Deutschlands Rolle im Kampf gegen ISIS: Ein paar Infos – und offene Fragen (Nachtrag)

Die (politische) Debatte läuft seit dem (gestrigen) Mittwochabend: Die Bundeswehr ist laut Medien-Recherchen möglicherweise indirekt an einem Luftangriff in Syrien mit vielen zivilen Todesopfern beteiligt gewesen, meldete zum Beispiel der Deutschlandfunk in seinen Nachrichten, und die Formulierung macht schon klar: Das ist eine recht komplexe Situation. Welche Rolle spielen die Aufklärungsfotos, die die Bundeswehr im Kampf gegen die islamistischen ISIS-Milizen im Irak und in Syrien liefert, für den Einsatz der internationalen Anti-ISIS-Koalition – generell und in diesem speziellen Fall?

Ein paar Infos zur Sachklärung – und noch einige offene Fragen:

• Um welchen Luftangriff geht es?

Unter den zahlreichen Luftangriffen der internationalen Koalition gegen vermutete oder erkannte ISIS-Ziele in Syrien und Irak, bei denen nach einer Übersicht der NGO airwars.org Zivilisten ums Leben kamen, dürfte dieser Luftschlag gegen ein Gebäude bei Mansur (al-Mansour) westlich von Raqqa in Syrien gemeint sein:

March 21st 2017: المنصورة Al Mansoura, Raqqa governorate, Syria
Summary: In a major casualty incident at least 33 civilians died (and as many as 420 according to some claims) with dozens more injured in an alleged Coalition airstrike on the al Badiya school in Mansoura, which was said to have housed up to 100 displaced families.
Coalition commander Lt General Townsend later denied that the strike had killed civilians, stating: “We had multiple corroborating intelligence sources from various types of intelligence that told us the enemy was using that school. And we observed it. And we saw what we expected to see. We struck it. We saw what we expected to see. Afterwards, we got an allegation that it wasn’t ISIS fighters in there; got a single allegation it wasn’t ISIS fighters in there; it was instead refugees of some sort in the school. Yet, not seeing any corroborating evidence of that. In fact, everything we’ve seen since then suggests that it was the 30 or so ISIS fighters that we expected to be there.”
Local monitors disagreed. In a video Jisr TV said: “Tens of people displaced were in that school and until now we couldn’t reach the school and don’t know what happened to them. Whether they evacuated the school or not is unknown before it was targeted by Coalition warplanes.” Qasioun added that “the Coalition carried out three raids on the school and it’s not clear how many people were killed. The school hosted displaced people from Aleppo.”

Die Aufklärungs-Tornados der Luftwaffe hatten das fragliche Gebäude zwei Tage zuvor überflogen, ebenso ein paar Tage später, um die Wirkung des Luftangriffs bewerten zu können. Entsprechende Informationen gab das Verteidigungsministerium am Mittwoch dem Verteidigungsausschuss des Bundestages.

• Was macht die Bundeswehr mit ihren Aufklärungsflugzeugen dort, und warum?

Der Einsatz ist eine direkte Folge der Terrorangriffe in Paris im November 2015: Frankreich hatte damals die Unterstützung seiner Verbündeten eingefordert und sich dabei vor allem auf die entsprechende Beistandsklausel im EU-Vertrag berufen. Zu dieser Unterstützung, aber auch für den Kampf gegen ISIS insgesamt beteiligt sich die Bundeswehr praktisch seit Anfang 2016 an der von den USA geführten Anti-ISIS-Koalition – allerdings nicht wie andere Staaten (vor allem die USA, aber auch Großbritannien, Frankreich, weitere europäische Länder und einige Golfstaaten) mit Luftangriffen, sondern ausschließlich mit Aufklärungsflugzeugen und zudem mit einem Tankflugzeug für die Kampfjets anderer Koalitionsmitglieder.

Die so genannten Recce-Tornados (von recconnaissance – Aufklärung) starten von der türkischen Basis Incirlik zu ihren Flügen über Syrien und dem Irak und liefern hoch aufgelöste Luftbilder, wie ein von der Bundeswehr veröffentlichtes Beispiel aus Syrien zeigt:

Blick hinter die Kulissen-Tagesablauf Torandobesatzung Einsatzaufklärungsflugbetrieb

Was sie aber nicht liefern, sind Luftaufnahmen in Echtzeit: Zwar können die deutschen Tornados die Aufnahmen ihres so genannten Recce Pod bis zu einer gewissen Entfernung mit einem Datenlink über Funk direkt an eine Auswertestation übertragen – allerdings besteht diese Verbindung angesichts der Entfernungen nicht immer. Zum Teil landen die Aufnahmen deshalb erst Stunden später in der – ebenfalls von der Bundeswehr in Incirlik betriebenen – Auswertestation, der Ground Exploitation Station (Foto ganz oben).

• Was passiert mit den deutschen Aufklärungsergebnissen?

Die Fotos der Bundeswehr-Tornados werden ausgewertet, zum Teil werden auch räumlich wirkende Bilder erstellt.  Die Auswertung und die Aufnahmen gehen an das Hauptquartier der Luftstreitkräfte der Anti-ISIS-Koalition auf der Al Udeid Air Base in Katar. Dort werden sie im so genannten targeting-Prozess mit anderen Aufklärungsergebnissen zusammengefasst: Das können aktuelle Luftaufnahmen von Drohnen sein, ebenso aber auch Meldungen von Einheiten – z.B. US-Spezialkräften – am Boden.

Die Bestimmung von Angriffszielen in einem Luftkrieg ist üblicherweise keine kurzfristige Entscheidung: Die Ziele werden Tage zuvor festgelegt. Die deutschen Luftbilder dienen deshalb zwar als Planungsgrundlage, sind wegen des zeitlichen Vorlaufs aber wenig geeignet, um z.B. kurzfristig zu klären, ob ein Gebäude inzwischen als Unterkunft von Zivilisten dient.

An der eigentlichen Zielentscheidung ist die Bundeswehr nicht mehr beteiligt – ihre Mitsprache endet bislang bei der Frage, ob die Zuweisung von Aufklärungszielen an die deutschen Flugzeuge und die Aufklärungsergebnisse den Vorgaben des Bundestagsmandats entsprechen.

• Warum werden – in jüngster Zeit zunehmend – Zivilisten Opfer der Luftangriffe?

Der Kampf gegen ISIS ist kein regulärer Krieg gegen die Streitkräfte eines anderen Landes, bei dem militärische Einrichtungen von zivilen Wohngebieten sauber zu unterscheiden wären – im Gegenteil: Je mehr ISIS in Städten wie Raqqa in Syrien oder Mossul im Irak in die Enge getrieben wird, um so größer ist die Gefahr, dass Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht und ihre Wohnungen und Häuser als Kampfstellungen genutzt werden.

Hinzu kommt zum Beispiel im Irak der Wunsch der irakischen Streitkräfte, beim gefährlichen Häuserkampf erkannte gegnerische Stellungen möglichst schnell auszuschalten – mit Hilfe der Kampfflugzeuge der Koalition, um die eigenen Soldaten weniger dem Risiko auszusetzen. Ob dabei auch immer die nötige Rücksicht auf Zivilisten genommen wird, ist zumindest fraglich.

• Ist Deutschland damit letztendlich auch für die zivilen Opfer mit verantwortlich?

Es ist eine irrige Ansicht, zu glauben, bei solchen Kampfhandlungen mache es einen großen Unterschied, ob eine Nation Aufklärungsergebnisse liefert oder mit eigenen Flugzeugen bombardiert: Zu dem militärischen Vorgehen gehört beides. Ob die Bundesregierung bewusst nur Aufklärungsflugzeuge für die Anti-ISIS-Koalition anbot, weil das (innen)politisch harmloser schien, lasse ich mal dahingestellt – aber so zu tun, als sei man damit nicht Teil des militärischen Vorgehens insgesamt und deshalb auch für Fehlschläge wie die Bombardierung von Zivilisten nicht verantwortlich zu machen, ist zu kurz gegriffen.

Was wir bislang nicht wissen:

• Seit Beginn der deutschen Aufklärungsmissionen am 8. Januar 2016  bis zum 28. März dieses Jahres sind die Tornados nach Angaben des Verteidigungsministeriums zu insgesamt 830 Einsatzflügen gestartet. In wie vielen Fällen die deutschen Aufklärungsergebnisse direkt zu Luftangriffen führten, ist öffentlich ebenso unklar wie die Antwort auf die Frage, ob es in der Vergangenheit schon Fälle gab, in denen Luftschläge mit getöteten Zivilisten auch auf diesen Bundeswehr-Aufklärungsbildern beruhten.

• In den vergangenen Tagen und Wochen hat die Zahl der getöteten Zivilisten als Folge von Luftangriffen auf ISIS-Stellungen zugenommen – und es gibt die Vermutung, dass die USA seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump ihre Verfahren geändert haben und weniger zurückhaltend sind bei Bombardements, die auch Zivilisten gefährden können. Die Frage ist, ob Deutschland als Teil der Anti-ISIS-Koalition das bei Besprechungen innerhalb der Koalition thematisiert und auch versucht, auf die Verfahren bei der Planung der Luftangriffe Einfluss zu nehmen.

Nachtrag: Solche Fragen werden inzwischen auch in den USA gestellt, wie die Washington Post berichtet:

In a sign of mounting concern over civilian deaths, a U.S. lawmaker sent a letter this week to Defense Secretary Jim Mattis requesting details on how the Trump administration is waging its air campaign against the Islamic State.
(…)
In his letter, Lieu drew attention to comments that President Trump made in the run-up to his election, including his assertion that the United States should “take out” militants’ families and “bomb the s—” out of the Islamic State.“The substantial increases in civilian deaths caused by U.S. military force in Syria and Iraq brings into question whether the Trump administration is violating the Law of War,” he said. “The large number of civilian casualties also suggests a possible breakdown in target selection, intelligence gathering, and operational execution.”

(Sollte ich einen wesentlichen Aspekt übersehen haben, bitte ein Hinweis in den Kommentaren)

(Foto oben: Auswertestation in Incirlik, Januar 2016; Foto unten: Tornado-Luftaufnahme aus Syrien – Foto Bundeswehr)

20 Kommentare zu „Deutschlands Rolle im Kampf gegen ISIS: Ein paar Infos – und offene Fragen (Nachtrag)“

  • closius   |   30. März 2017 - 15:47

    Jetzt zeigt sich der Nachteil, wenn man Drückeberger spielt und „nur“ Aufklärungsfotos machen will, aber keine bösen Bomben werfen will. Die BW hat keinen Einfluß, was mit ihren Bildern geschieht und ist mit im Boot, auch wenn andere über den Bombeneinsatz entscheiden und die anderen können immer sagen, die Aufklärungsfotos der BW seien schuld, daß man ein Ziel angegriffen hätte.

    Wenn man selbst bombt, ist man zwar abhängig u.a. von der Aufklärung anderer, aber die BW könnte immer national entscheiden, ein bestimmtes Ziel nicht anzugreifen.

  • wacaffe   |   30. März 2017 - 16:06

    @ T.W.

    erstmal danke für die wohltuend sachliche Einordnung

    das ganz große mediale empörungsspektakel scheint ja gottseidank auszubleiben.

    Das es dazu in der vergangenheit so häufig kam ist primär der quasi universellen unkenntnis hinsichtlich militärischer operationsführung und operativer zusammenhänge geschuldet.

    verstärkt wird dieser effekt durch die durchweg realitätsflüchtende kommunikation der BuReg bezüglich militärischen handelns die früher oder später mit der realität konfrontiert wird und dann für „überraschung/empörung“ an der heimatfront sorgt.

    schlicht schlechtes erwartungsmanagement

  • klabautermann   |   30. März 2017 - 16:15

    Die Problematik ist doch nicht unbedingt, dass hier die BuReg eine Art „Mitverantwortung“ trägt, sondern es ist der Umstand, dass die US Operationsführung sich noch nicht einmal mit den „Host Nations“ abspricht bei der taktischen Vorgehensweise. Das war/ist das Problem in Pakistan, Afghanistan, Irak und insbesondere Syrien, das nun die USA und Co ganz bestimmt nicht eingeladen hat on-the-ground und in-the-air den Feldzug gegen den ISIS zu führen. Heute ging durch die Presse, dass die irakische Führung den eigenen Kräften in Mossul den Einsatz schwerer Artillerie und Raketenartillerie im Häuserkampf quasi untersagt hat. Vor einigen Tagen hatten die Regierung der Zivilbevölkerung geraten, bloß in den Häusern zu bleiben, damit sie nicht ins Kreuzfeuer gerät, bzw. als Schutzschild auf offener Strasse mißbraucht werden kann. Das Gejammere in S&S die US Truppen würden die hearts&minds der Zivilbevölkerung durch diese Bombardierungen verlieren ist nur als scheinheilig zu betrachten. Die unilaterale taktische Vorgehensweise der US-SOF waren schon Thema unter Obama. Andererseits lehrt allerdings die „Kriegsgeschichte“ gegen ISIS und AK und Co, dass jede Form von Rücksichtsnahme, Waffenruhe und/oder Waffenstillstand nur dazu führt, dass die Hornissen sich regenerieren und rekonfigurieren, Für diese Hornissen sind die Zivilbevölkerung, die zivile Infrastruktur (Wasser, Energie etc.) nichts anderes als militärische Objekte, die systematisch operativ gegen den Gegner eingesetzt werden. Schickt die Regierung die Bevölkerung in die Häuser, dann geht der IS in die Häuser. Schickt die Regierung die Bevölkerung auf die Strasse und ruft zur Flucht auf, dann geht der IS auf die Strasse……der Gegner sindt eben die Regierungen und deren Kräfte und natürlich die Koaltion, die Russen, der Iran etc.pp.. Das mediale Blame Game bestimmter NGO in Sachen politische Verantwortung für zivile Verluste ist imho auch scheinheilig. Die Taktiken des ISIS und Co insbesondere in urbanen Ballungsräumen führen zu militärischen Zwangsläufigkeiten, die man imho allerdings geschickter handhaben sollte als die gegenwärtige US-Operationsführung.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   30. März 2017 - 17:37

    Von @Klabauterman geforderte „Absprachen mit der/den Host Nation“.
    Der in Rede stehende Sachverhalt betrifft vom 21.03. 2017 einen Luftangriff auf Al Mansoura, Raqqa governorate, Syria mit mindestens 33 getöteten Zivilisten.
    Für die syrische „employment area“ gilt, mit wem hätte sich Lt General Townsend in seiner Funktion als „Coalition Commander“ absprechen sollen. Der Präsident heißt nach wie vor Bashir al -Assad. Ich unterstelle, er fällt als Gesprächspartner aus, außer für Putin.
    Womit ich nicht die Forderung nach Aufklärung unmittelbar am Objekt vor dem Waffenauslösung (weapon free) negiere. Ob dies hier stattfand, durch SOF, ggf sogar mit JTAC/Spotter am Objekt, muss offen bleiben.
    Die Forderung nach Kooperation mit funktionierenden Regierungen, sofern dies auf den Irak und auf Afghanistan zutrifft, besteht zurecht. Die Notwendigkeit ergibt sowohl zur Absicherung gemeinsamer Operationsführung als natürlich in der Achtung anderer Regierungen. Für die „Islamische Republik Pakistan“ lehne ich die Absprachenotwendigkeit generell ab. Mit wieviel Taliban interagiert PAK Armee in Waziristan, in gemeinsamer Sache Rückzugsorte für afghanische Talibs bietend? Die Zahlen sind Legion.
    Die Schwierigkeit taktisch sauberen Vorgehens in einem „urban op“-Szenar habe ich versucht im Faden „Zivile Opfer im Kampf gegen den IS …“ darzustellen. An Operationen in urbanen Ballungsräumen gibt es rein gar nichts „geschickt handzuhaben“. Die Gefechte sind unglaublich brutal, wie es in keinem Filmbericht darstellbar wird. Wortreiche, geschickte Erklärungsversuche, sind per se unglaubwürdig, müssen unterbleiben, niemand am TV glaubt nur eine diesbezügliche Aussage.
    Es gilt der Satz, wer Militär einsetzt, kann sich schuldig machen. Umgekehrt trifft’s auch. Wer Einsatz von Militär verweigert macht sich schuldig, da er dem Aggressor, in diesem Fall Daesh, das Feld überlässt.

  • Wait&C   |   30. März 2017 - 17:44

    @klabautermann

    Um es schwammig zu sagen, galt nicht seit den jugoslawischen Bürgerkriegen das Many-Eyes-Prinzip bei NATO-Operationen?

    Demzufolge wurde einem recht umfangreichem Stab anstehende Ziele und Aufklärung vorgelegt und jedes Stabsmitglied konnte eine unbegründete Aufschiebung verlangen oder einen begründeten Abbruch eines Einsatzes.

  • Sachlicher   |   30. März 2017 - 18:22

    bei denen nach einer Übersicht der NGO airwars.org Zivilisten ums Leben kamen
    Das Aufzählen von Toten, wie es diese Homepage vornimmt, beantwortet keine Fragen.

    Sonst schließe ich mich @klabautermann | 30. März 2017 – 16:15 an.

  • Fritz   |   30. März 2017 - 18:59

    Der angesprochene Fall wirft Fragen auf. Nach der Aussage von Lt.General Townsend hat man das Zielobjekt beobachtet, somit lässt das auf den Einsatz von ISR schließen…
    Ich gehe nicht davon aus das es sich um Armed UAV handelte
    Das bedeutet Echtzeit auch mit der Möglichkeit von direktem kinetischem Einsatz.
    Die Aussage das verschiedenste INTEL genutzt wurde lässt darauf schließen das entweder Bodetruppen vor Ort waren und direkt aufgeklärt haben ggf. unter Nutzung von kleinst Drohnen und zusätzlich HUMINT eine Rolle gespielt hat.
    Mit Sicherheit aber wird auch SIGINT eine tragende Rolle gespielt haben.
    Betrachtet man die aktuelle Lage ist klar das für Führungspersonal des IS immer weniger Raum zum ausweichen/untertauchen vorhanden ist.
    Das hat zur Folge das Hochwert Ziele die jetzt in die Enge getrieben werden Fehler machen.
    Wer sich mit dem Einsatz von KS seitens US befasst der weiß das auch unter Inkaufnahme von Zivilien Opfern gebombt wird sollte es sich um HVT handeln.

  • Tilo   |   30. März 2017 - 19:40

    zwei Fragen:
    – ist die deutsche Luftbetankung notwendig und essentiell? hätte die Koalition ein Problem, wenn es die deutsche Betankung nicht gäbe?
    – sind die deutschen Aufklärungsergebnisse notwendig und essentiell? gäbe es ohne die deutschen Aufklärungsergebnisse keine Aufklärungsergebnisse dieser Art? hätte die Koalition ein Problem, wenn es die deutschen Aufklärungsergebnisse nicht gäbe (so wie vor 2016)?

  • ThoDan   |   30. März 2017 - 20:40

    Nein, sie stellen eine Frage:

    Versuchen wir die Verluste an Zivilisten so gering wie möglich zu halten?

    @klabautermann

    DIE Trennubgslinie zwischen Resistence und Terrorismus

  • AoR   |   30. März 2017 - 22:07

    Das Prinzip local allies calls air support wäre wohl im Häuserkampf zu überdenken. Unsere SoF rufen nach unseren RoE Luftschläge. Es ist schlicht so, dass von nun an weite Teile der Kampfhandlungen gegen DAESH urban warefare ist.

  • Georg   |   30. März 2017 - 22:45

    Es kann doch keiner nachprüfen, ob in dieser bombardierte Schule erst die ISIS-Kämpfer untergebracht waren und dann nach der Bombardierung die vertriebenen Familien aus Aleppo.

    Alle Aussagen, auch der zitierten NGOs sind parteilich. Es sei darin erinnert wie in dem Israel-Palästinenserkrieg die einheimischen Kameramännner (sprich Palästinenser) die Videoaufnahmen für die anschließenden Propagandamaßnahmen der Palästinenser lieferten. Andere Kameramänner gab es in diesen Kriegsgebieten nicht.

    Ergo, allen Filmaufnahmen vor Ort in Raqqa bzw. in den umkämpften Gebieten ist zu misstrauen und die die es wissen, nämlich die Koalitionskräfte, die die Luftaufnahmen gemacht haben, rücken ihre Rohdaten zur unabhängigen Nachprüfung nicht heraus.

  • AoR   |   31. März 2017 - 0:05

    @Georg: Kann man zivile Opfer relativieren? Kann man das Leid der Angehörigen relativieren?
    M.E Nein, aber ausschlachten kann eine Partei dies sehr wohl, und es ist zum Glück so, dass DAESH es sich bei der Zivilbevölkerung verschertzt hat.

    Bei all der Komplexität der Gemengelage lässt sich mit an Sicherheit angrenzender Wahrscheinlichkeit sagen, der Sieger wird der sein, der den Menschen Hoffnung gegeben hat und sich an ihrer Zukunft beteiligt.

    Gemeinsam Trauern gehört auch hier dazu, ritualisiertes Trauern​ wird kommen. Jetzt heist es dennoch: Augen geradeaus und durch!

    P.S: Toller Palästinenservergleich, hab einen gut bei ihnen.

  • Wait&C   |   31. März 2017 - 4:25

    Nota Bene, in diesem Moment steht nicht fest dass Geiseln oder Zivilisten zu Schaden kamen.

    Davon abgesehen wirkt die ganze Geiseldiskussion schon sehr konstruiert.

    Ist ein freiwillig bewaffneter uniformierter Soldat eine Geisel?
    Ist ein freiwillig bewaffneter uniformierter Rebell eine Geisel?
    Ist ein zwangsrekrutierter bewaffneter uniformierter Rebell eine Geisel?
    Ist ein zwangsrekrutierter bewaffneter zivilgekleideter Rebell eine Geisel?
    Ist ein zwangsrekrutierter unbewaffneter zivilgekleideter Rebell eine Geisel?
    Ist ein zwangsrekrutierter unbewaffneter uniformierter Rebell eine Geisel?
    Was ist eine Geisel?

  • QuiGon   |   31. März 2017 - 8:45

    @Tilo
    Was verstehen Sie unter „essentiell“? Natürlich kann der Einsatz auch ohne deutsche Luftbetankungsflugzeuge und ohne deutsche Aufklärungstornados durchgeführt werden, das war ja auch bis 2016 der Fall. Jedoch ist es natürlich so, dass je mehr Kräfte zur Verfügung stehen, desto mehr kann die Koalition leisten. Mehr Luftbetankung bedeutet mehr Einsätze können geflogen werden. Mehr Aufklärungsflugzeuge bedeutet mehr Ziele können aufgeklärt und ggf. bekämpft werden.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   31. März 2017 - 9:53

    Ein Fest der Demokratie oder Sieg auf ganzer Linie für die „Achse Putin-Assad?
    Jedenfalls „soll das syrische Volk allein über die Zukunft des Präsidenten entscheiden“, so zumindest der U.S. – Botschafter in der Türkei, die U.S. – Botschaftrerin bei den UN und Außenminister Rex Tillerson.
    http://m.spiegel.de/politik/ausland/a-1141234.html#spRedirectedFrom=www&referrrer=https://t.co/EWsHA8iOFz
    Trump verlässt damit die bisherige Obama-Linie wonach Syrien nur ohne Assad denkbar sei.
    Welche Auffassung haben Berlin und Brüssel, bei Putin&Trump, oder ein entschiedenes JEIN? Der neue Außenminister darf sich noch eine EIGENE Meinung bilden. Der Einfachheit halber mit den Großen?
    Boris Johnson als Brexit-Außenminister wird ganz bestimmt die U.S.-Zusicherung der „special and unique relationship“ stützen, allein schon zur politischen Absicherung eigener Truppen im Einsatzraum, aber gleichfalls zur Klarstellung unabhängiger Außenpolitik gegenüber Brüssel.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   31. März 2017 - 10:12

    @Tilo
    Sicher eine unterhaltsame Hörsaal-Diskussion ihm Vorfeld einer Entscheidung.
    Inzwischen aber müßig.
    DEU hat sich Frankreich gegenüber verpflichtet eingeforderte Hilfe unter Berufung auf die „Beistandsklausel im EU-Vertrag“ (Art. 42 Abs. 1 und Abs. 2 EU-Vertrag umfasst die gesamte GSVP). Ursache: Angriffe auf das Bataclan-Theater vom 13.11.2015, zur Erinnerung.
    Damit hatte Hollande den europäischen Bündnisfall ausgelöst, der im Gegensatz zu Art. 5 – NATO-Vertrag sehr konkret in Bezug auf die Hilfeleistung wird. „Im Falle eines bewaffneten Angriffs auf das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates schulden die anderen Mitgliedstaaten ihm alle in ihrer Macht stehende Hilfe und Unterstützung“!
    SCHULDEN HILFE UND UNTERSTÜTZUNG, lautet der definitive Passus.
    Wir sollten uns daher versagen, erneut das Fass aufzumachen, „geht’s auch ohne uns“. Im sich wegdrücken besetzen wir ohnehin stets das Treppchen ganz oben, braucht nicht erneut bewiesen zu werden.

  • LTC0815   |   31. März 2017 - 10:13

    Kleines Detail:
    die Abkürzung für die Auswertestation GES bedeutet nicht Ground Exploration Station, sondern Ground Exploitation Station. In ihr befinden sich die Arbeitsplätze der Luftbildauswerter, die aus den Rohdaten des Aufklärungssystems ausgewertete Produkte erstellen.

  • T.Wiegold   |   31. März 2017 - 10:18

    @LTC0815

    Ups, dummer Fehler – danke für den Hinweis. Habe ich korrigiert.

  • Marlene   |   31. März 2017 - 14:07

    Eine Frage an die, die sich auskennen: was genau machen die Bildauswerter? Bereiten die die Bilder „nur“ technisch-graphisch auf und geben sie dann weiter oder geben sie auch Voreinschätzungen (im Sinne von „das sieht nach einem militärischen Ziel aus“ oder „das ist eine zivile Einrichtung“) ab, die am Ende indirekt doch eine Entscheidung für oder gegen einen Luftschlag beeinflussen könnte?

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   31. März 2017 - 14:31

    http://bigstory.ap.org/ce256f31a023483b8ed5d246abd49290
    Tillerson räumt NATO-Europa noch zwei Monate bis zur „Vorlage“ angemessener Verteidigungsbudgets ein???