Lesestoff: Rüstungsbericht und materielle Einsatzlage

Das Verteidigungsministerium hat die erwarteten Berichte zur Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme und den zweiten Rüstungsbericht vorgelegt. Ein dicker Packen Lesestoff – aber wie schon im Vorjahr bleibt es dabei, dass die genauen Zahlen zur Verfügbarkeit der Großgeräte nicht öffentlich werden.

Im Frühjahr hatte die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen den detaillierten Bericht zur Materiellen Einsatzbereitschaft der Bundeswehr nach Jahren der Offenheit überraschend für geheim erklärt – und ihre Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer folgt diesem Kurs. Der am (heutigen) Donnerstag veröffentlichte Bericht  hat erneut einen öffentlichen und einen geheimen Teil, die Formulierung knüpft an die bewährte Berichterstattung der vergangenen Jahre an ist also fast schon regierungsamtlicher Neusprech.  Detaillierte Aussagen über die Probleme der einzelnen Groß-Waffensysteme gibt es nicht – oder jedenfalls nur versteckt.

Wer sich für die Detailzahlen interessiert, kann sie bei Spiegel Online nachlesen; aber auch so ist der – offene – Bericht in Teilen schon ernüchternd genug:

Beispiele für neue Systeme mit einer im Verlauf hohen Schwankungsbreite der materiellen Einsatzbereitschaft zwischen 26% bis 95% – allerdings überwiegend im deutlich nicht zufriedenstellenden Bereich von unter 40% – sind u.a. SPz PUMA, A400M, H 145M LUH SOF, GTF ZLK 15t und NH 90. (…)
Beispiele für stabile Systeme mit einer durchschnittlich verlässlichen hohen materiellen Einsatzbereitschaft häufig oberhalb 70% sind u.a. FREGATTEN, KPz LEOPARD 2, GTK BOXER, EUROFIGHTER. (…)
Beispiele für alte Systeme mit einer durchschnittlichen materiellen Einsatzbereitschaft von häufig unter 50% sind u.a. TORNADO, CH-53, P-3C ORION, Betriebsstofftransporter Klasse 704.

Das ist natürlich hinreichend allgemein formuliert – so dürfte die Verfügbarkeit des (von einem zivilen Muster abgeleiteten) Hubschraubermusters H145M deutlich höher liegen als die des Schützenpanzers Puma. Das wird hier nicht weiter differenziert und ist damit wenig hilfreich.

Allerdings finden sich, wenn auch ein wenig verklausuliert, in den Beiträgen der Inspekteure in dem offenen Teil einige Hinweise (man kann ja mal überlegen, was es bedeutet, wenn der Marineinspekteur den Klarstand der Seefernaufklärer mit diesem Satz beschreibt: Ebenso ergibt sich bei den Seefernaufklärern P-3C ORION, trotz der insgesamt verbesserten materiellen Lage bei den Luftfahrzeugen selbst, aufgrund der eingeschränkten Verfügbarkeit von Ersatzteil- und Verlegepaketen, ein permanentes Erfordernis zur Priorisierung der möglichen Einsatzoptionen.)

Zusammen mit dem Bericht zur Materiallage veröffentlichte das Ministerium seinen 10. Rüstungsbericht. Auch den muss man sich sehr genau durchlesen, zum Beispiel beim neuen Marinehubschrauber SeaLion:

Der NTH SEA LION wird das Luftfahrzeug (Lfz)-Muster SEA KING ab 2023 ablösen und dessen Aufgaben als Bordhubschrauber für die Einsatzgruppenversorger (EGV) der Marine sowie den Search and Rescue (SAR)-Betrieb für die Nord- und Ostsee und die Seeraumüberwachung vollständig übernehmen. Der erfolgreiche Erstflug des Hubschraubers fand im Dezember 2016 statt. Die Auslieferung der bestellten 18 Lfz NTH SEA LION soll im Zeitraum Ende 2019 bis Ende 2022 erfolgen. (…)
Die Auslieferung des ersten NH90 NTH SEA LION in der Konfiguration Step 1 erfolgte am 24.10.19 und im vierten Quartal 2019 sollen zwei weitere Lfz geliefert werden. Der finale Bauzustand (Konfiguration Step 2) ist für Ende 2021 geplant. Das Upgrade von Step 1 auf Step 2 ist für den Zeitraum 2021 bis 2024 vorgesehen. Verzögerungen in der Entwicklung, Qualifikation und der Auslieferung sind zu vermeiden, um die bruchfreie Aufgabenwahrnehmung nach dem Nutzungsdauerende des SEA KING Mk41 in 2023 sicherzustellen. Maßnahmen zur Einführung des Hubschraubers in die Marine werden konsequent verfolgt.

Ja, klingt doch gut.  Allerdings hatte doch das Ministerium selbst verkündet, dass die Marine wg. Problemen den Anfangsflugbetrieb mit dem SeaLion derzeit nicht beginnt… Diese Nachricht vom November hat es in den Bericht leider nicht mehr geschafft. Da muss man sich alle Projekte im Bericht wohl noch mal genauer vornehmen.

Und was sagt die Ministerin zu den beiden Berichten? Das hier:

Die materielle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr ist in den Einsätzen hoch, aber insgesamt ist sie nicht zufriedenstellend. Ich nehme diese Eingangsbilanz für mich als Ansporn.
Ich möchte für eine bessere finanzielle Ausstattung der Bundeswehr sorgen. Gleichzeitig werden wir sicherstellen, dass das Geld so eingesetzt wird, dass die Soldatinnen und Soldaten mit einsatzbereitem Material und persönlicher Ausrüstung ausgestattet sind.
Mit den Entscheidungen zu den HIL-Werken und der Reform der Beschaffungsordnung sind erste Schritte bereits getan.
Ein ehrliches Lagebild dient als Grundlage, nicht nur für das Parlament, sondern auch für die Öffentlichkeit. Daher umfasst dieser Bericht erstmals umfangreiche Aussagen und Bewertungen aus allen Bereichen der Bundeswehr.
Ich habe eine Klausurtagung der gesamten Leitung des BMVg und des nachgeordneten Bereichs zu Jahresbeginn 2020 angesetzt, bei der die Erhöhung der materiellen Einsatzbereitschaft einen zentralen Schwerpunkt bilden wird. Dort werden weitere Schritte, notwendige Entscheidungen und Prioritätensetzungen offen beraten, entschieden und dann gemeinsam umgesetzt.

(Foto: NH90 Sea Lion am 6. November 2019 bei der Überführung nach Nordholz – mit freundlicher Genehmigung von Pierre Reich via ETMN-Planespotting)

 

74 Gedanken zu „Lesestoff: Rüstungsbericht und materielle Einsatzlage

  1. JD sagt: 07.12.2019 um 14:06 Uhr
    „@Edgar Lefgrün Einen General als Hauptverantworlichen für das jeweilige Rüstungsprojekt inklusive Ausschreibung festlegen “

    @JD, Sie wissen aber schon wer für Rüstungsprojekt zuständig ist? Sie wissen um das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw)? Sie wissen auch um den Personalabbau dort in der Vergangenheit und den Personalmangel heute, z.B. bei Vertragsjuristen?

    Und meinen Sie wirklich, ein General liesse sich sowas festlegen? Etwas mit dem er nur scheitern könnte? Sie selbst kennen ein paar Generale, die sich sowas wünschen?

  2. @F_Schneider : Ich empfehle Ihnen einmal den jüngsten Podcast von „Streitkräfte und Strategien“ zum Thema „Rüstungsbeschaffung-nur gut für den Export“.

    Die Fehler sind als Kette von Fehlkonstruktionen zu sehen.
    Die Verträge für das MKS 180 umfassen 100.000 Seiten. (kein Tippfehler).
    Dies war die Folge von Fehllieferungen von K130&F125.

    Politik, BW und Industrie müssen sich zusammen setzen, und gemeinsam offen und ehrlich reden:

    Was wollen wir?
    Was kann geliefert werden?
    Zu welchem Preis und
    Wann?

    Dabei sollte Geld für das dringendsten an Ausrüstung keine Rolle spielen, ebenso langfristige Verträge mit Konventionalstrafen analog Zivile Verträge.

    Und die Vorschriften reduzieren.
    Wenn man alles klar im vornherein kommuniziert, wird es später auch keine bösen Überraschungen geben.

  3. @Pete, 16:07:
    Da haben Sie nicht mal so unrecht – Varus hat damals auch nicht an die Existenz einer Bedrohung geglaubt, und auch damals kam der Schlag aus einer unerwarteten Richtung, asymmetrisch… Das Ergebnis ist bekannt. :-)))

  4. @Edgar Lefgrün Wer keine Verantwortung will soll nicht General werden. BAAINBw hat schon immer genug militärische Dienstposten gehabt und es sollte keine Probleme machen Neue zu schaffen. Was wäre denn ihr Vorschlag, alles weiter wie bisher?

  5. @Resi sagt:
    „@Pete
    Da haben Sie nicht mal so unrecht – Varus hat damals auch nicht an die Existenz einer Bedrohung geglaubt, und auch damals kam der Schlag aus einer unerwarteten Richtung, asymmetrisch… Das Ergebnis ist bekannt. :-)))…“

    Prima, dann stimmen wir in diesem Punkt überein :-))

  6. Man stelle sich doch nur einmal vor, dass die Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland solche Zahlen bzgl. der Einsatzbereitschaft aufweisen würden. Der Gemeindebrandmeister dürfte gehen und der zuständige Bürgermeister würde wahrscheinlich nicht wiedergewählt werden.

    Die Bundeswehr braucht nicht immer und überall 100 Prozent. Die aktuellen Zahlen sind jedoch eine „Insolvenzerklärung“.

    Letztlich ist die Bundeswehr weit davon entfernt, eine vollständig einsatzfähige Armee zu sein. Wir können Lehrübungen und Kontingente gut ausbilden und ausrüsten. In der Fläche sieht es mitunter düster aus.

    Wo ist der deutsche Perfektionismus geblieben?

  7. JD sagt:
    07.12.2019 um 23:43 Uhr

    „@Edgar Lefgrün Wer keine Verantwortung will soll nicht General werden. BAAINBw hat schon immer genug militärische Dienstposten gehabt und es sollte keine Probleme machen Neue zu schaffen. Was wäre denn ihr Vorschlag, alles weiter wie bisher?“

    Das BAAINBw hat so etwas mehr als 6000 Dienstposten, davon etwas mehr als 2000 nicht besetzt, sind nicht besetzbar, ein Beispiel Juristen. Und es sieht nicht nach Verbesserung aus.

  8. @JD:
    Warum gehen sie davon aus, dass die Dinge besser laufen, wenn ein General verantwortlich ist?

    Der Leiter der Projektabteilungen K und I und ein Vizepräsident des BAAINBw ist General. Ebenso der Abteilungsleiter A und der Rüstungsstaatsekretär ist auch (erstmals) ein GenLt a. D.

    Auf der Ebene der Referatsleiter im BAAINBw und im BMVg sind auch viele Dienstposten militärisch besetzt.

    Bringt aber alles nichts, wenn die Verantwortlichkeiten unscharf gestaltet sind und Mikromanagement und Überregulierung das System ausbremsen.

  9. „BG sagt: 07.12.2019 um 18:40 Uhr
    Politik, BW und Industrie müssen sich zusammen setzen, und gemeinsam offen und ehrlich reden:

    Was wollen wir?
    Was kann geliefert werden?
    Zu welchem Preis und
    Wann?“

    An eine Gemeinsamkeit ist doch wohl zu zweifeln, ich zweifle jedenfalls. Gibt es eine Industie mit deren Vertretern sich die „Bw“ „zusammensetzen“ könnte und gemeinsame Interessen haben? haben? Wohl nicht, denke ich.

    Es gibt Auftragnehmer, diese müssen den Auftrag über eine Ausschreibung „gewonnen haben. Und es gibt Auftraggeber, die Spezifikatonen schon mal ändern. Auftragnehmer, die ihre Versprechen nicht einhalten können. Ein alter Kamerad in Ulm erklärte mir damals, AB habe für den A400M nicht genügend Ingenieure, solche werden bei der Zivilen Sparte dringender gebraucht, dort könne man Geld verdienen.

    Und so weiter und so fort.

  10. Oliver F. Götz sagt:08.12.2019 um 10:55 Uhr
    „Wo ist der deutsche Perfektionismus geblieben?“

    Ob sowas nicht hinderlich wäre? Ob es sowas überhaupt möglich? Man braucht kein „perfektes“ Gerät sondern brauchbares Gerät, bezahlbares Gerät. Arbeitspferde, keine schönen Rennpferde.

  11. Eine Google Suche mit „BAAINBw Koblenz Boreout“ führt zu interessanten Ergebnissen.

    Ich kenne 2 Kameraden (Unteroffiziere mit Portepee) denen die Zeit dort zum Kaffee kochen und YouTube gucken zu schade ist und sich versetzen lassen.

    Wenn dort wie in großen Teilen der BW einfach nur mal der Arbeit nachgegangen werden würde die auf dem Tisch liegt, sehe die BW sicher anders aus.

  12. @ Roter Milan

    Wenn zwei Feldwebeldienstgrade, mit die niedrigsten Dienstgrade die in Koblenz Dienst tuen, unterfordert sind und vielleicht auch gegen ihren Willen dorthin versetzt wurden und in Heimatnähe versetzt werden wollen, heißt das was genau für die gesamte Dienststelle mit knapp 10000 DP, davon 1000 DP nicht besetzt ?
    Sollen die Fw-Dienstgrade vielleicht Vertragsjuristen ersetzen ?

  13. RoterMilan sagt:
    08.12.2019 um 14:34 Uhr

    Eine Google Suche mit „BAAINBw Koblenz Boreout“ führt zu interessanten Ergebnissen.

    Ich kenne 2 Kameraden (Unteroffiziere mit Portepee) denen die Zeit dort zum Kaffee kochen und YouTube gucken zu schade ist und sich versetzen lassen.“

    Ich erinnere mich an zwi W15, nach der Grundausbildung in Goslar wurden sie Kaffekocher in Wittmundt, sie liessen sich versetzen zur LwSicherung nach Schortens. Gut gemacht

    Welche Arbeit könnten UmP denn am BAAINBw dürchführen? Für welche Aufgaben waren sie vorgesehen? Es gibt ja keine Stellen für Kaffeekocher. Sie sind keine Juristen die Verträge lesen oder aufsetzen könnten.

  14. @Georg,

    Ihre Sicht auf den 68030 Prozessor ohne Betriebssystem muss aber schon korrigiert werden.

    Die Software kann mit modernen Methoden auf modernen Entwicklungsystemen geschrieben werden. Übersetzt (compiliert) wird dann mit einem gängigen Compiler, ggf. mit vorhergehenem Optimierungslauf. Für bestimmte zeitkritische Bereiche übersetzt der Compiler nur bis auf Macro-/-Assemblerebene. Dann kann hier noch optimierend Hand angelegt werden. Anschließend geht das Ganze durch den Cross-Assembler, der den Maschinencode, passend für den 68030 übersetzt. Mit einem JTAG direkt oder einem (E)EPROM-Schreiber auf den Chip. Chip in Sockel oder auf der Platine festlöten. Testen und Flugzeug starten.

    Ein aufgeblähtes Betriebssystem, wie Windows, würde nur die Komplexität erhöhen, die zeitkritischen Routinen stören und das Fehlerrisiko erhöhen, ohne dass ich einen sinnvollen Grund für diesen Overhead erkennen kann.

  15. Ich schlage vor, als Referenzgröße für die Diskussion das Fähigkeitsprofil zu nehmen – und zwar die Auslieferung von ca. 1/3 des gesamten gelisteten Materials in den Jahren 2020 bis 2029. Und dem gegenüber die geplanten Auslieferungen zu setzen. Das ergibt dann ein realistischeres Bild davon, ob die Bundeswehr sich ernsthaft in Richtung des Fähigkeitsprofils bewegt oder nicht.
    Bei 15 Fregatten im Profil also 5 Fregatten ausgeliefert von 2020 bis 2029. 3 F125 und 2 MKS180 wären dann das Maß.
    Usw.

  16. @ Memoria sagt:
    08.12.2019 um 11:04 Uhr
    „Der Leiter der Projektabteilungen K und I und ein Vizepräsident des BAAINBw ist General. Ebenso der Abteilungsleiter A und der Rüstungsstaatsekretär ist auch (erstmals) ein GenLt a. D.
    Auf der Ebene der Referatsleiter im BAAINBw und im BMVg sind auch viele Dienstposten militärisch besetzt.“

    Wusste ich nicht. Aber wenn diese Posten wie üblich dann alle 1,5-2,5 Jahre neu besetzt werden, mit eigentlich fachfremden Truppendienst-Stabsoffizieren, kann da bei einer Organisation wie dem BAAINBw doch kaum etwas sinnvolles für die Projektarbeit herauskommen. Hut ab vor dem Stabsoffizier, der den betreffenden Bereich dann irgendwie fachlich vernünftig geführt bekommt, aber erwartbar ist das doch kaum.
    Ich würde denken, BAAINBW brauch für Beschaffung und Projektsteuerung gute Projektingenieure, gute Controller, gute Einkäufer, gute Vertragsjuristen, und Ausschreiber, die in den vergaberechtlichen Untiefen gut unterwegs sind. Das kann militärisches Personal nicht sein, da nicht dafür ausgebildet. Ausnahmen in bewundernswerten Einzelfällen bei Naturtalenten würde die Regel bestätigen. Völlig fachfremde Abteilungsleiter sind üblicherweise auf verlorenem Posten, fördern Blindleistungserzeugung und wirken als Motivationskiller.

    In den Bereichen gute Leute zu bekommen wird heute eh schwer sein, da man bei der Bezahlung guter Leute mit der zivilen Wirtschaft oftmals nicht mithalten können wird. Da müsste man um so mehr andere Vorzüge den Bewerbern bieten.

    Bei Erprobung, Forschung, Prüfung, Nutzungsleitung, Abnahme mag das anders sein, hier könnte mil. Personal sicher den eigenen Erfahrungsschatz einbringen.

  17. @Georg
    „Anscheinend haben manche Kommentatoten noch nicht zur Kenntnis genommen, dass die Unzulänglichkeiten im System so gewollt sind um eine möglichst intensive heimische Wirtschaftsförderung zu betreiben.“

    Militärische Wirtschaftsförderung gab es schon immer. In (kalten) Kriegen wurden immer die größten technischen Fortschritte erzielt… Hinterher entwickelte sich dann erst die Ethik aus den eingesetzten Mitteln.

    @ Nachhaltig
    08.12.2019 um 19:06 Uhr

    Immer nur neue Waffensysteme sind nicht für jede TSK von höchster Prio. Im Heer sind es eher Kommunikation und Ersatstzteile… Ersatzteile ebenfalls Hauptsächlich auch in der Luftwaffe, jedoch der Tornadonachfolger, sowie CH-53 Prio hat.
    Für die Marine… Ohje Alles!

    @RoterMilan
    08.12.2019 um 14:34 Uhr

    Wenn die vorgelagerten Stellen ihren Job nicht machen, gucken die nachgelagerten Stellen in die Röhre. Dies hat nichts mit Vorgesetzten zu tuen, sondern einfach mit Kollegen die einem zuarbeiten sollen und ihren Job nicht nicht richtig interpretieren.
    Dann werden diese halt zum Kaffekocher. Der Kündigungsschutz sorgt dann für vergeudete Haushaltskarten.

  18. @Memoria Ein General (Dienstgradgruppe) pro größeres Rüstungsvorhaben, der dann die volle Verantwortung dafür trägt. Für Multi-Milliarden-Projekte wie FCAS gerne auch einen 4 Sterne General. Denn man hat bei der Gehaltsstufe am ehesten die Chance einen zu finden, der fähig und bereit ist die Verantwortung zu übernehmen.

  19. Einer maritime legend zu Folge hat Helmut Schmidt auf einer Papierserviette weiland 1970 bei seinem französischen Kollegen 20 Combattante-II Schnellboote bestellt ( aka Tiger/148-Klasse) weil Lürrsen/BWB mit der Entwicklung der Albatross-Klasse nicht so recht in die Pötte kam und die deutsche Marine – mit Blick auf den Zerstörer Elath Zwischenfall – vehement Flugkörperschnellboote forderte. Frankreich war damals das einzige verbündete Land, das mit dem Combattante-I + Exocet Prototypen über einen relativ rasch verfügbaren Ersatz für die veralteten und den sowjetischen OSA-Schnellbooten unterlegenen G37.A-„Steinbeilen“ der deutschen Jaguar-Klasse verfügte. Teil dieser maritime legend ist auch, dass der damalige Präsident BWB angesichts der Serviette einen Blutsturz erlitt, allerdings noch in der Lage war testamentarisch zu vefügen, dass solch ein Serviettenkauf nie wieder vorkommem dürfe. Nun, der testamentarisch vefügte bürokratish-, politisch-, juristisch-korrekte Strukturfilz der deutschen Wehrverwaltung, Unterabteilung Entwicklung/Beschaffung/Nutzung, hat sich mittlerweile so verfestigt, dass solche napkin-based. ministeriell vefügten Sofortbeschaffungen absolut ausgeschlossen sind.

  20. @Edgar Lefgrün:

    Ein alter Kamerad in Ulm erklärte mir damals, AB habe für den A400M nicht genügend Ingenieure, solche werden bei der Zivilen Sparte dringender gebraucht, dort könne man Geld verdienen.

    Und woran mag das liegen? Vielleicht weil man einen zivilen Airbus überallhin verkaufen darf, Lieferungen für Militärmaterial jedoch ständig hinterfragt und schlechtgeredet werden?

    Wenn man – ernsthaft – „Wirtschaftsförderung“ über Militärbeschaffung betreiben möchte, muss man sich ehrlich machen und auch daran denken, an wen das beschaffte Militärgerät anschließend sonst noch verkauft werden könnte – und mit wem man dann international in Konkurrenz steht. Oder man muss Stückzahlen beschaffen, die sich für einen Hersteller auch tatsächlich lohnen, denn ohne ersichtliche weitere Absatzmöglichkeiten für ein Produkt landet man auf der Prioritätenliste von Beginn an immer ganz hinten. Für bloß knapp 200 Flugzeuge legt niemand wirklich eine Serienfertigung auf. Und Maßarbeit und Anpassung in Einzelfertigung ist natürlich immer sehr viel teurer als prêt-à-porter aus den USA oder Russland.

    Wenn der politische Wille fehlt, die eigene Rüstungsindustrie auch beim Export als gleichwertig zu anderen Konkurrenten aus dem Ausland zu behandeln, braucht man das Wort „Wirtschaftsförderung“ eigentlich gar nicht in den Mund zu nehmen. Wer seiner Industrie beim Absatz ihrer Produkte ständig Knüppel in die Beine wirft, kann nicht erwarten, dass sie von sich aus konkurrenzfähig bleibt. Die Bundeswehr ist selbst im Rahmen der beabsichtigten Zuwächse schlicht nicht groß genug, um aus sich heraus Beschaffungszahlen zu erreichen, die ein Rüstungsprojekt für Großmaterial rentabel werden lassen. Höchstens bei Ordonnanzgewehren, Helmen, Uniformen, usw. kommt man damit hin. Die Industrie denkt freilich im Hinterkopf immer an erweiterte Absatzmärkte, denn dort verdient sie ihr Geld.

    Und wenn sich nur ziviler Absatz lohnt, sehen natürlich auch die Prioritäten entsprechend aus.

  21. @ Metallkopf

    Mit dem Ingenieurmangel bei der A400M Entwicklung liegen sie daneben. Aufgrund der immensen Probleme bei der A380 Entwicklung, die über 1 Mrd Euro Schaden verursacht haben, war Airbus gezwungen die vorhandenen Ingenieure aus der A400M Entwicklung abzuziehen und in das A380 Projekt zu stecken. Entgegen eingegangener Verträge (67 Monate Liefertermin ab Vertragsabschluss) und Umlage der Entwicklungskosten in den Serienflugzeugpreis.

    @ WarAuchDabei

    Zitat: „Ihre Sicht auf den 68030 Prozessor ohne Betriebssystem muss aber schon korrigiert werden.“

    Ich habe nicht gesagt, dass man eine Software, geschrieben für einen 68020 Prozessor, nicht ändern kann. Natürlich kann man das. Die Frage ist aber ob das sinnvoll ist, wenn man die Avionik-Architektur der Tranche 2 Flugzeuge komplett geändert hat.

    siehe aus der verlinkten Wikipedia-Seite:
    „Bei Flugzeugen der Tranche 2 erfolgte eine komplette Überarbeitung der Avionik nach ASAAC, d. h. eine strikte Trennung einer Funktion in Hard- und Software. EADS begann bereits vor 2001 mit der Entwicklung von IMA auf COTS-Basis nach ASAAC-Standard für Flugzeuge wie den Eurofighter. Kernelement für diesen Universal Aircraft Computer (UAC) war die Trennung zwischen Hardware, Hardwareabstraktionsschicht (HAL), Betriebssystem und Anwendungssoftware (Apps).[75] Im Gegensatz zur Rafale, welche bei F2 direkt auf IMA (Integrierte Modulare Avionik) wechselte, wurde bei der Tranche 2 des Eurofighters die ursprüngliche Avionik-Architektur zur Risikoreduzierung beibehalten, allerdings die Rechenbausteine standardisiert und mit Integrity-178B ein einheitliches Echtzeit-Betriebssystem (OS) für alle Missionsrechner gewählt. Hardware, HAL und OS sind für alle LRIs gleich, nur die Apps unterscheiden sich je nach Einsatzgebiet des Missionsrechners. Für die Kommunikation zwischen den Rechnern besitzt jede LRI ein Common EFEX Module (CEM), was als Mittler zwischen ASAAC-Standard und real existierender Eurofighter-Technik dient. ASAAC arbeitet mit Paketvermittlung, EFEX hingegen mit einer vordefinierten Übertragungstabelle. Die Apps/Missionsrechner des Eurofighters kommunizieren mit einer Art Mailboxsystem und legen die Mail im Zielrechner ab, während nach ASAAC die Informationen über Virtuelle Kanäle gesendet wird. Ferner besitzt jede LRI über drei Common Processing Modules (CPM) welche die Anwendungssoftware auf dem OS ausführen. Alle vier Module der LRI sind über eine VMEbus-Backplane verbunden.[77] Die LRIs werden z. B. von Rockwell Collins geliefert, entsprechen dem 1/2 ATR-Standard, sind luftgekühlt, haben sechs Steckplätze und können bis zu 250 W zur Verfügung stellen. Die drei Prozessorkarten besitzen Dual-/Quadcoreprozessoren und PCI Mezzanine Cards mit Massenspeicher. Sollte der VMEBus bzw. EFEX nicht ausreichen, können 10-GEth-Leitungen angekabelt werden.[78] IPA6 und IPA7 wurden für die Flugtests der neuen Avionik eingesetzt, die für die internationale Zulassung erforderlich waren.[79]

    Wenn Sie sehen, was an der Avionik Software der Tranche 2 alles geändert wurde, also praktisch wurde sie komplett neu geschrieben weil die Hardware komplett erneuert wurde, verstehen Sie auch warum ein Downgrade auf die Tranche 1 nicht mehr möglich war. Gottseidank ist EADS diesen Schritt gegangen denn nur so wurde es möglich die Mission Software für den gesamten Lebenszyklus des Eurofighters anzupassen und weiter zu entwickeln. Aufgrund der Abstraktion zur Hardwareebene können Module der Software vermutlich auch als Grundlage zur Entwicklung der Avioniksoftware für die nächste Generation der Kampfflugzeuge dienen.

    Ein Verbleib auf der Assembler / Maschinenspracheebene für einen Prozessortyp (68020) wäre eine absolute Sackgasse gewesen. Deshalb ist aus meiner Sicht auch unverständlich, dass die Spanier für 900 Mio Euro ihre 15 Tranche 1 Eurofighter weiterentwickeln und trotzdem bei jedem neuen Technologieschritt vor dem geschlossenen Tor der verwendeten Prozessorsackgasse stehen.

    [Ich lasse das ausführliche Zitat nur deshalb stehen, weil es bei Wikipedia urheberrechtlich nicht das Problem ist – aber grundsätzlich ist schon die Frage, warum aus einem verlinkten Text alles mögliche hier noch mal reinkopiert werden muss? T.W.]

  22. @Klabautermann
    „…hat sich mittlerweile so verfestigt, dass solche napkin-based. ministeriell vefügten Sofortbeschaffungen absolut ausgeschlossen sind…“

    Kann auch an der Person Helmut Schmidt gelegen haben.
    Entscheidungsfreudig waren Frau vdL und Frau Suder ja auch. Hat allerdings nicht der Bundeswehr, sondern der Beraterindustrie gedient. Zufall?

  23. @klabautermann
    ..und außerdem war das Ergebnis dieser Vorgehensweise durchaus erfolgreich und überaus langlebig.“Mein“ 148er wurde erst 2014 von den Chilenen außer Dienst gestellt!!

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