Künftig 264 Standorte – und alle müssen bluten

Eine Zahl steht fest: Die Bundeswehr wird künftig in Deutschland noch an 264 Standorten präsent sein. Das ist der Kern der Entscheidung, die Verteidigungsminister Thomas de Maizière für die verkleinerte Truppe getroffen hat. Und: alle Standorte, auch diejenigen, die bestehen bleiben, werden mit Abbau leben müssen, im Durchschnitt um 30 Prozent: Es gibt nicht einen einzigen Standort, der ohne Reduzierungen auskommt, sagt de Maizière.

Das ist für den Minister die Konsequenz aus der drastischen Verringerung nicht nur der Soldatenzahl, sondern auch der Zahl der Zivilbeschäftigten: um rund 90.000 Dienstposten, mit und ohne Uniform, schrumpft die Bundeswehr insgesamt.

(Die exakte Liste liegt mir erst seit wenigen Minuten vor, ich habe sie noch nicht detailliert auswerten können. Aber hier gibt es alle 140 Seiten zum Herunterladen:

Die Stationierung der Bundeswehr – Online-Version

Vorsorglich, weil ich ein gewisses Interesse vermute, habe ich sie auch im Ausweich-Gefechtsstand eingestellt, falls es hier zu viele gleichzeitige Zugriffe geben sollte… Zum Vergleich lässt sich dann die Liste der derzeitigen Standorte auf Wikipedia heranziehen.)

Die Zahl 264 klingt zunächst nach einem massiven Standortabbau. Das Ministerium geht in seiner Berechnung allerdings von einer deutlich niedrigeren Zahl bestehender Standorte aus als in der Öffentlichkeit angenommen – jedenfalls nicht von den immer wieder genannten knapp 400.

So gelten 58 Stationierungsorte mit weniger als 15 Dienstposten künftig nicht mehr als Standorte – damit fallen sie von vorherein aus der Zählung heraus. Fünf Orte, bislang nicht als eigenständige Standorte geführt (darunter merkwürdigerweise auch Jagel mit dem Aufklärungsgeschwader 51 Immelmann) werden wiederum künftig als Standorte gezählt. Ausgangsgröße (oder: Abholpunkt) sind daher nach offizieller Lesart 328 Standorte.

31 dieser 328 Standorte werden 31 komplett geschlossen (dazu unten mehr). Weitere 33 Standorte werden auf weniger als  15 Dienstposten verkleinert, so dass sie nicht mehr als Standort gelten – so kommt die Zahl 264 zu Stande, die allerdings auch noch nichts darüber aussagt, wie groß die Reduzierungen an einem jeweiligen Standort ausfallen. Das zeigt das Beispiel des baden-württembergischen Standortes Ellwangen: der bleibt zwar erhalten, aber die Zahl der Dienstposten sinkt von über 1.300 auf 30.

Der große Umbau soll in wesentlichen Teilen bis 2015 umgesetzt werden, die Mehrheit bis 2017 – allerdings wird es auch Entscheidungen geben, die nach de Maizières Worten bis weit ins nächste Jahrzehnt reichen.

Zusammen mit dem Ab- und Umbau von Standorten legte de Maizière auch fest, wo die Spitzenkommandos der Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche künftig ihren Sitz haben – fusioniert aus dem Führungsstab des jeweiligen Inspekteurs (der ja künftig nicht mehr dem Verteidigungsministerium angehört), dem Kommando der jeweiligen Teilstreitkraft und dem dazu gehörigen Amt. Das wirkt sich mitunter direkt auf ein Standort aus, zum Beispiel für Glücksburg, dem bisherigen Sitz des Flottenkommandos: Dieser Standort wird komplett aufgegeben.

Das Führungskommando des Heeres wird künftig in Strausberg bei Berlin sitzen, die Luftwaffe in Berlin-Gatow (mit der letztgenannten Entscheidung und dem Aufwuchs des 2. Ministeriums-Dienstsitzes in der Hauptstadt dürfte damit Berlin der einzige Stationierungsort mit Zuwachs sein). Die Marine zieht nach Rostock, die Streitkräftebasis bleibt in Bonn, und der Sanitätsdienst nimmt seinen Sitz in Koblenz.

Die Ministerpräsidenten aller Bundesländer, (fast) alle Fraktionsvorsitzenden im Bundestag und einige führende Oppositionspolitiker in den Ländern (soll heißen: CDU-Parteifreunde) informierte de Maizière direkt telefonisch über seine Entscheidungen. Alle Regierungschefs hätten, wenig verwunderlich, sehr engagiert und sehr sachkundig für ihre Standorte gefochten, sagt der Minister. In einigen wenigen Fällen habe er auch Entscheidungen strukturpolitisch getroffen und nicht, wie sonst, in erster Linie an der Funktionalität eines Standortes ausgerichtet. Details dazu dürfte de Maiziére am Mittwochnachmittag bei seinem angekündigten Auftritt vor der Bundespressekonferenz nennen.

Hier eine Übersicht über die Standorte, die geschlossen werden sollen – mit dem warnenden Hinweis: Auch wenn ein Standort bestehen bleibt, wird es zumeist eine Reduzierung geben, und es kann auch eine signifikante Reduzierung sein. Auch sagt diese Übersicht noch nichts über die Verlagerung wichtiger Kommandos oder Organisationseinheiten:

In Baden-Württemberg werden Hardheim, Hohentengen, Immendingen und Sigmaringen geschlossen. Ellwangen muss mit einer signifikanten Reduzierung rechnen.

In Bayern werden die Standort Fürstenfeldbruck, Kaufbeuren und Penzing geschlossen. München wird signifikant reduziert.

Berlin bleibt, wenig überraschend, als Standort erhalten.

In Brandenburg gibt es keine Standortschließungen, allerdings wird zum Beispiel Strausberg signifikant reduziert (obwohl das künftige Heereskommando dorthin kommt).

In Bremen gibt es signifikante Reduzierungen.

Hamburg bleibt als Standort erhalten.

In Hessen wird der Standort Rotenburg an der Fulda aufgegeben.

In Mecklenburg-Vorpommern werden die Standorte Lübtheen, Rechlin und Trollenhagen geschlossen.

In Niedersachsen schließen die Standorte Ehra-Lessien, Lorup und Schwanewede. Seedorf wird signifikant reduziert.

Nordrhein-Westfalen muss auf die Standorte Kerpen und Königswinter verzichten.

In Rheinland-Pfalz schließen Bad Neuenahr/Ahrweiler, Birkenfeld, Emmerzhausen, Kusel und Speyer.

Im Saarland wird kein Standort geschlossen, allerdings wird Lebach signifikant reduziert.

In Sachsen wird Mockrehna geschlossen.

In Sachsen-Anhalt wird kein Standort geschlossen, allerdings wird unter anderem Klietz signifikant reduziert.

In Schleswig-Holstein schließen die meisten Standorte: Alt Duvenstedt, Bargum, Glücksburg, Hohn, Hürup, Ladelund, Lütjenburg und Seeth. Boostedt und Kiel werden signifikant reduziert.

In Thüringen schließt der Standort Ohrdruf.

133 Kommentare zu „Künftig 264 Standorte – und alle müssen bluten“

  • M   |   26. Oktober 2011 - 23:02

    Der Standort Immendingen wird geschlossen. Es dürfte sich vielleicht schon gar nicht mehr lohnen das eben neu erstellte Wirtschaftsgebäude mit Truppenküche überhaupt noch in Betrieb zu nehmen. Der Daimler-Benz Konzern, der ein Test- und Prüfzentrum errichten will, braucht für seine Arbeitnehmer keine Kantine in dieser Größenordnung.

    Der Immendinger Bürgermeister und sein Gemeinderat sind ein Paradebeispiel für Verlogen- und Hinterhältigkeit gegenüber der eigenen Garnison.

    Der eigentlich sichere Standort wurde innerhalb von vier Wochen von der Kommunalpolitik “geschlachtet” während viele Angehörige des Bataillons derzeit in AFG im Einsatz sind. Vor noch nicht allzu langer Zeit beschwor man noch das gute Verhältnis zwischen der Garnison und der Gemeinde.

    Ein vermutlich einmaliger Vorgang in dem eine Gemeinde über 1.000 Arbeitsplätze bei der Truppe und einem BwDLZ für vielleicht irgendwann einmal 300 Arbeitsplätze im Prüfzentrum opfert und sich der Willkür eines Weltkonzerns aussetzt.

  • r13   |   26. Oktober 2011 - 23:15

    @MFG: Die Tornados baden aus, dass man sich bei den Eurofightern übernommen hat. Geld ist nur einmal da, und ein Tornada ist eben kein neues Flugzeug. Ein paar ECR werden über 2017 hinaus fliegen – aber nicht von Lechfeld aus.

    @mwk: ich bin nicht sicher, ob die Augsburger Allgemeine damit recht hat, dass einige ECR nach 2017 nach Jagel gehen. Die passen eher zum JaboG in Büchel – es sei den man ändert ihren Auftrag von SEAD wirklich zur reinen Aufklärung. Und wann das geschieht – 2017 oder früher – man wird sehen.

  • Thomsen   |   27. Oktober 2011 - 8:24

    Dabei gab es vor 15 – 20 Jahren mehr als genügend Stimmen, die genau diese Entwicklung prophezeit haben. Aber je höher die Besoldungsgruppe, desto weiter ist der Blickwinkel.

  • JTR   |   27. Oktober 2011 - 8:44

    @AM

    Die Fernspäher kommen zur Feldnachrichtentruppe.

  • Stefan H.   |   27. Oktober 2011 - 9:16

    Ich finde es ausgesprochen gut, dass die Infanterie in Relation zur Grundgesamtheit in der Struktur gestärkt und der – aus heutiger Sicht – Fehler der Zerschlagung der Jägertruppe korrigiert wird. Trotzdem möchte ich bei allen Lanzen für deutsche Infanterie auch eine andere Überlegung einbringen:
    Wir sind im Einsatz – außer bei Evakuierungsoperationen – nie allein, dass ist eine konzeptionelle Grundvorgabe. Was hat jede Armee – selbst wenn sie noch so klein ist – Infanterie. Selbst die Afghan National Army (ANA) hat eine Menge Infanterie (oder halt AK/PKM/RPG-Träger je nach Definition) – mit einem Wachstum alleine im RC N in den Jahren 2010 und 2011, der jeweils in die Nähe unseres deutschen Gesamtkontingents kommt. Ich bitte mich nicht Miss zu verstehen – qualitativ ist da kein Vergleich zu ziehen. Trotzdem habe ich erfolgreiche Infanterieangriffe der ANA gesehen, man darf die Kampfmoral und die Wirkung von Masse, unabhängig von individuellen Fertigkeiten, nicht unterschätzen. Entsprechend stellt sich für mich die Frage ob Deutschland wirklich – konzeptionell – große Mengen Infanterie in weltweiten Einsätzen stellen sollte? Logischerweise bietet Infanterie auch eine super Rekrutierungsbasis für Mentoren und Schutzkräfte (Force Protection) aller Art – ich sehe da einen enormen substantiellen Wert. Einen Infanterieangriff alter Art eines Jg- oder FschJgBtl sehe ich auch in heutigen Einsatzszenarien nicht.
    Was fast alle Nationen nicht haben sind Hochwertenabler und die teuren hochtechnisierten Verbände fallen dem Spardiktat zum Opfer. Aus der Position der Industrienation Deutschland heraus stellt sich die Frage ob wir nicht eher auf technisierte (und teure) Fähigkeiten fokussieren sollten und dann halt andere Fähigkeiten im Rahmen einer Force Generation einkaufen. Klar ist auch, dass ein deutscher JTAC (Fähigkeit Close Air Support, aber insbesondere auch Zugriff auf das Roverbild im Sinne Aufklärung/Führung), EOD (Minen und Sprengfallen detektieren/räumen) und BAT (Sanitätsversorgung) sich nicht einfach an eine afghanische Kompanie angliedern. Es ist auch ein unglaublich gutes Gefühl (ein echter Moral-Enabler), wenn auf dem Gefechtsacker in Aghanistan sich ein deutscher Hauptfeldwebel auf dem Funkkreis meldet, dass er mit seinem Infanteriezug jetzt im Bereich zur Verfügung steht und wo er koppeln soll. Logisch ist auch, dass Logistik und Sanitätswesen auf den ersten Blick nicht so “sexy” und dazu extrem teuer sind. Vielleicht ist es aber im internationalen Kontext durchaus sinnvoll, wenn Deutschland überproportional viele Schützenpanzer Puma betreibt und dessen Besatzungen im Mix stärker aufgesessen trainieren. Afghanen haben keine nennenswerten Schützenpanzer – ohne dass ich Afghanistan zur alleinigen Blaupause für die Zukunft der Bundeswehr machen möchte. Trotzdem wird nach Einführung des Pumas und Überwindung üblicher Kinderkrankeiten hier Deutschland nicht nur personell und ausbildungstechnisch sondern auch vom Material her das Maß aller Dinge sein.
    Vielleicht bietet sich zum Thema Einsatz von Partneringverbänden (vstk TF/ASB) vs Einsatz von Partnering Einheiten (vstk OMLT) – und um das geht es in den obigen Überlegungen in der Praxis – auch eine Diskussion an, wenn die Reduzierung der Obergrenze in Afghanistan anfängt signifikant zuzuschlagen. Vielleicht ist das aber auch eine generelle Fragestellung, der sich die Bundeswehr zu stellen hat. Kämpft man in Einsätzen noch als Bataillion auf Verbandsebene oder ist der Schwerpunkt die Einheits- oder gar Teileinheitsebene und kann man dies überhaupt generalisieren. Sollte es konzeptionell zu einer Verschiebung weiter nach unten kommen, müsste das ja auch Auswirkungen auf die Binnenstrukturen (STAN) von Verbänden haben und sei es auch in der Zukunft. Wie heißt es so schön: Nach der Reform ist vor der Reform – als leicht entstelltes Zitat von Sepp Herberger…

  • J. Münster   |   27. Oktober 2011 - 9:20

    @ Frank S.

    Wo sollen denn diese Führungsunterst. Btl für die Großverbände sein_ da gibt es keine mehr… es gibt wohl lediglich fernmeldezüge der Brigaden oder sind teil der Unterstützung… ansonsten 6 FüUstgBtl, plus 1 NATO plus die Anteile der Multinationalen Korps … Finis…Ich schaue mich besser nach einer neuen Arbeit um.

  • Heiko Kamann   |   27. Oktober 2011 - 9:21

    @ MFG
    Naja, die meisten die von den Lechfeldern im Kriegseinsatz waren, sind sicher schon entlassen oder pensioniert … so, what!?!?

  • LZ   |   27. Oktober 2011 - 10:09

    JA JA,
    wie man sieht mussten wir mal wieder alles aus der Presse erfahren. Das monatelange Warten und damit die Anspannung der Familien hätte man auch vermeiden können. Man bräuchte ja nur mal den offiziellen LoNo-Verteiler nutzen.
    !!!!! DAS HÄTTE MAL WAS MIT FÜHRSORGE ZU TUN !!!!!

  • Tom   |   27. Oktober 2011 - 10:25

    @ LZ | 27. Oktober 2011 – 10:09:

    Wer Lo(tus)No(tes) hat, der hat auch IntraNet. Und dort findet sich die Standortplanung. Warum also doppelt verteilen?

    Was hätte man denn im Vorfeld an die Mitarbeiter/Soldaten verteilen sollen?
    Die abschließenden Entscheidungen sind wenige Stunden vor Veröffentlichung getroffen worden. Der BMVg hat sich -richtiger Weise- entschieden, nicht während des Planungsprozesses ständig Wasserstandsmeldungen zu verlautbaren und damit Einjeden zu verunsichern.
    Und unmittelbar nach Abschluss der Entscheidung wurden diese veröffentlicht und nicht x-Wochen im Giftschrank aufbewahrt, um so die Spekulationen anzuheizen.
    Oder hätte man erst im IntraNet veröffentlichen sollen und 2 Wochen später die Öffentlichkeit informieren. Obwohl diese bis dahin a) schon Kenntnis davon hätte und b) als Steuerzahlen/betroffene Kommune ebenso ein Informationsanrecht hat?

    Wo wurde bei der Veröffentlichung dem Fürsorgeprinzip nicht Rechnung getragen???

  • Thomsen   |   27. Oktober 2011 - 10:41

    Ein in meinen Augen hervorragender Kommentar aus Sicht derjenigen, die in den Schlagzeilen (mal wieder) nicht vorkommen:

    http://aussen-sicherheitspolitik.de/6815/meinungen/wirtschaftsfaktor-bundeswehr

    Auszug:

    “Bevölkerung und Politiker haben allerdings mehrheitlich offenbar keine Angst um die Soldaten und ihre Familien. Um die Menschen in Uniform und ihre Angehörigen machen sich Politiker und auch Medien wohl keine Sorgen, denn sie kommen in der öffentlichen Diskussion – ausgenommen in Statements des Bundeswehrverbandes – nicht vor. Es geht wie immer in Deutschland im Zusammenhang mit der Bundeswehr um nackte Zahlen. Anzahl der Soldaten, Anzahl der Standorte, was kostet das in Euro, wie hoch ist meine mögliche finanzielle Abfindung oder Kompensation. Die Bundeswehr wird reduziert auf einen “Wirtschaftsfaktor”, die stationierte Truppe dient aus Sicht der Regionalpolitiker der Wirtschaftsförderung und der Bürger in Uniform ist in den Kommunen vorwiegend Mieter und Brötchenkäufer. Das ist eine ziemlich erbärmliche Sicht auf die Menschen, die sich verpflichtet haben, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und die in Teilen im Auftrag des Bundestages im Auslandseinsatz den Kopf für Deutschland hinhalten. ”

    Amen!

  • JeffCostello   |   27. Oktober 2011 - 11:35

    @Stefan H
    voll einverstanden! Kürzer: Stahl auf die Heide!
    @ Koffer, cynic2 et al.
    Es geht bei der (OFF- TOPIC) Diskussion um die Frage Feuer oder Stoßkraft.
    Im Gefecht siegt die Feuerkraft über die Stosskraft, nur ausnahmsweise wenn zusätzliche Faktoren wirken kann Stosskraft (allein) gewinnen.
    Das ist eine Binse und taucht immer wieder auf.
    vgl Sie mal in der Geschichte die Auswertungen zu den Infanterie- reglements -vorschriften der Truppengattung.
    Deshalb sind FschJg verrückt und unterliegen PzGren im Gefecht.
    @TW
    sry for hijacking

  • Steiner   |   27. Oktober 2011 - 12:12

    Stahl auf die Heide: schön gesagt. Ursprünglich ist aber die Heide ein großes, dichtes Waldgebiet. Wenn es morgen ein Dschungel/eine Großstadt ist, verschieben sich die Gewichte.
    Bin beides, Jäger (aus Überzeugung) und Panzergrenadier (aus der Not heraus). Außer dem grünen Mützchen gibt es wenig Gemeinsamkeiten. Der Jäger war froh, von seinem Mog (1,5to) runter zu kommen, da er dann ein kleineres Ziel bot. Der Greni schimpfte, wenn er absitzen mußte, da er sich dann ungepanzert und schutzlos vorkam. Das sind zwei völlig verschiedene Weltanschauungen. Wenn das heute nicht mehr so gesehen wird, liegt das in der Tat daran, daß es keine Jäger (=mindset!) mehr gibt. Ein Blick auf die Historie hilft möglicherweise weiter. Die US-Rangers und die (kurhessischen)Jägerbataillone haben gemeinsame Wurzeln. Ich denke nicht, daß in den USA jemand die Rangers einem Verband der Armoured Infantry gleichsetzen würde. Gerade dort hat man keine guten Erinnerungen an (deutsche) Wälder.

  • Magnus   |   27. Oktober 2011 - 12:21

    Kurze Frage an die Diskutierenden: In wieweit wurde die hier geübte Kritik (z.B. die Kommunikationsdefizite) dem Wehrbeauftragten mitgeteilt. Bzw. wer hat das schonmal getan und welche Antwort darauf bekommen?

  • MD.   |   27. Oktober 2011 - 12:22

    @T.Wiegold
    Es wurde hier in den Kommentaren bereits erwähnt, dass die Sanität am heutigen Tage das neue Konzept präsentiert bekommt. Haben Sie zufällig Zugriff auf jene Unterlagen oder Auszüge?

  • T.Wiegold   |   27. Oktober 2011 - 12:33

    @MD

    Bislang leider nicht… Allerdings wird’s da sehr speziell, oder?

  • J. Münster   |   27. Oktober 2011 - 13:04

    @Thomsen

    Sehr gut! Ich hab den 11. Umzug nach 20 Jahren hinter mir und bin (nur) ein Wirtschaftsfaktor? Kann fast schon sagen immerhin bin ich ein Wirtschaftfaktor, denn ansonsten interssiert die Familie eigentlich keiner, weder Dienstherr noch die Bevölkerung. Wir kriegen immer nur zu hören, wie leid wir allen tun. Na danke und Amen.

  • Nachschieber   |   27. Oktober 2011 - 14:11

    Die SKB hat im Intranet laut Homepage ihre Grobstruktur mit den Ergebnissen der Stationierungsentscheidung veröffentlicht. Leider aufgrund Urlaub zur Zeit durch mich nicht einsehbar. Herr Wiegold haben sie diese Info auch griffbereit?

  • Tom   |   27. Oktober 2011 - 14:16

    @MD. und @T.Wiegold

    Da auch die SKB im Internet für heute ab 13:00 Uhr eine “Grobstruktur der Streitkräftebasis” angekündigt hat, lohnt vielleicht doch ein grober Blick auf diese “sehr speziellen” Dokumente?
    Leider nur im IntraNet.

  • J. Münster   |   27. Oktober 2011 - 15:11

    Auch für das Heer ist das Angebot im Intranet verfügbar, Struktur Heer mit Stationierungsorten…
    Zur Diskussion FüUstg … dort sind auch die Fernmeldekompanien für die GefStd der Brigaden genannt… Proo Brig einen GefStd-FmKp

  • Husar   |   27. Oktober 2011 - 15:37

    @JTR:

    “Die Fernspäher kommen zur Feldnachrichtentruppe.”

    Woher haben Sie diese Information? Es wäre schon verwunderlich, wenn die Stürzenden Adler auf einmal mit den Eulen zusammengeworfen werden würden. Würde dann jede leichte Aufklärungskompanie ihren eigenen “Fernspähzug” kriegen (den sie ja schon mit dem leichten Spähzug haben “sollen”)?!

  • T.Wiegold   |   27. Oktober 2011 - 15:39

    @all

    Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich immer noch keinen Zugang zum Intranet der Bundeswehr habe… und deshalb mit den erbetenen Details so nicht dienen kann. Bisher jedenfalls.

  • Voodoo   |   27. Oktober 2011 - 16:31

    Nein, es wird nicht sehr speziell, aber es geht etwas mehr in die Tiefe, was der Insp San auf seiner Internetseite vorstellt:

    http://www.sanitaetsdienst-bundeswehr.de/portal/a/sanitaetsdienst/!ut/p/c4/04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP3I5EyrpHK9quLEPL3S1KTUotK8Yr281NLE0uKizOSMktK8dP2CbEdFAJ-NWcw!/

    Das Stationierungskonzept “liegt” dort ebenfalls bei.

  • T.Wiegold   |   27. Oktober 2011 - 16:38

    @Vodoo

    Danke für den Hinweis und den Link.

    In der Tat ist es ja so, und daran haben wir alle nicht gedacht: Die Daten sind im Prinzip weitestgehend vorhanden – nämlich in der Stationierungsbroschüre. Aber durch die Ordnung nach Bundesländern und darunter nach Standorten sehr schwer nach anderen Kriterien zu erfassen – also. z.B. wo sind die PzGrenBtl künftig disloziert etc.

    Was fehlt: eine qasi maschinenlesbare Datei dieses Stationierungskonzepts, z.B. als .xls.-Tabelle. Die auf Knopfdruck die Daten sortiert…

    Wenn jemand so eine Tabelle hätte. Oder bauen würde. Das wäre ein Ding… (und ehe gefragt wird: sorry, aber ich alleine kann so was nicht leisten.)

  • Sascha Stoltenow   |   27. Oktober 2011 - 16:48

    @Steiner: “Alte” Jäger und Fallschirmjäger haben mehr gemeinsam als sie trennt. In der US Army zeigt sich das u.a. daran, dass sowohl die Ranger Bataillone als auch die 101st als auch die 82nd Airborne alle Sprungausbildung haben und anschließend auf ihre (infateristischen) Einsatzszenarien hin spezialisieren. Am Ende des Tage sgeht es dabei um eines: Boots on the Ground.

  • Roman   |   27. Oktober 2011 - 16:52

    Bäh, boots on the ground wird völlig überbewertet. Von meinem Turm aus kann auch alles und jeden beherrschen. Schade nur, das man mich nicht überall hin und über jeden drüber fahren lässt.

  • Niklas   |   27. Oktober 2011 - 19:39

    Ohne das Thema ausreizen zu wollen… Und es ist ja auch leidig. Aber der heutige Infanterist muss wirklich viel können. Eigentlich. Bei uns wurde der Infanterist als solcher ja bislang weniger ernst genommen. Auch kann nicht davon die Rede sein, dass sich die Fallschirmjäger (noch) signifikant von den Jägern abheben. Unsere FschJg sind keine Elitetruppe, befinden sich aber auf dem Weg dahin. Früher oder später wird es mit Sicherheit auch ein Auswahlverfahren und noch umfassendere Ausbildung geben.

    Wenn man mal darüber nachdenkt, welche verschiedenen Situationen ein Infanterist ZUSAMMEN mit seinen Kameraden koordiniert bewältigen können muss, werden wir feststellen, dass diese Situationen noch vielfältiger sind, als jene, welche einem Panzermann oder Artilleristen begegnen werden. Der Unterschied ist vermutlich, dass die einzelnen Tätigkeiten des Infanteristen für sich genommen einfach sind, aber zusammen genommen und unter hoher Anstrengung eine große Herausforderung sind, welche eben nicht jeder Dulli vernünftig bewältigen kann.
    Außerdem sind allumfassende, infanteristische Fähigkeit fast unendlich entwickelbar. Und das kostet vor allem Zeit und braucht den Willen dazu. Es ist mühsam, zahlt sich aber aus.

  • Josef   |   27. Oktober 2011 - 19:49

    Pfullendorf: In der seit 1959 im Linzgau beheimateten Garnison wird die Zahl der Dienstposten formal von 580 auf 310 verringert. Hinter der Reduzierung verbirgt sich die schon vor 1,5 Jahren geplante Auflösung der Fernspählehrkompanie.

    In den vergangenen drei Jahren investierte die Bundeswehr rund 60 Millionen Euro in die Sanierung und Modernisierung der Kaserne, in der das „Ausbildungszentrum Spezielle Operationen“ untergebracht ist, eine internationale Ausbildungseinrichtung für Spezialkräfte und spezialisierte Kräfte. Nach Angaben des Kommandeurs des Zentrums, Oberst Peter Seidenspinner, wird sich die Zahl dieser Lehrgangsteilnehmer deutlich erhöhen, und vom Kommando Spezialkräfte aus Calw soll ein „Ausbildungselement“ nach Pfullendorf verlegt werden. Bürgermeister Thomas Kugler bezeichnete es als „großes Glück“, dass für Pfullendorf vor einigen Jahren millionenteure Investitionsentscheidungen getroffen wurden. Zu Beginn der Reformpläne wurde auch ein Umzug des Zentrums nach Hammelburg nicht ausgeschlossen.

  • AM   |   28. Oktober 2011 - 1:07

    @JTR, Husar
    würde mich auch stark verwundern, wenn die Fernspäher dem Feldnachrichtendienst angeschlossen werden.
    Auf welchen Grundlagen beruht diese Aussage?

    Josef hat es etwas angedeutet, nämlich das Kommando Spezialkräfte und Fernspäher noch enger miteinander arbeiten sollen. Ins Blaue rein vermutet, wird die Fernspähkompanie in das Kommando Spezialkräfte eingegliedert – Struktur KSK, aber noch eigener Namen. KSK-Aufklärungszug und Fernspäher sind sich in der Aufklärungskomponente einfach zu gleich, um zwei separate Einheiten zu erhalten.

    Pfullendorf wird seinen Ruf und Standort nicht verlieren, da dort seit eh und je z.B. die Combat Survival Kurse durchgeführt werden (die im Zuge der Modernisierung der NATO STAN angepasst werden müssen) oder die komplette Taktische Medizinische Ausbildung stattfindet…..

    @Sascha S.
    stimme dir bei deiner Aussage voll zu!

    @Magnus
    um Kritik zu üben, muss man nicht sofort zum Wehrbeauftragten rennen ;)
    Gespräch mit dem Vorgesetzten, Schreiben an den BmdV – wenn man nirgendwo ne Antwort und Gehör bekommt ist der Wehrbeauftragte da.

    Sehr amüsant ist nebenbei die Lokalpresse: Das Gejammere ist verdammt groß – entsprechendes Bundesland hat es immer am schwersten und härtesten getroffen. “Die meisten Standortschließungen” – “Der größte Dienstpostenabbau” – “Die meisten signifikanten Verkleinerungen” – “Die Strukturschwächsten Regionen” – “Die meisten Bundeswehr-Bäcker, Fleischer, Dönerbuden….”

    Herzschmerz dürfte bei diesen Entscheidungen jeder irgendwie und irgendwo haben – insofern ist sie gerecht ausgefallen!

  • JTR   |   28. Oktober 2011 - 9:30

    @AM

    Diese Info stammt von einem Offizier der Feldnachrichtentruppe. Deren Schwerpunkt ja auch die Aufklärung ist ( grob gesagt). Außerdem haben die in letzter Zeit intensiv Werbung für sich betrieben innerhalb der Truppe. Zudem hat das KSK die Fernspäher aus ihren Aufgaben im Ausland verdrängt, da diese vorher selbst keine (echten) Aufgaben erfüllen konnte.
    Man muss außerdem die Schule in Pfullendorf getrennt von der Fernspähkompanie betrachten(denn in Josef´s Artikel geht es um den Standort und die Schule).

  • FNU SNU   |   28. Oktober 2011 - 11:12

    Feldnachrichten.
    Also es gibt keine Feldnachrichtentruppe mehr, und das schon seit einigen Jahren.
    Sondern nur noch Heeresaufklärer.
    Und auch keinen Feldnachrichtendienst.

    Richtig ist es, dass in den Feldnachrichtenkompanien, sofern Sie denn bestand haben werden, leichte Spähgruppen/Züge kommen, die aber nichts mit den Einsatzgrundsätzen und vor allem GERÄT von Fernstpähern zu tun haben.

    LL AufklKp und die Kräfte in Pfullendorf mal ausgenommen.
    Und Calw wächst eh an, es ist also davon auszugehen, dass FSLKp200 incl. des FN Zugs in Calw integriert wird.

    Aber keine Fernspähkräfte in eine Feldnachrichtenkompanie kommen, die spätestens ab BTL-ebene eh keinerlei Führungs- und Verbringungsmittel dafür hätte.

  • Prytan   |   28. Oktober 2011 - 14:34

    Passt zwar nicht 100%, aber bei Beschaffung und Struktur scheint auch bei den gut mit Haushaltsmitteln versorgten Verbündeten westlich des Atlantiks nicht alles so zu funktionieren.

    Zwei kleine Lesebeispiele:

    http://www.wired.com/dangerroom/2011/10/army-strykers-afghanistan/#more-61414

    http://www.wired.com/dangerroom/2011/10/lockheed-oxygen/

  • J.Dreifke   |   01. November 2011 - 0:22

    Wer möchte, findet unter http://www.bw-duelmen.de/attachments/File/Auswahl_Stationierung_Plan_10-2011.pdf eine Kurzübersicht der einsatzrelevanten Truppenteile ohne den stationären teil der Bundeswehr