Sonntagssammler: Irak-Luftangriffe, Flugabwehr, Mannschafter als Berufssoldaten

Einige interessante und wichtige Nachrichten der zurückliegenden Woche sind hier untergegangen, weil ich in Sache Europa unterwegs war (in Paris; dazu wird es auch noch was geben). Aber damit diese Nachrichten wenigstens als Merkposten hier auftauchen, ein Sammler zum Sonntag:

• Der unpräzise Luftkrieg gegen ISIS: Die Anti-ISIS-Koalition, an der unter Führung der USA viele Nationen beteiligt sind, beruft sich bei Kritik an ihren Luftschlägen in Syrien und im Irak darauf, dass die Angriffe so präzise wie möglich gegen erkannte Ziele der Terrororganisation geführt würden und es nur wenig zivile Opfer unter Unbeteiligten gebe.

Die New York Times ist dem in einer langwierigen Recherche nachgegangen – und fand allein im Irak ein grobes Missverhältnis zwischen den eingestandenen und den tatsächlichen unbeteiligten Opfern:

The Uncounted
Our own reporting, conducted over 18 months, shows that the air war has been significantly less precise than the coalition claims. Between April 2016 and June 2017, we visited the sites of nearly 150 airstrikes across northern Iraq, not long after ISIS was evicted from them. (…) The result is the first systematic, ground-based sample of airstrikes in Iraq since this latest military action began in 2014.
We found that one in five of the coalition strikes we identified resulted in civilian death, a rate more than 31 times that acknowledged by the coalition. weiterlesen

Nicht mal die Hälfte der Leos einsatzbereit

Die Bundeswehr kann derzeit nicht einmal die Hälfte ihrer Kampfpanzer in einem einsatzbereiten Zustand halten, weil die Ersatzteile fehlen. Von 244 deutschen Leopard 2-Panzern seien derzeit nur 95 einsatzbereit, teilte das Verteidigungsministerium auf Anfrage des SPD-Bundestagsabgeordneten (und bisherigen Verteidigungsausschuss-Vorsitzenden) Wolfgang Hellmich mit. Selbst wenn die Gefechtsfahrzeuge außerhalb der direkten Verfügung der Truppe herausgerechnet werden, bleibt es bei nur wenig mehr als der Hälfte der Kampfpanzer.

89 Fahrzeuge sind nutzungsbedingt ausgefallen und stehen zur Durchführung der erforderlichen Instandhaltungsmaßnahmen an, wobei sich in vielen Fällen die Nichtverfügbarkeit der benötigten Ersatzteile nachteilig auswirkt.

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Die Luftwaffe hätte gerne die F-35…

Dass die Luftwaffe sich nach einem Nachfolger für die in die Jahre gekommenen Tornado-Kampfjets umsieht, ist kein Geheimnis. Und ebenso ist bekannt, dass die Bundeswehr sich im Mai schon mal in den USA nach den technischen Daten (und Preisen?) der neuen F-35 Lightning erkundigte.

Aber interessant ist in dem Zusammenhang, was heute von der International Fighter Conference in Berlin dazu bekannt wurde. Aus der Meldung des Fachdienstes Jane’s:

The German Air Force has a shortlist of existing platforms to replace its Panavia Tornados from 2025 to 2030, but the Lockheed Martin F-35 Lightning II Joint Strike Fighter (JSF) is the service’s “preferred choice“, a senior service official said on 8 November. weiterlesen

Wieder da: Mörser und Minenleger

Zur Informationslehrübung Landoperationen von Heer, Streitkräftebasis und Sanitätsdienst, kurz ILÜ, habe ich es in diesem Jahr nicht geschafft. Beim Nachlesen der Berichte und vor allem bei den veröffentlichten Bildern sind mir aber im Unterschied zur ILÜ 2016 zwei Systeme aufgefallen, die nicht nur im vergangenen Jahr, sondern auch in den Jahren davor nicht gezeigt wurden und keine Rolle spielten. Und das hat nicht damit zu tun, dass es brandneues Gerät wäre – im Gegenteil.

Die beiden Systeme, die in diesem Jahr (erstmals?) gezeigt wurden, sind die Mörser und das Minenlegesystem. Und beides dürfte damit zu tun haben, dass Einsätze der Landes- und Bündnisverteidigung wieder einen höheren Stellenwert bekommen. weiterlesen

Neue leere Stadt: Schnöggersburg zum Teil übergeben (Neufassung)

 

Die Bundeswehr hat damit begonnen, eine vollständig neu gebaute Stadt zu übernehmen, in der nie ein Mensch wohnen wird. Die Altstadt von Schnöggersburg, einem ausschließlich zu Übungszwecken angelegten urbanen Ballungsraum auf dem Truppenübungsplatz Altmark nördlich von Magdeburg wurde am (heutigen) Donnerstag an das Heer übergeben. Vom kommenden Jahr an sollen dort Soldaten Einsätze in städtischen Gebieten üben – weil die möglichen künftigen Einsätze immer wahrscheinlicher nicht in unbewohntem Gebie, sondern in Städten stattfinden werden.

Schnöggersburg soll, wenn es in drei Jahren endgültig fertiggestellt ist, mehr als 500 Häuser unterschiedlicher Größe umfassen, von Reihenhäusern bis zum Hochhaus. Bereits jetzt gibt es ein Rathaus, einen so genannten Sakralbau, ein Polizeigebäude und ein Gefängnis, einen U-Bahn-Tunnel (ohne U-Bahn), 800 Meter Flusslauf, mehrere hundert Meter Kanalisation, 1,5 Kilometer Bahngleise mit Bahnhof, 300 zu Wohnzwecken aufgestellte Container als Elendsviertel, einen Flugplatz – und schon mehrere hundert Gebäude, von denen die Bundeswehr jetzt 240 übernahm. (Der Flugplatz mit seiner Behelfslandebahn wurde bereits im vergangenen Jahr in Betrieb genommen und auch schon mit Start und Landung ausprobiert. weiterlesen

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