Fürs Protokoll: Kommandeur der Heeres-Unteroffizierschule geht nach Eklat um „Deutschland über alles“

Der Kommandeur der Unteroffizierschule des Heeres in Delitzsch bei Leipzig hat seinen Dienstposten aufgegeben, nachdem es bei der Weihnachtsfeier der Schule vor knapp zwei Wochen einen Eklat um das Deutschlandlied gegeben hatte. Damit wolle er weiteren Schaden von der Einrichtung abwenden, begründete Oberst Andreas Schnebelt nach Angaben des Heeres seinen Schritt.

Am 11. Dezember hatte laut Bundeswehr ein ziviler Disc Jockey bei der Weihnachtsfeier der Unteroffizierschule vor mehr als 1.000 Besuchern die erste Strophe des Deutschlandliedes abgespielt. Der Text mit der Liedzeile Deutschland, Deutschland über alles ist aus historischen Gründen in der Bundesrepublik unerwünscht: Während der Nazi-Zeit wurde nur diese erste Strophe gesungen, gefolgt vom Horst-Wessel-Lied. Die dritte Strophe dagegen (Einigkeit und Recht und Freiheit) gehört zur deutschen Nationalhymne.

Schnebelt hatte während des laufenden Liedes samt Text der ersten Strophe nicht reagiert, jedoch direkt danach angeordnet, dass die Melodie der Hymne – ohne Text – erneut abgespielt werden sollte. Weitere Schritte leitete er offensichtlich nicht ein. Beim Ausbildungskommando des Heeres, der vorgesetzten Dienststelle der Schule, gingen in der vergangenen Woche wegen des Vorfalls Beschwerden ein.

Am (heutigen) Montag erklärte der Oberst nach Angaben des Heeres:

Ich bedauere den Vorfall außerordentlich und übernehme die Konsequenzen. Das Abspielen der ersten Strophe und die bisher nicht ausreichend erfolgte Aufarbeitung entsprechen nicht der Führungskultur im Heer. Um weiteren Schaden von der Unteroffizierschule abzuwenden, habe ich meinen Dienstposten zur Verfügung gestellt. 

Wo Schnebelt künftig Dienst tun wird, teilte das Heer nicht mit. Zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach den Weihnachtsferien am 5. Januar soll zunächst der stellvertretende Kommandeur Oberst (KORREKTUR, nicht Oberstleutnant) Wolfgang Schmidt die Einrichtung leiten.

(Hinweis und Korrektur: Leider bin ich darauf hereingefallen, dass ein Leser irrtümlich – hoffe ich jedenfalls – behauptete, alle drei Strophen des Deutschlandlieds gehörten zur Nationalhmyne. Das ist schlicht falsch. Mit dem Briefwechsel des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl im August 1991 wurde die dritte Strophe als Nationalhymne festgelegt; die beiden ersten Strophen gehören also nicht dazu.)