US-Präsident und Kriegsminister schwören Militär auf neue Richtung ein (Update)
Von den Reden von US-Präsident Donald Trump und von Kriegsminister (offizielle Bezeichnung) Pete Hegseth vor den versammelten Generalen und Admiralen der US-Streitkräfte gibt es noch kein Transkript – aber was bislang davon bekannt wurde, lässt erschrecken: President Tells Top Brass U.S. Cities Should Be Military ‘Training Grounds’, berichtet zum Beispiel die New York Times. Und absehbar scheint, dass der Kurs gegen Schwarze und Frauen im Militär fortgesetzt wird.
Die Rede des Kriegsministers gibt es schon komplett:
Update 1: Die Rede von Hegseth liegt jetzt im Transkript vor, einige Schwerpunkte:
Good morning and welcome to the War Department because the era of the Department of Defense is over. You see, the motto of my first platoon was those who long for peace must prepare for war. This is, of course, not a new idea. This crowd knows that. (…)
From this moment forward, the only mission of the newly restored Department of War is this: warfighting, preparing for war and preparing to win, unrelenting and uncompromising in that pursuit not because we want war, no one here wants war, but it’s because we love peace. We love peace for our fellow citizens. They deserve peace, and they rightfully expect us to deliver.
Our number one job, of course, is to be strong so that we can prevent war in the first place. The president talks about it all the time. It’s called peace through strength. And as history teaches us, the only people who actually deserve peace are those who are willing to wage war to defend it.
That’s why pacifism is so naive and dangerous. It ignores human nature and it ignores human history. Either you protect your people and your sovereignty or you will be subservient to something or someone. It’s a truth as old as time. (…)
Another way to put it is peace through strength brought to you by the warrior ethos, and we are restoring both. As President Trump has said, and he’s right, we have the strongest, most powerful, most lethal and most prepared military on the planet. That is true, full stop. Nobody can touch us. It’s not even close. (…)
This speech today — as I drink my coffee, this speech today is about people and it’s about culture. The topic today is about the nature of ourselves, because no plan, no program, no reform, no formation will ultimately succeed unless we have the right people and the right culture at the War Department. (…)
Our warfighters are entitled to be led by the best and most capable leaders. That is who we need you all to be. Even then, in combat, even if you do everything right, you may still lose people because the enemy always gets a vote. We have a sacred duty to ensure that our warriors are led by the most capable and qualified combat leaders. This is one thing you and I can control, and we owe it to the force to deliver.
For too long, we have simply not done that. The military has been forced by foolish and reckless politicians to focus on the wrong things. In many ways, this speech is about fixing decades of decay, some of it obvious, some of it hidden, or as the chairman has put it, we are clearing out the debris, removing the distractions, clearing the way for leaders to be leaders. You might say we’re ending the war on warriors. I heard someone wrote a book about that.
For too long, we’ve promoted too many uniformed leaders for the wrong reasons, based on their race, based on gender quotas, based on historic so-called firsts. We’ve pretended that combat arms and non-combat arms are the same thing. We’ve weeded out so-called toxic leaders under the guise of double blind psychology assessments, promoting risk averse go along to get along conformists instead. You name it, the department did it.
Foolish and reckless political leaders set the wrong compass heading and we lost our way. We became the woke department. But not anymore. Right now, I’m looking out at a sea of Americans who made a choice when they were young men and young women to do something most Americans will not, to serve something greater than yourself, to fight for God and country, for freedom and the Constitution.
(Die Sicherungskopie der Rede hier:
20250930_Hegseth_Flag_officer_speech)
Zusammen mit der Rede und dem neuen Kurs, angeblich verweichlichte Streitkräfte auf die Richtung der neuen Führung auszurichten, wurden mehrere neue Vorschriften erlassen. Unter anderem geht es um neue Fitness-Tests, die – wie vom Minister angekündigt – nach Kampftruppen und anderen unterscheiden und vor allem nicht mehr gender-neutral sein sollen.
Die Rede von Trump im Video:
Die Analyse der New York Times:
A Novice Defense Secretary Lectures the Brass on What It Takes to Win
Nachtrag: Ein Leser weist mich darauf hin (vielen Dank!), dass es sowohl Hegseth‘ als auch Trumps Reden hier im Transkript zum Nachlesen gibt:
https://www.rev.com/transcripts/hegseth-and-trump-address-to-military
(Foto: Secretary of War Pete Hegseth delivers remarks during a War Department Address at Marine Corps Base Quantico, Va., Sept. 30, 2025 – DoW photo by U.S. Navy Petty Officer 2nd Class Aiko Bongolan)
Da habe ich wohl einige Leute getriggert… die der Meinung sind, dieses Primat der Politik in den USA sei doch nun ganz klar ne demokratische Entwicklung, und gleichzeitig deutlich machen, dass aus ihrer Sicht in Deutschland eine linke Mehrheit die Streitkräfte und das Land kaputt mache. Könnt ihr meinen, aber diese Art der pro-MAGA-Propaganda findet hier halt nicht statt.
@Y-998201:
Dass das Sportabzeichen nicht mehr verpflichtend ist, wusste ich nicht, passt aber ins Bild.
Wenn man regelmäßig bei die Dienstschluss am „Heeresheim“ zu Köln vorbeikommt und da das Gros der Plauzenträger an sich vorbeidefilieren sieht (ja, die sportlichen Kaliber gibt es dankenswerter Weise auch noch), dann wundert einen nichts mehr.
Daher ist es m.E. nur fair Ihnen zwei Monate Trainigszeit zu geben.
Das Soldatische war halt nicht mehr zeitgemäß. Die OoA-Soldaten (KSK, KSM, FschJg, …) brauchten ihre Fitness – der Rest war nur „Verwaltungsbeamter mit monotonem Kleidungsstil“.
Es zeigt aber auch, wie wenig Eigenmotivation in dem ein oder anderen BS steckt, sich allgemein fit zu halten.
Ich plädiere definitiv nicht (mehr) dafür, die sporlichen Leistungen – als Auswuchs körperlicher Fitness – bei Männlein und Weiblein zu vereinheitlichen, wie es Hegseth gerade macht, denn das führ zwar einerseits zu einer erhöhten Physis der Truppe, andererseits benachteiligt es aber Frauen generell.
Dennoch täte uns – militärisch und gesellschaftlich – etwas mehr soldatische Disziplin gut.
Die Idee, dass Soldaten nur noch Systembediener und daher nicht mehr allzu starl körperlich gefordert sind, hat sich absehbar als Trugschluss herausgestellt. Gerade der Ukraine-Krieg zeigt, dass auch der Drohnen-Bediener 10km hinter der Front fit sein muss.
Dass Fitness daher mehr Gewicht haben sollte, ist nur folgerichtig – eine alleinige Fokussierung bleibt aber Unsinn.
In diesem Kontext kann ich Hegseth nachvollziehen – seine Schlussfolgerung teile ich nicht.
Seit der Rede von Vance auf der Münchener Sicherheitskonferenz hätten in Europa doch sämtliche Alarmglocken läuten müssen, sich schnellstens möglichst unabhängig von USA zu machen. Oder etwa nicht?
Was ist seitdem passiert? Wo sind die gemeinsamen robusten Strategien?
Schönreden und -denken hilft irgendwann nicht mehr – auf die eine (RU) wie die andere Weise (US).
Aber unser Krug geht halt immer schön weiter zu Brunnen bis er bricht.
@Florian Staude
„Ein Stück weit verstehe ich die Aufregung von einigen Foristen nicht. Nur weil der US-amerikanische Präsident und sein Minister etwas anders und deutlicher auftreten, so bedeutet dies nicht, dass die USA zur Diktatur werden.“
Weil sie etwas anders auftreten nicht, wenn man aber all die Aussagen Trumps und seiner Gefolgschaft aufsummiert, dann schon.
Alleine schon der Kommentar von Trump, jeder der anderer Meinung ist, kann gehen.
Ja, Trump ist als President der Oberbefehlshaber, aber das heißt nicht, dass jeder im Militär seine Meinung haben muss. Das ist mir schon viel zu nahe am persönlichen Führereid, das haben sie sich wohl nur nicht nicht getraut.
Und niemand hier hat etwas gegen Fitness. Von mir aus kann man gerne schon 20h Sportunterricht in den Schulen als bessere Vorbereitung einführen, darum geht es nicht – es geht um Ideologie und Kulturkampf. Dass das US Militär Einsätze in (demokratischen) US Städten als Training betrachten soll. Dass Trump sich etwa in seiner großartigen UN Rede als Exzellenz ankündigen lässt. Dass er Diktator für mindestens einen Tag sein wollte, dass seine Freunde echte Scheichs sind, die „robuster“ ihr „Geschäft“ führen können.
Kurz, es geht um Faschismus. Und ja, die USA sind noch nicht da, steuern aber offen dahin und wir sollten uns überlegen, was das für uns bedeutet.
Noch mal für die, die es partout nicht verstehen wollen: Die US-Politik mit Überlegungen zum Einsatz des Militärs gegen politische Gegner usw. gleichzusetzen mit der Überprüfung von Rekruten auf Treue zum Grundgesetz hierzulande ist genau diese Art von Propaganda, die hier nicht läuft.
Die Rede verdeutlicht auch sehr gut Hegseth Kriegsbild: Kriege führt und gewinnt man dadurch, indem man sich auf die „männlichen“ Aspekte konzentriert, Menschen tötet und Sachen in die Luft jagt. Und wenn man einen Krieg verliert, liegt das nicht an fehlender Strategie oder unzureichender Unterstützung, sondern einzig und allein daran, dass man nicht genügend Menschen getötet oder Sachen in die Luft gejagt hat, also schafft man jetzt alles ab, was einen daran gehindert hat. Es wundert mich nicht, dass man den eisernen Besen zuerst im JAG-Departement angesetzt hat.
Den Grund für diese Einstellung findet man auch in Hegseth militärischer Prägung (sorry für die Geschichtsstunde): 2006 war er während seines Irakeinsatzes u.a. als Civil Affairs Officer (vergleichbar mit Zivil-Militärischer Zusammenarbeit) eingesetzt. Sein Brigadekommandeur war Michael Steele (war als Chef einer Rangerkompanie 1993 in Somalia und taucht auch in Black Hawk Down auf), und im Rahmen von Ermittlungen zur Tötung unbewaffneter Kombattanten sagten mehrere Soldaten aus, Steele hätte den Befehl gegeben „kill all military-aged males“ . Der Divisionskommandeur, Peter Chiarelli, wollte Steele dafür absetzen, wurde aber von höherer Stelle überstimmt. Steele wurde nicht belangt, aber seine Karriere war danach vorbei und er ging als Colonel in den Ruhestand – und taucht bis heute als Hegseth Berater auf. Für Hegseth war das eine Episode, die ihn überzeugt hat, dass die militärische Führung die eigenen Streitkräfte daran hindern, den Feind angemessen zu bekämpfen – kein Wunder, dass er Chiarelli, der bereits seit 2012 im Ruhestand ist, in seiner Rede in einer Reihe mit Milley in den Dreck gezogen hat. Im Grunde ist Hegseth im Mindset eines Lieutenants aus dem Jahr 2006 hängengeblieben.
Für ihn beschäftigen sich „real warriors“ mit Klimmzügen und Waffendrills, während es Bleistiftschubser (wie Logistiker oder Rechtsberater) nur wegen „Wokeness“ und „DEI“ gibt. Leider fragt er sich nicht, warum die Russen, für die Rules of Engagement oder das humanitäre Völkerrecht ja nun wirklich kein Hinderungsgrund, sondern eine Checkliste sind, es in 3 1/2 Jahren immer noch nicht geschafft haben, die Ukraine zu unterwerfen. Krieg ist eben eine komplexe Angelegenheit, in denen eine Vielzahl von Fähigkeiten benötigt wird, und nicht alle davon eignen sich für coole Foto-Ops.
@lukan:
Unterstellt man MAGA die Strategie wie im Faden umrissen, ist die least bad option, dass das Militär neutral ist. Milizen haben die genug.
American democracy might not survive another year – is Europe ready for that?
Alexander Hurst
https://www.theguardian.com/commentisfree/2025/oct/02/american-democracy-trump-putin-europe-dangers
@all: Es geht hier nicht um Sport, auch bei uns in der Truppe braucht man eine gewisse Fitness um Lehrgänge zu bestehen und auf DPs eingesetzt zu werden. Web interessiert das Sportabzeichen? Es gibt die Leistungsträger und BW-Spezifische Abnahmen ( IGF?).
Es geht gerade eher um die Frage, wenn sich das was befürchtet wird weiter abzeichnet, man bei der SÜ Reisen in die USA angeben muss… um es mal soldatischer zu formulieren.
In republikanischen und libertären Kreisen der USA ist Robert A. Heinleins Buch Starship Troopers wegen seiner radikalen Moralphilosophie hochgeschätzt. (Das Buch! Nicht die alberne Verfilmung). Hegseth schlägt vor seinen Soldaten den richtigen Ton an und besonders in Peking wird man ihn deutlich verstehen. Anders in Deutschland: Kriegsminister, pfuibah! Und Kriege wollen die Amis auch gewinnen können, um Himmels Willen! Da bleiben wir als Deutsche doch lieber gute Verlierer.
[Meine Güte, „radikale Moralphilosophie“, was für ein Euphemismus! Ja, ich habe das Buch gelesen, und nein, es findet sich eigentlich nix, was man mit Moral oder Philosophie in Verbindung bringen könnte, außer „alles platt machen, und wer nicht gedient hat, hat keine Bürgerrechte“. Kann man so sehen, ist eher nicht mit unserer Verfassung vereinbar. Lassen wir hier T.W.]
Im gepriesenen Irakkrieg war das Verhältnis Enabler:Kampftruppe 8:1, wobei ich mir nicht sicher bin, ob sowas wie https://en.wikipedia.org/wiki/Military_Sealift_Command oder andere zivile Dienstleister in die Zahlen mit einbezogen sind.
Bevor man Munition auf ein Ziel wirft, muss man es erkennen. Dafür braucht man Menschen, die verbale Nachrichten und Aufklärungsdaten auswerten können.
Auch die Planung und Überwachung der Logistik passiert nicht mit dem Gewehr in der Hand auf dem Schlachtfeld.
In der modernen Armee gibt es genügend Posten, wo man weder Penis noch einen Fitnesstest braucht.
Angesichts der Bevölkerungsentwicklung in den westlichen Staaten muss man überlegen, was man an welcher Stelle exakt braucht, anstatt eine Schablone über alles zu legen.
In einer Punkt-für-Punkt-Analyse eines Experten der Rede von Hegseth wurde ein Detail erwähnt an den hierzulande keiner gedacht hat.
Dieser „Barterlass“ hört sich harmlos an.
Es gibt aber bei bis zu einem Drittel der männlichen, schwarzen Bevölkerung das Problem der „razor bumps“.
D.h. die Haut neigt stark zu Entzündungen nach der Rasur. Die männliche, weisse Bevölkerung hat das zwar durchaus auch. Aber nur sehr temporär, nicht dauerhaft.
Die medizinische Begründung ( u.a. andere Haarstruktur mit grösserer Wahrscheinlichkeit von Einwachsungen ) steht in den Lehrbüchern und wird mit anderen Spezifika bei in den USA ansässigen Bevölkerungsgruppen auch schon länger dort in medizinischen Examen abgefragt.
Es würde eine grosse Gruppe wenn nicht ausgeschlossen, dann doch jeden Tag gequält muss man fast sagen.
Über eine Absicht die hinter dieser neuen Regel steht könnte man da durchaus diskutieren. .
@Pham Nuwen
Fragen sie mal die Ukrainer, ob „Fitness“ nur ein Kampfbegriff ist…
Und weder die Schutzweste noch die GMW werden leichter, nur weil man beim Leistungsmarsch weniger km ableisten muss.
@all
Im Nachtrag oben ein Link zu einem Transkript auch der Rede von Trump.
@Apollo 11
Allerdings sieht man durchweg wenige amerikanische Soldaten mit Bart, unabhängig von deren Ethnie. Zumindest aus meiner Erinnerung heraus.
@Realist
Leider ziehen Sie aus meiner Sicht die falschen Schlüsse aus dem was gerade in den USA passiert. Ein stärkeres zuwenden Deutschlands zu EU/Europa alleine springt zu kurz.
Auch hier gibt es autokratische Tendenzen mit rechtspopulistischen bis rechtsextremen Parteien in eigentlich jedem Staat.
PiS, PVV, Fidesz, RN, FPÖ oder AfD.
Wir müssen die freiheitlich demokratische Grundordnung stärken und dies auch in Europa und dies muss mindestens genauso stark unterstützt werden, wie die Aufrüstung gegen autokraten von außen.
Ich finde es einigermaßen lächerlich und ehrlicherweise auch ziemlich befremdlich, wie nicht wenige Kommentatoren hier sich an bestimmten Nebensächlichkeiten der Rede (beispielsweise den Bezug auf die angebliche mangelnde körperliche Fitness und militärische Disziplin in den Streitkräften) aufgeilen und dabei die eigentlich offensichtliche Hauptproblematik der zur Schau gestellten faschistoiden Tendenzen des US-Verteidigungsministers und -Präsidenten scheinbar bewusst komplett ignorieren.
Wenn das die eigene Geisteshaltung widerspiegelt, sieht es meiner Meinung nach ziemlich duster aus um die Verfassungstreue so mancher Bürger in Uniform…
@Ferngärtner: Kontext ist King. Körperliche und geistige Gesundheit sind _ein_ Faktor. Für eine solche Binse fliege ich aber nicht die gesamte Generalität ein.
Insbesondere der Kampf um Kyiv zeigte sehr gut, wie sich ein diverser Mix bewährt hat. Privatleute, die für die Sprengung strategisch wichtiger Dämme gesorgt haben. Nerds auf Quads, die mit Drohnen Nachschub-Konvois zerschlagen haben. Ja, selbst „rearguard“-Soldaten, die einen Flughafen entscheidend gegen Luftlandetruppen gehalten haben … Und auch heute noch sichern z.B. alte Frauen mit überholten MGs auf Pick ups das Hinterland gegen Drohnen – ob die auch alle schön den Fitness-Test gemacht haben? Vielleicht hat ihn ja wenigstens der vapende Energy FPS-Jockey an der Front bestanden?
@ Stephan L., 02.10.2025 um 12:07 Uhr
„Die Rede verdeutlicht auch sehr gut Hegseth Kriegsbild: Kriege führt und gewinnt man dadurch, indem man sich auf die „männlichen“ Aspekte konzentriert, Menschen tötet und Sachen in die Luft jagt. Und wenn man einen Krieg verliert, liegt das nicht an fehlender Strategie oder unzureichender Unterstützung, sondern einzig und allein daran, dass man nicht genügend Menschen getötet oder Sachen in die Luft gejagt hat, also schafft man jetzt alles ab, was einen daran gehindert hat.“
Ich will jetzt nicht zu viel Nebenkriegsschauplatz aufmachen, aber Sie haben da tatsächlich auch einen guten Punkt angeführt, wie wenig Hegseth vom Krieg versteht. Ich möchte ein weiteres Beispiel aufführen: Im Vietnamkrieg hat es bestimmt nicht daran gelegen, dass die US-Streitkräfte zu wenig Dinge zerstört oder getötet haben. Sie haben eher „die falschen Dinge“ zerstört (es gab ja genügend gesperrte Zonen) und am Ende war es vor allem die politische und gesellschaftliche Heimatfront, die diesen Krieg nicht weiter führen wollte.
Ich wage mal die Hypothese, dass zukünftig gerade alles um die Softpower herum immer wichtiger wird, um dem angegriffenen Gegner zu überzeugen, dass man vielleicht auch Vorteile hat, jetzt die Kämpfe (gegen „den Westen“) einzustellen.
Vietnam ist heute zwar offiziell kommunistisch, aber mit sehr vielen kapitalistischen Anleihen…. Ob Ho Chi Minh das gewollt hätte? ;-)
[Andreas Westphal sagt:
01.10.2025 um 13:51 Uhr
Küstengang01 sagt:
30.09.2025 um 21:59 Uhr
„Und auch an diesem 3.2.33 saßen die hohen Herren da… lauschten den Ausführungen und waren Gehorsam.“
Das taten sie damals und tun sie auch heute. Nur eben heute unter dem „Primat der Politik.“ Und die jüngere Vergangenheit zeigt deutlich: Wer nicht auf Linie ist, wird in den Ruhestand versetzt … wenn es ein muss, per WhatsApp-Nachricht.]
Ich grabe meinen alten Post aus und ergänze diesen aus Aktualitätsgründen:
Gen. Mais ist weg und Gen. Freuding kommt. Gen. Mais, ein unbequemer Kritiker, der den neuen freiwilligen Wehrdienst nicht für den „Gamechanger“ hält und von einem „Gottvertrauen“ auf genügend Freiwillige spricht wird ersetzt durch einen Vertrauten von VM Pistorius, der halt auf Linie ist. Was man so liest und vernimmt, spricht man intern von einem „Kaltstellen“ vom unbequemen Gen. Mais. Gen. Freuding wird dafür in gut zwei Jahren vom BrigG zum GenLt befördert, ohne je ein größeres Truppenkommando innegehabt zu haben.
Die politischen Rahmenbedingungen mögen anders sein aber wir müssen nicht unbedingt über den großen Teich blicken. Unser Vorgarten bietet genug Anschauungsmaterial.
@Anonym
Wenn es um fachliche Fragen geht, höre ich mir auch die Beiträge und Meinungen von Menschen an, deren persöhnliche Vorlieben sowie religiöse und politische Überzeugungen ich nicht teile. Was die Person Scott Ritter betrifft, so hat er für seine Vergehen gebüst. Wie man so schön sagt. Ich kann auch nicht erkennen in welcher Weise seine menschlichen Schwächen seine fachlichen Kompetenz entwerten könnten.
in Sachfragen, beurteile ich Menschen in erster Linie an ihrer fachlichen Kompetenz. Das sich auch echte Experten mal irren können ist halt menschlich.
Beim Lesen Ihres Kommentars ist mir vor allem die Abwesenheit plausibeler Gegenargumente aufgefallen. Vielleicht haben Sie ja keine. Manche Zeitgenossen, denen es in einer sachlichen Diskussion an Argumenten mangelt, neigen dazu, zu polemisieren oder durch Verweis auf menschliche Schwächen den Gegenüber zu deligitimieren und dadurch vom eigentlichen Thema abzulenken. Diese Taktik ist so durchsichtich wie erbärmlich.
Wie ich in meinem Kommentar deutlich gemacht hat ging es mir in dem Interview mit Scott Ritter ausschließlich um jenen Teil, in dem es um die Möglichkeit der Lieferung von Tomahawk Raketen geht. Scott Ritters Argumente gegen die Lieferung US-amerikanischer Tomahawk, die ich in ähnlicher Form inzwischen auch von anderen Experten so oder so ähnlich zu hören bekommen habe, lauten:
– Tomahawk können nicht von Ukrainern allein programiert und gestartet werden, da die Geodaten im Besitz der USA sind und auch nur durch die USA auf der Basis von Satellitenbildern aktualisiert werden können.
– Aufgrund der o.a. Gründe, würden die Russen einen Einsatz dieser Marschflugkörper als direkten Angriff durch die USA interpretieren.
– Tomahawk Cruise Missiles sind als mögliche Träger nuklearer Gefechtsköpfe bekannt. Sollten die Russen den Einflug solcher Marchflugkörper orten, könnte das die nukleare Doktrin triggern.
– Die Übergabe von US Technologie und Daten an die Ukrainer ohne Zustimmung des Senats ist ein Vergehen, dass ein Amtsenthebungverfahren rechtfertigen würde.
Mir kommen die ersten zwei Argumente sehr bekannt vor. Sie wurden von unseren eigenen Experten gegen eine Lieferung von Taurus vorgebracht. Das erhöht die Glaubwürdigkeit der Argumente Ritters meiner Ansicht nach.
Donald Trump hat den Begriff „considering“ gebraucht, was eine Lieferung von Tomahawk an die Ukraine betrifft. Selenskyj hat das als Zusage interpretiert. Anders ist seine Ansage an die Kreml Mitarbeiter: „to look for the nearest bomb shelter“, nicht zu interpretieren.
Meine Einschätzung dazu ist, dass Trump sich vermutlich sehr viel Zeit für die „Erwägungen“ nehmen wird und ich frage mich, wie lange Selenskyj brauchen wird, um zu erkennen, dass er ein weiteres Mal auf den Con-Man in Washington reingefallen ist.
Hegseth sollte besser mal analysieren warum die US Streitkräfte seit dem II. Weltkrieg keinen Krieg mehr gewonnen haben. Tip: Es lag nicht daran, das man nicht genug gestählte, muskelbepackte weiße Warrior hatte.
Der Fisch stinkt immer vom Kopf her.
Stil und Wortwahl sind wenigstens fragwürdig. Es kann auch sein, dass die Amerikaner übertreiben.
Nur eines ist sicher: Der 5. Transgender-Beauftragte im Bataillon wird sicher nicht dazu beitragen, dass mehr Soldaten lebend aus dem Gefecht nach Hause kommen. (Achtung: Übertreibung)
Es kommt auf das Mindset an. Unsere Generäle schreiben Briefe und nichts passiert. Die Amerikaner führen vom Minister aus. Das mag uns nicht gefallen, es erhöht jedoch die Chancen auf Erfolg und Überleben.
@schlammstapfer:
wie führen die Ukrainer die Angriffe auf Ziele im tiefen Hinterland aus? Funktionieren die ukrainischen Drohnen auch nur mit amerikanischer Programmierung?
@ Schlammstapfer
Da es keinen „Expertenschein/-Diplom/-Zertifikat“ ist es durchaus wichtig zu bewerten, warum jemand eine Aussage trifft uns mit welchem Hintergrund.
Scott Ritter ein ein Mann der über keinerlei militärisches/taktisches Fachwissen verfügt. Er hat nie eine Einheit kommandiert. Keine Gruppe, keinen Zug, nichts. Er war ein militärischer Analyst, der mehr als einmal seine Kompetenzen überschritten hat und keinerlei brauchbare Ergebnisse geliefert hat. (Z.b. Geheimnise an andere Streitkräfte verraten) In seiner Karriere zeigt sich Opportunismus für den, der sein Gehalt bezahlt. Erst für die US Army (ja es gibt WMD). Als seine Verfehlungen dazu geführt haben, dass seine Karriere zu nichts mehr führte hat er sich von einem Iraker bezahlen lassen genau das Gegenteil zu behaupten ( nein es gab keine WMD) und Kritik an der Army zu üben. Was ja sogar berechtigt gewesen wäre. Aber dann hat er mindestens 2 mal das getan, was ein erwachsener Mann niemals tun darf und wurde dafür verurteilt. Ohne die Möglichkeit je wieder einen seriösen Job auszuüben, hat er sich nach einem neuen Geldgeber umgesehen. Und siehe da, bei den Russen konnte er sich anbiedern. Ich kann mir richtig vorstellen, wie sich seine russischen Führungsoffiziere den Bauch vor lachen halten über die – mehrfach widerlegten – Behauptung, die sie durch ihn verbreiten lassen. Denn diese sind selbst für das russische MOD zu lächerlich. Und das ist sich für einige urkomische Meldung nicht zu schade (2 x bereits die komplette ukrainische Luftwaffe zerstört inkl. aller noch nicht gelieferten Flugzeuge; Untergang der Moskwa durch rauchen und einen Sturm bei ruhiger See,…) . Und dann fallen diese Führungsoffizier vor lachen auch noch von ihren Stühlen, weil es tatsächlich Leute gibt, die seinen Mist glauben und davon überzeugt sind, sie sind schlauer als andere.
@TW. bitte verzeihen sie mir dieses OT, aber ich denke, es ist wichtig um Schlammstapfers Propagandaversuche einzuordnen.
Apropos Propagandaversuche. Man kann sich willkürlich eine seiner Aussage heraussuchen und mit wenig Recherche diese wiederlegen. Z.b. „Das Tomahawks als Nuklearwaffenträger bekannt sind.“ Wieder so eine, im besten Fall ungenaue, Behauptung um das russische Narrativ zu verbreiten. Die Marienversion des Tomahawk war Nuklearwaffenfahig. Aber da die USA wohl kaum der Ukraine ein Kriegsschiff übergeben wollen ( und auch nicht könnten, Stichwort Vertrag von Montreux ) UND alle nuklearen Gefechtsköpfe für die Tomahawks bereits 2014 ( welche Ironie) außer Dienst gestellt wurden (ein Nachfolger ist erst in der Entwicklung), ist die Gefahr dieses als nuklearen Angriff zu werten nur bei Propagandisten vorhanden.
Mich würde es sehr interessieren: Was denken eigentlich diese 800 Generäle über diese Rede? Das wir irgendwie nie thematisiert. Ist das US-Militär auch mündig, oder müssen sie das alles einfach so hinnehmen? Gibt es für sie irgendein Recht, dem zu wiedersprechen? Und noch eine Frage, die ich immer schon mal für den Podcast vorschlagen wollte: Können Soldaten eigentlich auch selbst belangt werden, wenn sie einen Befehl ausführen, der gegen die Verfassung verstößt? (Entschuldigung, ich weiß es wirklich nicht :-) ich bin nicht beim Militär, eine Diskussion zu dieser Frage würde ich aber sehr spannned finden.)
p. s. oder lassen Sie mich die Frage besser so formulieren: Kann sich ein Soldat dagegen wehren, wenn er einen Befehl bekommt, der gegen die Verfassung verstößt? Auch wenn dieser z. B. vom Präsidenten kommt?
Uff, der arme Hausherr. Wenn das hier schon die gefilterte Variante ist, will ich echt nicht wissen, was für ein Hardcore-Propagandageschwurbel hier eingereicht und dann dankenderweise nicht gepostet wird.
Wenn ich hier mal wieder so manchen Kommentar lesen muss, hoffe ich doch insgeheim, dass dieser von einem „Altgedienten“ kommt und nicht von einem aktiven Kameraden, mit dem ich mir vielleicht nochmal ne FOP an der Ostflanke teilen muss.
Da wird was von den Massen an „vorbeidefilierenden Plauzenträgern“ schwadroniert, Martin van Creveld empfohlen, der (neben ner Menge anderer Kracher) u. a. behauptet, dass Frauen ins Militär gehen, liege „an deren Penisneid“, oder Scott Ritter allen Ernstes als seriöser Analyst dargestellt und die Ausfälle von Hegseth allen erstens noch goutiert.
Schön, dass es aber dennoch noch ein paar Mitkommentatoren gibt, die das Ganze nicht einfach so stehen lassen.
Aber eine Frage hätte ich dann noch @Florian Staudte
Wie genau erhöhen denn das Ausschließen von Minderheiten durch die Hintertür, das komplette Nichtverstehen des modernen Kriegsschauplatzes sowie blinder Kadavergehorsam bis in den Faschismus die „Chance auf Erfolg und Überleben“?
Ich schließe mich @Kristin Weber an: eine Diskussion bei Sicherheitshalber darüber, wie man das Verhältnis von Disziplin und Gehorsam einerseits und Gewissen und eigenständigem Denken andererseits austarieren kann und welche Möglichkeiten, individuell und strukturell, es gibt, in einer Situation wie der in den USA einen Missbrauch der Streitkräfte zu erschweren oder gar zu verhindern, würde mich sehr interessieren.
@Kristin Weber
https://de.wikipedia.org/wiki/Milit%C3%A4rischer_Befehl
https://de.wikipedia.org/wiki/Gehorsamsverweigerung
#Kristin Weber:
„Können Soldaten eigentlich auch selbst belangt werden, wenn sie einen Befehl ausführen, der gegen die Verfassung verstößt?“
Diese und ähnliche Fragen sind theoretisch recht kompliziert zu beantworten.
Es gibt aber eine recht einfache Konsequenz in der realen Praxis.
Je restriktiver ein Staat gegenüber seinen Bürgern ist, je mehr in Richtung Diktatur sich ein Land entwickelt und je restriktiver die Vorschriften in den jeweiligen Streikräften, desto mehr gilt:
„Sie sind an dieser Stelle und in diesem Kontext genau hier und jetzt nicht berechtigt und auch nicht qualifiziert diese Frage zu entscheiden“
Wenn diese Ansage kommt dann war es das einfach.
In den richtig gedrillten Armeen wird selbst jeglicher Zweifel nicht geduldet, es gibt gleich sehr unangenehme Konsequenzen.
In dieser Hinsicht sind von den grossen Armeen dieser Welt wohl China und Nordkorea ganz vorne mit dabei.
Die USA sind nicht vergleichbar, es entwickelt sich aber in eine unangenehme Richtung, gerade nach der letzten „Ansprache“.
Bei der Bundeswehr (im kalten Krieg, ich vermute heute ähnlich) war der Unterricht zum Thema recht eindeutig. Sehr positiv im Sinne selbst seinem Gewissen zu folgen.
Daraus einen Strick zu drehen ist zwar möglich, aber schwierig..
@Andreas Westphal
[Andreas Westphal sagt:
03.10.2025 um 14:07 Uhr
Die politischen Rahmenbedingungen mögen anders sein aber wir müssen nicht unbedingt über den großen Teich blicken. Unser Vorgarten bietet genug Anschauungsmaterial.]
Ich bitte sie – bei aller Berechtigung, diese Postenbesetzung zu kritisieren ist es doch ein Unterschied, ob eine einzelne Personalie geändert wird, weil sie bei Interna nicht ihre Führung unterstützt, oder ob die gesamte Generalität aller Teilstreitkräfte zur politischen Weisungsgebung herzitiert wird und ihr mit Rausschmiss bei anderer Meinung gedroht wird.
Wie man an der Diskussion um den Akt Mais / Freuding sieht (ich verweise hier gerne auf die Kommentarspalte des hiesigen Blogeintrags vom 01.07.) sind die möglichen Gründe für diese Neubesetzung deutlich vielfältiger und durchaus auch mit erbrachten Leistungen begründbar. Das kann man von Trumps Präventivdrohung nicht ansatzweise behaupten.
Erstaunlich, wie man als reichlich offenkundiger Proto-Faschist (Hegseth) bei Deutschen anscheinend doch wieder ganz geschmeidig ankommt, wenn man hier einige Kommentare liest.
Man sagt einfach ein paar nicht vollkommen blödsinnige Allgemeinplätze, hackt auf Schwulen und anderen Minderheiten rum und beschwert sich über zuviel Körperfett bei dem einen oder anderen Soldaten und schon zuckt bei einigen hier offenbar schon wieder der rechte Arm. Frei nach dem Motto: „Es war nicht alles schlecht.“
Man kann sich über Wokeness sicherlich trefflich streiten, aber eines steht schonmal fest. Wer so aus Prinzip gegen übergewichtige, nichtbinäre Queer-Nerds hetzt, wie die republikanischen Schranzen, der vergeigt auf jeden Fall die Chance, dass solche Leute Lust haben, bei der Verteidigung des eigenen Landes mitzuhelfen, indem sie beispielsweise Drohnen steuern oder an der Software programmieren.
Natürlich kann man den jungen, körperlich fitten Panzergrenadier zum Nonplusultra des Soldatentums stilisieren. Und es schadet sicher nicht, solche Menschen auch in ausreichender Zahl zu haben; nur ist der Krieg von heute bereits weitaus über diesen Horizont hinausgewachsen. Und für Cyberkrieger ist der BMI nun einmal nicht unmittelbar relevant, wenngleich natürlich ein fitter und gesunder Nerd zweifellos gesünder wäre, als ein übergewichtiger Koffeinjunkie. Aber selbst ein koffeinsüchtiger Speck-Ops-Kamerad an der Tastatur ist besser als niemand.
@Kristin Weber sagt:
05.10.2025 um 14:38 Uhr
„p. s. oder lassen Sie mich die Frage besser so formulieren: Kann sich ein Soldat dagegen wehren, wenn er einen Befehl bekommt, der gegen die Verfassung verstößt? Auch wenn dieser z. B. vom Präsidenten kommt?“
Von wem der Befehl kommt ist verfassungsrechtlich und für den einzelnen Soldaten egal. Gemäß ihrem Eid und dem UCMJ (Uniform Code of Military Justice) sind Befehle die gegen die Verfassung verstoßen rechtswidrig und dürfen nicht ausgeführt werden.
Was kann Private Brown aus South Caroline da nun tun? Richtig; den Befehl verweigern. Ihn einfach nicht ausführen. Auf dem Papier sollten das ganz viele tun. Nur, wie wir an der Entsendung von Teilen des USMC nach Los Angeles gesehen haben: das tun ganz viele nicht. Da haben sich nur ein Captain und ein Lt.Col. geweigert. Die wurden dann nicht mitgenommen und gut war,
Dinge wie Wehrrecht und die Verfassung etc. werden nicht in erster Linie von Gerichten geschützt, oder von Politikern, sondern von den Bürgern. An jedem einzelnen Tag.
@Kristin Weber 05.10.2025 um 14:38 Uhr
> Kann sich ein Soldat dagegen wehren, wenn er einen Befehl bekommt, der gegen die Verfassung verstößt?
> Auch wenn dieser z. B. vom Präsidenten kommt?
Die Trump-Administration hat sehr früh schon die Führung des JAG ausgetauscht.
https://breakingdefense.com/2025/03/after-jag-firings-a-difficult-truth-about-military-legal-independence/
Rein theoretisch MUSS nach dem UCMJ ein Soldat der US-Streitkräfte einen rechtswidrigen Befehl verweigern.
Das war bei der Einführung des UCMJ 1950 die Konsequenz aus dem Satz „ich habe nur Befehle befolgt“.
Wie das in der Praxis bisher gehandhabt wurde ist sehr unterschiedlich.
Bei offensichtlich rechtswidrigen Befehlen (z.B. My Lai oder Abu Ghraib) gab es dazu auch Urteile, wo Soldaten wegen des Befolgens rechtswidriger Befehle angeklagt wurden.
Bei Situationen, bei denen es nicht um derartig offensichtliche Dinge wie Folter oder Ermordung von Zivilisten geht, wird das aber eher traditionell gehandhabt und sehr auf Befehl und Gehorsam wert gelegt.
Zudem gibt es meines Wissens keinerlei Urteile gegen Stabsoffiziere oder höhere Dienstgrade deswegen.
Die US-Streitkräfte sind, trotz des UCMJ eben eine sehr viel traditioneller aufgestellte Organisation als die Bundeswehr.
Ich weiß nicht, ob @Kristin Weber die amerikanischen Strafrechte oder die gültigen Deutschen für Soldatinnen und Soldaten wissen wollte.
Deutsche Soldatinnen und Soldaten sind natürlich nicht an den UCMJ gebunden.
Dazu die obigen Links.
Zu UCMJ
https://de.wikipedia.org/wiki/Uniform_Code_of_Military_Justice
Beide sollen als Grundlage eigentlichen nicht gegen die im UN-Völkerrecht genannten verstoßen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Vereinte_Nationen
Anscheinend will die aktuelle amerikanische Regierung irgendwie alles auf den Kopf und Infrage stellen. Ob ein Plan für etwas Besseres vorhanden ist, steht im Projekt 2025.
https://de.wikipedia.org/wiki/Project_2025
Den Plan scheint die amerikanische Regierung zu verfolgen.
@Kristin Weber:
Ein Befehl wird bzgl. rechtskonformität immer anhand zweier Fragen/Kriterien bewertet.
1. rechtswidrig und
2. verbindlich??
Nicht ausführen darf man, Befehle die eine Straftat bedeuteten sowie solche die gegen die Menschenwürde (Art. 1 GG) verstoßen würden.
Ein Beispiel;
Der Vorgesetzte gibt den Befehl an seinen Fahrer schneller als die z.B. erlaubten 50 km/h zu fahren.
Ergebnis: Der Befehl ist rechtswidrig, jedoch verbindlich und somit auszuführen. Begründung: Ausschließliches zu schnelles Fahren ist eine Ordnungswidrigkeit, keine Straftat . Wenn er auszuführen ist, eben auch verbindlich.
Alles daraus folgernde, z.B. Beschwerde, Ahndung gegen den Vorgesetzten lasse ich hier unbetrachtet. Grundsätzlich also gilt, auch rechtswidrige Befehle sind verbindlich, es sei denn Straftat und Menschenwürde machten sie unverbindlich.
Danke an alle, die geantwortet haben! Es zeigt mir doch, dass dass die Sorge über die Vorgänge in den USA sehr berechtigt ist – vor allem die Sorge um die einzelnen Soldaten und Soldatinnen, die dabei mit ihrem Gewissen ringen müssen (und der Angst davor, entlassen zu werden). Der Artikel beschäftigte sich hauptsächlich mit der Situation in den USA. Aber ich hoffe doch sehr – und bin sehr froh, wenn Sie sagen – dass man in der Bundeswehr sehr weit von diesem beunruhigenden Szenario entfernt ist. Danke!!
@Kristin Weber: Sehr weit.
In der Bw geht es eher in die andere Richtung:
„Das Gericht [VG MÜNCHEN] kommt in dem 44-Seiten-Beschluss vom 1. September (Aktenzeichen M 21b S 25.4021) aber auch zu einer Einschätzung, deren Bedeutung über den Einzelfall hinausgehen könnte: Ein Soldat dürfte demnach einen Befehl für einen Einsatz zur Unterstützung Israels verweigern – mit Verweis auf sein Gewissen.“ … „Wenn ein „Apartheidsstaat wie Israel“ einen „Völkermord“ begehe, könne er nicht schweigen. An Hilfsleistungen für die Palästinenser würde er sich beteiligen. Einen Befehl für einen Unterstützungseinsatz nach Israel würde er verweigern.“
u.a. Erkenntnisse bzw. Einschätzungen des BAMAD.
Extremismusverdacht Richter stoppen Rauswurf eines Zeitsoldaten – WELT Online vom 10.09.2025, leider Zahlschranke
Die Rede von Hegseth war rethorisch sehr interessant (und wiederwärtig). Im Großen hat er viel davon gesprochen, dass die Standards für Physical Fitness Tests in den vergangenen Jahren reduziert wurden, das Vorgesetzte keine Möglichkeit mehr haben um Disziplin durchzusetzen, das Einrichtungen zum Schutz von Minderheiten dazu genutzt wurden Karrieren zu beenden, …
Ich glaube das sind alles Punkte die schon einen Kern Wahrheit enthalten und daher auch Unterstützung bekommen werden.
Das Perfide kam dann zwischen den Zeilen. Klar dürfen Frauen in Kampftruppen dienen, aber nur wenn sie die Anforderungen der Physical Fitness Tests für Männer erfüllen. Schutzeinrichtungen für Minderheiten sind böse und werden abgeschafft. Das diese aus gutem Grund eingerichtet wurden, lässt er unter den Tisch fallen. Das gleiche mit dem Schutz von Untergebenen gegen Übergriffe von Vorgesetzten. Da lässt er auch weg, dass es durchaus Fälle gab in welchen Rekruten misshandelt wurden oder sogar in der Ausbildung aufgrund solchem Fehlverhaltens gestorben sind.
Der größte Lacher war aber, dass Hegseth fordert, dass das Militär nicht nach einer politischen Agenda gesteuert werden soll. Gleichzeitig erklärt er wie die politische Agenda der Trump Administration im Militär umgesetzt werden soll. Da greift man sich ans Hirn.
Am Ende hatte ich irgendwie Mitleid mit den dort versammelten Generälen. Wahrscheinlich hatte jeder General in der Halle mehr Führungskompetenz als der Pseudo-Verteidigungsminister Hegseth. Ich finde es ziemlich überheblich, dass er sich heraus nimmt diesen zu erklären wie sie ihren Job machen sollen. Immerhin ist er selbst nur ein kleiner National Guard Captain der kurz vor seinem Ausscheiden noch zum Major befördert wurde.
Hey, aber mal ehrlich. Bei uns würden genauso viele Leute auf so einen Dummschwätzer reinfallen…
@T.W. Der Uhrmacher hat Starship Troopers nicht verstanden. Das ist ja eigentlich ein Antikriegsfilm der gezielt mit dem Überspitzen des Kriegermythos arbeitet.
[Hm, gleich fünf Kommentare von Ihnen in verschiedenen Threads am Abend… mal alles abgearbeitet? Fällt halt auf. T.W.]