Neue US-Sicherheitsstrategie: Ideologie für ein gefügiges Europa (Nachtrag: Deadline für NATO-Europa)
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump geht zunehmend auf einen feindseligen Kurs gegenüber Europa. Die neue National Security Strategy der USA, in der Nacht zum (heutigen) Freitag ohne vorherige Ankündigung vom Weißen Haus veröffentlicht, geht vor allem die europäischen Staaten in der EU hart an, teilweise mit rechtsextremistischen Begriffen wie – sinngemäß übersetzt – Umvolkung. Im Verhältnis zu Russland, das im Unterschied zu Westeuropa sehr zurückhaltend erwähnt wird, sehen sich die USA als neutraler Vermittler.
Die so genannte Sicherheitsstrategie schließt an die Vorwürfe von US-Vizepräsident J.D. Vance vor der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar an. Auch im aktuellen Dokument wird den Regierungen in Europa vorgeworfen, die Meinungsfreiheit zu missachten – statt dessen sollten die extremistischen Positionen mehrheitsfähig werden, die den ideologischen Vorgaben der MAGA-Bewegung Trumps entsprechen.
Aus der National Security Strategy, unter der irreführenden Überschrift Promoting European Greatness:
American officials have become used to thinking about European problems in terms of insufficient military spending and economic stagnation. There is truth to this, but Europe’s real problems are even deeper.
Continental Europe has been losing share of global GDP—down from 25 percent in 1990 to 14 percent today—partly owing to national and transnational regulations that undermine creativity and industriousness.
But this economic decline is eclipsed by the real and more stark prospect of civilizational erasure. The larger issues facing Europe include activities of the European Union and other transnational bodies that undermine political liberty and sovereignty, migration policies that are transforming the continent and creating strife, censorship of free speech and suppression of political opposition, cratering birthrates, and loss of national identities and self-confidence.
Should present trends continue, the continent will be unrecognizable in 20 years or less. As such, it is far from obvious whether certain European countries will have economies and militaries strong enough to remain reliable allies. Many of these nations are currently doubling down on their present path. We want Europe to remain European, to regain its civilizational self-confidence, and to abandon its failed focus on regulatory suffocation.
This lack of self-confidence is most evident in Europe’s relationship with Russia. European allies enjoy a significant hard power advantage over Russia by almost every measure, save nuclear weapons. As a result of Russia’s war in Ukraine, European relations with Russia are now deeply attenuated, and many Europeans regard Russia as an existential threat. Managing European relations with Russia will require significant U.S. diplomatic engagement, both to reestablish conditions of strategic stability across the Eurasian landmass, and to mitigate the risk of
conflict between Russia and European states.
It is a core interest of the United States to negotiate an expeditious cessation of hostilities in Ukraine, in order to stabilize European economies, prevent unintended escalation or expansion of the war, and reestablish strategic stability with Russia, as well as to enable the post-hostilities reconstruction of Ukraine to enable its survival as a viable state.
Auslöschung der Zivilisation durch die EU, darunter geht’s nicht. Dazu passt auch, dass nicht etwa der Klimawandel als Gefahr betrachtet wird, sondern im Gegenteil der Kampf gegen den Klimawandel:
We reject the disastrous “climate change” and “Net Zero” ideologies that have so greatly harmed Europe, threaten the United States, and subsidize our adversaries.
So erschreckend das alles langfristig ist: die kurzfristigen Implikationen sind fast noch beunruhigender. Die zurückhaltenden Aussagen in Bezug auf Russland und eine Vermittlerrolle der USA deuten auf den Wunsch nach einer Achse Washington-Moskau hin. Wie bestellt griff der russische Geschäftsmann, Ukraine-Verhandler und Vertraute von Präsident Wladimir Putin, Kirill Dmitriev, den deutschen Bundeskanzler mit Begriffen an, die sich auch im US-Papier finden:
Western Civilisation suicide, migration als Vorwürfe sind fast wortgleich mit den US-Aussagen.
In Europa gab es angesichts des neuen Papiers über Nacht erste eher erschreckte, vor allem aber ungläubige Reaktionen. Wie die des österreichen Sicherheitsexperten Gustav Gressel: This is the most ridiculous foreign policy document I ever read. An I read many of those.
Nachtrag: Dazu passt auch ein Bericht von Reuters aus Washington, demzufolge die USA den Europäern ein Ultimatum bis 2027 setzen, ihre (nicht-nukleare) Verteidigung selbst zu organisieren:
The United States wants Europe to take over the majority of NATO’s conventional defense capabilities, from intelligence to missiles, by 2027, Pentagon officials told diplomats in Washington this week, a tight deadline that struck some European officials as unrealistic.
The message, recounted by five sources familiar with the discussion, including a U.S. official, was conveyed at a meeting in Washington this week of Pentagon staff overseeing NATO policy and several European delegations. (…)
The U.S. officials told their counterparts that if Europe does not meet the 2027 deadline, the U.S. may stop participating in some NATO defense coordination mechanisms, said the sources, who requested anonymity to discuss private conversations.

Mich wundert, dass europaeische Politiker sich von derartigen Aussagen und Veroeffentlichungen uebeberrascht zeigen.
Wissen die nicht, wie in den entsprechende Etagen des Pentagon und WH ueber Europa und speziell DE gedacht wird???
Das beweist eine schlechte Kommunikation und Nachrichtenbeschaffung und sehr naives Verstaendnis fuer Machtpolitik. – Deutscher Michel, eben.
Aber der Austausch von Bewertungen mit den anderen Europaeern sollte doch funktionieren. Oder ist auch hier das Vertrauen auf sehr niedrigem Niveau angesiedelt?
[Es ist vielleicht ein Unterschied, wie div. Typen da denken – und was in eine Nationale Sicherheitsstrategie (!) reingeschrieben wird. T.W.]
Zeit für die „ETO der Willigen“. Nuclear Sharing muss doch nun auch dem letzten klar werden ist ‚dead in the water‘. Einziges Highlight der Woche waren die Spiegel-Leaks. Wenn Frankreich und UK doch noch nur mehr Geld hätten.
Okay, nichts wirklich überraschendes, außer das die US-Administration es mal wirklich aufgeschrieben hat.
Das sie sagen wir wären im Bereich „double down“ läuft zwar komplett konträr zur Realität, aber damit halten sich ja manche Menschen auch nicht auf.
Wenn uns diese Strategie eine Sache zeigt, dann nur das wir viel schneller in unseren Bestrebungen werden müssen. Die Zeit des Zögerns ist – zumindest solange die USA auf diesem Kurs sind – komplett vorbei und wir sollten auch künftig für uns selbst planen. Sicherheitshalber sei erwähnt: unser Ziel muss eine stärkere europäische Integration sein, ggf. auch im Rahmen zwischenstaatlicher Verträge wenn die EU-Lösung aufgrund von U-Booten wie Ungarn nicht funktioniert.
Das ist doch alles mit Ansage. Man kann der Trump-Regierung vieles vorwerfen, aber mit Sicherheit nicht, das sie nicht sagt, was sie will und plant.
Man möchte rufen: Europäer erwachet!
Es wird höchste Zeit, sich auf eigene Beine zu stellen. Das jetzt in den USA bestellte Gerät kann nur eine Übergangslösung sein, bis wir eigene Fähigkeiten gerätemässig abbilden können.
Wenn man sich das auf der Zunge zergehen lässt, kann man sich schon die Frage stellen ob Russland mit seinem Angriffskrieg und Expansionsstreben auf Dauer die einzige Gefahr für uns bleibt, oder die USA mit ihrem Kulturkampf da gleichziehen werden. Es fällt mir schwer, den Satz zu formulieren ohne Russlands Gewalt herunterzuspielen, was ich definitiv nicht tun möchte, aber es hilft ja nix – wer sowas als Sicherheitstsrategie verfasst und veröffentlicht ist letzten Endes auch eine Bedrohung.
Das liest sich wie Scheidungspapiere betrunken übergeben. Was für eine nationales Selbstbewusstsein meinen die? Nationalsozialismus…?! Geht’s noch?!
Zumindest hat das DOW im Innerregimekonflikt sich auf die Seite von Vance geschlagen, Rubio isoliert.
Scheint so als ob in der US-Administration die faschistoiden Kräfte tatsächlich die Überhand gewonnen hätten. Die demente Pampelmuse hat fertig, jetzt haben die Kulturkrieger Vance, Hegseth und Co das Sagen…
Wer es noch nicht getan hat, sollte sich mal mit dem, sagen wir mal exzentrischen Ideologen Curtis Yarvin und seinem großen Einfluss auf amerikanische Politiker befassen. Mit dem großen Plan, sozusagen.
Warum habe ich jedesmal das Gefühl, daß wir kein bischen weiter sind als bei der letzten Nummer dieser Art (Vance in München)? Es kommt mir vor, als hätte noch keiner den Startschuß wirklich gehört (Dassault – Airbus…).
Aus meiner Sicht muss dringenst an allen Fähigkeitslücken gearbeitet werden, um sich militärisch maximal von den USA unabhängig zu machen.
Es existiert aber innerhalb der EU letztendlich kein politischer Konsens und damit kein Willen, schnell die nötigen Weichen zu stellen. Aufgrund der Dringlichkeit wäre eine Art Neugründung der EU von Nöten.
Addendum: Vielleicht hätte ich NATO minus USA schreiben sollen…
@sakrileg: Der Testfall hierfür könnte Grönland werden…
was in dem Papier drin steht ist bekannt, es wurde halt nur ’schön‘ ausformuliert.
Was ein Problem darstellt, das sind die Dinge die nicht erwähnt werden,wie: „ihr ‚Resteuropäer‘ (nicht die Deutschen), wechselt die Seite so lange ihr noch könnt, verlasst das europäische Haus !“
Bedingt durch die schlechte Haushaltslage wird es über kurz oder lang Bestrebungen (politisch, wirtschaftlich, militärisch) geben in Moskau oder Washington unterzuschlüpfen, das Prinzip ist einfach: first come, first serve. Reagiert die Herde nicht, wird über neue Zölle nachgedacht.
Deutschland wird mal wieder isoliert sein. Was danach möglicherweise in abgewandelter Form kommt, kann man in Geschichtsbüchern nachlesen.
Lesen bildet.
Vielleicht sollten unsere amerikanischen „Freunde“ beim Thema Meinungsfreiheit erst mal vor der eigenen Tür kehren. Das Völkerrecht interessiert die ja eh nicht. Bei über 20000 Mordopfern, davon ca. 25 Prozent durch Schußwaffen, und Hunderttausenden Drogen- und Medikamentenopfern hätten die zu Hause genug zu tun. Wann wacht unsere Politik endlich mal auf? Die Amis pampern die AfD und Co ja nicht umsonst. Wie sagte Lenin: „Schlimmer als Blindsein ist, Sehen und nicht Sehen wollen!“ Es wird Zeit für eine neuer EU und eine neue NATO. Und einen Stolperdraht auf Grönland.
@T.W.
Was div. Typen (in USA) so denken ist heute und morgen Grundlage fuer nationale Strategie.
(In DE auch nicht anders, allerdings mit viel Umschreibung und „Abstimmung“ mit Gleichgesinnten.
Mich wundert eben nur, wie naiv-ueberrascht unsere Politiker reagieren.
Und aus der deutschen Politik kommt mal wieder NICHTS, genau wie schon bei Putins letzten Drohungen in Richtung NATO, Europa und Deutschland. Nö, da wird halbherzig an einem lauen Kompromiss zur Wehrpflicht rumgewurstelt und von irgendwelchen Fantasiezahlen zu Personal und Ausrüstung bis 2030 geträumt. Eigene Sicherheitspolitik? Igitt .. bäh … pfui. Das ist und bleibt ein einziges Drama.
Dazu passt ein Artikel der Berliner Zeitung vom 2. 12. von Alexander Schmalz:
Titel:“Bundeswehr-General: Kontakt zum Pentagon ist „abgeschnitten, wirklich abgeschnitten“
Demnach stammt diese Aussage von General Christian Freuding aus einem Interview mit dem US Magazin The Atlantic. Der Haupteil des Artikels ist hinter der Bezahlschranke.
(Ich hoffe dieser Beitrag ist von akzeptabler Kürze.)
[Ja, aber leider verkehrt – denn dazu passt: ein Artikel aus dem „The Atlantic“.
https://www.theatlantic.com/magazine/2026/01/german-militarism-european-security/684951/
T.W.]
@sakrileg
Achten Sie auf Ihre Worte, nicht, daß die USA uns kein Gas mehr liefern 😎
Das Verhalten der der deutschen Politik erinnert irgendwie an den Film „Don´t Look Up“ – nur, dass die Bedrohung nicht von einem Kometen, sondern durch die vollständige Implosion der westlichen Bündnisstruktur stammt.
Wie oben bereits ausgeführt, war diese Entwicklung spätestens seit dem Vance Auftritt bei der Münchner Sicherheitskonferenz klar. (Im Grunde seit der ersten Trump Lergislatur.)
Inzwischen muss man sogar davon ausgehen, dass die USA nicht nur wirtschaftspolitisch, sondern auch sicherheitspolitisch Antagonist zu „Europa“ ist.
Der Worst Case ist dabei eine kollusives Zusammenwirken von USA und Russland zulasten der Europäer. (Und der beginnt gerade ganz unverholen… Nix Nukleare Teilhabe…)
Die NATO wird seitens der USA ganz deutlich nur noch als Vehikel zur sicherheitspolitischen Dominanz der „Bündnispartner“ (Vasallenstaten) betrachtet (Oberkommando, Kontrolle aller Schlüsselpositionen und NATO Einrichtungen, Verhinderung unabhängiger Strukturen der „Partner“. Und natürlich, um unter politischem Druck Waffenkäufe in den USA zu befördern/ zu erzwingen.)
1. Die EU hat sich wirtschaftspolitisch (Zollstreit) und sicherheitspolitisch (welche Sicherheitspolitik?) als strukturell unfähige, durchsetzungsschache und kaum reformierbare Luftnummer erwiesen.
2. Deutschland hat sich selbst in eine katastrophale Position der Schwäche (wirtschaftlich und sicherheitspolitisch/militärisch) gebracht.
Die nötigen Antworten wären:
1. Sofortige und ernsthafte Wiederaufrüstung der Bundeswehr inklusive der Einführung der Wehrpflicht. Schnell und hart! Unterkünfte in Containernauweise etc. – „no can do“ war gestern.
Stattdessen passiert viel zu wenig und viel zu langsam. Heeresflugabwehr?! Flugabwehr durch ausreichende Stückzahl Iris-T SLM?
Beschaffung Artillerie zeitnah?! etc. (Seit 2022 alles auf Powerpoint.)
-> Und vor der Wehrpflicht drückt man sich weiterhin, obwohl es überall hoffnungslos an Personal mangelt…
2. Sofortige Neuplanung der Energiepolitik! Die Abhängigkeit von Russischem und Amerikanischen Gas als einzige Energiequelle von Oktober bis März kann nicht (!) die Lösung sein.
Kurzfristig: Erhalt aller Kohlekraftwerke + strategische Kohlererserve.
Langfristig: Atomkraft.
3. Wirtschaftspolitisch: Sofortige Überprüfung der Klimapolitik – wir werden uns nicht bei gleichzeitigem wirtschaftlichen Selbstmord verteidigen können.
4. Bilaterale Verteidigungsabkommen mit den wichtigsten Natopartnern für den Fall des Ausstiegs oder der Blockade der der NATO durch die USA.
Stattdessen:
„Don´t look Up“
@CurtisLM sagt: 05.12.2025 um 12:00 Uhr
Eine Runde in der nuklearen Teilhabe drehen wir mit den F-35 noch mit, dann sollte Europa etwas eigenes haben.
Und FRA und GBR könnten mehr Geld bekommen. Sie müssten nur ihren nuklearen Schutzschirm ausdehnen.
Bei GBR wird das schwierig, die haben US-Waffen in Varianten. Auch wieder schlecht.
Kaufen wir Gas in China? 😇
Das ist jetzt dieser eine Moment: Die Geschichte fragt nicht, ob wir bereit sind!
@T.W.
Danke für den Link.
Zitat“Freuding had once been able to text American defense officials “day and night,” he said, but lately communication with his counterparts in Washington had been “cut off, really cut off.” The Trump administration had offered no warning, for instance, about its move to suspend certain weapons shipments to Ukraine.“
Meine Englisch ist eigentlich ziemlich gut. Ich kann in der Textpassage nichts finden, was im Widerspruch zu der Übersetzung in der Berliner Zeitung steht.
Aber ich lerne natürlich gern dazu.
Auch würde es mich natürlich sehr freuen, wenn unsere Kommunikationskanäle zu unseren amerikanischen Verbündeten nicht ganz so schlecht sind, wie hier dargestellt. Schließlich sind wir auch immer noch stark abhängig von den Erkenntnissen der US-amerikanischen Aufklärung.
Das stand noch in der National Security Strategy der Biden-Administration. Nichts mehr davon unter Trump.
Hier der volle Textlaut aus dem Jahr 2022 zum Vergleich des Werteverfalls:
https://bidenwhitehouse.archives.gov/wp-content/uploads/2022/11/8-November-Combined-PDF-for-Upload.pdf
Dass jetzt zu Papier gebracht wurde, was eh Phase ist – na gut. Dass sich darüber noch Leute wundern – nicht so gut. Warum man sich auf höchster Ebene nur zaghaft mit dem Thema konfrontiert, dass Europa spätestens seit Beginn Trump-Präsidentschaft 2 das Ende des Westens in Form eines Informationskrieges nun auch seitens der USA gegen die liberalen, sozialen und rechtsstaatlichen Demokratien unter dem Dach der EU erlebt, mit dem Ziel, diese oligarchie-freundlich zu machen: Ich weiß es nicht. Wie kann es sein, dass weiterhin uneingeschränkt alle möglichen Online-Plattformen aus China oder USA Zugang zum europäischen Informationsraum haben, und somit auf unsere Köpfe und Herzen, und die eigentlich zum Schutze des Gemeinwesens berufenen Institutionen in den meisten europäischen Staaten haben keinen blassen Schimmer, was da wie abgeht, sondern können höchsten ex post forensisch nachweisen, was im Einzelnen passiert ist.
Schon vorher hat zumindest das nihilistische Geschäftsmodell der US-amerikanischen Plattformbetreiber („Alle Inhalte, die Aufmerksamkeit binden und uns damit Datenabschöpfung erleichtern, sind genehm – egal ob Katzenvideos oder Livestream eines Massenmordes.“) als Kollateralschaden menschliche Seelen und den politischen Diskurs vergiftet. Spätestens seit der Übernahme von Twitter durch Musk sind die Visionen des Peter Thiel, dessen Unterstützung von Trump 1 und dessen schon zuvor öffentlich vorgetragenes Plazet für mehr Sozialdarwinismus von uns wohlwollend ignoriert wurden, in ein weiteres Kapitel des Plans zur Umgestaltung der demokratischen Gesellschaften westlicher Prägung eingetreten. Ich will es deutlich sagen, obwohl ich auf Arbeitsebene weiterhin regelmäßig und gerne mit sehr positiv und konstruktiv eingestellten amerikanischen Gegenstellen und Personen zu tun habe: De facto hat die aktuelle US-Regierung mehr mit unseren strategischen Gegnern Russland und China gemein, als mit uns, und hat somit das Lager gewechselt.
Wenn Biden einst sagte: Autokratie vs Demokratie ist der Kampf des 21. Jahrhunderts – es ist mit den Amis in dieser Sache aus unserer (aktuell) nicht zu rechnen. Entsprechend müssen wir uns aufstellen! Der existenzielle Informationskrieg ist Realität, wir sind ergo „hybriden Angriffen“ (Eigentlich auch ein Euphemismus) von allen Seiten ausgesetzt, im Zweifelsfall nationale, im besten Fall europäische Souveränität im Informationsraum hat höchste Priorität.
Es wäre technisch ein Leichtes, EU-fremde Plattformen und andere Online-Dienstleistungen und deren Infrastruktur auch geografisch zu europäisieren. Aber politisch? Mit dem tief sitzenden vorauseilenden Selbstbeschränkungsgehorsam vieler deutschen EntscheiderInnen gegenüber falsch verstandenen Aspekten von Datenschutz und Meinungsfreiheit wird es eben schon schwierig, überhaupt die von mir beschriebene Realität anzuerkennen, und dann forciert regulativ sowie mit finanziellen Mitteln und organisatorischen Wegen den nicht akzeptablen Zustand in einen gewünschten zu überführen. Und es gibt mittlerweile wohl schon zu viele Meinungsführende in allen möglichen Bereichen der Gesellschaft, die sich von einer autoritären Transformation eigene Vorteile versprechen. Schade.
In einer Unterrichtung an diesem Donnerstag wurde gesagt, daß der „Kommunikationsabbruch“ fake news ist. Leider hat PIZ H hier (noch) nicht gegengehalten.
Und: sollte es dennoch den Tatsachen entsprechen wird GL FREUDING dies wohl nicht der Presse gesteckt haben.
[Mit PIZ Heer hat das wenig zu tun – das Interview wurde geführt, als Freuding noch Leiter Ukraine-Sonderstab war. Und in dem gezielten Dementi (das ich übrigens noch suche, breit gestreut hat das das BMVg offensichtlich nicht) heißt es wohl, die Darstellung sei deshalb missverständlich, weil sich Freuding auf die Zeit des Wechsels der US-Administration bezogen habe, also auf verwaltungstechnische Probleme. „Gesteckt“ hat es Freuding eh keinem, sondern in einem Interview Fragen beantwortet. Bisweilen kommt man sich ja schon vor wie bei Stille Post.. T.W.]
@TW
Es geht um das Narrativ: unterschwellig wird vermittelt, daß die US-Administration den Kontakt zu GL FREUDING untersagt / unterbunden hat, vulgo: mit der Bw wollen wir nicht mehr kommunizieren. Leider ist auch die Qualitätspresse darauf angesprungen, generiert das doch Klicks.
„Verwaltungstechnische Probleme“ wäre dann allerdings ein Euphemismus, man wird ja wohl die Telefonnummern und E-Mailadressen seiner Partner kennen oder man trifft sich persönlich in WIESBADEN.
PIZ H deswegen weil er nun InspH ist.
Zum Thema Meinungsfreiheit, Frage an ChatGPT:
Darfst du dich über Friedrich Merz‘ Glatze lustig machen?
Antwort: Nein, das darf ich nicht.
Also Vorsicht an alle, die sich über Trumps Teint lustig machen. Könnte für eine Hausdurchsuchung und Beschlagnahme der Datenträger reichen, obwohl die politisch korrekten Sittenwächter auf dem Auge wahrscheinlich blind sind. Das Ermittlungsverfahren ist die Strafe, nebensächlich, was dabei herauskommt.
Die Amerikaner haben nicht ganz unrecht, und in dieser Frage Vorhaltungen zu machen.
[Is‘ klar, und als nächstes die Habeck-Sache… Ich denke, wir brauchen hier Propaganda von keiner Seite. Danke und damit ist der OT durch. T.W.]
@J10 sagt: 06.12.2025 um 8:45 Uhr
Das ist so, weil unsere politischen Entscheider keine Ahnung haben und von Lobbyisten beraten werden.
Oder wie soll man den Jubel der Politik darüber verstehen, das Google plant in Frankfurt zwei Rechenzentren für 5 Milliarden Euro zu bauen? Am größten Internetknoten Europas.
Zitat“So erschreckend das alles langfristig ist: die kurzfristigen Implikationen sind fast noch beunruhigender. Die zurückhaltenden Aussagen in Bezug auf Russland und eine Vermittlerrolle der USA deuten auf den Wunsch nach einer Achse Washington-Moskau hin.“
Erschreckend aber auch nicht neu. Das ist doch nur Fortsetzung von dem was schon in Trumps Wahlkampf immer wieder hochkam. Trump sieht in Russland den einen Verbündeten, den er braucht, wenn er den Aufstieg Chinas als neue Nummer 1 in der Weltwirtschaft verhindern will. Der Krieg in der Ukraine, für den er Jo Biden verantwortlich macht, ist für ihn nicht mehr als ein ärgerliches Hindernis. Wir Europäer und unsere Interessen sind Trump egal, weil wir, seiner Ansicht nach, nichts haben, was die USA brauchen. Im Gegenteil, die EU ist für Trump ein Konkurrent, den es klein zu halten gilt. In Trumps 28 Punkte-Plan wurde doch schon deutlich, dass er in uns allenfalls einen Zahlmeister sieht, der auf Kommando zu spuren hat.
Und nun?
Zumindest erleichtert das der Politik dahingehend die Arbeit, dass sie nicht mehr den Spagat liesten müssen, auf der einen Seite den Leuten zu sagen, dass wir den Donald schon managen, und sich auf der auf der anderen Seite versuchen sollten sich von ihm abzunabeln.
Die Leute, die auf die Midterms bauen, sollten bei dem Schweigen im Walde der Demokraten und diesem Dokument bitte erklären, wie sie ein nicht weiter so begründen wollen.
Wir, als Europäer und als Deutsche, sollten uns dringend umschauen, wo wir noch Freunde auf der Welt haben, oder zumindest Staaten mit ähnlichen Interessen.
Die neue US-Sicherheitsstrategie zeigt, das Europa und seine Probleme den USA nicht egal sind, und dass die USA als Hegemon beabsichtigen, sich hier in Europa aktiv einzumischen und auf Politikänderungen in bestimmten benannten Feldern hinzuwirken, mit den letztendlich Ziel, Europa nachhaltig zu stärken. Das ist keine negative Nachricht, obwohl es in diesem überwiegend linksorientierten Blog als eine solche aufgenommen wird, sondern im Gegenteil eine überaus positive Nachricht!
[Rechtsextremistische Propaganda für von außen betriebenen „regime change“ in Europa anderswo, hier nicht. T.W.]
@ad astra sagt: 07.12.2025 um 23:41 Uhr
„Wir, als Europäer und als Deutsche, sollten uns dringend umschauen, wo wir noch Freunde auf der Welt haben, oder zumindest Staaten mit ähnlichen Interessen.“
Da können Sie lange schauen und werden keine finden. Staaten haben Interessen, keine Freunde. Und die großen Mächte der Welt sind von Autokratien oder Oligarchien geführt, bis auf Europa. Von einzelnen europäischen Staaten brauchen wir da gar nicht erst sprechen.
Und wir sind intern so uneins, das wir unserer wirtschaftliche Stärke nur zum Teil und die militärische gar nicht an den Start kriegen. Und so lassen wir uns von einer protektionistischen und auf dem Weg zur Autokratie befindlichen USA am Nasenring durch die Manege ziehen.
@Pio-Fritz: Ich bin da anderer Ansicht. Für mich gibt das Dokument im Wesentlichen das wider, was wir durch Präsident Trump bereits mehrfach gesehen haben. Eine Drohkulisse aufbauen in der Hoffnung, das was davon hängen bleiben wird, und die USA wirtschaftlichen Vorteil ziehen können. Washington ist durchaus klar, dass deren Verhalten dazu führen kann, dass sich der Kern der EU zusammenrauft und man es auf einmal mit einem Gegenspieler zu tun hat, der global eigenständig Interessen vertritt.
@Thelamon: Der wesentliche Druckhebel, den die USA versuchen aufzubauen, ist Europa in einer Abhängigkeit von LNG zu führen. Investitionen in erneuerbare Energien, gerade Wind und PV gekoppelt mit Speichern, sind ein für Europa idealer Weg, sich eben genau nicht in diese Abhängigkeit zu begeben und die USA, Katar etc. ins Leere laufen zu lassen. Und sie führen dazu, dass die politische Waffe „Energie“ gegen Europa eher ein stumpfes Schwert wird (und nebenbei die Energiekosten deutlich sinken).
Was militärische Güter angeht: ein Blick in die europäischen Bestelllisten zeigt, dass die Abnabelung von den USA diesbezüglich in vielen Bereichen voll im Gange ist und an Geschwindigkeit zunimmt. Egal ob das jetzt Flugabwehr ist (IRIS-T ist in Europa inzwischen schon fast sowas wie das Standardsystem), Drohnenabwehr (Skyranger) oder auch Panzer sind. Einige Systeme wie F-35 oder auch Patriot sind die Ausnahme. Aber eben auch mit dem europäischen Verständnis, eigene Alternativen aufzubauen. Was ja auch durchaus in der Strategie nachzulesen ist: den europäischen Markt für US-Waffen aufhalten. Da schwingt schon durchaus Sorge der USA mit.
Wir als Europa sollten uns nicht kleiner machen als wir sind. Wir müssen nur wollen – und das „Müssen“ scheinen wir jetzt als Druck von außen zu bekommen. Friedlicher auf der Welt wird es sicherlich so schnell nicht mehr werden, soviel dürfte in den letzten Wochen klargeworden sein. Und zu glauben, dass es 2028 wieder einen demokratischen US-Präsidenten geben könnte, halte ich inzwischen für gefährlich naiv.
@all
Für all‘ die, die es immer noch nicht verstehen (wollen): Für extremistische (Partei)Propaganda zum Wohle des geliebten Führers Trump steht diese Plattform nicht zur Verfügung. (Aussagen wie „Wir wissen um den hohen Stellenwert der Meinungsfreiheit in den USA, und haben nichts besseres zu tun, als genau diese Meinungsfreiheit bei uns immer weiter einzuschränken.“ mögen ja als Satire gemeint sein, dennoch hier nicht.)
@Flying-Tiger sagt: 08.12.2025 um 12:34 Uhr
Wenn Sie meinen anderen beiden Kommentare auch gelesen hätten, dann wüssten Sie, das wir einer Meinung sind. Es gibt eben nur genügend Kräfte innerhalb der EU, die diese anvisierte Unabhängigkeit von den USA nicht wollen, wobei das z.T. wohl unbewusst ist.
Selbst unsere aktuelle Regierung unternimmt Schritte, die zur Aufrechterhaltung dieser Abhängigkeit beitragen.
Z.B. Abkehr vom Verbrenner-Aus in 2035 und kassieren des Heizungs-Gesetzes der Ampel. Das sorgt nur dafür, das wir länger von fossilen Energien abhängig bleiben, die wir selber nicht haben und teuer importieren müssen. Natürlich kann das jeder Bürger bis zu einem gewissen Grad selber beeinflussen (E-Auto statt Verbrenner, Wärmepumpe statt Gasheizung oder eigenen Solarstrom produzieren), aber dafür muss man auch selber die Entscheidungshoheit darüber haben.
Das sind alles strategische Entscheidungen der Politik, die langfristige Auswirkungen haben und von kurzzeitig gewählten Politikern getroffen werden. Deshalb dauert das alles auch so lange, jeder möchte gerne wiedergewählt werden.
Ich möchte auch gar keine Diskussion über Energiewende etc. aufmachen, das Beispiel ist nur sehr illustrativ.
Korrektur zur Urheberschaft der Strategie: https://www.spiegel.de/ausland/donald-trump-und-die-nationale-sicherheitsstrategie-der-usa-wer-steckt-dahinter-a-b501fbca-0c2f-40b2-82ce-b678d90c8d43
Leider hinter Paywall, kurz: Rubio war’s.
@Christian B.: Von selbstattribuierten Patrioten hätte ich mehr erwartet als wahlweise beim östlichen oder westlichen Autokraten den Vaterkomplex auszuleben.
@Pio-Fritz: Der Verdacht drängt sich auf, dass eine steigende Abhängigkeit zu fossilen Energieträgern und Versuch zum Erhalt Verbrenner ein Familienprojekt Guttenberg-Reiche ist. Eine Darstellung des Netzwerks und der Einflussrichtung daraus wäre eine Ausarbeitung an bestimmter Stelle. Mal sehen wie lange es dauert bis das Sicherheitsrisiko erkannt und bestimmte Zöpfe und Bezüge abgeschnitten werden.
@Pio-Fritz: Gut, dann habe ich Sie missverstanden, sorry. Unbewusst trifft es sicherlich an diversen Stellen da vielen Politkern eben auch Fachwissen zur korrekten Interpretation fehlt (was man aber, da muss man fair bleiben, auch nicht voraussetzen kann – niemand kann in allen Handlungsfeldern gleichermaßen bewandert sein).
Und was das Verbrenner-Aus/Heizungs-Gesetz angeht: ich wäre da recht entspannt. Gerade im Verbrenner-Bereich wird das die Industrie von sich aus regeln und ist bereits dabei. Auf der schweren Nutzfahrzeug-Seite wird es 2035 m.E. nur noch einen sehr eingeschränkten Anteil an LKW geben, die noch mit normalen Kraftstoffen fahren werden: dies werden im Prinzip nur noch Sonderfahrzeuge sein, bei denen im Einsatz ein Nachladen kaum möglich sein wird. E-Fahrzeuge sind heute schon günstiger, und werden jeden Tag wettbewerbsfähiger. Auf der PKW-Seite mag das etwas längern dauern, aber der Weg ist auch dort vorgezeichnet.
Ich würde das vehemente „technologieoffen“ eher in die Kategorie „zielgruppenorientierte Kommunikation“ packen wollen. Verbieten klingt doof, technologieoffen klingt besser. Wenn man aber bedenkt, dass man neben dem „technologieoffen“ parallel eine recht ordentliche Prämie für die E-Auto-Förderung auflegt… dann ist der Wunsch des Staates klar, er traut sich nur nicht, aus welchen Gründen auch immer, dieses so deutlich der Wählerschaft vorzutragen. Zumal alles was an E-Fuels kommen wird, eh in der Luft- und Schifffahrt benötigt werden wird, wo es nahezu keine Ausweichmöglichkeiten gibt.
Aber ja, dass ist eben auch ein Nebenaspekt der US-Sicherheitsstrategie. Staaten, die sich unabhängig(er) machen von Öl & Gas sind halt weniger einfach in die Spur zu bringen. Deswegen hätte ich auch nichts dagegen, wenn wir in der deutschen Nordsee noch einmal systemtisch nach Öl & Gas suchen würden. Schaden würde es nicht, zumal wir beide Rohstoffe noch lange für die Industrie benötigen werden.
@Herr Wiegold … ich fühle mich gemeint (und bin es wohl auch).
Nun tut es mir leid, wenn Sie den Verweis auf die objektiv unterschiedlichen Auffassungen von Meinungsfreiheit in den USA und hierzulande als „extremistische (Partei)-Propaganda“ empfinden – das ist es aber keineswegs; ich werte ja ausdrücklich nicht. Es ist nur eine Tatsache.
In den USA sind sehr weitgehende Äusserungen vom ersten Zusatzartikel geschützt. Seit ungefähr 230 Jahren, und das ist speziell den eher konservativen Republikanern sehr heilig. Das beeinflußt die amerikanische Grundhaltung in der politischen Diskussion. Entwicklungen, wie sie hierzulande seit einigen Jahren leider gehäuft auftreten (inkl Hausdurchsuchungen bei Rentnern, die Politiker mit Schwachkopf-Memes kennzeichnen), versteht man drüben einfach nicht. Ich habe immer noch Kontakt zu ehem. Kollegen in South Carolina, einige deutsch-stämmig. Was meinen Sie, was das CBS-Interview mit den feixenden Staatsanwälten dort bewirkt hat? Nicht weniger Entsetzen als hier zu Lande das sehr robuste Auftreten von ICE drüben … eher mehr.
Es geht überhaupt nicht darum, ob man das eher restriktive (neu)deutsche Verständnis von Meinungsfreiheit schätzt oder das US-amerikanische. Das möge jeder für sich beurteilen.
Es geht darum, dass wir um die (wachsende) kulturelle Entfremdung wissen, und uns dennoch weiter hochmütig in die Position des „Wissenden“ begeben, der den begriffstutzigen US-Amerikanern Lektionen erteilt. Obwohl wir seit Jahrzehnten auf deren Schultern sitzen, obwohl wir selbst nur sehr unwillig sicherheitspolitisch „erwachsen“ werden wollen.
Zu viele bei uns verstehen nicht, dass wir unablässig die Hand beißen, die uns füttert. Unsere Selbstgewissheit war so massiv, dass wir von der Rede von JD Vance erschüttert waren – dabei war sie erwartbar. Und folgerichtig, aus Sicht der seit Jahren bekannten MAGA-Bewegung. Die demokratisch gewählt wurde, und die zuvor klar gesagt hatte, was nach der Wahl zu tun sei. Hat das niemanden bei uns zum Nachdenken gebracht?
Wenn wir wollen, dass „der Westen“ weiter einen gemeinsamen Weg geht, müssen wir als der faktische Juniorpartner darüber nachdenken, was wir von der amerikanischen Seite lernen wollen, Der erste Schritt dorthin wäre, selbstkritisch die Positionen der in den USA dominierenden Gruppierungen zu analysieren, und dabei die eigenen Gewissheiten auch zu hinterfragen. Zu einer Diskussion gehört die grundsätzliche Bereitschaft anzunehmen, dass auch die Haltung der anderen Partei richtig sein könnte. Diese „hauteur de vue“ vermisse ich hier sehr oft; auch in diesem Forum.
P.S. Bemerkungen wie „zum Wohle des geliebten Führers Trump“ … nun ja. Möglicherweise verstehen Sie bei längerem Nachdenken, auf wie vielen Ebenen diese Wortwahl vollkommen deplaziert ist.
[Sie reden über ein Land, in dem Journalisten von Pressekonferenzen ausgeschlossen werden, wenn Sie den Regierungs-Vorgaben zur Benennung des angeblichen „Golf von Amerika“ nicht folgen. Wo Bibliotheken Bücher verbieten, weil sie angeblich falsche Dinge befördern – wenn Anne Franks Tagebuch ausgemustert wird, aber Mein Kampf bleibt, dann fällt ihre Meinungsfreiheit-Behauptung in sich zusammen. Wo Medien verklagt werden, weil sich der Führer angegriffen fühlt von deren Aussage. Und das alles lässt sich ziemlich lange weiter ausführen. Ihre Behauptung, die Meinungsfreiheit wäre in den USA geschützt, wird praktisch täglich widerlegt – geschützt wird, was den konservativen Republikanern passt. Es geht in der Tat nicht darum, was man mehr schätzt – aber zu behaupten, die USA wären ein Hort der Meinungsfreiheit und Europa ein Ort der Unterdrückung, ist pure Propaganda.
Und „die grundsätzliche Bereitschaft anzunehmen, dass auch die Haltung der anderen Partei richtig sein könnte“, scheint bei Trump, Vance usw nicht gerade sehr ausgeprägt. Im Gegenteil.
Möglicherweise verstehen Sie bei längerem Nachdenken, auf wie vielen Ebenen diese Wortwahl vollkommen deplaziert ist.
So, damit ist der Versuch, vom eigentlichen Thread-Thema Sicherheitsstrategie abzukommen, auch beendet. T.W.]
Die im Beitrag hervorgehobenen Positionen zu Entwicklungen in Europa stehen in den USA nicht im Kontext rechtsextremer Debatten, sondern finden sich fast wortgleich z.B. in Texten liberaler Autoren wie Walter Laqueurs „The last days of Europe“ oder (als Worst-Case-Szenario für Europa) in den vergangenen Global-Trends-Studies der amerikanischen Intelligence-Community, die mit Unterstützung von eher Trump-fernen Think Tanks und Universitäten erstellt wurden, um nur einige Beispiele zu nennen. Man hat die entsprechenden Debatten in bestimmte Bubbles in Europa nur nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Diese jetzt kontextfrei als „rechtsextrem“ zu bezeichnen oder ihre Inhalte auf suggestive Weise mit NS-Begriffen zu übersetzen und ihnen dadurch einen Kontext zu verleihen den sie im Originaltext nicht haben, ist nicht hilfreich.
In Europa sollte man sich darauf einstellen, dass dieser Blick auf Europa auch nach Trump in den USA relevant bleiben wird, ob es einem nun gefällt oder nicht. Übrigen ist der Blick auf Europa abseits der offiziellen Propagandatexte und abzüglich des Themas Meinungsfreiheit in relevanten Kreisen in China und Russland recht ähnlich. Man geht davon aus, dass das EU-Europa in zehn oder zwanzig Jahren eher noch schwächer sein wird als heute, und agiert dementsprechend offensiv.
Aus meinem Strategieseminar nahm ich in diesem Zusammenhang die Erkenntnis mit, dass man von Gegnern lernen kann, wo die eigenen Schwächen liegen könnten, und dass dies einen konstruktiveren Umgang mit deren Denken darstellt als moralische Empörung.
Da ist es doch beruhigend zu hören, daß Kriegsminister Hegseth uns nunmehr als vorbildlichen Verbündeten lobt. Wenn die USA entscheiden, ihre strategischen Interessen in Europa nur noch durch bilaterale Abkommen mit sehr wenigen Staaten zu schützen, könnte Deutschland erste Wahl sein.
@all
Natürlich steht es jedem frei, eine Unterwerfungsstrategie zu propagieren; in Europa gibt es schließlich Meinungsfreiheit. Aber so zu tun, als seien die über Europa aufgestellten Behauptungen sozusagen wissenschaftliche Erkenntnisse, ist schon ein bisschen … intellektuell überschaubar.
@Pio-Fritz
Eine Unabhängigkeit von den USA ist auf mindestens ein Jahrzehnt hinaus auf wesentlichen Gebieten wie Verteidigung und IT schlicht nicht realistisch, zumal die EU parallel dazu die Reduzierung von Abhängigkeiten von China zu bewältigen hat. Sowohl die EU als auch die USA und der globale Westen im weiteren Sinn sind im Wettbewerb mit ihren Herausforderern existenziell aufeinander angewiesen. Rhetorische Abrüstung auf allen Seiten ist daher das Gebot der Stunde. Mit Trump wird man zumindest noch drei Jahre lang leben müssen, und mit der amerikanischen Schwerpunktsetzung außerhalb Europas sowie der Forderung nach größeren Beiträgen Europas in der NATO langfristig.
@T. Wiegold
Es ist m.E. wichtig, auf die Kulturkampf-Rhetorik gewisser Kreise in den USA nicht mit Gegen-Kulturkampf zu reagieren, sondern mit Deeskalation, weil Deutschland und auch die EU hier (wie von der aktuellen Administration ganz richtig erkannt und in ihrem Interesse ausgenutzt) die schwächere Partei ist, so wie auch gegenüber China und (ohne die USA) auch gegenüber Russland.
Zu einer realistischen Lagebeurteilung gehört die Erkenntnis, dass weder Deutschland noch die EU dieser Herausforderung aktuell annähernd gewachsen sind, was u,a. daran konkret sichtbar wird, dass beide in den Verhandlungen um die Ukraine keine relevante Rolle spielen.
Um die Herausforderungen durch Russland und China zu bewältigen, braucht Europa zehn Jahre Zeit, eine Strategie für die Stärkung eigener Machtpotenziale und die Unterstützung der USA. Diese haben den Preis dafür konkret benannt, nämlich einen zurückhaltenderen Umgang mit der Innenpolitik der USA und Entgegenkommen bei einigen Forderungen bzgl. China bei gleichzeitiger Stärkung des europäischen Beitrags zur NATO, Wer diesen Preis nicht zahlen will und außenpolitischen Realismus als „Unterwerfung“ bezeichnet, sollte erklären können, wie aus deutsch-europäischer Sicht seine „Theory of Success“ für die Bewältigung des dann unvermeidlichen Dreifrontenkonflikts aussieht.
[Sehr interessant: Sie lassen einen wesentlichen Teil des konkret benannten Preises weg: Vasallentum für politische Machthaber, die der MAGA-Doktrin genehm sind. Natürlich kann man es als „außenpolitischen Realismus“ bezeichnen, sich dem Wunsch nach von Vance und Trump gebilligten Regierungen zu unterwerfen, an Stelle von demokratischen Entscheidungen in Europa. Ich würde diese Bezeichnung für einen gewollten Euphemismus halten, um nicht härtere Begriffe zu gebrauchen. . T.W.]
@Kapitän
Betr. Unabhängigkeit in der IT
Es gibt seit Jahren die Internet Computer Project Foundation, eine Stiftung in der Schweiz. Sie stellt die Grundlagen für blockchainbasierte, dezentrale IT Lösungen bereit, die zum Beispiel die Abhängigkeit von amerikanischen hyper scalers wie AWS, Azure und Google beenden könnten. Die auf ICP basierende KI Caffeine ist ein Paradebeispiel. Das europäische Desinteresse führt inzwischen zu Überlegungen bei den Investoren, ICP in die USA zu verlegen. Man möchte lieber, daß die energiehungrigen hyper scalers Datenzentren in Europa bauen. Vielleicht auch noch mit SAP, aber dezentral bitte nicht…
Tja, wenn man nicht aus der Komfortzone heraus will, dann wird Selbstverzwergung und Selbstunterwerfung scheinrational zum Königsweg erklärt.
Sicher, Schröderianer und Merkelisten lieben diese Vision von Deutschland als leicht übergewichtige Schweiz, die kaltherzige Gewinnmaximierung mit schönen selbstgerechten Plattitüden kaschiert, um ansonsten weiter im Windschatten der Großen das G‘schäftli florieren zu lassen.
Die andere Gruppe sind jene, die, wie bereits weiter oben im Faden erwähnt, durchaus einer autoritären Wende im wahrsten Sinne des Wortes etwas abgewinnen könn(t)en – eh immer schon sozialdarwinistisch veranlagt, vermeinen diese Mitbürger entweder in einer oligarchie-konformen Scheindemokratie direkt profitieren zu können, oder zumindest, bei Nicht-Aufstieg, ungehindert ihren Frust auf jene projizieren zu dürfen, die noch schlechter dran sind. Deutsche krypto-politische Galionsfiguren dieser Fraktion „Boomers gone rogue“ sitzen ganz selbstverständlich und unverdächtig in Studios namhafter Talkshow- und Podcastformate. Kein Wunder, dass man dann sogar hier auf ag entsprechende Einlassungen lesen darf. Was daran patriotisch sein soll? Nichts. Wie schon zu anderen Zeiten sind diese, die am lautesten das Wohl des Vaterlandes auf Kosten Anderer propagieren, auch jene, die Deutschland in den Dreck kutschieren, sobald sie am Zügel sind.
Anstatt das Land gemeinsam nach aussen wie nach innen resilienter zu machen, werden Antagonismen zelebriert: Alt gegen Jung, Mann gegen Frau, Erwerbstätige gegen Erwerbslose. Dabei ist Freiheit immer die Freiheit der Anderen.
@T. Wiegold
Ich kann Ihre emotionale Erregung nicht nachvollziehen und vermute, dass Sie das Vorgehen der Trump-Administration hier etwas überinterpretieren. Hinweise darauf, nun von den USA geförderte Regimewechsel in der EU bevorstehen, sieht kein mir bekannter seriöser Beobachter des Geschehens.
Praktisch sieht das amerikanische Vorgehen so aus, dass bislang Verbündeten gewährte Vorteile nun davon abhängig gemacht werden, dass bislang so nicht erhobene Forderungen erfüllt werden. Das Ergebnis wird dann ausgehandelt und hängt wesentlich von der Stärke der jeweiligen Verhandlungsposition ab, und entgegen des in Europa vorherrschenden Selbstbilds ist diese Position hier nun einmal eher schwach, wie u.a. der vorläufige Ausgang des Zollstreits zeigt. Die Rechnung ist einfach: Wenn man, so wie EU-Europa, etwas von den USA braucht (u.a. Unterstützung im Bereich Verteidigung) und umgekehrt kaum etwa hat, was die USA ebenso brauchen oder nicht von anderen bekommen können, muss man Kompromisse eingehen, um es zu bekommen. Gefühlte moralische Überlegenheit ist in der Welt, in der wir real Leben, nun einmal keine harte Währung. Das ist zweifellos schlecht für Europa, aber keine moralische Empörung der Welt wird daran etwas ändern, sondern nur der ruhige und besonnene Aufbau eigener Stärken.
@Der Uhrmacher
Alle mir bekannten Untersuchungen über eine Reduzierung von Abhängigkeiten von den USA z.B. im Bereich IT gehen davon aus, dass diese allenfalls über einen langen Zeitraum hinweg mit anhaltendem Wissenstransfer aus den USA sowie mit Investitionen im Billionenbereich erfolgreich sein könnten. In allen Fällen bestand die Empfehlung darin, sich statt dessen auf wenige Gebiete zu konzentrieren, auf denen man stark ist, und diese Stärken auszubauen und dann in einigen Jahren als Grundlage für Verhandlungen mit den USA zu nutzen.
@Kapitän
„Emotionale Erregung“, „Trump überinterpretieren“ – nun ja. Offensichtlich muss man inzwischen auch die MAGA-Apologeten hier im Auge behalten.
„Hinweise darauf, nun von den USA geförderte Regimewechsel in der EU bevorstehen, sieht kein mir bekannter seriöser Beobachter des Geschehens.“ Seriös halt aus Ihrer Sicht. Gibt auch andere:
Europe doesn’t need civilizational lectures from an administration that has eroded the rule of law at home and abroad, treated immigrants as animals, called political opponents “domestic extremist organization,” and espoused a racist, white, Christian nationalism.
https://ivodaalder.substack.com/p/trumps-unserious-but-dangerous-national?triedRedirect=true
/edit
Das lasse ich mal unkommentiert hier:
https://www.politico.com/news/2025/12/09/donald-trump-full-interview-transcript-00681693
@T. Wiegold
So langsam zweifele ich an Ihrem guten Willen. Wo haben ich denn hier „MAGA-Apologie“ betrieben? Auf die Risiken und Probleme für Europa habe ich doch ausdrücklich hingewiesen und mir nur erlaubt freundlich darauf hinzuweisen, dass man diesen mit moralischer Empörung nicht wirksam begegnen können wird.
Sie müssen da im Übrigen gar nichts „im Auge behalten“ (ein seltsamer Ton in einer Diskussion!); es würde vollkommen ausreichen, wenn Sie auf tatsächlich vorgebrachte Inhalte eingehen würden. Daalder schreibt in von Ihnen verlinkten Beitrag übrigens nichts darüber, dass die USA in irgendeiner Form demokratische Regierungsbildungen in Europa außer Kraft setzen wollten.
[Die Zweifel sind ganz meinerseits. Da werden die „patriotischen Kräfte“ in Europa, also die Trump-Fans, gelobt – und ihnen wird Unterstützung zugesagt:
„American diplomacy should continue to stand up for genuine democracy, freedom
of expression, and unapologetic celebrations of European nations’ individual
character and history. America encourages its political allies in Europe to promote this revival of spirit, and the growing influence of patriotic European parties indeed gives cause for great optimism.
Our goal should be to help Europe correct its current trajectory. We will need a strong Europe to help us successfully compete, and to work in concert with us to prevent any adversary from dominating Europe.“
Aber das ist Ihnen vermutlich noch nicht deutlich genug, jedenfalls zweifele ich an Ihrem guten Willen. T.W.]
@Kapitän sagt: 09.12.2025 um 8:52 Uhr
„@Pio-Fritz
Eine Unabhängigkeit von den USA ist auf mindestens ein Jahrzehnt hinaus auf wesentlichen Gebieten wie Verteidigung und IT schlicht nicht realistisch,…“
Wenn man das nicht will und auch keine Unannehmlichkeiten (Welche eigentlich?) in Kauf nehmen möchte, dann sollte man das unbedingt so sehen, wie Sie das schreiben. Kleines Beispiel gefällig? Letzte Woche hat der Schuldezernent der Stadt Hannover entschieden, die Software einer Braunschweiger IT Firma von den Schulservern der Hannoveraner Schulen nehmen zu lassen und in 2026 durch Microsoft ersetzen zu lassen. Begründung, “ das sei allgemein gebräuchliche Standardsoftware“. Ohne Worte.
Das eine Unabhängigkeit von fremden Märkten, insbesondere den der USA, nicht von heute auf morgen geht, habe ich schon ziemlich am Anfang dieses Threads in die Kommentare geschrieben.
Ansonsten ist Ihre Argumentation im Stil willnich, gehtnich, hammanich sehr übersichtlich. Das ist wie das Gequatsche der Nationalisten in Europa, die vermeintlich einfache Lösungen für komplexe Probleme anbieten und die Ukraine am liebsten fallen lassen wollen.
Wenn diese Strategie schon von Russland gelobt wird, dann weiß man doch, was zwangsläufig folgen soll. Die Aufteilung Europas in „Interessenzonen“. Trump wird das nicht sagen, der schnallt das auch nicht mehr, aber seine Strippenzieher werden dafür sorgen. Die europäischen Nationalisten (inkl. der AfD) haben das auch nicht verstanden, das sie zu Handlangern degradiert werden, wenn das so kommt. Leider ist Dummheit nicht strafbar.
@T.Wiegold und @ andere … das (die Kadenz von Beiträgen weiter oben) ist leider, was ich meine.
Wir gehen sofort in die Gräben der eigenen Überzeugungen. Wie soll auf diese Weise konstruktiver Dialog entstehen? Wieso interpretiert man das vom „Gegner“ (ich denke, viele hier sehen inzwischen die Trump-Administration als solchen, und das ist tragisch) geschriebene sofort auf das extremste möglicherweise gemeinte hin … anstatt gelassen zu verstehen, in welchem dortigen Kontext und in welcher Erwartungshaltung das gesagt/geschrieben wurde?
Soviel zur Art der Diskussion hier und weithin in den meisten Medien (links- wie rechts-gewirkte).
Zum Thema nur noch soviel: Ich sehe keine Konzepte, nicht hier, nicht in den einschlägigen weiteren Diskussionsforen, wie Europa und DEU den aktuellen Herausforderungen aus eigener Kraft so dominant gerecht werden könnte, dass wir auf massive amerikanische Unterstützung NICHT angewiesen wären.
Das ist dann der Kontext, in dem wir unseren Eliten (neutral gemeinter Begriff) nur sehr viel Glück wünschen können, genau so weiterzumachen wie bisher in der Gegnerschaft zu massgeblichen Teilen der US-amerikanischen Gesellschaft. Graben wir uns weiter ein!
[Ich nehme an, Sie haben das jüngste, hier verlinkte Interview mit Trump gelesen. „Graben wir uns weiter ein!“ ist der unerträgliche Zynismus dieser MAGA-Generation, die Europa gerne vor den Bus geworfen sehen möchte. Lassen Sie es doch einfach. T.W.]