Entscheidung über deutsche Kampfdrohnen noch vor der Sommerpause (Zusammenfassung)

Heron_TP_Israel_AirForce

Eine Entscheidung über die Beschaffung von Drohnen für die Bundeswehr, die auch bewaffnet werden können, wird voraussichtlich noch vor der Sommerpause fallen. Die Klage einer US-Firma, die die Entscheidung des Verteidigungsministeriums zum Leasing von Drohnen eines israelischen Herstellers stoppen wollte, wurde am (heutigen) Mittwoch vom Oberlandesgericht Düsseldorf zurückgewiesen, wie das Ministerium mitteilte. Damit wird voraussichtlich am 21. Juni der Haushaltsausschuss des Bundestages über die Beschaffung der unbemannten Flugsysteme beraten.

Bundeswehr-Generalinspekteur Volker Wieker hatte bereits im Januar 2016 die Entscheidung getroffen, dass die Luftwaffe mit israelischen Drohnen des Typs Heron TP ausgestattet werden soll. Die unbemannten Systeme sollten vom Hersteller IAI (Israel Aircraft Industries) geleast und in Israel stationiert werden; außerdem ist geplant, die Drohnen mit Lenkflugkörpern auszurüsten, so dass die deutschen Streitkräfte ihre ersten Kampfdrohnen erhalten.

Gegen die Entscheidung war das US-Unternehmen General Atomics vorgegangen, dass das Konkurrenzmodell Predator produziert. Nach einer zunächst erfolglosen Beschwerde bei der Vergabekammer des Bundes hatte das Unternehmen vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf wegen Verletzung des Vergaberechts geklagt. Das Verteidigungsministerium hatte deshalb zunächst befürchtet, dass vor der Sommerpause und damit vor der Bundestagswahl keine Entscheidung über eine Beschaffung mehr möglich wird.

Zu der aktuellen Entscheidung (Aktenzeichen OLG Düsseldorf VII Verg 36/16) gibt es bislang keine Mitteilung des Düsseldorfer Gerichts (Nachtrag: Reuters vermeldet aber eine Bestätigung des Vorsitzenden Richters).

Nach Angaben des Ministeriums wurde die Rechtsposition der Bundesregierung bestätigt, so dass es keine Hindernisse für eine Beschaffungsentscheidung im Haushaltsausschuss des Bundestages gibt.

Nach der bisherigen Zeitplanung soll die Bundeswehr ab 2019 über die – dann möglicherweise auch bewaffneten – Heron TP-Drohnen verfügen können. Interessant wird die Frage, ob mit der so genannten 25-Millionen-Vorlage (ab dieser Grenze müssen Rüstungsprojekte vom Parlament gesondert gebilligt werden) für die Flugsysteme auch die Bewaffnung behandelt wird. Zu den geplanten Waffen für die Drohnen hat sich das deutsche Verteidigungsministerium mit Rücksicht auf den israelischen Lieferanten bislang sehr zurückgehalten, was natürlich die politische Debatte in Deutschland über dieses Thema nicht einfacher macht.

(Archivbild: UAV operator next to the „Heron TP“ – Hagar Amibar/Israeli AirForce)

79 Kommentare zu „Entscheidung über deutsche Kampfdrohnen noch vor der Sommerpause (Zusammenfassung)“

  • Wa-Ge   |   01. Juni 2017 - 14:45

    Habe nun einen Blick in den Atlas gewagt, habe weder in Frankreich, Italien oder Großbritannien eine Wüste gefunden, scheint diese Länder (unterliegen wenn ich raten darf ebenfalls Eurocontrol) nicht daran zu hindern mit MALE Drohnen israelischer/amerikanischer Bauart im eigenen Land zu fliegen.

    Mir ist ja Hupe welche Drohne da beschafft wird, auch wenn ich durchaus Präferenzen hätte, aber mir erschließt sich nicht die Sinnhaftigkeit in der Begründung die beschafften Drohnen im Ausland zu stationieren und nur in Krisenregionen einzusetzen.

  • CRM-Moderator   |   01. Juni 2017 - 14:57

    @Sehenden Auges:
    „Ich bin aber sogar so naiv, dass ich noch nicht einmal verstehe, weshalb diese Dinger von ausgebildeten Piloten gesteuert werden müssen, die noch dazu für teures Geld auf manntragenden Luftfahrzeugen ihren Schein erhalten müssen. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach könnten das die Controller des „Flugführungsdienstes“ mindestens genauso gut – und die verbrennen zum Erhalt Ihrer Lizenzen kein Kerosin..“

    Weil sie am ganz normalen Luftverkehr nach IFR teilnehmen. Zivil wird analog ein CPL IR benötigt. Gehen sie zu einer Flugschule und fragen sie nach Kosten und Dauer.
    Und weil das Controller eben nicht können – sie sind nämlich Controller und haben keine Pilotenausbildung – machen das Piloten.

    Dafür sind aber Piloten nach einer gewissen Einarbeitung sehr wohl in der Lage, die Platzrunde in Sheppard mit bis zu 12 Flugzeugen gleichzeitig zu kontrollieren – VFR natürlich. RSU ist das Suchwort.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   01. Juni 2017 - 15:13

    @Wa-Ge
    Sinnhaftigkeit findet sich im Muffensausen Regietender vor öffentlicher Diskussion. Eben einfach eine Bw Baustelle weniger.

  • Eric Hagen   |   01. Juni 2017 - 15:14

    ITA besitzt in Amendola (Apulien) einen UAV Stuetzpkt., dessen Luftraum seit ca. 2007 kontinuierlich erweitert wurde. Mit Ausbau der AFB Sigonella (Sizilien) und nach MoU mit FRA wurde ein zusammnehaenengender Luftraum – suedl. Adria,- zentrales Mittelmeer – bis an die Porvence ‚ quasi um den Stiefel herum“ gelegt.
    Dabei hatte man auch die Stand-Off Wirkung in den nordafrikanischen Raum hinein im Auge.
    Die Lw wurde durch das ITA MoD eingeladen, sich dem MoU anzuschliessen.
    InspLw lehnte damals ab. Soweit ich weiss, weil er der bemannten Luftfahrt Prioritatet einraeumte bzw. einen nationalen Alleingang in Schleswig- Holstein verfolgte.
    Vielleicht damals etwas zu kurz gedacht – an der zunehmenden operativen Rolle von UAV und UCAS konnte eigentlich schon nicht mehr gezweifelt werden.

    Frage an die Experten: Besteht heute noch die Moeglichkeit, dort multimational mit ITA und FRA einzusteigen?
    Was haben ITA und FRA anders gemacht, das ihnen das Betreiben der UAV unter den o.a. angesprochenen europ. Bedingungen erlaubt?

  • Georg   |   01. Juni 2017 - 15:55

    Zitat: „Was haben ITA und FRA anders gemacht, das ihnen das Betreiben der UAV unter den o.a. angesprochenen europ. Bedingungen erlaubt?“

    Betreibt den ITA und FRA die HALE-Drohnen im allgemeinen, nicht abgesperrten Luftraum ?

  • Stratocumulus   |   01. Juni 2017 - 15:56

    Mal zurück zum eigentlichen Thema: die US Firma hatte ja bestimmt auch deshalb geklagt, weil bei der Auswahl zwischen den derzeit verfügbaren Produkten PREDATOR B (USA) und HERON TP (Israel) das Thema „Zulassung nach den derzeit gültigen Vorschriften (u.a. STANAG)“ immer leitend war, besonders auch im Hinblick auf das Eurohawk Desaster.

    Nachdem dies bei diesen beiden Mustern nach Einschätzung der Experten beim Luftfahrtamt der Bundeswehr wohl nicht sichergestellt werden konnte hat sich der US Hersteller dem Thema angenommen und den Certifiable PREDATOR B entwickelt – auf eigene Kosten, weil ja die Bundeswehr angeblich eine Beschaffung des Certifiable PREDATOR vorbereitet hatte – wie man in der Historie dieser Endlosgeschichte nachlesen kann.

    Die Kehrtwende hin zum HERON TP – der übrigens vom Haus und Hof Lieferanten Airbus geleast wird – war wohl zumindest für die US Seite so nicht erwartet worden.

    Wenn jetzt das Thema Zulassung nicht mehr die entschedende Rolle spielt, stellt sich natürlich auch die Frage, warum Deutschland (zusammen mit weiteren EU Partnern ?) dann noch eine eigene MALE Drohne entwickeln muss. Mit dieser Neuentwicklung sollte ja die Zulassung für den Flugbetrieb auch in Europa sichergestellt werden.

  • Georg   |   01. Juni 2017 - 15:57

    PS: Korrektur nicht HALE sonder MALE-Drohnen waren gemeint, also UAV wie Predator und Heron usw.

  • Zimdarsen   |   01. Juni 2017 - 16:36

    @Eric Hagen

    Über die NATO Alliance Ground Surveillance (AGS) sind wir in ITA dabei. MALE überm Meer wundfliegen macht kein Sinn.

  • Eric Hagen   |   01. Juni 2017 - 16:52

    @ Georg
    Genau eben das weiss ich auch nicht. Mir fehlt der aktuelle Sachstand.
    Aber auch Sigonella mit den dort stationierten/ vorgesehenen HALE (US und NATO) muss ja irgendwie da rein passen.

  • Sehenden Auges   |   01. Juni 2017 - 21:09

    @CRM-Moderator:
    Guter Einwand! Schonmal darüber nachgedacht, WER unter IFR-Bedingungen die Staffelungsverantwortung trägt? Controller oder Pilot? Sie können sich auch gerne mal bei der DFS oder im Einsatzführungsdienst der Luftwaffe nach den Kosten und dem Aufwand für eine Controller-Lizenz erkundigen – wobei ich nicht weiß, was das zur Sache tut. Ich finde Ihre „Argumentation“ schon ziemlich entlarvend…

    „Eine Platzrunde controllen“ kann im Prinzip übrigens jeder Segelflieger, der auf der heimischen „Fliegewiese“ gerade Flugleiterdienst hat…

  • Zimdarsen   |   02. Juni 2017 - 0:16

    @CRM-Moderator

    Ich dachte immer Sie haben Ahnung, aber bezgl Aufgabenfeld und Ausbildung Flugsicherungspersonal wurde ich (hab ich mich) wohl getäuscht.
    Einen Heron zu bewegen genügt mE der SPL und der ist im Einsatz schon über powert.

  • CRM-Moderator   |   02. Juni 2017 - 1:06

    Gut. Dann lassen wir 2 das. Nachdem sie mich entlarved haben.

    Ich stelle fest:
    Es gibt Piloten die fliegen Flugzeuge.
    Es gibt Controller, die Piloten Anweisungen geben, wohin diese das Flugzeug fliegen sollen.

    Sie glauben, das Steuern eines UAS kommt dem Aufgabenspektrum eines „aufwendig“ ausgebildeten Controllers nahe. Ich sage, da liegen sie z.Zt. leider daneben. Der Predator wird übrigens (noch) händisch gelandet , Heron 1 / TP zum Glück nicht.
    Ansonsten ist es noch übrigens wie normales Fliegen.

    Warum wollten sie eigentlich einen aufwendig ausgebildeten Controller (Mangelware) als UAS-Pilot verschwenden?

    Dann doch lieber den israelischen Ansatz. Eigene Nachwuchswerbung an Schulen. Eigene Ausbildung. Und ich glaube sowas wie ein PPL langt. Doch weiterhin sind da auch m.W. rausgewaschene/fluguntaugliche Jetpiloten/Trapos etc. dabei.

  • Sehenden Auges   |   02. Juni 2017 - 7:49

    @CRM-Moderator | 02. Juni 2017 – 1:06 :

    Zitat:“Warum wollten sie eigentlich einen aufwendig ausgebildeten Controller (Mangelware) als UAS-Pilot verschwenden?“

    Meine Überlegungen sind rein betriebswirtschaftlich motiviert. Der Lizenzerwerb/-erhalt sollte möglichst „on the Job“ erfolgen und weitestgehend ohne teure Cockpits auskommen, die ebenfalls Mangelware sind.

    Zitat: „Dann doch lieber den israelischen Ansatz.“

    Vollkommen d´accord!

  • T.Wiegold   |   02. Juni 2017 - 8:45

    Uff. Selbst die Frage, wer eine Drohne fliegen sollte, ist hier für Streit gut?

  • klabautermann   |   02. Juni 2017 - 14:06

    Ich verstehe nicht diese „ewige“ Verengung der Diskussion über MALE-Kampf-/Kampfunterstützungs-Drohnen auf den „fliegerischen“ Aspekt inklusive natürlich diese ewige Debatte über Zulassung und Luftraumnutzung.
    Worin liegt denn der operativ-ökonomische Mehrwert von Drohnen – egal ob bewaffnet oder nicht, egal ob RP oder autonom ?
    Der liegt in der möglichst optimalen Nutzung von Surveillance-Targetting-Effect Ressourcen. Und die benötige ich aus operativer Sicht in großen, „übersichtlichen“ Räumen, in denen eine Diskriminierung zwischen den Kategorien zivil und militärisch oder Freund/Feind relativ „einfach“ ist. Diese Räume sind in erster Linie der Seeraum, auch in Küstennähe und natürlich die gar nicht, kaum oder dünn besiedelten Wüsten- und Steppenräume.
    In Räumen mit hoher Besiedlungs-und Verkehrsdichte Dichte kann ich also Drohnen kaum/gar nicht optimal nutzen, insbesondere dann nicht, wenn der Gegner konventionell gut gerüstet ist.
    Es bringt also goar nix im Sinne von Ausbildung/Übung des Surveillance-Targetting-Effect-Cycle „zur Übung“ über Europa rumzufliegen – da gibt es preiswertere Optionen in Sachen Selbstbefriedigung für Pilots on the Ground (excuse my french).
    Und der Einsatz von bewaffneten MALE-CAS-Drohnen macht auch nur Sinn als Long-Range-Escort im Rahmen der operativen Logistik, und dann auch nur als Sicherung gegen Indianer oder Banditen. Und bei Close-Quarters-TIC haben CAS-Drohnen die gleichen Probleme wie bemannte CAS-Flieger – siehe Karfreitagsgefecht.
    Wenn man also z.Bsp. die „bösen Buben“ dabei erwischen will, wenn sie nachts versuchen sich aus ihrer Burg in die Wüste abzusetzen, dann hängt man eine oder mehrere MALE über z.Bsp. Raqqa und wenn die dann mit ihrer Marschkolonne gut frei von ihrer Burg mit den Geiseln sind, dann kommt der Punkt- oder Flächen-Strike. Das reduziert auch „Kollateralschäden“, denn so viele Geiseln werden in dem Konvoi nicht sein.
    So viel zur Economy of War 4.0

  • CRM-Moderator   |   03. Juni 2017 - 18:47

    @Zimdarsen:
    Um ihre Worte zu wählen:
    Sie haben keine Ahnung.

    Sie benötigen einen CPL IR für Heron 1.

    Bzgl. Flugsicherheitspersonal sage ich nichts mehr. Wer eine Segelfliegerplatzrunde mit 12 fastjets VFR am 2nd busiest Flugplatz der USA gleichsetzt…..

    Und damit melde ich mich wieder ab für ein paar Wochen.

  • Memoria   |   03. Juni 2017 - 19:17

    Die Verzögerungen im Bundestag bei mehreren Vorhaben werden immer mehr zum Wahlkampfthema:
    http://www.presseportal.de/pm/58964/3651663

    Mit etwas memoriam (daher ja mein nick)
    kann man auch die Äußerungen des Abg. Otte richtig einordnen (http://m.spiegel.de/spiegel/print/d-68073957.html).

    Aber das wird sich ja alles noch schütteln bis zur letzten Sitzungswoche – oder die Bundeswehr hat bald ein echtes Problem. Aber stört ja auch nicht wirklich jemand.

  • Georg   |   03. Juni 2017 - 23:17

    @ CRM-Moderator 18:47 Uhr

    +1

    Es geht eben nichts über fachliche Expertise, die man aus eigener praktischer Tätigkeit in dem Fachgebiet erworben hat.

    @ Eric Hagen

    Meines Wissens betreiben alle europäischen Nationen ihre Drohnen im abgesperrten Luftraum. HALE, also die AGS-Drohne braucht ebenso wie die Euro-Hawk einen abgeperrten Luftraum für den Steigflug und den Sinkflug um auf die Höhe von bis zu 50000 Fuß zu kommen. Im Überlandflug ist sie dann ähnlich wie die damalige U2 über dem zivil genutzten Luftraum und kommt mit niemanden im Luftraum in Konflikt, braucht also keinen abgesperrten Luftraum mehr.

    @ Stratocumulus

    Zitat:
    „Wenn jetzt das Thema Zulassung nicht mehr die entschedende Rolle spielt, stellt sich natürlich auch die Frage, warum Deutschland (zusammen mit weiteren EU Partnern ?) dann noch eine eigene MALE Drohne entwickeln muss. Mit dieser Neuentwicklung sollte ja die Zulassung für den Flugbetrieb auch in Europa sichergestellt werden.“

    Natürlich spielt die Zulassung nach wie vor eine entscheidende Rolle – nur nicht für die militärischen Drohnen sondern für die kommerziellen pilotenlosen Frachtflugzeuge ab ca. 2030 – 2040. Sowohl für Airbus als auch für Boing ist es von existenzieller Bedeutung zeitgerecht auf dem zivilen Markt so ein Flugzeug anbieten zu können. Die dazu notwendige Entwicklung der „autonomen Sense an Avoid-Technologie“ soll aus den jeweiligen Militärhaushalten mit bezahlt werden. Deshalb entwickelt Airbus immer noch eine eigene militärische Drohne und deshalb least Deutschland keine amerikanische Drohne sondern eine israelische Drohne.

  • Zimdarsen   |   04. Juni 2017 - 10:39

    @CRM-Moderator

    „Ich schrieb: Ich dachte immer Sie haben Ahnung, aber bezgl Aufgabenfeld und Ausbildung Flugsicherungspersonal wurde ich (hab ich mich) wohl getäuscht“

    Dass man für Heron ein CPL IR vorgeschrieben ist, ist bekannt.

    @Georg

    Um S&A zu entwickeln (geschieht gerade) benötigt man keinen MALE Auftrag der Bw.

    http://elib.dlr.de/61157/

    …… nur ein Bsp. von vielen.

  • Stratocumulus   |   04. Juni 2017 - 16:59

    @Georg

    “ … Deshalb entwickelt Airbus immer noch eine eigene militärische Drohne und deshalb least Deutschland keine amerikanische Drohne sondern eine israelische Drohne.“

    Ihre Schlussfolgerung kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Bezüglich einer ernsthafte S&A (Sense & Avoid) Entwicklung wird sich Airbus sicher nicht auf ein militärisches Drohnenprojekt verlassen, mit all seinen Unwägbarkeiten (s. A400M). Die Zeiten, wo High technologische Innovationen ihren Ursprung im Bereich der Militärentwicklungen (oder der Raumfahrt) hatten sind heute auch vorbei. Private Investoren sind da heute wesentlich zielstrebiger und auch finanzstärker.

    Die etablierten Drohnenhersteller in Israel und den USA sind sich der S&A Bedeutung bewusst, insbesondere auch im Hinblick auf Exportchancen in Ländern mit hochfrequentierten Lufträumen (Europa). Der Certifiable Predator B soll in naher Zukunft mit einer S&A Suite ausgestattet werden (einfach mal „Due Regard Radar“ googeln) und es ist sicher nicht ganz unwahrscheinlich, dass einige der derzeitigen europäischen Predator B Nutzer (Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien) sich diese Fähigkeit auch integrieren lassen werden.

    In der Drohnenterminologie der Bundeswehr wird ja immer von der „Überbrückungslösung“ gesprochen(bis dann die eigene Entwicklungslösung verfügbar ist). Da sich die Auswahl dieser „Überbrückungslösung“ nun schon über so viele Jahre hinzieht und sich die beiden Kandidaten (Heron TP und Predator B) über diese Jahre – in unterschiedlicher Ausprägung – auch weiterentwickelt haben, steht man nun vor dem Dilemma, dass die Überbrückungslösung technologisch eigentlich schon gar nicht mehr sehr weit von der (teuren) eigenen Entwicklungslösung entfernt ist. Insofern könnte man @ Georg’s Kommentar auch dahingehend interpretieren, dass die Bundeswehr jetzt nicht die aktuell technologisch beste Lösung bekommen darf …

  • Georg   |   04. Juni 2017 - 21:14

    @ Zimdarsen

    Vielleicht benötigt man keinen Drohnen-Auftrag um ein autonomes Sense und Avoid System zu entwickeln, aber die Forschungsgelder dazu kommen aus dem Militärhaushalt, wie man an den Auftragsnehmern erkennen kann.

    http://www.icas.org/ICAS_ARCHIVE/ICAS2010/PAPERS/821.PDF

    Außerdem ist die Forschung zu einem „autonomen Sense and Avoid-System“ noch bei weitem nicht abgeschlossen.

    Des weiteren ist Airbus meines Wissens die einzige Firma, die eine Drohne mit zwei Triebwerken entwickeln will. Dies ist nicht der militärischen Notwendigkeit geschuldet, sondern der zivilen Bauvorschrift CS 25, wonach Flugzeuge dieser Gößenordnung im IFR-Flugbetrieb mehrmotorig sein müssen. Mithin ist dies eine Technologie, die für zivile, pilotenlose Flugzeuge sehr wichtig ist, für das Militär eher weniger, aber aus dem Militärhaushalt bezahlt wird.

    https://netzpolitik.org/2016/airbus-knackt-den-jackpot-deutscher-ruestungskonzern-fuehrt-konsortium-fuer-europaeisches-drohnenprojekt/

    @ Stratocumulus

    Es geht m.M.n nicht darum ob die Bw die aktuell technologisch beste Lösung bekommen darf, sondern ob mit einer Entscheidung zugunsten einer der beiden Drohnenfamilie, der Weg zu einer eigenen Airbus-Drohne endgültig verbaut ist.

    Die von der Lw-Führung 2006 gewünschte amerikanische Drohne wurde nach einem bereits vereinbarten Zuschlag für die amerikanische Predator bzw. Reaper nach nur 24 Std vom damaligen Staatssekretär Wolf in die israelische Drohne umgewandelt und seither wird weiter für die israelische Drohne entschieden (was kein Fehler sein muss), damit man für Airbus eine subventionsfähige Förderung offen halten kann. Dies obwohl sich 4 europäische Nationen für die Predator entschieden haben.

  • Zimdarsen   |   05. Juni 2017 - 0:38

    @Georg

    Wenn Airbus ein Lfz ohne Pilot bauen möchte, dann kann Airbus das tun, sie benötigen dafür keine Forschungsgelder vom Steuerzahler. Airbus entwickelt und forscht wenn sie glauben, man kann mit einem Produkt Geld verdienen. Natürlich wirbt Airbus um Aifträge und auch um Geld, denn jeder Euro vom Staat bedeutet ein Euro mehr Gewinn. Was kann Airbus (auser S&A) nicht? Welche Technologie fehlt Europa um modernste Drohnen zu bauen (mit einem, zwei oder mehr Twk) Ansonsten hat Stratocumulus alles geschrieben.

  • Georg   |   05. Juni 2017 - 12:03

    @ Zimdarsen

    Wenn Airbus keine Forschungsgelder braucht um eine Drohne zu entwickeln, dann ist es ja gut.

    Zitat:
    „Was kann Airbus (außer S&A) nicht ?
    Welche Technologie fehlt Europa um modernste Drohnen zu bauen (mit einem, zwei oder mehr Twk)“?“

    Anscheinend fehlt Airbus vieles um jetzt eine Drohne zu bauen, denn sowohl Baracuda, als auch Talarion wurden von den europäischen Regierungen nicht angenommen.
    Vielleicht liegt es auch an dem schlechten Ruf den Airbus bei der Entwicklung und Produktion von Rüstungsgütern hat. Vielleicht es auch so, dass Deutschland in Wirklichkeit keine eigenen, exportfähigen bewaffneten Drohnen entwickeln will.

    Der „Brain Trust“ in Form von Ingenieursabbau bei Airbus in Manching ist auf jeden Fall schon jetzt erheblich. Dabei ist Deutschland bei der Entwicklung einer eigenen Drohne mittlerweile um Jahre hinten dran.

    Was Airbus alles mit dem eigenen Geld entwickeln kann, wird sich noch herausstellen, bis jetzt ist es bei der Entwicklung von neuen Technologien noch immer auf den Rüstungsbereich und den Geldgeber Staat angewiesen.

    siehe auch: https://www.welt.de/wirtschaft/article129911175/Europas-Drohnen-sind-jetzt-schon-veraltet.html

    (Artikel ist 3 Jahre alt, ich hoffe die Verlinkung ist in Ordnung)

  • GlobalHawkPilot   |   06. Juni 2017 - 10:08

    @CRM-Moderator
    „..Sie glauben, das Steuern eines UAS kommt dem Aufgabenspektrum eines „aufwendig“ ausgebildeten Controllers nahe. Ich sage, da liegen sie z.Zt. leider daneben. Der Predator wird übrigens (noch) händisch gelandet, Heron 1 / TP zum Glück nicht.
    Ansonsten ist es noch übrigens wie normales Fliegen…“

    was bitte schön haben denn ein Trackball und eine Tastatur mit normalem Fliegen zu tun? Auch ein Global Hawk, Trition (Pegasus) hat nur noch Keyboard und Maus.

    Das man, um einen Heron zu fliegen einen CPL IR bzw. einen MFS-F mit IB benötigt liegt auch nur daran, dass vor ein paar Jahren jemand in höheren Kommandobehörden sich das ausgedacht hat. Nur um der Bevölkerung und der Politik glaubhaft zu machen, dass nur erfahrene und gut ausgebildete „echte Piloten“ UAS steuern. Dieser Jemand hat ja auch keine Ahnung vom UAS/RPA fliegen und kommt aus der Ecke… Haben wir schon immer so gemacht!“

    „…Warum wollten sie eigentlich einen aufwendig ausgebildeten Controller (Mangelware) als UAS-Pilot verschwenden?“

    Aha, nur weil die Luftwaffe jede Menge „Heldenklau“ betreibt ist ein Pilot keine Mangelware?
    Frisch ausgebildete Eurofighter Piloten in Zweitfunktion auf Heron zu schulen und weil es keine A400M Ausbildung gibt, junge Transport Piloten abzuschöpfen, ist sicher nicht eine Lösung. Sieht für mich aus wie „Perlen vor die Säue werfen“. Mal ganz abgesehen von diesem unsäglichen „Alternativen Lizenzerhalt“. Der kostet mittlerweile mehrere Millionen Euro pro Jahr und bringt mal gar nichts. Außer, dass ohne Auftrag nur heiße Luft produziert wird, um ein Kreuzchen bei erfüllten Flugstunden für eine bemannte Musterberechtigung zu erhalten.
    Seit mittlerweile fast 7 Jahren ist die Luftwaffe nicht in der Lage einen Werdegang für RPA/UAS Personal zu etablieren. Er könnte so einfach sein. Das Totschlag Argument, das man ohne richtiges Fliegen kein Personal gewinnen kann ist völlig absurd.
    Es gibt jede Menge Personal die nur leider nicht eine WFV 2 (Wehrfliegerverwendungsfähigkeit) aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen bekommen können. Die aber durchaus über die geeigneten Kognitiven Fähigkeiten verfügen wurden und ein RPA nach einer fundierten Ausbildung sicher im Luftraum bewegen könnten. Eine „Stick und Rudder“ Fähigkeit benötigt man ganz bestimmt nicht mehr.
    Eine kleine Änderung im Zulagenwesen könnte da Motivationsanreize schaffen um genügend Personal zu gewinnen. Die Kosten für den Alternativen Lizenzerhalt reichen locker um Zulagen für RPA Führer und Taco/PO zu schaffen.
    @ T.Wiegold | 02. Juni 2017 – 8:45
    ..“Uff. Selbst die Frage, wer eine Drohne fliegen sollte, ist hier für Streit gut?..

    Das ist kein Streit nur. Nur „alternative Fakten“ durch gefährliches Halbwissen zu verbreiten dient der Sachen nur bedingt.

    Israel hat da tatsächlich einen vernünftigen Ansatz. Viele Heron Piloten haben noch nie ein richtiges Flugzeug von innen gesehen. Auch die Belgier lassen ihren „Hunter“ von „nicht richtigen Piloten“ auch in Belgien fliegen.
    Es kommt nur auf eine vernünftig gestalteten Werdegang und deren Ausbildung an.

  • CRM-Moderator   |   07. Juni 2017 - 15:25

    @GlobalHawkPilot:
    Ich weiß nicht warum mir hier Halbwissenheit und FakeNews vorgeworfen werden. Auch würde weniger Emotionalisierung der Debatte gut tun.

    Zum Thema:
    Es geht eben beim „Pilot sein“ nicht darum am Stick zu ziehen oder ins Ruder zu treten oder eine geile Sonnenbrille aufzusetzen und jedem zu erzählen, was man doch für ein geiler Hecht ist.

    Ich zitiere mal druckfrisch aus dem Interview im DBwV Juni 2017, Themenschwerpunkt autonome Waffen. S.13 Spalte links unten im Interview mit den Heron 1-Crews gehts los und endet mit den entscheidenden Sätzen in der mittleren Spalte in der Mitte. Ich schreibe nur auszugsweise die eine Frage und dazugehörige Antwort, damit der Hausherr nicht wieder mit den Augen rollen und aufs Urheberrecht hinweisen muss:
    >>
    Frage: Aber sie unterscheiden zwischen richtigem Fliegen und RPA-Fliegen.

    Antwort: Physisch. Im Kopf ist es das Gleiche. Man hat gewisse Prozesse, im Flug wie auch am Boden [UAS], wenn man das Lfz steuert. Es sind immer dieselben Prozesse, die man da abarbeitet. Aber es ist natürlich ein anderes Gefühl, die Beschleunigungskraft und die Wettereinflüsse zu fühlen, als sie nur zu sehen. Das ist natürlich etwas anderes, auf der Panoramakamera des Heron zu sehen, wie er halt ein bisschen durch Turbulenzen fliegt, als wenn man selber drinsitzt. Es sind aber diesselben Abläufe, dieselben Checks, dieselbe Crew Coordination. Es ist schon sehr ähnlich.
    <<
    Damit dürfte das zunächst mal geklärt sein. Es IST wie Fliegen und eben nicht wie Controllen.

    Ansonsten bin ich sehr wohl auch der Auffassung einen eigenen Werdgang für UAS zu schaffen. Und habe dies auch mehrfach angesprochen. Nichts neues. Stellt sich die Frage nach der Tiefe der fliegerischen Ausbildung. Abgesperrte Lufträume in Einsatzländern VMC? Da langt sicherlich eine Basisausbildung. Aber bspw. Übernahme der Küstenüberwachung (DO-228) deutsche Bucht im europäischen Luftraum? Oha. Riecht nach IFR. Und vielleicht denken da einige schon weiter – oder auch nicht.

    Pilot ist Mangelware. Flugstunden erst recht. Wer nicht auf Heron 1 zwischengeparkt würde, der würde dann eben irgendwo anders nichtfliegend zwischengeparkt werden. Insofern puffert das den Druck etwas ab. Unschön für die Betroffenen. Aber Realismus ist gefragt.

    Zulagen für PO von Anfang an nicht gewollt. Und deshalb auch nie eingeführt. Die Zulage ist der AVZ ;) .
    Die Amis haben die UAS-Zulagen entsprechend aufgepumpt, weil Fachkräftemangel. Auch hier gilt Angebot und Nachfrage (siehe Kommandantenzulage/Ärztezulage/KSK-Zulage).

    Alternativer Lizenzerhalt gab es früh Vorschläge Richtung DA-42. Warum in Bremen aufgefüllt wurde wissen andere besser. Oder auch nicht. Ich habe mich hier ebenfalls mehrfach als DA-42 Freund geoutet. Aber das ist irrelevant.

    Noch 2 Links (mit Erlaubnis des Hausherrn) und dann bin ich wirklich receive only:

    http://www.uasvision.com/2016/08/15/usaf-to-provide-more-pay-bases-for-rpas/
    https://www.airforce.com/careers/detail/remote-piloted-aircraft-rpa-sensor-operator

    [Hihi. Ich weiß ja nicht, ob es aufgefallen ist, aber das oben zitierte Interview ist nicht gar so druckfrisch: Das habe ich vor einigen Jahren geführt, zusammen mit dem Kollegen Kai Biermann, und es wurde damals auch hier veröffentlicht…

    http://augengeradeaus.net/2015/01/interview-mit-einer-drohnen-mannschaft-ich-bin-nicht-trigger-happy-kein-computerspieler/

    T.W.]

  • CRM-Moderator   |   07. Juni 2017 - 17:57

    @T.W.: Hatte ich so direkt nicht mehr auf dem Schirm. Damals war mir vom Inhalt mehr die „ethische Dimension“ hängengeblieben. Danke aber für die Klarstellung.

    Stellt sich die Frage, warum der DBwV nicht in der Lage war, ein aktuelles Interview zu erstellen.

  • CRM-Moderator   |   07. Juni 2017 - 18:49

    Zur Ehrenrettung des DBwV: Es steht am Ende unter dem Text, dass das Biermanns und ihr Interview bei ZON vom 09. Jan 2015 war.

  • K.B.   |   07. Juni 2017 - 20:38

    https://www.facebook.com/DoctrineMan/photos/a.169913026375190.35223.110598432306650/1537022442997568/?type=3&theater

    SCNR…

    @Zimdarsen, CRM-Moderator, GlobalHawkPilot, Georg:
    Wenn man den Blog ein wenig verfolgt, erhält man den Eindruck, dass Sie alle nicht zu den Unwissenden gehören.
    Der Begriff Halbwissen ist leider immer so negativ konnotiert.
    Als Außenstehender habe ich den Eindruck, dass Sie einfach verschiedene Perspektiven haben – und erfreue mich an der sich entwickelnden Diskussion.

  • Zimdarsen   |   07. Juni 2017 - 22:50

    @K.B.

    ….und natürlich bin ich nicht der Meinung, dass Soldaten der Flugsicherung MALE-UAV fliegen sollten, ich bin nur der Meinung sie könnten es nach einer Einweisung. Bin mir sicher, dass es trotzdem nicht sinnvoll wäre.

    Ich bin da eher bei CRM-Moderator

    „Dann doch lieber den israelischen Ansatz. Eigene Nachwuchswerbung an Schulen. Eigene Ausbildung und ich glaube sowas wie ein PPL langt. Doch weiterhin sind da auch m.W. rausgewaschene/fluguntaugliche Jetpiloten/Trapos etc. dabei.“