Fürs Protokoll: Kommandeur der Heeres-Unteroffizierschule geht nach Eklat um „Deutschland über alles“
Der Kommandeur der Unteroffizierschule des Heeres in Delitzsch bei Leipzig hat seinen Dienstposten aufgegeben, nachdem es bei der Weihnachtsfeier der Schule vor knapp zwei Wochen einen Eklat um das Deutschlandlied gegeben hatte. Damit wolle er weiteren Schaden von der Einrichtung abwenden, begründete Oberst Andreas Schnebelt nach Angaben des Heeres seinen Schritt.
Am 11. Dezember hatte laut Bundeswehr ein ziviler Disc Jockey bei der Weihnachtsfeier der Unteroffizierschule vor mehr als 1.000 Besuchern die erste Strophe des Deutschlandliedes abgespielt. Der Text mit der Liedzeile Deutschland, Deutschland über alles ist aus historischen Gründen in der Bundesrepublik unerwünscht: Während der Nazi-Zeit wurde nur diese erste Strophe gesungen, gefolgt vom Horst-Wessel-Lied. Die dritte Strophe dagegen (Einigkeit und Recht und Freiheit) gehört zur deutschen Nationalhymne.
Schnebelt hatte während des laufenden Liedes samt Text der ersten Strophe nicht reagiert, jedoch direkt danach angeordnet, dass die Melodie der Hymne – ohne Text – erneut abgespielt werden sollte. Weitere Schritte leitete er offensichtlich nicht ein. Beim Ausbildungskommando des Heeres, der vorgesetzten Dienststelle der Schule, gingen in der vergangenen Woche wegen des Vorfalls Beschwerden ein.
Am (heutigen) Montag erklärte der Oberst nach Angaben des Heeres:
Ich bedauere den Vorfall außerordentlich und übernehme die Konsequenzen. Das Abspielen der ersten Strophe und die bisher nicht ausreichend erfolgte Aufarbeitung entsprechen nicht der Führungskultur im Heer. Um weiteren Schaden von der Unteroffizierschule abzuwenden, habe ich meinen Dienstposten zur Verfügung gestellt.
Wo Schnebelt künftig Dienst tun wird, teilte das Heer nicht mit. Zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach den Weihnachtsferien am 5. Januar soll zunächst der stellvertretende Kommandeur Oberst (KORREKTUR, nicht Oberstleutnant) Wolfgang Schmidt die Einrichtung leiten.
(Hinweis und Korrektur: Leider bin ich darauf hereingefallen, dass ein Leser irrtümlich – hoffe ich jedenfalls – behauptete, alle drei Strophen des Deutschlandlieds gehörten zur Nationalhmyne. Das ist schlicht falsch. Mit dem Briefwechsel des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl im August 1991 wurde die dritte Strophe als Nationalhymne festgelegt; die beiden ersten Strophen gehören also nicht dazu.)
Vielleicht hätte der Unterstützungsbereich der Unteroffizierschule ein bisschen aufpassen können, was für einen „Perlentaucher“ man als Disc Jockey engagiert. Alles unprofessionell.
Der Kommandeur hat sich wenigstens mannhaft verhalten.
@TW
Die Deutsche Nationalhymne umfaßt alle drei Strophen des Deutschlandliedes. Bei offiziellen Anlässen wird aber nur die dritte Strophe gesungen:
https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/newsletter-und-abos/bulletin/das-deutschlandlied-eine-dokumentation-briefwechsel-zwischen-bundeskanzler-konrad-adenauer-und-bundespraesident-theodor-heuss-791474
Die Interpretation von „Deutschland, Deutschland über alles“ bezieht sich darauf, daß die Kleinstaaterei überwunden werden und es ein vereinigtes Deutschland geben soll. Über die geographische Ausdehnung kann man streiten, das war seinerzeit aber quasi die Sprachgrenze.
[Wer jetzt die Debatte darüber führen möchte, wie die erste Strophe zu interpretieren ist und warum die bei offiziellen Anlässen keine Rolle spielt und wie das historisch einzuordnen sei, der tut das woanders. T.W.]
@
Florian Staudte sagt:
22.12.2025 um 19:31 Uhr
„[….]Der Kommandeur hat sich wenigstens mannhaft verhalten.“
Mannhaft? Wirklich?
Ehrenhaft, vorbildlich oder – keine Ahnung – aber „mannhaft“ ist doch Käse
Ich stelle mir bei der Berichterstattung folgende Fragen:
Was ist das für eine Weihnachtsfeier mit über 1000 Gästen?
Wieso wird auf der Weihnachtsfeier überhaupt die Nationalhymne gespielt?
Weiterhin stellt der Artikel die Sachlage etwas anders dar, als das Deutsche Herr dies auf seinen Kanälen getan hat.
[Was wird anders dargestellt? T.W.]
@MONACO
Daß die Nationalhymne an einer Militärschule bei einem festlichen Anlaß gespielt wird ist doch üblich. Früher hätte man wohl auch einen Toast auf den Bundespräsidenten und auf Deutschland ausgebracht, aber vielleicht hat man das auch.
@TW
So verstanden. Allerdings verstehe ich nicht eingestehen, daß Sie hier eindeutig falsch liegen:
„Die dritte Strophe dagegen (Einigkeit und Recht und Freiheit) gehört zur deutschen Nationalhymne.“
Alle drei Strophen gehören zur Nationalhymne wie ich ausgeführt habe, die erste ebenfalls, usw, usf.
[Ich wüsste nicht, dass ich behauptet hätte, dass die ersten zwei Strophen nicht zur Nationalhymne gehören. Aber wenn es die beruhigt, die „Deutschland Deutschland über alles“ gerne immer höher halten wollen, dann schreibe ich das halt noch dazu.
/edit habe im Text und in den Kommentaren das nötige dazu gesagt.
T.W.]
Einzig richtige Entscheidung. Wer im Jahr 2025 noch meint Diskussionen darüber führen zu müssen ob Strophe 1 und 2 dazu gehören dem ist nicht zu helfen.
Ob Gigi Agostino auch lief ist wohl nicht überliefert, würde mich jetzt aber auch nicht wundern.
@Thomas Melber
Meines Wissens war das bis 1990 so, danach entschied man sich, dass nur noch die dritte Strophe Nationalhymne ist. Es gibt auch ein entsprechendes Gerichtsurteil in dem dem Text der ersten zwei Strophen der Schutzstatus den die Nationalhymne hat (zB. vor Verunglimpfung) abgesprochen wird. Wie der Hausherr schon erwähnte ist sie also nicht verboten, aber Unerwünscht und kein Teil der Nationalhymne mehr.
@ Thomas Melber Es gab noch einen Briefwechsel zum Thema Nationalhymne. Diesmal zwischen Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Helmut Kohl. Da wurde die dritte Strophe des Deutschlandliedes als Nationalhymne für das wiedervereinigte Deutschland festgelegt. Ihre Aussage ist somit nicht richtig.
@MONACO Ich vermute mal, das war die Weihnachtsfeier der Schule. Da gibt es doch ein paar Soldaten und zivile Angestellte und Beamte. Warum sollte die Nationalhymne nicht gespielt werden? Ich sehe das Problem nicht.
Allgemein: Vielleicht spielt der DJ ja bei anderen Veranstaltungen die erste Strophe. Genug textsichere Zuhörer gibt es in Sachsen bestimmt. Ab sofort übernimmt das Abspielen dann wohl der S6-Offizier.
Hätte von einem erfahrenen Offizier erwartet,
dass er das direkt an Ort und Stelle zu Beginn des Liedes
souverän abmoderiert, a‘la „So, das lassen wird direkt mal sein, und jetzt bitte die dritte Strophe, wie sich das gehört.“
Job behalten, Skandal keiner.
Es hätte so einfach sein können,
Danke für die Hinweise, insbesondere auf den Briefwechsel Weizsäcker/Kohl. Und pardon, dass ich auf die falsche Fährte hereingefallen bin, auch die erste Strophe wäre Teil der Nationalhymne. Ist oben korrigiert, und angesichts der bisherigen Fehlversuche bitte ich jetzt die Bemühungen einzustellen, ‚Deutschland über alles‘ zur Nationalhymne zu erklären.
@ GolfEcho83
Die übrigen Foristen haben meine Aussage verstanden. Der Kommandeur hat die Verantwortung für einen zutiefst unprofessionellen Vorgang übernommen. Damit unterscheidet er sich von vielen anderen Offizieren in der Bundeswehr.
Verzeihung, anstatt diese absurde Diskussion über die aus Gründen indiskutable 1. Strophe zu führen, hätte ich etwas mehr Diskussion darüber erwartet, seit wann ein Kommandeur seinen Dienstposten „zur Verfügung“ stellen kann. Ein Kommandeur ist doch kein Politiker und er bekleidet auch kein Ehrenamt. Bisher wurde man von seinen Pflichten entbunden. Entweder im Guten, im Rahmen einer ordentlichen Übergabe oder eben weil die Vorgesetzten aus welchen Gründen auch immer kein Vertrauen mehr in die Arbeit der jeweiligen Person haben. Bisher konnte man lediglich um Versetzung bitten. Diese Sprachregelung lässt jedoch aufhorchen. Kann in Zukunft jede Soldatin / jeder Soldat einfach den jeweiligen Dienstposten zur Verfügung stellen, wenn man mit den Vorgesetzten unzufrieden ist, die erteilten Aufträge und Befehle nicht passen oder die politische Führung / Sicherheitspolitische Lage sich verändert hat.
Dass es einen personellen Wechsel nach dem Vorfall geben musste ist meines Erachtens unstrittig. Die offizielle Sprachregelung wirkt …. Nicht abgestimmt
Wenn mich nicht alles täuscht, haben Kohl und v. Weizsäcker Anfang der 1990er festgelegt, dass nur die dritte Strophe des Deutschlandliedes die Nationalhymne der Bundesrepublik sein sollte.
Inwiefern das staatsrechtlich bindend ist, vermag ich nicht zu beurteilen.
Darüberhinaus stellt sich die Frage, wie man auf die Idee kommt, bei einer öffentlichen Veranstaltung der Bundeswehr die erste Strophe des Deutschlandliedes zu spielen.Ein Versehen? Absicht?
[s.oben im Text den Hinweis. T.W.]
Wenn die erste Strophe des Deutschlandslieds im NS-Staat als Nationalhymne gesungen wurde, dann ist es doch sehr naheliegend, dies in einem dienstlichen Zusammenhang in unserem Staat grundsätzlich zu unterlassen.
Auch wenn das Lied nicht verboten ist und der Dichter des Liedes ehrenwerte Motive hatte und nichts dafür kann, dass dieses später missbraucht und fehlgedeutet wurde, so ist die Nationalhymne der Bundesrepublik nun einmal die dritte Strophe und keine andere.
Hier auf den richtigen Symbolen zu bestehen, ist eine Forderung der Treuepflicht des Soldaten, die durch Vorgesetzte vorzuleben ist. Das gilt für die Nationalhymne ebenso wie z.B. für Flaggen, mit denen zuweilen ja ebenfalls ein laxer, unsoldatischer Umgang zu beobachten ist.
Wie kann man nur eine so dämlichen DJ für eine Unteroffiziersschule der Bundeswehr engagieren?
Oder ist der Neonazifilz etwa eingeladen worden?
Die Bundeswehr hat es schon schwer genug, da ist so ein Vorfall schon sehr belastend.
Übrigens, Herr Komandeur, der Befehl hierzu heißt „Lied aus!“
@TW: Sie schreiben „weitere Schritte leitete er (Schnebelt) nicht ein. Das widerspricht der Pressemeldung des Deutschen Heeres auf dem WhatsApp Kanal, wonach Schnebelt den Vorfall umgehend seiner vorgesetzten Dienststelle gemeldet habe und daraufhin disziplinare Ermittlungen inkl. einer Überprüfung des zivilen Anbieters eingeleitet worden seien.
@andere:
Ich bin nun seit mehr als 2 Jahrzehnten Soldat und ich war noch nie auf einer Weihnachtsfeier, bei der die Hymne gespielt wurde. Ich sehe das nicht kritisch, ich finde es einfach nur unüblich. Genauso wie ich den Rahmen der Veranstaltung weiterhin unüblich finde. Es handelt sich ja dabei scheinbar um eine Weihnachtsfeier mit allen Lehrgangsteilnehmern und dem Stammpersonal. Ich kenne Weihnachtsfeiern in überschaubarerem Rahmen (Inspektion, Hörsaal, o.ä.). Oder handelt es sich doch eher um einen Appell?
[Ah, jetzt verstanden. Der Vorfall wurde gemeldet, über ‚umgehend‘ kann man streiten – aber das habe ich, pardon, nicht als Einleiten von Schritten verstanden. Mein Fehler. T.W.]
Eins ist klar. Das war wohl hoffentlich der letzte Auftritt dieses speziellen DJs auf einer offiziellen Bundeswehrversammlung.
Dass der Kommandeur seinen Posten zur Verfügung gestellt hat, ist m.E. folgerichtig und zeugt von Verantwortungsbewusstsein und Integrität. So jemanden würde ich allein schon auf dieser Grundlage wieder in einer vertrauensvollen Position einsetzen wollen, im Gegensatz zu Leuten, die über Wochen an ihren Stühlen kleben, bis der Druck so hoch wird, dass sie gänzlich untragbar werden.
Fast immer ist es nämlich nicht der eigentliche Fehler, den man begangen hat, oder das Malheur, das konkret passiert ist, sondern eher der Umgang damit, der einem das Wesentliche über den Charakter von Menschen aufzeigt.
Insofern ziehe ich meine Mütze vor Oberst Schnebelt. In dieser Zeit ein seltener Vorgang. Ich hoffe inständig, dass dies auch höherenorts aufmerksam wahrgenommen wird, und seine Karriere mit diesem Vorgang nicht ihr Ende findet und er jetzt auf irgendeinen Posten in den Boondocks abgeschoben wird.
Auch ich kann mich an keine Weihnachtsfeier erinnern, die mit der Nationalhymme endete. Der Sinn erschließt sich mir auch nicht so recht.
Sollte tatsächlich ein Faux-Pas wie das (versehentliche?) Abspielen der ersten Strophe des Deutschlandliedes durch einen externen DJ ausreichen, um abgelöst zu werden, dann bin ich mir sicher, dass sich der ein oder andere künftig überlegen wird, überhaupt noch eine Feier auszurichten, auf der Musik abgespielt wird und/oder externe Gruppen aufspielen. Oder ob man es nicht gleich ganz sein lassen sollte.
Ich bin gespannt, was zu diesem Sachverhalt noch so bekannt wird – etwa zur Person des DJ, zum Verlauf der Veranstaltung inklusive der „einordnenden“ Äußerungen des Schulkommandeurs, zu möglichen vorangegangenen Vorfällen an de USH, was sich so in den vergangenen zwei Wochen zugetragen hat und wie die Maßnahmen aussehen werden, die von der Heeresführung ergriffen werden, damit sich derartiges nicht mehr wiederholt.
Delitzsch liegt durchaus in einer dunkelblauen Zone. Da wird ein Lokaler DJ aus seinen ortsüblichen Potpurri sich bedienen. Eigentlich heißt es ja immer als Chef als erster kommen und als erster gehen. Nun verkommt der Kommandeursjob zur Super Nanny..Unwürdig.
@Florian Staudte sagt:
22.12.2025 um 21:51 Uhr
„@ GolfEcho83
Die übrigen Foristen haben meine Aussage verstanden. Der Kommandeur hat die Verantwortung für einen zutiefst unprofessionellen Vorgang übernommen. Damit unterscheidet er sich von vielen anderen Offizieren in der Bundeswehr.“
Was ihre Einschätzung angeht bin ich bei Ihnen. Aber das Wort „mannhaft“ ist halt maximal überkommen. Also wirklich. Das hat mit modern oder zeitgemäß echt nichts mehr zu tun.
Es muss nicht gegendert werden, aber es muss auch nicht künstlich Männlichkeit erzeugt werden. Sprache ist wichtig und hier hätte es halt zig Wörter gegeben, die besser gepasst hätten. Aber gut.
Zum Skandal selbst: Was da passiert ist war komplett unnötig. Auch das der Kommandeur seinen Hut nimmt. Ja, mag „mannhaft“ sein, aber ist es halt auch wieder nur bedingt. Denn er gibt ja nur seinen Posten auf, bittet nicht um Entlassung aus dem Dienstverhältnis. Fällt also extrem angenehm. Aber auch das ist egal.
Ich zitiere mal aus einem Artikel der Welt:
„[….]„Am 11. Dezember 2025 kam es bei der Weihnachtsfeier in der Kaserne der Unteroffizierschule des Heeres in Delitzsch – entgegen der Beauftragung zum Abspielen der Nationalhymne zum Abschluss der Veranstaltung – zur Wiedergabe der ersten Strophe des Liedes der Deutschen durch einen zivilen DJ“, […]
Der Kommandeur der Unteroffizierschule habe unmittelbar nach dem Vorfall angeordnet, die Nationalhymne abzuspielen. Er habe während der Veranstaltung „das fehlerhafte Abspielen unmissverständlich eingeordnet“ und den Vorfall am selben Abend an seine Vorgesetzten gemeldet.[…]
Also – wo ist der Skandal? Wieso tritt der Mann zurück?
1. Ziviler DJ spielt das falsche Lied
2. Kommandeur lässt korrekte Hymne spielen und ordnet den Vorfall gegenüber seinen Untergebenen ein
3. Er meldet das Vorkommnis selbst
Was zu ermitteln wäre ist eigentlich: War es eine absichtliche Handlung des zivilen DJs oder schlicht Unwissenheit / Dummheit? Ja, wir kennen hier alle den Unterschied. Aber weiß der Geier wer der DJ war. Der steht da, djt vor sich hin und dann kommt jemand und sagt „spielen Sie gleich mal die Nationalhymne“. Daraufhin geht der auf eine x-beliebige Seite und tippt „Nationalhymne“ ein und drückt dann auf Play.
Und folgend: Wie schnell haben – neben dem Kommandeur – andere SoldatInnen versucht das zu unterbinden? Ich spreche hier nicht von den Lehrgangsteilnehmenden, aber da werden ja auch noch andere Offiziere und Feldwebel rumgestanden haben.
Alles in allem kompletter Quatsch und vollkommen vermeidbar. DJ macht einfach nix, Hymne wird von Truppe selbst gesungen. Ende
Abschließend die Frage: wer hat ggf. mitgesungen?
Dem Presseoffizier wird wohl (hoffentlich) eine Playlist vorgelegt worden sein, erarbeitet nach seinen Vorgaben. Ein Punkt darauf: Nationalhymne.
M1 – der DJ hat bewußt die erste Strophe genommen
M2 – der DJ hat in seinem Fundus / im Internet nach dem Deutschlandlied gesucht und ahnungslos dann mit dem Abspielen der ersten Strophe begonnen, was aus seiner Sicht ja auch logisch ist wenn er es nicht besser weiß
Hoffentlich steht er bzw. das Veranstaltungsmanagement nicht auf einer grey oder black list.
Hier hätte eben genauer angegeben werden müssen, was gespielt werden soll. Ich hoffe, die Teilnehmer haben sich wenigstens beim Abspielen erhoben. Ferner kenne ich es so, daß nur die Melodie intoniert wird und das Publikum den Text singt.
Warum ein DJ ? Ich nehme an, er hat auch die Soundanlage u.a. Equipment mitgebracht, das wird an der USH in der erforderlichen Qualität und Quantität ggf. nicht vorhanden sein. Bzw. war die Veranstaltung auf dem Campus oder extern ? 1.000 Teilnehmer ist schon eine Hausnummer, ggf. auch mit Bewirtung.
Fazit für mich: ein künstlicher Aufreger zum Jahresende, der sehr deutlich hinter den anderen dramatischen Defiziten in der Organisation Bundeswehr rangiert.
Ich hab ja mal in der Offizierausbildung gelernt, dass es meistens kein „richtig“ und kein „falsch“ gibt, sondern nur ein „zweckmäßig“ und ein „unzweckmäßig“.
Hier gab es aber definitiv ein „falsch“. Und das scheint mir auch passiert zu sein.
Das einzig „richtige“ wäre gewesen, in der Situation, in der Sekunde das ganze sofort zu unterbrechen und im Nachgang zu ermitteln, wie es dazu kommen könnte, und wie man das zukünftig verhindern kann.
Das wäre „-mannhaft-“ (streiche) soldatisch/vorbildlich
(setze) gewesen.
Ich war nicht dabei und bin gespannt, was dazu noch bekannt wird. Solange kann ich nur intensiv den Kopf schütteln.
Mehr als 1.000 Gäste – und keiner hat SOFORT nach Erklingen der ersten Strophe protestiert bzw. interveniert – auch nicht der anwesende Kommandeur? Haben alle die erste Strophe bis zum Schluss über sich ergehen lassen oder sogar – wahrscheinlich wie üblich stehend – mitgesungen? Warum wurde das Abspielen nicht unmittelbar nach Beginn unterbunden? Mangelnde Courage? Mangelndes politisches Bewusstsein?
@GolfEcho83
„Kommandeur lässt korrekte Hymne spielen….“
Noch besser: Er lässt diese singen.
Im Einsatz fiel einmal die Tonanlage aus, die die Nationalhymne zur Verleihung der Einsatzmedaillen abspielen sollte. Ein geistesgegenwärtiger Soldat stimmte die Hymne umgehend an, woraufhin alle Anwesenden einstimmten, was die Verleihung zu einem positiv denkwürdigen Ereignis machte.
@ GolfEcho83
„Was ihre Einschätzung angeht bin ich bei Ihnen. Aber das Wort „mannhaft“ ist halt maximal überkommen. Also wirklich. Das hat mit modern oder zeitgemäß echt nichts mehr zu tun….“
Ursprünglich wollte ich mit den Worten des von mir sehr geschätzten Klaus Kinski antworten. Aber warum?
Zukünftig werde ich Ihnen zuliebe vor jedem Post bei beim Goethe-Institut anfragen, ob ein von mir gebrauchtes Wort auch ein durchschnittlich gebildeter Mensch verstehen kann.
Ansonsten sollten wir dem Vorgang nicht mehr Bedeutung zumessen als unbedingt erforderlich.
Schöne Weihnachtstage!
@ Michael Schöfe
Geht es nicht eine Nummer kleiner? „Über sich ergehen lassen“, es ist vom Deutschland-Lied die Rede, nicht vom Horst-Wessel-Lied. Ja, nicht alles, was legal ist, ist auch legitim und ja, da ist Mist passiert. Der Kommandeur hat seinen Posten geräumt. Die einen finden es gerechtfertigt, die anderen überzogen. Die Wahrheit liegt mutmaßlich dazwischen.
Wenn die vermeintliche historische Deutung eines Sachverhaltes, wie im vorliegenden Fall, alleinig ausschlaggebend ist, dann wird es auch auf absehbare Zeit z.B. keinen Großen Zapfenstreich und protokollarischen Dienst mehr geben können. Fackelschein, Marschmusik, Helme, beschlagene Stiefel, Karabiner K98k, das alles erinnert an düstere Zeiten. Mit dem Schnebelt-Maßstab müsste man das ganze Spektakel sofort einstellen, denn dass der Große Zapfenstreich ebensoviel mit den Nazis zu tun hat wie die erste Strophe des Deutschlandliedes, ist ja demnach nebensächlich.
Ich stimme den vielen Kommentaren zu, die sich darüber wundern bzw. die kritisieren, dass trotz offensichtlicher Anwesenheit des Kommandeurs und vermutlich auch weiterer Offiziere das Abspielen der ersten Strophe nicht sofort unterbunden wurde. Von einem Kommandeur der Unteroffiziersschule, der dem Leitbild „Staatsbürger in Uniform“ verpflichtet ist, hätte ich erwartet, dass er unmittelbar einschreitet und den DJ auffordert, das Abspielen zu beenden. Wirklich „mannhaft“ hätte ich es gefunden, wenn er anschließend noch das Mikrofon in die Hand genommen hätte und mit einer Ansprache gegenüber allen 1000 Besuchern klargestellt hätte, dass das Abspielen dieser Strophe mit den demokratischen Werten der Unteroffiziersschule, der Bundeswehr und unseres Landes nicht vereinbar ist.
Ich kann nicht verstehen, wie sich hier Kommentatoren in historische, politische und kulturelle Nebensächlichkeiten zur Geschichte und Rezeption der Nationalhymne flüchten. Es ist für mich ein Skandal, dass diese Strophe bei der Weihnachtsfeier einer zentralen Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr abgespielt wurde, und der anwesende Kommandeur aus welchen Gründen auch immer nicht in der unmittelbaren Situation eingegriffen hat. Das hätte ich von einem Offizier in dieser Funktion und im Dienstgrad Oberst erwartet.
Sie werden ganz genau gewusst haben was für einen DJ sie da einladen. Und wer glaubt das das abspielen der 1.Strophe ein Versehen war, glaubt eben auch an den Weihnachtsmann.
Der DJ wird im Vorfeld schon ordentlich gebriefed gewesen sein.
Da sollte mal das gesamte Personal auf die FDGO überprüft werden.
Das der Kommandeur geht, ist richtig. Das er die Bundeswehr nicht verlassen muss, falsch.
[Sie werden ganz genau gewusst haben, warum Sie diesen Kommentar ohne Ihren üblichen Nick hier abschicken? Ihre Meinung ist Ihre Meinung; Sie könnten ja auch einfach dazu stehen. T.W.]
Wieso überhaupt erste Strophe?
Soldaten stehen bei der Nationalhymne in Grundstellung.
Das Kommando dazu lautet: Nationalhymne! Offiziere und UmP grüßen und singen mit.
Eine erste Strophe kann es nur geben, wenn das Deutschlandlied gesungen vorgetragen wird.
Das muss man an den ersten Worten: „Deutschland, Deutschland über alles..“ statt „Einigkeit und Recht und Freiheit“ merken.
Ab da ist Schluss mit lustig.
Welche Konserve hat der DJ also benutzt? Vermutlich eine aus einschlägigen Quellen.
Geistesgegenwart zeichnet den Offizier als militärischen Führer aus. Das abwarten bis zum Ende der Darbietung ist falsche Zurückhaltung und in diesem Zusammenhang ein schwerer Fehler.
Ich fände es bedenklich, wenn jetzt bei jedem Zwischenfall ähnlicher Art, der Kommandeur die Verantwortung übernimmt und geht. Dann könnte man solche Zwischenfälle auch provozieren und gezielt missbrauchen.
Da bin ich bei den Vorrednern, die meinten, dass man besser die Situation kontrollieren und einordnen soll.
Der cv des Kommandeurs ist ja beeindruckend. Es wäre schade, wenn das das Ende der Karriere wäre.
Also die Nationalhymne dauert 70 Sekunden, je nachdem an welchem Zeitpunkt der Feier (wie viel reaktionszeitbeeinflussende Getränke da schon geflossen sind) und wie weit der Kdr vom DJ Pult entfernt war, kann man ihm da nur bedingt einen Vorwurf daraus machen. Ein deutliches Wort an Ort und stelle wäre aber sicherlich angebracht gewesen.
Dass er hier Standhaft führt und ohne Umschweife sich selbst in die Verantwortung nimmt spricht für ihn.
Man muss es also als einen sehr dummen Vorfall betrachten, einen Skandal (zumindest um seine Person) ist es nicht wert.
Der DJ hat sich in der Leipziger Volkszeitung zum Geschehen geäußert. Demnach sei vereinbart gewesen, die Nationalhymne nach der Ansprache des Kommandeurs zu spielen. Der DJ ging offenbar davon aus, dass die Hymne alle drei Strophen des Deutschlandlieds umfasse. Noch während des Abspielens habe ihn der Kommandeur angewiesen, dieses umgehend einzustellen. Der Artikel erweckt insgesamt den Eindruck, dass der Fehler beim DJ lag, und dass der Kommandeur sich durchgängig richtig verhalten hat.
@all
Da die Versuche nicht abreißen, die Diskussion darüber zu führen, ob und warum es schlimm oder gar nicht schlimm ist mit der ersten Strophe und was die bedeutet und dass die ja nicht verboten ist usw… gehe ich davon aus, dass eine inhaltliche Debatte nicht mehr nötig ist, und schließe die Kommentare.