Nach Iran-Waffenstillstand: Was macht Deutschland?
Nach der Einigung auf einen Waffenstillstand im Krieg der USA und Israels gegen Iran stellt sich nicht zuletzt die Frage, wie deutsche Aktivitäten in der Folge aussehen. Bundeskanzler Friedrich Merz versicherte in einer ersten Stellungnahme dazu: Deutschland wird in geeigneter Weise dazu beitragen, die freie Schifffahrt in der Hormus-Straße zu gewährleisten. Was das konkret bedeutet, ließ die Bundesregierung zunächst offen.
Die Formulierungen des Kanzlers wiederholte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille am (heutigen) Mittwoch in der Bundespressekonferenz. Sowohl er als auch Außenamts-Sprecher Martin Giese und Natalie Jennings vom Verteidigungsministerium wollten jedoch bewusst nichts dazu sagen, was insbesondere die Ankündigung in geeigneter Weise für die Schifffahrt in der Straße von Hormus bedeutet – nicht zuletzt deshalb, weil viele Details der Einigung noch offen sind. So machte Giese deutlich, dass aus deutscher Sicht dieser Seeweg dem UN-Seerechtsübereinkommen unterliegt und deshalb für die Passage keine Gebühren verlangt werden dürften, wie es iranische Vorstellung zu sein scheint.
Zum Nachhören die Aussagen im Wortlaut:
Nachtrag: Das Transkript dazu:
Hille: Sie haben die Entwicklungen der Nacht ja wahrgenommen. Dazu würde ich gerne ein paar einführende Sätze sagen. Die Bundesregierung begrüßt, dass sich die USA und Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe verständigt haben. Das hat ja der Bundeskanzler heute Morgen auch in einer Pressemitteilung bereits deutlich gemacht. Die Verständigung ist eine sehr gute Nachricht für die Region und weit darüber hinaus. Unser Dank gilt allen, die die Vereinbarung unterstützt haben ‑ zuallererst natürlich Pakistan ‑ und die maßgeblich an dieser Vermittlung beteiligt sind. Ziel muss es nun sein, auf diplomatischem Weg in den nächsten Tagen ein dauerhaftes Ende des Krieges auszuhandeln. Entsprechende Verhandlungen dienen dem Schutz der iranischen Zivilbevölkerung und der Sicherheit in der Region. Sie können eine schwere weltweite Energiekrise abwenden.
Die Bundesregierung unterstützt die diplomatischen Bemühungen und ist bereit, hierzu beizutragen. Dazu steht sie in engem Austausch mit den USA und anderen Partnern. Die Waffenruhe muss umgesetzt und eingehalten werden. Wir rufen Iran dazu auf, die Straße von Hormus nun wie angekündigt zu öffnen. Iran darf den internationalen Seeverkehr nicht weiter bedrohen und muss ebenfalls von weiteren Angriffen auf Israel und die Staaten am Golf absehen. Deutschland wird in geeigneter Weise dazu beitragen, die freie Schifffahrt in der Straße von Hormus zu gewährleisten. So viel zu diesem Teil.
Ich würde aber auch gleich etwas im Sinne eines gewissen Erwartungsmanagements anschließen wollen, weil es mit den Erwartungen, was die Auswirkungen dieser Entscheidungen beispielsweise auch auf die deutschen Spritpreise angeht, ja sehr zügig geht. Natürlich ist es zunächst einmal eine sehr gute Nachricht, dass wir mit der zweiwöchigen Waffenruhe jetzt zum ersten Mal auch eine Perspektive für die Wiedereröffnung der Straße von Hormus haben. Aber es braucht eine realistische Erwartungshaltung, denn es ist Realismus in mehrfacher Hinsicht geboten. Erstens. Der Waffenstillstandsprozess ist mit großen Unsicherheiten behaftet. Wir sind noch weit von einem Abkommen entfernt, und erhebliche Rückschläge sind jederzeit möglich. Zweitens. Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus braucht Zeit und führt nicht schnell unmittelbar zum Status aus dem Februar zurück. Es wird Zeit in Anspruch nehmen, bis die Schifffahrt wieder das Vorkriegsniveau erreicht und das Angebot am Weltmarkt stabilisiert ist, und es wird dauern, bis zerstörte Produktionsanlagen wiederhergestellt sind. Nur einmal zur Illustration, wenn man sich allein die logistischen Zeitverzögerungen vor Augen führt: Selbst wenn also Schiffe die Straße von Hormus ab sofort wieder passieren könnten, dauert es rein logistisch drei bis sechs Wochen, bis Schiffe die Transportrouten nach Europa vollständig zurückgelegt haben. Es wird also geraume Zeit dauern, bis diese zusätzlichen Mengen physisch verfügbar sind. Dementsprechend wird es auch dauern, bis deutliche Preissenkungen bei uns ankommen.
Auch darauf gebe ich schon einmal einen Ausblick: Die Transportkosten werden absehbar erhöht bleiben, da Durchleitungsgebühren und höhere Versicherungspreise für die Transporte nach derzeitigem Stand absehbar sind.
So viel vorab. Dann kommen wir gerne wie üblich zu Ihren Fragen.
Frage: Herr Hille, jetzt haben Sie ja noch einmal wiederholt, was der Kanzler mitgeteilt hat. Es geht um die Straße von Hormus. Deutschland wird in geeigneter Weise dazu beitragen, die freie Schifffahrt in der Straße von Hormus zu gewährleisten. Was bedeutet das konkret?
Hille: Herr Kollege, ich verstehe natürlich Ihr Interesse, würde das aber mit dem Verweis auf die Worte des Kanzlers beantworten: Deutschland wird in geeigneter Weise dazu beitragen.
Zusatzfrage: Vielleicht können Sie das noch ein bisschen näher ausführen. Bedeutet das, dass die Marine Schiffe schickt? Bedeutet das logistische Unterstützung? Vielleicht können Sie dazu auch etwas „unter drei“ sagen.
Hille: Wir haben jetzt heute Nacht eine wichtige Entscheidung wahrgenommen. Aber das ist natürlich nicht das Ende eines Prozesses, sondern der Beginn eines Prozesses. Ich habe ja gerade auch skizziert, worum es jetzt geht. Davon abhängig sind dann natürlich auch die weiteren Schritte, die es einzuleiten gilt. Deshalb kann ich nur noch einmal auf diese Formulierung zurückkommen, die Sie gerade schon zitiert haben und die ich auch schon zweimal genannt habe: Deutschland wird sich in geeigneter Weise daran beteiligen, dass die freie Seeschifffahrt in der Straße von Hormus möglich ist.
Frage: Herr Macron hat ja schon gesagt, es gebe 15 Staaten, die bereit seien, unter Führung Frankreichs genau diese freie Passage in der Straße von Hormus zu gewährleisten. Ist Deutschland bei diesen 15 Ländern dabei, und was bedeutet das genau?
Macron hat auch gesagt, die Waffenruhe müsse den Libanon mit einbeziehen. Ist das auch die Position der deutschen Bundesregierung?
Hille: Frau Kollegin, es ist zutreffend, dass hinsichtlich der Straße von Hormus intensive Gespräche laufen, und an diesen Gesprächen sind wir natürlich beteiligt. Aber es ist jetzt zu früh, so sehr ich auch Ihr Interesse verstehe, genauere Parameter, Spezifikationen und dergleichen zu nennen.
Zusatzfrage: Und der Libanon?
Hille: Vielleicht kann Herr Giese dazu etwas ergänzen.
Giese: Ganz grundsätzlich haben wir alle die Meldung aus der heutigen Nacht ‑ das ist ja noch gar nicht so lange her ‑ zur Kenntnis genommen. Das waren sehr, sehr viele Informationen. Nicht alles war immer deckungsgleich. Wir haben auch die unterschiedlichen Darstellungen zum Geltungsbereich der verkündeten Waffenruhe zur Kenntnis genommen. Ganz grundsätzlich ist es unabhängig davon entscheidend, dass alle Beteiligten diese Gelegenheit nutzen, um zu einer Deeskalation beizutragen. Deswegen rufen wir alle Beteiligten dazu auf, die Waffenruhe umzusetzen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Was ich sagen kann, ist, dass der Außenminister in den letzten Tagen ständig in Kontakt mit seinen Kollegen unter anderem in den USA, Pakistan, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten stand. Heute hat er auch mit seinem israelischen Amtskollegen gesprochen und plant weitere Gespräche in den nächsten Tagen und Stunden. Ziel muss es sein, in den nächsten Tagen ein dauerhaftes Ende des Krieges sowie eine nachhaltige Lösung der strittigen Punkte auszuhandeln. Im Gespräch mit dem israelischen Außenminister hat der Außenminister dafür plädiert, dass sich Israel auf die notwendige Selbstverteidigung gegen die Hisbollah beschränkt und nicht darüber hinausgeht.
Frage: Sollen aus Sicht der Bundesregierung israelische Truppen aus dem libanesischen Gebiet als Teil eines Waffenstillstands abgezogen werden?
Hille: Ich kann das vielleicht noch einmal unterstreichen. Es gibt da eine ganze Reihe von Gesprächen. Es gibt eine sehr intensive Nachrichtenlage aus der Nacht. Es gibt Äußerungen von der pakistanischen Seite. Es gibt andere Äußerungen von der israelischen Seite. Es geht um einen Zehn-Punkte-Plan, den wir auch noch nicht im Einzelnen kennen. Jetzt so detaillierte Äußerungen zu treffen, hielt ich deshalb für ein bisschen verfrüht. Wie wir das grundsätzlich sehen, habe ich gerade gesagt. Wie der Außenminister mit seinem israelischen Amtskollegen gesprochen hat, habe ich auch gerade noch einmal erwähnt. Es muss darum gehen, jetzt einen dauerhaften Friedensprozess zu beginnen, und dafür ist der Weg der Diplomatie der richtige.
Zusatzfrage: Darf also eine dauerhaft israelisch besetzte Pufferzone im Süden des Libanons ein Teil eines dauerhaften Friedens im Libanon sein?
Giese: Ich habe gerade gesagt ‑ vielleicht sage ich es dann noch einmal ‑, wofür der deutsche Außenminister im Gespräch mit seinem israelischen Amtskollegen plädiert hat, nämlich dass sich Israel auf sein Selbstverteidigungsrecht beschränkt. Wie es das ausübt, ist natürlich eine Frage, die möglicherweise unterschiedlich betrachtet wird. Aber ganz klar ist: Es liegt dann an Israel, darzustellen, dass es sich im Rahmen des geltenden Rechts bewegt, wenn es sich selbst verteidigt. Das nimmt Israel ja für sich in Anspruch, dass es Selbstverteidigung gegen die Angriffe der Hisbollah, die ja tatsächlich stattfinden, wahrnimmt.
Frage: Ich würde noch einmal an die mögliche deutsche Hilfe anknüpfen. Herr Hille, vielleicht können Sie zumindest zu dem zeitlichen Aspekt etwas sagen, denn der ist ja auch sehr wichtig. Wir haben jetzt also eine Waffenruhe, die vereinbart wurde. Danach müsste eigentlich so eine Art Waffenstillstand kommen und dann vielleicht ein Friedensschluss. Sie haben selbst angedeutet und die Bundesregierung hat es mehrfach erwähnt, dass dieses deutsche Hilfsangebot während der Kampfhandlungen nicht gilt. Aber ab welchem Zeitpunkt gilt es denn dann? Jetzt, während der Waffenruhe, gilt es also nicht. Gilt es dann ab dem Waffenstillstand oder erst ab einem kompletten Friedensschluss, der da in der Region erreicht ist?
Hille: Herr Kollege, das sind viele zutreffende, richtige Fragen, und genau darum, dass das jetzt geklärt wird, geht es. Die Nachrichtenlage haben Sie skizziert. Die ist uns bekannt. Die nächste Frist richtet sich jetzt auf den Freitag, wenn in Pakistan direkte Gespräche beginnen sollen. So müssen wir uns, so sehr ich auch da Ihr Interesse an dem „big picture“ sozusagen verstehe, aber Schritt für Schritt bewegen und dann die Situation beurteilen. Ziel muss es sein, jetzt auf diplomatischem Weg in den nächsten Tagen ein dauerhaftes Ende des Krieges auszuhandeln.
Zusatzfrage: Frau Jenning, können Sie uns vielleicht bitte etwas dazu sagen, was Deutschland überhaupt anzubieten hätte? Der Kanzler selbst hat ja schon einmal einen Minenräumverband erwähnt. Andere sprechen von Aufklärern. Also nur für den Fall, dass Deutschland hilft: Was könnte Deutschland denn überhaupt beitragen?
Jenning: Erlauben Sie mir zunächst einmal, dass ich die Aussagen des stellvertretenden Regierungssprechers unterstreiche. Wir befinden uns jetzt also in einer Phase, in der wir natürlich in einem engen Austausch auf allen Ebenen stehen, aber in der es eben um hypothetische Fragestellungen geht. Das haben wir auch schon häufiger an dieser Stelle diskutiert. Auch da habe ich dann schon oft von dieser Stelle aus betonen müssen, dass ich mich daran nicht beteiligen kann.
Ich kann auch jetzt nur ganz allgemein skizzieren, dass wir natürlich in vielfältigen Bereichen befähigt und ausgebildet sind und natürlich auch verschiedenste Fähigkeiten ganz abstrakt zur Verfügung stellen könnten. Aber ich kann Ihnen jetzt hier keine A-, B- oder C-Pläne skizzieren, weil wir einfach auch noch nicht so weit sind und dann genau in diese hypothetischen Fragen abrutschen, die ich Ihnen von dieser Stelle aus nicht beantworten kann.
Hille: Wenn ich das noch ergänzen darf: Das Ganze spielt sich ja in einem internationalen Verbund ab, und auch davon ist natürlich abhängig, wer was beisteuern kann, um am Ende dann eine gute Gesamtlösung zu finden. Genau diese Gespräche laufen, sozusagen im Abgleich mit dem, was dann in den kommenden Tagen zwischen Iran und den USA zu verhandeln ist. Ziel bleibt ‑ ich wiederhole es noch einmal ‑, dass jetzt auf diplomatischem Weg ein dauerhaftes Ende des Krieges ausgehandelt wird.
Frage: Ein Problem bei der Straße von Hormus ist ja die vermutliche Verlegung von Seeminen. Das ist ein Bereich, in dem Deutschland ja international anerkannte Kapazitäten hat. Die USA haben spiegelbildlich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich Fähigkeiten abgebaut. Wäre das ein Bereich, in dem Deutschland bereit wäre, sich einzubringen? Von welchen Fregatten reden wir dabei eigentlich? Wo werden die gerade eingesetzt? Wie lange würde es dauern, bis die in der Straße von Hormus wären?
Hille: Wollen Sie retournieren, Frau Jenning?
Jenning: Am Ende ist das genau die gleiche Frage. Wir können jetzt also gerne versuchen, die einzelnen Fähigkeiten abzufragen, und dann wird meine Antwort trotzdem sein, dass ich das hier so hypothetisch nicht skizzieren kann. Entsprechend bringt es uns jetzt leider nicht weiter, wenn wir die einzelnen Fähigkeiten durchgehen, weil meine Antwort, auch wenn die Sie nicht zufriedenstellt, die gleiche bleibt, nämlich dass ich mich zu diesen hypothetischen Möglichkeiten nicht äußern kann, weil auch dabei, um uns gegenseitig den Ball zuzuspielen, die Frage einfach ist, welcher Bedarf in diesen Gesprächen dann für welche Nationen irgendwie herausgearbeitet wird. Da wäre es jetzt einfach zu verfrüht, hypothetische Möglichkeiten aufzustellen.
Zusatzfrage: Aber dass Deutschland dort Kapazitäten und Fähigkeiten hat, die die USA nicht haben, können Sie doch bestätigen, oder?
Jenning: Ich habe jetzt tatsächlich an dieser Stelle überhaupt keinen Eindruck oder irgendwie verlässliche Quellen oder andere Quellen als Sie, wenn es darum geht, was die USA können und was sie nicht können. Entsprechend kann ich mich hier nur darauf zurückziehen, dass wir natürlich über verschiedenste Fähigkeiten verfügen. Auch das wird Sie nicht zufriedenstellen, aber Sie finden natürlich umfangreiche Informationen auf unseren Seiten, auf denen wir das vorhalten. Sie wissen, dass wir hier auch nicht so weit ins Detail gehen können, wenn es darum geht, was vielleicht wie und wo entbehrlich ist. Das betrifft dann natürlich alles auch sicherheitsrelevante Fragen, und die kann und will ich in diesem hypothetischen Gesamtumfeld jetzt hier nicht beantworten.
Frage: Frau Jenning, ich versuche es trotzdem einmal mit einer ganz einfachen Frage: Hat Deutschland irgendwelche Minenräumboote, die dann in Frage kommen würden, im Mittelmeer oder in irgendwelchen angrenzenden Gewässern ‑ wir haben ja eben schon von den drei bis sechs Wochen gehört ‑, die überhaupt verlegt werden könnten?
Jenning: Auch damit versuchen Sie ja wieder, genau das herauszukitzeln. Am Ende würde es auf die Antwort auf die Frage hinauslaufen: Haben wir etwas übrig, das dann dort unten sein kann? Wie schnell? – Auch das zähle ich zu diesem gesamten hypothetischen Kreis. Ich kann das total gut nachvollziehen. Auch da ist Ihr Interesse ja auch berechtigt. Aber Sie müssen mir bitte nachsehen, dass ich dazu jetzt hier nicht im Detail etwas sagen kann.
Zusatzfrage: Dann zoome ich die Frage noch einmal auf und stelle sie wieder an Herrn Hille. Wir befinden uns jetzt wenige Stunden nach der Verkündung dessen, was dort vereinbart wurde. Welche Gesprächsforen nutzt denn die Bundesregierung derzeit überhaupt, um eben diese Bedarfe zu ermitteln? Gibt es auch direkte Gespräche mit dem Iran?
Hille: Herr Kollege, wie Sie es von uns kennen, steht die Bundesregierung mit allen Freunden und Verbündeten engstens im Gespräch. Das betrifft die internationale Lage genauso wie die Frage, die wir gerade diskutiert haben, wie eine mögliche Mission in der Straße von Hormus aussehen könnte. Dabei geht es um die Beteiligten in der EU, aber auch darüber hinaus, die Interessen in dieser Region teilen. Mit all denen befinden wir uns sozusagen ständig im Gespräch. Das war in der letzten Zeit so, und das wird auch in der näheren und mittleren Zukunft genauso sein, bis wir eine Lösung haben.
Frage: Herr Hille, können Sie vielleicht noch einmal ein bisschen einschränken, welche Freunde und Verbündete das konkret sind? Alle auf der Welt werden es ja nicht sein, weil das vielleicht ein bisschen viele wäre.
Gibt es schon Maßnahmen, die Sie zum jetzigen Zeitpunkt ausschließen könnten?
Hille: Chapeau für die Kreativität, es immer wieder zu probieren! Ich kann es vielleicht insofern einschränken: Wir befinden uns mit allen relevanten befreundeten Partnern, vor allen Dingen natürlich mit den Partnern innerhalb der EU, im Gespräch. Das sind die E3-plus, das ist natürlich der EU-Kreis, das sind die USA. Ansonsten würde ich jetzt nicht sozusagen die Liste der Staaten der Vereinten Nationen in Teilen vorlesen. Es geht um alle für diese Frage, für diesen Konflikt relevanten Parteien.
Zusatzfrage: Maßnahmen, die Sie ausschließen würden?
Hille: Nein, ich werde jetzt auch nichts ausschließen.
Giese: Vielleicht einfach nur ordnungshalber: Ganz grundsätzlich ist es ja so, dass diejenigen, die von diesem Konflikt betroffen sind, ja einen sehr, sehr weiten Kreis ausmachen. Um vielleicht noch einmal das Verständnis dafür zu erzeugen: Die weltweiten wirtschaftlichen Folgen von Spritmangel, von Kerosinmangel und von Mangel beispielsweise an Düngemitteln sind ja in allen Ländern zu spüren, wie Sie wissen, wenn Sie die Berichterstattung der letzten Wochen verfolgt haben. Auf die asiatischen Länder hat sich das in besonderer Art und Weise ausgewirkt. Deswegen haben wir bzw. hat der Außenminister beispielsweise auch mit Indien darüber gesprochen. Ich will also nur sagen: Der Kreis ist relativ groß, und wir sollten nicht die Länder vergessen, die davon unmittelbar betroffen sind, nämlich die Anrainerstaaten des Golfs. Das sind diejenigen, die das produzieren und die insbesondere wirtschaftlich darauf angewiesen sind, dass die Freiheit der Seeschifffahrt gewährleistet wird. Deswegen ‑ ich hatte das schon einmal gesagt und will es noch einmal betonen ‑ steht der Außenminister mit diesen ganzen Ländern wirklich täglich in Kontakt. Die stehen wirklich in ganz, ganz regem Austausch hinsichtlich der Frage, wie wir gemeinsam darauf hinwirken können, dass dieser Seeweg wieder frei wird – für Europa, für die Anrainer, aber letztlich auch mit Wirkung auf die ganze restliche Welt.
Frage: Herr Hille, ich würde gerne noch einmal einen Tag zurückschauen. Gestern wollten sich das Kanzleramt und das Auswärtige Amt nicht äußern. US-Präsident Trump hatte angekündigt, eine ganze Zivilisation werde heute Nacht sterben. Ich gehe davon aus, dass die Bundesregierung diese Aussagen auch zur Kenntnis genommen hat. Mich würde interessieren, wie der Kanzler darauf blickt und wie er diese Drohungen des US-Präsidenten bewertet.
Hille: Herr Kollege, Sie können sicher sein, dass wir all das natürlich zur Kenntnis nehmen. Das gibt mir die Möglichkeit, vielleicht auch noch einmal für einen Aspekt zu werben, weil an einigen Stellen zu lesen ist, die Bundesregierung sei über Ostern oder so sehr still gewesen. Politik besteht nicht nur aus den Dingen, die öffentlich stattfinden, sondern ich würde sagen, vielleicht sogar der wichtigere Teil dessen findet außerhalb der Öffentlichkeit statt. Seien Sie also alle gewiss, dass die Bundesregierung und der Bundeskanzler über Ostern höchst aktiv mit Partnern und Freunden innerhalb der Europäischen Union in Kontakt standen. Wir haben gerade schon skizziert, um welchen Kreis es in diesem Zusammenhang geht.
Wie gesagt, natürlich haben wir diese Äußerungen zur Kenntnis genommen. Aber Sie haben ja auch die Entwicklungen zur Kenntnis genommen, die dann in der letzten Nacht stattgefunden haben. Da kann ich einen Satz zitieren, den ich hier schon mehrfach gesagt habe: Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit, und die Wirklichkeit sieht jetzt eben so aus. Sehen Sie es mir deshalb nach, dass ich jetzt nicht in eine Exegese der Vergangenheit einsteige.
Zusatzfrage: Ich würde trotzdem gerne noch einmal nachfragen. Das heißt, Sie wollen sich inhaltlich nicht zu dieser Aussage äußern. Das nehme ich jetzt zur Kenntnis.
Was ich mich allerdings frage, ist: Nachdem Präsident Trump diese Drohungen gepostet hat, eine ganze Zivilisation werde in der Nacht sterben, was hat die Bundesregierung da getan? Haben Sie Truth Social beobachtet und einfach dieses Ultimatum abgewartet, oder sind Sie aktiv geworden? Haben Sie also auch direkte Gespräche mit den USA gesucht? In welcher Form? Welche Position haben Sie dabei möglicherweise übermittelt?
Hille: Herr Kollege, relevant in der Politik und im Leben ist doch das, was ist, und nicht das, was wäre oder hätte sein können.
Zusatz: Ich frage Sie, was Sie getan haben, nicht, was hätte sein können.
Hille: Darauf habe ich ja gerade schon die Antwort gegeben, dass sich der Bundeskanzler nicht nur gestern, sondern auch über Ostern intensiv im Gespräch mit den verschiedenen Playern in diesem Konflikt befand. Sehen Sie es mir nach, dass ich in Bezug darauf, um wen es im Einzelnen geht, jetzt nicht ins Detail gehe. Aber seien Sie gewiss, dass wir nicht nur am Rand stehen und schauen und nichts tun, sondern dass wir die Prozesse aktiv begleiten.
Frage: Ich würde gerne noch einmal nach der Rolle Pakistans fragen. Herr Giese, Sie sagten, der Außenminister sei in Kontakt mit seinen Kollegen gewesen. Herr Hille, war auch der Kanzler in Kontakt mit dem Premierminister?
Die Pakistaner wollen jetzt auch eine Konferenz in Islamabad veranstalten. Wird sich Deutschland bemühen, daran mit Diplomaten oder auf noch höherer Ebene teilzunehmen?
Hille: Herr Kollege, ich habe ja gerade sozusagen abstrakt skizziert, dass der Kanzler sehr intensiv in Kontakten war. Ich bleibe aber bei dem, was ich gerade gesagt habe, und werde das jetzt nicht in Personen spezifizieren.
Giese: In Bezug auf die Frage, wie sich die Bundesregierung an diesen Gesprächen beteiligen wird, möchte ich vielleicht noch einmal darauf hinweisen, dass die Nachrichtenlage noch ein bisschen unübersichtlich ist. Wir sind Pakistan sehr dankbar, dass es die Einladung ausgesprochen hat, dass Gespräche in Islamabad stattfinden können. Ich habe jetzt keine Bestätigung dafür gesehen ‑ vielleicht ist mir das aber auch entgangen ‑, dass das tatsächlich auch dort stattfinden wird. Vielleicht habe ich in den ganzen Meldungen auch den Faden verloren, aber erst einmal ist das ein Angebot.
Ganz sicherlich gilt das, was ich gerade eben gesagt habe: Eine ganze Reihe von Ländern sind weltweit von den Auswirkungen der Sperrung der Straße von Hormus und von den Weiterungen dieses Konflikts betroffen ‑ nicht zuletzt die Länder in der Region, aber auch deutlich darüber hinaus. Diese Länder müssen auch eine Möglichkeit haben, an einer dauerhaften Lösung mitzuwirken; denn letztlich betrifft das alle.
Wir haben uns deswegen im Rahmen der Vereinten Nationen dafür stark gemacht, die bahrainische Sicherheitsratsresolution zu unterstützen, die auch eine Sicherung und die Wiederherstellung der Freiheit der Seeschifffahrt in der Straße von Hormus und darüber hinaus zum Thema hatte. Wir haben zur Kenntnis genommen, dass diese Resolution nicht durchgekommen ist; da gab es ein Veto von Russland und China. Möglicherweise gibt es jetzt aber einen weiteren Anlauf. Die Vereinten Nationen wären der richtige Rahmen, das zu machen; denn wie gesagt betreffen die Auswirkungen dieses Konfliktes weltweit eine ganze Reihe von Ländern. Dafür werden wir uns stark machen. Wie Sie wissen, ist Deutschland sehr aktiv in den Vereinten Nationen, und wir setzen uns selbstverständlich dafür ein, dass auch die internationalen Abkommen in diesem Rahmen eingehalten werden. Denn wie Sie vielleicht wissen, ist die Straße von Hormus nicht nur iranisches Seegebiet, sondern dort gilt auch das UN-Seerechtsübereinkommen. Deswegen ist es erforderlich, dass bei der Wiederaufnahme ein freier, sicherer und auch gebührenfreier Seeschiffverkehr sichergestellt wird. Das ist die deutsche Position, die sich aus dem internationalen Recht, das hier anwendbar ist, herleitet.
Zusatzfrage: Ist die Bundesregierung über Pakistan auch darüber informiert, was der Iran will? Das pakistanische Eingreifen hat ja gezeigt, dass es ganz sinnvoll sein kann, wenn man mit beiden Seiten sprechen kann, also nicht nur mit den USA, sondern auch mit der gegnerischen Seite. Hat man denn irgendein Feeling dafür, was die Iraner wollen?
Hille: Herr Kollege, das Wesen solcher Verhandlungen ist ja auch, dass sie nicht öffentlich geführt werden und dass man auch nicht immer in jedem Stadium ins Detail geht, wer an welcher Stelle wie, wo, mit wem zu tun hatte. Wie gesagt, Politik besteht nicht nur aus dem, was öffentlich auf der öffentlich wahrnehmbaren Bühne stattfindet. Vielmehr findet der große ‑ ich würde sagen, wichtigere ‑ Teil außerhalb der Öffentlichkeit statt. Da würde ich auch noch einmal dafür werben wollen wahrzunehmen, was jetzt gerade der Stand ist, und das ist ein erster positiver Schritt. Die Dinge, die das Erwartungsmanagement betreffen, habe ich eingangs ja schon erwähnt. So ist das Gesamtbild.
Frage: Offensichtlich sind unterschiedliche Versionen dieses Zehn-Punkte-Plans im Umlauf. Ist Ihnen denn bekannt, was der Iran in Bezug auf die Iran-Anreicherung will ‑ da gibt es ja offensichtlich unterschiedliche Stände ‑, und wie positioniert sich die Bundesregierung dazu?
Hille: Auch da würde ich jetzt nicht anfangen, die Verhandlungen ‑ und das ist Teil der Verhandlungen, die jetzt anstehen ‑ hier oder an anderer öffentlicher Stelle zu führen. Das Wesen von Verhandlungen ist, dass sie außerhalb der öffentlichen Betrachtung geführt werden, und dann werden wir ein Ergebnis haben. Ich sage noch einmal, was ich eingangs schon gesagt habe: Ziel muss es jetzt sein, auf diplomatischem Weg ein dauerhaftes Ende des Krieges auszuhandeln.
Zusatzfrage: Aber das ist ja nicht der Stand der Verhandlungen, sondern das ist erst einmal der Stand dessen, womit der Iran offensichtlich in die Verhandlungen gehen will. Offensichtlich geht es ja darum, unbegrenzt Uran anreichern zu können. Welche Position haben Sie dazu?
Hille: Bei all meinem Verständnis dafür, was Sie alles gerne wissen wollen würden: Überlassen wir es doch jetzt den nächsten Tagen und den Verhandlungen, was dort verhandelt wird und was am Ende herauskommt ‑ und nicht heute, wenige Stunden nachdem erst einmal die Grundsatzentscheidung getroffen worden ist, dass man jetzt diese Waffenruhe einläutet. Das ist der erste Schritt eines Prozesses, der gerade beginnt. Das nächste Datum ist der Freitag ‑ so ist zu lesen ‑, an dem dann offensichtlich in Pakistan die erste Verhandlungsrunde stattfinden soll. ‑ Herr Giese, wollten Sie noch was ergänzen?
Giese: Ich möchte nur noch darauf hinweisen, dass ganz grundsätzlich auch das alles ‑ auch die Frage von Urananreicherungen ‑ internationalen Bestimmungen unterliegt. Der Iran ist selbstverständlich weiterhin an den Nichtverbreitungsvertrag gebunden, was das von vornherein ausschließt und den Iran auch zwingt, mit der Internationalen Atomenergiebehörde zusammenzuarbeiten ‑ und das tut der Iran seit Jahren nicht. All das unterliegt also sozusagen einem bestehenden Regelwerk, an das sich der Iran auch zu halten hat.
Frage: Ich würde gerne noch einmal auf die Drohung des US-Präsidenten zurückkommen, nach der der Kollege gerade schon gefragt hat. Man hat sich inzwischen ja an einiges gewöhnt, was Äußerungen von Trump angeht, aber die Ankündigung, eine gesamte Zivilisation zu zerstören, und damit ganz klar mit Kriegsverbrechen zu drohen, ist dann ja doch noch einmal eine neue Dimension. Können Sie zumindest ein bisschen ausführen, wie die Bundesregierung auf diese Äußerung geblickt hat? Das ist doch noch einmal ein neuer Einschnitt, oder wird das in der Bundesregierung nicht so gesehen?
Hille: Frau Kollegin, wir haben sowohl das eine ‑ die zitierten Aussagen ‑ als auch das andere ‑ die Entscheidungen aus der Nacht und die folgenden Entwicklungen ‑ wahrgenommen. Ich bleibe dabei, dass ich jetzt nicht in irgendeiner Form in Exegese der Vergangenheit einsteigen werde. So sehr ich das Interesse daran verstehe: Verstehen Sie bitte auch meinen Punkt, dass ich das jetzt nicht rückblickend in irgendeiner Form kommentieren werde.
Zusatzfrage: Aber diese Entwicklungen der letzten Nacht machen das ja nicht ungesagt. Es handelt sich jetzt um einen Fakt, dass ein US-amerikanischer Präsident mit dem Begehen von Kriegsverbrechen droht. Dazu muss die Bundesregierung doch eine Position haben?
Hille: Ich habe Ihnen gerade sozusagen die Motivation zu schildern versucht. Hätte die Zeit einen anderen Ablauf genommen, dann wären wir möglicherweise auch zu ganz anderen Entscheidungen gekommen. Es hat sich nun aber so entwickelt, wie es sich entwickelt hat, und zwischen gestern und den zitierten Aussagen und heute liegt die Verständigung auf einen Waffenstillstand. Wie ich jetzt schon mehrfach gesagt habe, muss sich unsere Kraft jetzt doch darauf richten, das Ganze auf diplomatischen Weg zu einem dauerhaften Ende des Krieges zu führen.
Frage: Noch einmal zum Thema möglicher Hilfe Deutschlands: Sie haben gerade gesagt, dass Sie noch nichts dazu sagen können. Jetzt möchte ich aber ein bisschen ketzerisch fragen: Dass man nach einem Waffenstillstand zu einer Hilfe bereit ist, ist nun ja schon seit mindestens fünf Wochen bekannt. Können wir davon ausgehen, dass es in dieser Sache irgendeine Art von Vorbereitung der Bundesregierung gab, Sie darüber aber nichts sagen wollen? Oder beginnt die Vorbereitung tatsächlich erst jetzt?
Sie haben außerdem vom internationalen Verbund gesprochen, in dem das passieren soll. Können Sie da vielleicht noch ein bisschen genauer sein? Sie haben ja schon gesagt, dass es dabei um einen sehr großen Kreis geht. Kann das theoretisch auch auf ein UN-Mandat hinauslaufen, oder ist so etwas illusorisch? Oder wird es tatsächlich in jedem Fall eine lose Koalition der Willigen sein?
Hille: Herr Giese, zum Thema UN-Mandat können Sie gleich vielleicht was sagen.
Herr Kollege, den ersten Teil Ihrer Frage ‑ Ist die Bundesregierung vorbereitet? ‑ könnte ich mit Ja beantworten. Gehen Sie davon aus, dass die Bundesregierung immer vorbereitet ist und nicht unvorbereitet von solchen Dingen getroffen wird. Nur weil wir Dinge hier oder an anderer öffentlicher Stelle nicht sagen, heißt das nicht, dass wir nichts tun.
Giese: Zur Frage, ob es ein UN-Mandat geben kann oder nicht: Ich würde das jetzt ungern hier präkludieren wollen.
Dass wir die Bemühungen Bahrains, des derzeitigen Vorsitzenden des Sicherheitsrats, unterstützt haben, hier zu einer Resolution des Sicherheitsrats zu kommen, habe ich gerade schon betont. Ich gehe davon aus, dass es weitere Versuche geben wird. Ganz grundsätzlich sind wir der Auffassung, dass eine Resolution des Sicherheitsrats, eine Entscheidung der Vereinten Nationen, natürlich eine geeignete Grundlage dafür wäre. Das bedeutet aber nicht, dass es die einzige Grundlage ist.
Da der Rahmen aber, wie Sie schon gesagt haben, sehr groß ist ‑ wie gesagt, wir spüren weltweit die Auswirkungen ‑, werden wir uns auch bemühen und auch entsprechende Bemühungen der Sicherheitsratsmitglieder unterstützen, hier zu einer Entscheidung zu kommen. Es sind auch alle Sicherheitsratsmitglieder aufgerufen, daran konstruktiv mitzuwirken.
Zusatzfrage: Wenn Sie sagen „alle Sicherheitsratsmitglieder“: Gehen Sie davon aus, dass es in diesem Punkt auch Gesprächsbereitschaft vonseiten Russlands und Chinas gibt?
Giese: Das ist jetzt hypothetisch. Ich habe gesagt, was wünschenswert wäre. Ich gehe allerdings davon aus ‑ wie gesagt, ich will das grundsätzlich sagen ‑, dass es diese Gesprächsbereitschaft geben wird; denn es gibt den internationalen Wunsch danach, und ich glaube, dem werden sich auch China und Russland, die beide in einer jeweils unterschiedlichen Art und Weise davon betroffen sind, jetzt nicht komplett verschließen können.
Darüber hinaus: Es gab ja auch Verhandlungen in dieser Frage. Es gab Äußerungen der beiden Sicherheitsratsmitglieder, warum sie die letzte Iteration dieses Resolutionsentwurfs nicht mittragen können. Das war, glaube ich, kein Nein für die Ewigkeit. Aber wie gesagt, das ist jetzt ein bisschen im Bereich der Spekulation. Wir machen uns dafür stark, dieses Thema auch in den Vereinten Nationen zu besprechen, weil es da auch hingehört.
Frage: Herr Hille, ich möchte auch noch einmal auf die Äußerungen des US-Präsidenten von gestern zurückkommen, weil sich da ja tatsächlich eine ganze Reihe von Fragen anschließen.
Eine Frage, die jetzt einige Parteien aufgeworfen haben ‑ unter anderem die Linke heute ‑, ist, dass nach solchen Äußerungen, weil es sich hier um einen engen Verbündeten handelt, die US-Militärbasen in Deutschland geschlossen werden sollten. Es hat in den letzten Tagen ja große Restriktionen anderer EU- und NATO-Partner gegeben ‑ gestern noch einmal von den Briten, die sagten: keine Nutzung der Basen mehr für einen Angriffskrieg und für Angriffe auf zivile Ziele im Iran. Deswegen meine Frage: Was sind die Konsequenzen für die US-Militäreinrichtungen hier in Deutschland?
Hille: Herr Kollege, auch wenn Sie in Ihrer Frage nicht den Konjunktiv genutzt haben: Auch das würde ich zum jetzigen Zeitpunkt als hypothetisch bezeichnen. Unsere Haltung zu Ramstein ist hier hinlänglich besprochen worden und bekannt.
Ansonsten möchte ich noch einmal betonen: Wir sprechen auf der einen Seite über Dinge, die wir gestern wahrgenommen haben, und auf der anderen Seite über Entscheidungen, die in der Nacht getroffen worden sind. Sie sehen, ich würde es gern noch anders einordnen, aber mir bleibt nichts anderes, als noch einmal darauf hinzuweisen, dass das hypothetische Fragen sind, die sich jetzt nicht stellen. Wie ich jetzt schon verschiedentlich zitiert habe, muss es jetzt das Ziel sein, auf diplomatischem Weg in den nächsten Tagen ein dauerhaftes Ende des Krieges auszuhandeln.
Zusatzfrage: Das heißt letztlich, dass die Äußerung von gestern keine Auswirkungen auf das Verhältnis mit den USA haben wird, richtig?
Hille: Auch das haben wir heute schon mehrfach besprochen: Es gibt Dinge, die öffentlich stattfinden, und es gibt Dinge, die nicht öffentlich stattfinden. Das Wesen der Dinge, die nicht öffentlich stattfinden, ist, dass sie nicht öffentlich stattfinden. Sehen Sie es mir nach, dass ich das nicht weiter exemplifizieren kann. So ist die Lage.
Frage: Ich habe noch eine ganz kurze Frage ans Verteidigungsministerium. Wenn es jetzt auch um die mögliche Rolle Deutschlands mit Blick auf die Straße von Hormus geht ‑ Marine etc. ‑: Ist Verteidigungsminister Pistorius schon wieder zurück aus Australien, um sich dem zu widmen? Wenn nein, wann kommt er wieder, und wie läuft die Kommunikation jetzt? Er wäre dann ja auch in einer anderen Zeitzone; das würde es ja schwieriger machen.
Jenning: Völlig unabhängig von diesem Thema: Ich werde hier jetzt nicht über konkrete Zeiträume sprechen. Sie können aber davon ausgehen, dass der Verteidigungsminister stets und ständig für sämtliche Leitungsmitglieder erreichbar ist. Das gilt völlig unabhängig davon, ob Werktag, Feiertag oder Wochenende ist, und das gilt auch völlig unabhängig von seinem Aufenthaltsort.
Zusatzfrage: Und wann kommt er wieder?
Jenning: Sie wissen, dass wir hier auch die Persönlichkeitsrechte des Ministers wahren. Insofern werde ich hier keine weiteren Auskünfte darüber geben, wann er sich wo aufhält. Dabei geht es auch um Sicherheitsaspekte. Ich darf aber noch einmal betonen: Er ist für uns erreichbar.
Wenn ich das noch ergänzen darf: Sie wissen vielleicht um die aktuellen Diskussionen in unserem Geschäftsbereich. Auch zu diesen Diskussionen hat sich der Minister ja eingelassen. Insofern können Sie sich sicher sein, dass er natürlich auch bei allen anderen Themen für uns zur Verfügung steht und erreichbar ist.
Frage: Ich habe auch noch eine Frage zum zeitlichen Rahmen: Herr Hille, denken Sie, dass zwei Wochen Feuerpause ausreichend sind, um Verhandlungen über eine dauerhafte Friedenslösung abzuschließen?
Hille: Herr Kollege, auch das fällt in die Kategorie „netter Versuch“. Auch da muss ich aber um Verständnis bitten, dass ich mich jetzt nicht darüber auslassen werde, welche Zeiträume passend oder unpassend sind. Wir nehmen die Entscheidung aus dieser Nacht zur Kenntnis. Die Position der Bundesregierung dazu habe ich Ihnen eingangs ja mitgeteilt, und das hat auch der Bundeskanzler in seinem Statement heute Morgen bereits getan. Das ist also eine Entscheidung, die wir grundsätzlich begrüßen. Was das Erwartungsmanagement zum Thema Spritpreis angeht, habe ich aber auch darauf hingewiesen, dass es da jetzt noch einen längeren Weg gibt und man jetzt nicht davon ausgehen sollte, dass sich das allzu zügig an der Zapfsäule bemerkbar macht.
Erst einmal sollten wir gemeinsam festhalten, dass es eine sehr gute Nachricht ist, dass hier ein Waffenstillstand verhandelt wurde und jetzt offenbar auch eingetreten ist. Dies ist inbesondere für die Zivilbevölkerung und alle mittelbar Betroffenen sehr wichtig. Hoffen wir, dass dieser Waffenstillstand gefestigt und verdauert werden kann. Das betrifft natürlich auch alle Angriffe auf die Handelsschiffahrt und die Industrieanlagen um den persischen Golf herum.
Was ist geeignet? Nun das hängt davon ab, wie sich die Beteiligten eine Überwachung/Gewährleistung der freien Schiffahrt vorstellen und worauf sie sich letztendlich einigen können. Soll beispielsweise eine kontinuierliche Radar- und optische Überwachung eingerichtet, so könnte Deutschland da einen substantiellen Beitrag leisten. Die F125 Fregatten wurden ja beispielsweise für „Seeraumüberwachung in Stabilisierungsoperationen“ konzipiert. Auch die K130 sollten in diesen engen Gewässern ihren Mehrwert haben. Allerdings vermute ich, dass sich bereits hinreichend viele Schiffe der Anrainerstaaten im persischen Golf befinden, um dort grundsätzlich eine lückenlose Überwachung vornehmen zu können.
Wenn es ein UNO-Mandat geben würde, könnte sich Deutschland beteiligen. Allerdings sehe ich uns auch nur auf einem einstelligen Prozent-Satz der Beiträge.
Zu den restlichen diplomatischen, logistischen und finanziellen Beiträgsmöglichkeiten Deutschlands werde ich mich hier nicht äußern, da dies sicher den Rahmen sprengen würde.
Der Waffenstillstand ist meiner Meinung nach mehr als fragwürdig. Auf was haben die Parteien denn wirklich geeinigt? Auf die 15 Punkte von Trump als Verhandlungsbasis, auf die 10 Punkte des Iran oder verstehen beide Parteien was anderes Mal wieder unter der angeblichen Einigung? Ist die Schifffahrt wieder frei oder nur nach Anmeldung oder erst nach Zahlung von 2 Millionen pro Schiff? Und hält der angebliche Waffenstillstand überhaupt, nachdem Israel als einzige Partei im Libanon weiterkämpfen will? Der Iran soll auch nach dem Waffenstillstand weiter Raketen auf Golfstaaten verschossen haben. Ein Versehen oder hat man mir den falschen Leuten im Iran verhandelt? Unsere Regierung hat jedenfalls eine ganz schlechte Figur in den Konflikt abgegeben. Zur Androhung von Kriegsverbrechen & NATO Austrittsdrohungen durch Trump geschwiegen und jetzt hat man für den Waffenstillstand nicht Mal ein Angebot zur Entsendung von Minenräumern, Fregatten oder Seeaufklärern für die Straße von Hormus. Einfach nur zum Fremdschämen unsere Regierung!
@Closius sagt: 08.04.2026 um 13:31 Uhr
„Unsere Regierung hat jedenfalls eine ganz schlechte Figur in den Konflikt abgegeben. Zur Androhung von Kriegsverbrechen & NATO Austrittsdrohungen durch Trump geschwiegen und jetzt hat man für den Waffenstillstand nicht Mal ein Angebot zur Entsendung von Minenräumern, Fregatten oder Seeaufklärern für die Straße von Hormus. Einfach nur zum Fremdschämen unsere Regierung!“
Finde ich überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Die Regierung hat besonnen und bestimmt reagiert. Und auch nicht auf jedes Gefasel des US-GRÖPAZ kommentiert oder reagiert. Das meiste wusste Trump doch schon eine halbe Stunde später nicht mehr.
Und auf welchen Teil seines zusammenhanglosen und sinnentleerten Geschwafels wollen Sie jetzt planen und ein Angebot auf militärische Beteiligung machen? Und das hat dann welche Halbwertszeit? Und wie stellen Sie sich die rechtliche Grundlage dazu vor? Der Bundestag beschließt einen Einsatz, nur mit welcher Begründung?
Lassen Sie uns erstmal überhaupt den Freitag und den avisierten Beginn der direkten Friedensverhandlungen in Pakistan erreichen. Ich glaube nicht daran, dass das stattfindet. Trump ist nicht weiter zu trauen, als man ihn werfen kann.
Pio-Fritz sagt: 08.04.2026 um 13:53 Uhr :
“ Und auf welchen Teil seines zusammenhanglosen und sinnentleerten Geschwafels wollen Sie jetzt planen und ein Angebot auf militärische Beteiligung machen? “
Das ist die politische Seite, dafuer wird ein belesener Referent einen mehrheitsfaehigen Entwurf verfassen.
Das Problem liegt bei der Marine, die weder die Mittel hat in diesem Seegebiet erfolgreich und lange rpt lange zu operieren noch die logistische Komponente um dies fuer laengere Zeit ( Jahr ) durchzuhalten.
(Zur Logistik sei an die Probleme waehrend des Afghanistan-Einsatzes der BW erinnert.)
Cheers
Auf die politischen Entscheidungen hat die Bundeswehr keinen Einfluss. Aber wir haben erlebt, dass es plötzlich sehr schnell gehen kann mit BW-Einsätzen z.b. Afghanistan & Mali. Und der Kanzler hatte eine Beteiligung BRD an Überwachung Waffenstillstand in Aussicht gestellt. Damit sollte die dt. Marine schon ein paar Beteiligungsmöglichkeiten geplant haben, um sie der Regierung anzubieten. Das Statement der Regierung heute klingt aber eher so, als hätte jedenfalls die Regierung keinen Plan iS Beteiligung.
Ich kann noch immer nicht erkennen warum die Deutsche Marine da runter soll.
Alle Anrainerstaaten sollten selber ausreichend Interesse daran haben das Seegebiet zu schützen und zusammen haben sie ausreichend Schiffe und Boote vor Ort.
Die USA brauchten die Feuerpause anscheinend dringend, um dort weitere Kräfte zusammenzuziehen, um mit denen dann den Krieg wieder fortzuführen. So habe ich jedenfalls die hysterische Trump-Drohung interpretiert.
Wenn es soweit ist, fände ich es besser, wenn keine deutschen Schiffe und Seeleute vor Ort sind, die dann ins Kreuzfeuer geraten.
Entschuldigung bitte, welche Einigung?
Aus der Administration des Mister Trump kommen täglich, sogar stündlich, irgendwelche Drohungen, Ankündigungen, etc.
Gestern wollte er nach eigener Erklärung „ein ganzes Volk auslöschen.“
Dieser Angriffskrieg erfolgte ohne Abstimmung mit der NATO und ohne Europa.
Wer jetzt auf der anderen Seite, welche den Iran mehr oder weniger repräsentiert, als glaubwürdiger Ansprechpartner in Betracht kommt, ist völlig unklar und nicht zu verifizieren. Offenbar spricht wohl Pakistan für den Iran.
Überdies hat sich Mister Trump selbstredend in seiner gestrigen öffentlichen Erklärung von der NATO verabschiedet und die USA de facto zum passiven Mitglied erklärt.
‚Alles begann damit, dass wir (ich) Grönland wollten, aber sie haben es uns nicht gegeben. Dann habe ich (zur NATO) gesagt : Bye Bye!‘
Was sollen wir denn jetzt in der Straße von Hormus?
@Mike Molto
Allerdings haben wir dort einen vergleichbaren Einsatz bereits gefahren – was hat sich denn seit dem so dramatisch verschlechtert daß dies heute nicht mehr durchführbar wäre ? ‚hatte ich schon einmal erwähnt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_S%C3%BCdflanke
Die Herausforderung ist natürlich, daß Kräfte für längere Zeit dort gebunden wären und somit für NATO Verpflichtungen nicht zur Verfügung stünden. Davon ab: ist die Straße von Hormuz nun vermint oder nicht ? Und wenn ja: welche Art von Minen würde es denn sein, die sog. „Raketenminen“ ?
Aktuell können ja Schiffe passieren, „gesperrt“ ist die Straße nicht, nur „überwacht“. Klassische Minen werden es also nicht sein.
@Mike Molto
… Das Problem liegt…
Ganz sicher nicht bei der Marine und ihren Verbänden, sondern ganz offensichtlich bei unserem ehemaligen Transatlantischen Partner, welcher keiner mehr ist.
Zunächst einmal bin ich wirklich überrascht, wie schnell jetzt im Zusammenhang mit dem Mittleren – und Nahen Osten über Frieden geredet wird, denn dafür steht diese Region nun wahrlich nicht. Aktuell ist im Moment jedenfalls eine äußerst fragile Feuerpause de facto der Stand der Dinge.
Und die Straße von Hormus war keineswegs militärisch gesperrt gewesen, sondern der facto aufgrund der unkalkulierbaren Risiken nicht wirklich für die zivile Seefahrt nutzbar gewesen.
Mister Trump hat sich selbstredend in höchste Superlativen gesteigert, weshalb meines Erachtens nach nicht der geringste Zweifel daran bestehen kann, dass die maritime Supermacht ihren Job am Persischen Golf höchst selbst machen kann.
Was sollen die unterwürfigen Anbiederungen jetzt?
Wir befinden uns längst und historisch verbrieft im Epochen – Wechsel.
Die Vereinigten Staaten unter Trump sind nur noch ein passives Mitglied der NATO, auf dem Papier also. Wenn der US Kongress den Austritt förmliche verifiziert, waren die USA ein Mitglied der NATO gewesen. Da bedarf es doch nicht allen ernstes irgendeines Referentenentwurfes. Es bedarf schlussendlich der längst überfälligen Abstimmung im Deutschen Bundestag, ob die Option der Kündigung des Stationierungsrechtes der Vereinigten Staaten auf deutschem Territorium erfolgen kann
@Closius
‚Unsere Regierungen hat jedenfalls…‘
Sehr vernünftig, durchdacht und besonnen reagiert unter einer realistisch Lageeinschätzung der äußerst fragilen Lage in der Region am Persischen Golf. Deshalb ist Ihre Einschätzung zum Verhalten der Bundesregierung (sowie nahezu aller anderen Staaten der EU gleichermaßen) nicht nachvollziehbar.
Zunächst Klartext: das war und ist kein NATO Bündnis oder Verteidigungsfall. TW hat das im übrigen zu den Beiträgen über Fragen des Völkerrechts sowie des internationalen Rechts ausschöpfend behandelt und durch exerziert. Zudem verweise ich auf öffentliche Erklärungen von deutschen Spitzendiplomaten wie Rüdiger von Fritsch: ‚Die NATO ist nicht Ausputzer der Irrtümer einer fehlgeleiteten amerikanischen Außenpolitik. Punkt.‘
Ihre Kritik dürfen Sie sehr gerne an die Adresse der Akteure im Weißen Haus in Washington richten. Hier finden Sie meine volle Unterstützung.
Die Schritte „zur Sicherung eines Friedens“ ist noch ein verdammt weiter Weg, was Sie aber meines Erachtens nach zutreffend selber darlegen.
Die Verwerfungen für den internationalen globalen Handel, die globalen Wirtschafts – und Lieferketten ist gewaltig. See – Schifffahrt, Luftfahrt, Logistik sowie Industrie und Gewerbe ist international erheblich erschüttert worden. Eine Beruhigung der globalen Märkte lässt auf sich warten.
Ich glaube, für uns in Europa ist es überaus wichtig und an der Zeit, dass wir uns zuerst helfen. Überdies ist es zumindest für mich eine Frage der patriotischen Einstellung für Frieden, Freiheit und Wohlstand in der Europäischen Union. Welcher Horrorfilm gerade in Washington läuft, ist mir dabei völlig egal
Nun ja, die „Eilaufträge“ sind schon verfasst und weitere in Mache. Der Referentenentwurf und Sprechzettel auch.
Auch wenn es den Anschein hat, man versucht zumindest vor die Welle zu kommen. Ansonsten liegt ja auch qua UniBw München einiges an Papieren vor (zur Qualität kann man geteilter Meinung sein, aber das ist in unserem Geschäft immer der Fall … so what)
@Thomas Melber
Folgende Unterschiede zu damals
1) hatten wir mehr Einheiten und Besatzungen
2) Gab es keine günstigen, für unsere Mienenjäger nahezu unmöglich abzuwehrenden Drohnen (fliegend und schwimmend)
Entsprechend wäre heute das Risiko deutlich höher.
Zur Sicherung des Friedens müssen nicht nur der Iran und die USA sondern auch Israel eingebunden werden. Was, wenn ISR einmal mehr zuschlägt ? Wie soll man sich dann verhalten ?
Auch die sog. deutsche Staatsraison hat einmal Grenzen, diese wird durch das Verhalten ISRs eh über Gebühr strapaziert, so sehr man auch Sympathien für Land und Leute gehegt haben mag, die Regierung Netanjahu fährt das gegen die Wand.
Mal abwarten, was weiter passiert ! Der finale Verbleib der ~500 kg angereichertem nuklearem Material wird wohl von entscheidender Bedeutung sein.
Das ganze Völkerrechtsgeschwurbel (sorry für die Wortwahl!) hilft hier nicht weiter. Auch das kluge Gerede von DEU Politikseite nicht – Merz hatte am Anfang doch darauf hingewiesen, jetzt will er davon auf einmal nichts mehr wissen.
Wer will denn, dass die Mullahs zu Atomwaffen kommen ? Das ist doch der Grund, warum man an diesem Punkt angelangt ist ! Ich glaube schon, dass den Beteiligten das Risiko einer Sperrung der Straße von Hormuz bewusst war. Man hat aber wohl keinen anderen Weg mehr gesehen.
Bei der Gesamtsituation kann einem schon der Hut hochgehen:
– Einigung auf einen Waffenstillstand mit „Öffnung“ der Meerenge mit im Hintergrund geforderten Wegezoll ? Echt jetzt ?
– Gefordert hatte Trump 200 Milliarden mehr vom Kongress für den Krieg. Das ist inflationsbereinigt mehr als der fullscale-Vietnamkrieg früher in einem Jahr gekostet hatte.
– Die Rhetorik eines Herrn Trump ist unterirdisch und durchaus vergleichbar mit damaligem Vietnam-Kriegssprech der „Bombardierung in die Steinzeit“
Und was man dringend bedenken sollte:
Wenn bisher unbeteiligte Länder bspw. Schiffe zur Unterstützung schicken sind diese dann plötzlich direkte Kriegsteilnehmer wenn sie nach dem oder bei brüchigem Waffenstillstand beschossen werden ?
Gerade aufgrund der Punkte oben könnte man meinen das eine direkte Teilnahme keine gute Idee ist.
Indirekt nimmt man ja schon teil, Stichwort Ramstein.
Experten wundern sich übr. auch über die Entscheidung von Österreich und vor allem der Schweiz die als neutrale Länder seit neuestem US-Militärflüge in ihrem Luftraum zulassen. Das war bei Beginn des Krieges nicht so…
Das Einzige was derzeit feststeht ist das die Börsenkurse steigen und der Ölpreis stark sinkt.
Wer das vorher wusste freut sich beim Blick auf seine Optionsscheine…
@Paradox77
Wieviele Referenten – Entwürfe sollen es werden?
Aktuell, seit etwa 18.00 Uhr, soll die Straße von Hormus wieder nicht mehr freigeben für die Passage sein.
Zudem erfreut sich offenbar diejenigen, welche das Regime im Iran stellen, an der Fortsetzung der Kassierung einer Maut für Seewege in der Straße von Hormus.
Mister Trump soll dem (Hören – Sagen) jedenfalls dem Ansinnen nicht gegenüber abgeneigt sein, wenn sowohl der IRAN als auch die USA sich gemeinsam dieses Toll Collect money teilen. Wie gesagt, Letzteres unter Vorbehalt, aber durchaus ‚logisch‘ in der Wahnwelt des Mister Trump.
Wer braucht in dieser Welt der Paradoxien jetzt eine Fregatte der Deutschen Marine?
@Closius, wie wäre es mit einfach erst einmal abwarten bevor man gleich die komplette Marine in Marsch setzt ob der Waffenstillstand überhaupt hält und was an Fähigkeiten vor Ort überhaupt benötigt und erwünscht ist?
So wie ich das lese bleibt die Lage da unten äußerst fragil und die Sperrung erfolgte bisher eher nur per Funkspruch „fahrt nicht durch“ bzw die die durchkaman haben nach Anmeldung bei den Iranern ,und vermutlich Zahlung eines Wegezolls, eine Route genannt bekommen.
@IstEgal
Ein „opposed clearing“ verbietet sich hoffentlich. Ist denn überhaupt klar ob überhaupt Minen ausgebracht wurden und wenn ja: welcher Typ und wo sowie wie viele ?
Angeblich wurden die Gewässer nicht vermint, aber da sind sich die Analysten wohl nicht einig. Wenn, dann wären das wohl Grundminen bzw. die sog. „Raketenminen“, die zudem auch fernprogrammierbar sein müßten da Schiffe ja durchaus die Strait durchfahren können. Zudem: betrifft dies nur das Gebiet der eigentlichen Strait oder auch weitere Gebiete im Persischen (Arabischen ?) Golf ?
Normale Grundminen lösen aus aufgrund von Sensordaten (Magnetfeld, Akustik) und sind ggf. einstellbar nach Zahl der Überläufe.
Der Waffenstillstand der irgendwie nicht klar dokumentiert ist könnte vielleicht auch daraus resultieren das die US-Militärs ihrem Oberbefehlshaber erklärt haben das sie für Terrorangriffe nicht zur Verfügung stehen?!
Der Waffenstillstand ist mehr als fragile oder ohne Zukunft, denn solange Israel den Libanon angreift, wird der Iran die Straße von Hormus nicht öffnen bzw überlegt schon, aus dem Waffenstillstand wieder auszusteigen! Es ist offensichtlich unklar, ob der Waffenstillstand auch für die Golfstaaten & Libanon gilt!
@Pio-Fritz: Ich war schon immer ein Trump Gegner, habe seine Wahl nie begrüßt, sondern immer damit gerechnet, dass er die Welt in unnötige Kriege stürzt! Aber Trump versteht nur eine harte, konfrontative Sprache. Wer wie die Bundesregierung ihm in den Hintern kriecht oder schweigt, nimmt er nicht ernst! Wer ihm Kontra gibt, treibt ihn zur Weißglut! Unsere Regierung hätte die Pflicht, um die Demokratie in den USA zu kämpfen! Als eine der größten Exportnationen haben wir den Handel weltweit zu schützen und dazu gehört auch Geleitschutz in der Straße von Hormus, auch wenn wir den Konflikt selbst ablehnen! Die NATO ist nicht für Angriffskriege da, aber wer die Straße von Hormus schließt ist unser Feind. Da muss die Marine ihren Job tun und Minen räumen kann die dt. Marine besser als die USA Marine!
@Closius sagt: 08.04.2026 um 20:35 Uhr
„Da muss die Marine ihren Job tun und Minen räumen kann die dt. Marine besser als die USA Marine!“
Natürlich kann das unsere Marine besser als die Amis, es ist nur nicht deren Job. Die Straße von Hormus gehört nicht zum Beistandsgebiet, die USA wurden nicht angegriffen. Die Beistandsklausel zieht nicht. Und nun?
Trump hat doch mehrfach betont, er brauche keine Hilfe. Von den Europaern schonn gar nicht. Hat er nie gebraucht. Isso. Punkt.
Die Drohung des Iran, den Waffenstillstand aufzukündigen und die Straße von Hormuz weiterhin zu blockieren, deutet auf einen brillanten Strategen in der iranischen Führung hin. Der Iran gewinnt die Initiative, indem er die Finanzmärkte gegen Trump ausspielt. Diese sind in Erwartung eines raschen Kriegsendes nur moderat gefallen, aber was wäre, wenn Joe Sixpack alles verlieren würde, was in den letzten 4-5 Jahren gewonnen wurde? In einer echten Kriegsbörse mit einem Crash von weiteren 20%? Der Iran muß nicht auf die eigene Stärke vertrauen, sondern mit dem drohen, wovor sich der Gegner am meisten fürchtet. Und das ist ein langer Krieg mit unkalkulierbar hohen Kosten. Trump hält sich für einen begnadeten Dealmaker und hat sogar ein Buch darüber geschrieben (The Art of the Deal). Trump ist ein offenes Buch und leicht zu lesen.
@Closius: Die Pflicht, um die Demokratie in den USA zu kämpfen, so wie die Bundeswehr seinerzeit unsere Freiheit am Hindukusch zu verteidigen gefordert war? „Them’s fighting words!“, wie der Amerikaner sagen würde.
Ich glaube, die Amerikaner müssen das primär selbst tun. Wir können das nur von außen kommentieren, nachdem wir durch den kompletten Zusammenbruch 1945 und die vorangegangenen zivilisatorischen Tiefpunkte hoffentlich unsere Lektion ein Stück weit gelernt haben.
Solange den Bürgern der USA ihre Freiheit und die demokratischen Institutionen selbst nicht so viel wert sind, dass sie sie schützen und bewahren wollen, wird es keinerlei Wert haben, ihnen diese von außen aufzudrängen.
Wir können dabei allenfalls unterstützen, helfen, Flagge zeigen. Und wenn Trump dann wutentbrannt mit öffentlichen Tiraden zetert, hat er sich ja auch wieder ein Stückchen geoutet. Trump ist immerhin vergleichsweise leicht zu provozieren und somit auch zu manipulieren.
@Thomas Melber
Persönlich glaube ich nicht das die SoH vermint ist. Die Drohung hat ja gereicht, bzw. alle Angriffe auf zivile Schiffe erfolgten mit Drohnen oder FK´s.
Bleibt die Frage was soll die Marine dann dahin schicken? Eine 124er für Luftabwehr? 125er als Stabilisierungsfregatte (welche aber für die Bedrohungslage nicht adäquat ausgerüstet ist)?
Oder ist nicht eher die Frage können wir überhaupt einen vernünftigen Beitrag leisten? Wenn wir das nicht können und es nur um Symbolpolitik geht, nach dem Motto „wir machen mit“, dann sollten wir die Finger davon lassen. Als Mittelmacht (mit viel good-will sind wir das noch) müssen wir nicht überall Flagge zeigen.
Analog zur Operation Südflanke sehe ich halt nicht das wir uns 7 Einheiten aus den Rippen schnitzen und in das Gebiet verlegen können. Das hat sich verändert um auf ihre Eingangsfrage einzugehen.
@Pio-Fritz:
Dazu mal folgendes Zitat eines deutschen Politikers:
Na? Wissen Sie noch, wer’s gesagt hat? Der dann wenig später seinen Hut genommen hat? Richtig! Es war Bundespräsident Horst Köhler.
Sonderpunkte, wenn Sie den nächsten Beitrag hier auch noch zuordnen können:
Das war Prof. Dr. Rupert Scholz, bezogen auf die Piraterie am Horn von Afrika.
Und wie ist das nun, wenn die Bedrohung der freien Handelswege durch einen Staat wie den Iran geschieht?
Mal abgesehen davon, dass dieser gesamte Konflikt seitens Trump unnötigerweise vom Zaun gebrochen wurde, berührt er dennoch deutsche Interessen, so doof das ist. Auch ich sähe es lieber, wenn Deutschland sich da raushielte und dem Donald das Auslöffeln der selbst eingebrockten Suppe überließe.
Vermutlich wäre es am Besten, wenn die EU mit dem Iran eine gesonderte Regelung aushandelt, sodass EU-Tanker die Straße von Hormuz frei passieren können. Das wäre wohl der größte Mittelfinger, den man Trump entgegenstrecken könnte.
Gedanken dazu:
– Nach China haben die USA die größte Marine der Erde. Welchen Mehrwert bringen ein paar EU-Pötte? Hier kann es ja allenfalls um Symbolik und politische Signale gehen
– China soll 40-50 Prozent seines Öls über die Straße von Hormus beziehen, das meiste Öl geht auch darüber hinaus nach Asien (die Preise hierzulande kommen über den allgemeinen Druck an den Handelsbörsen zustande) – bisher habe ich aus dieser Richtung keinerlei Signale zu einem entsprechenden Engagement vernommen
– Die Ölexporteure haben sich über Jahrzehnte eine goldene Nase verdient, verfügen über moderne Armeen und sind teils mindestens indirekt (Saudi-Arabien sollt mit auf einen Schlag gegen Iran gedrängt haben) in den „Auftritt“ der Amerikaner involviert – Übernahme von Verantwortung?
– die NATO wurde weder vorab über „Epic Fury“ informiert, noch konsultiert. Im Gegenteil wurde NATO-Mitglieder wie Dänemark erst kürzlich noch direkt bedroht. Jetzt sollen die Erfüllungsgehilfen willfährig bei Fuß stehen? „There ist no ‚I‘ in ‚TEAM‘ …“
Es gibt viele gute Gründe hier den Ball sehr flach zu halten. Wie lange das Appeasement durch Rutte, Merz und Co noch trägt, bleibt abzuwarten. Einige haben schon die Nase voll (u.a. Spanien). Wenigstens die non-USA NATO bzw. EU sollten hier beieinander bleiben und weiterhin mit einem Hochdruck an einer USA-Substitution arbeiten.
@Metallkopf sagt: 09.04.2026 um 8:52 Uhr
„Vermutlich wäre es am Besten, wenn die EU mit dem Iran eine gesonderte Regelung aushandelt, sodass EU-Tanker die Straße von Hormuz frei passieren können. Das wäre wohl der größte Mittelfinger, den man Trump entgegenstrecken könnte.“
Das wäre die einzige tragfähige Lösung. Alles andere ist Verschwendung von Ressourcen.
Und gleichzeitig fährt Mark Rutte nach Washington und kriecht Trump rückgratlos in den Ars… . Widerlich, wie man sich so verbiegen kann.
Und hört sich die Tiraden von Trump und Rubio an, die NATO hätte ihm beim Iran-Krieg nicht geholfen und Grönland hätten sie ihm auch nicht gegeben. Und kein kritisches Wort von Rutte zu diesem Angriffskrieg, unglaublich. Wie lange soll man sich so einen Quatsch eigentlich bieten lassen? Wir sind doch nicht die Erfüllungsgehilfen für die kruden, verbrecherischen Ideen der US-Regierung.
Da wird mit Austritt gedroht und mit Abzug von Truppen aus Europa (die paar Hansel, die noch da sind) etc.pp.. Ja, dann macht das doch, aber fallt mir nicht dauernd auf die Nerven. Ich hoffe, unsere europäischen Regierungen bleiben standhaft. Rutte hat mich richtig geschockt.
…Deutschland wird in geeigneter Weise dazu beitragen, die freie Schifffahrt in der Straße von Hormus zu gewährleisten…“ verstehe ich als klassische politische Antwort. Wenn Deutschland als „Führungsspieler“ in Europa auftritt (auftreten möchte), dann kann man sich bei dem Thema nicht raushalten.
Diese Problematik ist außenpolitisch getrieben und es werden hoffentlich alle Möglichkeiten untersucht, WIE die freie Schiffahrt gewährleistet werden kann. Das reicht von Minenräumen über Seeraumüberwachung über Aufbauhilfe bei der zerstörten Infrastruktur über, über, über…. Alles, was einen Kommunikationskanal nach IRN öffnet und erhält wird als „geeignete Weise“ verkauft werden. Und wenn die Bw als „Türöffner“ für einen Kommunikationskanal genutzt wird, dann ist das vielleicht nicht primäre Aufgabe der Bw, aber auch im Sinne von Deutschland. Bei der obigen Einlassung während der BPK ist der Gedanke an klassische militärische Optionen zwar nicht falsch, aber nicht vollumfänglich.
@IstEgal
Der Iran hat eine Karte mit dem Gebiet, in dem Minen ausgelegt sein sollen, veröffentlicht. Ob dort tatsächlich welche ausgebracht wurden – wer weiß ? Jedenfalls zwingt das die Schifffahrt dichter an die iranische Küste und damit deutlich näher in den Wirkungsbereich iranischer Waffen. FOCUS Online berichtet:
„8.07 Uhr: Die Marine der iranischen Revolutionsgarden hat vor Seeminen in der Straße von Hormus gewarnt. Die Streitkräfte publizierten am späten Mittwochabend (Ortszeit) eine Karte, auf der eine Gefahrenzone in den gewöhnlichen Schifffahrtswegen der Meerenge verzeichnet ist. …
Die neue, von den Revolutionsgarden empfohlene Route verläuft entlang der Insel Larak unweit der Südküste des Irans.“
Ob die Karte stimmt ?
https://www.adaderana.lk/news.php?nid=120961
Das sollen die beiden ausgebrachten Minentypen sein:
https://maritime-executive.com/index.php/article/report-floating-and-bottom-mines-detected-in-strait-of-hormuz
@Der Uhrmacher 09.04.2026 um 5:42 Uhr
> Der Iran gewinnt die Initiative, indem er die Finanzmärkte gegen Trump ausspielt.
So so, IRN beeinflusst die Finanzmärkte? Ich würde behaupten, es ist der ruchlose Präsident, der den US-Finanzmarkt beeinflusst, und einer privilegierten Gefolgschaft ermöglicht, mit Insiderwissen illegal zu traden. Die SEC-Börsenaufsicht ist längst durch Trump korrumpiert. TACO trade ist ein neuer Begriff im Börsen-Glossar. Einen recht aufschlussreicher Artikel mit einer Auflistung von TACO-days dazu:
https://www.marketwatch.com/story/how-the-taco-trade-went-from-a-light-hearted-wall-street-joke-to-a-serious-moneymaker-8135a7b1
@Uhrenaufzieher
Daß Trump wohl Interna an seine „Supporter“ durchsticht, sogar geheime Informationen aus seinen security briefings / updates, war schon Thema bei Kongreßanhörungen (oder Senat).
„Trump Promises Donors Access to His ‚Private National Security Briefings‘ in New Fundraising Email
„You’ll get the inside scoop DIRECT from me, President Trump,“ the email promised to supporters who quickly paid to become a „National Security Briefing Member““
https://people.com/trump-promises-donors-access-national-security-briefings-11925725
Ob das dann tatsächlich erfolgte weiß ich nicht, aber es ist offensichtlich, daß vor wichtigen Entscheidungen bestimmte Trades durchgeführt wurden.
https://www.srf.ch/news/wirtschaft/insiderhandel-im-weissen-haus-wie-im-schatten-des-krieges-millionenprofite-gescheffelt-werden
@ Thomas Melber
Interessante Karte, grob überschlagen wären das knapp 1000km², so zwingt man die Schiffe in IRN TTW´s und damit unter die Bezahlschranke für die Durchfahrt.
Das fiese bei einem Minenfeld ist ja, alleine die Behauptung da ist eines treibt die Kosten so hoch das erst nach bestmöglicher Suche das Risiko auf ein erträgliches Maß sinkt. An IRN Stelle würde ich übrigens medienwirksam eine Mine da detonieren lassen.
Die Schiffe welche für befreundete Nationen gedacht sind kommen übrigens nördlich Larak schon die ganze Zeit durch.
Es bleibt spannend.
@Pham Nuwen, @Pio-Fritz 04.2026 um 9:37 Uhr
Seltsame Ruhe im deutschen „Blätter-Wald“. Wo doch sonst jeder Pinscher, im Supermarkt prächtige Schlagzeilen generiert, ist der Rutte-Besuch ein mediales beinahe-non-event.
tagesschau.de dazu recht dünn: Rutte beschrieb das Treffen mit Trump als „sehr offene Diskussion zwischen zwei Freunden“.
Eine diplomatische Umschreibung dafür, es hat ordentlich gekracht zwischen den beiden.
@Uhrenaufzieher 09.04.2026 um 10:38 Uhr:
Der Iran bestimmt, ob und wie die Straße von Hormus passiert werden kann. Jedes Stop! jedes Go! bewegt die Börsen.
—————-
Generell finde ich die aktuelle Kommunikation okay. Natürlich kann man sich wünschen, daß die wüsten Kommentare Trumps öffentlich verurteilt werden, aber was bringt es ausser ein paar Daumen nach oben in social media.
Wichtiger halte, daß international konsistent und verläßlich kommuniziert wird auf der jeweils richtigen Ebene: Botschafter, Außenminister, Kanzleramt, Kanzler. Ob dies jetzt passiert, werden wir vielleicht in einem Jahr wisen. Ich hoffe, daß es Menschen im Maschinenraum gibt, die solche permanente umd vielseitige (=viele Beteiligte) Kommunikation gut managen können. Es bringt niemanden was, wenn Kanzler, Außenminister, Fraktionsvorsitzende, Vtg.minister tbc.: jeder was anderes rausbläst. Die Gegenüber müssen wissen, daß Berlin (inkl. Botschafter vor Ort) mit einer Stimme spricht, damit sie D/EU vertrauen.
Gerade die fortgesetzten Gefechte/Angriffe im Libanon und das Verhalten des Iran im Hormuz ( hängt zusammen ) weist darauf hin dass das nur eine Verschnaufpause vor dem nächsten TACO Trade ist. Mal sehen auf welche Werte wer wann Puts bzw. Calls kauft und was für Termingeschäfte sich anbahnen.
In den üblichen TV-Nachrichtenkanälen ( von N24, NTV… bis zu BBC , CNN, NBC, Al Jazzera etc. ) und auch von Experten die mit gesundem Menschenverstand gesegnet sind kommt eigentl. immer folgende Aussage:
Solange ein Mullah-Regime im Iran noch an der Macht ist und der Krieg tobt ist die Strasse von Hormuz im gleichen Ausmass wie vor dem Krieg nicht passierbar.
Zumindest nicht wenn der Iran der Durchfahrt nicht zustimmt.
Danach sieht es nicht aus ( von Wegezoll-Passagen mal abgesehen ).
Daran ändern weder grosse Kriegsflotten noch Minenräumer etwas.
Alleine schon da Kriegsgebiete nicht versicherbar sind.
Und der Iran noch viele Raketen hat…
Bei der derzeitigen Situation sieht es Dr.-Doom-mässig sehr schattig aus für die Durchfahrt…
Trump will den Zugriff auf iranisches Öl. Dazu ist die Insel Karg wichtig. Er will m.E, von den anderen nicht. Hilfe bei der Öffnung der Straße für den Welthandel.
Ich vermute, er will die Öffnung, damit er mit den dicken Pötten für Truppen und Unterstützung rein kann. Karg wird er m.E. dann unter einem passenden Vorwand (Iran hält sich nicht an die Abmachungen oder Ähnliches) versuchen zu besetzen.
Die Hemmschwelle für den Iran mag durch die Alliierten Schiffe dann entweder gestiegen sein, die Besetzung von Karg mit Gewalt verhindern zu wollen. Wenn nicht, werden Europäer und Co., wenn der Iran dann doch Schiffe attackiert, und die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass auch nicht-US-Schiffe bekämpft werden, in den Konflikt an Seite der USA hinein gezogen werden.
@Brainstormer, also das die Anwesenheit weiterer Schiffe von Nato Staaten ( wer sonst sollte welche schicken?) die Hemmschwelle für den Iran die anzugreifen erhöht sehe ich nicht. Schlimmer als jetzt wo „nur“ die USA und Israel angreifen kann es für den Iran nicht werden, zumal die übrigen Nato Staaten kaum die nötigen Kräfte in die Region verlegen werden um irgendwie ihrerseits sofort eskalieren zu können und Bodentruppen wird für den Iran erwartbar keiner schicken wollen. Was wären also die Konsequenzen für den Iran wenn er einen deutschen Minenräumer versenkt?
Gestern beim NDR in Hallo Niedersachsen ein Bericht über die Hapag Lloyd und deren 6 Schiffe im Persischen Golf. Der Vorstandsvorsitzende berichtete, diese kosten der Reederei ca. 50 Millionen Euro pro Woche.
Wie die sich zusammensetzen, wurde leider nicht dargestellt, aber wahrscheinlich ist entgangener Umsatz da mit drin.
Mir drängte sich sofort die Frage auf, wenn das so teuer ist, warum macht die Reederei nicht mit dem Iran einen Deal, bezahlt die „Maut“ und holt die Schiffe da raus. Bei den kolportierten 2 Millionen US-$ pro Schiff entspräche das noch nicht einmal dem Geld von zwei Tagen weiter dort liegen lassen. Das löst das Problem zwar insgesamt nicht, aber die Schiffe wären da raus.
Könnte auch die Regierung bezahlen, es ist immer noch günstiger, als ein Marineschiff dorthin zu schicken. Und dann wäre das Problem immer noch nicht gelöst.
Pio-Fritz sagt: 10.04.2026 um 11:50 Uhr
Zu Ihrer Frage: Es ist zu vermuten dass das Trump-Regime Einzelabsprachen ver/behindert.
Cheers
@Brainstormer
„Ich vermute, er will die Öffnung, damit er mit den dicken Pötten für Truppen und Unterstützung rein kann“
Aber gerade die dicken Pötte würde er massiv riskieren, wenn er sie reinschickt. Minen, Artillerie, Drohnen, Raketen .. und alles safe aus dem Gebirge heraus, haben sie sich mal das Relief auf der Iranischen Seite angeschaut?
(Minen lassen sich auch mit dem Schlauchboot verlegen, was in irgendeiner Höhle oder einem Keller gelagert war)
Das kann man nur sichern, wenn man Massiv reingeht. Ins Gebirge. In den Kampf Schlucht um Schlucht. Und das wäre blutig, dazu sind die USA nicht bereit. Und sonst wohl auch niemand, wie es scheint.
Das der Plan noch grundsätzlich ist, die Insel Kharg einzunehmen, vermute ich zwar auch und ich denke das jetzt Truppen herangeschafft werden, die das leisten sollen, ohne das große Schiffe sinken. Aber Begeistert ist die Truppe sicher nicht. Und einen schlaueren Masterplan, abseits von während der Verhandlungen unvermittelt losschlagen, wirds wohl nicht geben. Kiew-Hostomel 2.0?
Oder alles anders und erstmal Grönland einnehmen? Oder doch Kuba? Wehe dem, der Schwäche zeigt.
Eins ist sicher, die Ansage ans Kriegsministerium während der Umbenennung stimmte, es ist dazu da, Kriege zu führen.
@Pio-Fritz 10.04.2026 um 11:50 Uhr
> Könnte auch die Regierung bezahlen, es ist immer noch günstiger, als ein Marineschiff dorthin zu schicken. Und dann wäre das Problem immer noch nicht gelöst.
Könnte. Klug wäre das jedenfalls nicht, um nicht zu sagen maximal blöd.
Erstens lässt sich die deutsche Bundesregierung nicht (offensichtlich) erpressen.
Zweites gilt das Primat der offenen Handelswege auf See.
Drittens verbietet es sich, Schurken mit Geld zu versorgen.
Viertes würde die Bezahlung andere an anderen Ecken ermuntern ebenfalls nur noch gegen Geld Passagen erlauben.
Nicht gegen Brainstorming, aber ein wenig filtern könnte man seine Gedanken schon, insbesondere beim Antizipieren der Folgen seiner eigenen Taten, und ganz besonders wenn es verantwortungsvolles Regierungshandeln betrifft.
@Mike Molto:
Können die natürlich versuchen. Aber man kann Trump ja immer noch entgegenhalten: „Wir machen Deals, Du quatscht nur drüber!“
@Pio-Fritz:
Also wie eine neue Strophe aus der A…hkriecherballade sah mir das nicht aus. Rutte hat sich vor der Kamera vornehm zurückgehalten, weil das seine niederländisch konsensorientierte Art ist. Vielleicht ist das ein Fehler, aber in der Tat, wie Teflon-Kratzer schrieb: die Äußerung „sehr offene Diskussion zwischen Freunden“ ist schon aussagekräftig, für alle, die das zu lesen wissen. Rutte wird ziemlich unmissverständlich klar gemacht haben, dass die NATO primär ein Verteidigungsbündnis ist, und kein Werkzeug zur Durchsetzung von Trumps politischen Partikularinteressen – noch dazu jenseits des ausdrücklich begrenzten Bündnisgebietes.
Guten Start ins Wochenende wünsch ich erstmal,
zur Rolle und Selbstverständnisses des Verteidiungsbündnisses in dieser Frage sei bitte angemerkt, dass diese Allianz eine zentrale Rolle während der Operation Allied Force sowie ISAF- und Resolute-Support eingenommen hatte. Als ein Verteidigungsbündnis kann die Nato also schon seit den 90ern nicht mehr angesehen werden. Schon alleine den Bündisfall auszurufen, eines Anschlags wegen darf als grenzwertig angesehen werden. So gesehen liegt Herr Trump hier leider nicht allzu falsch, mit seinen Vorwürfen. Was sich geändert hat, ist die Art der Kriegsführung, sie ist digital und günstiger geworden. Deshalb würde aus meiner Sicht eine Stationierung deutscher Schiffe wenig Sinn ergeben. Eine effektive Drohnenabwehr existiert schlicht und ergreifend nicht. Mit minimalem Aufwand kann maximaler Schaden verursacht werden. Ein versenktes Schiff samt Besatzung zu ersetzen dauert Jahre eine Drohne, kommt auf die Größe an, ist zu einem billigen Massenprodukt geworden. Solange dafür keine Lösung gefunden wird, darf jegliches militärische Engagement als Verlustgeschäft angesehen werden.
Der Fehler Trumps war unilateral zu handeln und seine Partner zu übergehen. So funktioniert keine Geschäftsbeziehung und keine Partnerschaft auf Dauer. Der Iran hat hier die besseren Karten, der Imageschaden für die USA ist enorm wird langfrstig zu geopolitischen Veränderungen führen.
MfG:
Wandersmann