Zwischenlösung fürs G36-Problem: Zusätzliches High-End-Sturmgewehr (Update: BPK)

Australian Army Pvt. Levi Mooney, right, bumps fists with a child during a patrol in Tarin Kowt, Uruzgan province, Afghanistan, July 26, 2013. (U.S. Army National Guard photo by Sgt. Jessi Ann McCormick/Released)

Nachdem Rüstungs-Staatssekretärin Karin Suder entschieden hat, dass als Zwischenlösung auf der Suche nach einem Ausweg aus der G36-Problematik eine geringe Zahl neuer Sturmgewehre und Maschinengewehre von Heckler&Koch beschafft werden soll, kam hier sofort die Frage auf: Warum eine Beschaffung auf Basis des Gewehrs HK417 mit dem größeren Kaliber 7,62 und nicht, wie das G36, mit dem Kaliber 5,56? Ich habe mal beim Verteidigungsministerium nachgefragt. Die Aussagen, ein bisschen zusammengefasst:

Die geplanten Neu-Beschaffungen sollen, wie es ja auch in der Erklärung des Ministeriums steht, eben nicht die Nachfolge des wegen Treffproblemen umstrittenen G36 regeln. Sondern in Einsätzen den so genannten Waffenmix ergänzen. Also: Die 600 zusätzlichen Sturm- und 600 zusätzlichen Maschinengewehre kommen on top, nicht statt dessen, und sollen auch keine Vorwegnahme der Entscheidung über ein G36-Nachfolgemodell sein.

Bei der Beschaffung von 600 Sturmgewehren auf der Basis des eingeführten G27P ist die entscheidende Aussage: Auf der Basis einer bereits in der Bundeswehr eingeführten Waffe. Damit entfällt das vorgeschriebene Verfahren für die Einführung einer Waffe, die es in den Streitkräften noch nicht gibt – und das erklärt wohl auch, warum die Entscheidung für das G27, also das HK417, fiel und nicht für das HK416: Letzteres hat zwar das gleiche Kaliber wie das G36, ist aber in der Bundeswehr nicht eingeführt. weiterlesen

Probleme mit dem G36: ‚Zwischenlösung‘ von Heckler&Koch

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Angesichts der Probleme mit dem Sturmgewehr G36 der Firma Heckler&Koch setzt die Bundeswehr auf eine Zwischenlösung – von Heckler&Koch. Aus einem Schreiben des Parlamentarischen Staatssekretärs im Verteidigungsministerium Markus Grübel an den Verteidigungsausschuss vom (gestrigen) Donnerstag:

Als Zwischenlösung hat Frau Staatssekretärin Dr. Suder am 26. August 2015 die Beschaffung von 600 Sturmgewehren auf der Basis des eingeführten G27P sowie  von 600 leichten Maschinengewehren MG4 zur Ergänzung des bisherigen Waffenmixes für den Einsatz entschieden. weiterlesen

Der Drehflügler, zweite Augusthälfte 2015

Mit ein bisschen Verschiebung… der Thread zum Thema Drehflügler für die zweite Augusthälfte.

(Mit der Bitte, das Thema ‚NH90 und gefährliches Halbwissen‘ hier nicht weiter auszuwalzen. Der entsprechende Eintrag steht für sich. Danke.)

Reizthema Hubschrauber NH90: „Gefährliches Halbwissen“

Hubschrauber sind offensichtlich ein hochgradig emotionales Thema, nicht nur hier bei Augen geradeaus!, sondern auch in der Truppe und bei allen anderen, die mit Drehflüglern zu tun haben. Das führt dann bisweilen zu sehr merkwürdigen Ergebnissen. So hatte sich im vergangenen Jahr der Kollege Gerald Traufetter vom Spiegel mit dem KPMG-Gutachten für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen befasst und dabei auch bei Randthemen im Bereich des Hubschrauberprojekts NH90 Problemhinweise entdeckt:

In dem 1500 Seiten starken Bericht der KPMG-Prüfer finden sich haarsträubende Details zu weiteren Pannen, die sich bei der Entwicklung neuer Waffensysteme ereignet haben. Gehäuft treten sie auf beim Transporthubschrauber NH90. Das anschaulichste Beispiel dafür sind die Helme der Piloten. Die „physiologisch ungünstige Schwerpunktlage des Helmsystems“, so schreiben die Gutachter auf Seite 492, führe dazu, dass die Piloten „tageweise nicht am Flugdienst teilnehmen können“.

Solche Berichterstattung scheint bei manchem zu schnittfestem Schaum vor dem Mund zu führen. Aber gegen die Presse kann man ja was tun –  andere Journalisten dagegen in Stellung bringen. Wie zum Beispiel den so genannten Newsletter Verteidigung, in dessen jüngster Ausgabe in einer lobende Eloge auf den NH90 zu lesen ist:

Blogger, wie ›Augen geradeaus‹, lancieren gefährliches Halbwissen weiterlesen

G36: Von Mängeln im Gefecht steht nichts in den Akten

G36_Nachtwei_Koenigshaus

Unter den zahlreichen Kommissionen und Arbeitsgruppen, die die Probleme mit dem Sturmgewehr G36 der Bundeswehr aufarbeiten wollen, befasst sich eine gezielt mit möglichen Schwierigkeiten durch fehlende Treffgenauigkeit der Waffe in den Auslandseinsätzen. Der frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete Winfried Nachtwei und der ehemalige Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (Foto oben) sollen herausfinden, ob durch Fehler des Gewehrs Soldaten im Gefecht in Gefahr gerieten. Ihren Bericht soll die Kommission zur Untersuchung des Einsatzes des G36- Sturmgewehres in Gefechtssituationen am 1. Oktober vorlegen.

Nun schien es, als wäre von Seiten des Verteidigungsministeriums Entwarnung in diesen Fällen gegeben worden: Ein Bericht der Abteilung Strategie und Einsatz im Verteidigungsministerium an Generalinspekteur Volker Wieker belege, dass das Gewehr keine Mängel gezeigt habe, die Einfluss auf einen Gefechtsverlauf genommen hätten, berichtet die Bild-Zeitung (Link aus bekannten Gründen nicht) in ihrer Ausgabe vom (heutigen) Mittwoch.

Allerdings: Der Bericht, sagt das Verteidigungsministerium, stammt aus dem April – und wurde nur nach Aktenlage erstellt. weiterlesen

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