Veteranengedenken, inoffiziell

Die Kameraden waren da, natürlich. Die Fahnenträger. Der Trompeter, der das Lied vom guten Kameraden spielte. Beim inoffiziellen Veteranengedenken, dem Memorial Run am (heutigen) Samstag in Berlin, fehlte auffällig nur eine bestimmte Gruppe: Die offizielle Bundeswehr – Ministerium, Truppe, aber auch Reservistenverbände.

Vielleicht hatte es damit zu tun, dass der Memorial Run, der in Berlin zum fünften Mal stattfand, aus dem Umfeld der Motorradclubs begründet wurde; dass die ursprünglichen Initiatoren, die Recondo Vets, sich als militärische Motorradgemeinschaft bezeichnen  und für manche möglicherweise in der Schmuddelecke stehen.

Dabei ist der Umgang mit Veteranen, mit Angehörigen der Bundeswehr, die im Einsatz waren, für die Politik doch derzeit ein Thema, und gerade Verteidigungsminister Thomas de Maizière treibt die Debatte darüber zumindest öffentlich immer wieder voran und schlug kürzlich vor, das Gedenken an Veteranen mit dem deutschen Nationalfeiertag am 3. Oktober zu verbinden.

Eingeladen waren Ministerium, Truppe und Reservistenverband jedenfalls, versichert der Bund Deutscher Veteranen, der den Memorial Run mit organisierte. Die einzigen, nun, Offiziellen, die bei dieser Veranstaltung auftauchten, waren – wohl eher zufällig – Feldjäger aus der Wache des Verteidigungsministeriums bei ihrem Streifengang. weiterlesen

Statt Behörden-Wirrwar künftig Betreuung Verwundeter im Verteidigungsministerium

Das Bundeskabinett hat am (heutigen) Mittwoch einen Gesetzentwurf beschlossen, der für – körperlich oder psychisch – verwundete Soldaten wichtig ist: Die Zuständigkeit für ihre Versorgung und vor allem für die Anerkennung der so genannten Wehrdienstbeschädigung liegt künftig komplett beim Bund, genauer: beim Bundesverteidigungsministerium. Bislang mussten die Betroffenen einen bürokratischen Hürdenlauf absolvieren: So lange sie Soldat waren, war die Wehrverwaltung für sie zuständig, nach ihrem Ausscheiden aus dem Dienst dagegen die Landesbehörden.

Das soll mit der Neuregelung anders werden:

Mit einer Übernahme der Zuständigkeiten der Länder durch den Bund kann eine einheitliche Rechtsanwendung des Soldatenversorgungsgesetzes – auch unter Berücksichtigung der Besonderheiten der Auslandseinsätze der Bundeswehr – sichergestellt und eine Beschleunigung der Bearbeitungszeiten sowie eine Entbürokratisierung erreicht werden. Den Versorgungsberechtigten wird die Orientierung erleichtert, da sie künftig nur noch die Bundeswehrverwaltung als Ansprechpartner haben, unabhängig davon, ob sie sich noch im Wehrdienstverhältnis befinden oder bereits ausgeschieden sind.

heißt es in der Begründung des Gesetzes mit dem etwas sperrigen Namen Gesetz zur Übertragung der Zuständigkeiten der Länder im Bereich der Beschädigten- und Hinterbliebenenversorgung nach dem Dritten Teil des Soldatenversorgungsgesetzes auf den Bund.

Die Details müssen Fachleute des Versorgungsrechts und des Soldatenversorgungsgesetzes bewerten; es scheint aber, dass damit eine immer wieder zu hörende Klage nach Verwundung – oft in PTBS-Fällen – aufgegriffen wurde: Das Problem, dass sich ausgeschiedene Soldaten einem Landesversorgungsamt gegenübersahen, dass die Besonderheiten eines Falles nach Auslandseinsätzen nicht, falsch oder viel zu spät einschätzte.

Wegen der komplizierten Umstellung des Verfahrens von allen Ländern – die bei der Abstimmung des Gesetzentwurfes grünes Licht gegeben hatten, weshalb die Bundesregierung auch Zustimmung im Bundesrat erwartet – soll das Gesetz im Wesentlichen Anfang 2015 in Kraft treten, Teile auch erst Anfang 2016.

(Foto: Soldaten des Bravo-Zugs der Schutzkompanie Kundus im direkten Feuerkamp in Qala e Zahl, September 2010 in Qala e Zal -  Bundeswehr/von Söhnen via Flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

In Flanders Fields…. oder: das deutsche Problem mit dem Veteranen-Gedenktag

(Foto: Flickr-User Selbe B unter CC-BY-NC-ND-Lizenz)

In Großbritannien, den Ländern des britischen Commonwealth, den USA, Belgien und Frankreich ist der heutige 11. November Veteranengedenktag – Remembrance Day im Vereinigten Königreich, Veterans Day in den USA. Das Datum erinnert an den Waffenstillstand, der den Ersten Weltkrieg 1918 beendete.

Und dieses Datum und das damit verbundene Gedenken, das über den deutschen Volkstrauertag hinausgeht, zeigt vielleicht auch exemplarisch, warum ein Tag der Veteranen und schon das Gedenken an Veteranen in Deutschland so schwierig ist. Ein Zitat aus der Proklamation von US-Präsident Barack Obama, mit der er den diesjährigen 11. November zum Feiertag erklärte:

Whether they fought in Salerno or Samarra, Heartbreak Ridge or Helmand, Khe Sanh or the Korengal, our veterans are part of an unbroken chain of men and women who have served our country with honor and distinction. On Veterans Day, we show them our deepest thanks. Their sacrifices have helped secure more than two centuries of American progress, and their legacy affirms that no matter what confronts us or what trials we face, there is no challenge we cannot overcome, and our best days are still ahead.

In Deutschland gibt es eben nicht diese unbroken chain, aus guten Gründen, auch nicht in der Wahrnehmung. Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat bei seinem kürzlichen Definitionsversuch, was ein Veteran aus deutscher Sicht ist, die noch lebenden Soldaten des Zweiten Weltkrieges nur am Rande erwähnt – wie mir schien in der Ansicht, dass es nur noch so wenige gibt und künftig immer weniger geben werde, dass sie für diese Debatte keine Rolle mehr spielen.

Wenn ich allerdings sehe, wie sich vor allem in den angelsächsischen Ländern die Ehrung von Veteranen ungebrochen auf eine fast hundertjährige Geschichte bezieht – weiß ich nicht, ob eine solche Trennung funktioniert. Und ob sie nicht als künstlich empfunden wird. Ich habe keine Antwort auf die Frage, ob man den Bundeswehrsoldat mit Auslandseinsatz (in der noch nicht mal 20-jährigen Geschichte bewaffneter Einsätze der Bundeswehr) als Veteranen ehren kann, über seinen Großvater im Russlandfeldzug aber nichts sagt, weil er zum Dienst für ein verbrecherisches Regime eingezogen wurde.

Ich weiß, wie schwierig das ist. Und ich habe auch keine Lösung. Aber gerade die Erinnerungskultur dieser anderen Länder am heutigen 11. November zeigt, dass kollektive Erinnerung weiter reicht als ein knappes Vierteljahrhundert.

 

 

Der deutsche Veteran: Ex-Soldat mit Einsatzmedaille

Die Diskussion über den gesellschaftlichen und politischen Umgang mit Veteranen der Bundeswehr läuft ja schon eine Weile – und sowohl Verteidigungsminister Thomas de Maizière und der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus haben diese Debatte engagiert mit angeschoben.

Allerdings war bislang immer offen geblieben (oder besser gesagt: von niemandem so richtig definiert worden), was in Deutschland heutzutage unter einem Veteranen zu verstehen ist. Das hat der Minister gestern mit einer Definition zu klären versucht, über die es sicherlich auch noch eine Debatte geben wird: Veteranen im heutigen deutschen Sinne seien ehemalige Soldaten mit Einsatzbezug, also in der Regel mit Einsatzmedaille.

Das wird natürlich zu der Situation führen (und das sieht auch de Maizière), dass der 28-jährige ausgeschiedene Zeitsoldat nach einem Auslandseinsatz als Veteran angesehen wird, der Berufssoldat auch nach dem sechsten Einsatz noch nicht – so lange er noch aktiv ist. Ob das zu einem umstrittenen Punkt führt, wird natürlich davon abhängen, was es künftig bedeutet, als Veteran angesehen zu werden.

Zur Dokumentation die Rede de Maizières am (gestrigen) Mittwochabend beim Jahresempfang des Wehrbeauftragten (zuvor hatte der Minister, so höre ich, sich in ähnlicher Form vor dem Verteidigungsausschuss geäußert):

 

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(Vielen Dank an den Kollegen, der mir den Mitschnitt zur Verfügung gestellt hat – ich war da technisch etwas desorganisiert.)

TV am Sonntag: Heimatfront und Veteranen

Der Tatort-Krimi Heimatfront ist noch gar nicht so alt – im Januar 2011 lief das Drama um zurückgekehrte deutsche Afghanistan-Kämpfer zum ersten Mal in der ARD. Am (morgigen) Sonntagabend wird er bereits wiederholt, diesmal aber direkt gefolgt von einer inhaltlich anschließenden Diskussionsrunde bei Günter Jauch.

Trauma Afghanistan – Welche Spuren hinterlässt der Krieg? heißt das Thema der Runde, und die ARD hat dazu nicht nur politisch hochkarätig eingeladen (das wäre ja nichts Besonderes), sondern neben Verteidigungsminister Thomas de Maizière auch Betroffene, die etwas dazu zu sagen haben. Zum Beispiel Robert Sedlatzek-Müller, der bei einer Explosion in Kabul schwer verletzt wurde und bis heute unter den Folgen leidet.

(Ich hoffe ja, dass das Fußball-Programm an dem Abend nicht so attraktiv ist, dass das Thema nur wenig Interesse wecken kann …)

 

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