Luftwaffe erhielt 2017 acht neue A400M

20160609_A400M_Hohn

Die Bundeswehr hat in diesem Jahr etwas weniger neue Transportflugzeuge des Typs Airbus A400M erhalten als ursprünglich geplant und verfügt jetzt über 15 Maschinen dieses Typs. Acht Flugzeuge wurden ausgeliefert, zwei weniger als die zunächst vorgesehen zehn Maschinen.

Das ist die aktuelle Statistik der Luftwaffe, die ich am (heutigen) Freitag zum Jahresende abgefragt habe, um sie mit der Zahl zur Jahresmitte zu vergleichen.

Die Antwort im Wortlaut:

Im Jahr 2017 sind insgesamt acht Maschinen A400M an die Luftwaffe ausgeliefert worden. Die letzte Maschine mit der Kennung 54+15 wurde am 7. Dezember 2017 an das LTG 62 übergeben.
Im Buchbestand sind mit heutigem Stand 15 A400M.
Im Verfügungsbestand sind mit heutigem Stand 13 A400M.

Zur Mitte dieses Jahres waren zehn Maschinen im Buch- und sieben im Verfügungsbestand. Nach Informationen von Augen geradeaus! wurde die Abnahme der neunten für dieses Jahr zur Auslieferung anstehenden Maschine zwar begonnen; die endgültige Übergabe erfolgt aber erst Anfang kommenden Jahres.

(Archivbild: Transportflugzeug A400M während des Spotterdays am Standort Hohn am 09.06.2016 – Bundeswehr/Nurgün Ekmekcibasi)

55 Gedanken zu „Luftwaffe erhielt 2017 acht neue A400M

  1. @GBPKU: Der Gesamtbestand oder Buchbestand ist die Anzahl der Waffensysteme, über welche die BW verfügt. Weil beim ersten Bericht zur Materiallage der Großkampfsysteme zu viele Systeme mangelhaft einsatzbereit waren und diese Systeme mit rot markiert wurden, wurden für den 2. Bericht nicht nur die Farben schnell wieder abgeschafft, sondern es wurde der Verfügungsbestand vor allem erfunden, um die Zahlen zu schönen.

    Alle Systeme, welche bei der Industrie in Reparatur oder Kampfwertsteigerung sind, werden vom Gesamtbestand abgezogen und ergeben den Verfügungsbestand. Der hat aber nichts mit der Einsatzbereitschaft der Systeme zu tun, weil die BW will nur eine Verfügbarkeit von 70 % des Verfügungsbestandes und nicht des Gesamtbestandes.

    Denn alle Waffensysteme die bei der BW selbst defekt oder in Reparatur sind, werden vom Verfügungsbestand abgezogen und ergeben die tatsächlich einsatzbereiten Systeme für Übung und Einsatz.

    Beispiel: Ein Panzerbataillon hat 44 Leopard Panzer als Buch bzw. Sollbestand. Wenn davon 10 bei der Industrie stehen zur Reparatur, dann ist der Verfügungsbestand 34. Wenn davon 17 bei der BW defekt stehen oder in Reparatur bei der BW sind,. dann gibt die BW die Einsatzbereitschaft mit 50 % an als 50 % des Verfügungsbestandes. Ohne diese Manipulation beträgt die Einsatzbereitschaft aber nur 38,6 % vom Buchbestand.

  2. @GBPKU

    Der Buchbestand ist die Anzahl der Flugzeuge, die der Luftwaffe / dem Geschwader (je nachdem welche Bezugsgröße betrachtet wird) gehören. Einschließlich derjenigen, die für längerfristige Instandhaltungsmaßnahmen an die Industrie abgegeben wurden oder an andere Geschwader kommandiert (sozusagen ausgeliehen) sind.

    Der Verfügungsbestand ist der Buchbestand minus der Flugzeuge, die an die Industrie oder andere Geschwader abgegeben sind. Dies ist nur die Berechnungsgrundlage (!00%) für den Klarstand (was Sie als Einsatzbereitschaft bezeichnen). Dass ein Flugzeug im Verfügungsbestand ist, sagt nichts darüber aus, ob es für Ausbildung oder Einsatz aktuell verwendbar ist. Auch Flugzeuge mit technischer Störung oder fehlender Ausrüstung sind im Verfügungsbestand.

    Wenn ein Geschwader also beispielsweise 35 Flugzeuge im Buchbestand hat, 5 an die Industrie zur langfristigen instandhaltung abgegeben hat, und 15 eine technische Störung haben oder im Geschwader selbst in der planbaren Instandhaltung stehen, ist der Klarstand 50%.

  3. Vielleicht als kleiner Nachtrag zu den Schlagwörtern „Buchbestand“ und „Verfügungsbestand“.
    Diese Einteilung ist keine neue Erfindung der Neuzeit um den momentanen Mangel schöner zu beschreiben, sondern so wurden die Flugzeuge schon vor 30 Jahren eingeteilt.

    Nun war ja die Nato-Forderung für die Lw eine Einsatzbereitschaft von 70 %. Für ein Geschwader bedeutet dies wenn 30 Maschinen auf dem Hof standen (= „Verfügungsbestand“ des Geschwaders), dann mussten davon 70 % einsatzklar und in einer täglichen Einsatzmeldung über die Instanzen an die Nato gemeldet werden. Dieses 70 % Ziel hatte unmittelbare Auswirkung auf den Arbeitsablauf im täglichen Betrieb eines Geschwaders. Wenn nach dem Nachtflug oder auch während der Tagschicht der Ausfall der Lfz höher als 30 % des Verfügungsbestandes war, dann wurde in der Tagschicht und in der Nachtschicht 24 Std rund um die Uhr gearbeitet bis die 70 % wieder erreicht waren, d.h. einmal ging die Nachschicht bis 23:00 Uhr am nächsten Tag vielleicht bis 07:30 bis zur Übergabe an die Tagschicht. Dieses Konzept ließ sich natürlich nur realisieren, mit einem entsprechenden Ersatzteilvorrat der gängisten Teile vor Ort im Geschwader. Und diesen Klarstand kann man natürlich nur mit einer eigenen Inst-Einheit, einem großen Ersatzteilbestand, sprich Kreislaufreserve von allen wichtigen Baugruppen und Hauptbaugruppen und vor allem eine leistungsfähige 2. logistische Ebene erreichen.

  4. Nachtrag:
    Auch Flugzeuge, die im Geschwader selbst in einer langfristigen planbaren Instandhaltung stehen, werden normalerweise aus dem Verfügungsbestand genommen.

    @closius:
    Der Verfügungsbestand ist aber keine Erfindung aus neuerer Zeit, um Zahlen für Berichte zu schönen. Den gibt es schon seit Jahrzehnten. Ist auch einigermaßen sinnvoll, um den Klarstand anzugeben, den man selbst beeinflussen kann (im Gegensatz zu Industrieliegezeiten).

  5. @closius
    @Atlas
    @Georg

    Vielen Dank für die ausführlichen Erklärungen! Jetzt lassen sich die Zahlen viel besser einordnen.

    Grüße,

    GBPKU

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