einsatzumgebung auf dem Helm, oder ein Umhang (im Schnee oder beim Häuserkampf), usw. Und neuerdings auch zum Schutz vor vorzeitiger Aufklärung durch Nachsichtgeräte.
Schaut euch doch mal die Bilder aus den Kriegszonen an: Nach drei Tagen im Schlamm oder unter Artilleriebeschuss ist drumherum doch eh alles braun und grau.
@all
Langsam wundere ich mich doch über die zunehmenden Behauptungen der irren Ausgaben. Von „Ausgaben in Milliardenhöhe“, gar die Aussage „aus dem Sondervermögen“ vergeudet…
Da werden Uniformen bestellt, die eben nicht mehr in 5Farb/3Farb-Flecktarn hergestellt werden, sondern in Multitarn. Das ist jetzt warum Milliarden teurer? Weil der Multitarndruck teurer ist oder was stützt diese Behauptungen?
(Nichts gegen Meinungen, aber sehr viel gegen tendenziöse Falschbehauptungen.)
In der aktuellen Debatte um die BW-Ausgaben fällt nun ein Thema auf: die flächendeckende Umstellung auf das neue Multitarn-Tarnmuster bis 2029. Auf den ersten Blick klingt das wichtig, taktisch sinnvoll und modern. Doch wenn ich genauer hinsehe, offenbart sich ein anderes Bild – eines, das extrem viele Fragen aufwirft.
Fast alle Soldaten sollen also mit dieser neuen Kampfbekleidung ausgestattet werden. Das sind immense Mengen – und damit auch immense Kosten, die vermutlich dann doch schnell in den mehrsteligen Millionenbereich gehen. Das BMvg hält sich zu konkreten Zahlen bedeckt, doch für mich ist klar: Von erheblichen Mehrkosten allein für das Tarnmuster ist auszugehen. Diese Umstellung ist Teil eines großen Modernisierungsprojekts, bei dem die Kosten schnell außer Kontrolle geraten könnten.
Was mich besonders irritiert: Die BW hat erst vor Kurzem neue Bekleidungssätze eingeführt. Viele Soldaten verfügen also über funktionierende und relativ neue Uniformen – die jetzt womöglich vorzeitig „überholt“ sein sollen, nur damit ein modisches Tarnmuster eingeführt werden kann. Ob das wirtschaftlich sinnvoll ist, das bezweifle ich stark.
Außerdem sind die praktischen Vorteile des neuennMultitarns im Vergleich zum bewährten Flecktarn für mich keineswegs schlüssig. Kritiker aus dem militärischen Bereich weisen schon jetzt darauf hin, dass an ganz anderen Stellen der BW deutlich dringender Handlungsbedarf besteht: Es mangelt an Ausrüstung, Munition, Digitalisierung – und vor allem an Personal. Dass trotzdem hunderte Millionen Euro für neue Uniformen ausgegeben werden, empfinde ich als fehlgeleitet und angesichts der tatsächlichen Lage der BW geradezu absurd.
Erfahrungen anderer Armeen zeigen mir, dass eine Tarnumstellung zwar Vorteile bringen kann, die Effektivität auf dem Gefechtsfeld aber nicht überdeutlich steigt. Viel wichtiger sind Ausbildung, Ausstattung und Taktiken vor Ort. Gelder für ein Tarnmuster auszugeben, während an anderer Stelle Not am Mann ist, halte ich für eine falsche Priorität.
Zusätzlich gibt es noch die neuen Ausgehuniformen, die mit vermutlich 825 Millionen Euro zu Buche schlagen – ein Luxus, der meiner Meinung nach angesichts der realen Bedürfnisse der Truppe auch völlig fehl am Platz ist.
Für mich steht deshalb die Frage im Raum: Ist die teure Multitarn-Umstellung wirklich mehr als eine symbolische Maßnahme, die sich gut in Broschüren macht, oder schlicht ein Prestigeprojekt auf Kosten echter Einsatzfähigkeit?
Ich erwarte eine ehrliche, transparente Kosten-Nutzen-Analyse und eine klare Priorisierung der dringendsten Bedarfe der Truppe – statt teurer Tarnmuster-Innovationen, deren Mehrwert für mich vollkommen unklar bleibt.
Milliarden öffentliche Gelder sind kein Spielball für von oben verordneter Entscheidungen, sondern müssen in echte Kampfkraft unserer BW investiert werden.
[Letzte Warnung: Die wiederholte unbelegte Behauptung, dass mit dieser Entscheidung zusätzliche Kosten anfallen würden, nehme ich jetzt einfach nicht mehr hin. Das hat langsam was von PsyOps-Versuchen. T.W.]
Einen taktischen Grund für den Sinneswandel schließe ich aus, der Verweis auf Kommandokräfte ist nicht der Rede wert.
Es bleiben für mich lediglich 2 Gründe die ich für möglich halte. Unwahrscheinlich aber möglich ist das Problem das Sondervermögen auszugeben. Schafft die Industrie in ausreichender Menge zu liefern? Wenn nicht, dann hilft ein Vertrag über eine halbe Million Bekleidungssätze sehr gut.
Meine favorisierte These ist die große Zeitenwende, ein abschneiden alter Zöpfe, eine riesige PR Kampagne. Neue Fahrzeuge, neue Infrastruktur, neue Uniformen… In der Hoffnung auch neue Soldaten zu generieren, den die fehlen.
Optisch gefällt mir das Multicam übrigens besser, aber das sollte kein Beschaffungskriterium sein.
Sehr gespannt bin ich auf die Schnittmuster, da wäre grundsätzlich noch etwas Luft nach oben, auch wenn der KBS schon wirklich sehr gut ist.
90% der Ausrüstung meines „Kampfbekleidungsatzes“ liegt noch eingeschweißt im Spind, weil das Zeug meines Erachtens nicht brauchbar ist. So ist das bei fast allen meiner Kameraden. Und wenn ich die Sachen dann in den nächsten Jahren originalverpackt abgeben darf, dann können die erstmal zum Kilopreis verramscht werden weil das Ministerium nicht in der Lage ist, solche Entscheidungen zu treffen bevor man hunderttausende Bekleidungssätze bestellt.
@all
Letzte Warnung: Die zunehmenden Versuche, die Entscheidung für Multitarn als Millionen-, wenn nicht Milliardenausgabe zu behaupten, ohne diese Behauptung zu belegen, nehme ich jetzt nicht mehr hin.
Es mag gute Gründe gegen das neue Tarnmuster geben, aber es wird ja nicht deswegen teurer, weil es ein anderes Muster ist.
Die zunehmenden Behauptungen kommen mir langsam wie PsyOps-Versuche vor, und ich schiebe dem einen Riegel vor. Wer jetzt noch behauptet, es würde so viel teurer, belegt das bitte. Genauso wie die „Studien“, die die Wirkungslosigkeit von Multitarn zeigen sollen – mir ist ziemlich egal, welches Muster ausgewählt wird, aber ich lasse mich hier nicht vorführen.
@ MrDiversity
Schnitte, Taschengrößen, Druckknöpfe u.ä. sind hier nicht das Thema, es geht um das Tarnschema.
Und wenn das Tarnschema am Ende sowieso egal ist, wie Sie sagen, oder farbige Bändchen angebracht werden, wie sich ein anderer einließ, dann kann man ja wieder zum Moleskin-Anzug zurück.
@ T.W.
Durch die Umstellung des Tarnmusters werden bestimmte Ausrüstungsgegenstände, die im 5TD-Schema beschafft werden, ausgetauscht werden müssen. Weil das Schema aus der Nutzung geht. Hätte man es beibehalten, wäre ein Tausch nicht notwendig gewesen. Wieso sollte dies kostenneutral sein?
[Das ist genauso logisch wie die Behauptung, mit Einführung des 3TD-Schemas hätten die 5TD-Ausrüstungsgegenstände ausgetauscht werden müssen… T.W.]
Die Späschlforcisierung der Truppe. Eine Rückkehr zu einer feldgrauen Uniform, die bei Bedarf mit der Umgebung entnommenem/angepassten Tarnmaterial verfeinert werden kann dürfte kaum schlechtere Tarnwirkung erzielen. Najooo.
Der „Erbsensuppen“ Anzug ist in die Jahre gekommen. Maße (ja, Menschen haben sich verändert), die Anforderungen an das Material, die Druckknöpfe….ja, der „normale“ Kampfanzug ist durch.
Und da man eh neu beschaffen muss, denn auch die ganzen „neuen“ Flecktarn-Anzüge wurden nicht 1994 hergestellt und dann seit 30 Jahren gelagert, sondern die werden Stück für Stück ein und durchgeschleust.
Jetzt gibt es also geänderte Schnitte und anderen Stoff (vereinfacht gesagt), der genäht wird.
Ja, auch der „gemeine Landser“ will mal etwas schicker sein – so wie damals…
Ich erinnere mich noch an das Geschisse, das gemacht wurde, weil die „unsachgemäße Wäsche zuhause“ die „thermischen Tarneigenschaften“ beeinträchtigen würden. Also wurde alles zur Standortwäscherei geschafft, die den Mengen nicht Herr werden konnte und das schnelle Aubleichen ließ auch auf eine wenig „spezialisierte“ Wäsche schließen.
Ja, damals, in den 90ern, mit der StoV und dem anwesenden „Fachpersonal“…. ;-)
Dennoch: Bei normalem „Getausche“ und Verschleiß, wird in kurzer Zeit die gesamte Menge aufgesogen und durch die neue Version ausgetauscht sein.
So ging es mit den alten Kampfstiefeln, dem Moleskin-Anzug, diversen „Knitterfreien“, Rucksäcken etc.
Ja, es wird etwas teurer, als „normal“, denn wer will schon im alten Anzug auftauchen, wenn er den Neuen haben könnte, aber da wird dann quasi einmal direkt alles getauscht und nicht sikzessive. So war es jedenfalls „damals“ und auch Soldaten sind eitel.
Auf 5 Jahre dürfte urch den darauf folgende langsamere Nachtausch, die Aktion quasi kostenneutral (abgesehen von der allgemeinen Preissteigerung und der Preissteigerung zum „Tarnfleck“) sein.
Ich verstehe daher den Aufruhr nicht.
Stichwort Tarnwirkung. Zuerst muss zwischen Tag (Auge) und Nacht (IR) unterschieden werden. Tagsüber dann in die Jahreszeiten. Und in stationär/beweglich. Tagsüber nimmt das Auge menschliche Bewegungen dunkler Objekte intensiver wahr, als die heller Objekte. Das heisst helle Tarnmuster tarnen grundsätzlich besser in Bewegung. Vorteile hat Multitarn daher in bebautem Gelände und beweglichen OHK. Ausserdem im Winter. Und – je nach Bodenart – in Schutzengäben. Flecktarn hat Vorteile im sommerlichen (!) Wald (!). Gerade dort findet ein Grossteil des Übungsbetriebs statt, von Einzelkämpferlehrgang bis Biwakage. Aber – das zeigt die Ukraine – die Masse der Kampfhandlungen werden sich in Ortschaften verlagern. Ausserdem wird ganzjährig gekämpft, also auch ausserhalb der Vegetationsphase. Multitarn hat außerdem Vorteile in ariden Regionen. Damit überwiegen die Vorteile, wenn es um ein ganzjähriges Grundmuster geht. Nur im Sommer und begrünten Flächen hat Flecktarn Vorteile und hier vor allem statisch. Gerade das aber sind Szenarien, die hinter urbanes Gelände und mobile Gefechte zurücktreten. Da man aber stationär sich leichter abtarnen kann und der Sicht entziehen, hat auch im Sommerwald ein Tarnmuster Vorteile haben, dass bei stationärer Verwendung zu hell ist. Es handelt sich bei Querschnitts-Tarnmustern immer um kompromisse, wobei das Pendel mit Multitarn von Wald+stationär eben zu Bebaut+mobil schlägt.
Für die Bundeswehr auch wieder typisch, dass was spezielles entwickelt wurde, statt auf schon vorhandene Muster zurückzugreifen.
Gerade auch bei den EU-Armeen würde ich mir eine Vereinheitlichung der Kampfanzüge wünschen. So könnte man sich auf wenige Tarnuniformen einigen, welche die gängigsten Vegetationszonen abdecken und trotz dieser Spezialisierungen noch in hoher Stückzahl beschaffen.
@TW was gibt es denn da zu belegen? Wenn querschnittlich eine neue Tarnung eingeführt wird, dann wird früher oder später das ganze Material in 5FTD ausgesondert werden müssen. Da alleine die derzeitige Beschaffung des KBS 2,4 Mrd kostet und jetzt noch Sätze für 460T Soldaten + Umlaufreserve beschafft werden sollen, kann man sich vorstellen wie viel Geld da verschwendet wird.
Das war bei der Umstellung auf Flecktarn auch nicht anders, da wurde ja auch nicht die letzte Bluse in steingrau-oliv weiter getragen bis sie verschlissen war, sonst würde heute noch die Hälfte damit rumlaufen. Das Zeug wurde in Massen ausgesondert. Nur dass der Soldat damals noch bei weitem nicht so viel und so teures Material hatte und nicht zwei Jahre vorher ein komplett neuer Bekleidungssatz beschafft wurde. Dieser Kritik „Psyops“ zu unterstellen, ist ja schon reichlich absurd.
@TW
Natürlich ist es zumindest ein Millionengrab. Was geschieht mit der Bekleidung in FT, die bei der BwBM im Lager liegt ? Weshalb hat man nicht vor Jahren umgestellt bevor FT nachbeschafft wurde ? Was ist mit den anderen Ausrüstungsgegenständen in FT, werden die auch umgestellt ?
Übrigens, die „neuen“ Dienstanzüge laufen zu, der Status (Teil-) Selbsteinkleider soll wegfallen.
wenn ich als ziviler Arbeitnehmer neue Schnürsenkel für meine Arbeitsschuhe benötige, bekomme ich nicht etwa neue Schnürsenkel, sondern direkt ein neues Paar Schuhe. Egal in welchem Zustand die „alten“ sind.
„Dieses Vorgehen lässt den Eindruck entstehen, dass finanzielle Mittel ohne klare Priorisierung und realistische Bedarfsanalyse ausgegeben werden – verbunden mit einer überhöhten Selbstwahrnehmung des BMVg und einem Mangel an pragmatischem Kostenbewusstsein“
ISSO.
In ein dysfunktionales System immer mehr Geld reinzuwerfen bringt halt null Komma null mehr Effizienz.
Naja das hier manche Kommentatoren wieder von „Milliardengrab“ schwadronieren, von Steuerverschwendung reden und dem BMVg gleich jedliche Kompetenz in allem absprechen und ist natürlich Unfug.
Aber das die ganze Umstellung zum „Nulltarif“ zu bekommen ist wie hier der Hausherr so wehement behauptet kann doch auch nicht ganz richtig sein. Kleines Bespiel: Nicht alle Ausrüstungsgegegenstände in 3/5-Farb verschleissen gleich schnell und werden somit auch nicht ganz natürlich durch Umlauf ersetzt. Meine 5 Farb Magazintaschen werde ich sicher nicht noch im Jahre 2040 Tragen weil die Teile einfach nicht weggammeln wollen sondern die werden zum Zeitpunkt X Neubeschafft und somit entstehen Mehrkosten.
Aber ich denke wir reden hier alles in allem von nem zweistelligen Millionen Betrag und nicht von den Fantastilliarden mit denen hier mancher Kommentator um sich wirft.
[Darauf wollte ich hinaus. Nicht Nulltarif, aber eben auch nicht Milliarden Euro. T.W.]
Diesen Ansatz haben selbst die progressiven skandinavischen Länder verworfen, da ein Tarnmuster eben immer auch ein „nationaler Fingerabdruck“ sind. So wurden zwar Stoff, Schnitt etc. vereinheitlicht, die verschiedenen Tarnmuster der Länder aber beibehalten – was übrigens von vielen begrüßt wurde.
@zKf mit Verlaub, aber Sie erzählen doch Quark.
Wenn ich als ziviler Beamter neue Schnürsenkel für meine Sicherheitsschuhe brauche, dann bekomme ich genau das: ein Paar Schnürsenkel.
Zum eigentlichen Thema: es zeichnet sich ja seit Jahren ab, das zunehmend Multicam, dessen derivate oder davon abgeleitete Eigenentwicklungen genutzt werden. Dass die Bundeswehr nun mit Multitarn „nachzieht“ ist doch nur die logische Folge dieser Entwicklung. Unnd wie ein anderer User schon schrieb: nach 3 Tagen im Schlamm sieht eh alles gleich aus ;-)
Seit mehr als 10 Jahren überfällig. Nach jahrelanger Eigenbeschaffung von Ausrüstungsgegenständen bis hin zum „Zertifizierten Warenkorb“ sollte sich eine zeitgemäße Uniform/Kampfanzug schon lange im Besitz der Soldaten befinden.
Also, die Bundeswehr stellt auf das neue Multitarn-Tarnmuster um – ab 2028/29 soll’s überall zum Einsatz kommen. Warum teurer als Flecktarn? Ganz einfach: Statt fünf Farben hat Multitarn sechs – klingt wenig, aber macht Druck und Herstellung ziemlich komplex. Dazu kommen hellere und vielseitigere Farben, die in verschiedenen Landschaften und sogar in Städten besser tarnen sollen.
Und dann noch der Infrarot-Kram: Multitarn ist so gestaltet, dass es auch vor Nachtsichtgeräten schützt – da braucht’s spezielle Pigmente, die nicht nur den Druckaufwand, sondern auch die Kosten ordentlich nach oben treiben.
Das Ganze ist Teil eines großen Modernisierungsprojekts der Bundeswehr mit rund 2,4 Milliarden Euro, in dem auch neue Schutzwesten und Ausrüstung stecken. Multitarn selbst frisst davon einen Teil im mehrstelligen Millionenbereich – genau wissen tut man’s nicht, das BMVg hält sich da bedeckt.
Fazit: Multitarn kostet mehr, weil’s technisch aufwendiger und vielseitiger ist. Lohnt sich aber, weil die Truppe so besser getarnt und geschützt unterwegs ist – und das ist den Aufpreis definitiv wert. Fertig!
@ Bow
Guter Beitrag, sehe das auch so.
Dieser Antwortenstrang ist so stereotypisch deutsch, es geht gar nicht „deutscher“. Dies hier ist das Land in dem Meckern/Motzen Volkssport Nummer 1 ist. Gibts kein Geld wird gemeckert, gibts Geld wird gemeckert. Scheint also alles relativ normal zu sein. /sarc
Was die Namensgebung der Kaserne in Lüneburg angeht, so hat man leider regionale Beispiele militärischer Exzellenz nicht berücksichtigt. Vor dem Hintergrund des Gefechts bei Lüneburg 1813 hätte sich eine Wilhelm von Dörnberg-Kaserne in der Stadt angeboten, zumal der Name „Dörnberg-Kaserne“ auch einen angemessen militärischen Klang hätte.
[Tatsächlich. Und Dörnberg trug Multitarn, oder warum hier? T.W.]
@Kanonenonkel:
ich habe keinen Zweifel, bzw Hoffnung, daran das es an anderen Dienststellen anders läuft.
Ich kann nur für meine sprechen, und diese ist groß.
Einig sind wir uns aber hoffentlich das die Bundeswehr Steuerverschwendung im höchstmaß betreibt.
Das erkennen Sie zügig wenn sie schon mal in der privaten Wirtschaft gearbeitet haben. oder eben nicht wenn sie wie viele Beamte nie etwas anderes wie die Bundeswehr kennengelernt haben oder wenn sie den Komfort nutzen und das Gehirn an der Wache abgeben und zum Dienstschluss wieder abholen.
@Uniform: Multicam ist eben „in“, kostet im Kontext nicht allzu viel, aber Kleinvieh macht eben auf ne Menge Mist.
@Julian
Wieso sollte der gesamte KBS SK ausgesondert werden müssen nur weil man auf ein neues Tarnmuster umstellt? Die MOBAST und der Rucksack bleibt sowieso steingrau-oliv, die Handschuhe, der Kälteschutz, die Unterziehweste etc. etc. dass bleibt doch alles gleich weil nicht tarnfarben?
Gut, man müsste perspektivisch die Kampfjacken, das Combat-Shirt, die Kampfhose und den Nässeschutz aussondern. Da sehe ich jetzt aber keine Milliardenbeträge.