(Nicht nur) Trump-Fallout: Neue Debatte über den deutschen Verteidigungsetat

Der NATO-Gipfel in dieser Woche stand ganz im Zeichen der Debatte über die Verteidigungsausgaben der Mitgliedsländer und der ein wenig, nun, erratischen Äußerungen von US-Präsident Donald Trump (zu Unrecht, weil in der Gipfelerklärung weit mehr und weitreichenderes drinsteht). Das hat auch Auswirkungen auf die Debatte in Deutschland.

Unter anderem, weil die Aussagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Brüssel von einigen als Ankündigung verstanden wurden, schneller als bisher vorgesehen den deutschen Wehretat zu erhöhen. Die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag hat das ganz konkret als Ziel ausgegeben, zur Verärgerung des Koalitionspartners SPD.

Die innenpolitische Debatte nimmt gerade erst Fahrt auf; als Merkposten ein kurzer Überblick:

Kauder pocht auf Militäretat von 1,5 Prozent schon 2021

Unions-Fraktionschef Volker Kauder pocht auf eine schnellere Anhebung der Verteidigungsausgaben.
“Wir müssen das 1,5-Prozent-Ziel am besten noch in dieser Wahlperiode erreichen”, sagte Kauder der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (Freitagausgabe). Der Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion stellte sich damit gegen die Bundesregierung, die erst 2024 auf 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung kommen will.

Unterstützung bekam die Union vom früheren CDU-Verteidigungsminister Volker Rühe am Freitag im Deutschlandfunk:

Das heißt, es ist schon lange klar, auch bei seinen Vorgängern, die viel eleganter waren wie Obama, dass wir Europäer mehr eigene Verantwortung für unsere Sicherheit übernehmen müssen, um auch in diesem Jahrhundert ein angemessener Partner für die USA zu sein. Deswegen liegt das eigentliche Versagen in der deutschen Politik und das muss sich ändern, und es gibt ja auch Initiativen des stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion, Herrn Wadephul, der deutlich gemacht hat, dass man noch in dieser Legislaturperiode, um ein Minimum für die Bundeswehr zu erreichen, 1,5 Prozent braucht, und das muss durchgesetzt werden. (…)
Aber realistisch ist es, noch in dieser Legislaturperiode – und das ist ganz konkret bis 2021 – zu 1,5 Prozent zu kommen. Das ist noch nicht die Politik der Regierung, aber schon die Politik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, und das muss die Politik Deutschlands werden. Das ist eine Summe, die man vernünftig investieren kann, ohne sich zu überfordern, und das wäre wirklich auch ein entscheidender Schritt, um der Bundeswehr wieder die Chance zu geben, den Weg in die Zukunft zu finden und dass sie eine leistungsfähige Armee ist.

(Nachtrag zur Erläuterung: Die von Rühe genannte Position des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Johannes Wadephul hatte der bereits am 5. Juli, nach dem Beschluss des Bundeskabinetts zum Haushalt und eine Woche vor dem Gipfel, in einem Interview ebenfalls im Deutschlandfunk deutlich gemacht – allerdings mit der von den Gipfelbeschlüssen nicht gedeckten Aussage, es seien genau 2,0 zugesagt:

Innerhalb der Koalition war für die Bundesregierung derzeit nicht mehr möglich als zu sagen, 1,5 bis 2024, aber bis 2024 sind genau 2,0 zugesagt. Deswegen sagt die CDU/CSU-Fraktion, wir brauchen 1,5 Ende dieser Legislaturperiode. Das wäre 2021 und das ist auch erreichbar.

Die Gegenstimmen dazu kommen aus der Regierungskoalition selbst, von den Sozialdemokraten:

SPD lehnt schnellere Erhöhung des Wehretats ab

Finanzminister Scholz erteilt Trump-Militärziel Absage

Deutschland wird bei der von US-Präsident Donald Trump geforderten schnellen Steigerung der Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent der Wirtschaftskraft nicht mitmachen.
Deutschland habe beim Nato-Gipfel am Mittwoch und Donnerstag nur zugesagt, was auch öffentlich bekannt sei, sagte Scholz am Freitag in Brüssel. (…) Die Höhe der Ausgaben ließe sich auch gar nicht so schnell ändern, da es dafür ein festgelegtes Prozedere gebe.

Ein wenig vermittelnder äußerte sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU)  am Donnerstagabend in den ARD-Tagesthemen:

Frage: Sie müssten sich doch als Verteidigungsministerin auch darüber freuen, dass da mehr Geld kommen könnte. Warum sagen Sie Kanzlerin Merkel nicht, lass uns das Ziel schneller erreichen, das hilft auch der Bundeswehr und nicht nur der NATO?
Antwort: Weil wir einen guten Plan ausgearbeitet haben innerhalb der Bundeswehr. Ich hatte eben geschildert die Lücken die wir haben, den Aufholprozess, den wir leisten müssen, und dies gemeinsam mit dem Parlament. Beispiel: Wenn die Bundeswehr wachsen soll – und das tut sie -, wieder mehr Soldatinnen und Soldaten, dann müssen diese Männer und Frauen ausgebildet werden. Das bedeutet Investitionen in die Fähigkeiten, die sie entwickeln müssen. Das braucht seine Zeit.
Wenn Sie neues Gerät brauchen – auch das braucht seine Zeit. Kasernen, die wieder modernisiert werden müssen, die ganze Digitalisierung, die nach vorne getrieben werden muss in der Bundeswehr, das braucht viele Investitionen. Deshalb ist es auch so wichtig, dass jedes Jahr der Haushalt steigt, so wie wir es verabredet haben. Aber man kann das eben auch nicht übers Knie brechen, sondern man muss das mit Bedacht und sinnvoll investiertem Geld dann auch auf den Weg bringen.

Weiter dann vermutlich nach Entwicklung, vielleicht auch am Wochenende.

(Foto: Schützenpanzer Marder bei einer Vorführung am Tag der Bundeswehr am 9. Juni 2018 in Holzdorf – Bundeswehr/Johannes Heyn)

70 Kommentare zu „(Nicht nur) Trump-Fallout: Neue Debatte über den deutschen Verteidigungsetat“

  • klabautermann   |   15. Juli 2018 - 11:05

    @ZULU313 | 15. Juli 2018 – 0:19
    Na ja, so wie der „…Auftrag gem Grundgesetz…“ mittlerweile interpretiert.wird (Verteidigung auch am Hindukusch etc) und das möglichst Pronto, Pronto (VJTF) entsteht natürlich für die Logistiker/Beschaffer so eine Art „Mission Impossible“ insbesondere bei der optimalen, missionsgerechten persönlichen Ausstattung/Ausrüstung…..nur darauf wollte ich mit meiner kleinen Persiflage hinweisen. Die BW ist eben top-to-bottom völlig unstrukturiert – will sagen: von Auftrag-bis-Nachtsichtbrillenverteilung. ;-)
    Wenn Sturmhauben genauso „gemanaged“ werden wie Leo 2 A7, dann ist das für mich eben nur noch Realsatire. Kann man eigentlich alles nicht mehr wirklich ernst nehmen, was da an „Phrasen“ von der obersten „Führung“ so abgesondert wird, wie z.Bsp „Breite vor Tiefe“ und „Ausrüstung statt Aufrüstung“ etc.pp
    Also, hau wech die Scheiße, dann ist vielleicht Trump happy und der Gefreite Pimpelhuber auch /SARC

  • Nur 2 Cent   |   15. Juli 2018 - 12:14

    Genau, drittes Los K130 bis 2023. Mann mann mann, hier reden Blinde von Farben. Mit Glück ist dann Los 2 da. Nicht zu vergessen das Glattziehen der Bauzustände von Los 1.

    Strategische Planung ist in Deutschland wohl nicht mehr möglich, stattdessen erfolgen nur noch reflexartige, kurzfristig dem Wahlkreis geschuldete Zuckungen.

    Derweil wuchert der Vorschriftendschungel weiter, so dass man bei spontaner Etatverdoppelung das Geld gar nicht ausgeben kann (Hufnagelerlass anyone?)…

  • Pete   |   15. Juli 2018 - 12:45

    @Thomas Melber

    Vielen Dank für den angehängten Link zu der Studie über den Harmel-Report. Wer dieses hoch interessierte Papier liest kommt u.a. zu folgenden Erkenntnissen:

    1.Große Interessengegensätze und unterschiedliche Bedrohungsperzeptionen innerhalb der NATO Staaten (damals nur 16 Staaten) sind nichts Neues, sondern sie sind schlicht ständige Realität in einem großen Bündnis.
    2. An einem gewissen Punkt führt kein Weg daran vorbei, dass man sich solchen divergierenden Vorstellungen offen stellen muß und eine gründliche und ehrliche Neubewertung der Lage vornimmt. Nur dann kann ein neuer und von allen getragener Kompromiß gefunden und umgesetzt werden.
    3. Es hilft in einem Bündnis nicht weiter, wenn man emotionale Befindlichkeiten einzelner Staaten (derzeit Polen, Baltische Staaten) zur Grundlage eines großen Plans macht. Nur wenn alle Bündnismitglieder sich vertreten fühlen hat das Bündnis als Ganzes eine einheitliche Position, die auch trgfähig ist und die sich an den realen Gegebenheiten orientiert.
    4. Nur durch den Fokus auf den Kern der Bündnisverpflichtungen lassen sich tragfähige Lösungen finden. In der heutigen Lage ist beispielsweise die ständige Teilnahme der Ukraine bei fast allen Beratungen der NATO eher störend für die Problemlösung. Die Ukraine ist kein NATO Mitglied und die Mechanismen zum Lösen dieser Krise müssen andere sein und eventuell sogar von einer anderen Organisation (OSZE) federführend bearbeitet werden.

    Meine feste Überzeugung ist, dass die NATO, aber auch die EU, an genaus so einem Punkt wie damals angelangt ist. Wir müssen uns ehrlich machen. Hochglanzbilder von rein rituellen Gipfeltreffen lösen die grundlegenden Probleme nicht. Von daher ist Trump tatsächlich zu danken. Er hat den oberflächlichen Schleier der vordergründigen Übereinstimmung herunter gerissen und die inzwischen substanzlosen Rituale der angeblich so wichtigen Gipfeltreffen (G7, NATO) offen gelegt. Den anderen Teilnehmern ist das unangenehm weil sie seit vielen Jahren diese rein rituelle Oberflächlichkeit gewohnt sind und inhaltlich nur wenig beizutragen haben.

    Aus der von @Thomas Melber beigefügten Studie empfehle ich der NATO eine Orientierung an dem damaligen Vorgehen, um die damals wie heute, grundlegenden Meinungsverschiedenheiten auf eine neue Grundlage zu stellen:
    Zitat:
    „…Der Rat beschloß, eine breit angelegte Untersuchung der internationalen Entwicklung seit der Unterzeichnung des Nordatlantik-Vertrages im Jahre 1949 vorzunehmen. Dabei sollten
    der Einfluß dieser Entwicklung auf das Bündnis festgestellt und Vorschläge entwickelt werden, durch die es als Faktor eines dauerhaften Friedens gestärkt werden
    könnte…“

  • Ulenspiegel   |   15. Juli 2018 - 13:46

    KWK schrieb: „Im Pazifik setzen allein die USA die Freiheit der Meere durch, grenzen Xi und Putin ein, was letztlich EU und DEU Handelsinteressen zugute kommt.“

    das ist doch Unsinn. Der tägliche Kleinkram (Piraten etc.) wird eben nicht von den USA gemacht, und solange China offene Seewege braucht, werden sie sich vor ihrer Haustüre darum kümmern (müssen).

    Das halbe Dutzend US Trägerkampfgruppen als unser eurpäische Interesse verkaufen zu wollen, ist doch lächerlich.

  • Hans Dampf   |   15. Juli 2018 - 14:13

    Es wäre schon viel gewonnen, wenn man sich nicht weiter in die Tasche lügt, da immer ausgeführt wird, man müsse in der Bw alles zusammenraffen, um eine Brigade (=VJTF-Brig) auf die Back zu stellen. Man habe das Ziel, dass die VJTF-Brig 2023 voll ausgestattet sein soll.
    Realität ist: Die VJTF-Brig ist nur zum Teil deutsch, ohne die NLD, NOR und FRA-Battlegroup und andere MN-Beistellungen sähe der ganze Verein recht mau aus und würde nicht als Brigade durchgehen. Das heisst, wir schaffen es schon heute nicht, eine „eigene“ VJTF-Brig zu stellen und es steht zu erwarten, dass dies 2023 nicht anders aussehen wird. Insofern wäre es ehrlicher, vom Deutschen Anteil VJTF-Brigade zu sprechen, den man 2023 voll ausstatten möchte, aber das ist natürlich nicht so wohlklingend.

  • Alex   |   15. Juli 2018 - 15:29

    @Pete
    Vollkommen richtig!
    Womit könnten wir unsere (europäische) Gasversorgung diversifizieren?
    1. Russland hat die Krim annektiert und damit die Kontrolle über die vorhandenen Ressourcen gewonnen.
    2. Die Türkei hat die Gas-Exploration südlich von Zypern militärisch gestoppt.
    3. Durch die Streitereien zwischen Griechenland und der Türkei sind wohl auch in der Ägäis Explorationen relativ schwierig.
    4. Zwischen Israel und dem Libanon sieht es ähnlich aus.
    5. Durch den Syrien-Konflikt ist gehört eine Pipeline durch Syrien nach Zypern der Vergangenheit an.
    6. Die Greenstream Pipeline verläuft zwischen Libyen und Italien. Der IS hatte zwischenzeitlich die Kontrolle über Gasfelder.
    7. Die Pipeline zwischen Ägypten und Israel wurde bei einem Anschlag gesprengt. Sie wurde nicht über Syrien zur Türkei verlängert.
    8. Durch Algerien verlaufen mehrere Pipelines, u.a. die Transsahara-Pipeline aus Nigeria über Niger.

    Das zeigt m.E., dass Russland für unsere Gasversorgung per Pipeline die verlässlichste Wahl ist, solange wir uns nicht militärisch stark engagieren wollen.

  • KaSiMir   |   15. Juli 2018 - 17:25

    @ Alex und Pete

    Die Sowjetunion war selbst zu den spannungsgeladenen Zeiten des kalten Krieges ein verlässlicher Partner bei den Gaslieferungen…

    Die Argumentation empfinde ich deshalb etwas hergeholt.

  • 0815   |   15. Juli 2018 - 17:52

    @ZULU313 | 14. Juli 2018 – 20:57 & 15. Juli 2018 – 0:19
    Volle Zustimmung da in der „selben Firma“ ;-)
    Ansonsten vergebliche Mühe dem ein oder anderen Sachgerecht zu vermitteln, das auch der kleine Gefreite Pimpelhuber als Multiplikator für Berufszufriedenheit dienen kann.
    Besser ist es, wenn genau dieser kleine Soldat XY im privaten Kreise am Wochendende Zufriedenheit ausstrahlt anstelle von zeitraubenden Tagen und Wochen wo Material von A nach B herumgeschoben wird um tatsächlich einigermaßen Sachgerecht ausgestattet zu werden. Zudem der ganze Krempel dann auch nicht immer als sein eigen Pfleglich behandelt wurde….
    Das passiert wie mit allem was nicht in entsprechender zur Verfügung steht: Überbelastung!
    Und wie bereits angezeigt. Es dreht sich eben nicht um „all and now“….sondern um das benötigte Minimum.
    Und dies betrifft nicht nur die durch den Schiffskobold immer gerne aufgeführten Truppengattungen ;-)
    Das Dilemma zieht sich nahezu Flächendeckend durch die Truppe.
    Ob mit oder ohne Donald Trump.
    „Blue Sky“

  • Pete   |   15. Juli 2018 - 18:00

    @Alex

    „Womit könnten wir unsere (europäische) Gasversorgung diversifizieren?“

    Nur und ausschließlich mit dem teuren Fracking Gas der USA. „America First“ ;-)

  • Ulenspiegel   |   15. Juli 2018 - 19:28

    Alex schrieb: „Womit könnten wir unsere (europäische) Gasversorgung diversifizieren?“

    Mit einer erfolgreichen Energiewende, wir haben dann nur noch einen sehr kleinen Bedarf an Erdgas, Speicher würden für mehr ein Jahr reichen.

  • KaSiMir   |   15. Juli 2018 - 19:41

    @Pete

    Nein, weiter aus Russland, bzw. aus der Nordsee… eventuell aus den arabischen Staaten.
    Ihr Populismus ist bezeichnend falsch…

  • Axel-L   |   15. Juli 2018 - 21:32

    Damit hier mal Zahlen auftauchen (wenn auch langsam Off-Topic):

    Gasreserven Krim (und Schwarzes Meer):
    66 Milliarden m³ (laut Wiki „Krim“)
    100 Milliarden m³ (andere Internetquelle)

    Gasverbrauch Deutschland:
    90 – 100 Milliarden m³ pro Jahr

    Gasreserven Russland:
    48.000 Milliarden m³

    Gasverbrauch durch Stromverbrauch:
    Durch die Energiewende werden wir auf kurzer Sicht nicht weniger Gas verbrauchen, denn gleichzeitig werden auch die letzten Atomkraftwerke nichts mehr einspeisen und auch einige Kohlekraftwerke werden dicht machen. Gas wird dazu noch weiterhin zur Netzstabilisierung benötigt und je mehr Strom aus Sonne und Wind kommt, desto mehr Gas wird zur Stabilisierung benötigt (Mittellastkraftwerke und Spitzenlastkraftwerke)
    Auf längere Sicht wird dann aber weniger Gas benötigt.

    Gasverbrauch durch Wärmeverbrauch:
    Der Großteil wird in Deutschland durch Heizungen verbraucht, auch Fernwärme. Dort wird sich erst in vielen vielen Jahren etwas groß ändern.

    Russland wird auch weiterhin unser Hauptlieferant sein für Gas.
    Das stört natürlich die NATO (kein Druckmittel), die USA (kein Export von Fracking-Gas).
    Aber man darf nicht glauben, dass Russland einfach mal so den Hahn zudreht. Dann fließt nämlich auch kein Geld zurück und ohne dieses läuft nun mal auch nichts in der Welt.

    [Danke – verbunden mit der dringenden Bitte, dieses Thema so jetzt nicht weiter auszuwalzen. Das sprengt inzwischen ziemlich den Rahmen hier. T.W.]

  • Nachhaltig   |   15. Juli 2018 - 22:20

    Deutschland ist nach wie vor gut beraten, in sicherheitspolitscher Hinsicht eng mit willigen, fähigen und verlässlichen Partnern mit dem gleichen Wertekodex eng zusammen zu arbeiten. An diesem Grundsatz hat sich nichts geändert. Das einzige was sich ändert sind die Partner, die diese Kriterien erfüllen. Nationalistische, autokratische und separatorische Tendenzen, erratisches Verhalten von führenden Politikern sowie volkswirtschaftlich geschwächte Nationen lassen diesen Kreis immer kleiner werden. Die meisten übrig gebliebenen Staaten liegen in West- und Nordeuropa.
    Deutschland sollte jetzt also seine militärischen Allianzen in Ruhe neu ausrichten. So wie es mit den Franzosen und Norwegern gerade zu Recht passiert.
    Wir wissen alle, dass Anpassungen erst langfristig Wirkung zeigen. Das sehen wir an den F125 Fregatten: Als der Liefervertrag 2007 geschlossen wurde, war von der Finanzkrise, den Konflikten auf der Krim und in der Ostukraine, vom arabischen Frühling, bis hin zum Syrienkonflikt, der Flüchtlingskrise und dem IS noch keine Rede. Deshalb sind die Fregatten heute so wie sie sind – auch wenn man sich jetzt was anderes wünschen würde (MKS180). Trotzdem war es richtig sie so zu beschaffen. Wer weiß, wie die Welt in 10 Jahren aussieht? Und für die aktuell laufenden Mittelmeer-Einsätze vor Libyen und in der Ägäis sind sie ebenfalls sehr gut zu gebrauchen.
    Deutschland ist gut beraten, nicht der Tagespolitik zu folgen. Dennoch sollten wir aber bis auf weiteres im Schulterschluss mit den richtigen europäischen Nachbarn unsere militärische Verteidigungsfähigkeit und deren flexiblen Einsatzmöglichkeit kontinuierlich verbessern. Wirtschaftlich sollten in abgeschwächter Form ähnliche Regeln gelten.

  • Zimdarsen   |   16. Juli 2018 - 8:22

    Die Situation ist wie Sie ist und im Großen und Ganzen ein Ergebnis der Fehleinschätzung über Putins Masterplan.

    Jetzt, nach dem auch die CDU/CSU erkannt hat, dass Sie über Jahre in der Verantwortung im BMVg Stand gilt es besonnen und am Ziel (87a) zu arbeiten. Die größte Baustelle und Gefahr für unserer Freiheit und unser Recht ist im Moment jedoch eher nicht Putin (da müssten die Finnen die größte Angst haben (nicht NATO aber EU Mitglied)) sondern die populistische antiliberale Politik vieler Staatenlenker.

    Gibt wohl wenig Alternativen zur momentanen deutschen Diplomatie.

  • Sommerbiwak   |   16. Juli 2018 - 15:47

    Ein erhöhter oder auch nicht Wehretat wird auch nur verpuffen, wenn man weiterhin vermeidet mal tatsächlich festzulegen was die Strategie der BR Detuschland sein soll. Seit drei Dekaden wird vermieden die deutsche Rolle und Stellung in der Welt festzulegen und was der detusche Bedarf und Anspruch ist. Wie schon angemerkt wird kurzfristig etwas übers Knie gebrochen, entweder u, den eigenen Wahlkreis zu verhätscheln oder es wird kurzfristig ohne zu überlegen irgendeiner Sau gefolgt, die gerade durchs Dorf getrieben wird. aber es gibt offenbar niemanden der wirklich mal nachdenken will, was man eigentlich will. Wenn der Wille formuliert ist, folgt die Ausstattung mit Geldern um den Zweck zu erfüllen. Puuh, klingt ja schon glatt Clausewitz’sch. ;-)

    Aber solange das nicht geklär tist wird Geld nur weiter ziemlich planlos ausgegeben werden in Ermagelung eines Planes und man weiterhin überall hinspringen mit Truppen ohne Sinn und Verstand.

  • Klauspeterkaikowsky   |   16. Juli 2018 - 16:58

    @Sommerbiak
    Alle vier Wochen neu die Mär von keine Strategie etc, hier: „… wenn man weiterhin vermeidet mal tatsächlich festzulegen was die Strategie der BR Deutschland sein soll …“
    Dabei legt das WEIßBUCH seit 1969 das Wesentliche dazu aus dem politischen Raum fest.
    Nieman muss dran glauben, nur, die Behauptung es gäbe nichts, ist falsch.
    Auszug:
    „Das Weißbuch ist ein durch das Bundesministerium der Verteidigung erarbeitetes und durch die Bundesregierung verabschiedetes Grundlagendokument, das die sicherheitspolitische Lage der Bundesrepublik Deutschland und der Verbündeten für die kommenden Jahre aus Sicht der Regierung darstellt und als Leitfaden für sicherheitspolitische Entscheidungen und Handlungen in Deutschland dienen soll. Insbesondere werden Schlussfolgerungen für die Aufgaben der Bundeswehr und deren Personalstärke, Ausrüstung und Ausbildung gezogen und Anknüpfungspunkte für andere Ressorts der Bundesregierung geschaffen, damit diese ihre Instrumente mit sicherheitspolitischem Bezug weiterentwickeln können. …“
    Dazu dann die Folgedokumente wie z.B. KdB … alles steht geschrieben.
    Freilich ist es etwas anderes, ob sich Kanzleramt und BMVg an das eigene Wort erinnern.

  • Berlinerratte   |   16. Juli 2018 - 20:53

    Das die Truppe kronisch unterversorgt ist, ist ja jedem klar.Jedoch bin ich gegen eine Blinde Erhöhung des Wehretat. Warum, aus meiner Sicht ist die Bundeswehr eine Verwaltungsarmee ohne klares Konzept. Ich habe mir einfach die nackten Zahlen von der Offiziellen Bundeswehrseite gezogen. Demnach haben wir ca. 180.000 Soldaten. Was aber mich auf die Palme bringt ist das wir in den Wehrverwaltungen auf über 65.000 Angestellte und Beamte kommen!!!

    Bevor die Deabatte über mehr Geld losgeht, muss erst mal diese ineffizientz gelöst werden. Es kann nicht sein das auf weniger als 3 Soldaten ein ziviler Mitarbeiter/ Beamter kommt.

    Mich würden ernsthaft diese Kosten interessieren, die der aktiven Truppe aus dem Wehretat dadurch entgehen inkl. Renten und Pensionsrücklagen.

  • Zimdarsen   |   16. Juli 2018 - 21:58

    @Berlinerratte

    „Was aber mich auf die Palme bringt ist das wir in den Wehrverwaltungen auf über 65.000 Angestellte und Beamte kommen!!!“

    Wäre es ihnen lieber wenn deren Arbeit Soldaten tun würden welche, zur gleichen Tätigkeit im Grundbetrieb noch Sport machen, während der Dienstzeit zum Arzt gehe , IGF, polBil, LKU, früher in Rente, pers. Ausstattung uvm. Soldaten müssen zum Kampf befähigt sein oder begründet dem Soldatengesetz und Kombatantenstatus unterliegen. Alles andere ist Verschwendung oder wollen Sie eine E4 Bürokraft oder Küchenhilfe zum Soldaten machen? Kann man tun, wird dann teuer.

  • T.Wiegold   |   16. Juli 2018 - 22:09

    Danke, ich glaube, den OT „Soldaten vs. Zivilangestellte“ müssen wir jetzt hier nicht weiter verfolgen (und dazu wäre einiges zu sagen und zu erläutern, aber nicht an dieser Stelle).

  • LGVGutmensch   |   20. Juli 2018 - 9:36

    Die Grundsatzfrage bei alle dem ist doch eigentlich, was der Einsatzzweck der Bundeswehr sein soll. Ich denke das fragen sich auch viele bei der Truppe selbst. Ich sehe nicht, wieso wir Privatarmee für Konzerne im Kongo oder Vaterlandsverteidigung am Hindukusch spielen müssen. In Partisanenkämpfen. Als reuläre Armee.

    Im europäischen Raum den Verteidigungsfall auskämpfen, das wäre meine Vorstellung. Truppen wie Luftwaffe und Marine, deren Einsatzbereitschaft im Ernstfall eben nicht zeitnah realisiert werden kann, sollten viel größer sein. Hier sollte man politische Voraussetzungen für eine europäische Koalition schaffen, Demokratisierung der EU vorausgesetzt.

    Denn alles andere wie Handelswege und Exportmärkte bzw. Rohstoffzufuhr ist schlichtweg anders zu lösen. Beispiel Ressourcenbedarf, da kann jeder selbst seine Schlussfolgerungen aus dem Bericht zur Rohstoffsituation ziehen. In Zukunft werden die Miliardenvölker China und Indien sowie andere mehrundertmillionen-Völker wie Brasilien und Indonesien oder in Afrika andere Ansprüche haben als im Dreck zu leben und unsere Plastikspielzeuge zu produzieren. Wir können keine Kriege mit diesen Ländern gewinnen. Wir sollten andere Wege suchen.

    Das benötigt Geld für Zukunftstechnologie und Nachhaltigkeit. So muss auch kein Kamerad in Hintertukistan an einer Sprengfalle verrecken… Und wenn es dem Ami dann zu bunt wird, knipst er uns das GPS aus und legt mal eben alles ebenerdig.