Zwei deutsche Soldaten bei Hubschrauber-Absturz in Mali getötet (Neufassung)

Beim Absturz eines Tiger-Kampfhubschraubers der Bundeswehr in Mali ist die Besatzung ums Leben gekommen. Die Maschine stürzte am (heutigen) Mittwochnachmittag nördlich von Gao im Norden des westafrikanischen Landes ab. Sowohl die Bundeswehr als auch die UN-Mission in Mali, MINUSMA, bestätigten am Abend den Tod der beiden Soldaten an Bord. Während laut MINUSMA nach den ersten Erkenntnissen  der Absturz bei einem Aufklärungsflug auf einen technischen Fehler zurückzuführen ist, ließ die Bundeswehr die Absturzursache vorerst offen.

Nach Angaben des stellvertretenden Generalinspekteurs, Vizeadmiral Joachim Rühle, setzte die Besatzung der abgestürzten Maschine keinen Notruf ab. Hinweise auf Fremdeinwirkung, also: einen Abschuss, gebe es bislang aber nicht. Der Flugbetrieb der Tiger-Flotte wird zunächst ausgesetzt, ausgenommen davon sind nur Flüge, bei denen eine sonst zu erwartende Gefahr für Leib und Leben das rechtfertige. Das heißt wohl konkret: nur zur Luftunterstützung von Truppen unter Beschuss.

Die Mitteilung der Bundeswehr:

Am 26. Juli 2017 gegen 14.20 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit ist ein Kampfhubschrauber Tiger aus bislang ungeklärter Ursache circa 70 km nordöstlich von Gao in Mali abgestürzt. An Bord des Hubschraubers befanden sich zwei Besatzungsangehörige, die bei dem Absturz ums Leben gekommen sind.
Zusätzliche Kräfte der VN-Mission MINUSMA wurden zur Absturzstelle befohlen. Die Familienangehörigen der beiden Soldaten wurden informiert. Die Untersuchungen zu dem Vorfall dauern an.

Aus der offiziellen Mitteilung von MINUSMA:

Der Gesandte des UN-Generalsekretärs in Mali und Chef der MINUSMA, Mahamat Saleh Annadif, bedauert mitteilen zu müssen, dass ein Hubschrauber der UN-Mission am heutigen Mittwoch, 26. Juli 2017, am frühen Nachmittag südlich von Tabankort in der Region Gao abgestürzt ist.
Die ersten Erkenntnisse weisen auf ein technisches Problem hin. Die begonnenen Ermittlungen werden die genauen Gründe des Absturzes klären. Die Besatzung des Hubschraubers bestand aus zwei Blauhelmen, die leider beide verstorben sind.
(Inoffizielle Übersetzung von Augen geradeaus!)

Die Aussagen von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Vizeadmiral Rühle dazu im vom Ministerium veröffentlichten Audio:

vdL_Ruehle_Hubschrauberabsturz-Mali_26jul2017     

 

 

Der Ort Tabankort, nördlich von Gao, auf der Karte:

Die Bundeswehr hatte erst im Mai mit Einsatzflügen ihrer Tiger-Hubschrauber in Mali begonnen. Neben vier dieser Kampfhubschrauber sind auch vier Transporthubschrauber vom Typ NH90 im Einsatz, die vor allem für die Evakuierung Verwundeter genutzt werden. Die Tiger werden in der unverändert gefährlichen Region nicht nur als fliegendes Waffensystem, sondern vor allem für Aufklärungsmissionen genutzt.

Insgesamt sind derzeit rund 875 deutsche Soldaten im MINUSMA-Einsatz (in einer anderen Mission, der Ausbildungsmission der EU, sind weitere rund 130 Bundeswehrsoldaten eingesetzt). Im Rahmen von MINUSMA beteiligt sich die Bundeswehr von Gao aus mit Aufklärungspatrouillen am Boden, der Überwachung mit Tiger und Heron-Drohnen aus der Luft und mit der Verwundetenevakuierung an der Überwachung eines brüchigen Waffenstillstands zwischen der Zentralregierung in Bamako und islamistischen Gruppierungen sowie Tuareg-Rebellen.

Ein UN-Sprecher in New York hatte zuvor darauf hingewiesen, dass die Rettungsmission für die Besatzung des abgestürzten Hubschraubers erschwert wurde, weil es in dem fraglichen Gebiet Kämpfe gab, wie AP berichtete:

The United Nations says a helicopter from the U.N. peacekeeping mission in Mali that was monitoring “confrontations” on the ground has crashed.
U.N. deputy spokesman Farhan Haq said Wednesday that the condition of the two crewmen on board was not yet known.
He said the crash took place in the morning south of Tabankort in Mali’s northern Gao region, and the U.N. mission immediately dispatched a security and medical team to the site. (…)
He said that due to the confrontations on the ground, the crash site must be secured before personnel can access the scene.

Das Video mit der Aussage des UN-Sprechers:

Es ist nicht der erste Absturz eines deutschen Tiger-Kampfhubschraubers: Im März 2013 war eine Maschine bei der Gebirgsflug-Ausbildung bei Oberammergau abgestürzt; beide Besatzungsmitglieder wurden damals nur leicht verletzt. Aber es ist der erste tödliche Unfall mit diesem Waffensystem bei der Bundeswehr.

Zudem sind es die ersten Toten im Bundeswehreinsatz in Mali – und der erste schwer wiegende tödliche Einsatzunfall in der Amtszeit von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Das und die mögliche technische Ursache des Unglücks dürften die Debatte in den nächsten Tagen bestimmen.

Die Tiger-Hubschrauber waren für den Einsatz ähnlich technisch vorbereitet worden wie für zurückliegende Missionen in Afghanistan: In beiden Einsatzländern sind Hitze und Sand die Hauptprobleme für die Systeme. In Mali wird es allerdings noch ein wenig heißer als in Afghanistan – deswegen waren die zulässigen Höchsttemperaturen für den Einsatz der Helikopter angepasst worden.

(Foto: Ankunft der ersten zwei Kampfhubschrauber des Typs Tiger in Gao/Mali im Rahmen der Mission MINUSMA am 25.03.2017 – Bundeswehr/Marc Tessensohn; Karte: OpenStreetMap)

157 Gedanken zu „Zwei deutsche Soldaten bei Hubschrauber-Absturz in Mali getötet (Neufassung)

  1. @Georg
    Ich zähle mich durchaus zu den ewig unverbesserlich Hoffenden, aber welche „offensive Presseberichterstattung“, bei wem, wann?
    Wenn Sie dazu was haben, jünger als „nach dem Crash-Tag“, gerne Info.
    Im Ernst, Diesel-etc-Gate, dann die Wahl.
    So Spaßbremsen wie ausgerechnet KAMPF(!)hubschrauber, stören des Michels Urlaubsnachbereitung.

  2. @Georg und Zimdarsen:
    Wir haben uns zu dem Thema hier ja schon häufiger und sehr intensiv ausgetauscht (und ich habe dabei viel gelernt, vielen Dank dafür), aber offenbar interessiert derlei niemand.

    Ich bin mal gespannt, ob es nächste zu dem Thema – unabhängig vom Absturz – eine mediale und politische Diskussion gibt. Die Hoffnung stirbt zu letzt.

    Die damit verbundenen Fragen richten sich an Bundespräsident, Bundeskanzlerin, Außenminister, Verteidigungsministerin, Generalinspekteur und Abgeordnete.

    Es wäre an der Zeit.

  3. Bei allen bitteren Betrachtungen zu MINUSMA und den dortigen Verlusten wollen wir bitte nicht vergessen, ob und welche DEU Fähigkeiten bei der NATO „einmeldet“:

    zu eFP, zur NRF 20xx etc.

    Die „hohlen Strukturen“ sind vielfältig – hatte DEU nicht beim ORF-Btl KFOR immer dieselben gemeldet, hatte DEU den „Unterstützungshubschrauber TIGER mit nur nur erfolgreichen „Einsätzen bei ISAF/RSM“ gesehen, konnten wir „alles“ in Marienberg ?

    Wer glaubt noch an die Verantwortung des deutschen Beitrags ?

  4. Frage an @den Hausherrn: Bekommen sie eigentlich Resonanz von den Abgeordneten? Was sagt einer Rainer Arnold oder Florian Hahn Zu ihren Berichten? Freundliches Desinteresse oder doch mehr?
    Ich höre aus der Richtung ja auch von den Koalitionären nix. (Vielleicht bin ich auch nur unerfahren mit solchen Leuten, wenn ich glaube, dass die dazu was denken oder sagen.)

    [Mein Eindruck ist, dass schon recht genau beobachtet wird, was hier steht – definitiv deutlich mehr als freundliches Desinteresse. Falls Sie konkret den Tiger-Absturz meinen: Da halten die sich aus guten Gründen zurück, so lange es keine Klarheit über die Ursache gibt. T.W.]

  5. Memoria | 29. Juli 2017 – 14:52

    FRagen an den Bundespräsidenten? Welche Fragen sollte dieser zum Absturz beantworten sollen und können? Welchen Sinn sollte das machen?

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