Patriot für die Ukraine: USA stellen Auslieferung um; Deutschland gibt angeblich zwei weitere Systeme ab (Nachtrag: Merz)
Die Bereitschaft der USA, gegen Geld von ihren Verbündeten künftig wieder Patriot-Flugabwehrsysteme an die Ukraine zu liefern, scheint sich bereits konkret auszuwirken: Die Schweiz teilte mit, ihre Streitkräfte würden als künftiger Kunde des US-Systems später beliefert. Angeblich soll auch Deutschland bereit sein, aus seinen Beständen weitere Patriot-Staffeln zu liefern.
Das Schweizer Verteidigungsministerium (Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, VBS) machte die neue Entwicklung am (heutigen) Donnerstag öffentlich:
Das US-Verteidigungsdepartement hat das VBS informiert, dass sie für die Unterstützung der Ukraine im Bereich der bodengestützten Luftverteidigung die Auslieferung der Patriot-Systeme neu priorisieren werden. Davon betroffen ist auch die Schweiz; sie erhält spätere Produktionen. Der Bundesrat ist darüber informiert worden.
Die USA wollen die Ukraine wieder stärker unterstützen, indem den Ländern, die nun Waffensysteme an die Ukraine abgeben, eine rasche Nachbeschaffung ermöglicht wird. Deshalb haben die USA beschlossen, die Auslieferung der Patriot-Systeme zur bodengestützten Luftverteidigung neu zu priorisieren. So hat sich etwa Deutschland entschieden, zwei weitere Patriot-Systeme an die Ukraine abzugeben.
Die Schweiz hatte im Jahr 2022 fünf Patriot-Systeme zur bodengestützten Luftverteidigung grösserer Reichweite bestellt. Die Auslieferung sollte 2026 beginnen und 2028 abgeschlossen werden. Am 16. Juli hat das US-Verteidigungsdepartement das VBS informiert, dass auch die Schweiz von der neuen Priorisierung betroffen ist und sich die für sie bestimmten Lieferungen verzögern werden.
Anfang der Woche hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, die USA würden wieder Patriot für die Ukraine bereitstellen, wenn die Europäer dafür aufkommen würden. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte am vergangenen Montag bei einem Treffen mit seinem US-Kollegen Pete Hegseth in Washington vereinbart, dass Deutschland zwei solche Systeme für die Ukraine bezahlen werde:
Mit Blick auf die Ukraine-Unterstützung haben Pistorius und Hegseth über die Lieferung von Flugabwehrsystemen des Typs Patriot beraten. Deutschland ist bereit, für den Transfer von zwei Systemen finanziell aufzukommen. Technische, logistische und finanzielle Details seien noch abzustimmen.
Dass diese Systeme von Deutschland abgegeben würden, war bislang nicht öffentlich bekannt. Deutschland hatte der Ukraine bereits drei Patriot aus Bundeswehr-Beständen geliefert, aber Pistorius hatte am vergangenen Wochenende in einem Interview der Financial Times erklärt, die Bundeswehr könne nicht auf weitere Systeme verzichten:
“We only have six left in Germany,” Pistorius said, adding that two others had been lent to Poland and at least one was always unavailable due to maintenance or training. “That’s really too few, especially considering the Nato capability goals we have to meet. We definitely can’t give any
more.”
Das Verteidigungsministerium in Berlin wollte zu den Angaben der Schweiz nicht Stellung nehmen und verwies lediglich auf die Aussage von Sprecher Oberst Mitko Müller in der Bundespressekonferenz am (gestrigen) Mittwoch:
Der Außenminister, der Kanzler und der Bundesminister der Verteidigung haben sich dafür eingesetzt, dass wir gemeinsam mit den Partnern die Luftverteidigung der Ukraine weiter stärken, und diese Handlungsstränge kamen am Montag in Washington auf einen Nenner.
Begonnen hat alles im Mai, als Bundesminister Pistorius in einem Telefonat mit Minister Hegseth angeboten hat, dass wir die Finanzierung weiterer Systeme übernehmen, sofern diese aus den USA abgegeben werden. Die Amerikaner haben das dann geprüft. Dann ging es weiter beim Nato-VM-Treffen, bei dem der Minister diesen Vorschlag auch den europäischen Partnern unterbreitet hat. Am Ende, am 14. Juli, am Montag, kam es dann zum Gespräch in Washington, wo die Schlussfolgerung war, dass man über eine Expertengruppe, die vom SACEUR geleitet wird, jetzt sehr schnell, aber auch mit entsprechender Zurückhaltung in die konkrete Ausplanung geht. Die genauen Modalitäten werden also hier noch abgestimmt, und auch die genauen Modalitäten, welche Systeme jetzt bereitgestellt werden, sind noch Teil der Abstimmung.
Hinsichtlich der Systeme, über die wir jetzt reden, kann ich nicht bestätigen, dass aktuell schon etwas auf dem Weg ist. Das ist mir nicht bekannt.
Nachtrag: Dazu Bundeskanzler Friedrich Merz bei seiner Pressekonferenz mit dem britischen Premierminister Keir Starmer am 17. Juli in London:
Merz: Wir haben in den letzten Tagen die Verabredung getroffen, dass wir vom europäischen Kontinent und aus Europa insgesamt neue Patriot-Systeme an die Ukraine liefern und dass diese Systeme dann aus den USA heraus ersetzt werden. Denn wir müssen ja auch unsere eigene Verteidigungsfähigkeit aufrechterhalten. Ich gehe davon aus, dass in diesen Stunden Verabredungen zwischen den Verteidigungsministern darüber getroffen werden, die das technisch möglich machen, was der amerikanische Präsident am vergangenen Wochenende erneut zugesagt hat. (…)
Frage: Herr Bundeskanzler, eine Frage an Sie zu den Patriots: Sie sagen, Ihrer Meinung nach werde in den nächsten Stunden eine Einigung erzielt. Wie schnell können die Patriots dann geliefert werden? Wie viele werden geliefert? Welche anderen Länder werden sich daran beteiligen?
Merz: Nur damit das noch einmal klargestellt ist: Ich habe nicht gesagt, dass in den nächsten Stunden eine Entscheidung falle, sondern in diesen Stunden verhandeln die Verteidigungsministerien und Verteidigungsminister auch über Details, wie wir in kurzer Zeit zu einer entsprechenden Lieferung von Patriots an die Ukraine kommen können. Sie müssen transportiert und aufgebaut werden. Das ist keine Frage von Stunden, sondern das ist eine Frage von Tagen, vielleicht von Wochen. Aber die Verhandlungen sind sehr konkret. Wir haben noch kein Ergebnis, aber die Bereitschaft der amerikanischen Seite, das zu tun, ist da.
(Archivbild Juni 2024: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit Verteidigungsminister Boris Pistorius beim Flugabwehrraketengruppe 21 in Sanitz – Foto Bundeswehr)
Auch spannend….
Die Umpriorisierung der Schweizer Bestellung macht viel Sinn!
Dass Deutschland weitere abgeben muss tut sehr weh!
letztendlich muss die Ukraine aber auch andere Lösungen finden…
Die teuren Flugabwehrsysteme (Patriot und Iris-t) sollten nur für high Value Tatgets verwendet werden müssen (also Cruise missiles und ballistische Raketen und Flugzeuge/Helis)… alleine davon muss die Ukraine 2000 pro Jahr abwehren… das ist mehr als die Raketenproduktion für Patriot und Iris-t zusammen…
Drohnen sollten durch günstige Alternativen (Rohrwaffen und cUAS Drohnen) bekämpft werden!
Außerdem müssen endlich die Starteinrichtungen und Fabriken und Lager in Russland angegriffen und zerstört werden!
Deutschland muss dringend Patriot nachbeschaffen….Zielbestand 18-24 Systeme!
Und auch die Flugkörperproduktion weiter ausbauen (Vorschlag den günstigen PAAC4 aus Israel in Patriot integrieren und in Deutschland produzieren!)
Ausserdem
Muss Deutschland endlich mehr Iris-t SLM/X Systeme bestellen… nochmal 18 Stück!!! Und die Flugkörperproduktion dafür auch nochmal von 1.000 in 2026 auf 2.000 in 2028 verdoppeln!
Ich halte es ebenfalls für Erforderlich, dass wir die Ukraine dazu befähigen, dass sie noch stärker gegen Russische Rüstungsindustrie wirken kann. Luftabwehrsysteme sind ja reine Symptombekämpfung, lösen die Ursache aber nicht. Das wird jedoch nur klappen, wenn man mehr Long-Range-Fires an die Ukraine liefert. Man müsste also z.B. Tomahawk zusätzlich zu Patriot finanzieren.
Militärisch wäre es sicher auch sinnvoll gegen die Gas- und Ölindustrie zu wirken, um die Finanzierung dieses Angriffskrieges zu unterbinden.
Ganz eindeutig geht für mich immer noch nicht hervor, wer jetzt von wem was bekommt.
Deutschland scheint 2 neue Patriot Systeme zu kaufen, aber ob diese direkt an die Ukraine oder als Ersatz an Deutschland bzw. die USA gehen, weil die zwei bestehende Systeme an die Ukraine weitergegeben, dass ist für mich nicht eindeutig.
Außerdem fehlt mir eine Angabe zu den mitgelieferten Lenkflugkörpern. Welche Typen und Stückzahl.
Am Ende bleibt der wichtigste Punkt. Gute AirDefence benötigt eine Offensive Komponente, um die Bedrohung zu zerstören.
[„Außerdem fehlt mir eine Angabe zu den mitgelieferten Lenkflugkörpern. Welche Typen und Stückzahl.“ – Wüssten alle gerne. T.W.]
Wenn ich diese Aussage des Bundeskanzlers
„Wir haben in den letzten Tagen die Verabredung getroffen, dass wir vom europäischen Kontinent und aus Europa insgesamt neue Patriot-Systeme an die Ukraine liefern und dass diese Systeme dann aus den USA heraus ersetzt werden.“
richtig deute, dann meint er mit „neue“ eher „weitere“ Patriots, weil diese ja anschließend ersetzt werden müssen. Würden nur europäisch finanzierte, aber direkt aus der Produktion kommende Patriots geliefert, müssten diese ja nicht ersetzt werden, sondern würden – wie im Fall der Schweiz – nur später geliefert. Deutschland hat insgesamt acht neue Systeme bestellt. Vermutlich werden daher ein neuntes und zehntes System nachbestellt. Wenn die durch den Lieferslot der Schweiz ersetzt würden, dann würden System neun und zehn vor eins bis acht eintreffen…
Wenn man bedenkt, dass nicht alle deutschen Systeme auf dem neuesten Stand sind, dann wäre das für Deutschland sogar ein ganz guter Weg, weil bis 2030 dann zehn baugleiche neue Systeme zulaufen würden.
Ich dachte immer, wir würden die Flugabwehr verbessern und neu aufbauen, stattdessen schaffen wir sie wohl ab und fahren bald auf null, überspitzt formuliert.
Die Wahrheit ist, Deutschland pfeift hinsichtlich Patriot und IRIS-T auf dem letzten Loch. Man schaue sich z. B. die aktuellen und geplanten Produktionskapazitäten von Raytheon für die Flugkörper GEM-T und MSE an (sofern aus Geheimhaltungsgründen auch glaubhaft). Da wird sich für die Bundeswehr auch kurzfristig nichts ändern. Im Gegenteil, mehr und mehr wird an die Ukraine abgegeben. Wäre ich Soldat in einer Flugabwehrraketengruppe würde mein Frustlevel auf dem Höhepunkt sein. Im Grunde haben wir gar keine Flugabwehr mehr. Das kann man der Bevölkerung natürlich so klar nicht sagen….. es ist alles nur Hoffen und Bangen, dass nichts passiert.
Auch bin ich immer davon ausgegangen, dass die beiden Systeme in Polen (zum Schutz des Flughafens Rzeszów) durch deutsche Soldaten bedient werden. Jetzt spricht VM Pistorius von Ausleihe. Alles irgendwie undurchsichtig.
@Stratego
„Militärisch wäre es sicher auch sinnvoll gegen die Gas- und Ölindustrie zu wirken, um die Finanzierung dieses Angriffskrieges zu unterbinden.“
Politisch und Ökonomisch könnte diese Eskalierung aber sehr unangenehme Nebenwirkungen haben. Die Ölscheichs würde es freuen, wenn der Ölpreis steil nach oben geht. Und wenn russische Ölfelder massiv mit Taurus angezündet würden, würde ich entsprechende Gegenreaktionen in deutschen Gasspeichern oder ähnliches erwarten.
Ansonsten Zustimmung, die Russische Rüstung muss das Ziel sein und wir brauchen günstige Abwehrraketen und zwar viele davon.
@Labacco
„es ist alles nur Hoffen und Bangen, dass nichts passiert.“
Die Strategie scheint mir nach wie vor zu sein, solange Russland in der Ukraine nicht weiterkommt, wird er kaum einen Angriff auf die Nato wagen. Scheint mir ehrlich gesagt vernünftig also die Mittel in der Ukraine jetzt einzusetzen, anstatt auf Bündnisgebiet, oder haben sie eine bessere Strategie? Was glauben sie, was passiert, wenn die Front kollabiert?
@labacco
Vielleicht bequemt sich die zuständige WTD endlich mal dazu, zumindest das gelieferte IRIS-T-System der BW wieder an die Luftwaffe rauszugeben und die Nutzung zu genehmigen?!
Irgendwie und irgendwo müssen wir ja auch für die BW mal weiterkommen.
Aber unsere Militärbürokratie ist ja scheinbar noch im tieftsen Fredensmodus.
@lukan
Vielleicht ist ja die Strategie Russland’s auch erstmal bewusst nicht weiter zu kommen, um Europa und die NATO weiter miltärisch zu schwächen (durch Weitergabe militärischen Materials Europa’s an die Ukraine). Ich hatte in einem meiner vorherigen Posts auch mal die Frage gestellt, warum eigentlich erst 2029 und nicht früher? Jeder weiss was ich meine….es reicht schon ein bisschen zu zündeln. Carlo Masala hat es beschrieben. Geschieht dies im Baltikum früher als 2029, dann sind wir blank, Litauen-Brigade hin oder her. Und dann?
Die Strategie muss ein Kompromiss sein z.B. 50% der militärischen Produktion in die Ukraine zu liefern und 50% in die NATO bzw. an die Bundeswehr. Momentan läuft es doch eher das 90% in die Ukraine geht, was Flugabwehr, Munition und einiges mehr angeht. Letzteres ist doch der Grund warum vor zwei, drei Jahren bestelltes Material bei der Bundeswehr nicht ankommt. Wenn es von der Politik so gewollt ist, dass die Ukraine absolute Priorität hat und nicht das eigene Land, dann muss man es auch in der Öffentlichkeit so kommunizieren. Dann kann man nicht im gleichen Atemzug sagen, wir wollen die Bundeswehr bis 2029 voll ausrüsten, was eh keiner glaubt, der was davon versteht. Die Leute werden doch für dumm verkauft…..
Im übrigen hat China die Tage verlauten lassen, dass es nicht zulassen wird, das Russland den Krieg verliert.
@Labacco
„Vielleicht ist ja die Strategie Russland’s auch erstmal bewusst nicht weiter zu kommen, um Europa und die NATO weiter miltärisch zu schwächen“
Es werden gerade massiv Produktionskapazitäten aufgebaut. Die Nato hat 2 neue starke Mitglieder gewonnen. Und mit dem militärischen Material was an die Ukraine geht, wird direkt russisches Militärmaterial neutralisiert. Wenn das der russische Plan ist, dann scheint er nicht durchdacht.
Dass China sich offener an die Seite Russlands stellt ist wiederum eine bedenkliche Entwicklung. Die Nordkoreanisch-Russische Waffenbrüderschaft sowieso.
Das Problem mit dem Material lautet leider Trump. Aber er hat wiederum bewirkt, dass Europa sich wenigstens teilweise unabhängig macht. Was ist ihr Vorschlag? Die Ukraine ist so schon massiv unter Druck. Zu schauen wie viel Druck sie noch aushalten kann?
@lukan
Russland’s Wirtschaft ist auf Kriegsproduktion, Europa’s nicht. Mein Eindruck ist, das die Russen aktuell mehr Muntion und Material in die Depots schafft, als das was sie in die Ukraine schicken oder in der Ukraine verlieren.
Sind wir doch mal realistisch. Am Ende gibt es nur zwei Szenarien. Erstes Szenario, es kommt zu einem Burgfrieden oder der Konflikt köchelt weiter so vor sich hin mit der Folge, das die Ukraine mehr und mehr unter Druck gerät und irgendwann Russland einverleibt wird oder zweitens, wir gehen all in und es kommt zu einer direkten Konfrontation der NATO mit Russland. Was möchten Sie?
Es gibt nie nur zwei Szenarien
[„Außerdem fehlt mir eine Angabe zu den mitgelieferten Lenkflugkörpern. Welche Typen und Stückzahl.“ – Wüssten alle gerne. T.W.]
Es gäbe da in der Tat einen Unterschied bei der Einordnung der bestellten Lenkflugkörper.
Ein Land im Frieden hätte gerne nette neue Systeme. die Anzahl der nachladbaren Raketen ist eher untergeordnet.
Wenn ich das richtig gelesen habe war es bei Deutschland immer so:
Eine volle Ladung Raketen für das System plus jeweils einmal zum Nachladen.
Bist du jetzt aber unter Drohnen-, Raketen- und Cruise Missile – Dauerfeuer….
Ja dann zählt auch vor allem die Anzahl der nachladbaren Lenkflugkörper…
Nur eine Ersatzladung reicht da nicht…
Also so wie Trump tickt wird das mit den Patriot Systemen für die Ukrainer nichts, stattdessen lässt er sich dann wieder feiern als der super MACHER, Deutschland soll 2 Systeme noch mal abgeben….? Die Deutsche Flugabwehr steht jetzt schon mit herunter gelassenen Hosen da und kann bald nur noch mit Steine schmeißen! Last Euch nicht immer von Trump so vorführen. Das ist mega peinlich!
@Apollo 11
„Munitionskrise“ können wir ja auch historisch gesehen sehr gut. Merke: haben ist besser als brauchen.
Und im Falle des Falles ist eine heimische Produktionsbasis einschließlich Lieferketten bzw. Bevorratung unschlagbar.
Man istja dabe,i die Herstellung der PAC3-MSE an verlässliche Partner auszuweiten….
Dauert aber noch…
@Labacco
„Russland’s Wirtschaft ist auf Kriegsproduktion, Europa’s nicht.“
Europas Wirtschaft ist aber auch um einiges größer als die von Russland.
„Es gibt nie nur zwei Szenarien“
Und eben dies. Wie entwickelt sich der Konflikt mit China, wie mit Iran. Was ist mit der Türkei, der USA unter Trump usw usw. da ist so viel offen.
Klar für mich scheint, wenn wir aber aufhören der Ukraine wirkungsvoll zu helfen, wird es schlimmer. Eine Rückeroberung ist zwar illusorisch, aber daran habe ich auch nie geglaubt. Es reicht wenn die Front hält. Und irgendwann hat Russland genug wenn der Preis hoch genug ist. Aufgrund der Weltlage kann das aber noch dauern.
Eine Frage an die Experten hier:
Die Videos der Raketenangriffe auf die UA und ISR sind ja zahlreich. Es wird behauptet, dass Patriot und THAAD (IRIS-T?) gegen Kinschal, Zirkon und fortschrittliche iranische Modelle relativ wirkungslos seien. Es ist auch bekannt, dass Patriot-Systeme in der UA zerstört wurden (wie viele wurden geliefert? wie viele sind noch einsatzfähig?)
Meine Frage: Mit welcher Wahrscheinlichkeit können die genannten Systeme bei Abschuss von zwei Abfangraketen die genannten Raketen abfangen? Wie viele Abfangraketen braucht es, um eine Abfangwahrscheinlichkeit von, sagen wir, über 90% zu erreichen?
@Labacoo
Der Grund „warum vor zwei, drei Jahren bestelltes Material bei der Bundeswehr nicht ankommt“ ist der das die Lieferzeiten bei > 24 Monaten liegen. Andere waren schneller (siehe Schweiz) und stehen vor uns in der Liste
und mal eben die Produktion verdoppeln geht da nicht.
So gesehen bekommen wir durch die Abgabe von 2 Systemen an die Ukraine früher 2 aktuelle Systeme die dann nicht in die Wartung gehen müssen und so die Gesamtverfügbarkeit erhöhen Incl neuerer Flugkörper.
Man sollte gerade bei der Flugabwehr aufhören in ganzen Systemen zu denken.
Alle neuen LFK haben Active Homing und können per Link-16 Kurs/Ziel Updates bekommen. D.h. man kann/könnte bestehende Batterien durch Starter für andere LFK ergänzen. bzw neue damit aufbauen. Z.B. mit CAMM (MR/ER) wie sie UK+PL verwenden bestellt haben. In dem iLauncher des Systems ist alles drin. Radar & eigenes Controlcenter sind nicht nötig.
Wenn man also in die Flugabwehr für die Fläche will wäre das ein gangbarer Weg.
Demnächst kommt es zum Schwur: wenn man zur Einschätzung kommt, daß die UKR „highly likely“ den Krieg verliert wird (unabhängig davon ob in drei oder sechs oder zwölf Monaten) wird man diese Waffen für sich selbst behalten wollen bzw. müssen.
Von daher ist es gar nicht schlecht stattdessen in die UKR Verteidigungsindustrie zu investieren.
Die Ukraine wird Nacht für Nacht angegriffen mit, in manchen Nächten, Hunderten von Drohnen und vereinzelten anderen Arten von ballistischen Raketen und Marschflugkörpern.
Die Bundeswehr könnte alle noch verfügbaren Patriot Systeme und jeden der noch vorhandenen Flugkörper abgeben und was würde sich dadurch für die Ukraine ändern?
Experten, die davon mehr Ahnung haben als ich, sagen, dass sich dadurch wenig ändern würde, und ich stimme diesen Experten zu. Das Missverhältnis zwischen der offensichtlich verfügbaren Zahl an Angriffswaffen und der Zahl an verteidigenden Systemen ist einfach zu krass auf der Seite der Russen. Naja, es ist der gute Wille, der zählt.
Vielleicht sollten wir dann gleich noch alles andere an Waffensystemen mitschicken, inklusive Taurus, was wir noch so im Lager haben. Wir brauchen es ja offenbar nicht.
Das ist auch gut so, denn angsichts der aktuellen Lieferfristen wird unsere Bundeswehr vermutlich bis zum Sankt Nimmerleinstag auf den Ersatz warten müssen.
Trump hat zu den russischen Gebietsforderungen mal gesagt, dass die Russen keine Gebiete fordern können, die sie nicht auch militärisch besetzt halten. Das hat Wladimir Putin wohl als Handlungsanweisung verstanden.
Die russische Armee ist dabei diese Handlungsanweisung umzusetzen. Was die Russen vom Oblast Luhansk noch nicht erobert haben, ist auch nicht der Rede wert.
Im Oblast Donezk kommen die Russen immer näher an die Grenzen zur Dnipro Oblast heran.
Die Gebietsgewinne in Saporischia Oblast nehmen auch zu.
Dazu kommen noch Angriffe entlang der ukrainischen Grenze in der Sumi und der Charkiv Oblast. Die russische Armee schafft dort Fakten und der ukrainischen Armee gelingt es nicht, sie daran zu hindern.
Die 50 Tage Frist, nach der es dann vermutlich keine Strafzölle geben wird (Stichwort: TACO-Trade) ist für die russische Armee, eher ein Ansporn. Zumindest sieht es so aus.
Die Begründung dafür stammt von einem östereichischen Experten. Aktuell sind die US-amerikanischen Behörden mit vielen Staaten in Verhandlungen, die von den Strafzöllen nach Ablauf der Frist betroffen wären. Würden innerhalb der Frist Abkommen mit diesen Staaten getroffen, dann wären diese Abkommen hinfällig.
Geldmangel ist und bleibt das Hauptproblem bei der Unterstützung der Ukraine. Unser EUropäisches 18. Sanktionspaket erschweren die wirtschaftlichen Lage für die russische Regierung zwar, aber das wird die Russen nicht vom Kriegführen abhalten. Das von unseren Medien betriebene Getöse um diese Symbolpolitik ist eher lachhaft.
@Labacco 18.07.2025 um 12:42 Uhr
> Im übrigen hat China die Tage verlauten lassen, dass es nicht zulassen wird, das Russland den Krieg verliert.
Bitte Quellenangabe nachliefern. Danke!
@Ex_Inst
Hinsichtlich Systeme Patriot mögen Sie recht haben, einfach zu spät bestellt.
Aber meine Anmerkungen bezogen sich auch auf die Projekte im Allgemeinen. Ich kann Ihnen eine Reihe von Beispielen nennen, bei denen vor zwei, drei Jahren für die Bundeswehr bestellt wurde, jedoch das neu produzierte Material priorisiert in die Ukraine umgeleitet wurde. Das geschieht z. B. eben auch bei den Patriot – Flugkörpern, aber auch bei den IRIS-T-Raketen.
Und es wird passieren bei der Panzerhaubitze 2000 und den RCH155. Ich weiss die RCH155 sind für die Bundeswehr noch nicht fix bestellt, aber die Boxer-Fahrgestelle werden für die ukrainischen RCH155 benötigt. Das wiederum führt zu Verzögerungen bei der Auslieferung der Boxer für die Truppe (schwerer Waffenträger, Skyranger, usw.).
Ein weiteres Beispiel, aber hier liegt es mal wieder an der Bürokratie, sind die AGF2. Die sind immer noch in der Erprobung seit Sommer 2024!!! Da kann man die Produktion auch gleich in die Ukraine schicken, wie geschehen.