Die neue Waffe für den Haus-Gebrauch: Das Himmelfahrts-Video
Im November vergangenen Jahres berichtete ich über die neue Waffe für den Haus-Gebrauch, die die Bundeswehr bestellt hat. Zufall oder nicht: Am heutigen Himmelfahrtstag hat die Bundeswehr ein Video zur RGW90 AS auf ihrem Youtube-Kanal eingestellt.
Gute Nacht: Gift im Bundeswehr-Schlafsack (Update: BMVg)
Das ist zu Recht ein Aufreger – auch wenn (mir) noch nicht klar ist, wie aktuell dieses Problem ist: In Bundeswehr-Schlafsäcken Mumienform Original A, oliv hat ein Labor im Auftrag des Magazins Öko-Test krebsserregende Farbstoffe entdeckt. Aus dem Schlafsack-Test in der Mai-Ausgabe:
Zu viel krebserregende Farbstoffe im Bundeswehrschlafsack. In Stoffteilen des Bundeswehrschlafsacks von Feuchter fand das von uns beauftragte Labor den krebserzeugenden Farbstoff p-Aminoazobenzol. Und zwar mehr als gesetzlich zulässig ist. Demnach hätte er gar nicht verkauft werden dürfen, selbst wenn es ein vor Jahren hergestellter Schlafsack ist, ergab eine Nachfrage beim Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) in Freiburg. Denn in Armeeshops verkaufte, ausgemusterte Produkte müssen trotzdem, wenn sie heute verkauft werden, den gesetzlichen Vorgaben genügen.
Der Artikel ist zwar seit dem 27. April online, dürfte aber jetzt eine gewisse öffentliche Wahrnehmung erfahren, weil die Kölner Boulevardzeitung Express sich heute des Themas annahm und neben der Ausgabe dieser Schlafsäcke an Soldaten auch die Verteilung alter Bundeswehr-Schlafsäcke an Obdachlose kritisierte.
Jetzt ist natürlich die Frage, ob es sich um das aktuelle Schlafsack-Modell handelt, das an jeden Soldaten ausgegeben wird, oder ob diese Schlafsäcke länger schon aus den Kleiderkammern verschwunden sind. Danke für den Hinweis eines Lesers – der gleich morgen seinen Schlafsack umtauschen will…
Update: Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wird das von Öko-Test geprüfte genannte Schlafsackmodell seit 2003 nicht mehr beschafft, allerdings sei nicht bekannt, wie viele dieser älteren Schlafsäcke noch genutzt würden. Das Wehrwissenschaftliche Institut für Wehr- und Betriebsstoffe in Munster solle deshalb nun sämtliche eingeführten und genutzten Schlafsäcke überprüfen. Die von der Zeitschrift ermittelte Belastung mit krebserregenden Farbstoffen sei der Bundeswehr nicht bekannt gewesen. Und dazu noch ein Nachtrag: Vorsorglich weist das Ministerium darauf hin, dass aus Bundeswehr-Sicht bislang unklar sei, ob der getestete Schlafsack wirklich aus Bundeswehrbeständen stamme, es müsse alles erst mal geprüft werden.
G36-Probleme: Wer kann Polnisch?
Gleich zwei Leser haben mich auf einen Artikel auf einer polnischen Seite aufmerksam gemacht, der sich mit den Hitzeproblemen des Sturmgewehrs G36 befasst – und mit Spekulationen, das für Feldjäger und KSK angepeilte neue Gewehr – G26 bzw. SSG-KR-Programm – diene vielleicht auch dazu, eine neue Standardwaffe für die Bundeswehr zu etablieren…
Leider kann ich kein Polnisch, und die Google-Übersetzung wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet…
Wer kann diese Sprache und einen Blick auf die Geschichte G26 dla Feldjäger i KSK werfen? Ich glaube, für alle Leser hier und nicht nur für mich wäre eine Zusammenfassung vor allem im Hinblick auf G36-Probleme recht interessant.
Militär-Einsatz im Inneren: Drohnen, Bewegungsprofile, Durchsuchungen
Die Meldung hinterlässt bei mir ein ungutes Gefühl – sicherlich auch, weil ich in Deutschland sozialisiert bin: Die Streitkräfte nutzen ihre in Afghanistan erprobte Technik, vor allem Überwachungsdrohnen, und ihre am Hindukusch erworbenen Kenntnisse bei der Zusammenstellung von Bewegungsprofilen und der Suche nach Waffenverstecken zur Unterstützung der heimischen Polizei. Partnering auf andere Art, sozusagen – in den Niederlanden.
Die Geschichte ist heute im Nederlands Dagblad zu lesen (hier die Google-Übersetzung). Ob man einen Bombenleger in Afghanistan sucht oder einen Brandstifter in Drenthe – die Verhaltensmuster und die Daten sind eigentlich die gleichen, sagt der Kommandeur der niederländischen Landstreitkräfte, Mart de Kruif.
Ich frage mich natürlich bei solchen Meldungen, ob die niederländische Polizei dann nicht einfach zu viel spart?
Eine Drohne vom US-Typ Raven, wie sie die Niederländischen Streitkräfte verwenden (U.S. Air Force photo/Dennis Rogers via Wikimedia Commons)
Tanker statt Flugbereitschaft
Falls es mal wieder Gemecker um die Flugbereitschaft der Bundeswehr und die Kosten für Regierungsflieger gibt, sollte man diese Geschichte aus dem Archiv holen:
The Royal Family and senior UK politicians may consider using one of the RAF’s “Voyager” Airbus A330 tanker aircraft for future foreign trips after a rather embarrassing trade trip to Indonesia caused a huge row.
David Cameron and his aides made the trip during the Easter period to drum up trade for European built Airbus planes (11 Airbus 330 aircraft for Garuda Indonesia airlines) using a “rented” Boeing 747. Insult was added to injury when it emerged that the lease was given to Atlas Air, a US based company, and the plane used for the journey was owned by Sonair, an Angolan carrier banned from European Union airspace over safety concerns. (…)
Since it is at least weird that a business delegation trying to support Airbus planes sales uses chartered Boeings, Britain’s aerospace lobby group said that proposals were being drawn up to let Britain’s VIP to use one of the modified A330 airliners.
Kann ja in Deutschland nicht so schnell passieren. Obwohl es was hätte, wenn die Kanzlerin so zu einer Auslandsreise einschweben würde:
Zur Verlegung über große Distanzen kann ein Airbus A310 MRTT der Luftwaffe sowohl Tornados, als auch Eurofighter im Flug betanken. Hier werden zeitgleich zwei Eurofighter des Jagdgeschwaders 73 “Steinhoff” betankt, ein dritter Eurofighter fliegt in der Warteposition. (Foto: Bundeswehr/Thöne via flickr unter CC-Lizenz BY-ND)

Thomas Wiegold schreibt über die Bundeswehr, über Verteidigungs- und Sicherheitspolitik. Die Truppe hat er schon lange im Blick: 1993 berichtete er aus Somalia und seitdem aus fast allen Einsatzgebieten der Bundeswehr.
