Partnering ohne Alternative?

Nach dem tödlichen Angriff eines ANA-Soldaten auf deutsche Soldaten im OP North läuft die Diskussion, ob das Partnering mit den afghanischen Sicherheitskräften der richtige Weg sei – und damit natürlich auch über die Frage, ob das Ziel erreicht werden kann, bis 2014 die Sicherheitsverantwortung in Afghanistan an das Land selbst zu übergeben.

Interessante Aussagen dazu vom – scheidenden – ISAF-Regionalkommandeur Nord, dem deutschen Generalmajor Hans-Werner Fritz, heute im Deutschlandfunk:

Für mich ist Partnering ohne Alternative, denn wir müssen uns vorstellen, es geht um die gemeinsame Ausbildung mit den Afghanen. Das betrifft die Ebene vom General bis runter zum Hauptgefreiten. Ein deutscher Soldat, ein Hauptgefreiter, ist mit seinem Verhalten ein gutes Beispiel für die Afghanen. Es geht um die Teilhabe der Afghanen an den Operationen, es geht um das afghanische Gesicht bei den Operationen. Ich halte das Partnering für alternativlos und nach all den Kämpfen, die wir gehabt haben, auch für ein ausgesprochen erfolgreiches Konzept.

Und der Vollständigkeit halber: Ein Video zum Thema, das der NatoChannel bei den Briten in Südafghanistan gedreht hat:

Nachtrag: Dazu ist auch interessant, die Rede zu lesen, die der Chef der NATO Training Mission Afghanistan vor EU-Vertretern gehalten hat.

9 Gedanken zu „Partnering ohne Alternative?

  1. Es passiert etwas, mit dem jeder gerechnet haben sollte. Und plötzlich bricht eine Grundsatzdebatte über ein Verfahren aus, von dem wir wissen, dass es notwendig ist um unser Ziel zu erreichen. Ist das typisch deutsch?

  2. Nö, die Debatten hatten andere europäische Nato-Staaten ja auch schon.

    Bei der Bundeswehr kommt vermutlich hinzu, dass wegen dem Totschweigen des „Partnerings“ jetzt der „Was machen die da eigentlich?“-Effekt etwas größer ausfällt.
    (Dass Herr Wiegold zum Demonstrieren des Partnerings auf ein britisches Video zurückgreift ist doch irgendwie bezeichnend. ;) )

    Wobei man ja nicht wirklich von einem Aufschrei reden kann, das Echo ist da ja noch ziemlich verhalten. Guttenberg, Haubitzen und Panzer sind da einfach mehr sexy als so ein paar Afghanen. Die interessieren hier doch eh kaum jemanden, leider.

  3. Ist eigentlich schon bekannt, wer die Nachfolge von Herrn General Fritz als Kommandeur des RC North antritt?

  4. Dies ist auch nicht der erste Zwischenfall dieser Art. Nur der erste, bei dem deutsche Soldaten Opfer wurden. So weit also zu der Qualität unserer Medien. Bisher hat aber keiner der Täter überlebt, so dass über die Gründe der Taten nur spekuliert werden kann.

  5. Es waren glaub 7 solcher Vorfälle in gut über einem Jahr, den in Baghlan schon mitgezählt. Bei glaub zwei Vorfällen konnte der Täter entkommen (beide in Helmand: einmal 2 getötete Amerikaner, einmal 3 getötete Gurkhas).

  6. Ich bin mal gespannt wie Markus Maximus (G Kneip) mit dieser Situation umgehen wird. Ist eigentlich ein sehr unangenehmer Zeitpunkt gewesen (für die Führungskräfte), aber gut für die beteiligten Soldaten.

    (Und ja, es gibt keinen idealen Zeitpunkt für sowas)

  7. Zum Nachtrag:
    Bei solchen offiziellen Verlautbarungen weiss man halt leider nie, wieviel wirklich davon zu halten ist. Was die „quality weapons“ der ANP angeht ist etwa Herr Chivers von der NYT gänzlich anderer Meinung: One Poor Choice in Arming the Afghans, and Its Repercussions.

    Auch Heldengeschichten sind immer so eine Sache, da Einzelfälle. Wen sowas interessiert, der findet auch eine auf Afghan Quest gibt: Hero.

    Da es vielleicht zum Thema paßt: Es gibt mindestens zwei Filme zur Zusammenarbeit mit der ANA
    Shepherds of Hemand
    At War

    Letzterer hat glaub immer noch keinen Verleih gefunden. Aber Blogger/Journalisten können eine Review-Version anfragen (hint, hint). ETTler meinen, dass er sehr gut und nah an der Realität sei.

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