Von der Leyen übergibt erste Veteranenabzeichen (m. Nachtrag)

Knapp sieben Monate nach ihrer Festlegung eines Veteranenbegriffs hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die ersten der von ihrem Vorgänger Thomas de Maizière beschafften Veteranenabzeichen ausgehändigt. Die Ministerin übergab die Medaillen am (heutigen) Tag der Bundeswehr auf dem Fliegerhorst Faßberg.

Bislang gibt es dazu nur eine Instagram-Story auf dem persönlichen Instagram-Account von der Leyens (Foto oben). Weitere Einzelheiten waren vom Ministerium zunächst nicht zu erfahren.*

Die Ministerin hatte im November vergangenen Jahres in einem Tagesbefehl eine mit Bundeswehrverband und Reservistenverband abgestimmte Definition des Begriffs Veteran erlassen:

Veteranin oder Veteran der Bundeswehr ist, wer als Soldatin oder Soldat der Bundeswehr im aktiven Dienst steht oder aus diesem Dienstverhältnis ehrenhaft ausgeschieden ist, also den Dienstgrad nicht verloren hat.

Die jetzt verliehenen Veteranenmedaillen hatte der frühere Verteidigungsminister de Maizière allerdings noch im Hinblick auf eine etwas andere Veteranendefinition beschafft. Der Vorgänger von der Leyens hatte 2013 als Festlegung vorgeschlagen: Veteran ist, wer ehrenvoll aus dem aktiven Dienst der Bundeswehr entlassen worden ist und an mindestens einem Einsatz für humanitäre oder friedenserhaltene oder friedensschaffende Maßnahmen teilgenommen hat – also eine auf Einsätze fokussierte und deutlich einschränkendere Definition.

Die unter de Maizière beschafften Medaillen, rund 10.000 Stück, waren allerdings bisher nie ausgegeben, sondern eingelagert worden. Hauptgrund dafür war, dass es keine Verständigung mit den Verbänden über den Begriff gab.

Unklar ist zunächst, wie viele dieser Medaillen nun benötigt werden. Für eine Vergabe nach den Kriterien der jetzigen Ministerin werden deutlich mehr benötigt als die unter ihrem Vorgänger beschafften.

*Nachtrag 15. Juni: Nach dem Wochenende hat die Bundeswehr jetzt Einzelheiten zur Vergabe der Veteranenmedaille veröffentlicht; außerdem das Formular, mit dem ehemalige Soldaten diese Medaille beantragen können:

Wer Deutschland dient, hat Anerkennung verdient
Antrag Veteranenabzeichen Ehemalige

(Vorsorglich, da die Links bei einem geplanten Relaunch der Bundeswehr-Webseiten nicht mehr funktionieren, beide Dateien als pdf:

20190617_Bw_Veteranenabzeichen
20190617_Antrag_Veteranenabzeichen_Ehemalige

(Foto: Screenshot Instagram-Account Ursula von der Leyen)

99 Gedanken zu „Von der Leyen übergibt erste Veteranenabzeichen (m. Nachtrag)

  1. @all
    Siehe Nachtrag vom heutigen Montag oben; da findet sich auch ein Link zum Antragsformular für Ehemalige.

  2. @Pio-Fritz

    „Rein rechtlich gesehen ist Ihre Forderung Unsinn.“

    Warum?
    Aktive Soldaten tragen kein Veteranenabzeichen an der Uniform.

    Bis jetzt müssen ehemalige Soldaten wenn diese wieder aktiv werden die Kordel oder das R (Marine) abnehmen.

    Wo ist das Problem?

  3. @Elahan, Zimdarsen:

    Grund für die Abschaffung der Reservistenkordel (die ich übrigens, als Reservist, vollkommen in Ordnung finde) war ja der explizite Wunsch (und Entscheidung) der Leitung BMVg, uniformtragende Reservisten (außerhalb eines Wehrdienstverhältnisses, also „nur“ mit Uniformtrageerlaubnis..) nicht mehr unterscheiden zu können/wollen von uniformtragenden aktiven Soldaten. Warum Sie vor diesem (sehr aktuellen) Hintergrund fordern „..Gut wäre deshalb, dass das Tragen des Abzeichens für ehemalige aktive Soldaten in Uniform zur Pflicht wird“ ist mir unerklärlich.

    In Kombination mit der im Artikel verlinkten Festlegung „Das Abzeichen darf nicht an der Uniform getragen werden, es soll vielmehr die Veteranen in der Öffentlichkeit repräsentieren“ ist umso mehr erkennbar, dass ihre Forderung der bekannten Faktenlage entgegensteht.

  4. Als vormaliger W12 GWDL habe ich mich zunächst auch gefragt, ob diese allumfassende Veteranendefinition Not tut. Bis zum Erlass habe ich mich selbst nie als Veteran gesehen, da ich nicht an Einsätzen teilgenommen hatte. Allein der Gedanke, mit einem Einsatzveteran – und sei es auch nur begrifflich – auf eine Stufe gestellt zu werden, kommt mir auch heute noch komisch vor.

    Aber die Pressebegleitung dieses Abzeichens hat mich dann doch etwas zum Grübeln gebracht: Laut verschiedener Artikel liegt die Zahl der Bundeswehr-„Veteranen“ bei zehn bis elf Millionen Bürgern. Der Anteil der Gedienten an der Einwohnerzahl Deutschlands entspricht damit ungefähr dem von Bundesbürgern unter 14 Altersjahren. Und obwohl man beim nächsten Eiscafébesuch die erwachsenen männlichen Passanten mit „eins…zwo…drei…gedient“ abzählen könnten, spielen Soldaten-/Ehemaligenbelange im öffentlichen Diskurs – im Gegensatz zu denen der Kinder – eine bestenfalls marginale Rolle. Wenn dieses Abzeichen – so es denn überhaupt angenommen würde – etwas an diesem Zustand ändert, hätte es meiner Ansicht nach seinen wichtigsten Zweck erfüllt. Daher stehe ich ihn inzwischen doch positiv gegenüber.

  5. @Zimdarsen sagt: 17.06.2019 um 14:18 Uhr

    Ich habe gerade den Antrag gestellt und bin gespannt, wann das Abzeichen kommt. Unter „3.2 Tragehinweis: Das Abzeichen darf nur an Zivilkleidung getragen werden.“ Zitat Ende. Das Zitat ist vollständig, also keine Trageerlaubnis für Uniform, unsere Diskussion hat sich erledigt.

  6. @Pio-Fritz

    „3.2 Tragehinweis: Das Abzeichen darf nur an Zivilkleidung getragen werden.“ Zitat Ende.

    Das war doch bekannt.

    Im Moment keine Trageerlaubnis für Uniform, deshalb kann es sein, dass sich unsere Diskussion erledigt hat aber die Diskussion in der Truppe bezüglich Kennzeichnung nicht aktiver Soldaten geht weiter.

  7. @EDHI sagt: 17.06.2019 um 16:09 Uhr

    Die Veteranenzahl in Deutschland ist sogar noch höher. Es gibt auch noch eine gute Anzahl Bundesbürger „Gedient außerhalb der Bundeswehr“, aka ehemalige NVA-Angehörige. Sind auch Veteranen, wenn auch nicht der Bundeswehr und ohne die Erlaubnis, ihren letzten Dienstgrad mit einem „a. D.“ zu führen.

  8. Auch wenn reichlich Offtopic, aber es gibt wohl keinen Faden dazu.

    Die BW ist mächtig stolz auf fast 300.000 Besucher am Tag der Bundeswehr.
    Man darf gespannt sein wie sich das auf die Personalgewinnung auswirkt.

    [Bitte diesen OT hier nicht weiter verfolgen… T.W.]

  9. @DIN A4 sagt: 17.06.2019 um 14:57 Uhr
    „Grund für die Abschaffung der Reservistenkordel (die ich übrigens, als Reservist, vollkommen in Ordnung finde) war ja der explizite Wunsch (und Entscheidung) der Leitung BMVg, uniformtragende Reservisten (außerhalb eines Wehrdienstverhältnisses, also „nur“ mit Uniformtrageerlaubnis..) nicht mehr unterscheiden zu können/wollen von uniformtragenden aktiven Soldaten.“

    Nach meinem Kenntnisstand, war das nicht Wunsch der Leitung BMVg, sondern Wunsch der VdRBw und seines Präsidenten, dem die BM’in nachgekommen ist (aus Gründen über die man durchaus kritisch spekulieren könnten :( ).

    @Mitleser sagt: 17.06.2019 um 17:57 Uhr
    „Die Veteranenzahl in Deutschland ist sogar noch höher. Es gibt auch noch eine gute Anzahl Bundesbürger „Gedient außerhalb der Bundeswehr“, aka ehemalige NVA-Angehörige.“

    Gemäß der aktuellen Definition der Bundeswehr ist eine solche „implizite“ Erweiterung eindeutig ausgeschlossen.

  10. @Zimdarsen sagt:17.06.2019 um 17:42 Uhr

    Das mit der Kennzeichnung von nicht aktiven Soldaten wollen Sie unbedingt, oder? Mir ist bisher eine solche Diskussion in der aktiven Truppe nicht zugetragen worden. Aber die Begründung des Ministeriums und der Ministerin für die Abschaffung der Kordel war eben jene, das es keinen sichtbaren Unterschied mehr geben soll. Wurde auch schon mehrfach erklärt. Punkt.
    Ob Ihnen oder einigen anderen Kameraden das gefällt oder nicht, oder in China fällt der berühmte Sack Reis um, ist völlig wurscht. So ist die Weisungslage.

  11. @Pio-Fritz

    Sie verwechseln zwei Vorgänge, der eine ist, was das BMVg will und das andere sind persönliche Meinungen oder Zwänge. Für die Einführung der Kordel gab es einen Grund. Nun gibt es viele Poitionen und Vorschriften des BMVg welche hier im Blog kritisiert werden und das ist gut so. Nach den ersten VVO Vorfällen werden wir dazu bestimmt einen Thread haben, jetzt haben wir ihn nicht und ich brauche sie für nichts zu überzeugen.

    In diesem Thread kommen wir weiter, wenn wir uns über die zukünftigen Möglichkeiten der Anerkennung für Veteranen unterhalten.

  12. Ich glaube, das passt hier auch mit rein…

    Ich hatte ja-auf Grund der Entwicklung der letzten Jahre-und aus „Frust“ über die immergleichen leeren Versprechungen von Seiten des Verteidigungsministeriums meine Medaillen und Urkunden an das BMVg zurückgesandt.

    Mittlerweile kam tatsächlich ein (bzw. zwei) Schreiben zurück:

    Das erste war eine Aufforderung, eine formelle Eingabe zu tätigen-wobei ich in meinem Anschreiben ausdrücklich formuliert hatte, das ich KEINE Eingabe/Beschwerde tätigen will, sondern nur auf viele Mißstände aufmerksam machen möchte.
    Dies wurde absolut ignoriert bzw. nicht gelesen, und darauf ging man in dem Schreiben auch gar nicht ein.

    Das zweite war ein recht formloses Schreiben nach dem Motto „Ich habe die Eintragung ihrer Urkunden und Medaillen aus unserem Register gelöscht“.

    Insgesamt kam es zu keiner Nachfrage, zu keinem bisschen „Erkenntnis“, das hier der Frust eines ehemaligen Soldaten stellvertretend für viele andere zur Kenntnis genommen wurde…

    Vermutlich bin ich also der Einzige, der so denkt und fühlt…..dann sei es halt so….

  13. Eine Auszeichnung die jeder bekommt egal unter welchen Umständen er zu der Ehre gekommen ist, hat keinen wirklichen Wert. Überall in der Welt wird bei Veteranen von Soldaten gesprochen, welche in militärischen Missionen gedient haben (wie auch immer diese ausgesehen haben). Wenn also jemand dieses „Jedermann-Abzeichen“ haben will, so soll er Freude daran haben. Ich werde mit meinen 645 Einsatztagen darauf verzichten es zu beantragen. Die Art der Vergabe erinnert mich an die heute gängige Praxis „Niemand soll ausgegrenzt werden“ . Eine Praxis in der Kinder in der Schule schon einen Pokal bekommen einfach nur weil sie es geschafft haben sich von Ihren Eltern zum Sportplatz fahren zu lassen.

  14. Daß ich ehemaliger Berufssoldat bin, weiß ich. Nun bin ich also auch amtlich anerkannter Veteran der Bundeswehr, na toll.
    Wird sich die Anerkennung oder besser Nicht-Wahrnehmung der Bundeswehr und ihrer ehemaligen Soldaten durch die Öffentlichkeit meiner und unserer zivilen ungedienten Mitbürger durch die amtliche Zuerkennung des Status „Veteran“ nebst Abzeichen dadurch in irgendeiner Weise – sogar positiv? – verändern?
    Ich sehe es mal optimistisch und sage für den Augenblick: Ruhe bewahren und abwarten …

  15. @Marijan Misetic sagt:18.06.2019 um 10:10 Uhr

    Die Bundesregierung hat sich nun mal für die anglo-amerikanischen Begriffsdefinition von Veteran entschieden. Und dort zählt es eben, seinem Land gedient zu haben.
    Wenn alle, die berechtigt sind, diese Auszeichnung herabwürdigen, dann wird sie auch keine Außenwirkung entfalten. Wenn wir als Ehemalige, Reservisten und Aktive nicht Stolz sind auf unsere Leistungen, ja, wer soll denn dann Stolz auf uns sein? Wenn wir als Soldaten nicht die Initialzündung geben, dann wird es auch keine Änderung in der gesellschaftlichen Wahrnehmung geben. Von daher finde ich das Abzeichen gut, auch die Einschränkung, es nur zivil zu tragen. Ich habe auch kein Problem damit, das der Wehrpflichtige von 1975 dieses genau so bekommt wie ich mit meinen Auslandseinsätzen als Zeitsoldat. Wir haben alle unser Scherflein zum Frieden beigetragen.
    Diese egoistischen Betrachtungsweisen „Ich habe aber viel mehr geleistet als…“ bringen uns nicht weiter und stärken auch kein Gemeinschafts-, Zugehörigkeits- oder Anerkennungsgefühl.

  16. Ich halte es für zutiefst unkameradschaftlich wie hier ehem. Einsatzsoldaten ihren Kameraden den Status ehemaliger Soldat als Veteran ansprechen.
    Das grenzt an Ehrabschneidung durch die eigenen Kameraden!
    Die Teilnahme an manchen Übungen, einsatzgleiche Verpflichtungen, Dauereinsatzaufgaben im Inland
    und Mission ist u.U. herausfordender als die Teilnahme an bestimmten mandatierter Einsätzen.
    Für ehemalige Soldaten aus Kampfeinsätzen gibt es genüg Blech und die Möglichkeit sich als Einsatzveteran zu bezeichnen. Aber evtl genügt diesen Kameraden dann diese Definition auch nicht, mann muss evtl schon getötet haben oder aber getroffen worden sein ……..so ein einfacher Sani der einen ggf rettet ist dann eher kein Einsatzveteran.

    Der Begriff ist für das BMVg definiert und wer Anerkennung für den Dienst in der Bw möchte sollte die Anerkennung seinen Kameraden nicht absprechen.

  17. Unnütze Symbolpolitik ohne jeglichen Wert.
    Somit ist die Einführung von diesem Abzeichen genau auf der Linie sonstiger Entscheidungen.
    Mir kann es gestohlen bleiben.
    Wenn es jeder hat ist es nichts wert: Punkt.

  18. @huey:
    Nein, sie sind nicht der Einzige, der unzufrieden ist. Sieht man hier auf augengeradeaus und an vielen anderen Orten im WWW oder auch im Gespräch mit anderen Soldaten, daß wirklich niemand die Situation für gut hält. In der breiten Bevölkerung wird die Bundeswehr ganz zu Recht nur noch als schlechter Witz wahrgenommen. Und die Zivilisten ohne Kontakt zur Bundeswehr kennen nur die Spitze des Eisbergs in Form aufgebauschter Skandale und Skandälchen.

    Ihre Aktion in allen Ehren, Ich kann sie nachvollziehen. Das Problem dürfte sein, daß im BmVg keine Stelle für die formelle Rückgabe von Lametta besteht. Die wissen einfach nicht, was sie damit tun sollen. Dafür gibt es keinen geregelten Vorgang. Privat als Individuen werden die damit befassten Beamten diese Aktion vermutlich nachvollziehen können, aber für solche Vorkommnisse gibt es keinen vorgeschriebenen Meldeweg und Verwaltungsvorschrift. Also kann ihre Aktion gar nicht wie beabsichtigt registriert werden, und verpufft. Leider. :-( Im derzeitigen Zustand und nach all den Jahren der Versprechungen von Änderung und Verbesserung udn Reform muss Ich konstatieren, daß das BmVg unfähig zur Reform ist. Einfach gemessen an den Resultaten.

  19. Zimdarsen sagt:
    18.06.2019 um 13:13 Uhr
    „Gut gebrüllt, Löwe“ … ich bin nun seid 10 Jahren a.D. und erinnere mich noch gut, was auf dem „Dienstausweis“ stand, den ich im Zuge der Pensionierung bekam: „Ausweis für Versorgungsempfänger“ ohne Dienstgrad und Unterschrieben von dem Beamten der für die Versorgungsbezüge zuständig war.
    Ich war als aktiver Soldat nicht in einem Einsatz, so wie es hier einige definieren. Allerdings war ich, weltweit unterwegs für die Bundeswehr und die DEU Regierung. Mich jetzt als Veteran der Bundeswehr bezeichnen zu dürfen, empfinde ich als angenehmer, als mich als Versorgungsempfänger zu titulieren.
    Ich habe das Abzeichen auch beantragt; denn ich denke, es kann dazu beitragen, in gewissen Kreisen, Gespräche in eine bestimmte Richtung zu führen.

  20. Eine Notiz noch am Rande zur Diskussion um die Definition des Begriffes „Veteran“:

    Ja-eine Medaille, die „jeder“ bekommt, nur weil er „da war“, ist nichts wert.

    So dachte ich auch-und denke zumindest teilweise immer noch so-es sollte dafür keine „Medaille“ geben (müssen).

    Nichtsdestotrotz hat JEDER, der die Uniform angezogen und seine Grundausbildung abgeschlossen hat, auch den Eid geleistet, sein eigenes Leben für dieses Land einzusetzen.

    Das diese „Leistung“ bei den meisten Menschen nicht „abgerufen werden“ musste (zum Glück, kann man nur sagen) schmälert an der BEREITSCHAFT dieser Menschen ja nichts…..

    Was ich mir WÜNSCHEN würde, wäre mehr Respekt (im Allgemeinen vor Einsatzkräften, im Speziellen auch für die Soldaten).

    In diesem Sinne ist für mich jeder ein Veteran, der „gedient“ hat.
    Und dafür (für die Bereitschaft, im Ernstfall sein eigenes Leben zum Schutz meiner Familie zu riskieren) gebührt den Veteranen mein Dank-und mein Respekt.

    Gleiches gilt übrigens auch für Feuerwehrleute……

    (Das Frau von der Leyen von diesem „Drama“ nichts mitbekommt (und vielleicht auch gar nicht mitbekommen will), ist eine andere Geschichte.)

  21. @Ausbilder

    Mit anderen Worten der Dienst der Wehrpflichtigen u.a. im kalten Krieg usw. war genauso wertlos?
    Falsche Aussagen sind keine Argumente

  22. @huey

    Nur um das klarzustellen, vor 26 Jahren haben Wehrpflichtige gelobt aber keinen Eid geleistet IIRC.

  23. Ich habe als Wehrpflichtiger im kalten Krieg gedient. Wenn heute Soldaten Schwierigkeiten haben, dass ich mich jetzt offensichtlich formal als Veteran bezeichnen darf, dann ist das halt so. Mir ist das ziemlich egal. Ich werde den Teufel tun und es machen. Damit kommen wir langsam zum Punkt auf den ich hinaus will. Es wurde gefragt warum Ehemaligenbelange im öffentlichen Diskurs nicht präsent sind. Warum unterstützt die Befölkerung die Bundeswehr kaum?

    Meiner Meinung nach ist ein wichtiger Grund die frühere Wehrpflicht.

    Generationen Wehrpflichtiger waren nur froh, wenn sie raus waren und das „Erlebnis Bund“ für immer hinter sich lassen konnten. Man beginnt sofort zu verdrängen und will sich nie wieder mit der Bundeswehr befassen müssen. Für Leute wie mich war der Dienst wertlos. Es ist ein einfacher Mechanismus. Wer großflächig den guten Willen der Bürger über Jahrzehnte im direkten Umgang verbrannt hat, kann nicht mehr auf ihn zählen wenn er ihn benötigt. Spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Die Bundeswehr wird heute noch davon eingeholt, wie für viele Wehrpflichtige damals Anspruch („Bürger in Uniform“) und Realität auseinander klafften.

    Ob ein Veteranenabzeichen daran was ändert? Für mich sicher nicht.

    @huey: Nebenbei, ich habe keinen Eid geleistet, ich habe etwas gelobt. Ich weiß nicht einmal mehr was.

  24. @Zimdarsen sagt: 18.06.2019 um 13:13 Uhr
    „Ich halte es für zutiefst unkameradschaftlich wie hier ehem. Einsatzsoldaten ihren Kameraden den Status ehemaliger Soldat als Veteran ansprechen.
    Das grenzt an Ehrabschneidung durch die eigenen Kameraden!“

    Das sehe ich nicht so. Gleiches muss im Maße der Vergleichbarkeit behandelt werden, ungleiches darf es im Maße der Ungleichheit.

    Ich halte es für absolut legitim von Seiten der Betroffenen und von geneigter Seite die aktuelle Definition zu kritisieren. Nicht nur hier im Blog wurde ja die Sinnhaftigkeit und die Stringenz der Entscheidung der aktuellen BM’in hinterfragt.

    Wenn Sie mich fragen, dann hätte wären zwei Definitionen denkbar/vertretbar gewesen: Einsatzveteranen (Definition TdM) oder Dienstzeitveteranen (ggf. mit Einschränkung „…mindestens X Monate“).

    Die aktuelle Definition (jeder, auch aktive vom ersten Tag an!) halte ich für bizarr.

    @huey sagt: 18.06.2019 um 16:29 Uhr
    „Ja-eine Medaille, die „jeder“ bekommt, nur weil er „da war“, ist nichts wert.“

    Naja, es ist ja keine Medaille (sondern ein Ansteckpin) und auch keine Auszeichnung im engeren Sinne.

    Es ist ja eher ein „Erkennungs- und Solidarisierungszeichen“.

    Ich kritisiere nun ja die aktuelle Definition auch (s.o.), aber wenn man sich mal von der Frage der Sinnhaftigkeit der Begriffsdefnition trennt, dann ist ein „Erkennungszeichen“ und „Bekenntniszeichen“ jetzt nicht ganz abwegig.

    Das war ursprünglich ja nicht das Ziel des Abzeichens, als es noch einen exklusiveren Charakter hatte, aber so umgewidmet kann man diesem Abzeichen vielleicht ja doch etwas abgewinnen ;)

  25. @Koffer sagt: 17.06.2019 um 18:24 Uhr

    „Die Veteranenzahl in Deutschland ist sogar noch höher. Es gibt auch noch eine gute Anzahl Bundesbürger „Gedient außerhalb der Bundeswehr“, aka ehemalige NVA-Angehörige.“

    Gemäß der aktuellen Definition der Bundeswehr ist eine solche „implizite“ Erweiterung eindeutig ausgeschlossen.

    Ich weiß. Das hat wohl seine Wurzeln im 2+4 Vertrag. Ist mir aber völlig Wurscht, daß ich kein „Bundeswehrverteran“ bin oder kein sonstwie „amtlich offizieller“ Veteran.
    Seit mir die amerikanischen Kameraden – aktive und ausgeschiedene, sogar ein Lt.Col (ret.) des USMC, vor Jahren erklärt haben, daß ich für sie ein Veteran bin, auch wenn wir im Kalten Krieg Gegner waren, ist die Frage für mich entschieden: Ehrenvoll gedient, ehrenvoll entlassen – ich bin ein Veteran.

  26. @Koffer

    Wenn es keine spezifischen Medaillen für Einsätze und Gefechte gäbe könnte ich das vielleicht möglicherweise nachvollziehen, gibt es aber und damit sehe ich die Klagen als ziemlich haltlos an.

    Man hätte vielleicht den Pin für Einsatzveteranen noch mit einem E auszeichnen sollen oder G für Gefechtsveteranen aber ehrlich gesagt glaube ich das nicht.

  27. @Mitleser sagt: 18.06.2019 um 22:02 Uhr
    „Ich weiß. Das hat wohl seine Wurzeln im 2+4 Vertrag. Ist mir aber völlig Wurscht, daß ich kein „Bundeswehrverteran“ bin oder kein sonstwie „amtlich offizieller“ Veteran.“

    Nein, das hat seinen Wurzeln in der Tatsache, dass jeder Dienst in SK als der in der Bw nicht als Dienst in SK der Bundesrepublik Deutschland anerkannt wird. Das hat formale Gründe (Versorgungsrecht), das hat aber auch inhaltliche Gründe (DDR=Unrechtsstaat und so).

    @ThoDan sagt: 19.06.2019 um 0:00 Uhr
    „Man hätte vielleicht den Pin für Einsatzveteranen noch mit einem E auszeichnen sollen oder G für Gefechtsveteranen aber ehrlich gesagt glaube ich das nicht.“

    Hätte man. Vielleicht keine schlechte Idee. Ich fände das gut. Aber man kann das sicherlich auch anders sehen.

    Vor allem aber hätte man den Pin (und den Status Veteran) an eine Mindestdienstzeit (7 Monate, weil erfolgreicher Abschluss Wehrdienst) binden müssen und nur auf Ehemalige begrenzen dürfen.

  28. @ ThoDan
    Wie sie sich oder jeder aktive oder ehemalige Kamerad titulieren ist mir egal.
    Wegen mir können sie sich gerne als Veteran bezeichnen.
    Ich habe meine Meinung geäußert.
    Also bis hier hin alles gut.
    Aber mir falsche Argumente vor zu werfen ist sehr witzig, da ich gar keine dargeboten habe.
    Ist das ein Satzbaustein den sie immer so verwenden?

  29. @
    @Koffer sagt: 19.06.2019 um 7:33 Uhr

    @Mitleser sagt: 18.06.2019 um 22:02 Uhr
    „Ich weiß. Das hat wohl seine Wurzeln im 2+4 Vertrag. Ist mir aber völlig Wurscht, daß ich kein „Bundeswehrverteran“ bin oder kein sonstwie „amtlich offizieller“ Veteran.“

    Nein, das hat seinen Wurzeln in der Tatsache, dass jeder Dienst in SK als der in der Bw nicht als Dienst in SK der Bundesrepublik Deutschland anerkannt wird. Das hat formale Gründe (Versorgungsrecht), das hat aber auch inhaltliche Gründe (DDR=Unrechtsstaat und so).

    Die Bundeswehr hatte weiland keine Berührungsängste, 6.000 Offiziere und 11.200 Unteroffiziere der NVA zu übernehmen, unter Anerkennung ihrer in der NVA erreicht Dienstgrade (bei den Offizieren mit einer gewissen Rückstufung):

    https://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/start/streitkraefte/grundlagen/geschichte/einheit/!ut/p/z1/hY_NjoJAEISfxQPX6V4MyO4NL_6EGBONwlxMKy2MjgwZRvTxHeOeNmvsW1VXvlSBhBxkQ72qyCnTkPa6kPFunGTrLPwOwyhOEGdf6-V0No9CnMSw_RSQ_o1vLkVYlQyFZ4zeMhIfAgnyRD3dRWus0-wEHZ4NoaipKTUvzSF9GXOQlTb7V_W02Q-TCqTlI1u24mq9XTvXdj8BBliyuKmzarlUJIytAnzKABe_63m3Mfrckb0w_4erTecg_0uB9pLfcBjpPksHD1IZHIg!/dz/d5/L2dBISEvZ0FBIS9nQSEh/#Z7_B8LTL292256800I1TPHIJ52080

    [Herr Wiegold, wir hatten doch im alten Design irgendwo einen Linkverkürzer. Vielleicht könnten Sie den noch mal ins aktuelle FAQ einfügen?]

    Daß man als Ex-NVA-Angehöriger seinen Dienstgrad nicht als „a.D.“ führen darf, ist explizit im 2+4-Vertrag festgeschrieben. Es gab anno 2005 im Bundestag einen Vorstoß, das „a.D.“ zu erlauben, der aber an SPD und Grünen scheiterte.

    Wie gesagt, ist mir persönlich egal. Wie hier von anderen Foristen aber bereits angemerkt wurde, und worauf ich hinweisen möchte, ist, daß auch Ex-NVA-Angehörige sich mit Recht als Veteranen fühlen und betrachten und auch als solche von unseren ausländischen Kameraden angesehen werden. Ganz ohne offizielle Bestallung durch das BmVG. Wir sind es halt, und wir sind ebenso Teil des deutschen Volkes.

  30. @Mitleser sagt: 19.06.2019 um 10:13 Uhr
    1. Selbstverständlich hatte die Bw bei Übernahme immense Vorsicht walten lassen. Neben deutlichen Rückstufungen im Dienstgrad wurde auch eine intensive Evaluierung der Bewerber vorgenommen und eine zweijährige Probezeit vorgegeben.

    2. Beleg für die 2+4 These??

    3. Natürlich können Sie sich als Veteran der NVA bezeichnen. Wenn das etwas ist, auf das sie stolz sind. Bitte…

    Da die NVA mit der Bw aber nix zu tun hat, spielt das im hier einschlägigen Thema (Veteran in und für die Bundesrepublik Deutschland) keine Rolle.

  31. @|Ausbilder

    Entschuldigung, ich hatte sie missverstanden – aber ich bitte Sie es zu unterlassen mich als ehemaligen Kameraden zu bezeichnen – das Recht steht ihnen nicht zu.

  32. @Koffer sagt: 19.06.2019 um 22:31 Uhr

    ad 2: Korrektur:
    Steht im Einigungsvertrag.
    dip.bundestag.de/btd/15/049/1504949.pdf Beschlussempfehlung und Bericht des Verteidigungsausschusses

    ad 3:
    Jetzt werden Sie mal nicht ausfallend.

    Viele DDR-Bürger sind sich des feinen Unterschiedes zwischen „Heimatland“ und „Staatsmacht“ sehr wohl bewußt gewesen und haben sich trotz Wehrpflicht nicht für die Belange der Regierungsmacht einspannen lassen. Die NVA-Führung hat sich 1989 aktiv geweigert, auf die deutsche Bevölkerung schießen zu lassen, was im Rahmen des aktuellen Traditionserlasses ausdrücklich gewürdigt wurde.

    Ich bin durch meinen Dienst in den Streitkräften ein deutscher Veteran. Stolz bin ich darauf, meinem Land, meiner Heimat, Deutschland gedient und es geschützt zu haben. So wie andere Gediente aus der ehemaligen DDR auch. Einen Traditionserlaß oder eine offizielle Anerkennung braucht es dafür nicht. Selbstredend sind wir keine BW-Veteranen. Beim Zustand der BW wäre mir eine derartige Zuschreibung womöglich sogar peinlich. Aber gedient ist gedient, und Veteran ist Veteran. Darauf kann man stolz sein, auch wenn die Umstände durch die deutsche Teilung andere waren.

  33. @Mitleser

    Koffer „streitet“ seit ca. 2012 in Foren darüber, das ehem. deutsche Soldaten der NVA nix mit der Bundeswehr zu tun haben, keine Traditionen begründen können und nun eben kein Veteran sein können. Ich bin es leid darüber mit ihm zu streiten. Mich verwundert, dass die Bundeswehr immer davon spricht, zu ihrer Tradition und Leistung zähle auch, Armee der Einheit gewesen zu sein. Tausende übernommene NVA Soldaten in die Bundeswehr zeugen davon. Zur Bundeswehr zählt jeder Reservist der Bundeswehr schon immer. Zur NVA gehörten auch ihre Reservisten. Wenn also eine Armee der Einheit beschworen wird, was ist dann mit den Reservisten der NVA? Bis in die 80Jahre wurden wohl Ritterkreuzträger der ehemaligen deutschen Wehrmacht bei Bundeswehrveranstaltungen geduldet und teilweise hoch angesehen. Naja.

    Ich habe meinen NVA Reservistenorden im Schrank und bin heute beorderter Reservist der Bundeswehr. In meiner Kompanie übrigens der Einzige mit 2 Marken am Hals. Gedient in 2 deutschen Armeen. Veteran? Nenn mich wie Du willst.

  34. Nicht zwangsläufig ein Vorbild, aber durchaus ein Beispiel wie andere Nationen den Veteranengedanken handhaben.
    NLD Veteranen bekommen eigenen Dienstanzug, zu tragen bei dienstlichen Anlässen. NLD Reservistenverband und Ministerium sind in Abstimmung über den Schnitt. Zweck ist, Veteranen Anerkennung und Wertschätzung zukommen zu lassen.
    https://www.defensie.nl/actueel/nieuws/2019/06/20/eigen-uniform-voor-veteranen?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter

  35. @Mitleser sagt: 20.06.2019 um 14:32 Uhr
    „ad 2: Korrektur:
    Steht im Einigungsvertrag.“

    Zustimmung. Da gehört es ja auch hin.

    „ad 3:
    Jetzt werden Sie mal nicht ausfallend.“

    Würde ich nicht. Wenn sie auf Ihren Dienst für die DDR stolz sind und sich deswegen als Veteran der NVA betrachten. Bitte. Gerne.

  36. @mitleser
    Bei dieser Diskussion handelt es sich um den Begriff „Veteran der Bundeswehr“! Wer nicht in der Bundeswehr als ihr Soldat Dienst geleistet hat, kann per definitionem nicht „Veteran der Bundeswehr“ sein, egal in welchen Streitkräften er gedient hat. Daher sind auch die sogenannten Weiterverwender der NVA keine Veteranen der Bundeswehr, den sie wurden nicht Soldaten der Bundeswehr! Ich kenne die intensiven Bemühungen ehemaliger Soldaten der NVA, unbedingt ihren Dienstgrad mit dem Zusatz a.D. führen zu dürfen, dies ist ihnen bisher zum Glück zu Recht versagt worden. Nun versucht man es also auf dem Umweg über den Veteranenbegriff. Auch dies ist eine Sackgasse!
    Im übrigen sind auch Soldaten der ehemaligen Wehrmacht ja keine Veteranen der Bundes-wehr!
    Sie werden das Argument bzw. die Frage kennen, wie denn wohl DDR und NVA mit den Soldaten der Bundeswehr und ihren Reservisten in dem Fall umgegangen wäre, daß die Geschichte „andersherum“ verlaufen wäre. Das mag Ihnen abgeschmackt vorkommen, ist aber dennoch hilfreich bei Beurteilung der Frage, wer nun von dem weit gefassten Veteranenbegriff der Bundeswehr inkludiert ist und wer eben nicht.

  37. @Obristlieutenant
    „Sie werden das Argument bzw. die Frage kennen, wie denn wohl DDR und NVA mit den Soldaten der Bundeswehr und ihren Reservisten in dem Fall umgegangen wäre, daß die Geschichte „andersherum“ verlaufen wäre.“

    – Vorab, ich bin nicht in der DDR groß geworden, habe dort nie gelebt.
    – Ihre obige Frage ist in meinen Augen ziemlich unsinnig. Soweit ich weiß, wurden keine Dokumente gefunden, die Rückschlüße darauf zuließen, wie die ehemalige NVA mit Soldaten der Bundeswehr umgegangen wäre, wenn es „andersherum“ verlaufen wäre. Daher ist Ihre Anmerkung mit dem „andersherum“ reine Spekulation.
    – Fakt ist: es gab einen Volksaufstand („Wir sind das Volk“) in der DDR und die Polizei sowie die NVA haben NICHT auf die eigene Bevölkerung geschoßen. Das läßt bereits darauf schließen, dass die Angehörigen der NVA eben nicht so aggressiv waren, wie immer behauptet wird. Ja, es gab „Mauerschützen“, aber Fakt ist auch: das Gebiet der ehemaligen DDR war durch die Sowjetunion besetzt. Wir im Westen hatten lediglich das Glück von den 3 Westmächten besetzt worden zu sein. Eine besondere Leistung, dass ich im Westen geboren wurde, war das für mich jedenfalls nicht, es war nur Glück.
    – Mit Ihrem Gedankengut müßten auch alle durch die Sowjetuinion besetzten, ehemaligen WP-Staaten ihren eigenen ehemaligen Soldaten die Wertschätzung für ihren Dienst während der Besatzungszeit verweigern. Nach meinem Wissen ist das nicht der Fall. In diesen Ländern wird akzeptiert, dass man gegen den Willen der Bevölkerung besetzt war und die Menschen -dazu gehörten auch Soldaten und Polizisten- mußten sich unter diesem Zwang ihr Leben so gut wie möglich einrichten.
    – Es ist in meinen Augen arrogant aus dem Westen heraus diese Besatzungszeit der ehemaligen DDR als etwas selbst „Verschuldetes“ der Bürger der DDR zu bewerten. Dass ein Aufstand gegen die Besatzung nur unter Lebensgefahr möglich war hatten die durch die Sowjetuinion besetzten Gebiete in den 50er und 60er Jahren schmerzlich erfahren. Wären Sie selbst Held geworden in so einem Umfeld?

    Unter dem Strich:
    – Es ist in meinen Augen schade, dass bei der Bewertung der gelungenen Wiedervereinigung nicht die positiven Aspekte des Verhaltens der ehemaligen NVA-Angehörigen hinreichend gewürdigt wurden. Die NVA hatte an der friedlichen Vereinigung einen großen Anteil.
    – Es ist auch schade, dass die NVA im Traditionsverständnis der wiedervereinigten deutschen Bundeswehr keine Rolle spielen darf. Das hilft niemanden, sondern führt zu unnötigen Brüchen in der Tradtionslinie der „Armee der Einheit“ und hilft vor Allem NICHT beim Zusammenwachsen dieser Armee. Das zeigt ja die Debatte hier.
    – Gerade in den ostdeutschen Kasernen der Bundeswehr sollten auch Exponate aus der Zeit der NVA ausgestellt werden dürfen. Die Geschichte hat so stattgefunden wie sie stattgefunden hat.

    @Mathias
    „Mich verwundert, dass die Bundeswehr immer davon spricht, zu ihrer Tradition und Leistung zähle auch, Armee der Einheit gewesen zu sein. Tausende übernommene NVA Soldaten in die Bundeswehr zeugen davon. “
    – Volle Zustimmung! Ohne die aktive Zuarbeit der ehemaligen Soldaten der NVA wäre die friedliche Integration der NVA in eine „Armee der Einheit“ im Osten nicht möglich gewesen. Im Vereingungsprozess der beiden Armeen waren Bundeswehrangehörige immer wieder überrascht wie kooperativ die Angehörigen der ehemaligen NVA mitspieleten. Eine wirkliche „Armee der Einheit“ hätte diesen Aspekt gewürdigt.

  38. @Mathias sagt: 20.06.2019 um 19:42 Uhr

    „Koffer „streitet“ seit ca. 2012 in Foren darüber“

    In welchen Foren? Ich bin in keinen Foren unterwegs…

    Ich widerspreche Gleichmacherei in den Kommentarspalten dieses Blogs (und wenn es notwendig wäre in den Kommentarspalten des Bendler-Bloggers).

    „Mich verwundert, dass die Bundeswehr immer davon spricht, zu ihrer Tradition und Leistung zähle auch, Armee der Einheit gewesen zu sein.“

    Armee der Einheit meint Abwicklung der NVA und erste Institution mit gesamt-deutschen Personalkörper (über die Wehrpflichtigen) und in geringem Masse Integration von „passendem“ Personal bei intensiver Prüfung von Mindset, Berufsverständnis und Akzeptanz von InFü und aktive Befürwortung der FDGO.

    Wichtig hierbei aber immer: Dienst in und für die (Bundesrepublik) Deutschland beginnt mit dem Dienst in der Bundeswehr. Für ostdeutsche Wehrpflichtige damit mit dem ersten Tag. Für ehemalige NVA Angehörige mit Übernahme in die Bundeswehr.

    Ehemalige NVA Soldaten können daher keine Veteranen der Bundeswehr und damit auch keine Veteranen der (Bundesrepublik) Deutschland sein.

    Wenn ein ehemaliger Angehöriger der französischen Fremdenlegion, der (sowjet-)russischen Roten Armee oder der NVA darauf stolz ist und sich als Veteran der Fremdenlegion, Veteran der Roten Armee oder Veteran der NVA bezeichnen will. Bitte. Gerne.

    Aber das hat nun mal definitorisch nichts mit dem Veteranenbegriff und dem Veteranenabzeichen der Streitkräfte der (Bundesrepublik) Deutschland zu tun.

    @Obristlieutenant sagt: 21.06.2019 um 11:40 Uhr

    +1

  39. @ Koffer sagt:
    21.06.2019 um 14:43 Uhr

    Ehemalige NVA Soldaten können daher keine Veteranen der Bundeswehr und damit auch keine Veteranen der (Bundesrepublik) Deutschland sein.

    Sicher keine Veteranen der Bundeswehr. Deutsche Veteranen sind sie schon. Außer Sie wollen uns erklären, daß die Ex-DDR-Bürger keine Deutschen sind.
    Den Unterschied zwischen „Veteran der Bundesrepublik Deutschland“ und „deutscher Veteran (Bundeswehr, NVA)“ bekommen Sie hoffentlich hin.

  40. @Koffer sagt: 21.06.2019 um 14:43 Uhr

    „…..„Koffer „streitet“ seit ca. 2012 in Foren darüber“

    In welchen Foren? Ich bin in keinen Foren unterwegs…“

    Koffer sagte am 21.2.2012 um 19:44 : Im Rahmen der Diskussion zum Veteranentag auf http://www.bendler-blog.de
    „Die NVA diente als klassenkamperische Organisation offen und offiziell d verbrecherischen, diktatorischen und die Freiheit der DDR-Bürger unterdrückendem System jemandem der in diesem System diente KANN von offizieller Seite kein ehrendes Andenken gewidmet werden.“

    Ich nehme auf Grund der Gleichartigkeit Ihrer Diskussionsbeiträge an, dass Sie hier wie dort den selben NickName verwenden und somit der Beitrag im bendler-blog von Ihnen stammt. Ist aber nur eine Mutmaßung.

    Grundsätzliches: Ich stimme Ihnen zu, dass das Veteranenabzeichen der Bundeswehr nur für in der Bundeswehr Gediente gilt. Ohne Abstriche.

    Ich nehme aber für mich in Anspruch, dass diese Diskussion hätte 1. viel eher geführt hätte werden müssen und 2. ohne die „Scheuklappen“ des kalten Krieges (Sieger/Besiegte) hätte stattfinden müssen. Was ist ein Veteran per Wortdefinition? Wie gehen wir in der Gesellschaft nach 1990 mit „Gedienten“ des kalten Krieges gesellschaftspolitisch um? Menschliche Dimension? Ich erlebe, das Veteranen der polnischen Armee in der NATO anerkannt sind, egal wann sie in der polnischen Armee gedient haben. Nachdenkenswert.

    Sie führen weiter aus: „…so kann doch der einzelne Soldat [Wehrmachtssoldate Anm.] sehr wohl Anrecht auf ein ehrendes Gedenken haben. Denn er diente nicht dem Bruderkrieg, sondern versuchte nur seinem Vaterland treu zu sein…“ Die Wehrmacht diente NICHT dem Bruderkrieg? Keine Unterdrückung des deutschen Volkes? Die Teilnahme der Wehrmacht an der Deportation und Ermordung deutscher Staatsbürger jüdischer Abstammung, von Sozialdemokraten und anderen politisch Andersdenkenden ist Ihnen bekannt? Diese Menschen waren keine „Brüder“?

    Mitleser hat einen interessanten Link „aufgemacht“ zur Beschlussempfehlung und Bericht des Verteidigungsausschusses vom 23.02.2005 (Thema war hier „Ehemaligen Soldaten der Nationalen Volksarmee das Führen ihrer früheren Dienstgrade erlauben“. Egal wie man dazu steht, interessant für mich war der Satz aus der Diskussion der Fraktion der Grünen. „Das Begehren des vorliegenden Antrags habe eine psychologische Dimension, womit man meine, dass die Integration dieser Personen in das System der Bundesrepublik Deutschland damit befördert werden könnte.“

    Ich bin kein Freund, von hätte, wenn und womöglich. Aber ich bin der Meinung, dass die Integration der Soldaten und vor allem ehemaligen Soldaten der NVA in die Bundeswehr(reserve), gesellschaftspolitisch der bessere Weg gewesen wäre. Dieser Gesichtspunkt der Deutschen Einheit beschäftigt heute noch. Nicht mehr viele, das gebe ich gern zu. Ansonsten kann ich Sie beglückwünschen, dass Sie (zufällig) NIE in einer Diktatur gelebt haben, bzw. froh sein müssen, diese überlebt zu haben. Und ich beglückwünsche Sie, NIE den Tag erlebt zu haben, an dem Sie feststellen mussten, dass Sie militärpolitisch benutzt worden zu sein.

    So, Horrido, Kamerad Koffer.

  41. @pete
    Sie haben am 21.06.2019 um 13:33 Uhr umfangreich auf meine Ausführungen vom gleichen Tag um 13:33 Uhr geantwortet.
    Ich greife im folgenden daraus nur die Punkte heraus, die im Zusammenhang mit der Veteranen-Definition der Bundeswehr aus meiner Sicht von Bedeutung sind.
    Sie schrieben:
    „Soweit ich weiß, wurden keine Dokumente gefunden, die Rückschlüsse darauf zuließen, wie die ehemalige NVA mit Soldaten der Bundeswehr umgegangen wäre, wenn es „andersherum“ verlaufen wäre. Daher ist Ihre Anmerkung mit dem „andersherum“ reine Spekulation.“
    Das ist zunächst so zutreffend. Sie übersehen dabei allerdings, daß man – trotz allen eifrigen Vernichtungs- und Löschaktionen von Dokumenten der NVA im Jahr 1990 – sehr wohl ausreichend „übersehene“ Dokumente gefunden hat, die die Angriffsabsichten von Warschauer Pakt und damit auch von NVA auf Westeuropa belegen, mit dem Ziel, auch Westeuropa dem kommunistischen Machtblock einzuverleiben. Auch wenn darin nicht von Einzelmaßnahmen gegen Soldaten der „kapitalistischen Mächte“ die Rede ist, so reicht ein Blick in die Geschichte der kommunistischen Regime der Welt um zu prognostizieren, was dann passiert wäre. Sie nennen es Spekulation, ich nenne es eine erfahrungsbasierte, zum Glück nicht realisierte Prognose.
    Weiter schrieben Sie:
    „Es ist in meinen Augen arrogant aus dem Westen heraus diese Besatzungszeit der ehemaligen DDR als etwas selbst „Verschuldetes“ der Bürger der DDR zu bewerten. Dass ein Aufstand gegen die Besatzung nur unter Lebensgefahr möglich war hatten die durch die Sowjetunion besetzten Gebiete in den 50er und 60er Jahren schmerzlich erfahren. Wären Sie selbst Held geworden in so einem Umfeld?“
    Ob ich ein Held geworden wäre, ich weiß es nicht. Vermutlich nicht, aber es ist ja auch niemand verpflichtet ein Held zu sein oder zu werden. Ich habe mir diese Frage allerdings im Rahmen meiner Beschäftigung mit dem II. Weltkrieg und dem Militärischen Widerstand sehr intensiv immer wieder gestellt. Danach kann ich für mich sagen, ich weiß nicht was ich im II. Weltkrieg als Stabsoffizier getan hätte, ich kann nur sagen was ich hoffe nicht getan zu haben.
    Was die verblichene NVA angeht muß man außerdem und vor allem sorgfältig zwischen zwei Gruppen unterscheiden: den als Wehrpflichtigen Eingezogenen und den durchaus freiwillig Längerdienenden. Um sich in der DDR dem Wehrdienst mit der Waffe als Bausoldat zu entziehen, bedurfte es durchaus des Heldenmuts. Und diejenigen, die das auf sich genommen haben, genießen daher meinen hohen Respekt. Ehemalige Bausoldaten werden allerdings kaum Wert auf eine Anerkennung als Veteran der Bundeswehr legen. Ähnliches gilt für diejenigen, die ihren Dienst als Wehrpflichtige in der NVA geleistet haben. Diejenigen aber, die freiwillig als Unteroffiziere, Fähnriche und Offiziere in der NVA Dienst geleistet haben, waren Stützen des Systems, zum großen Teil Mitglieder der sich SED nennenden kommunisti-schen Partei und damit Garanten eines Systems, daß die Angriffspläne des Warschauer Paktes auf das demokratische Westeuropa angeordnet und gebilligt hat. Niemand mußte längerdie-nender Unteroffizier, Fähnrich oder Offiziere der NVA werden, wer dies aus welchen Grün-den auch immer tat, muß es sich heute vorhalten lassen. Grade dieser Personenkreis ist es nun aber, der furchtbar gerne die NVA-Dienstgrade mit dem Zusatz a.D. führen und nun auch Veteran der Bundeswehr sein möchte. Und dazu sage ich: Nein!
    Schließlich schrieben Sie:
    „Es ist auch schade, dass die NVA im Traditionsverständnis der wiedervereinigten deutschen Bundeswehr keine Rolle spielen darf. Das hilft niemanden, sondern führt zu unnötigen Brü-chen in der Tradtionslinie der „Armee der Einheit“ und hilft vor Allem NICHT beim Zusam-menwachsen dieser Armee.“
    Nein, dies ist nicht schade, sondern richtig, genauso richtig wie es ist, daß es keine Traditionslinie der Wehrmacht zur Bundeswehr gibt. Es ging und geht auch nicht um das „Zusammenwachsen dieser Armee“, die NVA hat am 3. Oktober um 00:00 Uhr aufgehört zu existieren, da gab es also nicht mehr zusammenzuwachsen! Sondern es ging um die Abwicklung der NVA und es ging um die Integration derjenigen Soldaten dieses Machtinstruments der kom-munistischen Partei der DDR in die Bundeswehr, die Parlamentsarmee des demokratischen Rechtsstaats Bundesrepublik Deutschland, die das wollten und die nach Überprüfung dafür geeignet waren. Diese Soldaten sind Veteranen der Bundeswehr, alle anderen nicht!

  42. @Obristlieutenant
    – Vielen Dank für die umfangreiche Antwort. Ich will garnicht auf Details eingehen, sondern schlicht den Kern meiner Argumentation noch einmal klarstellen:

    – Ja, die DDR war eine Diktatur. Sie war aber genauso wie bei den anderen WP-Staaten eine von der Sowjetunion aufgezwungene Diktatur. Es war eine Besatzung, Aufstände wurden mit Gewalt in den 50er und 60er Jahren niedergeschlagen. Angesichts dessen müssen Menschen sich „arrangieren“, um zu überleben und ihre Familien zu ernähren und aufzuziehen. Menschen werden in einem solchen System Polizist, Richter, Staatsanwalt, Journalist, Lehrer, Erzieherin, Pfarrer, Rechtsanwalt und auch Soldat. Ich könnte noch viele weitere Berufe aufzählen, in denen „Systemtreue“ verlangt wurde. Das „System“ durchdrang eben Alles. Auch viele der Politiker, die nach der Wiedervereinigung zum Teil in höchste Positionen kamen, hatten sich mit „dem System“ politisch arrangiert. Was sollten sie auch anders machen? Die wurden aber in der Regel – bis auf ganz wenige Ausnahmen- auch in das System BRD integriert. Und das ist auch gut so.
    – Sie sollten einen weiteren Aspekt nicht vergessen: die Menschen in der DDR hatten nicht die Möglichkeiten, sich umfassend zu informieren, die Welt zu bereisen und sich ihr eigenes Urteil zu bilden. Irgendwann glaubt man eben auch an Propaganda, wenn es nur lange genug auf einen einprasselt.
    – Und wissen was? Querdenken gegen den „Mainstream“ ist auch in der heutigen Bundesrepublik Deutschland nicht immer einfach und auch nicht unbedingt stark ausgeprägt. Manch einer macht auch in der BRD nur deswegen bei fragwürdigen Entscheidungen mit, weil er/sie seine/ihre Karriere nicht gefährden möchte, obwohl die negativen Konsequenzen erheblich geringer wären als in der ehemaligen DDR.
    – Um nur ein kleines Beispiel zu nennen: obwohl es eine Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages gibt, welche die rechtliche Zulässigkeit des Einsatzes der Bundeswehr in Syrien zumindest als fragwürdig bezeichnet, gibt es nur ganz Wenige in Politik, Medien und den staatlichen Organisationen, die diesen Sachverhalt öffentlich debattieren möchten. Vielmehr einer Debatte verlegen ausgewichen. Wäre aber doch eigentlich ganz wichtig für eine Armee, die sich darauf verlassen können muss, dass sie nur im Einklnag mit dem geltenden Recht eingesetzt wird, oder? Ich hatte bereits in einem anderen Post auch auf eine diesbezügliche Äußerung des ehemaligen Abteilungsleiter Recht des BMVg hingewiesen. Er stellte fest:
    Für die „…Beteiligung an einem Militäreinsatz in Syrien, wie ihn amerikanische, französische und britische Streitkräfte im April 2018 durchgeführt hätten, sei seien Verfassungsänderungen oder eine „Neuinterpretation der Verfassung“ nötig. Dies erfordere…eine „ehrliche, transparente politische Debatte“.
    https://www.lto.de/recht/presseschau/p/presseschau-2018-11-22-sami-a-rueckholung-un-migrationspakt-polen-zwangspensionierung/
    Fazit:
    – Wir sollten uns nicht einbilden, wir seien soviel besser als die ehemaligen DDR-Bürger, die lediglich das Pech hatten in einer Diktatur geboren worden zu sein.
    – Ich bin froh darüber, dass ich im Westen geboren wurde, habe aber keinen eigenen Verdienst daran. Und Sie kennen ja den berühmten Bibel-Spruch“…der werfe den ersten Stein…“

  43. @Pete 24.06.19, 12:49:

    Ich stimme ja nicht so oft mit Ihnen überein, hier aber danke ich für ihre Betrachtung die menschliche und geschichtliche Aspekte (wird sind nicht „das Ende der Geschichte“ und Inhaber der einzigen Wahrheit) mit einbezieht.

    (Wenn man seinen Argumentationsraum auf die formalen und legalistischen Aspekte begrenzt, wird man natürlich auch zu einem gegenteiligen Schluss kommen können, das bestreite ich nicht)

  44. @pete
    Vielen Dank für Ihre umfangreiche, nachdenkliche und zum Nachdenken anregende Antwort auf meine Ausführungen von heute um 11:09 Uhr.
    Ich denke wir sind in der Sache überhaupt nicht auseinander. Menschen in Diktaturen, seien das nun Kommunisten oder Nationalsozialisten oder Faschisten, müssen sich arrangieren, um unter diesen Bedingungen leben zu können. Das gilt auch für die Einwohner besetzter Länder, sei das im Krieg oder infolge eines Krieges wie im ehemaligen Ostblock. Auch an Süd-Vietnam wäre da übrigens zu denken.
    Die Informationsmöglichkeiten dieser Menschen sind durch die staatliche Propaganda und die Kontrolle der herrschenden Partei über alle Medien eingeschränkt und werden durch Staatssicherheitsapparate, die gerne überall Verrat wittern, noch weiter eingeschränkt.
    Zu den Ansinnen, denen man sich als normaler Mensch in Diktaturen zu fügen hat, gehört auch die Wehrpflicht, wenn es sie gibt. Wer mit diesen für uns Nach-Weltkriegs-Generation im Westen zu unserem Glück nie selbst erlebten Beschränkungen versucht, ein halbwegs normales Leben zu führen, dem ist überhaupt nichts vorzuwerfen.
    Wer sich allerdings entschlossen hat, in der Armee einer Diktatur – Schild und Schwert der Partei, wenn ich mich recht erinnere – als Zeit- oder Berufssoldat zu dienen, wird seine Gründe gehabt haben, aber er muß sich das nach dem Ende der Diktatur vorhalten lassen. Und er kann mit diesem Dienst und dieser Armee niemals traditionsstiftend für die Armee eines demokratischen Rechtsstaats sein.
    Und er wird nicht Veteran der Armee, die zu besiegen er sich als Soldat des Schilds und Schwerts einer kommunistischen Partei verpflichtet hatte – es sein denn, er hat nach Überprüfung tätige Reue als Soldat eben dieser Armee geleistet. Nur darum geht es mir.

    Hinsichtlich der Einsätze der Bundeswehr beklage ich wie Sie das trotz allen gegenteiligen Behauptungen offenkundige Desinteresse der Politiker jeder Couleur an den Streitkräften und ihren Einsätzen, ja die Feigheit, mit der sie Diskussionen ausweichen und es am liebsten den Soldaten selber überlassen, in der Öffentlichkeit die Notwendigkeit ihrer Existenz und ihrer Einsätze zu begründen.
    Das zieht sich nach meiner persönlichen Erinnerung seit den Nachrüstungsdebatte der frühen 80er Jahre durch all die Jahre durch.
    Auch armeeintern ist ein ähnliches Verhalten nicht ungewöhnlich. Dazu folgendes nunmehr 27 Jahre zurückliegendes persönliches Erlebnis:
    Ich habe im Frühjahr 1992 am Verwendungslehrgang Stabsdienst an der Führungsakademie der Bundeswehr teilgenommen. Unter den älteren Hauptleuten kam dabei die Frage auf, wie es denn sein könne, daß im Zweiten Golfkrieg 90/91 auch Kräfte der Bundeswehr außerhalb des Bündnisgebietes beteiligt waren, weil man uns doch immer erzählt habe, ein Bundeswehreinsatz sei nur zur Landesverteidigung und nur in ganz eng begrenzten Ausnahmefällen zu Bündnisverteidigung zulässig. Statt daß nun, wie von uns erwartet, der Kommandeur der Führungsakademie uns dies im Rahmen eines Vortrags mit Diskussion begründet hätte, hieß es von Seiten der Lehrstabsoffiziere nur „Das ist jetzt so, Schnauze! Wenn es Ihnen nicht passt, ziehen Sie die Uniform aus!“ …

  45. @ Obristlieutenant sagt: 24.06.2019 um 15:25 Uhr

    FYI:
    „Schild und Schwert der Partei“ war die Staatssicherheit, nicht die Armee. Mielkes Truppe. Die hatten auch ein eigenes Regiment: https://de.wikipedia.org/wiki/Wachregiment_%E2%80%9EFeliks_Dzierzynski%E2%80%9C

    Außerdem in jeder Kaserne ihre eigene Dienststelle, die „Verwaltung 2000“: https://de.wikipedia.org/wiki/Verwaltung_2000
    „Schild und Schwert der Partei“ in der NVA.

    Zur Mitgliedschaft in der SED sowie zur Arbeit als „Informeller Mitarbeiter“ der Stasi wurde bei der NVA niemand gezwungen. Es gab aber in Sachen SED-Mitgliedschaft durchaus eine starke Erwartungshaltung in Bezug auf die Berufsoffiziere. Ob man für die Stasi arbeitete, war eine rein persönliche Entscheidung. Ein Nein wurde akzeptiert. Sage ich aus persönlicher Erfahrung.

  46. Ok, ehe das vollständig vom Veteranen-zum DDR/NVA-Aufarbeitungsthread mutiert hier: Ich denke, an dieser Stelle ist dazu alles gesagt. Wer sich speziell darüber austauschen möchte, ist anderswo besser bedient.

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