Land hinter Panzerglas (4)

(Foto © Timo Vogt/randbild)

Der Fotograf Timo Vogt war in den vergangenen Jahren mehrfach mit der Bundeswehr in Afghanistan unterwegs. Im Oktober dieses Jahres erlebte er, wie sich die Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte am Hindukusch auswirkt. Seine – notwendigerweise subjektive – Sicht der jüngsten Reportagereise hat er für Augen geradeaus! aufgeschrieben: Ein Blick fast nur noch durch das Panzerglas der geschützten Fahrzeuge, eine Truppe, die mental schon im Abzug zu sein scheint.

Hier Teil 4 – zu Teil 1; Teil 2; Teil 3

Offenbar hatte man in MeS davon Wind bekommen, dass mein Aufenthalt im OP North gestrichen wurde. Plötzlich erhält das PAO die Nachricht, dass wir doch fliegen sollen. Ich möchte von MeS wissen, was mich denn im Observation Point erwartet, denn rumsitzen kann ich schließlich im PRT komfortabler. Details sind, wenig überraschend, nicht zu erfahren. Ich muss den Hörer an meinen Pressefeldwebel im PRT abgeben und folge dem Gespräch nebenstehend, ohne dass ich hören könnte, was MeS zu sagen hat. Doch es hinterlässt bei mir den Eindruck, doch endlich dankbar zu sein, dass man sich für mich einsetzt und ich doch ins OP darf.

Wohlgemerkt, das OP hatte ich bereits vor Wochen auf der Wunschliste, als ich diese Reise in Rücksprache mit der Bundeswehr „vorbereitete“. Ich wollte keinen kleinen Kurztrip kurz vor knapp, sondern für einen längeren Zeitraum ins OP, um fotojournalistisch der Sache gerecht werden zu können.

Unsere Klinkenputzerei im PRT begann nun nach einer Woche endlich Ergebnisse zu zeigen. Doch mit der Entscheidung für das OP war nicht nur die hochspannende Begleitung des Interkulturellen Beraters geschenkt. Gleichzeitig ergab eine Anfrage bei den Amerikanern, dass ich Übermorgen zu einer weiteren RCP ohne deutsche Unterstützung nur mit der US-Army raus könnte, kein Problem. That´s fucking professional, isn´t it? Doch an besagtem Tage soll ich bereits in den OP North fliegen…

Da für den nächsten Tag mit der Bundeswehr nichts zu arrangieren war, versuche ich es nochmal mit der Polizeiausbildung im Lager nebenan. Das erste Mal fiel bekanntlich dem Suicider-LKW-Phantom zum Opfer. Aber es ist Donnerstag, gewissermaßen der afghanische Samstag, bevor Freitag, ihr freier Sonntag ist. Das Programm ist entsprechend dünn geplant. Sonntag bis Mittwoch läuft einfach mehr. Ich denke mir dennoch, die Zeit besser mit wenig Ereignis zu füllen, als gar nichts zu machen.

Acht Wochen dauert die Grundausbildung der afghanischen Polizisten. Mittlerweile übernehmen rund 60 afghanische Trainer die Ausbildung. Sie wurden zuvor von den 30 deutschen und 10 niederländischen Polizisten ausgebildet. Diese übernehmen noch einzelne Lehrgänge oder begleiten die der afghanischen Trainer. Bei den rund 500 Trainees sind bei jedem Durchgang rund 10 afghanische Polizistinnen dabei. Die Trainees leben die Arbeitswoche über im Police Training Center (PTC), in das Deutschland schon 18 Mio Euro investiert habe.

Im nächsten Jahr beginnt die Übergabe an die Afghanen und bis Ende 2014 will man raus sein – wenn nicht die Bundeswehr früher gehen sollte, schränkt der deutsche Center Koordinator ein. Die deutschen Polizisten sind in der Regel zwölf Monate in Kunduz. Was sie in der Zeit von Afghanistan sehen: Das PRT, wo sie leben, die 400 Meter Straße zum PTC und das PTC selbst. That´s it!

Erst am Abend kann ich telefonisch mit einem Oberstleutnant vom OP North über die Pläne während meines Aufenthaltes im OP sprechen. Nichts bewegendes, aber zumindest ist jeden Tag ein mäßiges Programm, dass für mich interessant ist. Allen diesjährigen Erfahrungen mit der Bundeswehr zum Trotz, sage ich das RCP mit den US-Amerikanern ab und stelle mich auf´s OP ein. Das ist natürlich gewagt, aber ich kam, um hinter die Kulissen des deutschen Armeeinsatzes am Hindukusch zu blicken.

Mein Pressebetreuer muss vorher aber noch zur Grippeimpfung erscheinen. In der Truppe müssen sich alle Soldaten gegen Grippe impfen lassen. Mir erschließt sich wirklich nicht, warum gesunde und kräftige Menschen sich eine Influenza-Impfung verabreichen lassen müssen. Meinem Pressefeldwebel wird die Impfung dann aber doch verweigert, da man sich danach einige Zeit schonen muss. Und er fliegt bekanntlich mit mir ins OP North und dort ist „Anstrengung nicht auszuschließen“. Ich nehme das als gutes Omen…

Nicht zum ersten Mal sehe ich morgens Soldaten in Formation zum Frühstück marschieren. Ich bewerte das als Ergebnis von immer kasernenähnlicher werdenden (Denk-)Strukturen im Einsatzland und zunehmender Unterforderung bei gleichbleibender Kontingentstärke einer Armee, die kaum noch etwas ausserhalb ihrer Mauern unternimmt und somit Überkapazitäten hat.

Ohnehin scheinen die Vorschriften immer wichtiger zu werden. Schon bei der Buchung des Fluges ins OP North vor einigen Tagen – der Flug, der gebucht, dann gestrichen und zuletzt doch wieder genehmigt wurde- musste ich mein Gepäckgewicht angeben. Das allgemeine Limit überschritt ich um ein paar Kilogramm. Der Mann hinter seinem Schreibtisch kam in Fahrt und zitierte seine Anweisung. Mein Pressefeldwebel wies auf eine andere Vorschrift hin, die besagt, das Pressevertreter keinem solchen Limit unterlägen, schließlich fliegt ja auch mal das ZDF mit 200 Kilo Ausrüstung mit. Eine reizende Stimmung erfüllte den Raum, während die Beiden sich die immer gleichen Vorschriften zitierten. Nach einer Weile schlug ich vor doch einfach meine zusätzlichen Kilo beim Pressefeldwebel mit draufzuschreiben, dessen Gepäckgewicht weit unterhalb der Grenze lag. Unter Murren akzeptierte der Flugbucher, nicht ohne den wiederholten Verweis auf seine Vorschriften. Leben in der Lage, schon klar…

Aber zurück zum Helipad, denn es ist Flugtag – Flug zum OP North. Früher als erwartet schwebt plötzlich ein Black Hawk ein! Statt auf acht Metern Höhe im Konturenflug, wie es die Deutschen machen, gehen die Amerikaner hoch hinaus. Die Scheiben sind geputzt und der Blick auf Afghanistan ist beeindruckend. Um die sich schlängelnden Flussläufe und Überschwemmungsgebiete ist es grün, Felder und Baumreihen grenzen hart an ein Wüstenplateau, das von den hohen Bergen herunter mäandert.

Im OP North herrscht Hektik. Afghanische Polizisten wurde eben angesprengt. Die Verletzten werden von deutschen Sanitätern versorgt und die US-MedEvac fliegen sie anschließend raus. Das wäre ein Bild – doch ich bekomme kein ok. Das würde die Persönlichkeitsrechte der Afghanen verletzen, heißt es. Mir wird schlicht unterstellt, ich wollte die Gesichter porträtieren. Nicht erst hier merkt man, wie Journalisten durch so genannte eingebettete Berichterstattung bei der Bundeswehr an der kurzen Leine gehalten werden. Gewöhnlich ist etwas, was ein Fotograf abbilden möchte, was die Parlamentsarmee selbst nicht öffentlich sehen will, einfach „nicht möglich, der Umstände halber, Sie werden das sicher verstehen“. Hier aber bekomme ich zum ersten Mal ein klares Nein, als hätte ich das Kommando-Spezialkräfte auf heikler Mission fotografieren wollen.

In Deutschland könnte ich jeden Verkehrunfall für die Lokalzeitung fotografieren. Dass Fotos nach dem Anschlag auf die Afghanen dabei helfen könnten, die Rettungskette und den Job der Sanitäter zu zeigen, scheint hier keiner zu verstehen. Dass ich mich für die Gesamtsituation und nicht für die von der Sprengkraft der IED zerschlagenen Gesichter der afghanischen Jungs interessiere, geht hier nicht zu vermitteln. Aber wahrscheinlich liegt man richtiger damit, wenn man sagt, solche Bilder zeigten die Unfähigkeit westlicher Armeen, den Afghanen die Unterstützung zuteil werden zu lassen, die das Mandat im Namen trägt: International Security Assistence Force (ISAF). Und die sperrigen Offiziere hier im OP North geben letztlich stellvertretend die ganze politische Linie wider.

Einerseits sind Soldaten immer wieder frustriert darüber, dass die „Leute zu Hause“ nichts über das Tun der Bundeswehr hier wissen. Und auf der anderen Seite gibt es jene, die Medien galant von allem fern halten und sie stattdessen mit Allgemeinplätzen füttern. Das Bild, welches die Bundeswehr hier von sich vermittelt, wird peinlich. Und das ist nicht nur auf die politischen Vorgaben aus Berlin zu schieben.

Erst abends wird mir für den morgigen Tag eine Gesprächsaufklärung in Aussicht gestellt, die ich begleiten kann. Man will zu den in direkter Nachbarschaft des OP North liegenden Ortschaften fahren und mit den Dorfältesten sprechen. Das habe man in der letzten Zeit vernachlässigt. Ob das wirklich klappt, musste am Nachmittag erst noch abgeklärt werden, denn einer der beteiligten Feldjäger hatte sich den Fuß verstaucht und so war man knapp mit Personal. Eine ganze Tour steht zur Disposition, wenn einer ausfällt? Für Sonntag stehe eine Kontrolle der Culverts (Düker) durch die Pioniere auf dem Programm. Aber ich glaube hier gar nichts mehr.

Oberstleutnant X erklärt mir, dass aufgrund von Umstrukturierungen beim Gouverneur, afghanischen Sicherheitskräften und der ISAF zur Zeit kein detailliertes Lagebild für die Region vorliegt. So ruhe das Partnering mit den lokalen Sicherheitskräften faktisch. Und man wolle die Afghanen mit den Fähigkeiten unterstützen, die sie selbst nicht haben. Doch würden die meisten IEDs mittlerweile von den Afghanen selbst gefunden und geräumt. Ich muss, während er spricht an die Erfahrungen in Nawabad denken, wie die Unterstützung für die Afghanen dort aussieht. Nach dem Ramadan sei die Sicherheitslage schwieriger geworden im Raum OP North. Mittlerweile seien deutsche Kräfte auf dem OP „abgeschmolzen“ und man müsse sich für manche Regionen erst noch ein Lagebild beschaffen. Ich frage mich, wie es nach Jahren auf diesem Hügel und in der Umgebung zu einem solchen Informationsdefizit kommen kann? Das kann doch eigentlich nur dann der Fall sein, wenn man den Anschluß längst verloren hat.

Die Linie scheint klar: ISAF unternimmt nur noch dann etwas, wenn die Initiative von den Afghanen ausgeht und sie Unterstützung fordern. Dass es den Afghanen an Initiative mangele, wirft man ihnen andererseits aber vor. Dabei ignoriert man gerne, dass die Afghanen einem extrem hohem Risiko ausgesetzt sind. Ihre COPs werden regelmäßig angegriffen, IED töten sie täglich. Ihre Verluste sind hoch und die Motivation entsprechend gering. Mit so genannten Innentätern, die in Uniform Sicherheitskräfte töten, haben sie weit mehr zu kämpfen als die ISAF. Mit der Strategie des Hinterherlaufens macht es sich ISAF zu einfach. Erst gestern ist ein Führer der lokalen Polizei im Raum Baghlan schwer verletzt worden, als sein Wagen angesprengt wurde. Sein Bodyguard starb. Eine IED weniger.
Übrigens: Von Januar bis Oktober sind in Afghanistan jeden Monat im Durchschnitt knapp 550 afghanische Sicherheitskräfte getötet worden. Ist das die gepriesene Übergabe der Verantwortung?

Am nächsten morgen informiert mich der Hauptmann, mit dem ich heute hätte rausfahren sollen, dass „aufgrund einer veränderten Sicherheitslage“ heute niemand das Lager verlässt. Nicht ganz richtig, denn die Leute von der CIMIC sind, wie ich später erfahre, dennoch rausgefahren. Wieder eine Chance verpasst. Ich werde hier wohl die nächsten 24 Stunden weiter rumhängen müssen. Ich möchte zu gerne wissen, was an der Bedrohungslage heute anders ist als gestern? Bedrohung sieht eine ausländische Armee doch hier in Afghanistan ohnehin an jeder Ecke und seit wann lässt man sich davon auch noch abschrecken?

Alltag im PRT oder OP fotografiere ich längst nicht mehr. Das ist als Thema durch. Ich will Bilder machen, die den Menschen zeigen, was noch „Draußen“ passiert. Wie steht´s um den Wiederaufbau, wirtschaftliche Entwicklung, die Sicherheitslage, Partnering, etc.? Um dieses „Draußen“ geht es mir, doch aus der Bundeswehrperspektive heraus sehe ich davon nichts.

Vielleicht helfen dabei die Aufklärer? Die müssten doch mindestens unterwegs sein? Sie sind zur Zeit tagsüber draußen und meist wohl auch nicht besonders lange. Nachts schon mal gleich gar nicht. Aber genau das ist doch ihre Kernkompetenz, nachts zu sehen, was tagsüber nicht stattfindet.

Ein regelmäßig draußen operierender Offizier, der hier sicherlich nicht namentlich auftauchen möchte, erwähnte, dass es in Gebieten ohne Präsenz der ISAF oder afghanischen Sicherheitskräfte keine Vorkommnisse zu melden gibt. Denn wen sollten die Aufständischen dort auch attackieren, wenn es keinen gibt, den man angreifen könnte? So könne man dann das entsprechende Gebiet auf der Karte offiziell grün markern, obwohl es Aufständische kontrollieren; Mission erfüllt!

Ein neuer Tag und ich fahre ich mit den Pionieren aus Gera raus zum obligatorischen Culvert-Check. Im Auftrag hat eine afghanische Firma Gitter vor die Ein- und Ausflüsse gebaut, so können IEDs schlechter in den Kanalrohren unter der Straße platziert werden. Mit der Zeit verstopfen die Kanäle natürlich und müssen gesäubert werden. Heute fahren dafür fünf gepanzerte Fahrzeuge raus, um 5 Culverts zu inspizieren. Absitzen, Foto machen, weiter zum Nächsten. Wohlgemerkt, man dokumentiert nur den Zustand. Einer der fünf Düker ist schon ziemlich mit Müll verhakelt. Aber eine Forke in die Hand nehmen und sauber machen ist heute nicht der Auftrag. Wer immer das zu erledigen hat, die Bundeswehr tut das nicht. Da in einem Graben nebenan eine rostige Mörsergranate entdeckt wird und von der afghanischen Polizei mitgenommen wird – die Deutschen hätten dafür erste einen Zug EOD anfordern müssen – passiert gewissermaßen etwas auf dieser Tour. Zwei- bis dreimal die Woche findet eine solche Tour statt. Ein Job, den Zivilisten mit einem Auto, zehnmal schneller und hundertmal billiger erledigen könnten. Ach ja, ein Zug Aufklärer war natürlich auch parallel draußen, um die Pioniere informationell zu unterstützen.

Wenn man als Fotograf mal eben für ein paar Stunden auf ein Auto gesetzt wird, in das man kein zweites Mal kommt, entwickelt sich natürlich keine entspannte Arbeitsatmosphäre zwischen dem Fotografen und der Besatzung. Die macht ja zunächst erstmal ihren Job und ist beschäftigt. Es bleibt alles förmlich, distanziert und Fotos gibt’s natürlich auch keine. Denn bleibt es auf dieser Ebene der Beziehung -und in der Kürze der Zeit ist etwas anderes kaum möglich – sind die Bilder dazu schon vor Jahren gemacht worden, von mir und von vielen Kollegen. Ich habe schon bei der Vorbereitung dieser Reise darum gebeten, irgendeiner Einheit angeschlossen zu werden, damit ich dort über einige Tage hinweg fotografiere und so eine Geschichte machen kann, die diesen Namen auch verdient. Eine Geschichte in der sich die Protagonisten wiederfinden können und über das allgemeine „Soldat vor Panzer in Afghanistan“-Foto für eine Nachrichtenagentur hinausgeht. Aber, das kann ich mir abschminken. Stattdessen gehe ich am Nachmittag mit dem Kommandeur des OP North runter zur ANA, die das Tor des OP North bewacht. Zum Opferfest schenkt er ihnen drei wohlgenährte Hammel für ihr Festmahl. Ein Fototermin wie beim Kaninchenzüchterverein eines norddeutschen Dorfs, nur dass die Kaninchen hier Fettschwanzschafe sind und die Vereinsmitglieder Waffen tragen.

Eine Stunde später lässt er das Bataillon antreten, um zu erklären, dass Vertrauliches nicht auf Facebook gepostet gehöre, spricht Lob aus für seine Männer und die wenigen Frauen im OP und hat zwei Ehrenmedaillen zu vergeben. Es gibt eine neue alte Bedrohungslage zu vermelden, die auch nicht auf Facebook gehöre und des weiteren wolle man bald neue Räume nehmen.
Das werden sie dann wohl ohne mich machen, meine Zeit hier läuft nämlich bereits ab. Und diese Uhr geht garantiert richtig.

Im Dunkel der aufziehenden Nacht entdecke ich einen Frosch im Schein der Taschenlampe auf einer Staubpiste. Lehmgraue Haut mit braunen und dunkelgrauen Flecken. Er hätte gut als Bundeswehrmaskottchen durchgehen können. Und genau sowenig wie man versteht, wofür die Bundeswehr hier noch auf den Hügeln sitzt, so überrascht ist man, den kleinen Kerl hier oben anzutreffen, fern jeden Wassers.

Der letzte Teil (5) folgt am 29. November.

Timo Vogt ist freier Fotojournalist und beschäftigt sich überwiegend mit Konfliktthemen. In den letzten Jahren hat er unruhige Regionen im Kaukasus, dem Nahen und Mittleren Osten bereist. Zuletzt war er im syrischen Bürgerkrieg unterwegs. In Afghanistan hat er die Bundeswehr seit 2010 drei Mal begleitet. Auf seiner aktuellen Reise an den Hindukusch hat er für Augen geradeaus! zum Stift gegriffen.
www.randbild.photoshelter.com

28 Kommentare zu „Land hinter Panzerglas (4)“

  • zog   |   28. November 2012 - 6:20

    Man mag schon gar nichts mehr dazu schreiben. Jedoch wieder eine Frage.

    Übrigens: Von Januar bis Oktober sind in Afghanistan jeden Monat im Durchschnitt knapp 550 afghanische Sicherheitskräfte getötet worden. Ist das die gepriesene Übergabe der Verantwortung?

    Sind diese Zahlen korrekt? PRO Monat? Möglicherweise bringe ich früh am Morgen etwas durcheinander, aber die letzten Zahlen sagten 500 bzw. 700 getötete ANSF im gesamten Zeitraum Januar bis Oktober diesen Jahres. Hat Herr Vogt möglicherweise „casualties“ als KIA interpretiert?
    Wenn die Zahlen stimmen sollten, wäre das ja verheerend.

    Ein regelmäßig draußen operierender Offizier, der hier sicherlich nicht namentlich auftauchen möchte, erwähnte, dass es in Gebieten ohne Präsenz der ISAF oder afghanischen Sicherheitskräfte keine Vorkommnisse zu melden gibt. Denn wen sollten die Aufständischen dort auch attackieren, wenn es keinen gibt, den man angreifen könnte? So könne man dann das entsprechende Gebiet auf der Karte offiziell grün markern, obwohl es Aufständische kontrollieren; Mission erfüllt!

    Na wenn das der General Katz liest…

  • Zivilist   |   28. November 2012 - 7:00

    Haltet Ihr es für möglich, dass Tim Vogt seine Geschichte überstpitzt darstellt, weil er seinen ursprünglichen Plan nicht umsetzen konnte?
    Ohne Fotos und Geschichte interessiert sich keine Agentur dafür, also könnte er versucht haben die Geschichte durch (überspitztes) darstellen der Misstände aus seiner Sicht interessant zu machen.

    Ich unterstelle hier nichts, es ist nur ein Gedanke der mir beim Lesen dieses Teils des Artikels in den Sinn gekommen ist.
    Ich glaube nicht dass Tim Vogt die Unwahrheit sagt, aber macht er die Sache vielleicht schlimmer als sie ist?
    Wie hier schon gesagt wurde, will vermutlich kein Kompaniechef, Zugführer oder sonstiger befehlshabender Offizier der Bundeswehr „kurz vor Schluss“ noch Opfer in seiner EInheit zu beklagen haben. Daher stellt sich auch für mich die Frage warum dann überhaupt noch so viele Bundeswehrsoldaten in Afghanistan im Einsatz sind (vorausgesetzt die im Artikel geschilderte Lage ist repräsentativ).
    Ebensowenig passt das wiederum in das Bild der Übergabe der Verantwortung and die Afghanen und sie so auszurüsten, dass sie in der Lage sind die Sicherheit alleine aufrecht zu erhalten bzw. wiederherzustellen…

  • J.R.   |   28. November 2012 - 8:10

    @ Zivilist

    Ohne Fotos und Geschichte interessiert sich keine Agentur dafür, also könnte er versucht haben die Geschichte durch (überspitztes) darstellen der Misstände aus seiner Sicht interessant zu machen.

    Nein, der Bericht deckt sich diversen anderen Quellen. Tatsächlich ist er sogar noch vergleichweise harmlos und sehr zurückhaltend geschrieben.

  • Elahan   |   28. November 2012 - 8:28

    Was ist das ralistische neue Ziel (durchführbarer Auftrag) der Bw in AFG?
    Wie beurteilen die Deu Befehlshaber das „etwas anderes“ (Folgemission, nach Neusprech von TdM so nicht gewünscht) und dessen Umsetzbarkeit?

    „Wenn nur die Ziele begrenzt genug sind, ist mit Gewalt gelegentlich etwas auszurichten. Die irakische Armee 1991 aus Kuwait herauszuschaffen, das hat sich mit militärischen Mitteln gerade noch machen lassen.
    Die Welt zu verbessern, ist allerdings etwas anderes. Und genau das haben manche westlichen Kriegsplaner in den vergangenen Jahren dem Militär zugemutet. Es war 2001 eine Sache weniger Wochen, El Kaida aus Afghanistan herauszubomben, doch damit mochte sich die Nato ja nicht begnügen“ (Westfalenpost)

  • O. Punkt   |   28. November 2012 - 9:44

    @zog:
    Diese Zahl ist realistisch:
    ISAF hatte dieses Jahr bereits 386 Casualties (http://icasualties.org/OEF/index.aspx). Das die Zahl der ANSF-casualties 10x so hoch ist, kann man leicht nachvollziehen, wenn man o.g. Seit mitliest, da gibt es täglich News à la „17 ANSF killed while IED-explosion“.

    Interessanterweise will niemand die Konsquenz daraus ziehen, bzw. niemand mit Gewicht traut sich diese preiszugeben. Es ist ja auch einfach schön, auf die sinkenden eigenen Opferzahlen abzustellen. INS können wenn sie wollen, das demonstrieren sie jeden Tag, nur sie wollen eben aktell nicht – zumindest nich ISAF. Und das ist die bittere Wahrheit, wenn man an nach 2014 denkt.

    @Zivilist:
    Was ist schon realistisch?
    Überspitzt stellt er es sicher nicht da. Einseitig vielleicht schon. Denn wie es schon anklang natürlich existiert die Bürokratie nicht um ihrer selbst willen und man könnte jeden kritisch angesprochenen Aspekt auch aus anderer Perspektive betrachten – allerdings diese „andere Perspektive“ kann man jeden Tag auf bundeswehr.de, deutsches-heer.de, .. lesen.
    Insofern bin ich persönlich dankbar über das hier dargestellte „redaktionelle Gegengewicht“.

  • T.Wiegold   |   28. November 2012 - 9:54

    Ich prüfe – nachher, im Moment geht’s grad nicht – die Zahl noch mal und kläre vor allem, ob ggf. casualties und KIA verwechselt/vermischt wurden.

  • T.Wiegold   |   28. November 2012 - 10:57

    Zu den Opfern unter den afghanischen Sicherheitskräften: Öffentlich gibt es recht wenig belastbare Zahlen – aber einen Hinweis gibt dieser Bericht. Zehn tote Soldaten pro Tag (!), und da sind die Polizisten der ANP noch nicht mal mit eingerechnet:

    MoD spokesman Gen. Zahir Azeemi on Monday told a news conference in Kabul that 600 Afghan National Army soldiers were killed over the past two months. He also said hundreds of insurgents were killed, wounded and arrested during the period.
    Military expert and former defence minister Shahnawaz Thani told Pajhwok Afghan News that giving such high figures could leave a negative impact on the morale of Afghans and the forces. Keeping in view the ongoing situation in Afghanistan, such reports were unacceptable and not in the country’s interest, he said.
    (…)
    Abdul Wahid Taqat, another expert, said the MoD’s figures showed 10 ANA troops were being killed on a daily basis, calling it a great dilemma. He said such reports could terrify the people of Afghanistan and fuel concerns about their future.

  • Orontes   |   28. November 2012 - 11:24

    @Zivilist
    Ich finde die Beiträge nicht überspitzt. Die meisten Soldaten, die vor Ort waren, können ähnliche, nicht selten noch frustrierendere Anekdoten erzählen.

    Unabhängig nennt Herr Vogt einen ganz wichtigen Punkt, der sonst vielen Journalisten nicht bewußt ist, nämlich das Räume ohne eigene Präsenz mangels Zielen für die andere Seite scheinbar friedlich wirken. Er bedeutet im Umkehrschluß, das es dort, wo man Präsenz aufbaut, scheinbar erst einmal unfriedlicher wird, was die meisten Journalisten vermuten läßt, das das Vorgehen von ISAF die Lage grundsätzlich verschlechtere, nach dem Motto Militär macht alles schlimmer und Gewalt ist keine Lösung usw.

  • diba   |   28. November 2012 - 11:29

    Und dann kommt noch die Problematik hinzu, dass es nahezu unmöglich ist festzustellen, ob die „friedlichen“ Räume tatsächlich friedlich sind, oder ob es nur so scheint … also was ist immer wieder Ursache – Wirkung. Wir werden auch durch alle Seiten entsprechend missbraucht und merken es oftmals nicht mal.

  • O. Punkt   |   28. November 2012 - 12:32

    @ T.W.:
    Die Zahlen bzgl. 500 Verluste pro Monat stammen aus dem AFG Innenministerium. Ich habe sie vor einige Wochen auf TOLO-News ebenfalls gelesen. Ich suche den Aritkel nochmal. Da waren auch die Zahlen zur Anzahl der Deserteure enthalten. Diese waren ebenfalls bemerkenswert, wenn ich mich recht erinnere um den Faktor 10 höher.

  • Roman   |   28. November 2012 - 13:48

    @ diba

    Doch! Es ist möglich festzustellen, ob es da friedlich ist. Denn wenn sie die ANSF-Kräfte dort frei bewegen können, der Bürgermeister frei telephonieren kann und der Geheimdienst keine Aktivitäten wie auch immer (abhören, Spitzel etc.) feststellen kann, dann ist es da friedlich. Wenn der Verkehr und die Wirtschaft ungehindert laufen, es keine wilden Checkpoints in den nächten gibt, dann ist es friedlich. Vielleicht weiß das nicht HG Schulz, weil er nicht dort kucken war, aber die Erstellung des Gesamtlagebildes wäre möglich.

    Nur wer will das wirklich haben? Wir? Sicher nicht, dann die daraus folgenden Konsequenzen für das eigenen Handeln will anscheinend niemand tragen.

  • diba   |   28. November 2012 - 13:56

    Das ist Frieden nach unseren Massstäben, aber ist das auch das, was Afghanistan will und braucht? Oder sind dort andere Masstsäbe notwendig? Ich bin mir für mich sicher, dass ja. Und dann kann es dort friedlich sein, ohne dass wir auf Problemsuche gehen, weil wir anderer Ansicht sind. Oder der Bevölkerung ist der status quo mit all den Schwächen lieber als das, was passiert, wenn westliche Truppen für „Ordnung und Sicherheit“ sorgen.

  • Orontes   |   28. November 2012 - 14:05

    OT: Die WAZ hat zahlreiche ursprünglich VS-NfD eingestufte „Unterrichtungen des Parlaments“ zu den Bundeswehreinsätzen ins Netz gestellt.

    Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Link unter das Leistungsschutzrecht fällt, aber interessant ist er auf alle Fälle: [Der Link fällt so was von unter das Leistungsschutzrecht, deshalb entfernt. Außerdem kommentiere ich das gleich noch. T.W.]

    Unzutreffend ist jedoch, daß die WAZ von einem „ungefilterten Blick“ spricht. Der Inhalt solcher Berichte ist stark gefiltert, vermutlich auch weil bekannt ist, daß bestimmte Abgeordnete es mit der Geheimhaltung nicht so genau nehmen. Diese Berichte enthalten daher im Wesentlichen nur Zusammenstellungen von Vorfallsmeldungen und praktisch keine Bewertungen, aus denen hervorgehen würde, was die Entwicklungen jeweils bedeuten.

    Und was bei denen, die solche Berichte erstellen, braucht ohnehin nicht gefiltert werden.

  • zog   |   28. November 2012 - 14:26

    Habe selber noch mal recherchiert und komme mehr oder weniger auch auf die bereits genannten Zahlen. ALP und NDS sind in den Zahlen noch nicht drin, und ob ANCOP zur ANP gezählt wird ist mir nicht bekannt, ebenso wie die Grenztruppen.

    @O. Punkt | 28. November 2012 – 9:44: Kommt mir das nur so vor oder sind diese Meldungen über die letzten ~18 Monate immer weniger geworden? Also die Meldungen, nicht die Verluste.

    @T.Wiegold | 28. November 2012 – 10:57: Die Aussagen bezüglich der demoralisierenden Wirkung solcher Berichte kommen einem sehr bekannt vor (Wohlgemerkt scheint man mehr über die Veröffentlichung der Verluste als über die Verluste selbst besorgt). Im Irak hat die irakische Regierung um den Dreh 2005/2006 zumindest zeitweise keine Berichte über Verluste ihrer Sicherheitskräfte mehr herausgegeben. Damals bezifferte der irakische Innenminister die Zahl der getöteten irakischen Polizisten auf 12.000 seit der Ende der Kampfhandlungen 2003. Bis heute liegt die Zahl der getöteten irakischen Sicherheitskräfte (nicht nur Polizisten, sondern aller Sicherheitskräfte), basierend auf Presseberichten, bei etwa 18.000. Dass die wirkliche Zahl, ausgehend von allein 12.000 getöteten IP bis zum Jahre 2005, deutlich höher liegen muss, sollte ersichtlich sein.
    Quelle: http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/6208331.stm

    @Orontes | 28. November 2012 – 11:24: Scheinbar ffriedlich ist relativ, die USA gehen im RC North immer noch aggressiv vor, insbesondere gegen die IBU.

    Nochmal @O.Punkt: Die Meldung von TOLO hatte ich damals auch gelesen. Finde ich aber jetzt nicht mehr.

    Dass ISAF mittlerweile mehr oder weniger abgemeldet ist, war bekannt, aber dass die Verluste für die ANSF so hoch sind ist doch überraschend. Vielleicht sind die INS der Ansicht, mittlerweile in vielen Provinzen in der Vorbereitungsphase für die Übernahme zu stehen, wie vor 6-7 Jahren u. a. in Kunar? Wenn ja, sieht es doch düsterer für GoIRA aus als ich gedacht hätte.

  • T.Wiegold   |   28. November 2012 - 14:37

    @Orontes et al

    Ich habe mich aus guten Gründen bislang einer Kommentierung der von der WAZ veröffentlichten, wie die es nennen, Afghanistan-Papiere enthalten.

    Es handelt sich dabei um die wöchentlichen Unterrichtungen des Parlaments, also die informationen des Verteidigungsministeriums an die Abgeordneten des Verteidigungsausschusses – und zwar zu sämtlichen Auslandseinsätzen, nicht nur Afghanistan (schon deswegen ist der Begriff Afghanistan-Papiere zumindest irreführend.

    Nun kann man über die Qualität des Inhalts streiten – zumal sich die Abgeordneten oft genug beklagt haben, viele wesentliche Dinge erführen sie auf diesem Weg nicht.

    Wichtiger scheint mir aber: jeder gut sortierte Fachkorrespondent kennt diese Berichte – und zitiert, wenn es sich lohnt, immer wieder daraus. Das macht der Kollege Gebauer von SpOn genau so wie ich das tue, zuletzt hier.

    Und da wird es ein Medienproblem: Die WAZ hat, wie etliche andere Redaktionen, ihr Berliner Parlamentsbüro schon vor einiger Zeit geschlossen; einen Korrespondenten, der sich ständig um die Verteidigungspolitik kümmern würde, gibt es in der Hauptstadt nicht mehr. Statt dessen gibt es, auch das wie bei vielen anderen Blättern, ein Investigativ- oder Recherche-Ressort. Während der Korrespondent diese Unterrichtungen des Parlaments immer im Blick hatte und gelegentlich auch verwendete, hat nun das Recherche-Ressort den großen Karton mit ein paar Jahren UdP auf den Tisch bekommen. Und dann ist das auch noch VS-NfD gestempelt…

    Da setzen dann bei vielen Kollegen die professionellen Reflexe aus: Nie würden sie sich von einem Beamten vorschreiben lassen, was sie schreiben sollen. Drückt ihnen aber ein Beamter ein als Verschlusssache eingestuftes Papier in die Hand, ist es quasi sofort ein Geheimpapier mit der inhärenten Pflicht zur Veröffentlichung….

    Wie gesagt: ein Medienproblem. Für diejenigen, die die Entwicklung eines Einsatzes über die Zeit historisch aufarbeiten wollen, ist das natürlich eine schöne Fundgrube.

    (Ja, jetzt habe ich mich zu diesem OT verleiten lassen…. wäre aber froh, wenn das nicht hier die weitere Diskussion in diesem Thread bestimmen würde.)

  • Orontes   |   28. November 2012 - 14:56

    @T. Wiegold
    „Und dann ist das auch noch VS-NfD gestempelt…“

    Das war ja bei den als „Secret“ eingestuften Dateien zum Thema Afghanistan, die von Wikileaks veröffentlicht wurden, ähnlich. Viele der Meldungen waren banale Einträge in einem „Event Log“, die manchen Journalisten durch den „Secret“-Stempel plötzlich als tiefere Einblicke in eine verborgene Welt erschienen.

  • Sascha Stoltenow   |   28. November 2012 - 15:18

    @Orontes: Ja, das ist Wikileaks für Arme, und als solches auch ein Zeichen der Medienkrise.

  • Ben   |   28. November 2012 - 15:41

    Wie soll das ganze erst laufen, wenn sich die USA stark zurückziehen? Die Bw zieht über den Norden ab, die Amis ziehen über Pakistan. Die USA dürften die immer weniger werdenen Einheiten im Süden immer weiter konzentrieren. Die Aufgaben der Amis wird dann jemand im Norden übernehmen müssen. Da wird Bw dort wohl mehr Aufgaben übernehmen müssen. Und das mit immer weniger Soldaten. Eine Offzielle Ausgesprochene Planung wie das ohne die Amis funktionieren soll, und womit abgezogen wird gibt es bisher nicht.

  • Georg   |   28. November 2012 - 17:12

    @ Elahan 8:28 Uhr

    Der von Ihnen zitierte Artikel schildert genau das Problem.

    Man kann mit einer Armee eine Schlacht gewinnen, einen militärischen Gegener besiegen, aber kein Land aufbauen.
    Dieses Axiom ist in den letzten 15 Jahren immer wieder ignoriert worden. Sei es im Kosovo, im Irak oder in AFG.
    Es ist an der Zeit, dass Soldaten wieder militärische Aufträge erfüllen und der Rest vom Entwicklungshilfeministerium oder vom Innenministerium (Polizeiaufbau) geleistet wird.

  • Voodoo   |   28. November 2012 - 18:24

    Seit wann gelten für afghanische Verwundete, sogar außerhalb jeglicher Armeestrukturen, deutsches Persönlichkeitsrecht? Das grenzt schon an Zensur und lässt mich nur noch mit dem Kopf schütteln… All das, was ich jemals über Pressearbeit gelernt habe, wird durch die oben geschilderten Episoden, Sprüche und ähnlichem absolut konterkariert.

    Pressearbeit wie damals anno SFOR (und ich glaube, die war da schon besser) …

  • J.R.   |   28. November 2012 - 19:21

    @ Georg
    Mit Verlaub, die Aufgabe der Bundeswehr in Afghanistan war/ist es nicht das Land aufzubauen, sondern Sicherheit zu schaffen.

    Das ist etwas, das Streitkräfte – genug Willen vorausgesetzt – im Prinzip durchaus leisten können. Der Strategiewechsel im Irak ist da nur ein Beispiel.

    Nur ist diese Art von Auftrag etwas, worauf Streitkräfte seit jeher wenig Lust haben: Persönliche Verantwortung in einer komplexen Lage unter Einheimischen, in der SoftSkills entscheidend sind und der Großteils des Militärgeräts in der Garage bleibt? Dann halt doch lieber den hierarchisch durchdefinierten High-Tech-Krieg vom Kasernenhof aus.

    Angesichts der derzeitigen Weltlage stellt sich dann aber die Frage, ob man eine Truppe, die außer Industrieförderung und symbolischem Dabeisein keine Aufgaben mehr hat, wirklich noch benötigt.
    Und als Konsequenz eben auch, was man benötigt um tatsächlich Sicherheit schaffen zu können, und wie man seitens Deutschlands die Instrumente dafür am besten umsetzt.
    Aber vermutlich bleibt es bei „Wir haben doch die Bundeswehr, die haben doch auch irgendwie mit Gewalt und Sicherheit zu tun, schicken wir doch die, was anderes haben wir eh nicht.“

  • O. Punkt   |   28. November 2012 - 20:08

    UdÖ, UdP und UdT verfahren doch seit Jahren nach dem selben Schema. Copy and Paste und ein paar Zahlen aktualisieren. Da gibt es nun wirklich nix geheimes. Einfach nur arm seitens der WAZ.

  • Orontes   |   28. November 2012 - 20:18

    @Voodoo
    „Seit wann gelten für afghanische Verwundete, sogar außerhalb jeglicher Armeestrukturen, deutsches Persönlichkeitsrecht?“

    Das dürfte sich ein verunsicherter Soldat ausgedacht haben, den man mit absurden und gleichzeitig diffusen rechtlichen Vorgaben in großer Zahl überzogen hat, so daß er vorsichtshalber präventiv alles Handeln im Einsatz für rechtlich bedenklich hält. Es gab schon Soldaten in Hinterhalten, die überlegten ob es legal ist, wenn sie zurückschießen.

  • Voodoo   |   28. November 2012 - 21:09

    Ich befürchte fast, dass sie damit den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Die Führung dieser unserer Armee, einschließlich aller ihrer politischen Vorgesetzten, haben mittlerweile dafür gesorgt, das wir unseren Führungsnachwuchs zur Unselbständigkeit erzogen, zumindest aber deutlich verunsichert haben.
    Jedoch würde eine Vertiefung dessen jetzt den Rahmen dieses Themas sprengen, befürchte ich, zumal das Stichwort „Toxic Leadership“ ja letztens erst aufgeführt wurde.

  • JCR   |   28. November 2012 - 22:44

    Das ist echt „toxic leadership“.
    Man kann nur hoffen, daß da etwas fähigere Leute nachwachsen.
    So ganz ausgestorben ist der deutsche Offizier noch nicht, siehe den Kompaniechef von Johannes Clair in seinem Buch (wie hieß der eigentlich wirklich?).

  • diba   |   29. November 2012 - 8:02

    Willmann, zu dem man sicher unterschiedlichste Meinugnen haben kann, hat schon vor 20 Jahren mal was zur „Null Fehler Toleranz“ bei unserer Bw geschrieben. Und die Ableitungen dazu kennen wir ja, wer nix macht, macht nix falsch, wer nix falsch macht …

  • Soldier   |   29. November 2012 - 20:11

    Danke für die erlichen Worte…
    Das ist die Realität im DEU geführten Teil des RC-N.