Zwei Jahre nach Übergabe an die Bundeswehr: Erster scharfer Schuss der Luftwaffe mit Iris-T SLM
Zwei Jahre nach der Übergabe des Luftverteidigungssystems Iris-T an die Bundeswehr hat die Luftwaffe auf Kreta den ersten scharfen Schuss mit dem System durchgeführt. Zugleich testeten die deutsche Luftwaffe, die schwedischen Streitkräfte und das Deutsche Heer auf der griechischen Insel die Einbindung von Iris-T, schwedischen Patriot-Einheiten und dem an das Heer übergebenen deutschen Leichten Flugabwehrsystem (LeFlaSys) in eine gemeinsame Flugabwehr-Steuerung.
Die Tests und Qualifizierungen im Rahmen der Übung Spartan Arrow teilten die beteiligten Unternehmen Diehl und Airbus Defence&Space sowie die Luftwaffe am (heutigen) Mittwoch mit. Kern war die Systemzertifizierung der Luftverteidigung mit Iris-T von Diehl Defence, die sich in den vergangenen Jahren bereits in der Ukraine bewährt hatte.
Aus der Mitteilung von Diehl:
Mitte Oktober absolvierte die deutsche Luftwaffe auf der NATO Firing Range NAMFI (NATO Missile Firing Installation) auf Kreta die erforderliche Systemzertifizierung des Luftverteidigungssystems IRIS-T SLM von Diehl Defence. Die Flugabwehrraketengruppe 61 trainierte dort das Zusammenspiel der verschiedenen Systemkomponenten wie dem Radar TRML-4D und dem Gefechtsstand CTOC (Common Tactical Operations Center) sowie dem Startgerät mit dem Lenkflugkörper IRIS-T SLM.
Neben Einheiten der Deutschen Luftwaffe nahmen die schwedischen Streitkräfte mit ihrem PATRIOT-System teil, welche sich im Jahr 2025 ebenfalls für die Beschaffung von IRIS-T SLM entschieden haben. Nach dem
erfolgreichen Erstschuss wurde das System IRIS-T SLM vollständig in das taktische Übungsszenario eingebunden und konnte gemeinsam mit den Systemen PATRIOT (DEU/SWE) und STINGER/LeFlaSys im Verbund seine Leistungsfähigkeit beweisen.
Laut Airbus wurden bei der Übung erstmals Iris-T SLM der Luftwaffe und Patriot der schwedischen Streitkräfte gemeinsam in einen deutschen SAMOC-Gefechtsstand (Surface to Air Missile Operations Center) eingebunden, zudem das LeFlaSys:
Durch die Integration in SAMOC koordinierte eine rein deutsche Besatzung IRIS-T SLM erstmals beim scharfen Schießen mit Gefechtsmunition – ein wichtiger Meilenstein für die offizielle NATO-Zertifizierung. Gleichzeitig absolvierte die schwedische Luftwaffe ihren ersten eigenständigen PATRIOT-Scharfschuss über das vernetzte System. Dies markiert die Zertifizierung und Validierung der schwedischen PATRIOT-Systeme durch die NATO und demonstriert die binationale Interoperabilität mit Deutschland. Zusätzlich integrierte Airbus das Leichte Flugabwehrsystem (LeFlaSys) des deutschen Heeres. So entstand eine durchgehende Schutzkette gegen Drohnen und Raketen – von der Nahbereichsabwehr bis hin zu mittleren und langen
Distanzen.
Nach Angaben der Luftwaffe hatte während der Übung Luftwaffeninspekteur Holger Neumann das LeFlaSys an Heeresinspekteur Christian Freuding übergeben. Bis zum Frühjahr 2027 soll diese bisher einzige Flugabwehr für den Nahbereich komplett übergeben werden. Das Leichte Flugabwehrsystem ist mit dem Flugkörper Stinger ausgerüstet, der auch schultergestützt verschossen werden kann.
Allerdings ist das betagte LeFlaSys faktisch ein Auslaufmodell – und auch das Deutsche Heer setzt künftig auf Iris-T, wie Freuding vergangene Woche mitgeteilt hatte:
Anfang Dezember werden wir das korallenrote Fahnenband der Heeresflugabwehrtruppe wieder ausrollen. Und das ist mehr als Symbolik: Dahinter steht ein klarer Fahrplan zum tatsächlichen Fähigkeitsaufwuchs. Der erste Schritt dazu erfolgt in der kommenden Woche, wenn wir mit einem gemeinsamen Schießen auf Kreta die Übernahme der leichten Flugabwehrsysteme von der Luftwaffe vollziehen.
Wir werden schneller als bisher geplant IRIS-T SLM gemeinsam mit der Luftwaffe einführen und betreiben. Die Luftwaffe überlässt dem Heer dafür vorgezogen ab 2028 zwei Feuereinheiten – als Anfangsbefähigung.
Damit revidierte der Heeresinspekteur die Planungen seines Vorgängers, der zwar vor zwei Jahren die Rückkehr der Heeresflugabwehr eingeleitet hatte – LeFlaSys hätte danach aber bei der Luftwaffe bleiben sollen.
(Foto: Erster scharfer Schuss des Iris-T SLM Systems der Luftwaffe auf Kreta – Foto Diehl)
Kamerad Freuding macht Nägel mit Köpfen: eigene Fla, eigene Deep-Strike-Fähigkeiten. Weiter so!
In 2027 wird in Lüneburg der erste – neue – Verband der Heeresflugabwehrtruppe (HFlaTr) in die Aufstellung gehen, der Aufstellungsstab arbeitet seit 01. Oktober 2025.
Mit dem Wechsel des LeFlaSys Ozelot – endlich – zurück zum Heer wird Ozelot seine Verwendung sicher wohl in der Heide finden, als Übergangslösung bis Skyranger 30 zuläuft.
Es fehlt noch eine Entscheidung zur künftigen „Schule der Heeresflugabwehrtruppe“. Lüneburg bietet zwar Platz genug, zu überlegen ist jedoch auch die neuerliche Anbindung an die PzTrS, wie zuletzt bis zur Auflösung.
Unbestreitbarer Vorteil wäre die direkte Zusammenarbeit in Doktrin und Taktik mit dem zu schützenden Partner: Die Kräfte des „Gefecht der verbundenen Waffen“. Zentral dabei PzTr, PzGrenTr, AufklTr (+Drohnenkampf), alle in Munster vorzeigbar vertreten.
Stichwort „Doktrin und Taktik“, @Hans Schommer, muss viel oder sehr viel neu gemacht werden?
@all
Ich würde ganz gerne dem möglichen Irrtum vorbeugen, dass sich dieser Eintrag und die darauf folgende Debatte um die Heeresflugabwehr drehen.