Bundeswehr-Digitalfunk: Erneut Sand im Getriebe

Die Umrüstung der Bundeswehr auf den dringend benötigten Digitalfunk für die Landstreitkräfte stößt offensichtlich auf eine neue Hürde. Der Haushaltsausschuss des Bundestages setzte die geplante Beratung einer Vertragsänderung für die Entwicklung der sogenannten  Wellenform nach dem europäischen ESSOR-Standard ab – vereinfacht gesagt: Deutschland kann sich zunächst nicht an der Weiterentwicklung eines interoperablen europäischer Truppenfunks beteiligen.

Auf der Tagesordnung von Verteidigungs- wie Haushaltausschuss für den (heutigen) Mittwoch hatte die Vorlage noch gestanden:

1. Änderungsvertrag zur Entwicklung einer multinationalen interoperablen Wellenform für den Truppenfunk ESSOR (Narrowband Waveform (ENBWF))

Während der Verteidigungsausschuss zustimmte, wurde der Punkt von den Haushältern nicht behandelt. Der Grund dafür war zunächst nicht bekannt.

ESSOR ist ein Gemeinschaftsprojekt für European Secure Software Defined Radio, an dem Unternehmen aus Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Polen und Spanien beteiligt sind. Mit der Entwicklung soll sichergestellt werden, dass die digitalen Funksysteme der verschiedenen Nationen mit einander kompatibel sind – unverzichtbar für gemeinsame militärische Einsätze. (Für die Interoperatibilität mit Systemen der US-Streitkräfte müssen dagegen Funkgeräte einer US-Firma eingesetzt werden).

Die Verzögerung könnte ein weiterer Rückschlag für die Ausstattung der Bundeswehr mit modernen Funksystemen im Rahmen des Projekts D-LBO (Digitalisierung Landbasierter Operationen) werden. Bislang hatte es nicht zuletzt durch die Komplexität im Zusammenspiel von Hardware- und Software-Komponenten verschiedener Hersteller und nicht zuletzt durch Probleme bei scheinbar simplen Vorhaben wie dem Einbau von Funkgeräten in die verschiedenen Fahrzeuge der Streitkräfte Verzögerungen gegeben.

(wird ggf. ergänzt)