Erste Zahlen zum „Neuen Wehrdienst“: Die Interpretationen beginnen

Das Verteidigungsministerium hat die ersten Zahlen zum seit Jahresbeginn geltenden Neuen Wehrdienst mit Fragebogen für 18-jährige (und Antwortpflicht für Männer) veröffentlicht. Und obwohl die Pressemitteilung dazu am (heutigen) Mittwoch abends um acht und damit quasi nach Dienstschluss veröffentlicht wurde, geht die Debatte über die Interpretation der Zahlen schon munter los.

Wer den kompletten Text lesen will: Hier auf der Webseite des Ministeriums (und unten als Sicherungskopie). Die interessanteste Aussage steht aus meiner Sicht ganz am Schluss:

Aufgrund der insgesamt positiven Entwicklung in der Personalgewinnung und -bindung gehen wir derzeit davon aus, dass die personellen Aufwuchsziele gem. §91 Soldatengesetz für 2026 erreicht werden.

Konkret, das zeigt ein Blick ins Gesetz, bedeutet das nach Einschätzung des Ministeriums, dass in diesem Jahr eine Zahl an aktiven Soldaten und Soldatinnen von 186.000 bis 190.000 erreicht wird – also tendenziell eher mehr als 186.000. Danach sieht es in den ersten Monaten dieses Jahres, die Zahlen bis Mai liegen vor, nicht ganz so eindeutig aus. Aber noch ist ja mehr als ein halbes Jahr Zeit für dieses Ziel.

Die öffentliche Debatte scheint sich jedoch mehr an konkreten Details zu entzünden. So nennt das Ministerium  aus der Zahl der versandten Fragebogen von bislang fast 300.000, der Rücklaufquote und dem bekundeten Interesse der angeschriebenen 18-jährigen Männer als ein Ergebnis:

Nach Abgleich der persönlichen Vorstellungen und der Bedarfe der Bundeswehr konnten mehr als 530 Interessierte für 2026 für einen Wehrdienst fest eingeplant werden.

Der naheligende, aber nicht so ganz richtige Schluss: Fast 300.000 Männer angeschrieben, von denen wollen nur 530 zur Bundeswehr?

Das lässt den unmittelbar danach stehenden Satz unter den Tisch fallen:

In [sic] etwa zwei Drittel der Interessierten sind u.a. aufgrund noch andauernder Schul- und Ausbildungsverhältnisse erst in ein bzw. zwei Jahren verfügbar. Entsprechende, in die Zukunft gerichtete Einstellungsangebote werden derzeit vorbereitet.

Allerdings bleibt da in der Tat ein bisschen vage, wie viele der mit dem Fragebogen erfassten, in diesem Jahr tatsächlich 18 Jahre alt werdenden deutschen Männer am Ende wirklich zur Bundeswehr kommen wollen und werden. Zumal etwa ein Fünftel der interessierten Angeschriebenen und auch Gemusterten am Ende untauglich war.

Auf der anderen Seite, auch diese Zahl nennt das Ministerium, sei das Interesse der Freiwilligen – und eben nicht nur 18-jährigen – größer als zuvor:

Aktuell konnten für den Neuen Wehrdienst rund 10.000 Einplanungen für 2026 vorgenommen werden, im Jahresvergleich sind dies rund acht Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Wenn mann schon Zahlen gegenüberstellen will, dann eher diese 10.000 gegen die oben genannten 530. Da sieht das doch schon anders aus.

Allerdings, und deshalb finde ich diese Zahlendebatte derzeit etwas unglücklich: Ob die Bundeswehr wirklich dauerhaft ohne eine Wehrpflicht ihre Personalstärkeziele decken kann, sagt aktuell keine der vorliegenden Zahlen. Es scheint auch nicht ausgeschlossen, um es vorsichtig zu sagen, dass die angepeilten Neueinstellungen für dieses Jahr nicht so ganz erreicht werden.

Aber für die Einschätzung warten wir noch ein bisschen. Bis die Zahlen etwas aussagekräftiger werden.

(Ich verkneife mir an der Stelle, die Aussage

Die Wehrerfassung wurde mit dem Aussetzen der verpflichtenden Heranziehung zum Wehrdienst 2011 de facto gestoppt und nun mit dem Inkrafttreten des Wehrdienstmodernisierungsgesetzes in zeitgemäßer Form wieder eingeführt. Sie funktioniert reibungslos.

zu kommentieren. Eine Gesetzesvorschrift in ein neues Gesetz zu schreiben, dann per Allgemeinverfügung aufheben zu wollen und am Ende in einem anderen Gesetz nachbessern zu müssen ist nicht so ganz meine Vorstellung von funktioniert reibungslos.)

Die Mitteilung als Sicherungskopie:
PM31 – Funktionierende Wehrerfassung, personeller Aufwuchs schreitet weiter voran

(Archivbild: Rekruten beim feierlichen Gelöbnis zum 70. Geburtstag der Bundeswehr am 12.11.2025 in Berlin –  Kira Graap/photothek.de)