Die Niederländer auf Piratenjagd: Der Chor

So was von der Deutschen Marine, fürchte ich, würde sofort als politisch nicht korrekt großen Ärger bringen. Aber die Niederländer gehen mit so etwas – ein bisschen – entspannter um: Der Männerchor der Fregatte De Ruyter, aufgenommen vor der Küste Somalias im Einsatz bei der NATO-Antipirateriemission Ocean Shield. Und ihrer Majestät königliche Marine weist per Twitter stolz darauf hin:

(Was singen die da eigentlich?)

34 Gedanken zu „Die Niederländer auf Piratenjagd: Der Chor

  1. Und wieder muss ich beschämend feststellen, das ich in der falschen Armee diene.

    Neidisch gen Westen schau.

  2. Ich verstehe nicht ganz, was daran politisch unkorrekt sein soll. Die Tatsache, dass es ein Männerchor ist und damit die Frauen in ihrer politischen und gesellschaftlichen Teilhabe entscheidend diskriminiert werden? Oder vielleicht der Umstand, dass sie unter anderem vor einem fies militärischen Geschütz posieren anstelle vor den Büros von Frauen- und Integrationsbeauftragten? Ist der Stein des Anstoßes gar die Frechheit, dass der Hubschrauber nur in Rot und Grün blinkt und nicht in Regenbogenfarben, und damit die Hetero-Cis-Normativität in den Streitkräften betont?

  3. WAS sie singen verstehe ich auch nicht, aber die Art und Weise WIE sie singen empfinde ich persönlich als unbillige Härte … ;-)

  4. Och, wer will denn hier die political correctness-Kiste aufmachen.

    Da möchte man fast schon an Kant erinnern:

    „AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen.“

    [Unterliegt das schon oder noch dem Leistungsschutzrecht? ;-) ]

    Aber auch so kann natürlich eine ganz tolle Aga-Diskussion draus werden.

    (Vorsicht, Ironie.)

    Sascha Stoltenow schreibt:
    Die Holländer machen es richtig! Daran müssten sich die unfähigen EKTs was abgucken!
    (Hätten es die Deutschen gedreht, würde er schreiben: Viel zu langweilig, geht voll an der Zielgruppe vorbei. Gähn.)

    Elahan schreibt:
    Tiefe vor Breite – ganz hervorragende Chorleistung der Holländer!
    Unser Chor hätte weder Tiefe noch Breite!
    (Außerdem singt die Luftwaffe viel schöner.)

    klabautermann kontert:
    Luftwaffenchor? Eine Mischung aus Knabenchor und Kastraten?

    Turan Saheb schreibt:
    Kamele und Poolbilder sind typische Klischees westlicher Mediendarstellungen. Die Kamele kommen nur im Dorf Obiwan im äußeren Ring der Galaxis vor, und die Swimming Pools gehören einem gewissen Jabba the Hutt, der dort zwar regelmäßig von Tolonews interviewt wird, aber immer schon weg ist, wenn er von der Rebellenallianz verhaftet werden soll. Zwar wisse jeder, dass man ihn dann im District Mordor findet, nur Frodo und seine Freunde trauen sich dort nur selten hin.

    Etienne Rheindalen schreibt:
    Am bewussten Nichtauftreten des Chorleiters erkennt man ein Charakteristikum der Führungsstruktur moderner Seestreitkräfte.

    Ein Heeresmensch (nehmen wir stellvertretend Stephan H. oder Bang50?) antwortet:
    Diese Führungsmentalität lässt sich nicht aufs Heer übertragen.

    Alarich schreibt etwas nur sehr schwer verständliches, bei dem es um die Waffentechnik der Holländer geht.

    Orontes erleidet gemeinsam mit Sun Tzu post mortem eine gefährliche Gutmenschentums-Attacke.

    StFwdR (oder vergleichbar) malt als Schreckgespenst Claudia Roth an die Wand und kramt das schöne Wort „pöhse“ hervor.

    J.R. (?) weist die Diffamierungen entschieden zurück.

    Es fängt an, persönlich zu werden.

    Mutti (äh, ich meine natürlich T.W.) mahnt zu Zurückhaltung und Gelassenheit.
    Er/Sie dreht zum Thema eine neue Folge von Jung&Naiv.

    100 Kommentare später ist man sich zwar immer noch nicht einig, hat aber einen neuen Thread als Spielplatz gefunden. :-)

    (Der Autor möchte sich bei KeLaBe, Memoria, Kerveros und allen weiteren Aktiven entschuldigen, die zwar stets sachlich fundiert aber offensichtlich weniger stereotyp argumentieren und deswegen in diesem Thread keinen Beitrag bekommen haben. :-) )

  5. Wo ist hier der Like Button… ROFL

    NetOpFue ist es auch nicht, da die eine Chorleiter haben, damit ist es synchron und nicht selbstsynchron ;-), obwohl vom Stimmbild klingt es ab und zu auch asynchron, aber ansonsten weitermachen

  6. Das Lied ist der „Jungfrauenchor“. Ein ursprüngliches Karnevalslied, dass vor einigen Jahren in den Niederlanden und in Deutschland (Olaf Henning und De Boore „So ein Tag so schön wie heute“) recht beliebt war.

  7. @K.B. – ich unterstütze meinen Vorredner kerveros. Gut, dass ich gerade kein Getränk in der Nähe hatte…

    Wobei ich glaube, dass bei Elahan noch ein paar !!! fehlen. Oder?

  8. @ K.B.

    Auch wenn’s diesmal stereotyp ist: Kompliment für dieses durchaus treffende Mosaikbild!

  9. Als ein Vertreter derjenigen, welche in diesem Blog seit Jahren eher Leser als Kommentator verweilen: Kompliment für diese passende Veranschaulichung!

  10. Keine Ahnung, was sie da singen. Allerdings ist das wieder typisch Seestreitkräfte und diese Führungsmentalität lässt sich nicht aufs Heer übertragen.

    :-D

  11. @Voodoo:

    ;) ein

    Führungsmentalität und -stil sind ohnehin durch Luftwaffe und Marine vorbelastet und daher nicht für das Heer portabel. Wenn Sie das Konzept durch den Kopierer jagen und derlei Begriffe durch ‚-strukturen‘ ersetzen könnte es aber durchgehen.

    ;) aus

    Mal im Ernst: eine Armee wie die unsere, die ihren Fokus auf die staatsbürgerliche Komponente des Soldaten legt, sollte doch an und für sich mit derlei extracurricularen Aktivitäten kein Problem haben, sofern die Kameraden keine anstößigen Lieder singen und das Video auf dem offiziellen Weg über das PIZ genehmigt wird ;). (was hier – scheinbar – nicht der Fall war)

  12. @K.B.
    ich hatte den Kaffee zum Glück nur in der Hand, sonst wäre mein Notebook jetzt hin. Großartig.

  13. Passend zum Thema:
    Die Bundeswehr hat jetzt eine Art gezähmte Version ihres seinerzeit umstrittenen Imagevideos produziert (wir erinnern uns: http://augengeradeaus.net/2011/11/killerspiel-oder-imagewerbung/ und http://augengeradeaus.net/2011/11/und-schon-ist-das-video-wieder-da/). Die Bilder sind vielfach die gleichen aber die Musik ist, ähm etwas leichter verdaulich, ich möchte fast sagen seicht. Und geschossen wird auch nur noch minimal.
    http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/!ut/p/c4/NYw9C8JAEET_0V5OwRA7QwQFKxuN3Sa3nAv3EdZN0vjjvRTOwGseM-ZlShMu7FE5JwzmafqRj8MKw-oI4hyUIzlGWNhRRhnfvACG4CkSJ_rAQKyC5GlX2b15bIdlOOZEulEpKRd6Qc0CUxYNm5lFigF2pq9s19q6-sd-m8O5udzquumu7d1MMZ5-Q2b2wA!!/
    Mir gefiel die erste Version besser. ;-)

  14. @j.hunter

    Danke für den Hinweis, habe das mal zum Anlass für einen neuen Thread genommen – mit drei Videos zum Vergleich…

  15. @K.B.

    Zitat
    „klabautermann kontert:
    Luftwaffenchor? Eine Mischung aus Knabenchor und Kastraten?“
    Zitatende

    Sie sind ab sofort als mein ghostwriter akzeptiert ;-)

  16. @Klabautermann:

    wobei man sich beim Ghostwriter eines Klabautermannes wohl zwischen Pleonasmus und Oxymoron bewegen dürfte, insbesondere wenn das Thema dergestalt gewählt wäre… aber das ist wohl kaum ein Diskussionsthema an dieser Stelle ;)

    Kennen Sie nicht den einen oder anderen Schiffschor, der sein Video eingestellt hat/einstellen würde?

  17. Der Mannenchor der “De Ruyter“ auf Augengeradeaus.de. Wirklich faszinierend wie schnell doch solche kurzen Clips die Runde machen koennen und selbst in Deutschland kommentiert werden.
    Zur Lage: Ich bin Angehoeriger der Bw und diene derzeit auf der „De Ruyer“ im ATALANTA Einsatz. Wir befinden uns seit circa 3 Monaten im Einsatz, weitere 2 Monate werden noch folgen. Es ist also etwa „Halbzeit des Einsatzes“. Zur Halbzeit wird in den Niederlanden ein so genannter „Thuisfrontdag“ fuer alle Eheleute und die Familienangehoerigen organisiert. Dieser fand vor einigen Tagen im Marinestuetzpunkt Den Helder statt, dem Heimathafen der “De Ruyter“. Die Idee der Besatzung war es, zum ersten Mal seit 3 Monaten einige „bewegte Bilder“ nach Hause zu senden, quasi als Gruss aus der Ferne an Eheleute, Kinder und Freunde. Daraus ist die Idee fuer dieses Video entstanden – indem lediglich die Einsatzvorbereitung, einige Hafenaufanthalte oder aber die Vorfreude auf die Rueckkehr zur Familie humorvoll besungen werden. Kein (vermutetes) ‚Saebelrasseln‘, kein martialischer Text – einfach nur eine simple Botschaft, ein Lebenszeichen, in die Heimat! Dieser Clip wurde folglich zur Ueberraschung der Familienangehoerigen am „Thuisfrontdag“ ausgestrahlt – Sowohl bei den Familienangehoerigen als auch in den Niederlanden allgemein war und ist die Resonanz sehr positiv. Ueber die Verbreitung und Kommentierung des Videos im Netz, u.a. auf dieser Internetseite, war man hier an Bord anfangs etwas verwundert. Das ein solches Video bzw. eine solche Botschaft an die Familie eventuell politisch inkorrekt sein oder aber falsch verstanden werden koennte, war hier nie ein Thema.
    Es ist wirklich spannend, wie unterschiedlich doch solche einfachen Botschaften aufgefasst werden (koennen).

  18. @Atalanta2013

    Vielen Dank für die Erläuterung.

    Ich hoffe, dass ist bei Ihnen an Bord nicht so angekommen, als würde dieses Video negativ bewertet.

    Aus meiner Sicht war (und ist) nur auffällig, dass ein solches Video, auch mit dem von Ihnen geschilderten Hintergrund, in Deutschland weniger gelassen und positiv aufgenommen würde: Gefangene Piraten zeigen und dabei ein Lied nach dem Motto „Eine Seefahrt die ist lustig“? Geht gar nicht. Das war der Grund, warum ich das aufgegriffen habe…

    Besten Gruß an die Besatzung der De Ruyter und, wie auch immer das auf Nederlands heißt, Mast- und Schotbruch und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

  19. @all:

    THX – insbesondere natürlich den niederländischen Kameraden für die Steilvorlage.

  20. Vielen Dank fuer die guten Wuensche! Gerne leite ich diese an die Besatzung weiter!
    Keine Sorge, zu keiner Zeit wurde dieser Blog an Bord negativ aufgefasst. Im Gegenteil, hier ist man sogar ein wenig stolz darauf dieses Video nun selbst auf einer deutschsprachigen Internetseite wiederzufinden. Ich kann die Kommentare und Meinungen die hier vertreten werden nachvollziehen und Teile auch Ihre Ansicht in Bezug auf den Umgang mit solchen Themen in Deutschland.
    In den Niederlanden geht man mit solchen Dingen etwas unkomplizierter um, reagiert meist etwas gelassener, so auch zu diesem Thema. Die ueberraschende Botschaft in Videoform an die Familien – direkt aus dem Einsatz – das ist alles was zaehlt.
    Ich war heute morgen nur selbst etwas ueberrascht, da ich von einigen Besatzungsmitgliedern auf diese Seite hingewiesen wurde ohne zu wissen worum es eigentlich geht. Die Welt ist eben klein, und eine Diskussion wird schnell von vielen verfolgt – auch im Ausland. Das ist gut so und gab mir gleichzeitig die Gelegenheit einige Gemeinsamkeiten oder auch Unterschiede zwischen unseren beiden Laendern zu erklaeren.
    Ihnen allen einen schoenen Abend,
    Vriendelijke groeten!

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