USA wollen Tomahawk-Verkauf an Deutschland genehmigen (zum Lieferzeitpunkt sagt keiner was)

Nach jahrelangem Zögern und dem Verzicht auf eine eigene Stationierung dieser Waffensysteme in Deutschland sind die USA bereit, den deutschen Streitkräften landgestützte Tomahawk-Marschflugkörper zu liefern. Eine entsprechende Einigung mit US-Präsident Donald Trump verkündete Bundeskanzler Friedrich Merz im Bundestag. Wann die Waffen geliefert werden, bleibt vorerst offen.

Die Aussage machte Merz nach Rückkehr vom NATO-Gipfel in der türkischen Hauptstadt Ankara am (heutigen) Donnerstag in seiner Regierungserklärung vor dem Bundestag:

Die entscheidende Aussage (im obigen Video bei Minute 21:55):

Wir haben zudem am Rande des NATO-Treffens in Ankara mit der amerikanischen Regierung vereinbart, dass amerikanische Tomahawk-Raketen von uns erworben und in Deutschland stationiert werden. Wir schließen damit eine wichtige strategische Lücke in unserer Verteidigung. Und wir werden gleichzeitig daran arbeiten, eigene europäische Systeme zu entwickeln und in Europa zu stationieren.

Details nannte der Kanzler nicht. Nach Angaben aus Regierungskreisen hatten Verteidigungsminister Boris Pistorius und sein US-Kollege Pete Hegseth am 7. Juli eine entsprechende Absichtserklärung, einen Letter of Intent, unterzeichnet, nachdem zuvor Merz und Trump darüber mehrfach gesprochen hatte und die Einzelheiten von den jeweiligen nationalen Sicherheitsberatern ausgehandelt wurden.

Die Zusage der USA sieht danach vor, im August die Genehmigung für den Verkauf des Startsystems Typhon (s. Foto oben) zum landbasierten Abschuss von Tomahawk-Marschflugkörpern und die Marschflugkörper selbst zu erteilen. Die Anzahl der vorgesehenen Startgeräte und Flugkörper solle nicht öffentlich werden.

(Es wird interessant zu beobachten, ob diese Klausel auch von US-Seite so gesehen wird – bei früheren Tomahawk-Verkäufen zum Beispiel an die Niederlande, aber auch bei aktuellen Angaben zu Rüstungsverkäufen hat die US-Regierung bisher immer recht detailliert Preise und Stückzahlen bekanntgegeben.)

Die Systeme sollen nicht von US-Soldaten, sondern von der Bundeswehr selbst betrieben werden – die Bundeswehr bekäme damit erstmals die Möglichkeit, weit reichende Präzisionswaffen einzusetzen. Der Tomahawk hat in der aktuell verfügbaren Variante eine Reichweite von rund 1.600 Kilometern (die in der Berichterstattung offenbar nicht ausrottbare Angabe von 2.500 Kilometer bezieht sich auf eine frühere, nuklear bewaffnete Version, die es nicht mehr gibt – diese Reichweitenangabe ist ebenso wie die Behauptung, damit würden neue Atomwaffen nach Deutschland geholt, schlicht Propaganda).

Den Verkauf des Waffensystems hatte Pistorius bereits im Juli vergangenen Jahres bei einem Treffen mit Hegseth in einem Letter of Request nachgefragt. Bis zur Entscheidung in den vergangenen Tagen hatte Deutschland darauf keine Antwort bekommen. Statt dessen hatte die US-Regierung sogar die zuvor von den Vorgängerregierungen unter Bundeskanzler Olaf Scholz und US-Präsident Joe Biden vereinbarte Stationierung der Tomahawk als Teil einer US-Task Force in Deutschland abgelehnt.

Die bislang bekannten Informationen zu US-Zustimmung zum Tomahawk-Verkauf lassen einige grundlegende Fragen offen – in erster Linie: Wann werden diese Systeme nach Deutschland kommen? Die USA hatten im Zusammenhang mit ihrem Angriffskrieg gegen den Iran wiederholt auf einen Mangel an diesen Marschflugkörpern hingewiesen, so dass unklar bleibt, wie es mit den Lieferungen aussieht.

Eine andere Frage ist bislang ebenfalls ungeklärt: Die aktuelle Vereinbarung bezieht sich offensichtlich ausschließlich auf die landgestützten Systeme. Die Deutsche Marine hatte allerdings nach den Worten ihres Inspekteurs Jan-Christian Kaack im vergangenen Jahr auch Interesse an den Marschflugkörpern angemeldet, die seegestützt schon viel länger im Einsatz sind. Zu dem aktuellen Stand für diese Tomahawk gibt es bislang keine Informationen.

(wird ggf. ergänzt)

(Archivbild Juni 2023: Start eines Tomahawk-Marschflugkörpers aus dem Typhon-Launcher des Mid-Range Capability Systems – Darrell Ames/U.S. Army Photo)