Indien und China beenden Piraten-Entführung im Golf von Aden

Seestreitkräfte aus Indien und China haben am Wochenende einen Angriff vermutlich somalischer Piraten auf ein Handelsschiff im Golf von Aden beendet. Kriegsschiffe und Hubschrauber der indischen Marine eilten dem Massengutfrachter OS35, der unter der Flagge von Tuvalu fährt, nach einem Piratenüberfall am (gestrigen) Samstag zu Hilfe.  Soldaten eines chinesischen Kriegsschiffs stellten anschließend sicher, dass sich keine Seeräuber mehr an Bord befanden. Der Vorfall ist nach Jahren der Inaktivität die vierte Aktion mutmaßlich somalischer Piraten innerhalb weniger Wochen.

Aus der Mitteilung des indischen Verteidigungsministeriums:

A distress call was received from a foreign merchant vessel MV OS 35 (Tuvalu registered vessel), which was attacked and boarded by pirates in the Gulf of Aden late night on 08 April. Indian Navy ships Mumbai, Tarkash, Trishul and Aditya proceeding on deployment to the Mediterranean and passing through the Gulf of Aden, responded to the call and rapidly closed the merchant vessel by the early hours of 09 April. The Indian warships established contact with the Captain of the merchant vessel, who along with the crew had locked themselves in a strong room on board (citadel), as per standard operating procedure. weiterlesen

Seepatrouille Orion

Beim Djibouti-Trip in den vergangenen Tagen war ich auch mit einem Seefernaufklärer der Deutschen Marine über dem Golf von Aden unterwegs. Ein bisschen mehr dazu werde ich auch noch posten, aber erst mal der Verweis auf die Reportage des Kollegen Bernd Klose von Radio Bremen/Nordwestradio, der diesen Zehn-Stunden-Flug ebenfalls begleitet hat:

Unterwegs mit der Atalanta-Mission

und hier direkt sein Hörfunkbeitrag zum Nachhören.

(Übrigens, nicht verwirren lassen, wenn Nordwestradio behauptet: Nordwestradio-Redakteur Bernd Klose ist der einzige Journalist, der den parlamentarischen Staatssekretär im Verteidigungsministerium Thomas Kossendey bei seinem Flug zum deutschen Kommando am Horn von Afrika begleitet hat.  Manche sind in der Eigenwerbung ein bisschen übermütig. Dafür haben sie noch nicht verstanden, dass man ihre Flash-basierten Audiofiles auf dem iPad gar nicht anhören kann…)

Mit so einem Flieger kommt man schon ganz schön nah ran, wenn man zum Beispiel ein Foto von einer typischen Dhau machen will

Und ein Kriegsschiff kann man, wen man nur nah genug heranzoomt und dann noch einen Ausschnitt betrachtet (wie ich es mit diesem Foto getan habe), ganz gut identifizieren: Hier der chinesische Zerstörer Qingdao, der einen Konvoi von Handelsschiffen eskortiert.

Kein Schutz in der Zitadelle: Griechischer Chemietanker von somalischen Piraten gekapert

Erstmals in den vergangenen Wochen haben somalische Piraten wieder einen größeren Erfolg erzielen können: Am (gestrigen) Montag wurde im Golf von Aden der Chemietanker Liquid Velvet gekapert, der unter der Flagge der Marshall Islands fährt und einer griechischen Reederei gehört. Nach Informationen von Augen geradeaus! hatte sich die Besatzung zwar in den Schutzraum, die Zitadelle, zurückziehen können – doch während die Crew auf bewaffnete Hilfe wartete, gelang es den Piraten, diesen Schutzraum aufzubrechen.

Die Kaperung fand im westlichen Golf von Aden statt – noch im Bereich des Sicherheitskorridors, den die internationalen Seestreitkräfte zum Schutz vor Piraten dort eingerichtet haben. Wie Reuters unter Berufung auf den ostafrikanischen Piraterie-Experten Andrew Mwangura berichtet, hatte der Tanker 21 Besatzungsmitglieder und einen Sicherheitsmann an Bord – letzterer allerdings unbewaffnet.

Die Crew hatte, so höre ich, in dem Sicherheitsraum drei Stunden ausharren können, ehe die Piraten Zugang bekamen. Ein Beobachtungsflugzeug konnte später nur feststellen, dass sowohl Piraten als auch Besatzungsmitglieder auf der Brücke zu sehen waren und damit klar war, dass die Seeleute Geisel der Piraten waren.

Nach Angaben des NATO-Schiffahrtszentrums ereignete sich die Kaperung bei den Koordinaten 12º 00‘ Nord, 45º 33‘ Ost. Eigentlich ein Bereich, der als International Recommended Transit Corridor (IRTC) unter der Kontrolle von Kriegsschiffen ist:

Karte: OpenStreetMap

(Interessanterweise gibt es bislang weder vom Piracy Reporting Centre des IMB noch von der EU-Antipirateriemission Atalanta eine Meldung zu dieser Kaperung.)

Weibliches Besatzungsmitglied von gekaperter französischer Yacht gerettet

Das spanische Kriegsschiff Galicia, Teil der EU-Antipirateriemission Atalanta, hat heute ein Besatzungsmitglied der französischen Jacht Tribal Kat gerettet, die in den vergangenen Tagen offensichtlich nach einer Kaperung leer aufgefunden worden war. Nach Angaben von Atalanta stellte die Besatzung der Galicia ein so genanntes Skiff, ein kleines Boot mit leistungsstarkem Außenborder, in dem sich neben dem Besatzungsmitglied der Yacht mehrere Piraten befunden hätten.

Nachtrag: Nach Angaben des spanischen Verteidigungsministeriums ist die gerettete Geisel eine Frau:

El Galicia detectó un esquife sospechoso de actividades relacionadas con la piratería mientras realizaba una misión de vigilancia en las costas somalíes. Tras una primera investigación, se confirmó la sospecha y le dio el alto. Ante la negativa de los piratas, el comandante del Galicia ordenó que se abriera fuego por proa para que se detuvieran. En ese momento, mostraron que a bordo tenían un rehén, que se comprobó que era mujer.

(Die Google-Übersetzung ist so grauenvoll, dass ich sie hier nicht einstellen mag…)

Nach Angaben der Spanier eröffneten die Piraten das Feuer auf die Soldaten der Galicia. Nach dem anschließenden Feuergefecht konnte die Geisel allerdings gerettet werden.

Über das Schicksal der übrigen, vermutlich weiteren drei Personen der Jacht-Crew gibt es laut Atalanta bislang keine weiteren Informationen. Dass ein Kriegsschiff der EU-Mission (wie es der Text der Mitteilung nahelegt) gezielt nach den Piraten hinter dem Überfall auf die Jacht sucht, belegt das hohe Interesse und das Operationstempo, das offensichtlich Frankreich an den Tag legt.

(Wenn ich es richtig sehe, hat übrigens damit die EU erstmals offiziell den Namen der gekaperten Jacht bestätigt.) weiterlesen

Besatzung französischer Yacht vermutlich nach Kaperung entführt

Wenige Tage nach Freilassung der Besatzung – mit Kindern – der dänischen Segelyacht Ing ist am Freitag Donnerstag vermutlich erneut eine Yacht-Besatzung somalischen Piraten in die Hände gefallen. Nach Angaben des französischen Außenministeriums wurde ein französischer Katamaran vor der Küste des Jemen leer aufgefunden, nachdem es zuvor einen Notruf gegeben hatte. Wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf eine ungenannte Quelle berichtet, waren vier Personen an Bord. Auf der Yacht seien verdächtige Hinweise gefunden worden.

Nach französischen Angaben hatte sich die deutsche Fregatte Bayern nach dem Notruf in Richtung des Segelschiffs in Marsch gesetzt, habe aber nur noch den leeren Katamaran finden können.

Der Vorfall ereignete sich nach Angaben des International Maritime Bureau am Donnerstagnachmittag dicht vor der Küste des Oman.

Nachtrag: Die internationale Schiffahrtsindustrie verlangt von den Vereinten Nationen jetzt sozusagen Blauhelme zur See.

Nachtrag 2: Die französische Zeitung Le Parisien hat die Namen von Yacht und Eigner veröffentlicht – es handelt sich um den Katamaran Tribal Kat, der dem Paar Christian und Evelyne Colombo gehört. Wer außer diesen beiden möglicherweise noch an Bord war, scheint unklar.

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