Gefechte in Mali: Blauhelme getötet, Bundeswehr-Hubschrauber im Einsatz (Korrektur, Update)

Bei Gefechten im Nordosten Malis sind am (heutigen) Freitag drei Soldaten der UN-Mission MINUSMA und ein malischer Soldat gefallen, weitere Soldaten wurden verwundet. Das teilte die MINUSMA in der malischen Hauptstadt Bamako mit, nannte aber nicht die Nationalität der gefallenen Blauhelme. Die rund 150 Kilometer entfernt in Gao stationierten Bundeswehrtruppen unterstützten die UN-Soldaten am Boden mit der Aufklärungsdrohne Heron, dem Kampfhubschrauber Tiger als Überwachungsplattform und mit NH90-Helikoptern zur Evakuierung Verwundeter, wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr mitteilte.

Die Bundeswehr setzte dabei allerdings keine Waffen – zum Beispiel der Kampfhubschrauber –  ein, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos.Die deutschen Tiger seien erst eingetroffen, als das Gefecht bereits beendet gewesen sei. (Damit KORREKTUR der vorherigen Aussage – es hatte ein Missverständnis gegeben, die Bundeswehr-Hubschrauber waren nicht während des Gefechts vor Ort.)

Die NH90-Rettungshubschrauber flogen mehrere Verwundete nach Gao und Kidal aus. Am Freitagnachmittag wurden die Einsätze der deutschen Helikopter ohne Zwischenfälle beendet.

Aus der Mitteilung von MINUSMA:

Am heutigen Morgen hat ein MINUSMA-Kommando einen Angriff während einer koordinierten Operation mit den FAMas [malische Regierungstruppen, T.W.] in der Region Ménaka abgewehrt.
Nach ersten Erkenntnissen wurden während des Angriffs drei MINUSMA-Friedenstruppen getötet und mehrere verwundet, einige von ihnen in kritischem Zustand. Auch ein FAMa-Soldat kam bei dem Angriff ums Leben, ein anderer wurde verwundet.

Mehrere Angreifer wurden auch bei der Gegenwehr der Friedenstruppen und der FAMAS getötet, während andere verletzt wurden.
Unmittelbar danach wurden Luftverstärkungen eingesetzt, um die Sicherheit des Umgebung zu erhöhen und medizinische Evakuierungen zu ermöglichen.

Update: Mehr Details in einer Meldung von AP am Abend:

Suspected jihadists attacked U.N. peacekeepers carrying out an operation with Malian defense forces Friday killing at least three peacekeepers from Niger and one Malian soldier, and injuring 14 soldiers and one civilian, U.N. authorities and the Security Council said. (…)
The mission in Mali and U.N. officials in New York said the assailants attacked the peacekeepers’ position in Indelimane, about 70 kilometers (43 miles) west of Menaka near the border with Niger, early Friday morning. (…)
Following the attack, the U.N. said the Mali mission deployed three helicopters to evacuate the 14 injured peacekeepers, 13 from Niger and one from Cambodia as well as a U.N. civilian contractor. (…)
The mission in Mali dispatched a quick reaction force supported by attack helicopters to Indelimane to reinforce the peacekeepers on the ground, the U.N. said.

Die Region, in der das Gefecht stattfand:

(Die dicke Linie unten ist die Grenze zu Niger)

Bei einem weiteren Angrif auf UN-Soldaten in der Region Mopti westlich von Gao kam ebenfalls am Freitag ein Blauhelmsoldat ums Leben, wie die UN-Mission mitteilte:

Der Sonderbeauftragte des Generalsekretärs (SRSG) in Mali und MINUSMA-Chef Mahamat Saleh Annadif verurteilt heute Mittag einen neuen Angriff auf einen Konvoi der MINUSMA-Truppe nördlich von Douentza in der Region Mopti aufs Schärfste.
Nach dem Angriff verfolgten die Friedenstruppen die Angreifer.
Dieser komplexe Angriff, einschließlich des Einsatzes von Sprengkörpern und Panzerfäusten, forderte das Leben eines Blauhelmsoldaten und verletzte drei weitere schwer. (…)
Zuvor hatte der Sonderbeauftragte des VN-Generalsekretärs den Tod von drei weiteren Friedenstruppen in der Region Ménaka bedauern müssen. Bei diesem weiteren Angriff wurden 16 Friedenstruppen verletzt, ein Zivilist verletzt, ein FAMa-Soldat kam ums Leben, ein anderer wurde verwundet.

(Übersetzungen mit Hilfe von deepl.com)
(Archivbild: NH90-Hubschrauber der Bundeswehr in der Nähe von Gao/Mali im Rahmen der UN-Mission MINUSMA am 06.02.2017 – Bundeswehr/Sebastian Wilke; Karte: OpenStreetMap)

 

66 Kommentare zu „Gefechte in Mali: Blauhelme getötet, Bundeswehr-Hubschrauber im Einsatz (Korrektur, Update)“

  • Memoria   |   27. November 2017 - 0:56

    @Schleppi:
    Belgien plant offenbar (auch) mit einer maximalen Einsatzzeit von 7 Monaten: https://www.airrecognition.com/index.php/archive-world-worldwide-news-air-force-aviation-aerospace-air-military-defence-industry/global-defense-security-news/global-news-2017/november/3894-belgian-government-oks-baf-plan-to-deploy-nh90s-to-mali-in-2018.html

    Somit wäre im Oktober/ November 2018 erneut eine Ablösung notwendig. Ein echtes Rotationsmodell (z.B. mit Niederlande, Kanada, etc) ist noch nicht erkennbar.

    Zudem scheint die Nachfolge der Tiger noch nicht geklärt zu sein.

  • Jan Hoffmann   |   27. November 2017 - 9:43

    Dolles Deutsch und klare Begriffe:
    „während des Angriffs drei MINUSMA-Friedenstruppen getötet“

    Was bzw. wieviel sind drei Friedenstruppen?

    Und zu „{berwachungsplattform“

    Wenn die Bw noch ein bißchen darauf achtet, was sie für Fachbegriffe hat, dann schließt „überwachen“ den Waffeneinsatz natürlich nicht aus. Es ist eine Frage von Absicht und Lage, ob „gesichert“ oder „überwacht“ werden soll. Bei „sichern“ ist klar, daß ich (der KpfHubrschrauber) zwischen dem Feind und den eigenen, zu sichernden Teilen steht. Beim Überwachen stehe ich hinter den eigenen Teilen bzw., der von rechts, links oder vorne kommen kann. Aus der Luft stellt sich das dann in 3D dar. Also, eigentlich kein Problem.

    [Ok, wenn Ihr Französisch so viel besser ist als meines, dann würde ich Sie künftig um die Übersetzung bitten. T.W.]

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   27. November 2017 - 10:31

    Zur sich wiederholenden Fragestellung des BEL Engagements in Mali:
    1. BEL fliegt acht NH 90, je vier TTH / NTH, was hier bei AG schon mehrfach dargestellt wurde, u.a.:
    http://augengeradeaus.net/2017/11/mali-und-sahel-noch-jenseits-von-minusma-erster-einsatz-der-g5/#comment-280927
    2. Es werden zwei TTH mit 50 Soldaten backup Personal eingesetzt werden. Damit stellt BEL 50% seines Bestandes für MINUSMA.
    Von Reserven oder Ersatz kann somit nicht ausgegangen werden, im Königreich muss auch Ausbildung stattfinden: eine NH 90 fliegerisch, eine technisch. Die vier Marinehelikopter bleiben auf See, auf den Fregatten/Korvetten.
    Die Zeitdauer der BEL Selbstverpflichtung:
    Ab Februar ’18 für vier (4!) Monate, also muss im Juni 2018 Ersatz bereit sein.
    (Siehe Link, in NLD Sprache)
    https://www.hln.be/nieuws/binnenland/minister-vandeput-stuurt-nh90-helikopters-naar-mali~ab95c297/

    3. Von „Freiwilligen“ zur Ablösung ist weit und breit nichts zu hören, der Angebotstopf bleibt leer.

    Nach derzeitigem Sachstand stehen die NLD mit ihren Apache nicht bereit, die müssen sich nach knapp zwei Jahren Präsenz regenerieren und ihre Verluste ausgleichen, materiell in der Ausbildung und wegen getöteter Piloten infolge eines Absturz im März 2015. NLD bestand auf der Ablösung wegen materieller Überdehnung in der logistischen Sicherstellung des Einsatzes.
    Da UN und EU um die Befristung des BEL Angebotes natürlich wissen, werden Nachfolger gesucht, abwarten.

  • Wa-Ge   |   27. November 2017 - 10:55

    @Jan Hoffmann | 27. November 2017 – 9:43

    Gesichert wird immer der rückwärtige Raum (bei StabOp wohl der Raum unter eigener Kontrolle).

    Überwacht wird immer das Vorfeld (bei StabOp wohl der Raum, wo man nicht gesichert weiss, dass man diesen unter der eigenen oder verbündeten Kontrolle hat).

    @all
    Luftnahunterstützung muss nicht immer in Form eines Wirkmitteleinsatzes erfolgen. Show of Force (wenn politisch nicht mehr drin ist) oder Aufklärung / Überwachung aus der Luft (wenn Wirkmitteleinsatz durch Gefährdung nicht in Frage kommt, oder die Lage auch mittels Bodenkräften einfacher geklärt werden kann) fallen ebenfalls in die Kategorie.

    Von daher, nur weil der Tiger nicht geschossen hat, heisst es noch lange nicht, dass die Piloten keine Erlaubnis zum Einsatz Ihrer Bewaffnung hatten. Ob dies im Endeffekt der Fall war, keine Ahnung.

  • Dante   |   27. November 2017 - 11:14

    @Alarich
    Was natürlich die Frage aufwürft ob jemand nach dem Absturz sofort mit NH90 zum Absturzort geeilt ist um das Ding und die Hochwertteile zu bergen.

  • Memoria   |   27. November 2017 - 12:08

    @KPK:
    Eine Korrektur es sind insgesamt 8 NH90.

    Quelle:
    „Belgium has ordered eight NH90s in total, including four of NFH naval versions.“
    http://www.helicopters.airbus.com/website/en/press/Belgium%20receives%20its%20first%20NH90%20Naval%20Helicopter_1232.html

  • Jan Hoffmann   |   27. November 2017 - 12:55

    @ T.W. : mir ist gleichgültig, wer überstetzt. ;-)
    Am Ende muß die deutsche Version zumindest Sinn machen, bzw. sprachlich korrekt sein. Ich frage mich z.B. immer, warum alle von „der front nationale“ sprechen, wenn das franz. Wort „front“ also Front in Deutsch feminin ist, also die Nationale Front heißen müßte, zumal „Partei“ im deutschen auch feminin ist.

    @Wa-Ge
    Danke für die geländebezogene Definition, die jedoch den Kern verschleiert, der vor allem feindbezogen ist und dabei eigene Kräfte mit einschließt – und sei es eine Minensperre vor der eigenen Stg.

  • Wa-Ge   |   27. November 2017 - 14:10

    @ Jan Hoffmann | 27. November 2017 – 12:55

    Selbst wenn Sie nicht Gelände-, sondern Kräftebezogen argumentieren, heisst es Kräfte oder Objekte Sichern oder das Vorgehen der eigenen/verbündeten Kräfte überwachen.

    Bleibt im Kern das gleiche, das Bekannte wird gesichert, das Unbekannte überwacht.

    Und nur weil Sie ein ausgewiesener Freund der deutschen Sprache sind, weise ich darauf hin, dass man Sinn nicht „machen“ kann. Sinn kann sich nur ergeben oder eben nicht.
    „Am Ende muß die deutsche Version zumindest Sinn machen, bzw. sprachlich korrekt sein.“

    So genug des Ausfluges in den deutschen und militärischen Sprachgebrauch :-) ist eh nicht meine Stärke ;-)

  • Werferfehler   |   27. November 2017 - 17:52

    @Alerich:
    Ja, die Kameras (zumindest die nach unten, es gab früher mal noch eine nach vorne und eine Enteisungskamera, von denen sehe ich aber nichts) sind anscheinend weg, aber wenn man den Rest noch zurück bekäme wäre der Verlust nicht zu hoch. Anscheinend hat das Teil eine normale Fallschirmlandung hingelegt.
    Die Reste zurückkaufen und gut ist.
    Werferfehler

  • Georg   |   27. November 2017 - 17:57

    @ Memoria 26. Nov 00:15 Uhr

    Danke für die Linksammlung zu der aktuellen Problematik in Mali.

    Insbesondere der Bericht von Reuters über die Kuhherdenbesitzer in Mali und Niger zeigt sehr schön, wie die Radikalisierung in der Region funktioniert hat.

    Wobei die ca 1500 aus Libyen heimgekehrten malischen Söldner der Tuaregs mit den erbeuteten Waffen die Eskalationsleiter zwischen Tuaregs und dem Volk der Fulani, als Herdenbesitzer, kräftig angeheizt haben. Jeder amerikanische Rancher würde sein Eigentum, seine Herde ebenfalls mit Waffengewalt verteidigen, notfalls mit Sturmgewehren wenn die Gegenseite auch welche verwendet.

    Man kann eben nicht einen Stein aus einem Sicherheitsgleichgewicht (Gaddafi in Libyen) herausnehmen, ohne das Terroristen wie die Al-Kaida oder die Jihadisten in das Sicherheitsvakuum vorstoßen und damit das labile Sicherheitsgefüge in der Region aus dem Tritt bringen.

    Auf der anderen Seite hat die Zentralregierung in Bamako keinen besonderen Ehrgeiz den Norden des Landes zu stabilisieren. Ihre Ressourcen, ihre Goldminen liegen im Süden und solange die ausländischen Kräfte, insbesondere die Franzosen die aufständischen Gruppen im Norden im Schach halten, dass sie nicht weiter in den Süden vordringen, ist für das Patronagesystem der amtierenden Regierung im Bamako alles klar.

    Wenn man dann noch die erbärmliche Zusammensetzung und Ausrüstung der Minusma-Truppe, insbesondere die Masse der Kampftruppen aus den afrikanischen Nachbarländern von Mali anschaut, dann versteht man warum die Mission im Ansatz schon zum Scheitern verurteilt ist.

    Aber solange Frankreich mit der OP Barkhane im Norden die Aufständischen jagt und in Schach hält wird das Momentum des Konfliktes nicht kippen. Wie es bei einer potentiellen Nachfolgeoperation, wie z..B. der G5-Sahel aus den 5 Sahel Ländern aussschaut ist wahrscheinlich genauso fraglich wie bei der MINUSMA-Truppe.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   27. November 2017 - 20:48

    @Memoria
    Stimmt, 8 Maschinen.
    Allerdings hatte ich genau das auch gesagt, oder (?):
    “ 27. November 2017 – 10:31
    Zur sich wiederholenden Fragestellung des BEL Engagements in Mali:
    1. BEL fliegt acht NH 90, je vier TTH / NTH …“

  • Memoria   |   27. November 2017 - 21:23

    @KPK:
    Stimmt. Habe ich mißverstanden. Mein Fehler.
    Mea culpa.

    @Georg:
    Derlei müsste Deutschland als selbsternannter Erfinder des vernetzter Sicherheit ja täglich mit Vehemenz vorantreiben.

    Kann ich leider nicht erkennen. Wird aber weder politisch oder medial wirklich fundiert hinterfragt.

  • Memoria   |   27. November 2017 - 22:02

    Die für Herbst 2017 geplanten Regionalwahlen in Mali werden auf April 2018 verlegt:
    http://www.aljazeera.com/news/2017/11/mali-delays-regional-elections-security-concerns-171127142020986.html

    Die Wahlen sind ein wesentlicher Baustein im Friedensprozess, um die regionalen Interessen besser organisieren zu können.

    Aufgrund der Sicherheitslage kommt es nun zur Verschiebung.

    Kein gutes Zeichen.

  • Memoria   |   27. November 2017 - 22:30

    Hier noch ein aktueller Blick auf die Finanzierungsprobleme der UN im Bereich der humanitären Hilfe in Mali:
    https://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/ocha_fact_sheet_hrp2017_en_nov_0.pdf

    Die Lage rundum Gao ist durchaus kritisch.

    Wenn man mal davon ausgeht, dass die Ausgaben begründet sind ein eklatantes Budgetproblem – zum Jahresende.

    Auch hier zeigt sich für mich nationales und europäisches Politikversagen im vorgeblichen Schwerpunktland Mali.

    Derlei ist zweifellos in Berlin und Brüssel bekannt, nur offenbar findet sich niemand wirklich etwas zu verändern.

  • Memoria   |   28. November 2017 - 20:31

    Der evangelische Militärbischof in einem Interview nach einer Reise nach Mali:
    https://www.domradio.de/themen/kirche-und-politik/2017-11-28/evangelischer-militaerbischof-zum-bundeswehreinsatz-mali

    Es bleibt auch hier der Eindruck zurück, dass die Lage sich verschlechtert, jedoch ein wirklicher vernetzter Ansatz schon national nicht erkennbar ist.

  • Memoria   |   02. Dezember 2017 - 10:40

    In Frankreich wird Mali immer mehr mit Afghanistan verglichen. Hier eine Einordnung der Debatte:
    https://warontherocks.com/2017/12/mali-is-frances-afghanistan-but-with-a-difference/

    Das Fazit eines Beobachters:
    „France’s way out of Mali will have to rely on novel solutions — more political than military, more long-term than immediate, and more complex than a mere doubling down on a failing effort. This need to be creative may be the key to avoiding another Afghanistan.“

    Aber es scheint erst zu interessieren, wenn es zu spät ist.