Indien und China beenden Piraten-Entführung im Golf von Aden

Seestreitkräfte aus Indien und China haben am Wochenende einen Angriff vermutlich somalischer Piraten auf ein Handelsschiff im Golf von Aden beendet. Kriegsschiffe und Hubschrauber der indischen Marine eilten dem Massengutfrachter OS35, der unter der Flagge von Tuvalu fährt, nach einem Piratenüberfall am (gestrigen) Samstag zu Hilfe.  Soldaten eines chinesischen Kriegsschiffs stellten anschließend sicher, dass sich keine Seeräuber mehr an Bord befanden. Der Vorfall ist nach Jahren der Inaktivität die vierte Aktion mutmaßlich somalischer Piraten innerhalb weniger Wochen.

Aus der Mitteilung des indischen Verteidigungsministeriums:

A distress call was received from a foreign merchant vessel MV OS 35 (Tuvalu registered vessel), which was attacked and boarded by pirates in the Gulf of Aden late night on 08 April. Indian Navy ships Mumbai, Tarkash, Trishul and Aditya proceeding on deployment to the Mediterranean and passing through the Gulf of Aden, responded to the call and rapidly closed the merchant vessel by the early hours of 09 April. The Indian warships established contact with the Captain of the merchant vessel, who along with the crew had locked themselves in a strong room on board (citadel), as per standard operating procedure. weiterlesen

Nachwuchswerbung weltweit: Indiens Armee


(Direktlink: https://youtu.be/3t5M10gBVCc)

In den vergangenen Jahren haben sich hier einige Hinweise auf Videos der Nachwuchswerbung in verschiedenen Ländern angesammelt (ich gebe zu: ich habe sie nicht mit einem einheitlichen Tag versehen und finde sie auf die Schnelle nicht, vielleicht hole ich das noch nach…).

Ein Beispiel aus Asien war, wenn ich mich richtig erinnere, bislang nicht dabei. Deshalb hier: Die indische Armee.

(Danke für den Leserhinweis!)

Unter dem (Wahrnehmungs)Radar: Indien will Airbus-Tanker


Ein Airbus A330 MRTT bei der Luftbetankung einer F-16 (Foto: EADS via flickr)

Die Diskussion über Rüstungsexporte ist in Deutschland bisweilen schon etwas merkwürdig. Ein möglicher Export von rollenden Chemielaboren auf einem geschützten Transportfahrzeug nach Saudi-Arabien sorgt hier zu Lande für aufgeregte Debatten über die Frage Spürpanzer für die Saudis (obwohl Spür-Dingos mit dem Aufregerbegriff Panzer herzlich wenig zu tun haben und die Dinger für offensive Operationen ebenso wenig taugen wie zur Aufstandsbekämpfung) – Rüstungsdeals von weit reichender strategischer Bedeutung werden dagegen praktisch nicht wahrgenommen.

Zum Beispiel der Wunsch Indiens, vom europäischen (und signifikant deutschen) Luftfahrtkonzern EADS Airbus-Tanker des Typs A330 MRTT (Multi Role Transport Tanker) für seine Luftwaffe zu ordern, wie die Times of India Ende vergangener Woche berichtete:

India has selected the European Airbus-330 MRTT over the Russian Ilyushin-78 mid-air refuelling aircraft in an Rs 8,500-crore contract.
Defence ministry sources on Thursday said the European Aeronautics Defence and Space Company (EADS) „is now being called for the final commercial negotiations“ for acquisition of six Airbus-330 MRTT tankers.

Nun sind Tankflugzeuge in der Wahrnehmung vielleicht nicht so kriegerisch wie Kampfpanzer, das ist allerdings ziemliches Kalter-Kriegs-Denken. Fliegende Tankstellen geben der indischen Luftwaffe eine strategische Reichweite, die aus Sicht Neu Delhis insbesondere an einer sich entwickelnden Konfliktgrenze von Bedeutung wird: IAF’s Sukhoi-30MKI fighters, which have a cruising speed range of 3,200-km, for instance, can strike high-value targets deep inside China with in-flight refuelling.

Dazu passt auch der Blick von der anderen Seite:

In recent Chinese CCTV military news report, China has develop a new air combat simulation system for PLA Air Force. It is interesting that TV screen show that the single unit of simulation is marked with Chinese and Indian national flags. This may indicate that Chinese Air Force has eyed Indian air power as its main counterpart.

 

Der Kampf gegen Piraten und die toten Fischer

Die Rezepte der Industriestaaten gegen die Piraterie vor Somalia, am Horn von Afrika, wirken nach wie vor recht hilflos. Die Bekämpfung der Ursachen, nämlich ein Angehen der Lage im Bürgerkriegsland Somalia mit seiner gescheiterten Staatlichkeit, werden immer wieder gefordert – wie das passieren soll, weiß so richtig keiner, und daran wird auch eine Anti-Piraterie-Konferenz in der kommenden Woche in London vermutlich wenig ändern.

Um so bedenklicher, dass jetzt ein scheinbar probates Mittel zum Schutz von Handelsschiffen vor somalischen Piraten in Mißkredit kommt: Die Sicherung der Frachter und Tanker durch bewaffnete Sicherheitsteams, sei es vom Militär oder von privaten Sicherheitsunternehmen.

In der vergangenen Woche starben zwei indische Fischer vor der Küste des indischen Bundesstaates Kerala im Kugelhagel eines solchen Sicherheitsteams. Und was das Ganze noch schlimmer macht: Es waren nicht angeheuerte Privatleute (bei denen es in dem Gewerbe ein sehr breites Spektrum gibt), sondern Soldaten eines Vessel Protection Detachments, die die tödlichen Schüsse abgegeben haben sollen. Latorre Massiliamo und Salvatore Girone, zwei Angehörige der italienischen Marine, wurden nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters in Indien verhaftet. Ihnen wird vorgeworfen, als Mitglieder des Sicherheitsteams auf dem italienischen Frachter Enrica Lexie das Feuer auf ein Fischerboot eröffnet zu haben und dabei die unbewaffneten Fischer erschossen zu haben.

Nach Berichten indischer Medien droht den beiden Italienern eine Mordanklage; nicht ganz klar ist die rechtliche Lage: Nach ersten Berichten ereignete sich der Zwischenfall 14 Seemeilen vor der Küste und damit außerhalb der indischen Hoheitsgewässer, allerdings innerhalb der indischen Wirtschaftszone. Es gab offensichtlich auch langwierige Verhandlungen über eine gemeinsame Untersuchung des Zwischenfalls, bei dem Indien am Ende auf seiner Strafverfolgung bestand.

Nun liegt die Vermutung nahe, dass es nicht die ersten unschuldigen und unbeteiligten Fischer waren, die von Sicherheitsteams für Piraten gehalten, deshalb unter Feuer genommen und getötet wurden. Aber es ist der erste Fall, der eine solche Aufmerksamkeit bekommt – denn es war sehr nah vor der indischen Küste (wo die Inder, die selbst sehr robust gegen Piraten vorgehen und dabei bisweilen auch auf Unbeteiligte wenig Rücksicht nehmen, in Bezug auf ihre Souveränitätsrechte sehr empfindlich sind), und es waren sozusagen staatliche Amtsträger eines anderen Landes, die die Schüsse abgaben.

Es wird sehr interessant sein, den Fortgang dieses Zwischenfalls und seine juristische Aufarbeitung zu verfolgen. Denn das wird auch Auswirkungen auf die Bereitschaft anderer Staaten haben, bewaffnete Sicherheitsteams an Bord ihrer Handelsschiffe zu erlauben – oder selbst Polizisten oder Soldaten dafür abzustellen.

Bußgeld bei falschen Sicherheitskräften, Pakistan-Training für Piraten?

Übers Wochenende gab’s zwei Piraten-Meldungen, die einen eigentlich nur verblüffen können. Sie scheinen aber beide ernst gemeint…

Zum einen, meldete die Welt bereits am Freitag, plane die Bundesregierung ein Bußgeld für deutsche Reeder – wenn sie auf ihren Schiffen private Sicherheitsdienste ohne die künftig erforderliche Zertifizierung einsetzen. Nun verbreiten zwar die Kollegen auch weiterhin hartnäckig die Mär, dass derzeit solche privaten Bewaffneten auf deutschen Schiffen nicht erlaubt seien, deshalb: Sollte die Bundesregierung tatsächlich den Schutz für die Reeder gegenüber der derzeitigen Gesetzeslage dadurch einschränken wollen, dass die dafür zugelassenen Sicherheitsdienste eine neue Zertifizierung brauchen, wäre das nicht besonders freundlich gegenüber den Unternehmen. Denen man ja schon den Wunsch abgeschlagen hat, deutsche Polizisten oder Soldaten dafür abzustellen. (Es sei denn, dem ganzen liegt ein gezieltes Missverständnis zu Grunde – private Wach- und Sicherheitsdienste, die Waffen führen, brauchen schon heute auch für alles mögliche Andere eine Zertifizierung…)

Vor allem wäre ein solches Vorgehen belanglos. Angesichts der geringen Zahl der Schiffe unter deutscher Flagge, die deutsche Reeder betreiben – im Vergleich zu den Schiffen, die sie unter der Flagge anderer Länder fahren lassen. Wird halt noch ein bisschen mehr ausgeflaggt (das weiß die Bundesregierung natürlich auch; deshalb würde ich diese Meldung mit Vorsicht sehen).

Die andere Meldung klingt noch ein bisschen verrückter: Hinter den Piraten Somalias stehe, melden indische Quellen, natürlich der Erzfeind Indiens – Pakistan. Beleg dafür seien vor allem Packungen mit Lebensmitteln (!), die bei mutmaßlichen Piraten gefunden wurden, die auf einem aufgebrachten Mutterschiff vor der Küste Indiens festgenommen wurden – und aus Pakistan stammen. Bei der Vernehmung hätten die neun Festgenommenen aber angegeben, Schmuggler zu sein. Obwohl ihre Waffen (ohne Herkunftsmerkmale) und das mitgeführte Bargeld dagegen sprächen.

Die Nachricht ist ein bisschen komisch. Und bis zum Beweis des Gegenteils halte ich die Idee, dass die Pakistani in ihren Camps somalische Piraten für das Kapern von Schiffen trainieren, schlichtweg für abenteuerlich. Vielleicht passt es auch einfach nur in eine bestimmte Grundstimmung in dieser indischen Region.

 

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