Die NATO und Russland: Krieg der Worte, Krieg der Bilder

NATO_DigiGlobe_rel20140410-10

Die Auseinandersetzung zwischen der NATO und Russland nimmt, wenn auch glücklicherweise nur auf der PR-Ebene, an Schärfe zu – wie auch schon in der heutigen Lagebeobachtung Ukraine festgestellt: Die Allianz veröffentlichte Satellitenfotos (siehe oben), die eine russische Truppenkonzentration an der Grenze der Ukraine belegen sollen; die Russen behaupten dagegen, es seien alte Aufnahmen. Der russische Präsident Wladimir Putin wiederum brachte unverhohlen die Gaslieferungen nach Europa als Druckmittel ins Spiel. Was derweil in der Ukraine selbst passiert, scheint auf diesen Schlagabtausch wenig Einfluss zu haben. weiterlesen

Alter Schwede! So geht Battlegroup-Kommunikation

EUBG15_orbat

Die Öffentlichkeitsarbeit der Schweden für die Nordic Battlegroup der Europäischen Union im kommenden Jahr hatte ich hier schon mal lobend geschildert. Jetzt gehen sie noch einen Schritt weiter und veröffentlichen mal eben etwas detaillierter ihre Planungen, inklusive Kästchenkunde für die vorgesehenen Anteile der verschiedenen nordischen Länder an der EUBG15 – siehe order of battle in der Grafik oben.

Alter Schwede. Hierzulande scheint es ja so, dass jemand, der etwas detailliertere Planungen über vorgesehene deutsche Kräfte für eine EU-Battlegroup (oder die NATO Response Force) öffentlich mitteilt, schon fast vor dem Kriegsgericht steht mit dienstlichen Konsequenzen rechnen muss. Auf die öffentliche Kästchengrafik zum deutschen Anteil an der EU-Battlegroup im zweiten Halbjahr 2014 warte ich noch… Aber wahrscheinlich haben diese Skandinavier einfach keine Ahnung, was alles unter Verschluss gehalten werden muss.

Die ganze Powerpoint-Präsentation kann hier angeschaut werden.

(Grafik: www.forsvarsmakten.se)

NATO-Oberbefehlshaber: Das sind Russen auf der Krim

[Hier stand kurzfristig ein Foto der Agentur Getty, die zwar derzeit die Nutzung aktueller Bilder in Blogs gestattet. Nachdem ich gesehen habe, welche Anwaltskanzlei in Deutschland für Getty vermeintliche oder tatsächliche nicht zulässige Nutzung verfolgt, finden Getty-Bilder hier nicht mehr statt.]

Die Ereignisse in der Ukraine und auf der Krim sind von einem Informationskrieg begleitet – oder muss man doch gleich Propagandakrieg sagen? Natürlich spielt da auch der Westen mit, und dazu gehört, dass der NATO-Oberkommandierende (SACEUR), der US-General Philip Breedlove, auf seinem Blog die Frage aufgreift, ob die zahlreichen ungekennzeichneten Soldaten auf der Krim russische Soldaten sind. Dass sie das, allen Angaben aus Moskau zum Trotz, tatsächlich sind, haben etliche Medien anhand zahlreicher Details schon berichtet – jetzt sagt das auch der SACEUR, der sich ja auf die Expertise seiner Mitarbeiter berufen kann.

The importance of identity (Die Bedeutung der Identität) überschreibt Breedlove seinen Eintrag – und zieht dann zahlreiche Medienberichte heran, auf denen zum Beispiel die russischen Militärkennzeichen an den Fahrzeugen erkennbar sind. Oder die Bewaffnung (wie im Foto oben). Der Unterschied der NATO-Bewertung zu den Medienberichten:

This conclusion, although hastily stated by some members of the press, is based on deliberate and painstaking scrutiny of the many sources of data available to our professional military analysts. As we move forward and continue to closely monitor the situation in Ukraine, it will be with the understanding of the real identity of these forces.

Einerseits: ok. Anderseits: Es soll auch unter Journalisten Leute geben, die sich auskennen. Wie C.J. Chivers von der New York Times, um nur einen zu nennen. Die auch russische Militärkennzeichen erkennen. Aber jetzt, mit dem Statement des SACEUR, ist das auch amtlich. Jedenfalls im Westen.

Ukraine: Info-Ops und Cyberwar

referendum2014_ru

Eigentlich erstaunlich, dass es so lange gedauert hat (oder ist das nur bislang im Westen nicht angekommen?): Im Informationskrieg um die Lage in der Ukraine und auf der Krim gibt es nun Vorwürfe, dass Webseiten gehackt wurden. Interessanterweise werden sie von russischer Seite erhoben:

The website of all-Crimean referendum dubbed “Referendum 2014” came under cyber attacks from USA and Ukraine. At present, the site is restored under a new address, referendum2014.ru. Kryminform news agency reported this with reference to information policy directorate of the Council of Ministers of the autonomous republic on Tuesday. (…)
Crimean activists that provide technical support and advertising of the resource said that “the website came under massive cyber attacks from the site of the US and Ukraine”.

meldet ITAR-TASS. (Danke an den Kollegen Hans de Vreij für den Hinweis.)

Nun ist schon klar, dass die attribution, also die Zuordnung des Angriffs zu einem bestimmten Angreifer, das schwierigste Problem in diesem Feld ist. Was allerdings die von der russischen Agentur ITAR-TASS zitierten Aktivisten von der Krim nicht daran hindert, sofort die USA und die Ukraine als die Angreifer zu bezeichnen. Und dass die angeblich gehackte Webseite jetzt mit der russischen Domain .ru erneut aufgesetzt wurde (siehe Screenshot oben) … hat wahrscheinlich auch nichts zu bedeuten.

Von solchen Ereignissen, Aktivitäten und als Folge Beschuldigungen werden wir in nächster Zeit bestimmt noch einige sehen. Und vielleicht auch Angriffe in umgekehrter Richtung.

Lesestoff zum Wochenende: Der Combat Camera Photographer

Ein Zufallsfund am Wochenende: National Geographic hat den U.S. Master Sergeant Jeremy Lock interviewt, einen Combat Camera Photographer der Air Force.

In the military we (photographers) were trained to be assets to the team we were working with. We could provide first aid, act as vehicle commander/driver, fight, or act as a soldier in the stack, going into a house if the need arose. However, I saw myself as a photojournalist first, there to document and tell the stories of our Marines, soldiers, sailors, and airmen. If I felt we (the team) were going to be overrun, or there was danger to one of my teammates and they needed my help, it was time to put the camera down. You just know when it is time.

Zum Nachlesen: Jeremy Lock: Capturing War From the Front Lines

mit etlichen Fotos – mehr finden sich bei einer Flickr-Suche nach seinem Namen.

(Foto: U.S. Marine Corps recruits conduct daytime movement simulations during Marine Corps Recruit Training at Marine Corps Recruit Depot Parris Island, S.C., Oct. 15, 2009 – DoD photo by Master Sgt. Jeremy Lock, U.S. Air Force via Flickr)

 

weiter »