Tod und Verwundung jugendfrei

Das wird ein großer Spaß. Inzwischen scheint klar, dass ab dem kommenden Jahr der neu gefasste Jugendmedienstaatsvertrag gilt, der auch für Online-Angebote eine Altersklassifizierung und gegebenenfalls -beschränkung vorsieht. Das ist ohnehin verwirrend genug, und ich hoffe, dass ich nicht womöglich Sendezeiten (!) für Augen geradeaus! einrichten muss…

(Ein wenig lässt sich die Verwirrung ahnen, wenn man den Fragenkatalog der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter dazu und die Berichterstattung von Heise durchliest.)

Ich muss natürlich zu einer Einschätzung kommen, ob meine Inhalte jugendfrei sind oder ob ich womöglich eine Altersbeschränkung einführen muss. Dafür, hab’ ich mir überlegt, schaue ich mir sehr genau die Seiten von Bundeswehr, Bundesverteidigungsministerium und den Teilstreitkräften an. Da hab’ ich dann doch eine Orientierung. Interessant wird ja dann die Frage, ob irgendwelche Juristen einen Bericht mit der Überschrift Tod und Verwundung gehören jetzt dazu als nicht jugendfrei eingestuft sehen wollen…

(Die Politiker, die diese Neuregelung vorangetrieben haben, haben entweder ihre Gründe – oder keine Ahnung. Ich verzichte hier mal drauf, sie zu benennen, das lässt sich ja im Netz leicht nachlesen. Solange es noch nicht altersbeschränkt ist.)

Nachtrag: Aus der Vielzahl der Internet-Seiten zu diesem Thema nur eine zum Lesen empfohlen: Ein Jurist auf dem Fachblog des Beck-Verlags: Jugendmedienstaatsvertrag und Altersfreigabe im Internet

Nachtrag 2: Vielleicht muss ich dann dieses Plugin installieren…

Tornados auf Standby

Nach mehr als dreeinhalb Jahren hat die Luftwaffe den Einsatz ihrer Recce-Tornados in Afghanistan beendet: die sechs Aufklärungsflugzeuge (die während der Einsatzzeit auch schon mal ausgetauscht wurden) sind heute alle ins Aufklärungsgeschwader 51 Immelmann in Jagel in Schleswig-Holstein zurückgekehrt. 14.000 Ziele aufgeklärt, davon zwei Drittel außerhalb des deutschen Einsatzgebiets im Norden, 50.00 Luftbilder geschossen, gut 8.000 Flugstunden – eine etwas detaillierte Bilanz hat die Luftwaffe veröffentlicht.

Recce-Tornado_Jagel

Die ersten zwei der sechs Recce-Tornados bei der Ankunft auf dem Fliegerhorst Jagel

Ein klein wenig trickreich schob Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg das Ende des deutschen Tornado-Einsatzes am Hindukusch auf die neue NATO-Strategie – weiterlesen

RC N Watch: Raketenangriff auf Khilliguy

Der Name des Ortes dürfte den meisten bislang wenig sagen: Khilliguy ist eine, wie es die Bundeswehr nennt, Operationsbasis ganz im Süden der Provinz Baghlan, südlich des (ungarischen) PRT Pul-i-Khumri. Diese Operationsbasis, die von Deutschen gemeinsam unter anderem mit U.S.-Soldaten betrieben wird, wurde heute gestern abend in der vergangenen Nacht Ziel eines Raketenangriffes: Drei Raketen wurden nach Angaben der Bundeswehr abgefeuert, zwei schlugen innerhalb des Camps ein, eine davon detonierte. Es gab aber keine Verwundeten.

Dass Khilliguy (englische ISAF-Schreibweise: Khelegay) bislang in Meldungen nicht auftauchte, ist eigentlich erstaunlich: Mit der Stationierung von U.S.-Truppen und vor allem eines amerikanischen MedEvac-Hubschraubers dürfte diese Forward Operating Base schon länger im Visier der Aufständischen sein. Und: Sie liegt strategisch wichtig an der Verbindungsstraße aus dem Norden nach Kabul.

Ein Stück Anerkennung

Wen’s interessiert: Das Mediengespräch in der Deutschlandradio-Sendung Ortszeit heute morgen, bei dem ich zum Thema Gefechtsmedaille gefragt wurde:

(Der übliche Direktlink für iPad und iPhone: http://audioboo.fm/boos/227006-wiegold-deutschlandradio-ortszeit-29-11-2010)

Nachtrag: Bei tagesschau.de gibt es dazu ein Interview mit dem Militärhistoriker Detlef Bald: “Ein Zeichen für zunehmende Militarisierung”

Ehe die Woche losgeht…

… der Versuch einer kurzen Vorausschau auf die nächsten Tage:

Am Montagmorgen sitze ich kurz nach acht beim Deutschlandradio im Studio und rede über die neue Gefechtsmedaille. Einige davon wird Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg am Nachmittag verleihen; und im Mediengespräch der Sendung Ortszeit wird es um diese Ehrenzeichen gehen. Dabei werde ich sicherlich auch einige der Punkte anbringen, die hier in den Kommentaren dazu gesagt wurden.

Das steht natürlich unter dem Vorbehalt, dass da nicht kurzfristig was umgeworfen wird, weil jetzt alle Welt über Wikileaks und die Veröffentlichung der internen Depeschen von US-Diplomaten redet. Das Thema wird uns die nächsten Tage sicherlich beschäftigen; hier werde ich das nur aufgreifen, wenn es zum Thema dieses Blogs passt. Wer sich selbst ein Bild machen will, kann hier die Originaldokumente bei Wikileaks einsehen; hier gibt es von Spiegel Online eine kurze Anleitung zu Entzifferung dieser Depeschen. Ich neige sehr der Ansicht dieses Kommentars in der Frankfurter Rundschau zu: Auch ein Diplomat muss undiplomatisch sein können.

Jenseits von Gefechtsmedaille und Wikileaks ein Blick auf die Realität von Soldaten im Afghanistan-Einsatz: Beim One World Berlin Filmfestival wird am Montagabend der US-Dokumentarfilm Restrepo aus dem Korengal Valley gezeigt. Im Anschluss an den Film werde ich auf Einladung der Humanistischen Union über den Film diskutieren, mit mir auf dem Podium sitzt dann unter anderem Otfried Nassauer vom Berliner Institut für Transatlantische Sicherheit.

Am Dienstag werden in Jagel die Aufklärungs-Tornados aus Masar-i-Scharif zurückerwartet und vom Verteidigungsminister begrüßt, ich werde versuchen, dabei zu sein.

Und übrigens ist diese Woche die vorletzte Sitzungswoche des Bundestages vor Weihnachten, das bedeutet auch die vorletzte Woche für reguläre Ausschussitzungen. Da werden dann am Mittwoch im Verteidigungsausschuss auch die anstehenden Mandatsverlängerungen besprochen – interessant wird es bei der Anti-Terror-Aktion Active Endeavour, für die die Oppositionsparteien SPD und Grüne bereits ihre Ablehnung angekündigt haben. Und bei der Verlängerung des Anti-Piraterie-Einsatzes, bei dem noch die eine oder andere Frage offen ist.

Also eine Woche mit genügend Ereignissen und genügend Unwägbarkeiten.

Nachtrag: Keine Ahnung, ob irgendjemand von meinen Lesern den (U.S.) National Geographic Channel sehen kann - da läuft Restrepo heute abend um 9 p.m. ET (wenn ich richtig rechne: 300200Znov10)

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