Neue US-Sicherheitsstrategie: Ideologie für ein gefügiges Europa (Nachtrag: Deadline für NATO-Europa)
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump geht zunehmend auf einen feindseligen Kurs gegenüber Europa. Die neue National Security Strategy der USA, in der Nacht zum (heutigen) Freitag ohne vorherige Ankündigung vom Weißen Haus veröffentlicht, geht vor allem die europäischen Staaten in der EU hart an, teilweise mit rechtsextremistischen Begriffen wie – sinngemäß übersetzt – Umvolkung. Im Verhältnis zu Russland, das im Unterschied zu Westeuropa sehr zurückhaltend erwähnt wird, sehen sich die USA als neutraler Vermittler.
Die so genannte Sicherheitsstrategie schließt an die Vorwürfe von US-Vizepräsident J.D. Vance vor der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar an. Auch im aktuellen Dokument wird den Regierungen in Europa vorgeworfen, die Meinungsfreiheit zu missachten – statt dessen sollten die extremistischen Positionen mehrheitsfähig werden, die den ideologischen Vorgaben der MAGA-Bewegung Trumps entsprechen.
Aus der National Security Strategy, unter der irreführenden Überschrift Promoting European Greatness:
American officials have become used to thinking about European problems in terms of insufficient military spending and economic stagnation. There is truth to this, but Europe’s real problems are even deeper.
Continental Europe has been losing share of global GDP—down from 25 percent in 1990 to 14 percent today—partly owing to national and transnational regulations that undermine creativity and industriousness.
But this economic decline is eclipsed by the real and more stark prospect of civilizational erasure. The larger issues facing Europe include activities of the European Union and other transnational bodies that undermine political liberty and sovereignty, migration policies that are transforming the continent and creating strife, censorship of free speech and suppression of political opposition, cratering birthrates, and loss of national identities and self-confidence.
Should present trends continue, the continent will be unrecognizable in 20 years or less. As such, it is far from obvious whether certain European countries will have economies and militaries strong enough to remain reliable allies. Many of these nations are currently doubling down on their present path. We want Europe to remain European, to regain its civilizational self-confidence, and to abandon its failed focus on regulatory suffocation.
This lack of self-confidence is most evident in Europe’s relationship with Russia. European allies enjoy a significant hard power advantage over Russia by almost every measure, save nuclear weapons. As a result of Russia’s war in Ukraine, European relations with Russia are now deeply attenuated, and many Europeans regard Russia as an existential threat. Managing European relations with Russia will require significant U.S. diplomatic engagement, both to reestablish conditions of strategic stability across the Eurasian landmass, and to mitigate the risk of
conflict between Russia and European states.
It is a core interest of the United States to negotiate an expeditious cessation of hostilities in Ukraine, in order to stabilize European economies, prevent unintended escalation or expansion of the war, and reestablish strategic stability with Russia, as well as to enable the post-hostilities reconstruction of Ukraine to enable its survival as a viable state.
Auslöschung der Zivilisation durch die EU, darunter geht’s nicht. Dazu passt auch, dass nicht etwa der Klimawandel als Gefahr betrachtet wird, sondern im Gegenteil der Kampf gegen den Klimawandel:
We reject the disastrous “climate change” and “Net Zero” ideologies that have so greatly harmed Europe, threaten the United States, and subsidize our adversaries.
So erschreckend das alles langfristig ist: die kurzfristigen Implikationen sind fast noch beunruhigender. Die zurückhaltenden Aussagen in Bezug auf Russland und eine Vermittlerrolle der USA deuten auf den Wunsch nach einer Achse Washington-Moskau hin. Wie bestellt griff der russische Geschäftsmann, Ukraine-Verhandler und Vertraute von Präsident Wladimir Putin, Kirill Dmitriev, den deutschen Bundeskanzler mit Begriffen an, die sich auch im US-Papier finden:
Western Civilisation suicide, migration als Vorwürfe sind fast wortgleich mit den US-Aussagen.
In Europa gab es angesichts des neuen Papiers über Nacht erste eher erschreckte, vor allem aber ungläubige Reaktionen. Wie die des österreichen Sicherheitsexperten Gustav Gressel: This is the most ridiculous foreign policy document I ever read. An I read many of those.
Nachtrag: Dazu passt auch ein Bericht von Reuters aus Washington, demzufolge die USA den Europäern ein Ultimatum bis 2027 setzen, ihre (nicht-nukleare) Verteidigung selbst zu organisieren:
The United States wants Europe to take over the majority of NATO’s conventional defense capabilities, from intelligence to missiles, by 2027, Pentagon officials told diplomats in Washington this week, a tight deadline that struck some European officials as unrealistic.
The message, recounted by five sources familiar with the discussion, including a U.S. official, was conveyed at a meeting in Washington this week of Pentagon staff overseeing NATO policy and several European delegations. (…)
The U.S. officials told their counterparts that if Europe does not meet the 2027 deadline, the U.S. may stop participating in some NATO defense coordination mechanisms, said the sources, who requested anonymity to discuss private conversations.

Noch ein Hinweis für diejenigen, sie fälschlich behaupten, in den USA werde das doch alles so gesehen wie Trump&Co behaupten:
„What emerges is not a traditional assessment of allied capability or political will but a cultural test for geopolitical trustworthiness. European governments seen as insufficiently responsive to public opinion are depicted as suppressing legitimate democratic impulses. Their policy disagreements with Washington are presented as evidence of deeper cultural or ideological drift. The strategy therefore treats internal political debates within allied democracies as matters for American scrutiny, while insisting on strict insulation of American domestic politics from foreign influence. This asymmetry reveals a worldview in which cultural politics becomes an instrument of statecraft.“
https://warontherocks.com/2025/12/ten-jolting-takeaways-from-trumps-new-national-security-strategy/
@T. Wiegold
Danke für den Hinweis, aber hier hatte niemand gesagt, „in den USA werde das doch alles so gesehen wie Trump&Co behaupten“.
In einem Medientraining lernte ich, was ein „Strohmann-Argument“ ist, und dass ein solches nicht als die feine Art der Kommunikation gilt. Das entspricht auch meiner Erfahrung: Dem Ziel des gemeinsamen Erkenntnisgewinns ist es immer zuträglicher, auf das tatsächlich gesagte Bezug zu nehmen.
@ Kapitän, @ Thomas Becker, Sie sind nur Stellvertretende einer Generation / eines Milieus in Deutschland und in vielen anderen Ländern Europas, die neben einer leichten Form nihilistischen Opportunismus auch eine Art der Realitätsabwehr betreiben, die sich als Realitätssinn verkleidet, nachdem Grundpfeiler der eigenen Weltsicht schlicht verdampft sind. Sind aber die Annahmen falsch, sind es die Schlüsse auch. Das Konzept vom „homo oeconomicus“ als spieltheoretische Konstante aller menschlichen Interaktionen, immer schon betriebsblind, hat abgewirtschaftet. Und: Es gibt keinen großen US-Masterplan für Europa und die Welt, in dem Deutschland auch nur irgendeine Rolle entlang der alten Muster von „treues Bollwerk der Demokratie auf der transatlantischen Gegenküste“ bis „wichtigste Wirtschaftsnation Europas“ spielt. Es gibt ja nicht einmal mehr die alte USA als globalen Akteur! Die Garantiemacht der Nachkriegsordnung ist selber Beute von anti-etatistischen Netzwerken der „Ultra-high networth individuals“ geworden. Mit dem Zerfall dieses Amerika zerfällt auch das von dieser Nation, unserem „wohlmeinenden Hegemon“, behütete Europa. Von daher können Sie verhandlungs- und transaktionsbereit sein, oder es für Deutschland fordern, das spielt längst keine Rolle mehr. Trump ist Amerika egal, er hat keinen Begriff von Geschichte, Gesellschaft, Fortschritt, Verantwortung. Wir sind auf die Unterstützung der USA angewiesen? Gibt es nicht mehr, einseitig aufgekündigt, NATO de facto passé. Solange wir uns nicht zusammenreißen und mit der Realität umgehen lernen, werden wir weiter herumgeschubst, wie ehemals aufmüpfige Teenager, die es nun doch nicht so toll finden, auf eigenen Füßen stehen zu müssen. Wir müssen als Land, als Kontinent erwachsen im Sinne der Geschichte werden. Wackeres Wunschdenken gepaart mit „Wohlstand, Wohlstand über alles“ wird nicht reißen, soviel ist sicher, meine Herren!
@ Pio-Fritz 09.12.2025 um 15:18 Uhr
Wenn es denn nur Dummheit wäre, doch Dummheit kommt selten allein. Gefährlich wird sie, wenn sich so etwas wie Bauernschläue, Opportunismus, dunkle Seiten von Persönlichkeitsmerkmalen dazu gesellen. Phänomene wie Kollaborateure, Sympathisanten mit dem Feind, Verräter, Spitzel beruhen darauf. Es sind jene, die bisher nichts waren, und sich Gelegenheiten erhoffen, unter neuen Umständen wenigstens etwas zu werden. Solche Menschen sehen sich selbst nicht als dumm oder degradiert, manche erblicken für sich gar eine Strategie darin, als „Handlanger“ Karriere zu machen – endlich.
@T. Wiegold Wenn Sie das Interview mit Politico meinen – das habe ich gesehen.
Sie wohl eher nicht, denn (mal abgesehen von den üblichen mäandernden Statements Trumps und seiner ständig wiederkehrenden Selbstbeweihräucherung …. schwer erträglich) wird in diesem Interview sehr deutlich, und er sagt es explizit: Trump und die US Regierung wollen ein starkes Europa. Nichts mit „unter den Bus werfen“.
Wo Ihnen sicherlich der Hut hochgeht ist seine Analyse, weshalb wir schwach geworden sind. Nur, auf diese Analyse muss man sich sachlich einlassen, anstatt beim ersten Reizwort in den Schützengraben zu springen.
Unleugbar ist unsere Position in den letzten 20 Jahren wesentlich schlechter geworden (wirtschaftlich, sicherheitspolitisch, gesellschaftspolitisch, in der Folge außenpolitisch), und das haben wir alleine hinbekommen. Zeit, die Politiken der letzten 20 Jahre zu hinterfragen, weil die Ergebnisse schlechter sind als in den USa, China, Ostasien und Indien.
@Kapitän sagt: 09.12.2025 um 19:03 Uhr
„Dem Ziel des gemeinsamen Erkenntnisgewinns ist es immer zuträglicher, auf das tatsächlich gesagte Bezug zu nehmen.“
Das wäre toll, wenn Sie das machen würden. Sie wiederholen nur Zitate des Papiers in mehr oder weniger eigenen Worten. Sie sind raus als ernsthafter Diskussionspartner.
@all
Inzwischen, so scheint, es, geht es keinem mehr um die „Sicherheitsstrategie“, sondern nur noch darum, wie gut man die USA findet bzw. wie berechtigt deren Kampf gegen Immigration und die Bekämpfung des Klimawandels (nicht etwa den Klimawandel selbst) und wie fein den Druck auf Europa? Dann sollten wir die jetzt nur noch Schleifen ziehende Debatte vielleicht beenden.
@Pio-Fritz
„Sie sind raus als ernsthafter Diskussionspartner.“
Da Sie ja offenbar darüber bestimmen, wer sich zu dem Thema äußern darf, muss ich mich diesem Urteil wohl fügen. Als kleiner Trost bleibt mir nur, dass Ihre Entscheidung noch nicht überall bekannt ist und ich mich an der einen oder anderen Stelle noch an Diskussionen beteiligen darf.
@Thomas Becker sagt: 09.12.2025 um 22:59 Uhr
„Unleugbar ist unsere Position in den letzten 20 Jahren wesentlich schlechter geworden (wirtschaftlich, sicherheitspolitisch, gesellschaftspolitisch, in der Folge außenpolitisch), und das haben wir alleine hinbekommen. Zeit, die Politiken der letzten 20 Jahre zu hinterfragen, weil die Ergebnisse schlechter sind als in den USa, China, Ostasien und Indien.“
Das, was Sie da beschreiben, das sind doch die USA! Die haben massive wirtschaftliche Probleme wegen mangelnder Wertschöpfung im eigenen Land, old school Industrie aus dem letzten und vorletztem Jahrhundert und keinen Plan zur Energiewende (drill, baby, drill). Und 2014 zur Krim-Annexion hat Trump in seiner ersten Amtszeit genau was gemacht?
Gar nichts. Oh, sorry, doch natürlich, das von DEU und FRA geführte Minsk-Gesprächsformat negativ kritisiert und diskreditiert.
Die sicherheitspolitische Nullnummer auf der Weltbühne sind die USA unter ihrer Trump-MAGA-Bewegung, äh, Regierung. Die China und Russland lachen sich doch tot über Trump. Der lebt in seinem eigenen Film „Mango unchained“.
Da täuscht auch die (noch) erfolgreiche Digital-Industrie nicht drüber weg.
Die zentrale Frage ist doch, was bedeutet die NSS2025 für „uns“, für uns als Europäer und uns als Deutschland. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil diese Trump-Doktrin „Primacy of Nations“ (Seite 9) proklamiert:
Das ist eine offene Kampfansage an sämtliche Staatenbünde und supranationale Institutionen. Das bedeutet, dass die Trump-Administration neben den UN auch die EU ins Visier nimmt, um diese zum Nutzen der USA zu schwächen. Teile und herrsche als Hegemon.
Das bedeutet aber auch, das die deutsche Administration in noch stärkerem Ausmaß bedrängt werden wird, direkte „Deals“ mit der Trump-Administration einzugehen, und die EU außen vor zu lassen. Würde das geschehen, wäre die Macht der EU gebrochen. Das allerdings kann nicht im Interesse Deutschlands sein. Die Trump-Administration ist kein wohlwollender Hegemon, sondern will Dominanz und Ausbeutung jeglicher Ressourcen zum eigenen Nutzen.
Wie stellen wir uns diesem uns aufgedrängten Kampf, wenn wir neue und noch stärkere Abhängigkeit von den USA ablehnen?
Insbesondere die alten „Transatlantiker“ erleben derzeit ein Aufschrecken aus ihren Träumen und Hoffnungen. Sie fühlen sich verraten und wurden schnell ersetzt durch Neo-Transatlantiker, die sich ungeniert als „Fünfte Kolonne Washingtons“ etabliert. Das ist eine ernste Bedrohung unserer freiheitlich demokratischen Ordnung. Die offene und verdeckte Finanzierung von Parteien und parteinahen Stiftungen durch finanziell potente US-Akteure gilt es zu unterbinden.
How Much Abuse Can America’s Allies Take? Longtime Partners Will Soon Start to Drift Away
Robert E. Kelly and Paul Poast
December 8, 2025
https://www.foreignaffairs.com/united-states/how-much-abuse-can-americas-allies-take?
@ Strato239 10.12.2025 um 12:55 Uhr
Zustimmung!
Und wie will Trump das umsetzen?
Erste (veröffentlichte) Verlautbarungen dazu:
– Ersatz der G7/8 durch „Core5“ (C5) bestehend aus USA, RUS, CHN, JPN und IND;
– Herauslösen von 5 MS aus der EU: AUT, ITA, HUN, POL, SVK.
Das Ziel: – Schwächung/ Auflösung der EU und anderer supranationaler Org.;
Aufteilung von Macht- und Einflusszonen; der Rest muss sich fügen, liefern, zahlen, kuschen.
Damit fielen weite Teile Europas unter russ. Hegemonie. Lateinamerika unter die USA, Afrika RUS/ CHN.
Der Indo- Pazifische Raum bietet zwar noch Konfliktpotenzial, aber Trump wird auf CHN zugehen, nachdem er zuvor den wirtschaftlichen Druck erhöht hatte.
Die Rolle JPN‘s in einer solchen Aufteilung der Welt kann ich noch nicht erkennen.
Trump und seine Helfer sind Protagonisten einer unverhohlenen Raubtieragenda.
Schwere Zeiten für Trans-Atlantiker; Doomsday für das Fundament einer Epoche, die buchstäblich „vergeht“.
Klartext aus Dänemark:
Source: https://politiken.dk/edition/news/art10654773/A-sentence-about-the-USA-in-a-new-threat-assessment-raises-eyebrows
Und noch ein Kommentar. Aus Sicht eines „kalten Kriegers“. Einfacher Wehrpflichtiger damals, immerhin aber im Stab an einem Schreibtisch des Wehrbereichskommandos ( WBK 4 ). Da gab es interessantes Kartenmaterial…
Diese neue US-„Sicherheitsstrategie“ ist, wie von Gustav Gressel dargestellt wirklich hahnebüchen.
Zu meiner BW-Zeit waren alleine in Westdeutschland tausende (!) von Atomsprengköpfen gelagert.
Es wurde voll auf die atomare Karte gesetzt, alleine aufgrund der Nähe und Panzerüberlegenheit des bösen Feindes. Der auch Atomwaffen („Sondermunition“) in der DDR hatte ( damals ja die andere Seite, schauder…)
Auf beiden Seiten übr. nicht in Verfügungsgewalt der Staaten auf denen sie lagerten…
Sehr zum Entsetzen von Herrn P. haben sich seit dem Mauerfall 1989 die Grenzen verschoben.
Geht natürlich gar nicht. Das Land im Fadenkreuz konnte 2014 sehr geschickt mit „grünen Männchen“ unterwandert und teils besetzt werden da gottseidank nicht in irgendeinem Bündnis. Die „Sicherheitsgarantien“ von 1994 wurden clausewitzmässig ignoriert.
Gerade in 2024, nachem sich die „Spezialoperation“ deutlich verzögert hatte hat sich die russische Verbal-Strategie nochmals verschärft, ein Beispiel:
„Russland behält sich vor, Atomwaffen einzusetzen, «um einen Krieg zu den eigenen Bedingungen zu beenden». Die «Financial Times» berichtete über Dokumente, die belegen sollten, wie tief die Schwelle für den Einsatz von taktischen Atomwaffen liege. Unterlagen aus Militärübungen beschreiben etwa den Einsatz von Atomwaffen zur Abwehr eines drohenden konventionellen Angriffs.“
Das bedeutet die Rückkehr zur alten Doktrin „Russland gewinnt immer, und wenn nicht sprechen eben die Atomwaffen“.
Früher, im kalten Krieg, konnte man sehr skeptisch sein was mögliche Kriegsszenarien anging. Eines gruseliger als das nächste…
Aber zumindest eines war immer klar:
Die USA standen wie ein Fels in der Brandung, völlig egal ob die Demokraten oder die Republikaner an der Macht waren.
Waren damals die atomaren Kriegsszenarien gruselig, ist es heute die US-Führung.
Wer hätte das voraussagen können ?
Die Welt lernt daraus u.a. ( leider, leider ) das der Besitz von Atomwaffen immer wichtiger wird. Gerade wenn sich langjährige Verbündete als trojanisches Pferd erweisen…
Das transatlantische Bündnis ist ein Auslaufmodell, und das liegt nicht nur an Trump. Die europakritischen Töne gab es, zumindest was militärische Stärke betrifft, schon zu Obamas Zeiten. Die USA können und wollen sich den Schutz Europas nicht mehr leisten. Das ist ein zusätzliches Problem zum indopazifischen Raum, das nicht bewältigt werden kann.
Die Art und Weise, wie das jetzt geschieht und die Begleitmusik der Trump-Administration dazu ist unter aller Kanone und vergrault Freunde und Verbündete. Dann muss man eben entsprechend reagieren.
Und man darf nicht vergessen, jeder von uns kann sein Scherflein dazu beitragen, denn wir alle sind ein Stückchen Europa.
Ich persönlich habe die USA seit diesem Jahr privat und beruflich von meiner Reiseliste gestrichen, es ist mir schlicht zu unsicher. Ich kaufe auch keine amerikanischen Produkte und Marken mehr, egal, wo sie hergestellt werden, oder von Firmen, die in US-Besitz sind, z.B. Amazon braucht kein Mensch. Social Media benutze ich nicht und ansonsten versuche ich mich digital mit nicht-amerikanischen Alternativen durchzuhangeln. Das funktioniert erstaunlich gut, ich vermisse nichts.
Ich werde zwar in meinem Bekanntenkreis für diese Haltung etwas ungläubig belächelt, dafür brauche ich mich über einige Themen, z.B. Zölle, nicht aufzuregen. Die berühren mich nicht.
@Hagen:
Ob Japan sich lieber mit China als mit Südkorea, Phillipinen und Australien verständigt v.a. wenn es um den unsicheren Kantonisten USA handelt? Abgesehen davon wäre Pakistan dann auf der Suche nach einem starken Bündnis und würde Atomwaffen mitbringen.
Ob Polen tatsächlich auf die USA setzt und einen historisch bekannten 2-Fronten-„Krieg“ mit Rußland und Deutschland riskiert?
ITA, AUT und Polen sind wirtschaftlich extrem mit den EU-Ländern verknüpft. Auch deswegen ein großes „?“.
@Pio-Fritz
„Amazon braucht kein Mensch.“
Das mag aus der Perspektive des Endverbrauchers stimmen. Amazon ist aber nicht nur ein Onlineshop, sondern auch einer der wichtigsten Cloud-Anbieter. Ohne Amazon Web Services läuft in der deutschen Wirtschaft wenig, und wenn, dann sind die Alternativen Microsoft Azure oder Google Cloud. Alternativen aufzubauen erfordert Standortfaktoren wie günstige, grundlastfähige Energieversorgung, aus der Deutschland ausgestiegen ist, und enorme Investitionen, die der Staat nicht tätigen kann und die Wirtschaft nicht tätigen will. Die USA sitzen bei diesem Thema also langfristig am längeren Hebel, und bei vielen anderen auch.
Dass es diesbezüglich „massive wirtschaftliche Probleme wegen mangelnder Wertschöpfung im eigenen Land“ in den USA gibt oder diese von „old school Industrie aus dem letzten und vorletztem Jahrhundert“ geprägt seien oder es „keinen Plan zur Energiewende“ gibt, stimmt zumindest im Zusammenhang mit zentralen Themen wie Digitalisierung oder KI nicht einmal im Ansatz. Einzig bei fortgeschrittenen Halbleitern haben die USA hier ein Problem mit Abhängigkeiten von Taiwan, die gerade aber mit großem Aufwand reduziert werden. Beim Thema Energie steht vermutlich ein deutlicher Ausbau der Kernenergie bevor, wodurch die USA bei energieintensiver Cloud-Infrastruktur zukünftig noch größere Wettbewerbsvorteile gegenüber Europa haben werden als bislang. Bei Digitalisierung und KI wird Europa wohl eher noch weiter zurückfallen und langfristig abhängig von den USA bleiben. Wenn man sich unter diesen Bedingungen in Europa zur Konfrontation mit den USA entscheidet, werden die USA diese Abhängigkeiten als Druckmittel nutzen, um ihre politischen Interessen durchzusetzen. Natürlich kann man einen solchen Kurs gegenüber den USA fordern und von europäischer Autarkie träumen, aber dann bitte nicht von den Konsequenzen überrascht sein.
@aussenstehender
Die von mir zitierte „Strategie“ ist natürlich kein Erfolgsrezept per se, aber Länder aus supranationalen Organisationen herauszulösen heisst, diese Organisationen selbst direkt anzugreifen. Das geschieht mit der EU.
Den genannten Ländern ist gemeinsan, dass sie alle über etablierte, funktionierende und regierungserfahrene Rechts- Parteien verfügen. Bis auf Meloni in ITA sind diese Parteien auch russophil orientiert.
Wir werden also bald ein verstärktes Agitieren in diesem Sinne erleben.
Die AfD entsendet dieser Tage eine Delegation in das MAGA- Lager und wird sicherlich erleuchtet und inspiriert zurückkommen-))
Spannend wird es, wenn Trump u.a. Ähnliches mit der Nato vorhaben.
Die Nato zu schwächen oder zumindest ihr die USA als Big Brother zu entziehen wäre das grösste Geschenk an RUS und wirkt als Karotte wie Hauptgewinn gleich gut.
@aussenstehender sagt: 11.12.2025 um 13:37 Uhr
„ITA, AUT und Polen sind wirtschaftlich extrem mit den EU-Ländern verknüpft. Auch deswegen ein großes „?“.“
Alle EU-Länder sind nicht nur wirtschaftlich miteinander verknüpft. Die EU ist der größte Binnenmarkt der Welt mit gut 15% der weltweiten Wirtschaftsleistung. Für alle Mitgliedsstaaten wäre es wirtschaftlich sehr schlecht, diesen zu verlassen. Wir sehen doch, was in Großbritannien passiert, Rückkehrtendenzen inklusive.
Die Haltung eines „Europa/Deutschland sich gefügig machen“, zeigt sich aktuell am Wiederaufbau der Raketenartillerie des Heeres.
https://www.euractiv.com/news/us-denies-german-request-to-integrate-american-artillery-rockets/
„Die US-Regierung hat erneut eine Anfrage des deutschen Verteidigungsministeriums abgelehnt, die von Berlin in Washington gekauften GMLRS-Raketen in europäische Raketenwerfer zu integrieren. … Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren mehrfach entsprechende Anfragen gestellt, wie Euractiv erfahren hat“.
Die Bundeswehr setzt bekanntermaßen auf das 🇮🇱 PULS (MARS III) System, das U.S.-seitig als europäisches System eingeordnet wird.
Eine dauerhafte Ablehnung ist geeignet, die artilleristische Interoperabilität der Bundeswehr mit den USA und anderen Verbündeten zu gefährden, z.B. mit Auswirkung bei Multi-Domain-Operations durch das 56th Artillery Command/Wiesbaden mit seiner 2nd MDTF.
Die bisherige Auswertung des #rusukrwar erfordert nicht allein Drohnenkampffähigkeit und neue Flugabwehr, sondern auch die Modernisierung und den Ausbau der deutschen Raketenartilleriesysteme als Folge sicherheitspolitischer Zeitenwende.
Die Beschaffung der GMLRS-Munition in den USA also „für die Katz“?
@Hyperscaler sagt: 11.12.2025 um 14:16 Uhr
Wenn man keine Alternativen will, dann findet man auch keine. Ich erinnere mal an den Aufschrei, als bekannt wurde, das Daten einer Bundesbehörde auf Amazon-Servern liegen.
Zudem hatte ich die Digital-Unternehmen in meinem Kommentsr explizit ausgenommen, was Sie fröhlich unterschlagen.
Waren Sie mal im sogenannten Rust-Belt? Detroit würde auch reichen. Schauen Sie sich die Wasserversorgung in New York an etc.pp..
Sieht man normalerweise nicht? Ja, Show können die Amis. Da ändern auch ein paar High-Tech-Unternehmen nichts.
Ach ja, apropos Energie. Warum will dann Google zwei Rechenzentren in der Nähe von Frankfurt bauen? Ist doch nach Ihrer Argumentation ein Ding der Unmöglichkeit.
@Pio-Fritz
Ja, Google investiert in Deutschland 5,5 Mrd. EUR in Rechenzentren. Ein Zeichen dafür, dass durch diese Investitionen (eines amerikanischen Unternehmens übrigens) Abhängigkeiten von den USA reduziert werden, ist das aber nicht. Zum Vergleich: Die gesamten Investitionen in Rechenzentren in den USA betrugen dieses Jahr rund 315 Mrd. EUR.
Bzgl. europäischer Abhängigkeiten von den USA beim Themenkomplex IT vor diesem Hintergrund von „Show“ und von „ein paar High-Tech-Unternehmen“ zu sprechen, ist m.E. Ausdruck von Wunschdenken, das im Zusammenhang mit den USA in Deutschland aber leider seit jeher stark verbreitet ist.
@KPK:
Naja, die Niederländer, die Heeresmäßig mit uns ja recht eng kooperieren, nutzen ebenfalls EuroPuls, wie auch Dänemark.
Dann verschießen wir eben EXTRA und schieben die GMLRS an UKR durch.
Eine Gefährdung der artilleristischen Interoperabilität mit anderen Verbündeten sehe ich so nicht.
Bezüglich US ist das Thema des gemeinsamen Mindsets sicherlich größer, als die RakArt-Mun-Thematik.
@Hyperscaler/Pio-Fritz:
California/Demokraten hat ein grösseres GDP als Deutschland aber die EU ist der größte Binnenmarkt der Welt. Lässt man Sprachen mal weg sind die USA z.T vielfältiger als die EU, und das geht auch das soziale Gefälle an. Erklärt zum Teil auch die bizarre Allianz hinter den Republikanern.
Ich hatte aber spätestens nach den Investitionamkündigungen in GBR durch die Techbranche den Eindruck, man legt nicht alle Eier in einen Korb. Es sind aber auch rechtliche Fragen, warum IT-Infrastruktur redundant oder gar lokalisiert sein muss.
@ Pio-Fritz
„Das, was Sie da beschreiben, das sind doch die USA! Die haben massive wirtschaftliche Probleme wegen mangelnder Wertschöpfung im eigenen Land, old school Industrie aus dem letzten und vorletztem Jahrhundert und keinen Plan zur Energiewende (drill, baby, drill).“
……das ist nicht nur die USA, sondern Deutschland.
Massiver Industieabbau zu Gunsten Asiens, mangelnde Innovation und marode Infrastruktur verbunden mit einer lavierenden Fuehrung. Dazu unrealistische Wohlstandsforderungen und Immigrationsleistungen bei einer alternden Population.
Die Zukunft in DE (und Europa) wird spannend….
@Hyperscaler sagt: 14.12.2025 um 8:01 Uhr
Wir beide kommen auf keinen Nenner. Sie kaprizieren sich ausschließlich auf die IT., ich auf den Staat. Das ist nicht deckungsgleich.
Das mit Google war auch nur ein Beispiel. Ich brauche die nicht und will auch meine Daten nicht da liegen haben. Aber lassen wir das.
@Mike Molto sagt: 14.12.2025 um 18:17 Uhr
„Massiver Industieabbau zu Gunsten Asiens, mangelnde Innovation und marode Infrastruktur verbunden mit einer lavierenden Fuehrung. Dazu unrealistische Wohlstandsforderungen und Immigrationsleistungen bei einer alternden Population.“
Ach, come on, das ist jammern auf hohem Niveau. Unser Lohnniveau in DEU ist im Vergleich zum Rest der EU relativ niedrig. Und unrealistische Immigrationsleistungen? Welche denn? Unser, als DEU, Manko ist doch, das wir kein vernünftiges Einwanderungsgesetz haben. Jetzt gerade hat die von uns gewählte Politik mal wieder die Chance vertan, eines zu erlassen um die, die wir tatsächlich brauchen, heraus zu sieben und in Lohn und Brot zu bringen.
Unsere Industrie hat wie immer den technischen Trend verschnarcht oder ignoriert und jammert jetzt nach staatlichen Hilfen. Und dann beginnt das herumlavieren. Weder verschieben des Verbrenner-Aus noch aufheben des Heizungsgesetzes wird uns etwas bringen, nur Unsicherheit in der Bevölkerung und deswegen verschobene Investitionen.
Und, Hand aufs Herz, welche Regierung hat in den letzten 20 Jahren die Infrastruktur nicht gepflegt und instandgehalten? Spoiler: Es war nicht die Ampel…
Der deutsche Jammer-Michel sitzt eben auch in den Führungsetagen der großen Konzerne.