Veteran auch ohne Einsatzmedaille

Verteidigungsminister Thomas de Maizière am 16. Januar beim Abschiedsappell der 10. Panzerdivision in Bad Reichenhall (Foto: Reservistenverband/Detlef Struckhof)

Der Begriff des Veteranen ist in Deutschland noch immer weitgehend mit den Soldaten des Zweiten Weltkriegs verknüpft – obwohl es nach rund 20 Jahren von Bundeswehr-Auslandseinsätzen deutsche Soldaten gibt, die nach ihren Auslandseinsätzen und -erfahrungen in anderen Ländern sofort als Veteranen angesehen würden. Die Debatte, was einen Veteranen ausmacht, steht in Deutschland noch am Anfang.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat am (gestrigen) 16. Januar beim Abschiedsappell von Soldaten der 10. Panzerdivision vor ihrem Afghanistan-Einsatz in Bad Reichenhall eine neue, präzisierte Definition des Begriffs Veteranen vorgelegt. Veteran ist, wer ehrenvoll aus dem aktiven Dienst der Bundeswehr entlassen worden ist und an mindestens einem Einsatz für humanitäre oder friedenserhaltene oder friedensschaffende Maßnahmen teilgenommen hat, sagte der Minister nach Angaben des Reservistenverbandes bei seiner Rede vor dem Appell.

Damit ist de Maizière ein Stück von seiner bisherigen Definition abgerückt, die er öffentlich zuletzt beim Jahresempfang des Wehrbeauftragten im vergangenen Jahr abgegeben hat: Veteran, hatte der Minister damals gesagt, seien ehemalige Soldaten mit Einsatzbezug – und den hatte er an der Einsatzmedaille festgemacht. Die allerdings setzt mindestens 30 Tage in einem Auslandseinsatz der Bundeswehr voraus, was manche Offiziere in NATO-Verwendung ebenso ausschließt wie zum Beispiel Ärzte, die weniger als die 30 Tage in einer bestimmten Mission eingesetzt werden.

(Die Rede des Ministers ist leider vom Ministerium – noch – nicht veröffentlicht worden; deshalb erstmal nur der erste Hinweis auf seine neue Definition nach einer Mitteilung des Reservistenverbandes.)

Nachtrag: Inzwischen hat das Ministerium den Text der Ministerrede veröffentlicht; die Passage zum Thema Veteranen im Wortlaut:

Einsätze zur Konfliktverhütung und Krisenbewältigung im internationalen Rahmen gehören zum Auftrag der Bundeswehr. Die Bundeswehr ist eine Armee für den Einsatz. Und sie ist schon seit vielen Jahren eine Armee im Einsatz.
Der Einsatz im Ausland bedeutet eine besondere Belastung und stellt besondere Anforderungen an die Soldaten und ihre Angehörigen. Es ist daher unsere Pflicht als Gesellschaft, diesen besonderen Dienst auch in besonderer Weise zu würdigen.
Längst gibt es auch Veteranen der Bundeswehr. In der Öffentlichkeit wird heute ganz selbstverständlich von „Veteranen“ gesprochen. Geht es um Einsatzrückkehrer der Bundeswehr ist ganz selbstverständlich von den „Afghanistan-Veteranen“ oder den „Balkan-Veteranen“ die Rede.
Veteran der Bundeswehr ist, wer ehrenhaft aus dem aktiven Dienst in der Bundeswehr ausgeschieden ist und als Angehöriger der Bundeswehr im Ausland an mindestens einem Einsatz oder einer besonderen Verwendung im Rahmen von humanitären, friedenserhaltenden oder friedensschaffenden Maßnahmen teilgenommen hat. Gleiches gilt für die Teilnahme an mindestens einer Ausbildungsmission der NATO oder der EU außerhalb des NATO- Bündnisgebietes. Schließlich halte ich mir die Möglichkeit offen, den Status eines Veteranen der Bundeswehr aktiv zuzuerkennen, sollte dies angemessen und geboten sein.

37 Kommentare zu „Veteran auch ohne Einsatzmedaille“

  • O. Punkt   |   17. Januar 2013 - 7:17

    Wann hört der Minister endlich auf, dieses tote Pferd zu reiten?

    Diese Pseudodebatte (sie wird ja wohl zu 98% nur in eine Richtung geführt) wird langsam quälend, so lange sie sich weiterhin im Kreis dreht.

  • Memoria   |   17. Januar 2013 - 11:55

    Veteranendiskussion – wo ist der Mehrwert?
    Die zum Einsatz angetretenen Soldaten müssen sich weiterhin mit ca. 500€ selbst einkleiden, um in Einsatzvorbereitung und Einsatz bestehen zu können und haben weiterhin eine sehr begrenzte Möglichkeiten zur Kommunikation nach Hause.

    Vielleicht sollte man als Minister die Zeit und Energie erstmal in diese Dinge legen, die wirkliche Probleme sind – und seit mehr als 10 Jahren nicht gelöst sind.

  • Heiko Kamann   |   17. Januar 2013 - 11:59

    Memoria | 17. Januar 2013 – 11:55
    Sorry, die Vorlage muss ich nehmen:

    “ Soldaten müssen sich weiterhin mit ca. 500€ selbst einkleiden“

    „weiterhin eine sehr begrenzte Möglichkeiten zur Kommunikation nach Hause“,
    Tja, das soll im Krieg vorkommen, aber es gibt ja die Feldpost (!) und die 500 Euronen sind doch nach einer Woche Einsatz „dicke“ wieder drin, oder?

  • Memoria   |   17. Januar 2013 - 12:13

    @Heiko Kamann:
    Kann man so sehen, aber dafür ist der AVZ nicht da.
    Wir können das ja gleich wie bei den Landsknechten machen:
    Jeder bekommt Geld – oder organisiert es sich – und rüstet sich damit aus (sorry die Vorlage muss ich nehmen).

    Das sind auch nur Beisiele, dass der Truppe an anderen Stellen der Schuh drückt als bei der Definition des Veteranenbegriffes. Daher empfinde ich das bei einem solchen Anlass für unpassend. Zumal er in der gleichen Rede auch zugibt, dass viele immer noch nicht wissen, wo sie bald eingeplant sind (er hatte das Gegenteil schon längst versprochen!).
    Und selbst wenn man es für den Überbau wichtig findet, dann bitte nicht Monate lang herumreden und unterschiedliche Definitionen ins Spiel bringen, sondern „denken, drücken, sprechen“.

  • Hoot   |   17. Januar 2013 - 12:56

    Ich sehe das wie Memoria und finde 500 € sogar noch recht tief gegriffen, wenn man bedenkt, was alles an Persönlicher Ausrüstung unzureichend ist oder einfach nur fehlt.
    Die Veteranendebatte ist nur Ablenkung von den wirklichen Problemen. Was hat den ein Soldat vom Veteranenstatus? Rein, gar nichts! Die ganze Diskussion dreht sich ja scheinbar auch fast nur um die Definition, daher ist es für mich noch totaler Quatsch.

  • Fred   |   17. Januar 2013 - 13:00

    Ich verstehe auch nicht warum man hier ueberhaupt eine Differnzierung schaffen muss.
    Am Ende gibts nur wieder eine Spaltung der Truppe, den einen echten Mehrwert hat der Titel Veteran eh nicht weder in der Gesellschaft noch in der BW.

  • Kommentator   |   17. Januar 2013 - 13:17

    Die Kritik in den Kommentaren ist natürlich verständlich. Vielleicht muss man die Veteranendiskussion aber auch im größeren Zusammenhang sehen. Statt als Ablenkungsmanöver – dem Minister ist auch klar das es operativ gesehen dringendere Aspekte gibt – könnte sie auch als Bestandteil der ministeriellen Bemühungen gewertet werden, das Thema Militär in der deutschen Gesellschaft weiter voranzutreiben. Sehr viele Missstände in der Bundeswehr rühren nämlich genau daher, dass dem Militär in Deutschland nach wie vor unzureichende Beachtung geschenkt wird. Wenn es gelingen würde u.a. durch die Veteranendiskussion, die so oft geforderte gesellschaftliche Debatte mitanzuregen und dadurch ein besseres Verständnis für die Einsatzrealitäten der Bundeswehr zu schaffen, könnten einige Defizite vielleicht langfristig einfacher abgestellt werden.

  • BausC   |   17. Januar 2013 - 13:18

    Der Minister und die gesamte Bundeswehr sollte sich einfach dieses Sprachgebrauches bedienen. Bei uns muss das nach ’45 erst einmal wieder wachsen. In den DEUTSCHEN Nachrichtensendungen wird z.B. von amerikanischen Golfkriegsveteranen gesprochen aber bezüglich der eigenen Truppen, kommt es nicht über die Lippen. Das Verhältnis zu den Streitkräften ist einfach vermurkst. Andere mögen sicherlich behaupten es wäre ganz richtig so. Was mir persönlich eindeutig fehlt, ja ich weiss es klingt abgedroschen, ist der Respekt gegenüber einem Mitmenschen der eine ehrenvolle Aufgabe erfüllt. Will sagen, wenn in meinem Umfeld ein Dachdecker vom Dach fällt, sage ich der Witwe nicht, er hätte ja gewußt worauf er sich einläßt und das Dachdecken gefährlich sein kann. Soldatenwitwen wird sowas regelmäßig um die Ohren gehauen.

  • FNU SNU   |   17. Januar 2013 - 13:55

    Die Veteranenbaustelle ist nicht der Schwerpunkt, auch die Bezeichnung nicht wichtig.
    Vielmehr geht es doch darum, wie der Dienstherr damit umgeht.
    Was nützt es, wenn ich mir auf meinem Schreibtisch ein Schild „Veteran“ hinstellen kann, aber mir das überhaupt nix nützt…
    DAS sind doch die Unterschiede zu USA, Kanada oder GB.
    Rabatte, besondere Konditionen etc.
    Mit dem DEU Truppenausweis bekommt man in den USA Rabatte noch und nöcher. Hier wird das eher negativ ausgelegt…

    Und zum Thema Bekleidung:

    An der UniBwM wurde von einigen Kameraden ein sehr ausführliches Bekleidungskonzept als Vorschlag erstellt:
    Für alle SaZ / BS wird analog zum Selbsteinkleider eine Summe X bereitgestellt und ein Ausstattungssoll vorgegeben.
    Und wer das erste mal in einen Tropen /Wüsten etc. Einsatz muss, bekommt dafür einmalig Zuschuss sowie im Einsatz erhöhte Abnutzungspauschale.

    Somit entfällt die gesamte Bürokratie, die bei einer Feldmütze ca. 50€ an Arbeitsaufwand bedeutet…

    Und dann kann die LH Bw oder wer auch immer die Ausrüstung bereitstellen und Angebot und Nachfrage (Qualität!!!) wird nach Marktüblichen Kriterien sich durchsetzen.
    Und der Soldat muss nicht zwangsläufig sein privates Geld investieren. Und wer gut auf seine Sachen aufpasst, hat auch mehr geld auf seinem Bekleidungskonto…

    Das ganze spart dann auch noch gut Personal ein bzw. entlastet die Vorgesetzten die dauernd Stellungnahmen schreiben müssen (hat Kameraden befragt, intensive Suche etc)…

    Kontiuierliches Verbesserungsprogramm Bw:
    Das Bekleidungswesen der Bw unterliget einem stetigen Wandel und Verbesserungen; da verschiedene Arbeitsgruppen eingesetzt sind, können Vorschläge in diesem Bereich weder umgesetzt, noch prämiert werden. Originalzitat von 2002.

    Und da wundert man sich, dass die Soldaten nicht „mitgenommen werden“….

    Was bringt denn eine Veteranendiskussion, wenn das kreative Potential der Mitarbeiter grundsätzlich abgebügelt wird?

  • Boots on the Ground   |   17. Januar 2013 - 17:11

    Zum Glück dürfen sich jetzt alle, die in den letzten 60 Jahre unfallfrei von der Unterkunft zur Truppenküche verlegt haben und die Wellen sowjetischer T-80 im Fuldagap mit G3 mit Pappmagazin und PzFst 1 „Lanze“ abgewehrt hätten (und bis heute davon erzählen), als Veteran bezeichnen. Das sind nämlich genau die Mitglieder des Reservistenverbandes, dessen Definiton von Veteran übernommen wurde – ein Schelm wer böses dabei denkt…

  • Voodoo   |   17. Januar 2013 - 17:20

    PzFst? Ach, ich sage Ihnen, wir hatten ja nix…! Noch nichtmal Veteranen! Mit dem Klappspaten haben wir… Sie kennen den Rest.

  • Bersi   |   17. Januar 2013 - 17:57

    Auf die Gefahr hin wieder eine alte Diskussion aufzubrechen….aber bitte was kauft man sich für 500€ oder auch mehr wenn man in den Einsatz geht, was man nicht vom Dienstherren gestellt bekommt. Also meiner persönlichen Erfahrung nach hat sich in den letzten Jahren die Ausrüstung gerade auch im Bereich der persönlichen Ausstattung erheblich verbessert. Okay, mal abgesehen von der Einsatzkampfjacke und hose, die ja aufgrund verschiedener Gründe bis dato im großen Teilen über ESB Titel beschafft werden mussten. Aber ansonsten hat sich doch nun einiges getan und ich kann nicht verstehen warum immer wieder dieses Argument angeführt wird, dass man ja Unsummen von privaten Geldern ausgeben müsste um sich für den Einsatz richtig auszurüsten.

  • Memoria   |   17. Januar 2013 - 19:25

    @Bersi:
    „mal abgesehen von der Einsatzkampfjacke und -hose,“

    und mal abgesehen von Combat-Shirts (jeweils 3-fach), und ggf. Funktionsunterwäsche und einer sinnvollen Weste. Nem Adapter SEM 52/ BV-Anlage, etc.

    Schwupp sind wir bei 500€.

    Man hat zwar Bekleidung über ESB beschafft, aber diese hatte zunächst, dann falschen Größenschlüssel und diese ist regelmäßig in der Einsatzvorbereitung nicht verfügbar.

    Diese Dinge sind längst bekannt wurden aber immer nur halbherzig angegangen (s.o.).

  • cosmo   |   17. Januar 2013 - 19:31

    @Bersi:

    D’accord!

    Da gibt es viele Modeerscheinungen (wie überall zu allen Zeiten): Ein cooles Chest-Rig mit Magazintaschen für die M4 etc, da passen dann die G 36 Magazine nicht rein da sie ja über den Magazinverbindungsknopf (oder wie auch immer dieses Ding heißt…) verfügen. Was also macht man dann als junger cooler OFw? Mann kauft sich privat G 36 Magazine ohne diesen blöden Knopf (oder man sägt sie am dienstlich gelieferten ab…)und schon passt alles.

    Dies habe ich im Herbst bei den Gebirgsjägern inj Bad Reichenhall erlebt und da war ich dann wirklich platt….

    So kann man natürlich auch eigenes Geld verbraten und sich dann beschweren man müsse sich selbst ausrüsten……Rambo läßt grüßen!!!

  • Memoria   |   17. Januar 2013 - 19:36

    @cosmo:
    Natürlich gibt es in dem Bereich auch Coolness-Anteile.
    Aber, dass die IdZ-Weste nicht mehr ausreichend ist, ist auch von der Einsatzauswertung anerkannt.
    Und ohne Combat-Shirts und stattdessen mit Feldbluse unter der Weste arbeiten ist sinnvoll? Oder mit T-Shirt??

  • cosmo   |   17. Januar 2013 - 19:54

    @Memoria:

    Akzeptiert, das Problem kenne ich auch aus eigener Erfahrung.

    Es gibt durchaus private Ausrüstungsgegenstände die Sinn machen (da der Dienstherr noch nichts besseres geliefert hat).

    Ich habe mit o.a. Beispiel auf wirklich blödsinnige Auswüchse hinweisen wollen….

  • Sachlicher   |   17. Januar 2013 - 20:02

    @ Boots on the Ground | 17. Januar 2013 – 17:11

    Ich finde nichts böses dabei. Ich meine, dass tut dieser Personenkreis, um sich seinen Platz zu definieren.

    Ich sehe es also weniger kritisch als Sie, zumindest diesen Punkt. Sonst verstehe ich Sie ganz gut. Auch mir ergeht es jetzt immer häufiger so, als wäre der „deutsche Definitionsdrang“ hier einmal wieder am Werk. Dieses „Du gehörst dazu, Du nicht, weil….“ wird doch schon wieder soweit getrieben, dass es weh tut.

    @ Memoria | 17. Januar 2013 – 12:13

    In der Tat lohnte es sich nachzulesen, womit und wie der AVZ bei Einführung begründet wurde. Und vollkommen richtig weisen Sie darauf hin, dass Bekleidung und Ausrüstungsbeschaffung nicht darunter zählten. Es wird aber noch dauern, bis das jeder a)nachgelesen, b)verarbeitet und c)akzeptiert haben wird

  • Memoria   |   17. Januar 2013 - 20:04

    @cosmo:
    … aber mit Hinweisen auf diese Auswüchse wurden über Jahre hin sinnvolle Beschaffungen (u.a. Einsatzkampfjacke und -hose) von der militärischen Führung (!) – nicht von der Politik – abgebügelt. Habe ich so selbst noch 2009 (!) in AFG erlebt (BrigGen: „nein, das ist alles nur coolness – unsere Ausrüstung ist bestmöglich“).

    Und diese Tendenz gibt es in der militärischen Führung immernoch.

    Zurück zum Thema: es gäbe auch als Minister genug zu tun, bevor man sich Monate lang über Veteranendefintionen Gedanken macht.

  • Sachlicher   |   17. Januar 2013 - 20:10

    @ Boots on the Ground | 17. Januar 2013 – 17:11

    Ich finde da erstmal nichts böses dabei. Ich meine, dass tut dieser Personenkreis, um sich seinen Platz zu definieren. Und der eine erzählt vom GDP und der andere von AFG. Und das ist mE auch in Ordnung so. Gemeinsam haben wir in demokratischen deutschen Streitkräften gedient.

    Wehrmachtssoldaten und NVA-Soldaten bringe ich den Respekt entgegen, den sich jeder mit seiner individuellen Biographie und Leistung „erdient“ hat, allgemeine Aussagen gebe ich dazu schon längst nicht mehr ab.

    Ich sehe es also weniger kritisch als Sie, zumindest diesen Punkt. Sonst verstehe ich Sie ganz gut. Auch mir ergeht es jetzt immer häufiger so, als wäre der „deutsche Definitionsdrang“ hier einmal wieder am Werk. Dieses „Du gehörst dazu, Du nicht, weil….“ wird doch schon wieder soweit getrieben, dass es weh tut.

    Auch ich schrieb schon so, dass ich mir nun definieren müsste, ob die Wehrmachtsoldaten und NVA-Soldaten nun schlichtweg Veteranen sind, Wehrmachtsveteranen/ NVA-Veteranen sind oder gar keine Veteranen?

    Ich tue es nicht, weil mich Begriffe eher nicht interessieren, eher Biographien. Diesen Luxus lässt man dem Minister nicht. Oder?

  • Bang50   |   17. Januar 2013 - 20:50

    Off Topic:

    Es wurde nun schon von einigen Diskutanten der Vorschlag gemacht, ein Budget einzuführen, aus dem die persönliche Ausrüstung dann auf dem freien Markt beschafft wird.

    Aus ökonomischer Sicht geht es dabei um die gewählte Koordinationsform.

    ex-ante vs. ex.post
    Zentralverwaltung vs. Marktwirtschaft

    Begründung:

    Ein normale Beschaffung läuft bis jetzt nach der ex-ante Koordination ab. Das bedeutet, die BW muss ein Bedürfnis feststellen. Nun muss sie auf bürokratischen Weg entscheiden, ob oder wie dieses Bedürfniss befriedigt werden soll. Dazu muss sie genaue Anforderungen bzgl. Funktion, Qualität und Quantität definieren. Sind diese Anforderungen definiert, wird ein Auftrag an einen ausgesuchten Hersteller vergeben. Dieses Hersteller stellt dann das Produkt in der vorgegebenen Funktion, Qualität und Quantität her.

    Dabei entstehen nun folgende Probleme:
    -Die Funktion kann nicht von allen Soldaten als sachgerecht empfunden werden, da Präferenzen gerade bei der Bekleidung sehr individuell sind. Bürokratische Beschaffungen dauern meist lange und damit steigt die Gefahr, dass inzwischen Produkte mir einer besseren Funktion verfügbar sind.
    Das Beispiel „Wollmütze“ wurde hier schon öfters genannt.

    -Die Qualität wurde von der BW festgelegt. Da der Hersteller sich aber sicher sein kann den Auftrag zu bekommen, besteht kein Anreiz die Qualität zu steigern oder zu innovieren.

    -Die geforderte Quantität ist niemals exakt zu ermitteln.
    Am Beispiel Wollmütze: Es werden 100.000 Wollmützen produziert. Wer soll nun diese Wollmützen bekommen? Wer besitzt die höchste Prorität? Wer garantiert das die Wollmützen von den Soldaten überhaupt angenommen werden und nicht im Spind liegen bleiben? Wie kann man auschließen, dass nicht 50.000 Wollmützen in einem Spind liegen bleiben, aber 50.000 Wollmützen im Einsatz sind und dort ein zusätzlicher Bedarf von 50.000 Wollmützen besteht?

    Egal was man also in der ex-ante Koordination tut, man verschwendet immer Ressourcen.

    Dagegen die ex-post Koordination eine Koordinationsform die durch ein Budget enstehen würde.

    Die Koordination wird von keiner bürokratischen Instanz wahr genommen. Der Soldat beschafft auf dem freien Markt was seinen individuellen Ansprüchen zum jetzigen Zeitpunkt am besten entspricht. Dabei wird der freie Markt durch sein Gewinnstreben bemüht sein, dem Soldaten das beste Produkt bzgl. Preis und Qualität anzubieten und somit die Konkurenz auszustechen. Neben sinkenden Preisen kommt es auch zu einer Qualitätssteigerung oder zu Innovationen. Ingesamt eine Entwicklung die für den Soldaten gut ist, da er mit ständig besseren Produkten rechnen kann diesich an seinen individuellen Bedürfnissen oder Trends orientieren.

    Ein weitere Effekt könnte darin bestehen, dass der Soldat einen verantwortungsbewussteren Umgang mit seiner Ausrüstung pflegt, da er neue Ausrüstung aus seinem Budget finanzieren müsste d.h er muss wirtschaften.

    Die Frage lautet nun:“ Ist die BW smart genug ein solches Konzept umzusetzen?“

    Entschuldigung für den Off Topic Beitrag. Dieses Thema scheint aber gerade intensiv diskutiert zu werden.

  • Voodoo   |   17. Januar 2013 - 23:35

    Das Thema wird nicht „gerade“ intensiv diskutiert, sondern „immer“ wenn man auf Ausrüstung zurückkommt. Und quasi „nie“ wird es von den verantwortlichen Personen in Ministerium und Co. aufgegriffen.

    Magazine technisch zu verändern, sprich Verbindungssteg abschleifen oder was auch immer, ist vor gar nicht langer Zeit in einigen (vielen) Verbänden noch als Dienstvergehen geahndet worden. Fragen Sie doch mal beim G4 der Brigade nach, zu der die Bad Reichenhaller gehören. Oder noch besser, beim Amt in Köln. Sorgen Sie aber dafür, das ein Arzt bei Ihrem Gesprächspartner greifbar ist und halten Sie den Hörer vorsichtshalber etwas vom Ohr weg. Es wären nicht die ersten Soldaten, die sich privat originale Magazine (!) für das G36 gekauft haben, um sie dann verändern zu können.

    Es mag Auswüchse geben, aber zumeist und gerade im Einsatz können die Soldaten erstaunlich gut begründen, warum sie was genau verändert haben.

    „Rambo lässt grüßen“ war mit Abstand der schwachsinnigste Kommentar seit langem zu diesem Themenkomplex… ich dachte, das hätten wir hinter uns.

  • namenlos   |   18. Januar 2013 - 12:50

    Der Soldat beschafft auf dem freien Markt, was seinen individuellen Ansprüchen zum jetzigen Zeitpunkt am besten entspricht ???

    Ich verliere meinen Glauben.
    Für alle Uniformträger die vergessen haben, das wir nicht nur eine Arbeitskleidung tragen, hier nochmal kurz, was UNIFORM bedeutet : als uniform bezeichnet man gleichartige Kleidung, um optisch einheitlich in der Öffentlichkeit aufzutreten. beim Militär ist die uniform Notwendige Bedingung für den kombattantenstatus.
    die Betonung bei dieser Definition liegt eindeutig auf dem Wort einheitlich. mit den oben bisher gelesenen Vorschlägen kann das jedoch beim besten Willen nicht gewährleistet werden.

  • Voodoo   |   18. Januar 2013 - 13:20

    Nicht alles gelesen? Es geht darum, den Soldaten ZERTIFIZIERTE und in einem „Warenkorb“ festgelegte Produkte vorzuschreiben – welche davon beschafft werden, bleibt dem Soldaten überlassen.

    Das davon Form und Farbe vorgeschrieben bleibt, versteht sich von selbst. Im übrigen würde schon eine rosafarbene Bauchbinde mit einer definierten Anzahl von Knöpfen als Dienstgradabzeichen und offen getragenen Nationalitätsabzeichen nach Humanitärem Völkerrecht für den Kombattantenstatus ausreichen, wenn allen Konfliktparteien klar ist, dass sich dahinter die Bw verbirgt.

  • Memoria   |   18. Januar 2013 - 14:03

    @Vodoo:
    Dieser zertifizierte Warenkorb ist wirklich eine gute Idee – es gab ja hierzu von verschiedenen Seite Unterstützung (nicht nur UniBw, sondern auch Uni Potsdam).
    Nur leider scheint die Umsetzung am Apparat zu scheitern
    (Pseudoargument auch da gern ZDv 37/10).

    Vom Einsatz her denken – oder halt auch nicht.
    Dass derlei Dinge gerade für junge FWDL und SaZ sehr viel mit Attraktivität zu tun hat, wird leider sehr oft übersehen.

  • namenlos   |   18. Januar 2013 - 14:24

    @Vodoo
    von einem zertifiziertem Warenkorb war bisher nicht die Rede, damit könnte ich leben

  • Voodoo   |   18. Januar 2013 - 14:29

    Wie bereits mehrmals angesprochen, wird dieses System ja in anderen Armeen bereits genutzt und ich kann mich nicht daran erinnern, das man in jüngster Vergangenheit z.B. in Bezug auf die US Streitkräfte und ihr Erscheinungsbild auch von „marodierenden Banden“ gesprochen hat. Auch dort gibt es Vorschriften, die sogar teils noch restriktiver gehandhabt werden, als bei uns. Und wenn etwas aus dem Ruder läuft (letztmalig privat beschaffte Magazine bei den Marines), dann gibt es ein schneidiges Fernschreiben und die Sache ist eingebremst.

    Aber sich hinter der 37/10 zu verstecken, scheint bei uns mittlerweile ein fester Reflex geworden zu sein, siehe die leidige und zeitlose „Hosengummi-Affäre“.

  • Horst   |   18. Januar 2013 - 20:08

    zertifizierter Warenkorb hört sich erstmal gut an
    … nur wieviele Auswahlmöglichkeiten an z.B. Oberbekleidung sollen darin sein?
    – genug um jedem individuellen Anspruch zu 80;90;100% gerecht zu werden?
    Dann muß ich unzählige Auswahlmöglichkeiten anbieten und es wird wahrscheinlich trotzdem noch jemanden geben der unzufrieden ist weil ’seine‘ Bekleidung nicht zertifiziert ist.
    Zum anderen habe ich dann einen höheren logistischen Aufwand und evtl. höhere Stückkosten durch die verschiedenen Wahlmöglichkeiten und Größen und Tests. Und in der Bekleidungskammer will ich das ganze dann auch jederzeit 1:1 tauschen können (oder gegen andere Versionen).

    Auf der anderen Seite habe ich aber auch noch einen gewissen Einfluß darauf, was der Soldat kauft. So kann ich dann z.B. gefährliche Bekleidung (entflammbar, verklebt bei Brand mit der Haut,…) vom Nutzer fernhalten.

    Dienstaufsicht durch Vorgesetzte brauche ich trotzdem. Oder gibt es irgendeinen tieferen Sinn in den ganzen Patches die auf der Kleidung getragen werden. Hier meine ich nicht so etwas wie taktische Kennzeichnungen; Identifizierungen, Blutgruppe etc. sondern die typischen Smilie-, TH-, etc Patches oder die Werbung vom Messer- oder Bekleidungshersteller.
    Der bisher ‚beste‘ Patch von dem ich in dieser Hinsicht gehört habe war der „Kreuzritter“…

  • Hans Tonnenkäse   |   19. Januar 2013 - 0:04

    „beim Militär ist die uniform Notwendige Bedingung für den kombattantenstatus“
    Ahh: Dann bin ich unter der Dusche und beim Sport KEIN kombattant mehr?!?

    Leider hat die Ausrüstungsdebatte bei den meisten unserer Zunft nichts mit dem können zu tun! Vieles wirg gesehen und für gut befunden. Wer von uns noch mit Kassetten aufgewachsen ist, weiß, dass jede Kopie schlechter wurde als das Original!
    Mangelndes Training, fehlender Wille Drillausbildung bei seinen Vorgesetzten einzufordern und sich der gleichen zu stellen, wird durch Ausrüstung die vermeindlich besser sein soll als die dienstlich gelieferte „Ersetzt“.
    Wer nie Fahren gelernt hat, wird aus einem 500 PS Auto auch nicht die Möglichkeiten rausholen können, und in Serpentinen von einem mit ner Ente versägt! Wer allerdings fahren gelernt hat und die Techniken beherrscht, der hat auch keine Lust mit ner Ente in der Formel 1 mitzufahren.
    Das das jetzige System auch nicht das wahre ist sehen wir ja daran, dass der SMOG als „das“ neue inovative Teil geprießen wird! (Siehe Berichte in Y usw.). Wenn ich km lang zu Fuß unterwegs bin mag das praktisch sein. Wer viel Fliegt und Fährt wird erkennen.dass das Ding zu lang ist und unbeweglich macht. Das Bekleidung nicht für alle zugänglich ist – Siehe KSK Nässeschutz, Winterbekleidung usw.- ebenfalls ein Problem. So kan man auch Statussymbole kreieren!
    Das es keine Auswüchse geben darf, im Bereich Patches usw. ist mir klar, dass Soldaten, die auf ihre Weichballistik verzichten, und statt dessen nur mit nem Plattenträger und der 4 er Platte loslaufen ebenfalls nicht tragbar sind auch!
    Die Industrie ist ebend schneller als die Bürokraten in der BW – dass wird sich nicht ändern, somit muss ich es akzeptieren das sich in diesem Bereich nichts ändern wird.

  • Boots on the Ground   |   19. Januar 2013 - 0:34

    @Host:
    Ganz einfach: Eine verantwortliche Stelle (z.B. BWB, aus meiner Sicht wäre die InfS besser geeignet), zertifiziert alle Ausrüstungsgegenstände und fasst diese in einem (Online-) Katalog zusammen, aus dem der Soldat dann bestellen kann. Die Bundeswehr sollte trotzdem eine Grundausstattung stellen, weiteres bezahlt der Soldat aus einem begrenzten Budget selbst, alles darüber hinaus selbst.

    Ein wesentlicher Schritt zur Kostenersparnis und zur konsequenten Umsetzung von „Train as you fight“ wäre die Beschaffung von Schutzwesten und Trageausstattung in Oliv oder Tan (Brauntönen), ähnlich dem Marine Corps. Diese würde die Doppelbeschaffung dieser Ausrüstungsgegenstände in 5FT und 3FT beenden, Kosten sparen und die Verbände könnten mit ihrer gewohnten Ausrüstung verlegen (ein nächster Schritt wäre die Verlegung mit den persönlichen Handfeuerwaffen). Sollte die Tarnwirkung nicht ausreichen, kann mit Sprühfarben wie Krylon nachgebessert werden…

  • Bang50   |   19. Januar 2013 - 1:53

    Der Warenkrob schränkt natürlich die Angebotsvielfalt ein und lebt davon, dass die Zuständigen den Warenkrob auch großzügig befüllen. Wenn es so sein sollte, dass sich im Warenkorb dann eben nur noch dienstliche Sachen befinden, dann kann man sich dieses Konzept auch sparen. Daher sehe ich mit dem Warenkrob etwas die Gefahr, dass die Betonbürokratie zuschlägt.

    Die Logistik über einen BW internen Shop laufen zu lassen, halte ich für keine gute Idee. Dadurch werden wieder unnötig Lagerkosten produziert und Mengen geordert, die irgendwo im Regal versauern. In diesem Fall würde man also die ex-post Koordination wieder ein Stück weit auf ex-ante Koordination bringen.
    Lagerhaltung und die Festlegung der optimalen Produktionsmenge, machen Hersteller/Verkäufer viel effizienter. DIe BW kann sich diese Kosten schlicht sparen.

    Uniformität sehe ich als Zivilist, der auf die BW blickt, mit einem Lachen. In der BW scheint Uniformität der Heilige Gral der Disziplin, Gleichheit und des Kombattantenstatus zu sein. Dabei sind für mich die Argumente nicht logisch begründbar. Um eindeutig als Kombantant einer Partei indentifizierbar zu sein, reicht die Nationalflagge (welche auf dienstlich gelieferten BW Uniformen mini klein ist) aus. Vorallem kann man darüber streiten welchen Sinn eindeutige Indentifizierbarkeit auf einem Tarnanzug haben soll oder gar auf einem Ghilli Suit von einem Scharfschützen. Verliert ein BW Soldat seinen Kombatantenstatus weil sein Plattenträger einen anderen Tarnfarbendruck hat als sein Combat Shirt? Ich bin mir ziemlich sicher, die Antwort ist nein.

  • Voodoo   |   19. Januar 2013 - 11:39

    Wie Boots on the Ground bereits ausführte, eine (minimale) Grundausstattung, z.B. Feldhosen und -blusen etc., sollte weiter ausgegeben, der Rest aber ausgelagert werden. Durch die bereits genannten Einsparung kann man von denen nämlich mal vernünftige Sätze auf Höhe der Zeit beschaffen (z.B. nach Art der Crye G3-Sachen). Tragesätze, Magazintaschen und Co. sollten via Warenkorb dann tatsächlich in oliv beschafft werden müssen, denn das erspart Doppelt- ubnd Dreifachbeschaffungen. In der Wüste Afghanistans ist sie (die Ausrüstung) nach der ersten Tour eh eingestaubt und hervorragend getarnt und in den Mischwäldern unserer Breiten fällt oliv mit etwas Zusatztarnung (siehe 3/11) auch nicht weiter auf.

    Ich schließe mich dem an, keinesfalls sollte das Angebot über einen Bw-internen Shop laufen. Das wäre Perlen vor die Säue und im Grunde das heutige System unter anderen vorzeichen. Ins zivile Auslagern, klare Vorgaben geben und den Warenkorb stets aktualisieren. Was meinen sie, wie schnell durch diese Maßnahmen in den USA ein Markt mit vielen neuen (und guten!) Anbietern entstanden ist. Damit kann man dann tatsächlich mal „Motor des Mittelstandes“ werden ;)

  • Sascha Stoltenow   |   19. Januar 2013 - 11:55

    Könnt Ihr bitte noch mal kurz die Überschrift des Artikels lesen? Danke!

    Zum Veteranenbegriff: Es gibt einige, die vor der Ära der Auslandseinsätze ehrenvoll gedient haben, und auch größeren Risiken ausgesetzt waren als in der Feldlagerbetriebskompanie in Kunduz, und die sollen jetzt keine Veteranene sein? Albern. Und auch wenn viele Wehrpflichtige eher ruhige Monate verlebt haben, plädiere ich dafür, das sehr großzügig zu handhaben, quasi us-amerikanisch: You served? You deserve! Du hast gedient? Dann verdienst Du es auch!

  • J.R.   |   19. Januar 2013 - 12:02

    @ Sascha Stoltenow
    „Und auch wenn viele Wehrpflichtige eher ruhige Monate verlebt haben, plädiere ich dafür, das sehr großzügig zu handhaben, quasi us-amerikanisch: You served? You deserve! Du hast gedient? Dann verdienst Du es auch!“

    Geht das jetzt aber nicht wirklich sehr an der Bedeutung des Wortes „verdienen“ vorbei?

  • Sascha Stoltenow   |   19. Januar 2013 - 13:05

    Eigentlich nicht, denn ich meine damit verdiente Anerrkennung, also nicht das Materielle.

  • J.R.   |   19. Januar 2013 - 13:27

    Wofür verdient ein Wehrdienstleistender Anerkennung?

  • Interessierter   |   20. Januar 2013 - 22:50

    @ J.R.

    In Ihrer Welt gehen wohl nur BS und SaZ in den Einsatz, wie?

  • Koffer   |   20. Januar 2013 - 23:40

    @J.R. | 19. Januar 2013 – 13:27
    Wofür verdient ein Wehrdienstleistender Anerkennung?

    Vielleicht dafür das er dem Vaterland gedient hat?!?!