Deutsche Marine soll bei möglicher Hormus-Mission bewaffnete Schutzteams auf Schiffen stellen
Während die Auseinandersetzungen zwischen den USA und Iran in der Straße von Hormus weitergehen, planen zahlreiche europäische Staaten weiter eine Marinemission in der Region für die Zeit nach den Kampfhandlungen. Das deutsche Verteidigungsministerium kündigte nunmehr an, zusätzlich zu Minenabwehr und – beseitigung auch bewaffnete Einheiten zum Schutz von Handelsschiffen bereitzustellen.
Ministerium und Marine hatten bereits vor zehn Tagen zwei deutsche Kriegsschiffe für diese Mission entsandt: Das Minenjagdboot Fulda und der Tender Mosel sollen als deutsche Einheiten dafür bereitstehen. Mit einer Ankündigung am (heutigen) Donnerstagabend weitete das Wehrressort seine mögliche Beteiligung weiter aus:
Deutschland stellt, neben dem Minenjagdboot FULDA und dem Tender MOSEL, auch autonome Minenabwehrsysteme, Minentaucher und spezialisierte Kräfte zum Schutz von Schiffen („Vessel Protection Teams“) sowie eine hochrangige Beteiligung deutscher Stabsoffiziere in den Führungsstäben der Mission in Aussicht.
Entsprechende Zusagen habe Staatssekretär Nils Hilmer bereits am vergangenen Dienstag beim virtuellen Treffen der von Frankreich und Großbritannien initiierten multinationalen Initiative zur Straße von Hormus gemacht, teilte das Ministerium mit. Allerdings gelte weiterhin die Voraussetzung, dass erst die Kampfhandlungen beendet sein müssten. Außerdem sei eine klare völkerrechtliche Grundlage sowie ein Mandat des Deutschen Bundestages nötig.
Interessant ist die angekündigte Bereitstellung der Vessel Protection Teams. Solche kleinen Einheiten, als Vessel Protection Detachments bezeichnet, hatten die deutschen wie andere europäische Streitkräfte vor rund 15 Jahren zum Schutz vor somalischen Piraten auf Handelsschiffen eingesetzt. Ihre Aufgabe war, mit Waffengewalt Piraten am Kapern dieser Schiffe zu hindern. In der Straße von Hormus kann das allerdings offenkundig nur bedeuten, nicht vergleichsweise leicht bewaffnete Piraten abzuwehren. Sondern möglicherweise deutlich gefährlichere iranische Revolutionsgarden mit ihren Schnellbooten.
Aber bis zu einer konkreten Beschlussfassung über eine solche Mission dürfte noch einige Zeit vergehen – den aktuell sieht es keineswegs nach dem Ende der Kampfhandlungen aus. Aus der Zusammenfassung von Associated Press vom (heutigen) Donnerstag:
A ship anchored off the United Arab Emirates was seized and taken toward Iran and another — a cargo ship near Oman — sank after being attacked, authorities said Thursday, as tensions escalated near the Strait of Hormuz.
It wasn’t immediately clear who was behind these incidents, but they happened as a senior Iranian official reiterated his country’s claim of control over the waterway and another said it had a right to seize oil tankers connected to the U.S.
(Archivbild 3. Mai 2026: A naval officer aboard USS Tripoli oversees flight operations from the control tower as the amphibious assault ship sails in the Arabian Sea. U.S. warships and aircraft deployed to the Middle East are enforcing the naval blockade against Iran while executing Project Freedom to support the free flow of commerce through the Strait of Hormuz – U.S. Navy Photo)
„Allerdings gelte weiterhin die Voraussetzung, dass erst die Kampfhandlungen beendet sein müssten. Außerdem sei eine klare völkerrechtliche Grundlage sowie ein Mandat des Deutschen Bundestages nötig.“
Das bedeutet in der Praxis neben der der Beendigung des Krieges ( da wird es noch Deutungs-Probleme mit den USA geben ) und dem Bundestagsmandat ( das dürfte bei echtem Frieden kein Problem sein ) vor allem die „völkerrechtliche Grundlage“, sprich ein UN-Mandat mit den bekannten VETO-Problemen…
Wobei man sich schon fragen kann was denn bitte bewaffnete Schutzteams für einen Sinn ergeben wenn die Situation ja dann friedlich ist…
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Eine Sache ist aber wohl jedem klar:
Irgendwann wird die Strasse von Hormuz wieder aufgehen müssen. Alleine schon aufgrund der Versorgung der Region dahinter, dem Öl- und Flüssiggas-Transport und ganz allgemein dem Welthandel.
Und da ist in Zukunft jede Hilfe willkommen, auch wenn es gerade nicht nach Frieden aussieht…
Besteht die größte Bedrohung der Schifffahrt in der Straße von Hormus nicht durch Drohnenangriffe, gegen die die Schutzteams wenig ausrichten können? Piraterie verbinde ich in letzter Zeit eher mit der US Navy.
@Apollo 11, stimmt das liest sich nach der Quadratur des Kreises.
Anerkannt Frieden erfordert vielleicht noch Kapazitäten für die Minenräumung, aber keine Vessel Protection.
Und ein Mandat vom Sicherheitsrat das freie Schifffahrt in der / durch die Straße von Hormus gegen den Willen Irans ermöglicht werden darf wird man nicht friedlich umsetzen können.
Die Frage ist, gegen was?
Das ist nicht Somalia, in der Straße von Hormus gibt es keine irregulären Kräfte.
Die IRGC haben vielleicht dieselbe Taktik mit kleinen Booten, werden aber zentral geführt.
Sind die Kampfhandlungen beendet, gilt das auch für diese Boote.
Klingt für mich danach, als würde Deutschland und die deutschen Medien permanent versuchen, sich irgendwie wichtig zu machen indem man sich unaufgefordert und theoretisch ins Spiel bringt. Während die 2/3 der gesamten US Marine nichts anstellen kann außer 300 Milen entfernt schutlose Tanker zu beschlagnahmen, frage ich mich, was die deutsch Marine anstellen möchte? Freundlich winken, wenn alles vorbei ist und der Iran die Blockade für beendet erklärt hat?
Sollten die teams dann auf Schiffe, die unter deutscher Flagge fahren kommen oder auch auf die, die die deutschen Reeder aus Kostengründen ausgeflaggt haben, in ihrer PR Sprache aber weiterhin als deutsche Schiffe bezeichnen?
[Ah, die Debatten der Jahre 2010ff neu führen… Empfehle das hier nachzulesen, unter dem Stichwort „Piraterie“ rechts in der Themenleiste. Und bitte nicht noch mal von Null anfangen. T.W.]
Die Offiziere, Unteroffiziere und (wohl auch|) Mannschaften dieser Einsatzgruppen koennen uns nur leid tun.
Ihre Einzatzbedingungen gegenueber einem entschlossenen, muslimisch-radikal denkendem Gegner werden im legal-zulaessigen Rahmen nur Selbstverteidigung als Notwehr zulassen, waehrend sich die politischen Offiziere und Parlamentarier der Bundesrepublik wegen ihrer brillianten Einsatzidee auf die Schukter klopfen.
Finger weg davon, auch wenn es entsprechende UNO-Resolutionen geben sollte.
Regulaerer Kriegsschiffseinsatz, wenn noetig ja, aber mixing mit Nonkommbattanten auf Handelsschiffen ist Unfug.
Bei allen anerkannten Faehigkeiten unserer heutigen Mariner: Deutsche Geiseln in Iranischen Camps waeren das Ergebnis.
@Praezident
Völlig richtig, wenn nicht über Schnellboote geentert werden kann, kommen Drohnen und Lenkwaffen zum Einsatz. Und die durchdringen sogar die Verteidigung von US-Zerstörern, wie man letzte Woche gesehen hat.
Abgesehen davon, dass Vessel Protection Teams das falsche Werkzeug sind: NACHDEM die Kampfhandlungen beendet sind, wird ihr Einsatz überflüssig.
Vor allem die „hochrangige Beteiligung deutscher Stabsoffiziere“ ist ein echter Gamechanger. Seit der entsprechenden Ankündigung des BMVg gab es übrigens bislang keine neuen iranischen Angriffe mehr. Ich vermute, dass das daran liegt, dass die Revolutionswächter jetzt schlicht und einfach Angst um ihr Leben haben.
@Sakrileg
Die Bundeswehr ist kein Sicherheitsdienstleister, den eine Reederei über eine deutsche Beflaggung bucht, sondern verteidigt Deutschland und seine Verbündeten gegen militärische Angriffe. Ein solcher liegt durch die iranische Seeblockade gegen Handelsschiffe vor.
Interessant ist, dass die europäische Reaktion auf diesen Angriff vor allem von Frankreich und Großbritannien getragen wird. Die EU spielt keine Rolle, und Deutschland betreibt wirkungslose und irrelevante Symbolpolitik, die man sich auch sparen könnte.
@ Kapitän Was sollen wir denn auch machen? Wir können nur anbieten, was wir haben. Admirale, Generale und Stabsoffiziere haben wir wie Sand am Meer. Bei allem darunter hapert es.