Mittendrin statt nur dabei

Nur kurz angerissen (weil im Zug die Internetverbindung so wackelig ist), aber es könnte Diskussionsbedarf geben: Die Kommandozentrale für den geplanten – sprich: verabredeten – NATO-Raketenabwehrschirm soll auf deutschem Boden stationiert werden:

Kommando für Raketenschild kommt nach Ramstein

Und sie steht ja dann nicht nur auf deutschem Boden: Befehlshaber des Allied Air Command ist zwar ein US-General  –  doch  sein Stellvertreter ist ein Deutscher (derzeit Luftwaffen-Generalleutnant Friedrich Wilhelm Plöger – übrigens, durch Verlängerung seiner Dienstzeit, zurzeit der lebensälteste aktive deutsche Soldat…) Obwohl ich einschränkend sagen muss, dass ich noch nicht herausgefunden habe, ob die deutsche Besetzung auf diesem Posten auch in der künftigen NATO-Kommandostruktur so bleibt.

Fast noch bedeutsamer – aus deutscher Sicht – scheint mir allerdings die Frage, was mit den nach den Berichten angebotenen deutschen Patriot-Raketen als Teil des Abwehrschirms ist. Welche, vor allem: in welchem Upgrade-Zustand? Da dürfte doch noch ein bisschen Geld in die Hand genommen werden müssen. Und ist dann überhaupt die vorgesehene Reduzierung von 29 auf 14 PatriotBatterien Systemen sinnvoll?

Nachtrag: Dazu die heutige Pressemitteilung aus Ramstein:

Ramstein, 2 February – There have been media reports today saying that NATO’s missile defence command will be located at Ramstein, Germany.
In general, the NATO command structure is responsible for carrying out NATO operations and standing missions. This will include command and control of Ballistic Missile Defence (BMD) for the protection of populations, territories, and forces. A new Command and Control structure was agreed by the Heads of State and Government at the 2011 Lisbon Summit, and the forthcoming reorganization will reduce the number of operational headquarters. Headquarters Allied Air Command Ramstein (HQ AC Ramstein) will remain as the operational level Air command and control entity for NATO.
One of NATO’s key tasks out of the Lisbon Summit was the decision to develop a capability to defend against ballistic missiles. At their meeting in Brussels on 2 and 3 February 2012, NATO Defence Ministers will look at the Alliance’s progress on this mission area with the goal of declaring an Interim BMD Capability at the Chicago Summit in May 2012. NATO’s Ballistic Missile Defence capability will rest on nationally contributed weapon systems and sensors employed by a coherent, effective NATO command and control system. Key elements of this command and control capability are under development at HQ Allied Air Command Ramstein.

36 Gedanken zu „Mittendrin statt nur dabei

  1. Ganz so schnell wollen sie sich also doch noch nicht aus Europa verabschieden… nicht, dass das nicht zu erwarten war, aber das gibt jetzt bestimmt wieder Spaß, wenn Ramstein aufgewertet wird und Baumholder Angst haben muss…

  2. OT aber dennoch lustig: Der dienstälteste deutsche Soldat hat noch nicht einmal ansatzweise persönlich etwas mit Einsätzen zutun gehabt. Ich hätte erwartet, das er zumindest mit IFOR, SFOR oder evtl. sogar KFOR unterwegs war, aber anscheinend brauch man das bei der Luftwaffe nicht… ;-)

  3. Ich freue mich auf die kommenden Kostenverteilungsdiskussionen in der NATO. Bisher tragen die USA den Löwenanteil der Kosten, sowohl für Schiffe, Radaranlagen und Raketen. Das System dient aber zum Schutz Europas und die USA müssen massiv sparen. Streit um die Kosten ist also vorprogrammiert, aber ich kann mir auch schwer vorstellen, dass sich in Europa die Bereitschaft zu Übernahme von Mehrkosten findet.

  4. Auf http://www.airn.nato.int findet sich auch eine Pressemitteilung vom 04.01.2012: „Deutsche Luftwaffe sichert baltischen Luftraum“

    Mir ist bekannt, dass diese Einsätze nichts neues sind. Aber es ist wirklich erstaunlich, dass sie innen- und außenpolitisch nicht mehr Aufsehen erregen und Streit auslösen.

  5. @Felix Seidler
    In dem Zusammenhang sei auf den Gastkommentar von Robert Gates, Verteidigungsminister der USA, im Handelsblatt vom 14.06.2011 hingewiesen. Dort stößt er die Diskussion bereits an und warnt vor einer Spaltung der NATO in militärisch aktive und passive Staaten:

    „Heute geben gerade mal fünf der 28 Nato-Mitglieder mehr als die vereinbarten zwei Prozent vom
    Bruttoinlandsprodukt für Verteidigung aus. Das sind die USA, Großbritannien, Frankreich, Griechenland und
    Albanien. Das ist bedauerlich, aber man muss realistischerweise davon ausgehen, dass sich die Situation sehr
    wahrscheinlich nicht ändern wird. […]
    Ein einiges, prosperierendes und freies Europa ist nach zwei
    Weltkriegen ein offenkundiger Wert. Während des Kalten Krieges konnten die US-Regierungen daher hohe
    Ausgaben rechtfertigen, die 50 Prozent der Nato-Kosten entsprachen. Zwei Dekaden nach dem Fall der Mauer
    ist der Anteil auf 75 Prozent gestiegen.“

    Der vollständige Artikel ist unter http://www.defence-conference.de/artikel/artikel766.pdf zu lesen.

  6. @ Voodoo | 02. Februar 2012 – 17:16
    Tja, mit solchen Äußerungen dividiert man eine Armee auseinander …

  7. @ Voodoo | 02. Februar 2012 – 17:16
    Tja, mit solchen Äußerungen dividiert man eine Armee auseinander …

    chickenhawk | 02. Februar 2012 – 17:38
    Ja, das ist ein alter Hut und findet jährlich statt … welche Reaktionen sollten denn ausgelöst werden und warum?

  8. @Voodoo
    Entsprechend Dienstgrad und Verwendung hätte ein längerer Einsatz nicht so richtig gepasst. Er ist damit aber kein Einzelfall. Überhaupt ist bei der Luftwaffe außer den Lufttransportverbänden und dem Objektschutzregiment mehr oder weniger kein Verband im größerem Umfang und häufiger im Einsatz. Das liegt in der Natur der Sache. Es würde ja auch etwas länger dauern, aus einem Einsatzführungsbereich ein QRF-Bataillon zu machen.
    Da ist man dann wieder bei der Diskussion Einsatz vs. großer Vaterländischer Krieg.

  9. @TW:
    Patriot ist in dem Kontext eh eigentlich nicht zu gebrauchen, die müssten dann ja direkt in der Nähe der zu schützenden Objekte stehen, was (a) der Grundidee des Raketenschirmes wiederspricht und (b) bedingt, dass man die groben Ziele kennt.
    Da die verbleibenden Systeme wohl laut Verlautbarungen mit Masse/alle (?) Config 3 sind, wäre das zumindest mit PAC3 Raketen sicherlich machbar. (aber dann sind wir wieder eher beim Objektschutz)

  10. Ja, das ist ein alter Hut und findet jährlich statt … welche Reaktionen sollten denn ausgelöst werden und warum?

    Nun ja, die baltischen Staaten gehörten mal zur Sowjetunion und sind Russland nicht gerade in inniger Freundschaft verbunden, ein gewisses, latentes Konfliktpotential ist vorhanden.

    Und wenn man es bösartig wenden wollte und den Advocatus Diaboli spielt, rücken deutsche Kriegsflugzeuge Russland ziemlich nahe auf die Pelle.

    Da wäre es schon denkbar, dass die üblichen Verdächtigen in der deutschen Politik auf die Idee kommen, das auszuschlachten.

  11. „Da wäre es schon denkbar, dass die üblichen Verdächtigen in der deutschen Politik auf die Idee kommen, das auszuschlachten.“
    Naja, schwarz/gelb hat ja auch so schon genug Probleme; da werden die dieses Fass nicht aufmachen …

  12. Ich halte es grundsätzlich nicht für hilfreich die Einsatztage eines Generals in diesem Zusammenhang zu erwähnen. Wir sollten nicht der Gefahr erliegen, den Auslandseinsatz als Kriterium für alles mögliche zu verwenden. Anmk: Die Lufttransportverbände der Luftwaffe machen in allen Einsätzen gute Arbeit..( es gibt nicht nur ISAF…)
    Ramstein scheint mir geostrategisch als Standort eine konsequente Wahl zu sein. Die weitere Entwicklung und auch die Kostenverteilung wird vermutlich nicht Gegenstand öffentlicher Diskussion werden.

  13. Die Amis wollten keine neue Zentrale auf der Grünen Wiese hochziehen. In Ramstein können die ihre bestehende Infrastruktur kostengünstig nutzen.

  14. Welche Systeme sind denn konkret für den „Schirm“ vorgesehen?

    Soll da neu beschafft werden oder werden einfach vorhandene Ressourcen aus den Mitgliedstaaten genutzt?

    In diesem Zusammenhang auch die Frage ob die Marine auf SM-3 upgraded und so die Fregatten auch einen Beitrag zum Schirm leisten könnten?

  15. @Felix Seidler – Das System dient aber zum Schutz Europas

    Wer hat Ihnen denn diesen Schmarn eingeprügelt?

    Wessen Raketen bedrohen den bitte „Europa“.

    Israelische und amerikanische Raketen haben die notwendige Reichweite und Kampfmittel an Bord. Alle anderen sind entweder Teil von Europa (Frankreich, England, Russland) oder ihm freundlich bis neutral verbunden (China).

  16. @b

    Nordkoreas Bombe ist zwar noch so groß wie ein LKW aber, wer weiss wie lange noch? Und vom Iran braucht man ja keinem was erzählen.

  17. ach dallisfaction

    warum sollte Nordkorea eine Rakete bauen, die bis zu uns fliegt und dann aber haufenweise Probleme machen kann. Erstens ist die Entwicklung teuer und aufwendig, die Rakete könnte beim Flug kaputtgehen und woanders die Umwelt verschmutzen oder detonieren oder abgefangen werden. Außerdem weiß jeder dann, wer es war. Lieber in einen Seecontainer packen und warten.

  18. @dallisfaction|02. Februar 2012 – 20:53:
    „In diesem Zusammenhang auch die Frage ob die Marine auf SM-3 upgraded und so die Fregatten auch einen Beitrag zum Schirm leisten könnten?“

    Theoretisch machbar, ist auch geplant, aber dauert halt …

  19. @b
    „Damit wird Ramstein das erste Opfer eines eventuellen Nuklearabtausches sein.“

    Der Gedanke liegt nahe, aber Rammstein dürfte schon heute recht hohe Priorität genießen.

  20. Ich bin mir sicher, das es auf internationaler Ebene in Einsätzen auch Plätze für die Luftwaffe gibt – zumindest die US Air Force war im z.B. im HQ ISAF gut präsent. Aber lassen wir das, ist in der Tat eine endlose Diskussion.

    Und Herr Kamann: Kann man unsere Armee noch weiter auseinander dividieren, als sie jetzt schon ist? Ich würde fast behaupten – nein. Zumindest zwischen den OrgBereichen liegen bereits Welten und die Lw hat, bis auf genannte Ausnahmen, nahezu vollständig den Faden verloren.

  21. @Voodoo:

    ich würde sagen, dass das Heer den Faden noch nie gefunden hat…zumindest wenn man sich mal die Probleme der integration in internationale Einsätze anschaut.. Marine und Luftwaffe haben sich in eine Rolle als Dienstleister gefunden – und mehr sind sie heutzutage einfach auch nicht mehr.

  22. @ V:
    Praezisieren Sie bitte „Marine in der Rolle als Dienstleister“, Danke.

  23. Oh, ich ahne fürchterliches…. Darf ich schon mal vorbeugend zur Mäßigung aufrufen?

  24. @ TW:
    Nein, Sie brauchen nichts befuerchten. Ich habe @V nur um ein Beispiel gebeten – habe mich sogar im Voraus bedankt. Ich bin nur neugierig auf die Begruendung des (noch-)Postulats :-)

  25. @ chickenhawk:
    Da passiert wohl inzwischen ein bißchen mehr beim NATO-Partner Litauen. Beim Kontigentwechsel in Siaulai (die Deutschen haben eine dänische Staffel abgelöst) wurde zumindest in den lokalen Medien behauptet (auch unter Berufung auf den Kommandeur der dänischen Einheit), dass die Zahl der Verletzungen des Luftraums durch russische Maschinen stark zugenommen habe. In diesem Zusammenhang soll die litauische Verteidigungsministerin auch in Washington vorstellig geworden sein, jedenfalls hat sie Panetta kürzlich besucht. btw: In Lettland gibt es auch beachtliche Probleme mit den Russen (über 40% der Bevölkerung), die per Referendum Russisch als zweite Sprache in der Verfassung verankern wollen, was dem aus dem anti-russischen Widerstand hervorgegangenen Establishment natürlich überhaupt nicht passt.

  26. @ chickenhawk | 02. Februar 2012 – 18:40

    […]Nun ja, die baltischen Staaten gehörten mal zur Sowjetunion und sind Russland nicht gerade in inniger Freundschaft verbunden, ein gewisses, latentes Konfliktpotential ist vorhanden.[…]
    Das ist richtig.

    […]Und wenn man es bösartig wenden wollte und den Advocatus Diaboli spielt, rücken deutsche Kriegsflugzeuge Russland ziemlich nahe auf die Pelle.[…]
    Das ist ebenfalls richtig.

    Dennoch wird Ihnen ein Russe, zumindest durch die Blume, sagen, dass es ihm 1000mal lieber ist, wenn die Deutschen dies machen. Die Deutschen gelten in Russland als verlässlich, was die Einhaltung von Regeln des Völkerrechts (also hier: Regeln des internationalen Luftverkehrs) angeht, ganz allgemein als diplomatisch korrekt und sind jeglicher Absicht sich ins „Great Game“ einzumischen unverdächtig.

    Ist Ihr russischer Gesprächspartner ehrlich zu Ihnen, und das ist er meistens, ist es ihm sogar lieber die deutsche Luftwaffe macht es für die Balten, als die Balten selbst, die in ANbetracht ihrer Lage dann schon mal eher einen „show down“ herbeidiplomatieren würden-wobei das keine Kritik an die Balten ist, man muss das verstehen und akzeptieren können.

    Ganz allgemein: Ein letzter Erfolg der deutschen Diplomatie war und ist es, dass strategische Veränderungsmoment (und das sind NATO-Flugzeuge im Baltikum, das ist eine us-amerikanische Patriotstaffel in Polen, das ist ein NATO-HQ in Polen, das ist „permanent“ übende Truppe in Polen) beiden Seiten (Balten, Polen) und Russen so zu vermitteln, dass beide Seiten Gesicht und Interessen gewahrt sahen.

    Bei den Polen/ Balten: wirksame Einbindung von NATO-Truppen, d.h. hier in Kurzform: Greift man baltischen Luftraum an, greift man Soldaten der Bundesrepublik Deutschland an-was das nach UN Regeln bedeutete, brauche ich hier nicht auszuführen;

    Anmerkung: auch unter diesem Aspekt verwundert mich die geringe Diskussionsintensität diverser politischer Kreise in DEU nicht, a) ist da kein Potential draus zu schlagen, b) ist es eine komplexe Diskussion die weltweite Determinanten in einer Diskussion zur Beachtung brächte und c) dass Russland den baltischen Luftraum zum neuen Spielball macht, kann als unwahrscheinlich gelten, noch dazu man in Georgien einiges klarstellen konnte und offensichtlich auch durfte.

    Zu Polen: Wer die Republik Polen angreift, greift US-Truppen, ein NATO-HQ an. Das funktionierte schon immer prächtig als Abschreckung, zuletzt in FYROM. Und nichts gegen die polnische Armee, aber bzgl. der strategischen Lagebeurteilung änderte sich dadurch schon etwas signifikant. Das wollten die Polen mit Blick in die eignene Geographie und Geschichte erreichen. Das haben sie erreicht und der ein oder andere Złoty konnte dabei sogar noch gespart werden.

    Dabei kam für die Russen heraus: a) Es gilt als ausgeschlossen, dass Russland in Mitteleuropa militärisch intervenieren wollte und will, dies musste man nun untermauern, da sich b) zwar das strategische Moment, wie skizziert, singnifikant änderte, aber das taktische Bedrohungspotential sich schlichtweg kaum veränderte, fiel das leicht, und: c) holte man sich das diplomatische „go!“ um in in der Republik Belarus und in den ZAR – Staaten (und hier vorrangig bzgl. Kasachstan) seine Luftraumverteidigung auch exterritorial organisieren zu können.

    Etwas suffisantes: Balten, Polen und Russen lieben das Theater-auch als diplomatisches Spiel. Als Deutsche sollten wir hier lediglich kühlen Kopf bewahren und mit allen Seiten korrekt und neutral umgehen. Das reicht diesbezüglich mE vollends aus.

    Voodoo | 02. Februar 2012 – 17:16
    […]OT aber dennoch lustig: Der dienstälteste deutsche Soldat hat noch nicht einmal ansatzweise persönlich etwas mit Einsätzen zutun gehabt. […]
    1. Definieren Sie bitte „Einsatz“. Luftraumverteidigung in den Hoheitsgrenzen Deutschlands ist für mich ein Einsatz-und als solche dürfte er Einsätze gehabt haben.
    2. Die Kenntnis des NATO-Handbook zur Luftraumkoordinierung, der Handbücher bzgl. Einsätze von Luftstreitkräften wird schon noch drin sein…sorry, für die Ironie.
    3. Sein Auftrag ist es doch-und den dürfte er, noch dazu wegen dem Alter, nicht ohne U.S.-Zustimmung erhalten haben, und bei allem was Recht ist: wenn die USA einen Deutschen hier an solch einer Stelle „mitmachen“ lassen, dann ist das schon ein sehr deutliches Indiz dazu, über was für einen Mann wir hier reden- ganz, ganz grob heruntergebrochen: Luftkampfkapazität im Moment x an Punkt y sicherzustellen und zu koordinieren, oder? Ob ihm dabei ein Sprecherposten, stv. BefH bei ISAF, usw. was genutzt hätte? Ich weiß es nicht-gehe aber davon aus, dass er locker lässig so ein ACC, egal wo, befehligt-, viel geeigneter in der Betrachtung empfinde ich folgende Vwdg.: 1997 – 1999 Chief of the Nuclear Planning, Nuclear Policy, Nuclear Strategy Section with the German Delegation to NATO, Brussels

    Zusammenfassung: Evtl. ist geregelt, dass der stv BefH ein Deutscher zu sein hat. Nun gut, aber für diesen Posten stünde die halbe Generalität der Luftwaffe „Gewehr bei Flugzeug“, man wählte aber ihn aus, auch ohne „Einsatzerfahrung“, in Ihrem Sinne sicher: Auslandseinsatzerfahrung. Das stört die USA aber offensichtlich nicht. Für uns sollte es folglich auch nur eine Petitesse sein.

    Zivi a.D. | 03. Februar 2012 – 10:12
    […]…, dass die Zahl der Verletzungen des Luftraums durch russische Maschinen stark zugenommen habe. […]
    Das ist, liest man die dortige Presse, richtig bemerkt.
    Richtig ist aber auch, dass die Verletzungen alle ohne Einsatz von Waffen, sagen wir: beendet bzw. geregelt wurden und das man dies diplomatisch anzugehen bereit ist -auf allen Seiten-. Leider haben wir seit Kinkel keinen diesbezüglich erwähnenswerten Außenminister mit einem diesbezüglich erwähnenswerten Konzept mehr, bleibt also: Die Bw-Piloten sind als Diplomaten vor Ort in höchster Bewährungsnot. Und sie bewährten sich bisher auch, wie ihre dänischen (und andere) Kameraden auch.

    Anmerkung: Man sollte sich durch solche russischen Spielchen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Denn was auch immer die Russen damit bezwecken, es sollte uns allerhöchstens ein höfliches Lächeln wert sein und uns an unsere Stellschrauben erinnern. Und wenn man mal so ein russisches Luftverkehrsmittel herunterholt, verstünde man das in Moskau schon bzw. man wüsste es einzuordnen, ohne gleich einen Krieg vom Zaune zu brechen.

    @ T.Wiegold: Die deutsche Luftraumverteidigung, und wie man diese in Zukunft anzugehen bereit ist und wie man diese in Zukunft bezahlen will, ist sowohl bei den bodengestützten Systemen als auch luftraumgestützten Systemen ein ganz eigenes Kapitel. Man könnte unken: national geht grad/ bald (fast) gar nichts mehr, also ist das Abstützen auf national nicht abgebildete Fähigkeiten drängend, aber politisch kompliziert-auch wenn man es als Kapitel Bündnisverteidigung verbuchen wolle.

  27. Ein nuklear bewaffneter und mit Mittelstrecken bewaffneter Iran würde militärische Optionen der USA und deren europäischer Verbündeter mit so hohen Risiken verbinden, dass sie praktisch ausgeschlossen wären. Wenn die USA alleine handeln würden, würde die Möglichkeit iranischer Bekämpfung von Stützpunkten in Europa diese Entscheidung deutlich erschweren, da die potentiell betroffenen Staaten auf diese Möglichkeit vermutlich sehr negativ reagieren würden, u.a. mit Forderung nach Abzug der Amerikaner.
    Die geplante Raketenabwehr dient also nur insofern dem „Schutz Europas“, als dass sie eine mögliche nukleare Abschreckungsfähigkeit des Irans reduziert, um den Preis eines belasteten Verhältnisses zu Russland.
    Man müsste nun aus der Perspektive nationaler Interessen Deutschlands diskutieren, ob es Szenare gibt, in denen militärisches Vorgehen gegen den Iran im deutschen Interesse wäre, bzw. ob die militärische Präsenz der USA in Deutschland im deutschen Interesse ist. Eine Alternative wäre ein Ende der militärischen Präsenz der USA in Deutschland, ein europäisches Bündnis unter Einschluss Russlands und Verzicht auf militärische Interventionen im Nahen Osten. Je schwächer die USA werden (dieser Trend ist vermutlich langfristig), desto attraktiver wird diese Alternative.

  28. Als es damals um die Errichtung von Stützpunkten des Schirms in Polen und Tschechien ging, haben Militärexperten gesagt, die Installierte Raketenabwehrtechnik sei nutzlos. Eigentlich wollen die USA jetzt nur Pro Forma nutzlose Anlagen errichten, um die später, wenn die Technik so weit Entwickelt ist, diese Aufzurüsten. Hinterher beim Scharf machen, braucht man keine Proteste mehr zu befürchten.

  29. @Mittendrin 41:

    basierend auf der (inzwischen [sic!]) gewonnenen Erkenntnis, dass man weder mit See- noch mit Luftstreitkräften Boden gewinnen oder halten könnte und somit Marine und Luftwaffe durch Sicherung von Räumen, See wie auch Luft, oder Unterstützungsleistungen (zum Beispiel mit dem lustigen STF Konzept) in letzter Konsequenz Dienstleister der Bodentruppen sind.

    Natürlich kann man bei der Marine mit der Verteidgung der Seewege eine Diskussion anfangen, aber um diese wirklich abzusichern dürfte es wohl an der Masse fehlen und auch da ist es letzten Endes eine Symptombekämpfung und nicht letzten Endes die einer Ursache.

  30. @T.Wiegold

    Interessant – das Handelsblatt hatte ganz vergessen, darauf hinzuweisen. Auf „Augen geradeaus“ bin ich erst später gestoßen.

  31. @V:
    Danke fuer Ihre Einschaetzung!
    Natuerlich gibt es die Erkenntnis, dass kein Krieg mehr auf See entschieden, geschweige denn noch gewonnen wird, schon laenger – die Erkenntnis besitzt auch [SIC!] die Marine (spaetestens seit 1941). Die Lage zur See bzw. zur Luft kann aber entscheidend zur Gesamtlage mit beitragen. Das Fass „Libyen und Luft“ lasse ich zu.
    Kriege werden aber nicht ausschliesslich an Land gefuehrt, mal abgesehen von einem import- bzw. exportunabhaengigen Binnenland.
    Es zeugt von einer Einengung auf eine sehr landlastige Sichtweise, wenn man das „Joint“ auf den „Boot on the ground“ + „Dienstleistung“ reduziert. Wenn Sie immer davon ausgehen, dass Bodentruppen vor Ort sein werden, dann geht ohne „combined“ fuer uns DEU gar nichts bzw. ohne „joint“ fast gar nichts.
    Es sei denn, dass „Joint/ combined“ CAS, Transport und MEDEVAC nur noch durch eigene Heeres-Hubschrauber dargestellt wuerde – aber das wird mE auf absehbare Zeit nichts, vor allem nicht mit einem NH90. Auch wird uns nicht immer von vornherein der Luft- bzw. der Seeraum gehoeren, um zum Ort des Geschehens zu gelangen.
    Ich bin mir sicher, dass zB CAS (durch Coalition Air Forces oder Navies) fuer die Kameraden in AFG deutlich mehr als eine reine Dienstleistung darstellt. Auch gehoeren nicht alle eingesetzten Soldaten in AFG zu Patrouillen/ OMLT, die man vmtl. gem. Ihrer Argumentation dann als die einzig zu Unterstuetzenden – am Beispiel AFG – anfuehren muesste.
    Zukuenftige Einsaetze, die zB „Vorausstationieren auf See“ oder „Fuehren von See“ beinhalten, sind weder abwegig noch reine Dienstleistungen der Marine. Ich wiederhole mich vielleicht, aber es wird immer weniger in Zukunft ohne „joint“, geschweige denn „combined“ gehen (bzw. es ging noch nie).
    I.S. der Argumentation einer „command relationship“ von „supporting und supported“ gebe ich Ihnen – abgesehen von den Operationen in einer ersten Phase – recht. Die Unterstuetzung danach allgemein auf den – salopp formuliert – see- oder luftgestuetzten Transport von Zelten und Fahrzeugen zusammen zu dampfen, damit die „Richtigen“ kaempfen koennen, halte ich fuer – vorsichtig ausgedrueckt – stark vereinfachend. Haetten Sie „Panzer Hurra“ angefuegt, haette ich Ihnen es sogar nachgesehen, da es mich an einen sehr guten und einer ordentlichen Portion beissenden Humors ausgestatteten Kameraden vom Heer erinnert haette ;-)

    Loesen Sie sich bitte gedanklich davon, dass die Einsaetze immer im Binnenland stattfinden werden – zwar dominiert der AFG-Einsatz alles bisher dagewesene, aber es wird noch mehr als AFG geben.
    Aufgrund der Binnenlage kommt hier STF selbstredend nur ansatzweise zum Zuge, aber stellen Sie sich einen Einsatz in Somalia vor. Natuerlich liegt die Wurzel des Uebels an Land (sehr komplexe Zusammenhaenge), aber sie muss nicht zwangslaeufig an Land von Land aus bekaempft werden. Ich kann mir vorstellen, dass die Basis auf See einen 1A Rueckzugsraum bietet, bevor auch nur ein einziger Stiefel dauerhaft – weil stationiert- den Boden betritt.
    Als strategisches Mittel ist die Vorausstationierung von Marineverbaenden (ggf. unter Zuhilfenahme von eigenen SOF) gerne genommen – natuerlich fehlt, wie Sie sagen, „die Masse“ , aber die deutsche Marine sichert ebensowenig Seewege im Alleingang wie das (deutsche) Heer alleine den Kosovo oder den Norden in A-Land sichert.
    Punktuell ist alles moeglich, aber wir DEU machen mit Ausnahme von EvakOps (und in Praxis selbst da nicht) nichts im Alleingang.
    Bestes Beispiel uebrigens fuer erfolgreiche Einsaetze – fernab der Schlagzeilen.
    Einsatz heisst schlussendlich nicht immer „Zelt am Boden“ (+ Service bitt’schoen), auch es wenn dadurch naturgemaess besser zu erklaeren bzw. nachzuvollziehen ist.

  32. @mittendrin 41:
    Ein „Panzer hurra!“ werden Sie von mir nicht hören. Ich bin eher den beschwingten zugeordnet und STF halte ich für einen dringenden Fall für die Ablage P weil schlecht abgeschrieben und an der Realität vorbei. Dennoch sind die Anteile der Luftwaffe und Marine (deutsch) aus meiner Sicht eben zu beschränkt. joint und combined auch nur mit Luftwaffe und Marine etwas zu erreichen schliesse ich ja garnicht aus.

  33. @ V:
    D’accord, „Joint Fires“ oder JTFS war da schon das bessere Papier. Aber eine Konzeption STF ist mE immer „combined“ zu betrachten. Das deutsche Kräfte eine Operation alleine durchführen, halte ich für unmöglich. Wir machen allerdings den Fehler, alles noch einmal im nationalen Drehwolf zu verwursten, anstatt einen nationalen Anhang zu einer bestehenden und mitgezeichneten Vorschrift zu gestalten. Spart mE Papier und Zeit.

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