Erste Zahlen zum „Neuen Wehrdienst“: Die Interpretationen beginnen
Das Verteidigungsministerium hat die ersten Zahlen zum seit Jahresbeginn geltenden Neuen Wehrdienst mit Fragebogen für 18-jährige (und Antwortpflicht für Männer) veröffentlicht. Und obwohl die Pressemitteilung dazu am (heutigen) Mittwoch abends um acht und damit quasi nach Dienstschluss veröffentlicht wurde, geht die Debatte über die Interpretation der Zahlen schon munter los.
Wer den kompletten Text lesen will: Hier auf der Webseite des Ministeriums (und unten als Sicherungskopie). Die interessanteste Aussage steht aus meiner Sicht ganz am Schluss:
Aufgrund der insgesamt positiven Entwicklung in der Personalgewinnung und -bindung gehen wir derzeit davon aus, dass die personellen Aufwuchsziele gem. §91 Soldatengesetz für 2026 erreicht werden.
Konkret, das zeigt ein Blick ins Gesetz, bedeutet das nach Einschätzung des Ministeriums, dass in diesem Jahr eine Zahl an aktiven Soldaten und Soldatinnen von 186.000 bis 190.000 erreicht wird – also tendenziell eher mehr als 186.000. Danach sieht es in den ersten Monaten dieses Jahres, die Zahlen bis Mai liegen vor, nicht ganz so eindeutig aus. Aber noch ist ja mehr als ein halbes Jahr Zeit für dieses Ziel.
Die öffentliche Debatte scheint sich jedoch mehr an konkreten Details zu entzünden. So nennt das Ministerium aus der Zahl der versandten Fragebögen von bislang fast 300.000 (der Vollständigkeit halber: Zum Stichtag 18. Juni 2026 wurden rund 298.200 Anschreiben versendet, wobei rund 153.200 Anschreiben an männliche Personen und rund 145.000 Anschreiben an Personen anderen Geschlechts adressiert waren), der Rücklaufquote und dem bekundeten Interesse der angeschriebenen 18-jährigen Männer als ein Ergebnis:
Nach Abgleich der persönlichen Vorstellungen und der Bedarfe der Bundeswehr konnten mehr als 530 Interessierte für 2026 für einen Wehrdienst fest eingeplant werden.
Der naheligende, aber nicht so ganz richtige Schluss: Gut 153.00 Männer (KORREKTUR, nicht 300.000) angeschrieben, von denen wollen nur 530 zur Bundeswehr?
Das lässt den unmittelbar danach stehenden Satz unter den Tisch fallen:
In [sic] etwa zwei Drittel der Interessierten sind u.a. aufgrund noch andauernder Schul- und Ausbildungsverhältnisse erst in ein bzw. zwei Jahren verfügbar. Entsprechende, in die Zukunft gerichtete Einstellungsangebote werden derzeit vorbereitet.
Allerdings bleibt da in der Tat ein bisschen vage, wie viele der mit dem Fragebogen erfassten, in diesem Jahr tatsächlich 18 Jahre alt werdenden deutschen Männer am Ende wirklich zur Bundeswehr kommen wollen und werden. Zumal etwa ein Fünftel der interessierten Angeschriebenen und auch Gemusterten am Ende untauglich war.
Auf der anderen Seite, auch diese Zahl nennt das Ministerium, sei das Interesse der Freiwilligen – und eben nicht nur 18-jährigen – größer als zuvor:
Aktuell konnten für den Neuen Wehrdienst rund 10.000 Einplanungen für 2026 vorgenommen werden, im Jahresvergleich sind dies rund acht Prozent mehr als im vergangenen Jahr.
Wenn mann schon Zahlen gegenüberstellen will, dann eher diese 10.000 gegen die oben genannten 530. Da sieht das doch schon anders aus.
Allerdings, und deshalb finde ich diese Zahlendebatte derzeit etwas unglücklich: Ob die Bundeswehr wirklich dauerhaft ohne eine Wehrpflicht ihre Personalstärkeziele decken kann, sagt aktuell keine der vorliegenden Zahlen. Es scheint auch nicht ausgeschlossen, um es vorsichtig zu sagen, dass die angepeilten Neueinstellungen für dieses Jahr nicht so ganz erreicht werden.
Aber für die Einschätzung warten wir noch ein bisschen. Bis die Zahlen etwas aussagekräftiger werden.
(Ich verkneife mir an der Stelle, die Aussage
Die Wehrerfassung wurde mit dem Aussetzen der verpflichtenden Heranziehung zum Wehrdienst 2011 de facto gestoppt und nun mit dem Inkrafttreten des Wehrdienstmodernisierungsgesetzes in zeitgemäßer Form wieder eingeführt. Sie funktioniert reibungslos.
zu kommentieren. Eine Gesetzesvorschrift in ein neues Gesetz zu schreiben, dann per Allgemeinverfügung aufheben zu wollen und am Ende in einem anderen Gesetz nachbessern zu müssen ist nicht so ganz meine Vorstellung von funktioniert reibungslos.)
Die Mitteilung als Sicherungskopie:
PM31 – Funktionierende Wehrerfassung, personeller Aufwuchs schreitet weiter voran
(Archivbild: Rekruten beim feierlichen Gelöbnis zum 70. Geburtstag der Bundeswehr am 12.11.2025 in Berlin – Kira Graap/photothek.de)
„Interpretationen“ ist ein netter Euphemismus. Das Zweite Deutsche Fernsehen titelt zum Beispiel:
‚Nur 530 18-Jährige wollen bisher freiwillig zum Bund‘
https://www.zdfheute.de/politik/bundeswehr-wehrdienst-freiwilligkeit-18-jahre-brief-pistorius-100.html
Das ist ein Niveau der Irreführung, derer sich ein gewisser Berliner Medienkonzern nicht zu schämen bräuchte, und zeigt, wie aufgeladen die politische Stimmung ist.
Sehr gut zusammengefasst.
Gallopiert man alle bisherigen Punkte durch die mit der Einstellungsquote
zusammenhängt dann muss man zugeben das das Ministerium ja nichts für den allgemeinen Zeitgeist kann eher nicht zum Militär gehen zu wollen.
Und das Bundeswehr-Videos als eher uncool empfunden werden. Desgleichen die Arbeitsbedingungen. Stichwort auch „nichtfreiwillige Beorderung“.
Bei mir in der Verwandtschaft gibt es übr. etliche verbeamtete LehrerInnen. Bei denen ist eine Versetzung durch den Dienstherren auch in entfernte Bundesländer grundsätzlich möglich. In der Praxis wird das aber im Grunde nie durchgezogen. Einzige Ausnahme ist der stressige und unterbezahlte Job der Grundschuldirektorin. Das will regelmässig niemand und dann wird man ( an seiner Schule ) eben temporär beordert. Meine Cousine bspw. jetzt zum dritten Mal.
Ist Meckern auf hohem Niveau, schon klar. Aber im Verhältnis zu Afganistan / Litauen liegen da eben Welten…
Wo aber die meisten sehr wohl vehement den Kopf schütteln ist die oben vom Hausherrn beschriebene Gesetzes-Vollpanne. Die noch dazu schöngeredet wird.
Ist das etwa bei den intern prognostizierten BW-Bewerberzahlen ( bis 2029 ) auch so … ?
Positiv ist jedenfalls die doch überraschend hohe Rücklaufquote von 96 %. Daß von den Angeschriebenen und Interessierten aktuell nicht alle verfügbar sind liegt in der Natur der Sache: entweder noch in Ausbildung oder beim Abitur. Aber immerhin hat man jetzt einen Interessentenpool.
Die 25 % nicht Verwendungsfähigen ist bedenklich, da wären die Gründe interessant: körperliche Eignung oder kognitive Defizite, o.a. Bei ersterem kann man ja nachsteuern, ggf. erst einmal privat oder wie die US Army in besonderen Einheiten, in denen die Kandidaten fit gemacht werden, wenn sie sich länger verpflichten.
Das man die Vorgabe des § 91 SG für 2026 erreichen wird… wird wohl gelingen…
Es genügen da nun einmal 186.001 … ;-)
Aber… wie der Hausherr richtig formuliert… es zählt die konkrete Bewertung einzelner Bereiche.
Beispiel 1
Das vom BMVg für 2026 vorgegebene IST an FWDL + SaZ-kurz von 20.000 … da fehlen noch Tausende (!)
Beispiel 2
Die Marine hat einen erheblichen Mangel an Uffz und Fw insbesondere in den technischen Bereichen…
Bei dieser Detailbetrachtung nützt es nix, wenn die Zahl im § 91 SG 2026 am 31.12.2026 erreicht ist…
Das wäre genauso wie ein Kampfbataillon des Heeres mit Luftwaffensoldaten aufzufüllen und zu
behaupten, dass das Bataillon einen hohen (!) Gefechtswert hat… weil ja alle Dienstposten besetzt sind…
Ich würde gar nicht bei den Zahlen anfangen, sondern schon bei der Definition des Begriffs der “aktiven Soldaten“.
Denn eigentlich wird nämlich die Personalstärke veröffentlicht. Diese mag 186.000 mal überschreiten. Aber die Personalstärke enthält auch die Soldaten, die Dauerhaft freigestellt sind z. B. für eine ZAW oder BFD Maßnahme.
Als diese Zahlen das letzte Mal öffentlich bekannt gegeben wurden, war das eine fünfstellige Zahl. Zumindest die Soldaten am Ende Ihrer Dienstzeit würde man intuitiv wohl kaum mehr als aktiv bezeichnen. Aber wen interessieren schon solche „Kleinigkeiten“.
Vorschlag an den Hausherrn:
Vielleicht fragen Sie mal zum Beginn des VI. Quartals beim BMVg an, wieviele der 7.000 SIPGO-Unterkunftsplätze belegt werden konnten, die mit ganz viel Geld und irrsinnigen Klimmzügen im Rahmen von Containerdörfern in die Kasernen gezimmert werden.
Möglicherweise kann dann abgeleitet werden, ob der Trend in der Realität nach oben geht oder nur in der Welt des BAPersBw.
Die Fachbezeichnung für diese Art der Kommunikation lautet: Framing
Eine Response von 0,18 Prozent, da kannst den Koffer zumachen und die Aussetzung der Wehrpflicht aufheben.
Über die anderen Zahlen zur Personallage berichtet WELT Online, der Tenor ist positiv:
„Bundeswehr verzeichnet deutlich mehr Bewerbungen“ (keine Zahlschranke)
„Im laufenden Jahr seien bislang rund 38.500 Bewerbungen eingegangen, teilte das Verteidigungsministerium am Mittwoch mit. Das sei ein Plus von rund 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Neueinstellungen sei um 13 Prozent auf rund 11.000 gestiegen.“
Den Einstellungen muß man natürlich die Abgänge gegenüber stellen, der Nettoaufwuchs ist dann eher bescheiden. Zudem verliert man ja voll ausgebildete Soldaten.
[Schon lustig, dass ich zwar oben das Original zur gfl. Kenntnisnahme einstelle, aber dann natürlich unbedingt die Lieblingszeitung (?) mit der gleichen Aussage zitiert werden muss… T.W.]
@Wiegold: Eine Korrektur Anmerkung, es wurden nur 153.000 Männer und 145.000 Frauen bisher angeschrieben, nicht aber 300.000 Männer, wie es einmal in ihrem Text Schreiben, wenn man diesen mit dem BW Originaltext vergleicht.
Eine Antwortquote von 96 % bei Männern ist in Ordnung, aber dass nur 4 % von 145.000 Frauen antworten, dass dieser Aufwand überzogen ist und die Freiwilligkeit für Frauen gescheitert ist. Aus Gründen der Gerechtigkeit sollten auch alle Frauen verpflichtet werden, den Fragebogen auszufüllen & sich Mustern zu lassen, um sich einmal konkret mit der Bundeswehr auseinander setzen zu müssen. Aus Gründen der Gerechtigkeit sollte der Fragebogen/Musterung auch auf alle jungen Männer bis 25 oder 27 Jahre ausgedehnt werden schrittweise. Nur die 18 jährigen zu Mustern ist unvollständig und ungerecht. Und das Demografische Problem der Truppe wird jedes Jahr steigen, weil es jedes Jahr weniger 18 jährige die dt. Staatsbürgerschaft haben werden, aber gleichzeitig mehr 18 jährige Ausländer sein werden. Ich sehe keinen sachlichen Grund, warum Ausländer mit NATO oder EU Staatsangehörigkeit oder in Deutschland geboren, nicht auch die Fragebögen beantworten sollen oder müssen. Aktuell muss die BW hoffen, dass sich gewisse Staatsangehörige weiterhin um die Einbürgerung bemühen, weil sonst wird der Pool möglicher Soldaten immer kleiner. Die Abschaffung der Turbo Einbürgerung war nicht im Interesse der BW und noch weniger sind dies gewisse Forderungen rechter Parteien, die Wartezeit auf eine Einbürgerung von 5 Jahren wieder auf 8 Jahre zu verlängern, solange der Wehrdienst an der Staatsangehörigkeit hängt.
[Danke für den Hinweis, wird korrigiert. T.W.]
So ist das eben. mit Schlagzeilen wird Politik gemacht. Was im Artikel steht, interessiert nur die, die ohnehin interessiert sind.
„Der naheligende, aber nicht so ganz richtige Schluss: Fast 300.000 Männer angeschrieben, von denen wollen nur 530 zur Bundeswehr?“
Hier müsste die Zahl auch noch auf 153.000 korrigiert werden.
[Ja, ist jetzt korrigiert. T.W.]
@ O.Punkt
„Aber die Personalstärke enthält auch die Soldaten, die Dauerhaft freigestellt sind z. B. für eine ZAW oder BFD Maßnahme.“
Egal, wie oft man das hier immer wieder schreibt: es wird dadurch nicht richtig.
ZAW ist keine Freistellung vom Dienst. Der Soldat leistet Dienst und erwirbt dafür einen Berufsabschluss. Hierzu ist eine entsprechende Verpflichtungszeit und ein entsprechender Dienstposten zwingend notwendig. Die Verpflichtungszeiten sind stufenweise ausgelegt und er wird – wenn er die ZAW auf Gesellenebene nicht besteht – nicht weiterverpflichtet und meist nach weniger als 4 Jahren entlassen. Das ganze Konstrukt hatte massive Fehler in der Ausgestaltung, von denen ein ganz übler jetzt beseitigt wurde (der BFD hat dabei mitgewirkt). Wird eine ZAW auf Meisterebene nicht hestanden, so wird der BFD Anspruch dennoch gemindert. Erfolgreiche Teilnahme an einer ZAW Maßnahme mindert grundsätzlich die BFD Ansprüche.
Tatsächliche Freistellung als Rechtsanspruch gibt es beim BFD kaum noch, da die Kameraden, die sich im „alten Recht“ befanden nahezu alle ausgeschieden sind oder ins „neue Recht“ gewechselt haben.
Eine mögliche Ermessensfreistellung von maximal 3 Monaten zum Dienstzeitende mindert grundsätzlich die Übergangsgebührnisse.
Sonstige BFD Maßnahmen während der Dienstzeit führt der Soldat mit Erholungsurlaub o.ä. durch, es gibt da keine Freistellung.
@Closius sagt: 25.06.2026 um 8:39 Uhr
„Eine Korrektur Anmerkung, es wurden nur 153.000 Männer und 145.000 Frauen bisher angeschrieben,…“
Man fragt sich unwillkürlich, warum Frauen, die nicht antworten müssen, als Männer, die antworten müssen, im ersten Schwung angeschrieben werden.
Ich hätte doch zuerst die Daten der Männer abgefragt, die ich sowieso brauche, sollte der Wehrdienst wieder verpflichtend werden. Da sind die Prioritäten falsch gesetzt. Es gibt nun mal keine Geschlechtergerechtigkeit bei der Wehrpflicht, das muss in der Planung berücksichtigt werden.
Musterungstermine für Reservisten sind teilweise erst nach Monaten verfügbar – Umplanungen dauern teilweise mehr als ein Jahr. Sehr viel Analog und papierlastig.
Reibungslos istd as alles noch nicht…
Meine Interpretation als Schlagzeile notiert: Bereits 80.000 am neuen Wehrdienst Interessierte in der neuen Wehrerfassung!
Erstaunlich wie viele versuchen, den Zahlen noch was Gutes abzugewinnen. Das Thema Freiwilligkeit ist bereits jetzt durch. Ende.
In einem Land indem darüber diskutiert wird ob eine Landesfahne bei einer WM noch geschwenkt werden darf oder bereits Nationalismus ist, wird man eben keine bzw.. nur sehr wenige Freiwillige finden. Dafür kann die Bundeswehr nichts, das waren Politik und Medien in den letzten 25 Jahren. Zumal in den sozialen Medien von eher linken Gruppierungen und NGOs auch stark Stimmung dagegen gemacht wird. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Videos mir der Algorithmus bei TikTok dazu zeigt.
Von daher müsste es zur Reaktivierung der Wehrpflicht kommen und ich bin sehr gespannt ob die Regierungsparteien mit Blick auf die bevorstehenden LTW sich trauen das umzusetzen.
Mein Neffe wird im Sommer 16 und die Wehrpflicht-Debatte beschäftigt ihn und seine Mitschüler massiv. Von der Musterung bis zum Dienst an der Waffe: Die Begeisterung geht gegen null. Dass diese Haltung die Regel ist, beweisen die miesen Quoten der Bundeswehr (ca. 500 Einstellungen auf 150.000 Anschreiben).
Seine Konsequenz: Notfalls geht es ins Ausland – die Eltern unterstützen ihn dabei und „unterstützen“ ist dabei noch mild ausgedrückt.
An seinem bilingualen Gymnasium gehen in der 10. Klasse schon die ersten diesen Weg.
Das wirft eine existenzielle Frage auf: Hat die Politik keine Angst vor der Abwanderung junger Menschen? Gerade wegen der demografischen Krise können wir es uns schlicht nicht leisten, die sprachbegabte und leistungsstarke Generation von morgen aus dem Land zu treiben?
[Hm. Im Interesse der Kommentatoren hier: Das ist der dritte Post von dieser generischen Mailadresse, unter dem dritten Nick, jedesmal anders. Gezieltes Missverständnis der oben aufgeführten Fakten. Behauptung, Wehrpflicht würde zu Massenauswanderungen gerade gebildeter junger Männer führen. Sie verstehen schon, dass es dann doch etwas schwer fällt, Ihre Kommentare für echt zu halten? T.W.]
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die jährlich vorgegebenen Wachstumsziele (politisch) absichtlich so niedrig angesetzt sind, dass sie auch angesichts der (durch die „Fragebogenaltion deutlich zutrage tretenden) weitverbreiteten Wehrunwilligkeit der in Frage kommenden Alterskohorten „mühelos“ zu erreichen sind. Schafft man sie, jubelt die Politik, faselt der Mainstream etwas von „Trendwende“. Verfehlt man sie jedoch knapp, sucht man Ausflüchte, warum es nun „gerade nicht geklappt hat“, aber warum es ganz bestimmt noch besser werde.
Der „Durchschnittsverbraucher“ wird allenfalls mitkriegen, dass die Truppe nicht merklich geschrumpft ist. Man (= in erster Linie Pistorius‘ Partei) wird immer Gründe finden, warum eine Wiedereinsetzung der Wehrpflicht „gerade“ nicht opportun ist.
Man will (zumindest dem „männlich gelesenen“ Teil der „Generation Z“ zwar „an die Eier fassen“ aber ungern auf die Füße treten.
@Apollo11: Lehrer können nicht bundesweit versetzt werden, denn diese sind Landesbeamte und können so nur innerhalb des Bundeslandes versetzt werden.
Z.B. eine Landesbeamten zur Landesvertretung in Berlin zu versetzten geht nicht ohne dessen Zustimmung.
Was allein schon positiv ist, dass ein ganzer Jahrgang an männlichen Bürgern sich (zwangsweise) mit dem Thema Bundeswehr beschäftigt (nicht nur Leute wie wir, die dazu ein grundsätzliches Interesse haben). Die Effekte kennen wir noch aus Zeiten des Kalten Krieges, als die Hälfte des Nachwuchses an Zeit- und Berufssoldaten aus den Reihen der Wehrpflichtigen rekrutiert werden konnte („Upps- Bundeswehr? Ja da war doch was, vielleicht gar nicht so blöd für mich“). Unterstützt von einer Werbekampagne, die Bundeswehr erlebbar und glaubwürdig macht (gute Ansätze gibt es ja). Und vor allem eine Personal-BEARBEITUNG (Personal-MANAGEMENT hatten wir noch nie), die zügig, zuverlässig und vor allem kundenorientiert (ja, die jungen Leute müssen nicht froh und dankbar sein, dass sie freundlicherweise zur Bundeswehr dürfen) ist.
Aber nicht alles schlecht reden (aber auch nicht alles „schön rechnen“). Wir alle brauchen eine funktionierende Bundeswehr nötiger denn je.
Hmm, die Aussage „… Die Wehrerfassung wurde mit dem Aussetzen der verpflichtenden Heranziehung zum Wehrdienst 2011 de facto gestoppt und nun…in zeitgemäßer Form wieder eingeführt. Sie funktioniert reibungslos.“ stimmt mich mißtrauisch. Die Wehrerfassung funktioniert. Okay in der Vorbereitung sind genügend administrative und juristische Fehler gemacht worden. Es wurde auch Zeit, dass es klappt.
Aber dass man glücklich ist, dass“
-der Datenaustausch mit den Meldebehörden,
-die administrative Datenverarbeitung,
-der Versand der Anschreiben,
-die IT-gestützte Fragebogenbeantwortung
-und die automatisierte Auswertung der Antworten
vom ersten Tag an wie geplant“ funktionierte schockiert mich schon etwas.
Eigentlich keine dicken Bretter für eine effiziente Verwaltung nach großzügiger Vorbereitung (seit 2023 ist BM Pistorius IBUK).
Und ich glaube nicht, dass das BMVg das alles allein ohne „outgesourcte“ Hilfe gemacht hat.
Die Meldung auf der Website des BMVg ist typisch politische Positivmeldung. Das Negative (wie z.B. von @Florian Staudte 25.06.2026 um 7:15 Uhr) wird einfach weggelassen.
Das ist aber auch eine Kernaufgabe des BMVg Dafür sorgen, dass der BM „gut“ dasteht und nicht „beschädigt“ wird.
Felix2 sagt: „““Das wäre genauso wie ein Kampfbataillon des Heeres mit Luftwaffensoldaten aufzufüllen und zu
behaupten, dass das Bataillon einen hohen (!) Gefechtswert hat…“““
Das ist sehr polemisch und pauschal. Sie haben noch nie einen Luftwaffensicherer gesehen nehme ich an.
Closius sagt… Ich sehe keinen sachlichen Grund, warum Ausländer mit NATO oder EU Staatsangehörigkeit oder in Deutschland geboren, nicht auch die Fragebögen beantworten sollen oder müssen. „““
Ich empfehle einen Blick ins Grundgesetz. Ich helfe aber gerne: § 37 Abs. 1 Nr. 1 des Soldatengesetzes (SG).
Ulrich Kaiser sagt „““Man will (zumindest dem „männlich gelesenen“ Teil der „Generation Z“ zwar „an die Eier fassen“ aber ungern auf die Füße treten.“““
Schön formuliert. Früher hat man aber auch nicht gefragt. Manch Einem würde es vermutlich aus seiner Egoblase holen.
@Ex_Inst:
„Lehrer können nicht bundesweit versetzt werden, denn diese sind Landesbeamte und können so nur innerhalb des Bundeslandes versetzt werden.“
Völlig korrekt. Da hatte ich was verwechselt #schäm#
Da ist dann der Beamtenstatus auch eine Garantie auf das Bundesland.
Im Gegensatz zur Bundeswehr…
Weil wir eben beim gemeinsamen Fusballgucken drauf kamen: Wenn‘s um Spitzensportler geht, sind wir Deutschen ja mit der Vergabe unserer Staatsbürgerschaft recht fix. Selbst wenn da so ein Spieler ein in seinem Herkunftsland verurteilter Straftäter ist, kann der „bei nationalem Interesse“ in ein paar Wochen quasi im Kaltstart Deutscher werden. So mit Pass, Wahlrecht und allem drum und dran. Und da denk ich mir: Warum macht man sich diesen § 8 Staatsangehörigkeitsgesetz eigentlich nicht auch beim nationalen Interesse „Verteidigungsfähigkeit“ zu Nutze? Ist da etwa noch keiner drauf gekommen – so mit Blick auf das Personalproblem bei der Panzerbrigade 45? Da schlummert meinem Empfinden nach hüben wie drüben ein großes Potenzial an quasi geborenen und willigen (!) Verteidigern der NATO-Ostflanke – aus einer ganzen Menge von Gründen. Das im Vergleich der Dienstgrade fast doppelt so hohe Grundgehalt mag dazu gehören.
Da Litauen und Deutschland EU-Mitglieder sind, ist die Doppelstaatsbürgerschaft unproblematisch. Es muss also keiner seine litauische Staatsbürgerschaft für den deutschen Pass aufgeben. Und Ehegatten und Kinder – sofern die diesen Status nach deutschem Recht haben – wären da auch auf der sicheren Seite.
Auswahlverfahren, erff. Sprachenlehrgang, Grundausbildung, Probezeit, Dienstpostenausbildung, Führerausbildung und Verwendungsaufbau liefen alle nach DEU Regelwerken, und damit wesentlich unkomplizierter als in der DF-Brigade. Seiteneinstieg von Berufsausgebildeten und in Litauen Gedienten wäre ebenso kein Problem, m.E. sogar wünschenswert. Letztere könnten ggf. auch mit einem ihrer beruflichen Qualifikation entsprechenden Dienstgrad eingestellt werden. Alles möglich – müsste nur mal offensiv angepackt werden.
Ich meine: Die Bataillone wären ruck-zuck voll!
Und ich kenn da auch einen diesem Ansatz ganz sicher positiv gegenüberstehenden Multiplikator vor Ort: Oberst a.D. Gintaras Azubalis war zuletzt Verteidigungsattaché Litauens in Berlin, ist 2016 aus dem aktiven Dienst ausgeschieden. Der ist heute ein gefragter und anerkannt kompetenter Militärexperte für das gesamte Baltikum. Ich kenne den Herrn gut, der hat 1996 bei mir als Hauptmann von der FüAkBw kommend sein Kommandeur-Praktikum gemacht – natürlich HFlaTr ;-) . Nicht nur den könnte man sicher für den vorgenannten Ansatz gewinnen – jede Wette. Und dann „klappt das auch mit dem Nachbarn“. Nur mal so.
@Nico sagt:
25.06.2026 um 19:51 Uhr
Felix2 sagt: „““Das wäre genauso wie ein Kampfbataillon des Heeres mit Luftwaffensoldaten aufzufüllen und zu
behaupten, dass das Bataillon einen hohen (!) Gefechtswert hat…“““
Das ist sehr polemisch und pauschal. Sie haben noch nie einen Luftwaffensicherer gesehen nehme ich an.“
Entschuldigung wenn ich unseren Lw-Sicherern zu nahe getreten bin… 😉
Ändert aber trotzdem nichts am Fakt der notwendigen Betrachtung im Einzelfall, die ich damit verdeutlichen wollte. Und Sie können mir glauben das ich in den letzten fast 4 Jahrzehnten so Manches gesehen habe…
Schöner Beitrag Herr @Hans Schommer.
Sicher aber zu logisch und einfach. Wird also nichts werden, denn, es dürfte 1 – 500 Verwaltungsregelungen geben, die rasches Handeln ausschließen.
Das Briefe schreiben nichts reißt, geschenkt. Aber,
„Im Jahr 2026 haben wir bisher so rund 38.500 Bewerbungen und rd. 11.000 Einstellungen für alle Laufbahnen verzeichnen können. Dies ist ein Plus von rund 24% (Bewerbungen) bzw. 13% (Neueinstellungen) “
Wie will man denn dieses Delta erklären? Es sind doch nicht fast 2 Drittel der Bewerber untauglich, oder sonstwie unbrauchbar. Im Personalamt scheint jedenfalls keine Zeitenwende eingetreten sein.
@Felix2: Wenn ein Bataillonsstab mit Luftwaffenleuten besetzt wird (ausgenommen vielleicht S3) dürfte einiges effektiver stattfinden, als bei einer manch einer reinen oder überwiegenden Heeresbesetzung, die mit „joint operations“ und einer offeneren Führungskultur wenig anfangen können und sich da dann häufig selbst im Weg standen. Aber das sind subjektive Erfahrungswerte, die keine Allgemeingültigkeit besitzen.
Ansonsten stehen Luftwaffensoldaten in den Stabsabteilungen S1, S2, S4 und S6 den Kameraden des Heeres leistungsmäßig sicherlich nicht nach. Natürlich wird ein Soldat der Luftwaffensicherung nicht den gleichen unmittelbar erwartbaren Ausbildungsstand haben, wie ein gezogener Panzergrenadier, aber einen Alarmposten kann der auch besetzen. Oder Spähtrupp gehen, usw. Der Kampfwert einer Einheit ist geschätzt mit Infanteristen einer anderen TSK tendenziell höher als ohne, was freilich eine Binsenweisheit ist. Denn diese Soldaten kann ich – so ich denn führungskulturell dazu in der Lage bin – für geeignete Aufgaben gezielt so einsetzen, dass meine geliebten Eisenfresser in den rasselnden Kettenkästen für Aufgaben mit „großer Schlagkraft“ frei werden.
Klar, wir kennen alle die Witze: „Wenn ein Luftwaffenmann mit anpackt, ist wie wenn zwei Grenadiere loslassen!“ oder „Hauptsache, grüne Litze!“ Aber die gibt’s halt umgekehrt auch genau so in den anderen TSKn…
@Onkel: Dass junge Männer nicht begeistert sind, wenn sie mit der Möglichkeit konfrontiert sind, womöglich zu einem verpflichtenden Dienst herangezogen zu werden, kann ich gut verstehen. Aber es heißt ja auch „die Pflicht“ und nicht „die Spaß“! Niemand erwartet patriotische Begeisterungsstürme oder ein Einrücken mit singendem und klingendem Spiel.
@Hans Schommer, 25.06.2026, 22:37 Uhr:
„… Da schlummert meinem Empfinden nach hüben wie drüben ein großes Potenzial an quasi geborenen und willigen (!) Verteidigern der NATO-Ostflanke…“.
Sie wollen also gezielt litauische Staatsbürger werben, diese dann quasi im Kaltstart auch zu deutschen Staatsbürgern („Doppelpaß“) machen und so die Brig 45 „voll machen“, um an der NATO Ostflanke und auch in der Bw insgesamt genügend Personal zu haben.
Grundsätzlich guter Plan. Man muß diesen Menschen aber klar machen, dass der Eid nicht lautet „…die NATO-Ostflanke im Bereich Litauen“ zu verteidigen, sondern der Bundesrepublik treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.
@ Metallkopf Im Gefechtsübungszentrum des Heeres gab es einen Spruch: „Seitdem wir die Luftwaffe haben, haben wir keinen Krieg mehr gewonnen!“ Allerdings hatte ich es schon mit Luftwaffen-sicherern zu tun. Auf die halte ich als Grünlitze große Stücke. Aber ja, die Luftwaffe ist etwas entspannter als das Heer. Aber wichtig ist, dass Luftnahunterstützung kommt, wenn sie gebraucht wird.
@Onkel Wer bezahlt denn die Ausbildung an diesem bilingualen Gymnasium? Tja, das ist für mich Mitnehmermentalität. Die Rechte kennt man, aber wenn es zur Pflicht kommt, wird gekniffen. Ich hoffe, dass, in welchem Fach auch immer, den jungen Leuten irgend jemand erklärt, dass das recht annehmliche Leben, Demokratie und Sicherheit in unserem Land nicht vom Himmel gefallen ist. Soll er doch gehen. Am besten in die Schweiz. Da hat man für solche Leute vollstes Verständnis.
[Hm, ich hatte schon gehofft, mein Hinweis auf „don’t feed the troll“ war deutlich genug… T.W.]
Werter ORR,
mit Ihrem Kommentar von heute, 26.06.2026 um 13:38 Uhr haben Sie den „Nagel auf den Kopf getroffen“. Den Hinweis auf den Gegenstand der Eidesformel hätte zumindest ich nicht benötigt – nur mal so. Im Übrigen denke ich, da kämen die potenziellen Interessenten auch von selbst drauf.
@Hans Schommer, 26.06.2026, 17:57 Uhr:
„…Den Hinweis auf den Gegenstand der Eidesformel hätte zumindest ich nicht benötigt…“
Der Hinweis war auch nicht an Sie gerichtet. Sie, der 1996 Hauptmann war, kennen die Formel sehr gut, davon gehe ich aus. Ich habe es nur erwähnt, um das Problem vollständig zu umreißen, denn -und hier stimme ich Ihnen nicht zu- die potenziellen Kandidaten werden nicht von selbst darauf kommen, Deutschland zu dienen.
Das wird ja z.T. schon bei Deutschen ohne „Doppelpaß“ schwierig, wenn sie für zwei-drei Jahre an einen anderen Standort versetzt werden sollen, um dort die „Fahrkarte“ für einen Karrieresprung zu lösen. Der Hinweis, dass sie der Bundesrepublik treu dienen kam (zu meiner aktiven Zeit) dann meistens „..und warum geht dass nicht hier, warum muß ich dafür mobil sein?“
@Insider
„In einem Land indem darüber diskutiert wird ob eine Landesfahne bei einer WM noch geschwenkt werden darf “
Ach bitte, wann wurde das denn letztmalig im Mainstream debatiert, abgesehen von radikalen anarchistischen Kreisen?
Und das die Bundeswehr nichts dafür kann, dass sie unattraktiver Arbeitgeber ist, ist natürlich eine sehr bequeme Möglichkeit weiterhin alle Probleme zu ignorieren, da man Personal ja zwangsverpflichten kann. Und dann alle auf Kommando: Hurra!
Ich bin da aber nicht dabei.
(Aus einem einfachen Grund, Faschismus funktioniert nicht ohne Wehrpflicht. Und wir driften gerade da wieder hin, auch wenn ein AfD Verbotsverfahren durchkommt. Und wenn dann alle totalitären Gesetze schon verankert sind, werden sich die Faschisten bedanken wenn sie die Macht wieder haben, weil dann alles schon vorbereitet ist.)
@Nico: Ich kann nichts im Grundgesetz finden, was Ausländer als Soldaten verbieten würde. Ganz im Gegenteil, Artikel 12 a GG bestimmt, das Männer ab 18 Jahren der Wehrpflicht unterworfen werden dürfen. Da steht nichts von nur deutschen Männern, so dass eine Wehrpflicht für ausländische Männer nicht gegen das GG verstoßen würde. Richtig ist, dass § 37 Abs. 1 Soldatengesetz die dt. Staatsbürgerschaft GS verlangt, aber gemäß § 37 Abs. 2 Soldatengesetz kann der Verteidigungsminister auch Ausländer zu Soldaten ernennen, was es in Einzelfällen schon gab. Der Dienst von Ausländern kann also jederzeit vom Verteidigungsminister erlaubt werden oder man könnte das Soldatengesetz ändern und die dt. Staatsbürgerschaft streichen. In der Belgischen Armee dürfen offiziell EU Ausländer dienen. In Spanien dürfen alle dienen, die spanisch als Muttersprache haben(also die meisten Menschen aus Süd- und Mittelamerika). Auch die Ministerin VDL wollte die BW schon mal für qualifizierte EU Bürger öffnen, aber die Ministerin bekam kalte Füße, als angeblich osteuropäische Staaten protestierten, aus Angst ihre Soldaten würden von BW abgeworben werden. Die große Ungerechtigkeit ist, dass die Bundespolizei & alle Länderpolizeien die EU Staatsbürgerschaft für den Polizeidienst ausreichen lassen, teilweise werden weitere Staaten außerhalb EU gleichgestellt & Hamburg lässt alle Ausländer mit legalem Aufenthalt in seine Polizei. Warum bald eine ungeliebte Wehrpflicht einführen, wenn diese durch eine Öffnung der BW für Ausländer vielleicht vermieden werden könnte? Alle Auslandseinsätze finden gemeinsam mit NATO oder EU Soldaten statt. Wozu sollte deshalb ein Soldat unbedingt die dt. Staatsbürgerschaft haben müssen, wenn es ein Polizist nicht sein muss, obwohl die Wahrscheinlichkeit viel höher ist von Polizisten staatlichen Zwangsmaßnahmen unterzogen zu werden als von Soldaten! Alle Armeen erwarten, das ausländische Soldaten die Landessprache können oder erlernen(frz. Fremdenlegion. Warum sollten Ausländer, die EU oder NATO Bürger sind, oder in Deutschland geboren sind oder in Deutschland aufgewachsen, nicht für Deutschland kämpfen wollen? In der dt – frz. Brigade oder im Panzerbataillon 414 kämpfen schon heute verschiedene Nationalitäten gemeinsam.
lukan sagte 27.06.2026 um 11:39 Uhr:
„ … Faschismus funktioniert nicht ohne Wehrpflicht. … „
Gibt’s was, wodurch diese Ihre These untersetzt wird?
Und
Closius sagt am 27.06.2026 um 12:03 Uhr:
„@Nico: Ich kann nichts im Grundgesetz finden, was Ausländer als Soldaten verbieten würde. … „.
Dazu hat vor ein paar Jahren der Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages was geschrieben, wobei auch auf die Einzelfallregelung des SG eingegangen wird: Rechtliche Voraussetzungen für die Zulassung von Ausländerinnen und Ausländern zum Dienst in der Bundeswehr, Aktenzeichen: WD 2 – 3000 – 150/16.
Ich meine auch zu erinnern, dass wir das hier schon mal hatten.
@Hans Schommer
„„ … Faschismus funktioniert nicht ohne Wehrpflicht. … „
Gibt’s was, wodurch diese Ihre These untersetzt wird?“
Ja klar, nennt sich Geschichtswissen. Alle faschistischen Staaten hatten ihre Angriffskriege mit Wehrpflichtigen geführt und das Militär war jeweils essentiell zum generellen Machterhalt.
@lukan
Allerdings wurden nahezu alle Kriege der Neuzeit (beginnend ab ca. 1700) mit Verpflichtenden geführt, einfach weil es unwirtschaftlich ist ein riesiges stehendes Heer zu unterhalten, und somit wurde für jeden Krieg wo die Berufsarmee nicht ausreichte Soldaten verpflichtet. Es haben also auch nicht-faschistische Staaten ihre Kriege mit Wehrpflichtigen geführt.
Zum Thema Machterhalt durch das Militär: Wer hat denn im Kaiserreich geputscht (Kieler Matrosenaufstand) wer hat sich im Zarenreich gegen den Zar gestellt (die Bolschewiken alleine hätten ohne die Wehrpflichtigen ziemlich alt ausgesehen). Ich denke eher eine Armee aus Wehrpflichtigen ist das beste Mittel gegen Faschismus, Kommunismus, Autoritäre Regime…einfach weil die Soldaten aus der Bevölkerung für die Bevölkerung handeln. Eine Berufsarmee ist da eher anfällig ein Regime (von dem man selber abhängt) an der Macht zu halten.
@lukan
Können Sie da aus den Geschichtswissen(schaften?) denn Arbeiten zu nennen? Ich finde Ihre These nämlich ebenfalls arg konstruiert oder zumindest stark vereinfacht – so könnte man gleichzeitig z.B. auch behaupten, dass Sozialismus / Kommunismus nicht ohne Wehrpflicht funktionieren.
In Vietnam kämpften ebenfalls viele Wehrpflichtige, trotzdem waren die USA da kein faschistischer Staat, Und für den NS-Staat brauchte es die Wehrmacht nicht im Inneren, dazu gab es andere Mittel zur Machtsicherung. Sie machen es sich da etwas zu einfach.
@lukan:
Na, das ist ja schon eine ziemlich steile These „Faschismus funktioniert nicht ohne Wehrpflicht“, und das dann noch als „Geschichtswissen“ zu verkaufen ist ziemlich mutig.
Dass Faschismus sich nicht ohne militärische und paramilitärische Komponenten an der Macht halten kann, ist plausibel, aber dass eine Wehrpflichtarmee als Bevölkerungsquerschnitt viel weniger zu Extremismus und zu „Staat im Staate“ als eine Berufsarmee tendiert, dürfte unbestritten sein.
Im übrigen dürften Sie gerne versuchen, den Grundsatz „Der Bürger ist der natürliche Verteidiger seiner Heimat“ zu wiederlegen.
@lukan:
Ich erinnere mich dezidiert daran, dass auch der realexistierende Sozialismus und die Absicherung der kommunistischen Revolution in einigen Ländern offensichtlich auch nicht so ganz ohne Wehrpflicht funktioniert haben – und funktionieren (siehe KDVR, VR China, Vietnam, Laos, etc.).
Wehrpflicht ist kein Ausdruck eines bestimmten politischen Systems. Es ist ein politisch grundsätzlich agnostisches Konzept für die Gewährleistung von verteidigungs- und manchmal leider auch angriffsbereiten Streitkräften.
@Vodoo
„so könnte man gleichzeitig z.B. auch behaupten, dass Sozialismus / Kommunismus nicht ohne Wehrpflicht funktionieren.“
Aber sicher, jedenfalls wenn man die real existierende totalitäre Form von letzterem meint. (Die Frage ob es eine nicht totalitäre Form von Kommunismus/Sozialismus geben kann, debatiere ich gerne an anderer Stelle). Ich möchte aber auch eine erneute sozialistische Diktatur verhindern, letzteres ist derzeit nur eher unwahrscheinlich.
@OFA d.Res.,
„Dass Faschismus sich nicht ohne militärische und paramilitärische Komponenten an der Macht halten kann, ist plausibel, aber dass eine Wehrpflichtarmee als Bevölkerungsquerschnitt viel weniger zu Extremismus und zu „Staat im Staate“ als eine Berufsarmee tendiert, dürfte unbestritten sein“
Unbestritten ist es aber nicht. Jeder Gegner der Wehrpflicht ist hier anderer Meinung und so wenige sind wir nicht, dass die Bewertung „unbestritten“ hier ernsthaft verwendet werden kann. Denn Beispiele nichtextremistischer Staaten ohne Wehrpflicht gibt es viele, aber wie gesagt kein einzig mir bekanntes Beispiel eines extremistischen Staates der ohne Wehrpflicht existiert hat.
„Im übrigen dürften Sie gerne versuchen, den Grundsatz „Der Bürger ist der natürliche Verteidiger seiner Heimat“ zu wiederlegen.“
Und das will und versuche ich gar nicht.
Es gibt genügend Beispiele wie Bürger ihre Heimat ohne Wehrpflicht erfolgreich verteidigt haben. Das ist mein Punkt, ich sehe die Wehrpflicht nicht als Alternativlos. Ich würde eine kleine Berufsarmee bevorzugen, die der professionelle Kern eines freiwilligen Milizsystemes ist. D.h. Bürger in Uniform, aber keiner wurde gezwungen zu dienen.
@Metallkopf
„Wehrpflicht ist kein Ausdruck eines bestimmten politischen Systems“
Nicht eines bestimmten Systems, aber einer bestimmten Geisteshaltung die die Voraussetzung aller totalitären Systeme ist. Zwang um Konformität zu erreichen.
Wenn dieses Prinzip verankert und gesellschaftlich akzeptiert ist, hat es jede Diktatur leichter Zwang und Gleichschaltung allgemein durchzusetzen.
Und Menschen zu zwingen an die Front zu gehen und vorher fast jede Minute ihres Tagesablaufes zu kontrollieren und fremdzubestimmen ist für sich schon ein totalitäres Prinzip an sich. Wenn es dazu aber Ersatzdienst gibt, macht das qualitativ natürlich schon einen beträchtlichen Unterschied etwa zur NS Zeit, wo es diese Möglichkeit bei der Wehrpflicht nicht gab. Und darum nochmals nein, nicht jeder Staat mit Wehrpflicht ist totalitär, das habe ich nicht behauptet. Ich widerspreche der Behauptung, dass sie Alternativlos ist.
@lukan: Jetzt gehen wir aber tief in die Staatsphilosophie. In dem Bewusstsein, dass der Hausherr das wohl zurecht als OT brandmarken dürfte, nur so viel:
Diktatur wird durch eine Wehrpflicht nicht signifikant erleichtert. Eine Diktatur wird dadurch erleichtert, dass Mitläufertum an die Stelle von Zivilcourage tritt; dass demokratische Werte und politisches Interesse bei der Mehrheit der Bevölkerung einem nabelschauenden Biedermeiergeist weichen. Demokratie stirbt an einem Mangel an Demokraten in der Gesellschaft, nicht an der Frage, ob man es als Bürgerpflicht ansieht, auch einen Beitrag für die Verteidigung des eigenen Gemeinwesens zu leisten.
@lukan: Der Unterschied zwischen Kausalität und Koinzidenz ist Ihnen unbekannt. Natürlich gibt es Staaten mit Wehrpficht, die von einer Diktatur meilenweit entfernt sind, z.B. Schweden und Finnland. Die Bereitschaft, sein Land zu verteidigen, hat mit totalitären Tendenzen gar nichts zu tun.
Grundlegende Logik scheint Ihnen auch nicht bekannt zu sein, sonst hätten Sie nicht den falschen Schluss gezogen, dass „keine Diktatur ohne Wehrpflicht“ bedeuten solle „keine Wehrpflicht ohne Diktatur“.
Im übrigen sehen wir gerade ganz deutlich, wie eine freiwillige Miliz NICHT funtioniert, und zwar in unserem eigenen Lande.
[Es wäre gut, bei allen unterschiedlichen Ansichten, wenn das nicht in eine persönliche Auseinandersetzung ausarten könnte.T.W.]
@OFA d.Res.
„Im übrigen sehen wir gerade ganz deutlich, wie eine freiwillige Miliz NICHT funtioniert, und zwar in unserem eigenen Lande.“
Beleidigen können sie. Aber von einem (freiwilligen) Milizsystem verstehen sie leider nichts, sonst würden sie kaum hier die Bundeswehr als Beispiel anbringen. Nur weil temporär die Wehrpflicht ausgesetzt ist, war und ist sie noch lange keine Miliz. Andernfalls hätte ich mich dort eingebracht, aber in der aktuellen Form – nein danke. Denn aktuell heißt das unter anderem, ich kann eben nicht in der Heimat bleiben, sondern müsste mich irgendwo anders dann Menschen wie ihnen unterordnen und mich unwidersprochen beschimpfen und im Ernstfall auch noch wider besseren Wissens in den Tod schicken lassen. Hierfür fehlt mir aber die Bereitschaft, nicht das Heimatverteidigung grundsätzlich auch mit Gefahr und Unannehmlichkeiten verbunden ist.
„Die Bereitschaft, sein Land zu verteidigen, hat mit totalitären Tendenzen gar nichts zu tun.“
Nein, aber wenn es diese Bereitschaft gibt, muss man sie ja nicht erzwingen?
@Metallkopf
Ja, den tieferen Exkurs in die Staatsphilosophie gerne mal an anderer Stelle. Meine Sicht auf die Dinge ist jedenfalls recht einfach, umso mehr Zwang in den Gesetzen und Staatswesen die Norm ist, umso näher ist der Staat an einer Diktatur. Und Staaten sind ja keine homogenen Gebilde, sondern können in manchen Bereichen sehr demokratisch freiheitlich sein, in anderen aber nicht.
[Es scheint, diesen OT – gemessen am Thema – haben wir nunmehr wirklich erschöpfend abgehandelt. Danke. T.W.]