Einsatzbereitschaft der Bundeswehr soll besser werden: Mehr Geld, mehr Sozialleistung – und Einschränkungen der Arbeitszeitverordnung (m. Nachtrag)

Mit einem Paket verschiedener Neuregelungen von Solderhöhungen über die Ausweitung sozialer Fürsorge und höhere Rentenzahlungen bis hin zu Einschränkungen der geltenden Arbeitszeitregelung soll die personelle Einsatzbereitschaft der deutschen Streitkräfte verbessert werden. Die Details sind im Entwurf für das Gesetz zur nachhaltigen Stärkung der personellen Einsatzbereitschaft der Bundeswehr (BwEinsatzBerStG) enthalten, den das Bundeskabinett am (heutigen) Mittwoch beschließen will. Die neuen Maßnahmen werden nach Angaben des Verteidigungsministeriums allein in den kommenden vier Jahren rund 380 Millionen Euro kosten.

Grund für die geplanten finanziellen und sozialen Verbesserungen für Soldaten ist die für die Bundeswehr unbefriedigende Personalsituation: Die Zahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten steigt derzeit nur sehr langsam und bleibt hinter den Plänen für eine Aufstockung der Streitkräfte zurück. Die Neuregelungen sehen deshalb nicht zuletzt eine deutliche Erhöhung des Soldes für Kurzdiener, aber auch mehr soziale Fürsorge für Soldaten vor, die im Einsatz verwundet oder verletzt wurden.

Eine Neuregelung, die sehr schnell wirken wird und wohl auch soll, ist eine Einschränkung der so genannten Soldatenarbeitszeitverordnung. Diese Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie begrenzt die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit für Soldaten seit Anfang 2016 auf 41 Stunden. Das führte in verschiedenen Bereichen der Truppe zu Problemen; für Auslandseinsätze oder Seetage der Marine gelten bereits Ausnahmen.

Künftig sollen auch bestimmte Aufgaben im so genannten Grundbetrieb ausgenommen sein: Konkret werden die Alarmrotten der Luftwaffe genannt, die rund um die Uhr innerhalb einer Viertelstunde zu Einsätzen über Deutschland starten können, sowie der Rettungsdienst der Marine. Damit kommt das Ministerium absehbaren Problemen vor allem bei Luftwaffengeschwadern zuvor, bei denen nicht nur Piloten, sondern auch Techniker für den Quick Reaction Alert (QRA) in Bereitschaft stehen müssen.

Der überwiegende Teil des Gesetzespakets betrifft allerdings finanzielle und soziale Anreize für aktive Soldaten. So werden die sozialen Leistungen, die Soldaten nach einer Verwundung im Auslandseinsatz beanspruchen können, ausgeweitet: Bislang gelten die Regelungen nur für die Auslandseinsätze, für die der Bundestag ein Mandat beschlossen hat. Künftig sollen davon auch so genannte einsatzgleiche Verpflichtungen erfasst sein, wenn dieser Einsatz eine bestimmte Gefährdungslage mit sich bringt. Als konkretes Beispiel nennt das Ministerium die NATO-Battlegroup in Litauen mit den bis zu 600 deutschen Soldaten in der enhanced Forward Presence  (eFP) an der Nordostflanke der Allianz.

Ausgeweitet wird auch die Unterstützung für ausscheidende Zeitsoldaten, die bereits jetzt für den Umstieg in das zivile Berufsleben vorbereitet und gefördert werden. So sollen die Zuschüsse für die Eingliederung in den zivilen Arbeitsmarkt, gestaffelt nach militärischer Dienstzeit, erhöht werden. Zugleich zahlt die Bundeswehr für die Zeitsoldaten wie auch für die Freiwillig Wehrdienst Leistenden mit maximal 23 Monaten Dienstzeit mehr in die Rentenkasse, um spätere Lücken in der Altersversorgung auszugleichen.

Zugleich erweitert das Gesetz den Kreis der Soldaten, die Berufssoldat werden können: Künftig sollen auch Unteroffiziere ohne Portepee, also unterhalb der Gruppe der Feldwebel, aus der Gruppe der Zeit- in die der Berufssoldaten wechseln können. Eine Ausweitung auf Mannschaftsdienstgrade als Berufssoldaten ist dagegen nicht vorgesehen. der Korporal dürfte damit vermutlich nicht als neuer Dienstgrad kommen.

Als Anreiz für den dringend benötigten Nachwuchs, der sich nicht auf eine Dienstzeit als Zeit- oder Berufssoldat festlegen will, werden zudem mit dem neuen Gesetz die Einkommen der Freiwillig Wehrdienst Leistenden erhöht. Für Rekruten werden statt der derzeit monatlich 840 Euro plus rund 500 Euro Sachleistungen künftig 1.500 Euro gezahlt, nach Darstellung des Ministeriums entspricht das einer Gehaltssteigerung von mehr als 13 Prozent. Für einen Hauptgefreiten unter diesen Kurzdienern soll der Sold von derzeit 1.300 Euro plus ebenfalls 500 Sachleistungen monatlich auf 1.900 Euro steigen.

Nachtrag: Da in einigen Medien etwas, nun, sehr pointiert von der Einberufung zusätzlicher Reservisten die Rede ist, ein genauerer Blick auf die neuen Bestimmungen dafür im Gesetzentwurf: Es werden nun nicht neuerdings Reservisten einberufen, ob sie wollen oder nicht – die Neuregelung soll eine Grundlage dafür schaffen, dass mehr als bisher Reservisten eingesetzt werden können, um auch längerfristig Personallücken zu stopfen.

Dafür wird im Soldatengesetz ein neuer Paragraf 63b geschaffen:

Wehrdienst zur temporären Verbesserung der personellen Einsatzbereitschaft
(1) Wehrdienst zur temporären Verbesserung der personellen Einsatzbereitschaft dient
1. dem Erhalt oder der Herstellung der Funktionsfähigkeit von Organisationseinheiten bei anders nicht abwendbaren Vakanzen oder
2. der Bewältigung anders nicht rechtzeitig zu bewältigender Auftragsspitzen.
Er ist nur zulässig, wenn für Reservisten
1. eine Wiederverwendung als Berufssoldat oder
2. eine erneute Berufung in das Dienstverhältnis eines Soldaten auf Zeit
nicht möglich ist.
(2) Wehrdienst zur temporären Verbesserung der Einsatzbereitschaft darf höchstens zehn Monate im Kalenderjahr geleistet werden. Er wird auf die Gesamtdauer der Übungen nach § 61 Absatz 2 nicht angerechnet.

In der Begründung heißt es dazu:

Wehrdienst zur Verbesserung der personellen Einsatzbereitschaft dient der vertretungsweisen Wahrnehmung von Tätigkeiten absehbar länger abwesender Soldatinnen oder Soldaten (z. B. durch Elternzeit, Betreuungsurlaub, Fachausbildungen, Lehrgänge, besondere Verwendungen im Ausland). Eine bloße Urlaubsvertretung kann, da bei der organisationsseitigen Ausstattung mit Dienstposten Urlaubnahmen berücksichtigt sind, als hinreichender Grund für eine solche Wehrdienstleistung nicht in Betracht kommen. Weiterhin dient er der Bewältigung anders nicht zeitgerecht zu erledigender Auftragsspitzen. Nach § 51 des Soldatengesetzes können Reservistinnen und Reservisten unter bestimmten Voraussetzungen in ihrem früheren Status wiederverwendet werden. Satz 2 regelt, dass erst dann, wenn eine Wiederverwendung nach dem Soldatengesetz nicht in Betracht kommt, eine Heranziehung zum Wehrdienst zur temporären Verbesserung der personellen Einsatzbereitschaft zulässig sein soll.

Faktisch wurden nach meinen Beobachtungen auch bisher schon Reservisten eingesetzt, um einen Dienstposteninhaber zum Beispiel bei Auslandseinsatz im Inland zu vertreten. Aber die rechtliche Grundlage dafür war wohl ein bisschen wackelig bzw. erforderte administrative Klimmzüge.

Um mehr als bisher Reservistendienst Leistende für solche Vertretungen zu gewinnen, soll das künftig zudem auch in Teilzeit möglich sein: Die Bestimmungen dafür werden auf eben diesen Wehrdienst zur temporären Verbesserung der personellen Einsatzbereitschaft ausgeweitet.

(Foto: Ein Eurofighter der QRA wird im Baltic Air Policing auf der estnischen Luftwaffenbasis Ämari auf den Start vorbereitet)

26 Gedanken zu „Einsatzbereitschaft der Bundeswehr soll besser werden: Mehr Geld, mehr Sozialleistung – und Einschränkungen der Arbeitszeitverordnung (m. Nachtrag)

  1. Der Bestandskunde, Berufssoldat und Offizier, geht bei den Verbesserungen mal wieder leer aus. War ja klar!!!!!

  2. Der finanzielle Anreiz, der im letzten Abschnitt erwähnt wird, scheint mir mehr als fraglich.
    1. Wird auch das nicht die demographischen Gegebenheiten Deutschlands ändern.
    2. Wird mit einer solchen Anpassung sicher nicht derjenige überzeugt, der bisher ohnehin nicht zur Bundeswehr wollte und
    3. Ist es ein Grauen für jeden länger Verpflichteten (Feldwebel und Offiziere) dieses Gehalt vor Augen geführt zu bekommen. Man bedenke, dass ein Leutnant mit 2.100 Euro in der Grundstufe nach Hause geht. So läuft Personalbindung. Oder übersehe ich hier eine angedachte Gehaltssteigerung auch für alle weiteren Soldaten um 13%?

  3. Man höre und staune, wie schnell nun doch manche Maßnahmen kommen. Jedoch wird sich die Truppe, hier besonders die langedienten Mannschafter und Portepees, und das zu recht mMn. Enorm aufregen. Wenn heute schon ein HG FWdL 1900€ bekommt, dann kann man sich nur an den Kopf greifen. In den meisten Fällen sind es doch ungelernte Kräfre mit maximal Abitur als höchstens Abitur als Bildungsabschluss aber ohne Berufs- geschweige denn Lebenserfahrung. Jetzt werden einige einwenden, dass man mit Geld Leute ködert. Doch das ist nicht der richtige Ansatz. Das löst vielleicht mittelfristig die quantitativen Probleme, jedoch nicht die qualitativen.

  4. Klingt, als wären die alten Bestandskunden wieder mal in die Nase gekniffen…sind ja sowieso schon da…

  5. Moin,
    verstehe ich es richtig, dass die Sold bzw Sachleistungen nur für Kurzdiener gedacht sind? In dem konkreten fall eines Hauptgefreiten wäre dass ein verdienst der gleichzusetzen ist mit dem Verdienst eines Feldwebels gleichen alters. Bevor ich mich aufrege daher die Frage. Für alle oder NUR für Kurzdiener?

    [So weit derzeit bekannt: Die Änderung bezieht sich ausschließlich auf den Wehrsold, nicht auf die Bezüge nach Bundesbesoldungsgesetz, und auf den Paragrafen 58b des Soldatengesetzes – also allein auf FWDL. T.W.]

  6. Ein paar wichtige Schritte in die richtige Richtung, die eigentlich auch unabhängig vom Personalwachstum erforderlich sind. Die Ermöglichung der Ausweitung der Arbeitszeit in mehreren Teilbereichen war überfällig. Mit Blick auf den Manschaftermangel in vielen organisatorischen Bereichen freue ich mich auch sehr über deren Soldzuwachs für freiwilliger Dienstleistende.

    Frage: Warum ist der Dienstgrad Korporal vom Tisch? Nach meiner Informationslage war dieser erst einmal unabhängig vom Berufsoldatenstatus im Gespräch, insbesondere mit Blick auf das Konstrukt SAZ 25 (Zeitsoldat für 25 Jahre).

    [Wg. Korporal: Stimmt, eine missverständliche und evtl. falsche Einschätzung meinerseits. Ich nehme das mal raus. T.W.]

  7. Ich habe gerade auf SPON den entsprechenden (und ziemlich dünnen) Beitrag zum Thema gelesen. Interessant ist, daß wohl verstärkt auf Reservisten gesetzt werden soll. Wie das funktionieren soll, entzieht sich jedoch meiner Kenntnis. Ich kann mir nicht vorstellen, daß zivile Arbeitgeber ihre Angestellten für die Bundeswehr freistellen, nur weil diese ihren Kram nicht auf die Reihe bekommt. Bei uns im Unternehmen hätte das keine Chance.

    Link zum Thema (falls erlaubt, falls nicht bitte entfernen)
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-verteidigungsministerium-will-verstaerkt-auf-reservisten-zurueckgreifen-a-1255284.html

  8. @Trevor Faith & all

    Aus den bisherigen Informationen zu diesem recht umfangreichen und sehr diversen Gesetzespaket haben sich die verschiedenen Kollegen verschiedene Schwerpunkte rausgesucht ;-)

    Das Thema Reservisten hat sich mir nach den bisherigen Infos noch nicht so ganz in den Details erschlossen; aber es gibt ja später ohnehin eine Neufassung.

  9. @Romeo Victor

    “ Wenn heute schon ein HG FWdL 1900€ bekommt, dann kann man sich nur an den Kopf greifen. In den meisten Fällen sind es doch ungelernte Kräfre mit maximal Abitur als höchstens Abitur als Bildungsabschluss aber ohne Berufs- geschweige denn Lebenserfahrung.“

    Wenn wir uns Soldaten schon nicht selbst wertschätzen, was soll man dann von der Zivilgesellschaft erwarten.
    Ein HG ist in erster Linie Soldat mit Ausbildung in seiner Verwendung. Eine ziv Ausbildung spielt erstmal keine Rolle. Alimentiert wird er für seinen Dienst und der kann entspannt das wert sein wie er vergütet wird. Ob ein Soldat im Dienstgrad HG Lebenserfahrung hat hängt, wie bei allen anderen heute eben nicht zwingend am Dienstgrad.

    Wir sind eben zuerst keine Köche, Schreiner oder Stablerfahrer sondern von Beruf Soldat und auch ein HG (m/w) muss ggf eine Familie ernähren

  10. Attraktivität in Nuancen.
    Für die Längerdienenden kann ich keinen wirklichen Gewinn erkennen.

    Attraktiv wäre für z.B. eFP nicht nur 62€ pro Tag zu zahlen sondern einen dreistelligen Betrag – wie die anderen Beteiligten Nationen in der selben Battlegroup auch.
    Größere Unterschiede vom Msch zu StUffz, Fw und Offz.
    Der Fw ist z.T. Teileinheitsführer mit erheblich mehr Verantwortung und es dauert Jahre um sich dann minimal von Msch und StUffz abzuheben. Dafür Minimum 3, eher 5 Jahre quer durch Deutschland zu Lehrgängen gondeln. Das ist nicht attraktiv.

  11. Ich bin gespannt. Vielleicht sollte man Kameraden die sich wirklich bemühen noch etwas zu erreichen nicht immer Steine in den Weg legen. Bei mir fing es mit der Einstellung an das mir m.Portepee geboten wurde und ich die Frage stellte worin der Unterschied mit oder ohne Portepee besteht. 8 oder 12 Jahre Dienstzeit sonst nichts. Also war ich der Meinung das 8 Jahre erstmal besser sind bevor ich 12 Jahre unglücklich bin. Das mir dadurch mein FW durch die Lappen gegangen ist war super. Bin dann in einen sterbenden Verband kommen was natürlich auch super ist. Dazu dann 4 Anträge auf FW gestellt davon sind 3 „verloren“ gegangen. Beim 4 Antrag wurde mir dann gesagt es gäbe keinen Stellen wenn dann nur am Ar*** der Welt. Etc etc etc. Trotz alledem bin ich immer noch gewollt weiter zu dienen. Nur bei sovielen steinen verliert man einfach die Motivation.

  12. @all

    Ich habe mal die Bestimmungen zu Reservisten im Gesetz mit dem neuen Wehrdienst zur temporären Verbesserung der personellen Einsatzbereitschaft oben nachgetragen.

  13. @ Lockermann

    Was Sie beschreiben ist genau ein ( ! ) Problem der heutigen Bundeswehr. Sie schafft es nicht mehr Aufstiegslaufbahnen zu entwickeln.
    Im Zweifelsfall ist ihr der SaZ 20 StUffz lieber, als für einen Fw eine Laufbahn zu planen. Man hat dies ca. 2010 als die Bw mit dem „atmenden Personalkörper“ beschrieben. Dies bedeutet wenn die Bw Soldaten braucht, werden sie auf dem zivilen Markt angeworben, wenn man sie nicht mehr braucht werden sie entlassen.

    Damit braucht sich die Personalführung nicht mehr mit Aufstiegslaufbahnen, Werdegangsmodellen, allgemein mit Personalbindungsmaßnahmen beschäftigen, sondern agiert nach dem Motto “ Hire and Fire „.

    Nachdem ja von allen Seiten behauptet wird, wir haben zuviele Berufssoldaten, also jenseits des „Knackigkeitsalters“ von 45 Jahren aber mit ordentlicher Pensionszusage, propagiert man das SaZ-Modell bis SaZ 25 Jahre. Wenn der betroffene Soldat dann mit 45 Jahren nach 25 Jahren Dienstzeit in die freie Wirtschaft entlassen wird hat er natürlich als lebensälterer Arbeitnehmer im Regelfall auch seine Probleme um beruflich wieder Fuß zu fassen.

    Jeder zivile Arbeitgeber würde mit dieser Personalpolitik pleite gehen. Dies wird insbesondere durch das Demografieproblem verschärft, dass es also immer wenige junge Arbeitnehmer und viele ältere, rentennahe Arbeitnehmer gibt.

    Die logische Konsequenz wäre, das man vorhandenes Personal binden und weiter entwickeln müsste. Je nach Potential eines Arbeitnehmers macht dies die zivile Wirtschaft in Zeiten des Fachkräftemangels, nicht jedoch die Bw.
    Wie sie richtig beschreiben ist es immer noch schwierig die Laufbahn zu wechseln, weil die Bw in ihrer Personalpolitik immer noch „auf Sicht fährt“ und die strategische Herausforderung der Personalentwicklung noch nicht akzeptiert und umsetzt.

    Dies war übrigens bis ca. zum Jahr 2000 anders, da war die Aufstiegslaufbahn von Uffz zu Fw normal, lediglich die Mannschaftsdienstgrade wurden als SaZ 4, max. 8 geführt.

    Eine Organisation, die es heute nicht schaftt, Personal was bleiben will unter vernünftigen Bedingungen zu halten, ist zum schleichenden Tod verurteilt.

  14. Immer noch ist Geld das Mittel der Wahl :(
    Es geht nicht um Attraktivität, Berufszufriedenheit, dass man Erfüllung in seiner Tätigkeit findet…
    Da müsste man ja wirklich mal Dinge ändern und nicht nur eine Task force einsetzen.

    Das Thema der Reservisten sehe ich ebenfalls kritisch. Zumindest in meinem Erfahrungsbereich sind es viele, die 11 Monate im Jahr wehrüben. Das teilweise auch schon seit drei oder vier Jahren. Natürlich hilft es, Lücken zu schließen gerade wenn das Personal auf Lehrgang oder im Einsatz ist. Gleichzeitig sind die Reservisten nicht so einsetzbar (aufgrund mangelnder Ausbildung), bei einigen weiß man dass sie von heute auf morgen weg sind wenn sie was vernünftiges finden. Von deren Motivation ganz zu schweigen, die Karriere ist gefühlt einfacher als beim „normalen“ Offz Truppendienst.
    Aber wenn sich dann leistungsfähige Reservisten als Seiteneinsteiger (haben wir einige) auf genau den DP bewerben, auf dem sie seit Jahren dauerüben, ist angeblich keine Stelle frei und sie bekommen Angebote, die man nur ablehnen kann. Herzlichen Glückwunsch, Personalführung!

  15. Bin ich der einzige, der es als zynisch empfindet, eine gesteigerte Fürsorge für im Einsatz versehrte Soldaten jetzt mit einer „höheren Attraktivität“ der Truppe zu begründen? Ohne den personellen Druck wär es wohl kein Thema gewesen oder wie ist das zu verstehen? Es dürfte hier ja nicht um einen zusätzlichen Wellness-/Kur-Urlaub gehen …

  16. Moin,
    Glückwunsch an alle, die zukünftig im -PLUS – sind !
    Ein weiteres Kümmern um die genannten ist entweder aus Sicht der Regierung nicht notwendig oder nicht mehrheitsfähig. Aus Beidem kann man seine Schlussfolgerungen ziehen.

  17. @ Hans
    „Immer noch ist Geld das Mittel der Wahl :(
    Es geht nicht um Attraktivität, Berufszufriedenheit, dass man Erfüllung in seiner Tätigkeit findet…“ Der Punkt ist verstanden! Ich habe in 31 Dienstjahren mit vielen Kameraden gesprochen zu allen möglichen Themen in allen möglichen Situationen, allein eine konsistente allgemeingültige Definition für „Attraktivität“-über die Besoldung/Beförderung hinaus-habe ich nicht finden können.

  18. Das ist finde ich die falsche Herangehensweise. Was ist das für ein Signal? Es wird hier versucht händeringend mit einem Eimer voll Gold Soldaten zu werben. Der Beruf sollte attraktiver gemacht werden. Der Beruf sollte Perspektive haben und die Verantwortung die Vorgesetzte haben sollte gewärtschätzt werden. Der Offz oder Fw tragen alle Verantwortung, müssen immer die ersten und die letzten sein, sollen Vorbild sein…
    Und am Ende des Tages steht der OSG da (wird ja inzwischen auch jeder) steckt uns finanziell in die Tasche, ist dafür aber die Hälfte des Jahres MSG oder KzH, weil er ja bereits 45 ist und da ist man nun mal nicht mehr fit wie mit 20. Und die Vorgesetzten? Wir stehen wie die dummen im Regen… Und dann wundert man sich warum die Moral schlecht ist?

    Perspektiven sollten Angeboten werden. Warum sollte man sich für höhere Laufbahnen bewerben wenn ich das gleiche Geld für weniger Verantwortung, weniger Lehrgänge und weniger Abwesenheiten vom Heimatstandort bekomme.

  19. Berufszufriedenheit des Bestandspersonals wäre ein Schlüssel für mehr Nachwuchs. Die Bundeswehr ist sich m.E. nicht bewusst darüber, wie schädlich die negative Werbung von aktiven unzufriedenen Soldaten im zivilen Bereich ist. Ehrliche Umfragen zu den Gründen für mangelnde Berufszufriedenheit und eine Abstellung der internen Missstände würden mehr bringen als etwas mehr Geld für Neueinsteiger.

  20. Eine Armee mit einer träumenden Führung, hat ein massives Führungsproblem.
    Ich kann keinem jungen Menschen raten, sich unter das Kommando einer realitätsfernen Führung zu stellen.

  21. @Lockemann:
    Das scheint ein grundsätzliches Problem zu sein. Findet sich übrigens auch bei den Reservisten wieder. Ich habe vor mittlerweile zwei Jahren erste Gespräche mit Dienststellen geführt, welche Möglichkeiten man als IT’ler mit gesuchtem Spezialwissen im Bereich CIR als Reservist hat und wo man unterstützen kann. Die Antwort war sinngemäß: „Wir brauchen Sie am bestern sofort!“ Nach unzähligen Telefonaten, persönlichen Gesprächen und zwischenzeitlichen Ablehnungen bin ich nun für einen Dienstposten vorgesehen, warte jedoch noch auf die ärztliche Untersuchung. Mittlerweile herrscht weitestgehend Funkstille. Sooo wichtig scheint IT-Personal dann wohl doch nicht zu sein…

    Im übrigen ist die Bw gerade für IT’ler aus der freien Wirtschaft relativ uninteressant. Dafür sind die Bedingungen (Verdienst, Tätigkeiten, fachspezifische Weiterbildung) und Perspektiven (nur Befristung aka SaZ) unzureichend. Da man sie als Reservisten offensichtlich auch nur halbherzig anlockt, bleibt nur der Einkauf als teure Berater.

  22. Zur Arbeitszeit: Damit wird eine faktische Abschaffung der regelmäßigen Wochen-Arbeitszeit von 41 Stunden erreicht. Grundsätzlich wird sie auf 44 Stunden erhöht, indem §30c Abs. 1 SG entsprechend neu gefasst wird.
    Dazu wird eine Reihe von Ausnahmen formuliert, in denen diese dann eh nicht gilt, indem ein neuer § 30d eingeführt wird. So heißt es ziemlich pauschal, dass bei besonderen
    militärischen Kenntnissen oder Fähigkeiten §30c ausgesetzt werden kann, besonders wenn „die Tätigkeiten andernfalls nicht im erforderlichen Umfang ausgeübt werden können.“
    Also anders ausgedrückt: Grundsätzlich macht ihr alle mal 44 statt 41 Stunden. Und wenn wir euch länger benötigen, macht ihr länger, ihr Experten.
    Ziemlicher Hammer, oder? Denn die SAZV und der entsprechende Arbeitsschutz (und ggf. auch der entsprechende Ausgleich der Überstunden, egal ob zeitlich oder finanziell) wird damit komplett ausgehebelt.

    [Danke für den Hinweis – das erschließt sich so nur den Spezialisten, weil das im Gesetz natürlich durch Querverweise etc. nicht direkt ablesbar ist. Aber ein Punkt, dem ich noch mal nachgehe. T.W.]

  23. Effektive und für alle gerechte Lösung: Für jeden Einsatztag auf See oder im Ausland doppeltes Gehalt und doppelte Anrechnung auf die Lebensarbeitszeit. R⭐️

  24. Die Frage, die sich mir bei der gesamten Thematik immer wieder stellt, ist, ob mehr Berufssoldaten wirklich das Ziel sein sollen, wenn man eine einsatzbereite Armee haben will.

    Weiter oben wurde ja der OSG im Alter von 45 Jahren+ mit zunehmender Häufigkeit von KSG und KzH beschrieben, das gilt natürlich auch für die anderen Dienstgradgruppen. Ist es also wirklich erstrebenswert, das gesamte Personal bis zur Rente zu halten? Ich muss aber zugeben, dass ich darauf – auch in Hinblick auf den zunehmenden Bedarf an Spezialisten – keine abschließende Antwort habe. Mein Eindruck ist nur insgesamt, dass wir vornehmlich zu wenige „Hände“ haben, die die Auftragslast umsetzen, und da wiederum würde ich ebenfalls primär in die Gewinnung jungen Personals investieren.

    Dass aber die Dienstgradstruktur mit ehedem jeweils assoziierten Fähigkeitsebenen und dem dazugehörigen erwarteten Respekt vor dem jeweiligen Dienstgrad zunehmend wenig überzeugt (hier vor allem das immer gern gewählte Beispiel Hauptfeldwebel), steht weiterhin außer Frage.
    Respekt und Anerkennung statt Geld, und eine nachvollziehbare Personalführungspolitik. Ich glaube, dass hier die Schlüssel zum Erfolg in Bezug auf das Thema Attraktivität liegen. Aber das ist nun nicht das Thema hier, sondern der aktuelle Beschluss.

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