Personalstärke September 2025: Weiterer Rückgang auf unter 182.000, fast 1.000 weniger SaZ
Die Zahl der aktiven Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr ist im September wieder unter 182.000 gefallen. Für den Rückgang von 182.357 im August auf 181.661 im September war zwar vor allem die geringere Zahl der Freiwilligen Wehrdienst Leistenden (FWDL) ausschlaggebend. Auffälliger ist aber eine andere Verschiebung: Die Zahl der Berufssoldaten hat um fast 1.000 zu-, die der Zeitsoldaten (SaZ) um fast 1.000 abgenommen.
Interessant ist angesichts dieser Zahlen die Angabe, die die Frankfurter Allgemeinde Zeitung (FAZ) Anfang der Woche in einem Bericht über den geplanten Aufwuchs nennt: Darin heißt es, dass für 2029 eine Personalstärke von wenigstens 198.000 vorgesehen sei, gefolgt von der Aussage: Das wären etwa 13.000 mehr als zum 31. Oktober dieses Jahres. Wer auch immer die Zahl von 185.000 für Ende Oktober herausgegeben hat – mit den Zahlen für September und dann den zu erwartenden Aufwuchs von rund 3.400 innerhalb eines Monats scheint das nicht im Einklang zu stehen.
Die Statistik für September 2025, am (heutigen) 20. November wie üblich unter dem immer gleichen Link veröffentlicht (seit der Statistik für den Monat März 2023 wurde das Format der Darstellung verändert; der Übersichtlichkeit und Vergleichbarkeit halber bleibt es hier bei der Art der Darstellung vor den März-2023-Zahlen):
Insgesamt leisten 181.661 Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst bei der Bundeswehr
Bundesministerium der Verteidigung 1.081
unmittelbar nachgeordnete Dienststellen 4.175
Heer 62.096
Luftwaffe 28.046
Marine 15.403
Cyber- und Informationsraum 13.865
Unterstützungsbereich 46.988
Bereich Infrastruktur, Umweltschutz, Dienstleistungen 1.006
Bereich Ausrüstung, Informationstechnik, Nutzung 1.900
Bereich Personal 7.101
davon bis zu 5.400 Studierende an Bundeswehr-Universitäten
Berufssoldaten 59.588
Soldaten auf Zeit 112.010
Freiwilligen Wehrdienstleistende 10.063
Die Zahl der Frauen in den Streitkräften:
24.878 Soldatinnen sind aktuell bei der Bundeswehr; mehr als 13 Prozent (beträgt der) Anteil der Soldatinnen bei der Bundeswehr
Heer 4.875
Luftwaffe 2.915
Marine 1.731
Cyber- und Informationsraum 1.472
Unterstützungsbereich 11.646
Ministerium und andere Bereiche 2.239
Laufbahngruppe/Laufbahnen (auch Anwärterinnen)
Offizierinnen 7.246
Unteroffizierinnen mit Portepee 8.901
Unteroffizierinnen ohne Portepee 3.402
Mannschaften 5.329
Status
Berufssoldatin 5.795
Zeitsoldatin 17.355
Freiwilligen Wehrdienstleistende 1.728
Die wie üblich von einem Leser (vielen Dank!) zusammengestellte und fortgeschriebene Liste dazu:
September_2025_BWPers
Die gesonderte Statistik zu den Zivilbeschäftigten – analog zu den Soldat*innen nach Teilstreitkräften und Organisationsbereichen aufgeschlüsselt; zusätzlich werden Militärseelsorge und Rechtspflege ausgewiesen.
Beschäftigt sind 81.942 zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Bundesministerium der Verteidigung 1.865
unmittelbar nachgeordnete Dienststellen 1.637
Heer 2.561
Luftwaffe 4.916
Marine 1.839
Cyber- und Informationsraum 1.816
Unterstützungsbereich 11.451
Bereich Infrastruktur, Umweltschutz, Dienstleistungen 32.975
Bereich Ausrüstung, Informationstechnik, Nutzung 11.762
Bereich Personal 10.545
Militärseelsorge 483
Rechtspflege 92
Der Anteil von Frauen am zivilen Personal wird nur nach Statusgruppen ausgewiesen:
Von den insgesamt 81.942 zivilen Beschäftigten sind 32.153 Frauen (rund 39 Prozent), die in allen Bereichen der Bundeswehr tätig sind.
Beamtinnen insgesamt 10.751
im höheren Dienst 2.234
im gehobenen Dienst 4.481
im mittleren Dienst 4.016
im einfachen Dienst 20
Arbeitnehmerinnen 19.240
im Vorbereitungsdienst, in einem Ausbildungs- oder Praktikantenverhältnis 2.162
(Stand 30. September 2025)
Die frühere ausführliche Statistik der Personalstärke in den Auslandseinsätzen und einsatzgleichen Verpflichtungen wurde durch die Gesamtzahl nur in den Auslandseinsätzen ersetzt. Der Stand vom 10. November 2025:
Insgesamt sind 895 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr unmittelbar bei Auslandseinsätzen eingesetzt.
Darüber hinaus gibt es noch die Anerkannten Missionen.
(Die diversen Anerkannten Missionen wie z.B. die NATO-Battlegroup oder auch die neue Panzerbrigade 45 Litauen sind eben damit nicht erfasst.)
Den Service von Augen geradeaus!, die Vergleichszahlen, gibt es auf einer gesonderten Übersichtsseite.
(Foto: Soldaten des Wachbataillons bei der Übung „Bollwerk Bärlin III“ am 19. November 2025 im Übungstunnel der Berliner U-Bahn)
@Mediator sagt:
21.11.2025 um 21:29 Uhr
– Zustimmung, vollumfänglich. Der Versuch sich beordern zu lassen und dann in entsprechender Beorderung auch zu üben setzt ein Maß an Eigenmotivation voraus, dass schlichtweg nicht mehr normal ist. Ja, ich will da hin, ja ich will üben. Aber die Bundeswehr will das ja auch – also angeblich.
@Küstengang01 sagt:
22.11.2025 um 17:30 Uhr
„[….]Dann bleiben schon genug bei der Bundeswehr kleben. Alles 100% freiwillige.“
Schöne Idee – nur ist daran halt dann exakt nichts freiwillig. Nicht falsch verstehen, ich habe nicht wirklich was gegen die Idee, aber freiwillig ist es nicht. Davon ab: Erklären Sie dann dem Bundesverfassungsgericht warum Frauen einfach so an die Unis können und Männer zwingend vorab einen Dienst absolvieren müssen?
Es verdichtet sich – wenn man die Kommentare jetzt hier und über die letzten Monate liest – die einzige Erkenntnis: wenn das PersAmt und alles was dazu gehört nicht einmal komplett abgebrannt wird und von Grund auf neu aufgebaut, dann ist da nix zu machen. Reformierbar ist der Laden nicht, weil er es einfach nicht sein will. Da fehlt jeglicher Gestaltungswille.
Die Dysfunktionalitäten des Systems hinsichtlich Personalgewinnung und Personalerhalt bleiben auch perspektivisch ein Problem. Unabhängig davon habe ich einen anderen Blick auf die Zahlen: Ich habe letztes Jahr in diesem Kreis gelernt und dann selbst nachvollzogen, dass das Ausbauziel von 203.000 gar nicht im Personalhaushalt hinterlegt ist. Im hier betrachteten September 2025 galt noch die vorläufige Haushaltsführung, faktisch also der Bundeshaushalt 2024. Dort waren 182,700 Stellen für Soldatinnen und Soldaten veranschlagt, plus bis zu 12.500 Stellen FWDL. Im Öffentlichen Dienst geht man davon aus, dass zwischen 5 und 10 Prozent der Stellen unbesetzt bleiben müssen, um den Anforderungen der Personalbewirtschaften (längere Krankheiten, Elternzeit, Beurlaubung, Abordnungen…) gerecht werden zu können.
Vor diesem Hintergrund erscheint es mir so, dass die vorhandenen Stellen im September 2025 mit rund 171.500 SaZ und BS mehr oder weniger ausgeschöpft sind. Wie hier von anderen bereits erwähnt, scheint mir eine Zurückhaltung bei der FWDL-Bewerbung plausibel, wenn ab 2026 mit dem neuen Wehrdienst eine deutlich aufgebesserte Vergütung in Aussicht gestellt wird.
Im Bundeshalt 2025, der Anfang Oktober (rückwirkend) in Kraft getreten ist, gibt es erstmals 10.000 Stellen für Soldatinnen und Soldaten mehr, im Bundeshaushalt 2026 dann noch einmal 10.000 mehr. Ob also BAPers aufgrund der Bewerberlage und durch Abbau seiner Dysfunktionalitäten in der Lage ist, für einen Aufwuchs zu sorgen, dazu hat es erst in den kommenden Monaten überhaupt die Möglichkeit, den Beweis anzutreten.
@Felix2
Danke für die Nachhilfe in Sachen LwRüstung.
Wie damit aber 29.000 Dienstposten neu begründet werden, ist mir dennoch unklar.
Die Bundeswehr steht seit Jahren vor einem strukturellen Paradox. Politisch wird gern behauptet, Soldaten gewinne man nicht mit Geld, sondern mit Sinn, Aufgabe, Kameradschaft und dem Bewusstsein, dem Land zu dienen.
Gleichzeitig zeigt die Realität, dass die Alimentierung der Soldaten immer weiter hinter der allgemeinen Lebenswirklichkeit zurückfällt. Unter dem Strich entsteht somit eine widersprüchliche Lage: Der Staat sagt, Geld sei nicht entscheidend, behandelt Soldaten aber finanziell so, als hätten sie keinen besonderen Status.
Ja der Mythos, Soldaten dienen nicht fürs Geld, ist politisch bequem. Er dient meiner Meinung dazu finanzielle Defizite moralisch zu kaschieren. Soldaten dienen nicht wegen des Geldes, aber sie können es sich immer weniger leisten, es ohne angemessene Bezahlung zu tun.
Fakt ist: Die Lebenserhaltungskosten überholen die Besoldung – und das wird es auch jetzt tun, wenn die erhöhten Bezüge ausgezahlt, und die angemessene Alimentierung kommen wird. Überlegen Sie mal wie viele Soldaten mittlerweile einen Zweitjob haben (müssen) um ihre Familien zu versorgen. Das ist ein sicherheitspolitisches Alarmsignal und Armutszeugnis. Die Bundeswehr verlangt Rund um die Uhr Verfügbarkeit, aus allem Gold machen , bezahlt aber eher auf Kreisliga Niveau.
Eine wirklich angemessene Bezahlung ist daher kein technisches Detail, vielmehr ein Gradmesser für die Wehrhaftigkeit eines Staates. Wer Champions league spielen will – sollte auch dementsprechend bezahlen. Dann klappt es auch mit der Personalgewinnung.
vielleicht sollte eine InHouse Gesellschaft gegründet werden.
BW Kampftruppe GmbH.
Wenn ich sehe wie sich z.B. die BW Bekleidungsmanagement GmbH entwickelt, kann man von denen noch was lernen.
Nein, im Ernst.
Wie hier schon angeklungen, der Laden gehört von Grund auf reformiert.
Oder es müssen mal Zielvorgaben gesetzt werden, und wenn die nicht erfüllt werden müssen halt Leute gehen. Ein wenig mehr freie Wirtschaft wagen könnte einiges bewirken.
@Manuel K.
Bewusst als Kommentar: “ Überlegen Sie mal wie viele Soldaten mittlerweile einen Zweitjob haben (müssen) um ihre Familien zu versorgen.“
Echt jetzt? Aus der Sicht eines Nicht-Beamten oder Soldaten (die ja den gleichen Alimentationsgrundsätzen unterliegen) halte ich das für, sagen wir mal billigen Populismus und hätte für diese behauptete Armut gerne mal Belege. Wir reden jetzt nicht über den Mannschafter mit 23 Jahren. Sondern i.d.R. über Feldwebeldienstgrade, auf die das mit Familie etc. zuträfe. So ist das ein Schlag ins Gesicht eines jeden, der in der so genannten freien Wirtschaft sein Geld verdienen muss.
@TW
Hier einige Verweise zur Aussage von @Manuel K., ich habe aber nicht geprüft, ob es Kreisläufer sind:
https://www.bundeswehr-journal.de/2023/soldaten-mit-nebentaetigkeit-trend-zum-zweitjob-haelt-an/
https://www.spiegel.de/panorama/bundeswehr-immer-mehr-soldaten-haben-einen-nebenjob-a-a1d68edf-9fdc-4962-a4d1-a567827d1e46
https://www.welt.de/politik/deutschland/article244256263/Bundeswehr-Immer-mehr-deutsche-Soldaten-haben-einen-Nebenjob.html
Es gab hierzu eine kleine Anfrage der Fraktion der Linken:
https://dserver.bundestag.de/btd/20/064/2006470.pdf
In wie weit es hier ein größeres Dunkelfeld gibt weiß ich nicht. Ich kann mir aber gut vorstellen, daß man sich, wenn man weiter entfernt vom Standort wohnt – also nicht Gefahr läuft einem Vorgesetzten zu begegnen – sich z.B. am Wochenende gerne etwas dazuverdient (Security, o.ä.).
[Pardon, die Aussage war nicht „immer mehr Soldaten haben einen Nebenjob“, sondern „immer mehr Soldaten müssen einen Zweitjob ausüben, um ihre Familien durchzubringen“ – schon ein kleiner Unterschied, für den ich um Belege bitte. T.W.]
@Klaus-Peter Kaikowsky (KPK) sagt:
24.11.2025 um 15:02 Uhr
„Danke für die Nachhilfe in Sachen LwRüstung.
Wie damit aber 29.000 Dienstposten neu begründet werden, ist mir dennoch unklar.“
Es sind 21.000 ;-)
Davon ab… ein neues FlaRakG … wären schon gut 1.500
Die 60 neuen STH fliegen auch nicht von allein … und wie viel „Alt-Personal“ CH-53 übernommen werden kann offen…
ARROW wird komplett neu aufgestellt…
IRIS-T wird komplett neu aufgestellt…
Das WRKdo wird deutlich vergrößert…
usw. usw.
Viele neue Strukturen … mit vielen neuen DP… ich habe ja nur einen Teil aufgezählt…
Ggf. werden auch bestehende Verbände vergrößert…
Wie ich ja schrieb … warten wir doch einfach Ostern ab … dann will der VM ja seine neuen Planungen vorlegen…
@Manuel K.
Die Behauptung, die Bundeswehr würde schlecht bezahlen, wird ständig wiederholt, bleibt aber Unsinn. Schaut man auf die tatsächlichen Bezüge, Leistungen und langfristigen Vorteile, zeigt sich sehr eindeutig, dass Soldaten insgesamt sehr gut dastehen. In einigen MINT Bereichen können zivil zwar höhere Gehälter möglich sein, doch solche Angebote sind selten, oft an ein Studium gebunden und bieten keine vergleichbare Sicherheit.
Als ITler ohne Studium müsste ich im zivilen Bereich aktuell etwa 80.000 Euro brutto im Jahr verdienen, um dasselbe Netto wie jetzt zu erzielen und gleichzeitig den Wert der Pensionsansprüche auszugleichen. Zusätzlich müsste ein ziviler Arbeitgeber Leistungen wie Beihilfe, freie Heilfürsorge, Zulagen, verlässliche Beförderungsperspektiven und eine außergewöhnlich hohe Arbeitsplatzsicherheit ersetzen. Genau solche Gesamtpakete findet man kaum.
Dazu kommt der Arbeitsalltag in der zivilen IT. Dort herrscht ein deutlich höherer Leistungsdruck. Projekte müssen schnell und unter engen kommerziellen Vorgaben abgeliefert werden, oft mit wechselnden Prioritäten und knappen Zeitfenstern. Viele Firmen erwarten ständige Erreichbarkeit, spontane Mehrarbeit und hohe Flexibilität. Gleichzeitig sind Arbeitsplätze im privaten IT Bereich viel stärker abhängig von Marktzyklen, Auftragslage und Kostendruck. Fällt ein Kunde weg oder wird umstrukturiert, steht man schnell ohne Job da. Dieser Vergleich fällt klar zugunsten der Bundeswehr aus.
Das immer wieder aufgegriffene Bild vom finanziell abgehängten Soldaten ignoriert all diese Fakten. Ja, in einzelnen Branchen können Spitzengehälter erzielt werden. Insgesamt jedoch bietet die Bundeswehr ein sehr starkes Gesamtpaket, das auf dem deutschen Arbeitsmarkt keineswegs schlecht abschneidet.
Ich bin ziviler Mitarbeiter in einem ziemlich großen BwDLZ und habe in meiner Funktion 50% Kollegen Soldaten und bin darüber hinaus innerhalb der Truppe den ganzen Tag unterwegs.
Ich kenne nicht einen Soldaten, vom Gefreiten bis zum Oberst der sagt er verdiene zu wenig (gejammert wird in jeder Branche…).
Was aber immer mehr auffällt ist die hohe Trennungsquote unter Soldaten. Mit daraus resultierenden Alimentierungen von Ex-Frauen und Kindern. Das ist unter anderem ein Grund für einen Nebenjob.
Grundsätzlich sind fehlende finanzielle Anreize kein Grund warum der BW Soldaten fehlen.
Wer das glaubt, hat irgendwie den Kompass verloren und ist nicht mehr in der Lage wirklich einzuordnen was da jeden Tag „geleistet“ wird.
Die Bundeswehr hat in den letzten 10 Jahren ~600 Milliarden bekommen. Nächstes Jahr hat die BW pro Beschäftigung (Soldaten/Beamten/ziv. Mitarbeiter) 385.000€ zur Verfügung. Da muss einfach mehr „Kriegsfähigkeit“ am Ende rüber kommen.
Man stelle sich mal vor eine zivile Firma hätte so viel Geld zur Verfügung…
Aber der Kern der Problematik, ist ein „sattes“ Personal. Gelähmt in der eigenen Blase.
[blockquote]Pardon, die Aussage war nicht „immer mehr Soldaten haben einen Nebenjob“, sondern „immer mehr Soldaten müssen einen Zweitjob ausüben, um ihre Familien durchzubringen“ – schon ein kleiner Unterschied, für den ich um Belege bitte. T.W.[/blockquote]
Dieser Unterschied spielt in Augen des Bundesverfassungsgerichts keine gravierende Rolle mehr, wie aus dem frischen Beschluss aus der letzten Woche zu lesen ist:
(3) Die Bezugsgröße für die Bemessung der Mindestbesoldung ist eine vierköpfige Familie, die aus dem Beamten, seinem Ehegatten und zwei Kindern, von denen eines jünger als 14 Jahre ist, besteht, deren alleiniges Einkommen im Sinne von § 8 Abs. 1 Nr. 3 MZG die Besoldung – einschließlich der Familienzuschläge für den Ehegatten und die ersten beiden Kinder – ist. [b]Das Bundesverfassungsgericht geht – jedenfalls auf der Grundlage des vom Berliner Besoldungsgesetzgeber für den Prüfungszeitraum gewählten Besoldungsmodells – grundsätzlich davon aus, dass der Gesetzgeber die Besoldung so bemessen wollte, dass eine vierköpfige Familie durch einen Beamten als Alleinverdiener amtsangemessen unterhalten werden kann, ohne dass es weiterer Einkommensquellen – etwa einer Nebentätigkeit oder der Erwerbstätigkeit des Ehegatten – bedarf [/b] (vgl. BVerfGE 155, 1 ; Blackstein/Diesterhöft, in: Müller/Dittrich, Linien der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, Bd. 6, 2022, S. 153 ).
https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2025/09/ls20250917_2bvl002017.html
Ansonsten ist es für einen Rechtsstaat mehr als peinlich, wenn er seine eigene Mindestalimentation unterschreitet. Und dies über mehrere Jahre. Seit 2008 in Berlin. Und mittelbar gilt das auch für den Bund (weil gleiche Besoldungstabelle und so), leider gab es hier noch keine ganz so langjährigen Klagen und die Berliner hat es nun zuerst „erwischt“. Trotzdem wird es auch hier Auswirkungen auf den Bund haben und inzwischen drei Bundesregierungen schaffen es nicht dem Abhilfe zu schaffen, obwohl seit 2020 die Marschrichtung auch für den Bund absehbar war?! Und von einem Journalisten werden lieber nuancierte Feinheiten geschliffen, obwohl die Meta-Frage eine ganz andere ist… und die Antwort oben direkt mitgeliefert ist.
@Manuel K. sagt: 24.11.2025 um 19:07 Uhr
„Gleichzeitig zeigt die Realität, dass die Alimentierung der Soldaten immer weiter hinter der allgemeinen Lebenswirklichkeit zurückfällt.“
Das ist doch Quatsch. Ja, es gibt so Fälle, die sich in den ersten Dienstjahren finanziell völlig verheben, weil alles gleichzeitig angeschafft werden muss. Und die dann am Wochenende als Security oder ähnliches gehen. Selbstgemachtes Leid.
Als ich 1998 nach 12 Jahren ausgeschieden bin, habe ich in der, hier so hochgelobten, freien Wirtschaft gleich bei meiner ersten Stelle einen Gehaltssprung von mehr als 25% im Vergleich zur Bundeswehr gehabt. Brutto, wohlgemerkt. Netto hatte ich nach Abzug der Sozialabgaben und Lohnsteuer etc. weniger in der Tasche als vorher als Soldat. Und zwar merklich, da sprechen wir über einige hundert D-Mark ( es wären auch einige hundert Euro umgerechnet).
Das ist heute nicht anders, eher noch deutlicher im Unterschied. Beamte, und Soldaten gehören nun mal besoldungstechnisch dazu, sollten sich da etwas bedeckt halten. Die Privilegien sind nicht zu verachten. Insbesondere die Altersvorsorge, zu der kein Cent dazu bezahlt wird.
Ich denke, wenn die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts zur Alimentation umgesetzt werden (müssen) hat sich das mit der Zurückhaltung erübrigt. Da nicht alle im öffentlichen Dienst unterkommen können, wird es ein „Mehr“ bei der Bundeswehr geben. Nur so meine Vermutung
Ich bin aus dem Osten. Dass Frauen arbeiten gehen, ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Das erwarte ich auch. Wir leben schließlich im 21. Jahrhundert. Das Alleinverdienermodell ist für mich einfach nur rückständig. Ich hatte nicht wenige Kameraden, wo die Frau mindestens genauso viel Geld mit nach Hause gebracht hat. Da brauchte niemand wirklich einen Zweitjob. Ich bin da bei @ Pio-Fritz. Ich kann nur ausgeben, was ich habe. Oder ich muß mehr tun. Ich war am Wochenende bei einer Veranstaltung des Reservistenverbandes. Da kamen wir in einer Gesprächsrunde auch auf das Thema Nachwuchs. Da sind nicht wenige wegen des Geldes beim Bund. Das Dumme ist, dass da wohl nicht wenige drunter sind, neben die man jemanden stellen muß, damit sie keinen Unsinn anstellen. Die Redensart „Ich bin nichts, ich kann nichts, gebt mir eine Uniform“ trifft wohl heute mehr zu als früher. Da hat man als Zugführer wahrscheinlich richtig viel Spaß.
@Pio-Fritz
Altersvorsorge:
Seit 1999 werden zur Bildung von Versorgungsrücklagen 0,2 Prozentpunkte jeder Besoldungserhöhung zur Stabilisierung der Beamtenversorgung einbehalten.
@Pio-Fritz sagt:
25.11.2025 um 9:07 Uhr
„Soldaten gehören nun mal besoldungstechnisch dazu, sollten sich da etwas bedeckt halten.“
Das sehe ich auch so…
Insbesondere wenn wir die Laufbahn der Mannschaften betrachten, die keine berufliche Qualifikation
erfordert. Das soll nicht die Tätigkeit der Kameraden schmälern. z.B. ein Profi am Lenker eines Leopard,
der sein System perfekt beherrscht, fällt auch nicht vom Baum! Aber trotzdem ist ein Anfangsgrundgehalt
als SaZ von ca. 2700 € Brutto, von dem nur die Steuern abgehen, definitiv kein schlechtes Gehalt.
Und … der Gesetzgeber hat ja auch den § 44 BBesG angepasst. Wie mir ein Kamerad heute erzählte,
hat das BMVg gestern die entsprechenden Verfahrensbestimmungen bekannt gegeben.
Dies bedeutet, dass bei einer Erst-Verpflichtung als SaZ – in einem sog. prämienberechtigten Bereich –
zukünftig, zumindest ab 01.01.2026, immer das 2-fache des Anfangsgrundgehalt des niedrigsten Dienstgrad
gezahlt wird … pro Jahr der Verpflichtungsdauer! Ob mit, oder ohne eingebrachte Qualifikation, also vorhandener Zivilberuf, spielt dabei wohl auch keine Rolle mehr!
D.h. jemand der z.B. SaZ-Mannschaften für 10 Jahre unterschreibt… wie gesagt in einer Verwendung für einen
prämienberechtigten Bereich, erhält dann zu seinem guten Gehalt noch eine Prämie von ca. 54.000 €/Brutto.
Vor diesem Hintergrund kann nun wahrlich nicht die Rede davon sein, dass das Gehalt bei der Bw schlecht ist.
Bzw. das die Bw nicht das Mögliche (!!) versucht, auch die monetären Anreize zur Personalgewinnung-/bindung zu verbessern…
Ja… mehr hätte jeder gern… ich weiß… aber über das BBesG „herrschen“ der BMI und der BMF… bzw. der Gesetzgeber … nicht (!!!) die Bundeswehr😉
@Klaus-Peter Kaikowsky (KPK) sagt: 25.11.2025 um 11:35 Uhr
„Seit 1999 werden zur Bildung von Versorgungsrücklagen 0,2 Prozentpunkte jeder Besoldungserhöhung zur Stabilisierung der Beamtenversorgung einbehalten.“
Genau so etwas meinte ich mit „etwas bedeckt halten“. Da kommen Sie mit solchen Peanuts um die Ecke gebogen. das belastet Sie doch gar nicht.
Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung beträgt z.Zt. 18,6%, er wird je zur Hälfte vom Arbeitnehmer und vom Arbeitgeber getragen. D.h., jeder Arbeitnehmer bekommt nur für die Rente 9,3% vom Brutto-Gehalt einbehalten für seine Altersvorsorge, den Rest legt der Arbeitgeber dazu. Beitragsbemessungsgrenze 2025 sind 8.050,00 €, sind ein Höchstbeitrag von 1.497,30 €. Pro Monat, wohlgemerkt. Selbst wenn man gut verdient, sind das dann fast € 750,00 Abzug für ein Rentenniveau von z.Zt. 48%. Und für 2028 steigt der Beitragssatz geplant auf 19,8%.
Und jetzt überlegen Sie mal, was Sie zu Ihrer Beamtenpension mit einem Höchstniveau von 71,75% durch „Verzicht“ auf die 0,2% seit 1999 beigetragen haben.
Sorry, @T.W. für diesen Exkurs. Aber einige Leute in dieser „Beamtenblase“ haben offenbar einen verminderten Realitätsbezug zu dem, was die „normal“ arbeitende Bevölkerung so verdient und bekommt.
@mrx
…….(weil gleiche Besoldungstabelle und so)….
Vorsicht. Nicht durcheinander schmeißen. Das Urteil unterscheidet zwischen Entgeltgruppe (TV‑L) und Vergütungsgruppe (BAT) siehe Tabelle 1: Zuordnung von Besoldungs- und Entgeltgruppen.
Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Besoldung
Zu der „schlechten“ Bezahling mal die hier gemachten Kommentare lesen. Auch das von @Prio-Fritz.
Zum Anschauen auch mal Die Anstalt von vor einem Jahr anschauen.
https://www.youtube.com/watch?v=H420fv9pF7U
@Insider: Dem PersFhr nützt die Personalnummer gar nichts, weil er keinen Zugriff hat. Den wird er auch nicht bekommen, wenn Ihre BeordDstSt oder BAPersBw keine Freigabe erteilt. Also Vorsicht mit halbgaren Äußerungen.
@Pio-Fritz
>Genau so etwas meinte ich mit „etwas bedeckt halten“.<
So Sie das so meinten, hätten Sie es gerne zum Ausdruck bringen dürfen.
Wer nämlich nicht der Beamtenbesoldung unterliegt, hat kaum Kenntnis von solchen Feinheiten.
@Dennis
„..Dazu kommt der Arbeitsalltag in der zivilen IT. Dort herrscht ein deutlich höherer Leistungsdruck. Projekte müssen schnell und unter engen kommerziellen Vorgaben abgeliefert werden, oft mit wechselnden Prioritäten und knappen Zeitfenstern. ..“
Ich habe 20+ Jahre im Bereich IT / Kommunikation gedient. Insbesondere in Kampfverbänden bzw. in der direkten Unterstützung kann keine Rede von „entspannter Atmosphäre“ sein. Dienstzeiten von gut 70 Stunden die Woche (im Einsatz) bzw, 50 Stunden incl. Bereitschaft (Heimatfront) waren da keine Seltenheit.
@Felix2
„.. Insbesondere wenn wir die Laufbahn der Mannschaften betrachten, die keine berufliche Qualifikation
erfordert. .:“
Und diese „Gruppe“ ist nun der Maßstab für die Besoldung in der Bundeswehr ?
Ich bin als OSF/OSB pensioniert worden. Mein Gehalt war sicher nicht schlecht (meine Pension ist es auch nicht!). Ändert aber nichts daran, dass ich mit meinem „Spezial Wissen“ mehrfach (während meiner Dienstzeit) von Zivilen Firmen mit deutlich besserem Gehalt gelockt wurde. Und auch nach meiner aktiven Zeit wurden mir sehr interessante Jobs angeboten. Heute sogar mit Homeoffice^^ und weniger Stunden als zu meiner Dienstzeit (38 statt 48/41 Stunden)
Imho ist das Besoldungssystem stark Überarbeitungsbedürftig! Siehe zB USA/UK. Dort wird die Bildung/Ausbildung als Faktor in die Besoldung übernommen (über ein Tier System bzw. Zulagen).
„..D.h. jemand der z.B. SaZ-Mannschaften für 10 Jahre unterschreibt… wie gesagt in einer Verwendung für einen
prämienberechtigten Bereich, erhält dann zu seinem guten Gehalt noch eine Prämie von ca. 54.000 €/Brutto…“
Das zeigt nur wie Kaputt das System ist… 10 Jahre in der Mannschaftslaufbahn.
@Pio-Fritz, und ergänzend noch, diese 0,2 % fällt ja „nur“ die Erhöhung der Besoldung im Vergleich zu den Tarifangestellten geringer aus. Das dürfte einen Beamten / Richter/ Soldaten deutlich weniger auffallen als dem Tarifangestellten die Erhöhung des Zusatzbeitrages der GKV. Das ist nämlich direkt weniger Netto.
@Pio-Fritz @TW
„Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung beträgt z.Zt. 18,6%, er wird je zur Hälfte vom Arbeitnehmer und vom Arbeitgeber getragen. D.h., jeder Arbeitnehmer bekommt nur für die Rente 9,3% vom Brutto-Gehalt einbehalten für seine Altersvorsorge, den Rest legt der Arbeitgeber dazu.“
Ich möchte, nein: muß das einmal klarstellen: der Arbeitnehmer trägt alle Sozialabgaben selbst, da er sie für sich erwirtschaften muß. Nur führt der Arbeitgeber – vereinfacht gesagt – die Hälfte ab, aber das ist Kosmetik, damit es nicht zu dramatisch auf dem Lohnzettel aussieht. Grundsätzlich könnte der Arbeitgeber nämlich auch „Brutto für Netto“ zahlen und der Arbeitnehmer führt in eigener Verantwortung seine SV-Beiträge ab.
@Pio-Fritz, 25.11.2025, 15:11 Uhr:
Etwas OT, zum Einordnen.
1) Wenn Sie hier mit Zahlen bzgl. der Beamtenpensionen „jonglieren“, dann sollten Sie aber auch alles aufzeigen, von Brutto bis Netto, ansonsten vergleichen Sie Äpfel mit Birnen. Das führt hier aber glaube ich zu weit.
2) Wenn doch die Verdienstmöglichkeiten als Beamter oder Soldat im Vergleich zur zivilen Wirtschaft so gut sind, warum sind Sie kein Soldat geblieben?
Unterm Strich braucht man sich als Beamter nicht zu beschweren. Die Gehälter sind gut. Insbesondere in den jungen Jahren und niedrigeren Dienstgraden überdurchschnittlich im Vergleich zur zivilen Wirtschaft.
Das ändert sich dann im Laufe der Zeit mit den Aufstiegen. Der studierte Wirtschaftler oder Dipl.-Ing., Mitte/Ende 40 (Teamleiter/Abteilungsleiter) kann sich gehaltstechnisch sehr gut mit den beamteten Pendants vergleichen.
Hier kommt dann wieder das Thema Pensionen zum Tragen. Aber auch das ist relativ leicht zu begründen. Versuchen Sie einmal dem MTU Triebwerk-Ing. zu verbieten nach der Zurruhesetzung zu SAFRAN zu gehen. Viel Spaß. Das maximale, was geht, ist eine Verschwiegenheitsklausel. Mehr nicht. Dem Beamten können Sie völlig problemlos eine „artverwandte“ Tätigkeit für mehrere Jahre untersagen. Ob das natürlich geschieht ist eine andere Frage, aber zulässig ist es.
OT Ende.
@CM: Genau so wie sie es schreiben, ist das ein Paradebeispiel dafür, was in der Personalbearbeitung alles schief läuft. Solche und andere interne Hemmnisse gehören, in Zeiten in der wir um jede einzelne Person kämpfen müssen, sofort abgeschafft.
Wir werden aber immer Gründe finden, warum etwas nicht geht.. Darin sind wir bis heute führend.
Wenn ich versuche, mir das von außen anzuschauen, würde ich sagen: Das Gesicht der „neuen Bundeswehr“ ist – Boris Pistorius. Ein, sorry, Boomer aus einem Boomerkabinett, der alle paar Wochen auf NATO-Gipfel mit anderen Boomern fährt und mit Forderungen heimkommt. Zack werden ein paar Millionen locker gemacht, jede Bushaltestelle in Deutschland mit einem Slogan plakatiert und Panzer vor Einkaufszentren aufgefahren. Angeblich, weil der Russe in 5 Jahren in den Bayerischen Wald einrollt. Macht man dann aber das Nachrichtenportal seines Vertrauens auf, bleiben vor allem Nachrichten hängen wie „Bas besteht auf Rentenpaket“, „Weihnachtsmärkte können sich Security nicht mehr leisten“, „Wehrpflicht – wollen nicht genug, müssen halt die deutschen Männer ran wie 1960“, „Putin, Xi und Trump reden – keiner lädt vdL ein“ und „Schwere Kämpfe – Russland nimmt 5km² an einem Tag ein und besetzt Dorf mit 20 Einwohnern“.
Ob man da jetzt besonders links, rechts oder karriereorientiert ist – keine Seite wird irgendwie wirklich zufriedengestellt. Es gibt kein Narrativ, keine Geschichte außer eben „Pistorius verspricht auf NATO-Gipfel Zuwachs der Bundeswehr – dann macht mal, ihr Jungen (Männer)!“.
Es wurde schon mal gesagt, aber wo wäre beispielsweise der Kanzler, der hintrittt und sagt „(Männliche) Jugend – wir verlangen viel von Euch, wie schon in den letzten Jahren seit Corona. Wir wissen aber, dass der Generationenvertrag auf Gegenseitigkeit beruht. Also müssen auch die älteren Generationen etwas zurückgeben. Wir investieren in Bildung, senken Euch die Steuern, machen Euch einiges möglich und dafür machen wir Abstriche bei Rente und Sozialhilfe und sorgen dafür, dass Ihr zu jeder Zeit sicher in der U-Bahn fahren könnt – dafür, dass wir noch ein Jahr von Euch fürs große Ganze verlangen, nachdem Ihr schon im Lockdown wart“?
Aber nein, die Politik fährt hier eher so wie viele Kommentatoren: Die Notwendigkeit wird angeordnet und wenns nicht attraktiv genug ist – Pech, dann gibts halt nen Gesetz“. Die Krönung war der Vorschlag oben, dass deutsche Männer dann eben nicht studieren dürfen, wenn sie nicht beim Bund waren.
@Eichenblatt sagt: 25.11.2025 um 21:19 Uhr
Vielleicht ist das, was Sie da im Namen der Jugend fordern, alles sinnvoll und wünschenswert.
Aber wo ist die Gegenleistung? Im Normalfall leistet man erst etwas, bevor man etwas fordert.
Unser Staat fuktioniert nur dann, wenn alle mitmachen. Und das besteht eben nicht nur aus Forderungen.
@Left Blank
Nein, tut es eben nicht. Bitte den Beschluss voll lesen. Ihre Tabelle 1 ist nur dafür gedacht, dass die Besoldungsgruppen hier den Entgeltgruppen gegenübergestellt werden. Warum wird das gemacht? Weil das Bundesverfassungsgericht die Berechnungsmethode grundlegend umgestellt hat, also deutlich vereinfacht hat. Wenn Sie den Beschluss komplett gelesen haben, dann ist Ihnen nicht entgangen, dass das Bundesverfassungsgericht besonders den Verwaltungsgerichten etc. nun ein besseres Werkzeug zur Beantwortung der Klagen an die Hand gibt. Und ganz zwischen den Zeilen kann man vereinfacht lesen: „Wir sind überlastet und wollen uns zukünftig nicht mehr damit rumärgern, weil die liebe Politik ihren Job nicht macht…“
Das ganze Urteil ist keine komplette Ohrfeige, aber eine deutliche Ansage!
Daher: Zukünftig gibt es verschiedene Prüfparameter ob die Mindestalimentation eingehalten wird oder nicht. Der Vergleich mit den Entgeltgruppen ist ein Baustein davon. Deswegen die Tabelle 1. Genauer ausgeführt wird das in der Randnummer 82 davor:
(1) Eine deutliche Abweichung der Besoldungsentwicklung von den Tarifergebnissen der Beschäftigten im öffentlichen Dienst im betroffenen Land oder – bei der Bundesbesoldung – auf Bundesebene (Tariflohnindex) von mindestens 5 % ist ein wichtiges Indiz für eine evidente Missachtung des Alimentationsprinzips (vgl. BVerfGE 155, 1 ; erster Parameter).
Auf was ich oben angespielt habe ist, dass die Berliner Besoldungstabelle A der Beamten sich nicht grundlegend von der des Bundes in diesem Zeitraum unterschieden hat. Oder anders ausgedrückt, die Berliner haben sich damals weiterhin am Bund orientiert. Nur die Berliner Beamten sind damals gleich dagegen vorgegangen… da klagen Leute 17 Jahre lang, damit ihnen der verfassungsrechtlich-garantierte „Mindestlohn“ gezahlt wird… wie krass schlecht kann ein Staat seine eigenen Leute behandeln?! Deutschland: Ja (passt schon). Nein, eben nicht – sagt das Bundesverfassungsgericht…
Bin etwas verwundert über die Äußerungen die schon an eine Neid- (die haben zu viel) und Mitleiddebatte (wir haben zu wenig) grenzen. Fakt ist doch, unterm Strich geht es den Sdt nicht schlecht was die Versorgung anbelangt. Das wird aber teilweise mit eingeschränkten Grundrechten und der (noch recht abstrakten) Gefahr im Zweifel sein Leben zu lassen erkauft. Glaube also hier ist weder Neid noch Mitleid angebracht.
Zum Thema „Gegenleistung“ für die Jungen bzw. generell für die Gesellschaft, wir sitzen alle im Warmen, haben Internet/Strom/Wasser und jeder hat bis zum Beginn des Arbeitslebens weitgehend kostenlose Bildung erhalten. Jetzt kann man gerne Argumentieren, dass dafür ja jemand bezahlt hat, das ist korrekt. Macht die Ältere Generation für die Jüngeren. Also sehe ich kein Problem da auch mal was zu verlangen, um diesen Wohlstand zu beschützen und zu erhalten. Grundlage für sowas ist Inner und äußere Sicherheit, das scheinen viele immer zu verdrängen, da empfehle ich mal einen Blick übers Mittelmeer, da sieht man wie es ohne ausschauen kann.
@Insider: Dem stimme ich uneingeschränkt zu, da ich täglich damit zu tun habe und der Kampf gegen das Verzweifeln Kraft kostet. PS: ich bin auf DpäK in einem HSchRgt und sehe, wie das Personal (aktiv/RDL) jeden Tag weit über das geforderte Maß kämpft, jedoch in Papier, Bürokratie und Meldeverpflichtungen ertrinkt. Ich selbst kenne die Hürden um Fachpersonal zu bekommen…unzählige Mails um Qualifikationen anerkennen zu lassen um z.T. absurde Ablehnungen zu erhalten. Ein Grund warum Verfahren so lange dauern und es ist nicht schön, Kameraden immer wieder vertrösten zu müssen.
@ORR sagt: 25.11.2025 um 19:24 Uhr
„Wenn doch die Verdienstmöglichkeiten als Beamter oder Soldat im Vergleich zur zivilen Wirtschaft so gut sind, warum sind Sie kein Soldat geblieben?“
Die Geschichte ist relativ kurz erzählt. BS wäre kein Problem gewesen, aber ich bin ein geburtenstarker Jahrgang (Boomer), dazu Reduzierung der Bundeswehr seinerzeit und personelle Nachwehen der Wiedervereinigung gleichzeitig. Die Beförderungsaussichten waren so mau, das ich dankend verzichtet habe. Wie heute auch, waren Haushaltskarten Mangelware. Es war schon eine Ausnahme, das ich in meinen 12 Jahren Hauptmann wurde, die meisten meiner Jahrgangskameraden und Mitstudenten sind als Oberleutnant gegangen.
Ansonsten geben Sie die Antwort doch selber: „Die Gehälter sind gut. Insbesondere in den jungen Jahren und niedrigeren Dienstgraden überdurchschnittlich im Vergleich zur zivilen Wirtschaft. Das ändert sich dann im Laufe der Zeit mit den Aufstiegen.“
Damit ist alles gesagt, ich würde jetzt auch nicht mehr quer einsteigen. Das wäre finanziell völlig uninteressant.
@seemann sagt:
25.11.2025 um 18:26 Uhr
„Und diese „Gruppe“ ist nun der Maßstab für die Besoldung in der Bundeswehr ?“
Wenn es um den > Einstieg < beim Arbeitgeber Bundeswehr geht – natürlich.
Für das Bemängeln einer 20 Jahre später gefühlt zu geringen Besoldung im Vergleich zur
zivilen Wirtschaft … ist das BMVg der falsche Adressat.
Das BBesG liegt in der Federführung des Innenministeriums und es gilt eben u.a. für alle (!) Bundesbeamten.
Dies bedeutet Sie haben das selbe Grundgehalt A9 bekommen wie z.B. der Bundespolizist in A9.
Daran kann das BMVg alleine überhaupt nichts ändern, selbst wenn gewollt.
Dies würde nur mit einer eigenen "Besoldungsordnung Soldaten" ggf. zu beheben sein.
Aber selbst wenn diese dann in Federführung des BMVg liegen würde…
Müsste der Gesetzgeber und in der Mitzeichnung der BMF "mitspielen".
Ich bezweifle aber das dies von Erfolg gekrönt wäre… wenn der OSF z.B. auf A11 angehoben würde…
… der vergleichbare Bundespolizist aber bei A9 bleibt.
"Das zeigt nur wie Kaputt das System ist… 10 Jahre in der Mannschaftslaufbahn."
Das ist
1. nix Neues
2. in Zeiten von erheblichen Personalmangel nicht zu vermeiden, auch hier brauche ich "Profis"
(und nicht … wie sich der letzte InspH ausdrückte : "… Wochenendsoldaten…")
3. muss dies der Bewerber schon selbst entscheiden welche Laufbahn zu ihm passt, wenn die Auswahl da ist
Die gesellschaftlichen Realitäten sind nicht mehr mit "früher" zu vergleichen.
Und es gibt auch kein zurück zu "früher". Wer dies glaubt – wird scheitern.
@Felix2: Ihre Berechnung kann nie 21.000 neue Dienstposten für die Luftwaffe rechtfertigen. Zumal das Heer auf 151.000 Soldaten anwachsen will und damit 89.000 neue Dienstposten haben will. Nachdem bisher nur von 80.000 – 90.000 zusätzlichen Soldaten die Rede ist, können die überhöhten Forderungen von Luftwaffe & Heer nicht erfüllt werden. Denn wir brauchen ja noch zusätzliche Soldaten für Marine, CIR & Unterstützungskommando. Und da das Heer sich fast verdoppeln soll mit 7 zusätzlichen Brigaden ist der Mehrbedarf des Heeres leicht zu berechnen. Eine Brigade der BW hat ca. 5.000 Soldaten ergibt Mehrbedarf von 35.000 Soldaten. Für 7 Brigaden müssen 2 – 3 Divisionsstäbe aufgestellt werden nebst Divisionstruppen. Und bisher war nur für Korpstruppen für ein Korps die Rede. Diesen Bedarf schätze ich auf ca 15.000 Soldaten. Der Bedarf des Heeres von 89.000 weiteren Soldaten ist folglich nicht begründet! Bei der Luftwaffe ist es noch absurder. Bisher soll nur ein 2. Flugabwehrregiment aufgestellt werden & für den Einsatz der Marschflugkörper brauchen wir wieder ein Flugkörpergeschwader. Selbst wenn die Flugkörpergruppe 61 mir Iris T Regimentsgröße erreichen sollte, wären wir erst bei 3 neuen Regimentern und maximal 6.000
neuen Dienstposten. Beim Hubschrauber Geschwader 64 wird nur der Hubschrauber ausgetauscht. Dies sollte die Zahl der Dienstposten nicht verändern. Mit zukünftig 255.000 – 270.000 Soldaten wird die Bundeswehr ungefähr die Größe haben, wie nach der ersten Reform von Scharping ca. im Jahr 2002, wo die BW noch 7 Heeresdivisionen hatte, ein überflüssiges Heerestruppenkommando, und 15 Brigaden mit insgesamt 280.000 Soldaten verfügte. Eine Wehrpflicht herbeizumogeln, indem Heer & Luftwaffe viel mehr Soldaten verlangen, als sie brauchen und nur in unnötige Stäbe gestopft werden können, halte ich für unredlich.
@Closius sagt:
26.11.2025 um 19:11 Uhr
„@Felix2: Ihre Berechnung kann nie 21.000 neue Dienstposten für die Luftwaffe rechtfertigen.“
Ich wüsste nicht das ICH für die neue Soll-Stärke der Luftwaffe zuständig bin… 😉
Die Zahl 21.000 hat der Inspekteur Luftwaffe genannt. Dieser sollte wissen was geplant ist.
Aber um mich zu wiederholen… einfach nicht weiter spekulieren und wilde Rechnungen anstellen
wer was benötigt… oder nicht … sondern Ostern 2026 abwarten, wenn der VM u.a. die geplanten
neuen Strukturen und Soll-Zahlen vorstellen will…
@mrx sagt: 26.11.2025 um 7:30 Uhr
„Nein, tut es eben nicht. Bitte den Beschluss voll lesen.“
Natürlich ist so ein Urteil umzusetzen, gar keine Frage. Allerdings könnte das für die Beamtenschaft auch nach hinten losgehen.
Der Gesetzgeber könnte einige Parameter den gesellschaftlichen Entwicklungen anpassen. Z.B. die zugrunde gelegte Familie aus Mann-Frau-2 Kinder. Die durchschnittliche Geburtenrate liegt bei 1,35 Kinder pro Frau, gleichgeschlechtliche Ehepaare oder die Frau grundsätzlich als Hausfrau ohne Einkommen zu betrachten etc.. Das ist alles 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, was zur Zeit zugrunde gelegt wird.
Und wenn die Beamten so eine bedeutende Rolle für die Demokratie haben, dann sollten sie auch politisch insoweit neutral sein, als das ihnen aktive politische Betätigung in Form von Mandaten nicht erlaubt ist. Und Mitgliedern von gesichert rechts- oder linksextremen Parteien ist die Besoldung abzuerkennen und sind aus dem Dienst zu entfernen, denn sie werden ihrer besonderen Rolle nicht gerecht.
Auch diese Aufgaben nimmt der Gesetzgeber zur Zeit nicht oder nur unzureichend wahr. Und das Urteil gibt auch noch weitere Ableitungen her.
Wie alles im Leben hat auch dieses Urteil seine zwei Seiten, wahrgenommen wird nur die Seite mit mehr-mehr-mehr Geld. Auch so ein gesellschaftliches Phänomen, jeder kennt seine Rechte, aber nicht unbedingt seine Pflichten. Manchmal werden diese auch einfach ignoriert.
@Closius am 22.11.: „…In der Reichswehr waren die Regimenter für das Anwerben … zuständig…“ – da ich kaum mehr lese, was hier so gepostet wird, hat mich diese Aussage „gar nicht“ wirklich überrascht. Ob die „37. Panzergrenadierbrigade“ oder „21. Panzerbrigade“ wirklich einen Menschen „einstellen“ können sollten, wäre eine „spannende“ Frage. Die natürlich mit „NEIN“ zu be- und verantworten wäre. Und selbstverständlich sind PzGrenBrig 37 und PzBrig 21, wie m.E. jeder Einzelne unserer Bundeswehr mit für das „Anwerben“ von zukünftigen, ggf. auch wiedereingestellte Soldat:innen zuständig.
In der aktuellen LOYAL (12/2025) werden Zahlen für das Feldheer genannt (Pers/ Mat). Hier nur kurz der Aufwuchspfad für das Personal:
– 2025 61.000 (Ist)
– 2029 106.000
– 2035 151.000
insgesamt 150 Bataillonsäquivalente
Da es Zahlen zum Feldheer sind sollten das auch tatsächlich „boots on the ground“ sein, also tatsächlich Kameraden bei der Truppe und nicht in Ämtern u.a.
Hier ein weiterer richtiger Schritt um für Menschen attraktiv zu werden die deutlich (!!) länger – also viele Jahre – in der Bundeswehr verbleiben wollen und nicht nur ein paar Monate…
Zitat:
„Bundeswehr soll attraktiver werden
Kaserne in Fritzlar bekommt Stuben wie im Hotel
Die Heimat des Kampfhubschrauber-Regiments 36 in Fritzlar wird zur Komfortzone: Die Kasernengebäude erhalten eine Generalsanierung, ergänzt durch Neubauten. Offiziell ist von Einzelstuben im Hotelstandard die Rede – ein Schritt, mit dem die Bundeswehr attraktiver werden will.
In Fritzlar (Schwalm-Eder) sind innerhalb eines Jahres 259 der neuen Einzelstuben mit etwa 16 Quadratmetern pro Person entstanden.“
Quelle: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/kaserne-in-fritzlar-moderne-zimmer-sollen-bundeswehr-attraktiver-machen-v1,bundeswehr-ausbau-kaserne-fritzlar-100.html