Ende des deutschen Hubschrauber-Einsatzes in Mali – Die Ablösung kommt erst noch

Mit dem (heutigen) 30. Juni hat die Bundeswehr die Einsätze ihrer Hubschrauber in Mali offiziell beendet. Nachdem die Tiger-Kampfhelikopter (Foto oben) bereits Mitte Juni ihre letzten Einsatzflüge absolviert hatten und nach Deutschland zurück verlegt wurden, galt nun auch für die NH90-Transporthubschrauber end of mission. Damit bleibt Deutschland exakt bei seiner Zusage an die Vereinten Nationen, für deren MINUSMA-Mission in Mali die Helikopter eingesetzt wurden. Die angekündigte Ablösung durch Hubschrauber aus Kanada und El Salvador lässt dagegen noch auf sich warten.

Die NH90-Helikopter waren im Februar vergangenen Jahres in Gao im Norden des westafrikanischen Land eseingetroffen und absolvierten nach Angaben des Verteidigungsministeriums kürzlich ihre 1.000 Flugstunde. Im April hatte Heeresinspekteur Jörg Vollmer am Rande der ILA in Berlin schon eine Zwischenbilanz gezogen: Schon da waren die Transporthubschrauber zu 129 Einsatzflügen mit rund 850 Flugstunden gestartet, davon 15 Einsätze zur Rettung Verwundeter.

Das deutsche NH90-Kontingent war in den vergangenen Monaten durch zwei belgische Hubschrauber gleichen Typs ergänzt worden, die gemeinsam mit den Bundeswehrmaschinen für Transport und medizinische Evakuierung bereitstanden. Beim Fly-out am (heutigen) Samstag starteten alle drei (nach zuvor vier) deutschen und die beiden belgischen NH90 zur ihren letzten Einsatzflügen, ehe sie in den nächsten Tagen abgezogen werden. (KORREKTUR: Fly-out steht für den letzten Einsatzflug, nicht für den Abflug.)

Die im April vergangenen Jahres nach Mali verlegten Tiger  hatten ihre 1.000 Stunden in der Luft bereits im März erreicht, von den 158 Einsatzflügen bis Ende April dienten allein knapp 70 der Sicherung von Konvois. Am 15. Juni beendeten die vier Kampfhubschrauber ihren Einsatz.

Der Einsatz der Bundeswehrhubschrauber in der UN-Mission wurde im Juli vergangenen Jahres vom Absturz eines Tiger überschattet. Dabei starben die beiden Piloten, Major Jan Färber und Stabshauptmann Thomas Müller. Die Absturzursache ist offiziell bislang noch nicht geklärt.

Die Bereitstellung deutscher Hubschrauber für MINUSMA hatte der Bundestag im Januar 2017 beschlossen. Die Bundeswehr-Maschinen lösten niederländische Chinook-Transporthelikopter und Apache-Kampfhubschrauber ab. Bereits bei diesem Beschluss wurde der Einsatz der deutschen Maschinen aber bis Mitte 2018 begrenzt. Im neuen Mandat vom Frühjahr dieses Jahres wurde das erneut bekräftigt – ein wesentlicher Grund dafür war, dass die Bindung von Material und vor allem von einsatzerfahrenem Personal in dieser Mission in den Heimatverbänden die Ausbildung massiv beeinträchtigte.

Als Ablösung der deutschen Helikopter sind Maschinen aus Kanada und El Salvador vorgesehen. Kanada hatte angekündigt, Transporthubschrauber der Typen Chinook und – als leichtere Variante mit Bewaffnung – Griffin nach Mali zu schicken.

Allerdings dürfte der Übergang nicht so nahtlos funktionieren wie erhofft. Die kanadischen Maschinen würden, so teilte eine MINUSMA-Sprecherin auf Anfrage von Augen geradeaus! mit, im August planmäßig erwartet. Als Nachfolger der Tiger wird El Salvador drei leicht bewaffnete, kleine Helikopter des Typs MD500E nach Gao schicken.

Auch das wird so schnell nicht gehen: Erst in den vergangenen Tagen wurde die neue Hubschrauber-Einheit von den UN der üblichen Überprüfung unterzogen, wie die Luftwaffe von El Salvador am (gestrigen) Freitag auf ihrer Facebook-Seite mitteilte:

Die Kampfhubschraubereinheit besteht aus Piloten, Wartungspersonal, Bewaffnung, Kommunikation und Führungskräften mit insgesamt 50 Dienstposten. Das Kontingent verfügt über drei MD-500E-Hubschrauber, die in der Stadt Gao in der Republik Mali eingesetzt werden, wo sie Sicherheitsaufgaben für UNO-Konvois, Aufklärung und Tag- und Nachtpatrouillen übernehmen werden.
(Übersetzung mithilfe von deepl.com)

Für das kleine lateinamerikanische Land ist es die zweite fliegende Gruppe, die es in diese Mission entsendet, und das dritte MINUSMA-Kontigent: In Timbuktu ist seit 2015 eine weitere Hubschrauber-Einheit (übrigens mit der einzigen Pilotin in dieser UN-Mission) im Einsatz. Hinzu kommt seit diesem Jahr  eine Flugbetriebsgruppe.

Die absehbare Lücke könnte sich auch am Boden auf die deutschen Operationen in Gao auswirken: Die Aufklärungsfahrten der Bundeswehr finden nur innerhalb eines Radius von einer Stunde für die medizinische Evakuierung per Hubschrauber statt. Stehen keine Helikopter für diese MedEvac-Aufgabe zur Verfügung, verringert sich der Einsatzbereich der Bundeswehr-Aufklärungskräfte.

(Foto: Bundeswehr-Kampfhubschrauber vom Typ Tiger vor dem Flyout im Camp Castor in Gao/Mali am 15.06.2018 – Bundeswehr/Heissbach)

 

12 Gedanken zu „Ende des deutschen Hubschrauber-Einsatzes in Mali – Die Ablösung kommt erst noch

  1. Die recht langwierige Entscheidungsfindung in Kanada hat eben irgendwann praktische Folgen – bis hin zur Operationsführung des deutschen MINUSMA-Kontingentes.
    Damit wird es wohl – wie oben beschrieben – bis mindestens August nur eine sehr eingeschränkte Präsenz der deutschen Kräfte am Boden geben.

    Nach einem Bericht des aktuellen SPIEGEL arbeitet das BMVg bereits an einer Ablösung der Kanadier:

    Im Rahmen einer Ertüchtigungsmaßnahme sollen die Super Puma der jordanischen Streitkräfte für rund 25 Mio. € modernisiert werden, um diese dann nächstes bei MINUSMA einsetzen zu können. Jedoch gibt es hier wohl noch Klärubgsbedarf in der Koalition, da diese Maßnahme den Vereinbarungen im Koalitionsvertrag zu Rüstungsexport (Jemen-Klausel) widersprechen könnte.

  2. Und wenn dies dann unter zahlenmäßigen Verrenkungen zumindest pro forma gelöst ist, steht die Frage der Ablösung und Nachfolge von 250 Niederländern zum Mai nächsten Jahres an. NLD wird dann sogar komplett abgezogen sein. Wesentlich dabei, die Fernspäh- und nachrichtendienstliche Leistungserfüllung ausschließlich von NLD

  3. Wesentlich dabei, die Fernspäh- und nachrichtendienstliche Leistungserfüllung ausschließlich von NLD

    Schade, mal sehen, wer diese Fähigkeit – die ja durchaus relevant ist – dann beisteuert… Wäre der Einsatz deutscher Verbände hier eine Möglichkeit?

  4. @Kpk
    Die NLD Aufklärungskräfte sind seit ca. 2 Jahren ein zusammengewürfelter Haufen von FschJg, PzAufkl, hier und da ein Fernspäher und sonst weiteren ziemlichen „Regular guys“. Die haben das Material, die Infrastruktur und vor allem den Habitus der SF Kräfte übernommen, die den Auftrag begonnen hatten. Da das Tasking aus Bamako im Allgemeinen recht dürftig (bis sinnlos/nicht vorhanden) ist, haben die das einzig richtige getan: Ewig lange selbst auferlegte Missionen (20Tage+) in der Wüste. Üben übt.

  5. Der Griffon oder auch Bell CH-146 Griffon ist ein Derivat der späteren 2 motorigen Huey Modelle. Die kanadischen Bezeichnungen für deren modifizierte Varianten kennt ja kein Mensch.

    Schön das unseren Soldaten dann halt für einige Monate das Hubschrauberelement fehlt.
    Wie nennt der MdB Hahn (oder auch MdB Airbus) das immer, „Hightech“, ja genau… Hightech ist das. Funktioniert so gut das man nicht mal mehr die Wartezeit von 6-8 Wochen überbrücken kann.

  6. Damit sind deutsche Kräfte quasi lahm gelegt. Der Einsatzradius ist ja schon mit Helikopter so klein, das sinnvolle Operationen kaum möglich sind. Bei der Größe des Landes sind Operationen innerhalb der Golden Hour nur ein Tröpfchen auf den riesigen Stein. Hier müsste man ansetzen um nachhaltig etwas zu erreichen.
    Übrigens unterliegen die internationalen Anteile der Mission nicht alle dieser Regulierung. Ich verstehe ja das man die Rettungskette gewährleisten möchte, aber das geht ganz klar gegen jegliche Möglichkeit der Auftragserfüllung.

    @Pirat77:
    Die niederländischen Kräfte operieren da wo deutsche Kräfte durch nationale caveats nicht hin dürfen. Die Aufklärungsergebnisse sind hochwertig und diese Kräfte sind die einzigen flexiblen Reserven die der UN zur Verfügung stehen. Durch den Abzug der Helikopter geht das hier natürlich auch zu Lasten des Einsatzwertes. Und die Taskings aus Bamako kommen von den Verbindungsoffizieren in Absprache mit der militärischen Führung. Wie gesagt, wenn irgendwas im Busch ist kommt die UN immer auf die niederländischen Kräfte zurück.

  7. @Pirat77

    Volle Zustimmung, kann ich auch aus eigenem Erleben bestätigen.

    Doch auch 2015/2016, als noch NLD SOFs vor Ort waren, war das Tasking nicht besser. Oft genug haben die NLD beantragt reguläre Truppen einsetzen zu können, wurde seitens der UN mit „wir haben SOF ausgeschrieben, ihr habt darauf geboten, also stellt ihr SOF“ abgewiesen.

  8. Hat sich denn mittlerweile das Problem der geringen Anzahl von Piloten die den Tiger fliegen können oder dürfen etwas entschärft?

  9. Es ist allerdings so dass die RAF noch diesen Monat drei CH-47 nach Gao verlegt um Barkhane zu unterstützen. Ich kann mir nicht vorstellen dass die nicht eingesetzt würden wenn eine UN-Patrouille einen TIC (Troops in Contact) hat, oder angesprengt würde. Und Barkhane und MINUSMA arbeiten ja bereits zusammen (beziehungsweise übernimmt B. den „robusteren Teil“…)

    http://www.janes.com/article/81117/uk-prepares-to-deploy-chinooks-to-eastern-mali
    http://www.dailymail.co.uk/news/article-5281987/Britain-send-Chinooks-100-troops-Mali.html

    mfg Anästhesiefeldwebel

  10. Die UHT Tiger sind am Donnerstag vom Flughafen Leipzig / Halle aus per Straßentransport auf Tiefladern abtransportiert worden.

    Wahrscheinlich erstmal nach Donauwörth zu Airbus…

  11. Hat F denn derzeit gar keine Transporthubschrauber in Gao stationiert? Oder will man nicht auf die vertrauen?

    Ansonsten noch eine Anmerkung zur Kommunikation:
    Ein gewisser @thomas_wiegold twitterte mit Bezug auf General Deconinck (Force Commander MINUSMA):
    „Force Commander @UN_MINUSMA regrets that German #Bundeswehr Tiger air weapons systems leave #Mali „without replacement – that’s a big loss““
    Seinen tweet löschte der Kommandeur aber wieder zeitnah…
    https://twitter.com/thomas_wiegold/status/1011966436489777152

    [Beim Suchen jetzt gefunden: Der belgische Kommandeur hat seinen Tweet zwar gelöscht, dann aber durch einen anderen mit geändertem Wortlaut ersetzt:

    T.W.]

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