UN-Einsatz in Mali: Mehr Soldaten, weniger Hubschrauber

Das neue Mandat für die deutsche Beteiligung an der UN-Blauhelmmission MINUSMA in Mali sieht eine leicht höhere Obergrenze für die Zahl der eingesetzten Soldaten vor. Zugleich sollen, wie schon angekündigt, die deutschen Hubschrauber zur Jahresmitte aus dem westafrikanischen Land abgezogen werden. Das Bundeskabinett billigte am (heutigen) Mittwoch einen entsprechenden Entwurf, der nun dem Bundestag zur Beschlussfassung vorgeht.

Das Mandat mit den Aufgaben der deutschen Soldaten in der UN-Mission bleibt gegenüber dem bisherigen Mandat praktisch unverändert – mit den zwei genannten Ausnahmen Personalaufstockung und Hubschrauber-Abzug. Während der Abzug der Helikopter schon von Anfang an angepeilt worden war, ist die Begründung für die Aufstockung interessant. Laienhaft gesagt: Da scheint sich doch jemand bei der Planung übernommen zu haben, wenn es nun heißt: Um allen im Mandat verankerten Aufgaben nachkommen zu können, sind 100 zusätzliche Soldatinnen und Soldaten erforderlich. Es war wohl zu sehr auf Kante genäht, und vor allem der Materialverschleiß in dem extremen Wüstenklima ist nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Aus der Begründung im Mandatstext:

Die von der Bundesregierung im März 2017 bereitgestelltung Transporthubschrauber NH90 und Kampfhubschrauber Tiger werden nach Ablauf des ersten Halbjahres 2018 abgezogen. Auch nach Abzug der Hubschrauber bleibt notwendiges Bodenpersonal für den Flugbetrieb vor Ort in Gao, um damit Bitten der Vereinten Nationen, wie z.B. den im letzten Mandatszeitraum angeforderten meteorologischen Dienst zu bedienen, und deutsche Fähgikeiten, hier insbesondere unsere Aufklärungsdrohne HERON, weiterhin sinnvoll einsetzen zu können.
Um die erforderlichen Fähigkeiten sicherzustellen, waren bisher bis zu 1.000 Soldatinnen und Soldaten mandatiert. Verschiedene notwendige Anpassungen haben jedoch Auswirkungen auf die erforderliche Zahl an deutschen Soldatinnen und Soldaten für die Mission: Im letzten Mandatszeitraum aufgetretene erhöhte Ausfälle von Fahrzeugen und Großgerät in einem schwierigen Umfeld machte die Gestellung von zusätzlichem logistischen Personal für die Instandsetzung und Versorgung der Fahrzeuge notwendig. Deutschland hat Anfang Dezember 2017 mandatsgemäß alle Aufgaben für die Leitung von Camp Castor von den Niederlanden übernommen.
Zusätzlich wurde mandatsgemäß der Schutz aller Kräfte vor Ort durch das Einbringen des Frühwarnsystems MANTIS zum Schutz vor steilfeuer erhöht. Hiermit wird ncht nur die Sicherheit des deutschen Camps Castor verbessert, sondern auf Bitten der Vereinten Nationen auch die des VN Supercamps in Gao. Darüber hinaus erfordern die Realisierung des geplanten Aufwuchses auf die volle Leistungsfähigkeit des Lufttransportstützpunktes in Niamey (Niger) inklusive des Aufbaus einer Patienversorgungseinrichtung sowie die Wiedererlangung eines Mindesvorhalts für multinational bereitgestellte Fähigkeiten wie Luftbetankung, welche aufgrund eines Unterstützungsersuchens der VN bereitzuhalten ist, weiteres Personal. Die nicht vorhersehbare Übernahme von neuen Aufgaben, die Erweiterung des Schutzes und die Notwendigkeit weiteren Personals zur Aufrechterhaltung der Durchführung des Auftrags haben zu einem Verdrängungseffekt geführt, so dass einige Unterstützungsleistungen für die VN und anteilige Einsatzunterstützungen im Rahmen des Mandates bei Abruf nicht oder nur in Teilen hätten erfolgen können. Um allen im Mandat verankerten Aufgaben nachkommen zu können, sind 100 zusätzliche Soldatinnen und Soldaten erforderlich.

Die Beteiligung an der MINUSMA-Mission wird um 13 Monate und nicht wie sonst üblich um ein Jahr verlängert. Grund ist nach Angaben der Bundesregierung das Bestreben, den Mandatszeitraum mit dem anderen Mandat für Mali, die Beteiligung an der EU-Ausbildungsmission, zu synchronisieren. Das Mandat gilt jetzt bis Ende Mai 2019; das aktuelle Mandat für EUTM Mali gilt bis Ende Mai dieses Jahres und soll dann planmäßig ebenfalls bis Mai 2019 verlängert werden. Der Bundeswehreinsatz in dem westafrikanischen Land bleibt so mit dann zusammengerechnet maximal 1.400 Soldaten der größte Auslandseinsatz der deutschen Streitkräfte.

(Archivbild: Die ersten Bundeswehrhubschrauber vom Typ NH-90 starten in Bamako/Mali im Rahmen der UN-Mission MINUSMA am 31.01.2017 – Bundeswehr/Christian Thiel)

13 Gedanken zu „UN-Einsatz in Mali: Mehr Soldaten, weniger Hubschrauber

  1. Hmm.
    Logistisches Personal (inst), leitung Camp castor, zusätzlich mantis (immernoch passiv?),geplanter aufwuchs Niamey, Mindestvorbehalt Luftbetankung,usw.
    Und dass alles nur mit 100 zusätzlich? Wie dass personell?

  2. @ Dante
    Mit dem Abzug der Hubschrauber geht auch sehr viel Personal. Wenn trotzdem ein Aufwuchs um 100 Mann stattfindet ist das schon beachtlich. Auch die extrem begrenzten Kapazitäten des Lagers (Wasser) darf man nicht vergessen.

    Würde jetzt auch bekannt wer die Aufgaben der deutschen Hubschrauber übernimmt? Oder bleibt die Fähigkeit vakant?

  3. Der Aufbau der logistischen Kapazitäten wird ja schon lange propagandiert, hat sich bis jetzt in der Struktur jedoch nur in homöophatischen Dosen ausgewirkt. Ein wirklicher Wandel ist dadurch nur schwer zu erreichen. Besonders das Supply-Chain-Management ist bei solch langen Transportwegen von elementarer Bedeutung und muss wie eine geölte Maschine laufen. Gerade die geringe materielle Einsatzbereitschaft von Luftfahrzeugen und der Landtransport innerhalb Malis sind dabei sehr hinderlich

  4. Hm, wenn man das so liest, meint man das in den blauen Dunst hineingeplant wurde. Vielleicht hätte man mal jemanden fragen sollen, der sich auskennt. Insbesondere der Materialverschleiss als auch die klimatischen Bedingungen sind doch schon aus vielen anderen Einsätzen bekannt…auch aus dem Bereich Afrika.
    Man kann nur noch den Kopf schütteln…

  5. Warum werden die Mandats Obergrenzen denn immer so auf Kante genäht? Anstatt einfach einen Spielraum zu lassen in dem man je nach dem immer Kräfte stellen kann die man braucht

  6. Großartig!

    Wie viel Personal hatten denn die Niederländer bei gleichem Auftag (minus HERON) in Gao? Wenn ich mich recht erinnere ein Viertel.
    Deutschland schafft es wieder diesen Einsatz sinnlos aufzublasen.

  7. Der Tiger ein Kampfhubschrauber? Er wurde doch früher schamhaft immer nur als
    Unterstützungshubschrauber bezeichnet. So auch noch das BAAINBW
    auf seiner Internetseite („Begleit- und Unterstützungshubschrauer“).

  8. Laut ntv soll es Unruhen in Gao gegeben haben und die BW soll die Stadt mit gepanzerten Fahrzeugen abgeriegelt haben, um das eindringen weiterer bewaffneter Milizen zu verhindern.

    Ob ein Link zu ntv erlaubt wäre weiß ich nicht?

    [Ein Link zu n-tv wäre erlaubt, aber: Die Geschichte ist fast drei Wochen alt, die Bundeswehr wurde zur Unterstützung der Malischen Armee tätig, und die Bild am Sonntag insinuiert mit einer Vorabmeldung, das wäre aktuell. Ich bitte dringend daraum, nicht darauf hereinzufallen. Ausführliche Berichte dazu gab’s schon Anfang März in der französischen Presse, auch wenn da natürlich nicht die Bundeswehr so elegisch gelobt wurde wie bei der BamS:

    http://www.lemonde.fr/afrique/article/2018/03/01/mali-tensions-interethniques-a-gao-depuis-plusieurs-jours_5264398_3212.html

    Ich hoffe, das nicht noch mit einem Beitrag ausräumen zu müssen, dass alle glauben, die Bundeswehr habe gerade aktuell Gao umstellt…

    T.W.]

  9. @T.W.:
    Das Thema wurde jedoch in den letzten „Unterrichtungen der Öffentlichkeit“ auch nicht erwähnt.

    Es zeigt erneut die Ernsthaftigkeit der Informationsarbeit des BMVg.

    Weder der Angriff auf die Polizei, noch die Unruhen und schon gar nicht die – wenn auch überschaubare – Beteiligung der Bundeswehr werden in offiziellen Dokumenten erwähnt, aber in der BamS.

    Gepaart mit mutigen Behauptung zum Einsatz (einschl. Ausrüstung, die nicht mehr so gut sei, man aber damit leben müsse) und seinen Auswirkungen auf Migration, Drogenhandel und die Zukunft Europas. Mit Blick auf den letzten Punkt warnt der Oberst und Kontingentführer (!) vor einem Stimmenzuwachs der AfD und drohenden Weimarer Verhältnissen. Verbindet dies wiederum mit dem Einsatz in Mali. Das erscheint mir mit Blick auf § 15 Soldatengesetz (politische Betätigung) zumindest bedenklich. Zumal dieses Interview zweifellos vom PrInfostab autorisiert wurde. Passt ja auch so geschickt in die aktuelle Mandatsverlängerung.

  10. Ich bitte dringend darum, zwei Dinge zu trennen: Da gibt es ein Interview mit dem Kontingentführer und verschiedene Aussagen. Und es gibt eine Vorabmeldung, die den Eindruck erweckt, derzeit sei Gao durch die Bundeswehr abgeriegelt, ohne dass darin erwähnt wird, dass es am 28. Februar war und dass deutsche Blauhelmsoldaten auf Anforderung der UN an Checkpoints die örtlichen/nationalen Sicherheitskräfte unterstützt haben. Nur damit wir die Fakten sauber haben.

  11. @jek
    „… It [canadian government] said it would offer transport aircraft and helicopters in a series of “smart pledge” initiatives, …“ (Aus Ihrem Reuters-Link)
    Was nicht gesagt wird, welche Hubschrauber entsandt werden sollen.
    Den Ersatz von NH-90 kriegen die Kanadier auf die Reihe, zur Ablösung der TIGER können sie jedoch nichts anbieten, da dergleichen nicht geflogen wird.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Royal_Canadian_Air_Force#Flugger%C3%A4te

    Beim reinen Lufttransport und auch SAR geht das mit ihren CH-47 bzw Augusta Westland CH-149, das war es dann aber auch schon.
    Zwar wird der CH-146 Griffon als „Utility Tactical Transport Helicopter (UTTH)“ geführt und kann durchaus mit „specialized bolt-on mission kits … to improving protection against enemy fire“ nachgerüstet werden, was jedoch weder die Qualität Unterstützungs-
    noch Kampfhubschrauber erfüllt. Es wird keine Bewaffnung mitgeführt!

    BEL und DEU unterhalten zwar den https://www.bmvg.de/de/aktuelles/minusma–multinationaler-nh-90-verband-einsatzbereit-22550 , da steckt aber wenig drin und ist zudem irreführend hinsichtlich der Bezeichnung. Weder ist das ein „Verband“ noch „multinational“; mit gut 150 Soldaten je zwei BEL/DEU NH-90 und zwei TIGER entspricht die Truppe Einh (Stffl-)Größe und sieht sich binational aufgestellt.
    Wie dem auch sei, Kanada hat zum Entsatz der TIGER nichts im Portfolio.
    BEL zieht seine beiden Maschinen zum 30. Juni 2018 ab. https://www.mil.be/nl/artikel/nh90s-operationeel-mali
    Es besteht demnach akuter Entscheidungsbedarf!

  12. @T.W.:
    Mittlerweile hat sich auch der Sprecher des EinsFüKdo offiziell dazu eingelassen:
    https://diepresse.com/home/ausland/welt/5390961/Deutsche-Bundeswehr-riegelt-Stadt-in-Mali-ab

    Der Begriff abriegeln befördert natürlich beim Laien gewisse Bilder, die wenig mit der Verstärkung einiger Checkpoints zu tun hat.

    Es bleibt jedoch die Frage warum man diese wesentlichen Ereignisse per BamS kommuniziert – und nicht per UdÖ – und damit einer schiefen Darstellung das Tor öffnet.

    Die anderen Aussagen im Interview sind wohl Teil der Kommunikationsstrategie des Ministeriums. Sicherlich von den Ereignissen vor mehreren Wochen zu trennen. Gleichwohl im Inhalt und Duktus bemerkenswert.

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