Keine Überraschung: Zunehmende Warnung vor Konfrontation mit Russland (m. Nachtrag)

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Der Kommandeur der US-Armee in Europa, Ben Hodges, und der Russland-Beauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler, haben sich an diesem Wochenende in recht düsteren Worten zum Verhältnis zu Russland geäußert – und die Gefahr einer militärischen Eskalation nicht ausgeschlossen. Vor allem Hodges‘ Interview in der Londoner Times hat zu alarmierten Schlagzeilen in Deutschland geführt. Dabei, das sollte nicht übersehen werden, sind die Aussagen des Generalleutnants inzwischen nicht wirklich überraschend, denn das hat er schon mehrfach auch deutlich gesagt. (Erlers Äußerungen scheinen mir dagegen härter als zuvor, siehe unten).

Zur Erinnerung einige Aussagen von Hodges Anfang des Monats:

Rotational forces, including heavy armored and aviation brigades, in addition to the storage of massive amounts of equipment at strategic sites, will be a big emphasis next year to help America and its European allies keep Russia at bay, according to the general who oversees the U.S. Army’s mission in Europe.

„This is all about deterrence,“ said Lt. Gen. Ben Hodges, commander of U.S Army Europe, during the Association of U.S. Army’s annual meeting and exposition, Oct. 3.
„To deter, you have to have real capability and demonstrate the will to use that capability,“ he said. „And part of that will is demonstrated by the money that the Army is spending and bringing over rotational forces to help us do our job.“
With signals of a recent shift in strategy from assurance to deterrence to stem Russian aggression, the Army plans to send the 3rd Armored Brigade Combat Team, 4th Infantry Division, to Europe in mid-January for a nine-month rotation, while the 10th Mountain Division’s Combat Aviation Brigade is also expected to head over in March to bolster the Army’s presence. (…)
Preparing for the worst, the Army will also look into stockpiling static equipment in Germany, Netherlands and Belgium over the next three-plus years to have a contingency to equip Soldiers responding to a crisis.
„It’s going to go into storage,“ Hodges said of the equipment, being left by other rotational units. „We’re going to have all that equipment stored in those places.“
Due to the outcome of July’s NATO summit in Warsaw, Poland, the Army will also have an enhanced forward presence as part of a multinational effort to strengthen the defenses of Estonia, Latvia, Lithuania and Poland. About 800 cavalrymen from 2nd Squadron, 2nd Cavalry Regiment, out of Vilseck, Germany, will move into northeast Poland early next year for six months before being replaced by the regiment’s 3rd Squadron for another six-month rotation, according to the general.
„All of those forces are intended to be able to slow down or stop a potential (Russian) incursion,“ Hodges said.(…)
„We’re working hard to re-establish the necessary level of capability to ensure deterrence,“ he continued. „We haven’t lost it, but we are having to rebuild some of that to make it more relevant.“
With only about 30,000 Soldiers in Europe to counter Russia’s actions today compared to roughly 300,000 against the Soviet Union in the Cold War days, Hodges said that the additions next year will allow his region to be more prepared.

Bereits seit einiger Zeit arbeiten die US-Streitkräfte daran, (wieder) schweres Gerät in Europa vorauszustationieren. Im April 2013 waren die letzten amerikanischen Kampfpanzer aus Europa abgezogen worden, aber schon Anfang 2015 hatte Hodges die Rückkehr dieser Gefechtsfahrzeuge angekündigt. Und im März dieses Jahres wurde offiziell die US-Absicht erklärt, eine rotierende Kampfbrigade nach Osteuropa zu schicken – noch vor dem Beschluss des NATO-Gipfels im Juli, nach dem mehrere Bündnispartner, darunter auch Deutschland, rotierend je ein Kampfbataillon in die baltischen Länder und nach Polen entsenden.

Wenn Hodges‘ Äußerungen sich mit dem decken, was der General als Einschätzung einer Bedrohung durch Russland vor allem für Estland, Lettland und Litauen schon lange sagt – sieht das beim SPD-Politiker Erler anders aus. Seine Aussagen am (heutigen) Sonntag im ZDF halte ich für ein wenig Besorgnis erregender:

„Wir haben eine tiefe Entfremdung zwischen Russland und dem Westen und das wird immer gefährlicher“, sagt Erler der ZDF-Sendung „Berlin direkt“. In den USA werde momentan ernsthaft ein militärisches Eingreifen in den Syrienkonflikt diskutiert. Zeitgleich betone Russland, Luftabwehrkräfte in die syrischen Kampfgebiete verlegt zu haben. „Dann ist völlig klar, was das heißt: Wir können einen militärischen Zusammenstoß zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation nicht mehr ausschließen.“
An diesem Punkt sei man inzwischen tatsächlich angekommen. Für die verfahrene Lage machte Erler insbesondere eine russische Doppelstrategie verantwortlich. Einerseits signalisiere Moskau Gesprächsbereitschaft, andererseits fliege man Luftangriffe in Syrien. „Das widerspricht sich total“, so Erler. Das mache Russland als Partner geradezu unberechenbar. „Russland nimmt keine Rücksicht mehr.“ Moskau ziehe die eigenen politischen Strategien, die auf Konfrontation gerichtet seien, durch.

Dass die USA schon längst mit der Vorausstationierung ihres Materials im Osten des Bündnisgebiets begonnen haben, ist hierzulande allerdings nur recht wenig wahrgenommen worden. Diese Vorausstationierung wird auch Orte in Deutschland betreffen. Zum Beispiel Dülmen in Westfalen.

Nachtrag: Die oben zitierten Aussagen Erlers wurden vom ZDF zwar auf der Webseite veröffentlicht, wurden aber in der heutigen Sendung von Berlin direkt nicht ausgestrahlt.

(Foto: Armored equipment from the European Activity Set is staged in a motor pool at Tapa Training Area, Estonia September 20, 2016. – U.S. Army/Staff Sgt. Syreetta Watts)

86 Gedanken zu „Keine Überraschung: Zunehmende Warnung vor Konfrontation mit Russland (m. Nachtrag)

  1. Nehmen wir doch bitte etwas Abstand und schauen auf die Realitäten.

    Von welchem Land ist Deutschland vor allem abhängig? Kulturell, wirtschaftlich, rohstoffseitig (durch Sicherung der Wege und globlaen Institutionen), militärisch, geheimsdienstseitig, politisch usw.? Das sind die USA. Ist die USA von Deutschland auch nur ansatzweis ähnlich abhängig? Nein.

    Wie abhängig ist Deutschland von Russland? Ca. 30% der Gasimporte. That’s it. Und das als „Abhängigkeit“ zu bezeichnen, ist einfach Schwachsinn, weil substituierbar, wenn es hart auf hart kommen sollte.

    An wessen Interessen muss sich Deutsche Politik also orientieren? An denen der USA.

    Wie viel Freiheitsgrade hat Deutschland? Sehr wenige, wenn es die USA ernst meinen. Die USA haben unendlich viele Stellhebel, um Deutschland im Griff zu behalten. Nur als extremes Gedankenspiel: Was wäre die Folge eines all-out Wirtschaftskriegs der USA gegen Deutschland? Schlicht das Ende der Deutschen Wirtschaft und der Bundesrepublik Deutschland so wie wir sie kennen.

    Eine gute Bundesregierung holt vielleicht da etwas mehr Freiheitsgrade raus, eine schlechte weniger. Die derzeitige ist m..E. grottenschlecht.

    Liebe Leute: Es spielt keine Rolle, was „richtig“ oder „falsch“ ist. Die Frage ist nur, welcher Wind aus Washington weht. M.E. ist der Wind, der aus Washington weht, jener eines Imperiums in einer Existenzkrise – und das ist bekanntlich der Moment der größten Gefahr.

    Und die Russen auf der anderen Seite stehen eben auch mit dem Rücken zur Wand: Nato-Truppen 100 Km vor Leningrad und potenzielle nukleare Angriffsraketen in Pl und Ru. und demnächst Südkorea. Da gibt es keine genügende strategische Tiefe mehr für die Russen. Die Russen stehen da als Staat vor einer Existenzfrage: Sie können sich nicht weiter zurückziehen.

    Es ist offensichtlich, dass die Bundesregierung versucht, sich durch dieses Minenfeld hindurchzulavieren. Die SPD versucht das m.E. ganz geschickt. Aber indem Merkel die Bündnistreue über alles setzt, ist sie und mit ihr die Bundesregierung (und damit zwangsweise die SPD) bereits gescheitert.

    Sie hat das wesentliche Vehikel um deutsche Interessen zu wahren, aufgegeben (nämlich reasonable doubt über die Bündnistreue im Kriegsfall bestehen zu lassen).

  2. @kpk
    Klabautermann Antiamerikanismus vorzuwerfen ist wohl dem Montagsblues anzuheften.
    Marine und Luftwaffe und natürlich auch Heer haben regelmäßig Verwendungen in den Staaten bzw. engste Beziehungen. (Klabauter)Man(n) weiss wohl gerade hier, wovon er redet.
    Und nein, ich bin nicht sein Hofschreiber oder unter ihm gefahren.

  3. @AoR, KPK
    Das ist der entscheidende Punkt: wir erleben den Übergang zu einer multipolaren Welt und die Systemelemente sortieren sich neu. Mit im Spiel: die gefühlten Verlierer der Auflösung der Sowjetunion mit einem ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex, die Verlierer ihrer Stellung als einzige Weltmacht, die machtpolitisch irrelevante EU und ein neuer Spieler, der mit Macht auf die Bühne drängt.

    Eine schreckliche Mischung.

    Beide „Verlierer“ haben ein hohes Aggressionspotential, die Amerikaner haben es schon im Irak 2003 gezeigt und ein D. Trump verkörpert es für eine mögliche Zukunft. Das festzustellen sollte man nicht mit dem Totschlagargument „Antiamerikanismus“ etikettieren. Russland nutzt derzeit jede vermeintliche Möglichkeit, um alte Macht wiederherzustellen und verbaut sich damit jede politische und wirtschaftliche Zukunft. Die Kosten der militärischen Engagements werden Russland irgendwann einholen. Der „Neue“, China setzt eher mit Macht auf den Zugang zu Rohstoffen.

    In dieser Gemengenlage muss Europa aufpassen, nicht unter die Räder zu kommen oder in einen sinnlosen Konflikt reingezogen zu werden – bei gleichzeitiger Bündnistreue. Das geht nur, wenn man die eigene Position geklärt hat, stark und gleichzeitig kommunikationsbereit ist.

    Die Bundesregierung hat Letzteres in der Ukreine-Krise meiner Meinung nach bereits hervorragend gelöst. Jetzt sollte sie den ersten Teil, das Thema „Stärke“, lösen. Mir sind die stärkeren Truppen in der Hand des Parlaments lieber als in der Hand eines unberechenbaren Diktators. Dazu muss die Bundesregierung so, wie z.B. die Schweden, die Dinge auch endlich klar beim Namen nennen.

  4. Können wir mal wieder zur Sache kommen ?
    Verschiedene MSM melden, dass in Brüssel Federica Mogherini verkündigt hat: “ Keine Sanktionen gegen Russland“….nur über weitere Sanktionen gegen Syrien denkt man nach.
    Trotz intensivster Medienarbeit in Sachen Aleppo finden sich in der Öffentlichkeit und in den Parlamenten eben keine Mehrheiten mehr für eine weitere Eskalation in Sachen Rußland – und ohne Partner werden die USA unilateral auch nicht an der Eskalationsschraube drehen, ganz bestimmt nicht gegenwärtig im Wahlkampf.

  5. Zur Erinnerung:
    1. In die Pit-Falls des sog. Arabischen Fruehlings sind 2011 die Amerikaner UND die Europaer gemeinsam gestapft. DEU ganz vorne mit dabei- bis LIB kam.
    2. Alle UN -Resolutionen – bis LIB- und auch zu SYR – wurden von RUS mitgetragen.
    3. Seit 2013 sind die USA von ihrer harten Haltung ggue. Assad abgerueckt. Sie sind laengst auf die Linie RUS eingeschwenkt und akzeptieren fuer ihn eine Uebergangsloesung. Die USA erkennen die Rolle Assad’s in der Bekaempfung des IS mittlerweile an.
    4. In SYR spielen indessen auch andere Parteien ihr hintertreibendes Spiel, Nato- und sonstige USA -Verbuendete inklusive. Klassische Krisendiplomatie zwischen USA- RUS hat ihre Grenzen und ist in diesem Falle ein Relikt vergangener Zeiten.

    Ich habe es anderer Stelle schon einmal gesagt: In dieser Art von Konfliktfuehrung- ich vermeide das einengende Wort „Krieg“ bewusst, kann man Erfolg nicht mit den herkoemmlichen Kriterien wie Sieg und Niederlage messen. Auch tatktische Bodengewinne oder das Beherrschen von Raeumen ist in diesem Zusammenhang nebensaechlich.
    Die anti-amerikanischen Ressentiments erkenne ich auch hier in diesem Thread als Reflexe. Die Amerikaner von der bundesdeutschen Seitenlinie aus als Brandstifter, Kriegstreiber zu bezeichnen und ihnen die Schuld an ALLEM zu geben, was scheitert oder zumindest nicht planmaessig verlaeuft, ist bequem und pharisaerhaft.

    Wenn eine politische Loesung fuer SYR auf absehbare Zeit nicht in Betracht kommt, sollten militaerische Mittel durchaus legitim zur Bekaempfung des IS gelangen, wenn dadurch das Risiko und die Mittel zu weiteren Terroranschlaegen vor Ort und in Europa reduziert werden kann.
    Im uebrigen: Zu einem betraechtlichen Teil der gegenwaertigen Probleme in SYR und IRK waren FRA und UK mit Sykes-Picot beteiligt. Es ist auch die Hinterlassenschaft europaeischer Eingriffe, die hier zu Verwerfungen seit 100 Jahren gefuehrt haben.

    Der IS besitzt eine Ideologie, die im Kern demokratsiche, tolerante und pluralistische Gesellschaften ablehnt und mit brutalem Hass ueberziehen.
    Diese nicht zu bekaempfen zu wollen heisst nichts aus den Lehren der eigenen, deutschen Vergangenheit gelernt haben zu wollen. Was waere aus den Juden und aus den von DEU besetzten Gebieten insgesamt geworden, wenn die Westallierten und auch die UdSSR einen Pazifismus gelebt haetten, den ich auch in vielen Beitraegen in diesem Forum glaube erkannt zu haben?

    Der IS hat auch uns einen sehr simplen, aber wirksamen Krieg aufgezwungen.
    Wir koennen das gerne ignorieren, aber dann wird es ungemuetlich heiss, in der temperierten Kuschelbude DEU – auch innenpolitisch..
    Dass man mit und nicht gegen RUS arbeiten sollte, ist selbstredend und dennoch augenscheinlich so schwer. Es scheint, die BR rechnet nicht auf absehbare Zeit mit einem veraenderten politischen Klima. ( 2% BIP fuer Militaerausgaben, die Erler-Einlassungen s.o. )
    Der Kampf gegen islamistischen Terrorismus ist hingegen die letzte gemeinsame Klammer des Westens und RUS, wo es einen gewissen politischen Konsens gibt. So gesehen, besteht in und ueber SYR doch auch Hoffnung, dass man darueber die Eiszeit ueberwinden koennte, oder nicht?

  6. @Eric Hagen

    „Die Amerikaner von der bundesdeutschen Seitenlinie aus als Brandstifter, Kriegstreiber zu bezeichnen und ihnen die Schuld an ALLEM zu geben, was scheitert oder zumindest nicht planmaessig verlaeuft, ist bequem und pharisaerhaft.“

    …und wer macht dies hier im Blog?

  7. @Eric Hagen | 17. Oktober 2016 – 12:20:

    Der IS besitzt eine Ideologie, die im Kern demokratsiche, tolerante und pluralistische Gesellschaften ablehnt und mit brutalem Hass ueberziehen.
    Diese nicht zu bekaempfen zu wollen heisst nichts aus den Lehren der eigenen, deutschen Vergangenheit gelernt haben zu wollen. Was waere aus den Juden und aus den von DEU besetzten Gebieten insgesamt geworden (…)?
    Der IS hat auch uns einen sehr simplen, aber wirksamen Krieg aufgezwungen.

    Es wärmt mir das Herz*, Ihren flammenden Worten zuzuhören. Wäre es nicht schön, wenn die Dinge immer so einfach liegen würden, wie hier?! Das ist der Feind! Schieß auf ihn! Auf in den Kampf!!

    * War aber vlt. auch nur der Kaffee, den ich mir gerade bei einer nüchternen Betrachtung einflöße. Vielleicht täte dem ein oder anderen ebenfalls ein Kaffee gut bekommen.

    Übersetzt: Schön zu sehen, wie Menschen auch heutzutage noch von einer Sache richtig begeistert werden können.** Rein militärisch wirkt die bisherige Strategie mit dem internationalen Instrumentenmix (auch wenn hier vieles Wirkung statt Absicht ist) und der IS kann, sollte und wird weiter so effektiv bekämpft werden. Weitere erforderliche flankierende Maßnahmen wird man sicherlich ergreifen (ich will hier nur nicht den Polizeibegriff zücken). Der IS ist mit einem perspektivisch-strategischem Blick nicht mehr das Kernproblem. In Syrien bereitet man zurzeit ganz andere Dinge vor.

    ** Sieht man ja auch beim IS.

    PS: Ich hoffe, es war nicht zu viel Sarkasmus. Falls doch … Sorry.

  8. @Eric Hagen: Nach russischer Wahrnehmung liegen die CIA und Al-Kaida gemeinsam im Bett. Wie kommt man dort zu derartiger Behauptung?

    Na weil es den Russen eigentlich egal ist. Es geht um Räume, welche mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln beherrscht werden sollen. Russland beißt sich in Syrien fest um Erdgaskontrolle und Eindämmung der Türkei zu erreichen.

    Daher meine Antwort: Jein! Wenn irgendwer gegen Russland militärisch vorgeht, fliegt der Planet in die Luft. Und das weil die Golfstaaten und die Türkei an Bedeutung gewinnen wollen? 2012 hat man entschieden, nicht gegen Assad militärisch vorzugehen. Warum?

    @Wait&C hat recht, indem er auf das Verhältnis der arab street und Russland hinweist. Man benötigt keinen Islamismus mehr um Kommunisten at bay zu halten. Das Gegenteil ist der Fall, denn Islamismus ist seit 1890 eine soziologische Entität geworden die unabhängig von regionalen Staatsgrenzen auf Ebene von Sprache wie Konfession Realpolitik betreibt.

    Ich erinnere mich aus meiner eigenen Erfahrungswelt, dass bereits 2010 das revolutionäre Potential der gemässigten Islamisten bei 60-80% der Bevölkerung lag. Das hätte weit Schlimmer kommen können. Zumindest hat der Arab Spring, so wie er gelaufen ist, abgefedert was hätte schnell zu einer anti-westlichen Kulmination führen können. Man stelle sich vor Daesh wäre dabei nicht entstanden? Die Terrortouristen wären alle hier.

    Unsere Aufgabe wird sein, sich mit dem politischen Islamismus zu arrangieren und seine radikalsten Ausprägungen einzudämmen. Das ist die Klammer Washington-Brüssel-Moskau?

    Auch nicht, denn dabei würde der Islamismus ebenso zum Spielball der Konkurrenz der Atommächte. Ist er eigentlich schon. Über die Achse Erdogan geht Putin nun den Weg zu Mursi in Ägypten. Mursi steht wie Erdogan auf der Seite der islamistischen Rebellen in Syrien welche von Putin bombardiert werden. Gleichzeitig bombardiert Obama Daesh die wiederum die least bad option für die Golfstaaten und Erdogan sind wenn es zu iranischen Ambitionen kommt. Der Iran ist wiederum mit Moskau verbunden.

    Schwindelig? Gut so, so geht es jedem Analytiker wenn er endogene wie exogene Variablen verwechselt. Islamistischer Terror ist ein zu erklärendes Phänomen, keine endogene Einflussgröße. Zumindest noch nicht…

  9. @Eric Hagen

    „So gesehen, besteht in und ueber SYR doch auch Hoffnung, dass man darueber die Eiszeit ueberwinden koennte, oder nicht?“

    Nein, das glaube ich nicht. Das Ziel von Putin ist ein anderes, er will, unabhängig von der Position zur USA, die EU zerstören und Europa an Russland binden, mit oder ohne Demokratie.

  10. Vor ein paar Jahren als die Franzosen und Engländer Libyen bombardiert hatten ging denen doch sehr schnell die Munition aus.

    Wie würde das natoweit gegen Russland aussehen? Hat man mittlerweile aufgestockt?

  11. @StMarc

    @rebel4life
    Was bitteschön hat die Politik von Putin mit den Interessen des russischen Volkes zu tun?

    Nun, warum fragen wir nicht einfach das russische Volk? Bingen oder Googeln Sie einfach mal „Putin Zustimmung Syrien“. 89,9% aller Russen waren danach zum Zeitpunkt der Umfrage in 2015 mit der Politik Putins zufrieden. In fünf Tagen könnte ich den Artikel aus dem Fokus sogar verlinken :-).

    Das deckt sich übrigens auch vollständig mit meinen persönlichen Erfahrungen.

  12. @AoR

    Exogen und endogen ? Hm, wie wäre es mit Entropie und Enthalpie ? Soziophysikalisch gibt es ja keine geschlossenen Systeme mehr (selbst Nordkorea ist aus thermodynamischer Sicht kein „perfekt“ geschlossenes System mehr).
    Welche Konfigurationsformen kennen wir denn für soziophysikalische Systeme aus energetischer Sicht ?
    Ganz platt nenne ich einmal:
    -Sozialismus
    -Kommunismus (expansiver Sozialismus)
    -Materialismus
    -Kapitalismus (expansiver Materialismus)
    -Islamismus
    -Djihadismus(expansiver Islamismus)

    Die Anzahl der theoretischen Mischformen können Sie sich ausrechnen

    Wenden wir uns den Energiearten in diesen soziophysikalischen Systemen zu:
    -Demographie
    -Natürliche Ressourcen (Ackerboden, Wasser, Gas, Öl etc,…….)
    -Künstliche Ressourcen (Wirtschaft, Industrie, Währung etc)
    -Strukturen (Infrastruktur, Ordnungs- aka Sicherheitsstruktur, Bildung, Gesundheit, etc)
    Aus thermodynamischer Sicht ist also – ganz grob betrachtet – das „globale Dorf“ ein geschlossenes System, dessen innere soziophysikalische Dynamik als 6×4 Tensorfeld beschrieben werden kann. Hinzu kommt dann noch das Thema Klima/Wetter, also der geophysikalische Einflußfaktor auf dieses Tensorfeld.
    An dieser Stelle solte wohl klar sein, dass man weder systemtheoretisch noch thermodynamisch weiter kommt in Sachen Vorhersagbarkeit der Systemdynamik (weder global, noch regional, noch lokal), denn das globale Dorf ist ein hyperkomplexes Dorf (Anzahl der Zustände mathematisch nicht einmal schätzbar) Somit ist die Idee einer einzelnen Super-Steuer-und Regelinstanz (aka „sole surviving superpower“) völlig gaga – je eher die USA das akzeptieren, desto besser für uns alle ;-)

  13. @Klabautermann: In der geografischen Ökonomie ( mit Nobelpreis ausgestattet ) finden sie den Topf ;) Die ewigen externen Variablen, auch: Geografie, Demografie und Technologie welche in der ganz langen Frist wieder der reihe nach interdynamisch sind.

    Ein Nobelpreis für „schön, dass sie es nochmal gesagt haben“. \SCNR

  14. @AoR

    Mein soziophysikalisches Modell hat sicher auch wirtschaftsökonomische Anteile, es geht aber weit darüber hinaus und versucht sich zumindest der physikalisch-mathematischen Beschreibung (aka Modellierung) dieses Tensorfeldes „globales Dorf“ zu nähern.Dabei habe ich auf thermodynamische Theorien abgehoben und weniger auf ökonomische. Insbesondere die sogenannte Gibbs-Energie hatte ich da im Hinterkopf (https://de.wikipedia.org/wiki/Gibbs-Energie)….also exergone und endergone Reaktionen und Gleichgewichtssituationen gem. Gibb’s „freier Enthalpie“.

    Alles klar, Sherlock ? ;-)

  15. @rebel4life

    Die Bevölkerung wird von Putin ja auch durch die freie Presse in Russland umfassend informiert ;-)

  16. @rebel4life

    Wenn eine manipulierte Öffentlichkeit einem Thema zustimmt, heißt das noch lange nicht, dass das wirklich in ihrem Interesse ist. Denn auf der anderen Seite stehen: fehlende Rechtssicherheit, Korruption, rohstoffbasierte Ökonomie, Überrüstung, abnehmende Lebenserwartung…

    Die Russen haben sicher Besseres verdient.

  17. „Kuznetsov“ deployment: Russia has declared a danger area in international waters of the North Sea, east of Scotland … valid on 22 and 23 Oct … for exercises of „Kuznetsov“ task force (Quelle: Marineforum)

    Au weia, die Kuznetsov-Trägerkampfgruppe in der Nordsee mit ein wenig Säbelrasselei….die wollen wohl durch den Kanal Richtung Mittelmeer…scheinen sich ja Zeit zu lassen mit dem Med-Deployment.
    Ist schon ganz schön dreist: wenn ihr das Mittelmeer zum NATO-Meer machen wollt, dann dann „annektieren“ wir eben so lange die Nordsee als danger area………

  18. @T.W.

    Schon klar, aber man kann ja mal a bisserl provozieren ;-) Die britische Presse wird bestimmt „etwas daraus machen“.. Ich persönlich finde das timing und das routing der Russen ganz interessant – offenbar hat man sich backstage auf ein gesichtswahrendes stand-down geeinigt in Sachen Syrien.

  19. Für jene die Abkzgn auch erklärt haben möchten: NOTAM bedeutet Notice to Airmen (Benachrichtigung für fliegende Menschen), ein TRA ist ein Temporary Reserved Airspace (zeitweise reservierter Luftraum).

    Es ist aber auch verständlich, dass die Russen stolz auf ihren ersten Träger seit langer Zeit sind und das in ihren Medien feiern wie eine Mondlandung – sowie verschmitzt dem Westen in dessen Vorgarten zeigen wollen, dass der Träger auch funktioniert.
    Davon sollte man sich aber nicht provozieren lassen, sondern anerkennend sagen: „Einen schönen kleinen Träger habt ihr da, aber es ist halt nur einer; und einer ist eigentlich so gut wie keiner.“ (Wobei sich Briten und Franzosen damit ein wenig auf die eigenen Füße pinkeln würden.)

  20. Stimmt, sonst achte ich doch immer drauf, dass Abkürzungen hier auch erklärt werden ;-)

    sorry.

    (nur kleine Anmerkung dazu: TRA würde ich ‚temporary restricted airspace“ ausbuchstabieren…)

  21. Wiki meint dazu:
    „Temporary Reserved Airspace: Ein Flugbeschränkungsgebiet (amtlich Gebiet mit Flugbeschränkungen, engl. restricted area) ist ein festgelegter Luftraum über dem Hoheitsgebiet eines Staates, in dem Flüge von Luftfahrzeugen zeitweilig oder dauerhaft Beschränkungen unterliegen. …“

  22. ok, I stand corrected ;-)

    Die Niederländer (und vermutlich auch die Briten) warten schon, den Verband zu eskortieren:

  23. Hier gibt’s noch eine etwas übersichtlichere Karte des geplanten Sperrgebiets für die russischen Trainingsflüge:

  24. Geradezu fürsorglich, dass die Niederländer die K-Gruppe eskortieren wollen – ich dachte eigentlich, dass die K schon eine ganz schön schlagkräftige Eskorte hat ;-)
    Vermutlich werden wir in den Medien nicht viel von der K-Gruppe und deren Aktivitäten zu sehen bekommen. Einer show of force begegnet man am besten dadurch, dass man die show schlicht und einfach medial ausblendet…..was natürlich in der Nordsee und im Kanal schwierig ist bei der Dichte/Nähe von neugierigen free lance journalists.

  25. @T.W.

    Das ist das Gebiet für heute und morgen……gem. Marineforum muß es eine NOTAM für den 22./23. weiter südlich geben.

  26. @Klabautermann

    Ich bin ziemlich sicher, dass die Briten recht schnell Bilder veröffentlichen, sofern sie in der Nähe unterwegs sind ;-)

  27. @ T.W. 12:18 – Schon klar, es war aber dennoch zu einladend für einen kleinen Knuff. :-)

    @ Klaus-Peter Kaikowsky – Richtig, die Russen agieren ausserhalb des Hoheitsgebiets eines Staates auf Hoher See (wenn auch vermutlich in der britischen Wirtschaftszone, was diese dann zähneknirschend ertragen müssen), weshalb es diplomatisch richtig ist das wie bei @klabautermann als „Danger-Area“ zu bezeichnen. Das klingt zwar sehr gefährlich, ist es aber völkerrechtlich betrachtet nicht.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Gefahrengebiet_(Luftfahrt) letzter Absatz

    (WordPress meinte ich schreibe zu schnell und hat meinen Beitrag in die Tonne getreten)

  28. @es-will-merr-net-in-mei-Kopp-ene

    „Danger Area“ mag diplomatisch nicht inkorrekt sein, es ist aber a bisserl unhöflich ;-)
    Allerdings kann ich da die Briten verstehen, denn die Russen sind auch allein dadurch sehr unhöflich, dass sie in einem See-/Luftraum, der vollgepfropft ist mit off-shore-installations and -traffic einen Temporary Reserved Airspace von Meereshöhe bis 18.000 Füßen aufmachen – das ist very bad style und unfriendly.

  29. @es-will-merr-net-in-mei-Kopp-enei: WordPress schmeißt die Beiträge nicht in die Tonne, sondern wenn diese doofe Meldung kommt, einfach auf den Zurück Button im Browser klicken und den Beitrag noch mal absenden, dann wird der Beitrag veröffentlicht, ohne daß der Hinweis mit dem Schnellschreiben erscheint.

  30. @klabautermann – „very bad style und unfriendly“ ist nun mal die Art wie Putin zur Zeit auftritt, es wäre auch nicht zu erwarten gewesen dass die Trägergruppe ihre Übungen im weiten Nordatlantik vornimmt um niemanden zu stören. Deshalb sollte man aber nicht Putin den Gefallen machen und sich als wutschnaubendes Rumpelstilzchen vorführen zu lassen. Ein „we are not amused“ und ansonsten ignorieren würde da Putin mehr schmerzen.

    @Closius – herzlichen Dank für den Tipp, wäre ich selbst nie darauf gekommen.

  31. @hdevreij

    ‚Standing NATO Maritime Group One‘ (SNMG1) has been tasked to escort the Russian task force around RFS Kuznetsov: Dutch navy, ….“

  32. @StMarc:

    @rebel4life

    Wenn eine manipulierte Öffentlichkeit einem Thema zustimmt, heißt das noch lange nicht, dass das wirklich in ihrem Interesse ist. Denn auf der anderen Seite stehen: fehlende Rechtssicherheit, Korruption, rohstoffbasierte Ökonomie, Überrüstung, abnehmende Lebenserwartung…

    Die Russen haben sicher Besseres verdient.

    Lustig. Ihnen wird es nicht klar sein, aber Sie haben mit Ihrer Aussage sans Rohstoffe, Überrüstung und Lebenserwartung exakt und in annähernd genau gleichen Worten den Zustand beschrieben, welcher im (östlichen) Ausland der Bundesrepublik attestiert wird.

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